Auch Angehörige leiden mit!

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  • Sandra
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3

    Hallo,
    ich bin so ein Angehöriger und würde mich freuen wenn es auch andere hier her schaffen um sich auszutauschen.
    Erst mal möchte ich mich bei Bettina bedanken. Es gab hier wohl schon ein Forum für Angehörige, was leider nicht so gut angenommen würde. Wir würden uns wünschen das es diesmal anders wird, denn ein Versuch ist es wert.
    Liebe Grüße Sandra 🙂

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27898

    Herzlich willkommen, liebe Sandra. 🙂

    Wir versuchen das jetzt einfach mal und warten mal, wie so die Resonanz ist.

    Magst Du mal beginnen und von Dir und Deinem Mann erzählen? Er kam ja eben erst aus Kiel zurück, wie Du mir berichtet hattest. Wie läuft das denn so bei Euch zu Hause? Wie stehst Du Deinem Mann bei, kannst Du ihm helfen, oder bist Du eher hilflos daneben?

    Wie geht es Dir als Angehörige? Leidest Du auch in irgend einer Weise an der Situation?

    Liebe Grüße
    Bettina

    Sandra
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3

    Hallöchen,
    leider hab ich es nicht eher geschafft zu schreiben.
    Also zu unserer Situation, mein Mann hat seit Kindestagen an Migräne. So hab ich ihn auch kennengelernt. In den letzten Jahren ist es aber stätig mehr geworden. Wir sind beide selbstständig und daher ist es schwierig mal eben zu Hause zu bleiben. Das ist dann schon eine beachtliche Einschränkung. Unterstützen kann ich ihn nur , indem ich ihm , wenn es noch nicht zu schlimm ist , die Stirn bzw die Schläfen massiere. Für Ruhe sorge und ihm das bringen kann was er grade braucht, sei es ein Entspannungstuch oder trinken, was auch immer. Da ich auch Kinder habe ist es für sie auch oft nicht einfach dann ruhig zu sein. Es sind halt Kinder. Unser ganzes Zusammenleben hat sich verändert. Es ist oft angespannte Stimmung zu Hause, also gibt es auch schnell streit weil letztendlich die Belastung für alle zu hoch ist.
    Seit ein paar Tagen ist mein Mann wieder aus Kiel zu Hause, worüber wir uns alle sehr gefreut haben. Jetzt kommt das große Aber…..
    3 Tage am Stück neue Migräneatacken…. Das war schon ein richtiger Knaller für uns. In dem Umfang hatten wir nicht damit gerechnet. Wahrscheinlich ist es die Umstellung von der Ruhe in den Alltag. Seit Gestern geht es wieder und er ist fast Schmerzfrei. Wir müssen uns erst mal an die “ Neuen “ Regeln ( 10/20 ) gewöhnen, haben dennoch Angst davor was in den 20 Tagen ist !?!
    So das war eine Kurzfassung von dem wie es hier ist.
    Lieben Gruß Sandra

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27898

    Liebe Sandra,

    es ist ganz normal und auch leider üblich, dass durch die Umstellung vom Klinikbetrieb, in dem man doch unter einer schönen Glasglocke lebt, in den normalen Alltag nach Hause vermehrt Attacken auftreten können. Sicher wird es ihm im Laufe der nächsten Zeit wieder besser gehen.

    In welchen Situationen gibt es denn meist die Spannungen? Gibt es hier Auswege? Rückzug ins eigene Zimmer, Entspannungsübungen …?

    Wie alt sind die Kinder und wie kommen sie damit klar?

    Liebe Grüße
    Bettina

    regenbogen68
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1739

    Liebe Sandra,

    ich lebe alleine, möchte dich aber trotzdem fragen, ob du mit deinem Mann einmal darüber gesprochen hast, was er gerne hätte oder braucht.

    Ich brauche nämlich zum Beispiel nichts, nur meine Ruhe. Entweder liege ich eh im Bett oder ich bin auf, da bin ich aber nicht sehr gesprächig (ich geh z.B. nicht mal ans Telefon). Ich rede nur, wenn ich mit Migräne arbeiten muss – das geht aber nur mit Triptan.

    Wenn mein Umfeld mit mir mitleiden würde, wäre das sogar eine Belastung für mich. Ich pass schon gut auf mich selbst auf.

    Im Sommer war ich eine Woche mit einer Gruppe weg. Am Anfang waren alle besorgt, wenn ich Migräne hatte, sehr bald haben alle aber verstanden, dass ich nur meine Ruhe brauche und mich gut um mich selbst kümmern kann. Und dann eh wieder aus meinem Loch hervor komme.
    Wir haben darüber auch gesprochen (es war eine Reflexions-Meditationsgruppe) und ich fand es richtig schön, wie mir alle meine Eigenverantwortung sozusagen „zurückgegeben“ haben.

    Aber, jeder tickt anders.

    Lieben Gruß
    Regenbogen

    Daniela
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 672

    Hi Sandra,

    ich bin sozusagen auch Angehörige eines Migränekranken 😉
    Aber da ich auch selber betroffen bin ist es natürlich eine ganz andere Situation.

    Habe aber einen Gedanken zum „Mitleiden“: ich hab vor ein paar Jahren eine Psychotherapie gemacht. Damals gabs einen Punkt, an dem ich gearbeitet hatte: mir ging es immer schlecht, sobald es meinem Mann schlecht ging. Mein Psychiater meinte das bringt keinem etwas. Damals hatte mein Mann sehr viel, ich eher wenig Migräne. Und ich habe mich immer „runter“ ziehen lassen. Das hat irgendwann dazu geführt, dass ich nur noch für andere gelebt habe, mich und meine Bedürfnisse völlig vergessen habe.

    Mittlerweile kann ich ganz gut differenzieren. Ich habe Verständnis, denn ich weiß ja sehr gut, was Migräne bedeutet; aber ich erlaube mir dass es mir gut gehen darf – auch wenn er gerade leidet.

    Ist nur so ein Gedanke 😉 vielleicht hilft es dir da anders ran zu gehen.

    Momentan habe ich mehr Migräne als er. Ich arbeite Vollzeit, er ist seit 12 Jahren ohne Job. Keine einfache Situation – aber man gewöhnt sich an alles…
    Kinder haben wir keine und vermutlich wird das auch so bleiben.

    Ich war etwas verwundert über deine Aussage, dass bei euch oft eine angespannte Stimmung ist, weil dein Mann oft Migräne hat. Natürlich kann ich es nachvollziehen, aber das ist Gift – für die Familie und auch für die Migräne selber – Anspannung bringt neue Attacken. Versucht auf jeden Fall eine entspannte Grundstimmung zu schaffen! Mein Vater hatte keine Migräne – trotzdem brauchte er Ruhezeiten, die wir als Kinder zu respektieren hatten. Je nach Alter der Kinder, kann man Rituale einführen – die ablaufen, wenn Papa Migräne hat. Irgendwas, was ihnen die Situation erleichtert – und deinem Mann genug Freiraum schafft.

    Grüßle Daniela

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3975

    Ihr Lieben,
    ich habe einen Vorschlag für diese Gruppe:

    Ist es nicht sinnvoll, sie -genau wie die Gruppe „Depressionen“- ausschließlich für Mitglieder zugänglich und vor allem LESBAR zu machen?
    Ich habe ganz große Probleme, hier Berichte über Dritte zu sehen, die IN ALLER WELT gelesen werden können. (Ich finde es IMMER schlimm, über Dritte zu reden, wenn diese nicht dabei sind)
    Wenn ich mir vorstelle, dass meine Angehörigen sich Hier und lesbar für ALLE über MEINE Krankheit auslassen würden, dann wird mir ganz anders.
    Egal, wie sehr sie sich bemühen, die Anonymität zu wahren. Manches ist ja doch aus dem Inhalt zu erschließen.

    Ich weiß, ich bin da sehr empfindlich. Aber vielleicht erleben es andere so ähnlich.

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27898

    Liebe Alchemilla,

    danke für Deinen Vorschlag. Meiner Meinung nach sollten viel mehr Themen raus aus der Tabu-Ecke und dies gelingt nur durch mehr Öffentlichkeit. Versteckt man wichtige Themen in geschlossene Gruppen, werden viel zu wenige Menschen erreicht.

    Man ist ja im Dialog mit seinem Partner und wird sicher nicht öffentlich darüber berichten, wenn das dem Partner nicht recht wäre. So würde Dein Mann ganz sicher nie über Dich schreiben, weil er Dich und Deine Einstellung dazu kennt. Hier kann jeder anonym schreiben und ein Zuordnen der Beiträge zum realen Namen ist doch fast unmöglich.

    Ich denke, dass in dieser Gruppe nur die Menschen schreiben, die sich das gut vorher überlegen und durch den Austausch auch Mut machen möchten. So gesehen hoffe ich sehr, dass wir sie offen lassen können und somit gewährleisten, dass die Beiträge die Menschen auch erreichen.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Sandra
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3

    Hallo 🙂
    viele Sachen die ihr geschrieben habt haben mich zum Nachdenken angeregt, und das ist auch gut so.
    Zu dem Thema öffentlich oder nicht, mein Mann weiß darüber bescheid und hat sich sogar gefreut das ich mich hier angemeldet habe. Er hat schlichtweg einfach nicht die Zeit und die Geduld selber hier Aktiv zu sein, und deshalb mache ich das. Ich stehe auch immer im Gespräch mit ihm was hier geschrieben und diskutiert wird und fand es selber merkwürdig mit der Öffentlichkeit. Wenn alles privat und hinter verschlossener Tür stattfindet, wie soll da der Austausch zustande kommen? Wir möchten ja auch andere Meinungen und Erfahrungen kennenlernen außer die in unserer unmittelbaren Umgebung. Soviel Dazu.

    Selber befinde ich mich schon seit einem Jahr in Behandlung bei einer Psychologin die mir sehr gut weiter hilft, es ist halt nur schwer wenn nur einer therapiert wird. Aber ich denke das er sich auch bald jemanden sucht der ihn unterstützen kann. Wir sind auch dabei einen Schmerztherapeuten ausfindig zu machen. Was wir noch in Angriff nehmen wollen ist Hypnose. Ausprobieren kann man es ja.
    Ruhezeiten kann er sich nehmen wie und wann er möchte, es ist nur schwierig wenn er sich die Zeit nicht dafür nimmt. Und da kommen wir auch an unsere Reibungspunkte. Es ist oft schwer einzuschätzen wie es ihm geht, weil er “ nicht immer rumjammern will“ uns nicht mitteilt das es ihm grad nicht gut geht. Also merkt man es des Öfteren an seiner „Laune“ ,wo wir mit konfrontiert werden. Ich hab dafür Verständnis das die Situationen sehr belastend sind , aber man muss auch wissen wo ran man ist. Sowohl er, die Kinds als auch ich. Da müssen wir noch stark dran arbeiten.
    So , ich wünsche euch ein schönes und erholsames Wochenende und das ihr Schmerzfrei eure Zeit genießen könnt 🙂
    Liebe Grüße Sandra

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27898

    Ich finde es gut und wichtig, dass Du hier zum Wohle von Euch allen so hinterher bist. Ich denke, Männer haben noch mehr Probleme, auf die Signale des Körpers zu achten und insgesamt „achtsamer“ sich selbst gegenüber zu sein. Wie schön, dass Du ihm hier ein bisschen den Weg bereitest.

    Hypnose kann vielleicht zu einer besseren Entspannung insgesamt führen, für die Migräne hat es keine Wirkung. Aber Ihr geht das ja sicher entspannt an.

    Alles Gute und halte uns bitte auf dem Laufenden. Ich finde es so wichtig, dass sich auch Angehörige äußern. Speziell auch Angehörige von Clusterpatienten, die oft auch enorm gefordert sind.

    Liebe Grüße
    Bettina

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5622

    Liebe Sandra,

    ich habe mich meiner Familie gegenüber auch immer bestmöglichst zusammengerissen, um sie mit meiner Migräne so wenig wie möglich zu belasten. Ich fand mich auch immer sehr „normal“ (Eigenwahrnehmung 😉 ). Meine Kinder baten mich eines Tages sehr darum, ihnen in Zukunft bitte immer zu sagen, wenn ich Migräne hätte, denn dann würden sie meine Gereiztheit (Fremdwahrnehmung 😉 ) zuordnen können und nicht auf sich beziehen.
    Und den Gefallen habe ich ihnen seit diesem Tag getan, und es ging und geht uns allen damit besser.

    Meinem Mann brauche ich übrigens nie zu sagen, ob ich Migräne habe. Der sieht mir das auf einen Kilometer Entfernung schon an und kann sogar meinen Schmerzgrad überraschend exakt einschätzen.

    Lieber Gruß
    Heika

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27898

    Tja, so kanns gehen mit Eigen- und Fremdwahrnehmung. 😀 😀 😀

    regenbogen68
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1739

    Liebe Sandra, ich freu mich sehr über deine Reaktion. Ich konnte nämlich den Einwand von dir, liebe Alchemilla, auch gut verstehen.

    Wenn wir uns hier aber weiterhin ganz offen austauschen können, ist das am besten.

    Ich habe mich inzwischen daran erinnert, wie schlecht ich mich in einer Beziehung von Problemen, die nicht meine waren, abgrenzen konnte. Ich habe mitgelitten, wie ein Hund, Und das hat weder mir noch meinem Partner gut getan.

    Ich verstehe nur zu gut, wie schwierig das für dich ist. Wie gut, dass du dir Hilfe suchst.

    Und schön, dass du das Forum mit deinen Beiträgen bereicherst.

    Lieben Gruß
    Regenbogen

    Flummi
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 194

    Hallo ihr Lieben

    Ich bin dieser Gruppe beigetreten, weil ich es sehr wichtig finde das sich nicht nur wir austauschen können sondern auch unsere Angehörigen.

    Im letzten Jahr hat sich mit dem Wissen um meine Diagnosen nicht nur für mich etwas verändert, sondern auch für meine Familie. Seit dem versucht mein Mann mir zu helfen wo es geht.

    Ich habe mich schon oft gefragt wie es ihm eigentlich mit meiner jetzt neuen Situation geht. Bekomme selber aber keine klare Aussage dazu. Höchstens mal das ihm das ein oder andere auffällt. Er scheint mich mit seinen Sorgen da auch nicht belasten zu wollen.

    Er selber möchte sich nicht über ein Forum austauschen aber vielleicht der ein oder andere Partner/Partnerin oder Angehörige.

    Auch bei meinen Kindern und Geschwistern ist ein Umdenken eingetreten. Sie erkennen jetzt die Problematik deutlich besser als früher und nehmen mich auch anders wahr als vorher.

    Die Gedanken von Angehörigen könnten auch uns Betroffenen helfen manche Situationen anders oder besser einschätzen zu können.

    Gruß Flummi

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