Wann sollte man sich stationär in Klinik einweisen lassen

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  • sommertag16
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3

    Auch ich bin Partnerin eines Migränikers und kenne das Thema Schmerzen schon seit Jahren. Mein Partner hat in der Regel 6-8 Anfälle im Monat und dazu kommen noch etliche Tage mit Kopfschmerzen. Im Laufe der Jahre ist es immer mehr geworden und ich bin inzwischen sehr besorgt. Wir achten sehr auf Ernährung, regelmässige Mahl- und Schlafenszeiten. Es ist dann vielleicht mal ein Monat besser und dann folgt oft ein ganz schlechter Monat. Schmerztagebuch wird geführt. Da mein Partner selber medizinischen Hintergrund hat, ist er noch nie beim Spezialisten gewesen. Ich hätte es gerne, wer er sich doch mal durchchecken lässt und aus seinem Arbeitsalltag rausgeht und Zeit für sich, seine Krankheit und Schmerzen und in der klinik behandeln lässt.Was natürlich als Selbständiger nicht so einfach ist und Probleme und Planungen mit sich zieht. Nur meine ich, dass die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden wichtiger sind und wir es auch irgendwie organisiert bekommen. Er meint, dass er ja gar nicht so schlimm dran ist, es gibt viele, die viel öfter Anfälle haben und er kein Fall für die Klinik ist. Mein Problem ist, dass ich es nicht einschätzen kann, wie schlimm es ihn inzwischen getroffen hat. Denn ich empfinde es inzwischen als extreme Einschränkung unseres Lebens und er fällt für viele Sachen aus und kann auch mit Problemen nicht belastet werden. Meiner Meinung nach wäre es gut, wenn ein Fachmann seinen Fall betrachtet und evtl. auch noch andere Aspekte sieht, die er selber nicht für sich sieht oder beachtet. Oder sind es tatsächlich zu wenig Anfälle und alles ist im Rahmen, wie er mir sagt.
    Vielen Dank für eure Unterstützung!

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3993

    Hallo, Sommertag,
    wenn sich die 16 auf dieses Jahr bezieht, dann bist du besonders herzlich willkommen, denn wir haben heute schon WIEDER Wintereinbruch ! ! !

    Zu deiner Frage ist es bestimmt sehr hilfreich, wenn du in diesem Forum ein wenig liest und deinen Partner überreden könntest, dies ebenso zu tun:
    https://headbook.me/groups/termin-in-der-schmerzklinik-kiel/forum/topic/was-kann-man-sich-vom-aufenthalt-erwarten/

    Allgemein sind wir, die wir schon dort waren, fast einhellig der Ansicht, dass der Aufenthalt sehr sehr gut tut.
    Es ist nicht die Art Klinik, wo man an der Eingangsschwelle jegliche Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit ebgeben muss und nur noch als „Dulder“ auftreten darf. Im Gegenteil.
    Das allein schon ist ein unschätzbarer Wert.
    Zusätzlich zur medizinischen Betreuung bekommt man viel Stoff zum Nachdenken. Informationen, Impulse, Entscheidungshilfen.

    Was den rein medizinischen Check anbelangt, da schreiben hoffentlich noch andere dazu.

    LG
    alchemilla

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4626

    Liebe Sommertag,

    auch von mir ein herzliches Willkommen hier bei uns.

    Ich finde es toll, dass du als Angehörige eines Migränikers hier mitließt. Wissen ist Macht, und m.E. zählt dieser Spruch besonders auch bei uns, bei den Migränikern. Prof. Göbel sagt immer “ Wir müssen unser eigener Anwalt werden/sein“.

    Wie weit sich dein Partner mit Migräne und den Behandlungsmöglichkeiten auskennt, kann ich nicht beurteilen.Aber allein der Grund, dass er aus dem „medizinischen“ kommt, reicht nicht aus. 🙂 Ich weiss, dass es etliche Neurologen gibt, die bzgl. Migräne noch einiges dazulernen können.

    Auch ich möchte dich in der Meinung, dass sich dein Partner in einer speziellen Klinik behandeln lassen sollte unterstützen. Sicher ist es als Selbstständiger nicht einfach, aber irgendwie wird man die Planung hinbekommen. Ich pers. war schon 2 Mal in der Schmerzklinik in Kiel und kann nur sagen, dass sich seit meinem 1. Aufenthalt das Leben mit der Migräne wieder gut leben läßt.

    Also, gib nicht auf, überzeuge deine Partner, und berichte ihm von den vielen positiven Beiträgen hier im Forum.

    Alles Liebe für euch
    Sternchen

    Kiaora
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 57

    Liebe Sommertag,

    auch ich möchte Dich und Deinen Partner ermuntern, dass er sich durchaus nach Kiel überweisen lassen sollte. Ich war, als ich 2014 nach Kiel ging, bei 5-6 Anfällen im Monat. Als ich dort die vielen Patienten sah, die mit deutlich mehr Anfällen zu tun haben und die sich 5-6 Anfälle als BehandlungsZIEL gesetzt hatten, habe ich mich fast geschämt, „nur“ 5-6 Anfälle zu haben. Ich habe darüber mit meinem Stationsarzt gespochen. Er hat dazu sinngemäß gesagt: Manche kommen erst, wenn sie kurz vor dem Zusammenbruch stehen. Und dann gibt es die Patienten, deren Arzt klug genug war, sie zu einem früheren Zeitpunkt einzuweisen, wo in den Bahndlungsmöglichkeiten noch viel Luft nach oben ist.

    Ich war dort absolut nicht „falsch“ mit meinen 5-6 Anfällen!!

    Außerdem kommt es immer auf den individuellen Leidensdruck an. In der Klinik sagte eine Patientin zu mir: „Mit 5-6 Anfällen im Monat könnte ich leben.“ Ja, das kann ja sein, dass sie das könnte – ich kann und will es nicht. Außerdem zeigte sich, dass ich (fälschlicherweise) viele Migräne-Tage gar nicht mitzähle, weil ich an diesen Tagen nicht kotzend über dem Klo hänge. Auch das habe ich gelernt: Als Migränetag wird nicht immer nur der schlimmste Anfall gezählt.

    Und noch etwas: Ich bin auch – Vollzeit – selbstständig und ich habe den Aufenthalt von langer Hand geplant, indem ich schon Monate vorher eine (freie) Kollegin in meine Arbeit und in meinen Kundenkreis einführte. Und die hat mich dann ganz wunderbar vertreten und tut es heute noch, wenn ich – haha! – Migräne habe oder in Urlaub fahre. Sozusagen eine „Investition“, die mir nun ganz generell in meiner Selbstständigkeit hilft.

    Und – ganz ehrlich – es sind nur zwei Wochen, das muss für die Gesundheit einfach drin sein! Vielleicht kann sich Dein Partner mal vorstellen, um wieviel leichter (und vielleicht auch mehr, wenn er das will) er arbeiten kann, wenn er durch die Behandlung in Kiel vielleicht weniger Anfälle hat – da lohnen sich zwei Wochen „Auszeit“ vom Job doch alle mal, oder? 😉

    Liebe Grüße
    Kiaora

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Jahre, 7 Monate von  Kiaora.
    sommertag16
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3

    Ich danke euch für eure ehrlichen Antworten und es bestärkt mich darin, einen Klinikaufenthalt für meinen Partner auf den Weg zu bringen und ihn davon zu überzeugen. Im Moment ist es ein gehangel von einem Urlaub zum nächsten und im Grunde tritt da auch nie eine richtige Erholung ein, weil dieser ja auch der nicht ohne Migräne ist und ich empfinde meinen Partner immer mehr als absolut erschöpft und kraftlos. Er ist auch in dem Forum und lässt sich hier wegen der Medikamente und Dosierung beraten. Ich habe die Vorstellung, dass in der Klinik halt jemand von aussen diesen Fall ansieht und eben doch noch einen anderen Blick hat, wo man selber vielleicht auch betriebsblind ist und vielleicht auch noch mal andere Impulse setzen kann. Mein Partner verzichtet seit Jahresbeginn fast auf alle Aktivitäten, die nicht in seinen Rhytmus passen. Das kann doch für die Psyche auch nicht gut sein, zumal sich an den Anfällen auch nichts geändert hat. Ich empfinde das inzwischen schon als eine sehr große Belastung für unser Leben und finde, dass er dringend etwas machen muß, um sein Lebensfreude zu erhalten und auch die Arbeitskraft für die nächsten Jahre zu erhalten.

    Viele Grüße und vielen Dank – heute scheint die Sonne und es ist milder –

    Sommertag

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2061

    Liebe Sommertag,

    ich kann mich dem, was hier geschrieben wurde nur anschließen.

    Einen anderen Blick und neue Impulse wird es bei einem stationären Aufenthalt sicher geben. Ich wünsche dir, dass du deinen Partner überzeugen kannst, denn gerade wenn schon eine solche Erschöpfung eingetreten ist, wird es immer schwieriger da aus eigenem Antrieb noch einen Weg zu finden und Hilfe von außen wird umso nötiger.

    Nur noch eine Rückfrage – du schreibst in deinem ersten Beitrag, dass dein Partner noch nie beim Spezialisten war und jetzt in deinem letzten Beitrag, dass er sich wegen der Medikamente und Dosierungen hier beraten lässt – inwiefern hat er denn bislang versucht, ambulant (oder auch durch Eigenversorgung) weiter zu kommen? Dies lässt sich aus deinen Beiträgen nicht wirklich erkennen…

    Ein stationärer Aufenthalt ist vor allem dann angebracht, wenn die ambulanten Möglichkeiten nicht weiterhelfen – aber vielleicht kann auch ambulant über einen guten Schmerztherapeuten (rechts in der Sidebar finden sich Netzwerkpartner der Klinik) oder einen ambulanten Termin in Kiel schon eine Verbesserung erreicht werden. Dies würde ich an eurer Stelle wohl zuerst versuchen – vor allem auch wenn er als Selbstständiger sich die 2 Wochen Ausfallzeit nicht vorstellen kann oder will. Ein einzelner Ausfalltag lässt sich immer arrangieren, davon kannst du ihn vielleicht auch leichter überzeugen und wenn der ambulante Termin ihn nicht weiterbringt, gibt es immer noch die Option eines stationären Aufenthaltes…

    Liebe Grüße,
    Tanni

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3993

    Ja, Tannis Fragen beschäftigen mich auch:
    Ist dein Mann Arzt?
    Verschreibt er sich die Medikamente selbst?
    Wenn ja: Was würde er von seinen Patienten halten, die sich Rat im Internetforum holen, ANSTATT zu einem Arzt zu gehen, nicht ERGÄNZEND dazu?

    Ich glaube, dass es sehr schwierig ist, den Partner zu etwas „zu bringen“, das dieser völlig ablehnt. Ich weiß auch nicht, ob es die Aufgabe eines Partners ist, als so etwas wie ein Vormund aufzutreten.
    Das kann eine Beziehung furchtbar belasten, weil man nicht mehr auf Augenhöhe miteinander spricht.
    Deine Sorgen kann ich andererseits auch nachvollziehen.
    Letztendlich aber ist es SEIN Job, den Punkt zu erwischen, wo er sagt, JETZT brauche ich Hilfe von anderen.

    Liest er auch dieses Forum hier, wo du dich eingebracht hast?

    LG
    alchemilla

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28221

    Herzlich willkommen hier in dieser Gruppe und im Forum, liebe Sommertag. 🙂

    Es gibt eine grundsätzliche Empfehlung, wann man einen stationären Aufenthalt planen sollte, der dann auch von den Kassen „genehmigt“ wird. Es muss ersichtlich sein, dass ambulant kein Weg mehr zu finden ist und dass die Erkrankung sehr beeinträchtigt. Dein Partner kann die 10 erlaubten Behandlungstage offensichtlich gut einhalten, was eher gegen eine stationäre Empfehlung sprechen würde. Wobei Kiaoras Argumente natürlich auch Sinn machen.

    Ist er denn bei einem Neurologen in Behandlung, oder läuft alles in Eigenregie? Wenn letzteres zutreffen würde, erstattet die Kasse den stationären Aufenthalt nicht, weil eben das Argument „ambulant geht nichts mehr“ nicht mehr greift. Wie kommt er denn sonst mit seiner Mediaktion zurecht?

    Liebe Grüße
    Bettina

    sommertag16
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3

    Noch einmal ergänzend zu euren Nachfragen. Mein Partner ist selber Arzt, Triptane werden immer vom Internisten verschrieben, der aber keinen absoluter Spezi für Migräne ist und einfach nur die Rezepte ausstellt. Genommen wird ein Triptan, Prophylaxe durch Betablocker und dann noch variierende Mittel bei Wiederholungskopfschmerz und Magnesium. Betreuung erfolgt so zusagen in Eigenregie und nach Informationen aus diesem Forum und der Philosophie aus Kiel. Ich denke, dass erst einmal ein ambulanter Termin in Kiel sicherlich sinnvoll ist. @ Bettina: gilt das mit der stationären Aufnahme auch für PKV – Mitglieder, oder eher für gesetzlich versicherte? Ihr scheint ja auch vornehmlich Betroffene zu sein, die geantwortet haben. Wie ist das denn für eure Familien? Natürlich muss der Partner das selber entscheiden, wie es weiter geht, nur wenn man das Gefühl hat, dass es immer schlechter wird, kann ich das doch nicht ignorieren. Denn wenn es so weiter geht, kann er irgendwann nicht mehr arbeiten.@ Kiaora – es hat micht beeindruckt, dass du geschrieben hast, dass du viele Tage schon gar nicht mitgerechnet hast. So empfinde ich es halt, dass er es sich besser redet als es ist.
    lg Sommertag

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3993

    Hallo, Sommertag,
    ich vermute, dass es von PKV zu PKV unterschiedlich sein kann. Meine Krankenkasse hat damals gen