Die Arbeit macht mich fertig! Wie gehts nun weiter?

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  • nureinpseudonym
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    Beitragsanzahl: 21

    Hallo liebe Leute,

    im Herbst war ich in Kiel. Chronische Migräne, chronische Spannungskopfschmerzen, depressive Episode, dazu kommen noch 1-2 andere „Sachen“ …
    Im Dezember hab ich mir ein Herz gefasst und mir einen neuen Job gesucht und den alten gekündigt.
    Alles sollte besser werden, wenn ich nicht mehr Abteilungsleiter bin.

    Nachdem ich dann aus Kiel wieder da war und insgesamt fast 3 Monate Auszeit hatte, wurde es auch tatsächlich besser.
    Ich war dann Zwischenzeitlich sogar runter auf bis zu 6 Migränetage im Monat. (zufrieden war ich damit noch nicht, heute würde ich jubeln!)
    Nun, im dritten Monat meines neuen Jobs, bin ich wieder hoch auf 14 Tage.
    Sogar der gute alte status migraenosus lässt sich hin und wieder mal blicken.
    Botox habe ich von meinem Schmerztherapeuten zwischenzeitlich bekommen, wirkt sich leider ausschließlich positiv auf die Spannungskopfschmerzen aus. Na immerhin!

    Naja, ich frage mich jetzt: Wie gehts denn jetzt eigentlich weiter?
    Ich merke mehr und mehr, dass ich durch meinen Job in Verbindung mit meiner Erkrankung überfordert bin.
    Ich bin Projektleiter, stehe also im Fokus, koordiniere und führe Menschen, löse Probleme, leite Meetings und Workshops.
    Mein Beruf besteht sozusagen aus Stress.

    Mein Psychotherapeut rät mir dazu, dass ich mich abgrenzen soll.
    Ich soll mir Freiräume schaffen, soll mich nicht unter Druck setzen lassen, soll zwischendurch immer mal wieder entspannen.
    Ich habe ihn gefragt, ob er sich vorstellen kann, wie so ein Tag in einem Büro eigentlich abläuft, wenn man eine Führungsaufgabe hat.
    Sorry, aber er sitzt den ganzen Tag in seiner Praxis und lädt sich schön einen Patienten nach dem anderen ein …

    Jedenfalls glaube ich mittlerweile nicht mehr, dass ich auf lange Sicht so weiter machen kann/darf/soll/will.
    Ich lebe nicht für meinen Job und will dafür schon gar nicht meine Gesundheit opfern.
    Mir fehlt einfach die Vorstellung davon, dass ich in meiner jetzigen Situation eine echte(!) Verbesserung erzielen kann. (vom heutigen Standpunkt aus gesehen wären 6 Migränetage durchaus eine Verbesserung)

    Mal angenommen das wäre so, es wird eher schlimmer als besser.
    Wie würde es dann weiter gehen?
    Laufe ich dann wieder an die Obergrenze der 10 Tage Medikation und bleibe dann mit einer AU zu Hause?
    Mir geht es dann auch emotional wieder schlechter und ich brauche wieder eine Auszeit?
    Im Rahmen meiner Probezeit ist dann relativ schnell klar was folgen wird …
    Was kommt dann?

    Wie war das bei Euch?
    Hat einer von Euch einen ähnlichen Job und hat es gepackt oder nicht gepackt?
    Ich würde einfach gern mal versuchen meinen Standpunkt etwas besser zu bestimmen.

    Für jede Hilfe bin ich dankbar!

    btw: GdB Widerspruch läuft … mal sehen was da so kommt!

    Indie
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 168

    Hallo liebes Pseudonym,

    ich bin zwar keine Abteilungsleiterin, habe aber eigentlich eine Vollzeitstelle mit Außendiensten, in denen ich Meetings leite und Begehungen durchführe.
    Ich bin jetzt 37 und wegen der Migräne seit bald einem Jahr krankgeschrieben. Genau genommen seit einem Status Migraenosus letztes Jahr. Das war für mich das Stoppschild. Ich hatte damals ca. 15-20 Migränetage plus chronische Kopfschmerzen an den restlichen Tagen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert.
    Solange das so ist bin ich nicht arbeitsfähig, weil ichs einfach nicht packe. Das heisst Ende des Jahres läuft mein Krankengeld ab und es geht Richtung Erwerbsminderungsrente für erstmal 2 oder 3 Jahre.
    Und sollte die Migränefrequenz runtergehen werde ich vermutlich auch nur noch Teilzeit und nicht mehr im Außendienst tätig sein können, weil meine Belastbarkeit grundsätzlich einfach nicht mehr da ist. Meine Karriere ist also in jedem Fall erstmal im Eimer.

    Das ist aber nur meine Geschichte. Ich kenne auch Menschen, die sich mit chronischer Migräne im Berufsleben irgendwie halten. Die haben aber meistens sehr flexible und der Migräne angepasste Arbeitsbedingungen oder sind Selbstständig.
    Es ist einfach sehr individuell und hängt von der persönlichen Belastbarkeit ab.

    nureinpseudonym
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 21

    Hallo Indie,

    danke für deine schnelle Antwort.
    Das ist ehrlich gesagt genau das, was ich gerade auch auf mich zukommen sehe.

    Aktuell überlege ich zum Doc zu gehen und ihn konkret auf eine Reha anzusprechen.
    Was dann danach wohl kommt?

    Gibt es eigentlich sowas wie einen für Migräniker verträglichen Job?
    Was muss der bieten?

    Meine Überlegungen gehen in die Richtung eine Umschulung zu machen, um etwas für mich passendes zu finden.
    Ich habe natürlich Angst davor die falsche Richtung auszuwählen und am Ende wieder mit leeren da zu stehen.

    Warum eigentlich „Erwerbsminderungsrente für erstmal 2 oder 3 Jahre“?
    Ist diese Rente zeitlich begrenzt?
    Die Migräne wirst Du ja nach 3 Jahren nicht auf einmal wieder los sein.

    Gruß

    SteffiN
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 48

    Hallo, ich würde sagen, dass ich einen migränefreundlichen Job habe. Ich arbeite im öffentlichen Dienst, Bereich Pressearbeit. Regelmäßige Arbeitszeiten, Gleitzeit (kann wenn es mir schlecht geht spontan eher gehen oder spontan am nächsten Tag gleiten), keine Führungsposition, viel Eigenarbeit (nur ab und zu Termine und Besprechungen), Stress ist an den meisten Tagen auch überschaubar. Unbefristete Stelle ist natürlich auch wichtig, weil ich so keine Zukunftsängste habe und im öffentlichen Dienst muss man auch nicht befürchten, bei mehreren Krankmeldungen gekündigt zu werden.

    Ich glaube, die Rente ist immer befristet. Denn natürlich kann sich eine Migräne bessern. Du willst doch auch nicht ab jetzt für den Rest deines Lebens raus sein?

    nureinpseudonym
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 21

    Hallo Steffi,

    auch an Dich einen lieben Dank für Deine Antwort.
    Das hört sich tatsächlich nach einer Tätigkeit an, die besser für unsere Situation geeignet ist.

    Nein, mit 36 Jahren in Rente zu gehen ist nicht mein Ziel.
    Für ein erfülltes Leben braucht man (meiner Auffassung nach) auch eine sinnvolle Aufgabe.
    Es ist auch nicht so, dass ich meinen aktuellen Job nicht gern mache, im Gegenteil.
    Allerdings habe ich mir fest vorgenommen daran auch nicht kaputt zu gehen, sondern will der Realität ins Auge zu sehen.
    „Augen zu und durch“ sehe ich in diesem Fall nicht als zielführend an.
    Wie die Kids heutzutage sagen, „you only live once!“.

    Mal angenommen ich würde innerhalb meiner Probezeit gekündigt werden.
    Dann müsste ich mich ja arbeitssuchend melden und zur AfA gehen.
    Wie gehen die denn mit chronisch kranken Menschen um?
    Bekomme ich dann eigentlich Krankengeld oder ALG1?
    Was geht vor? Wieder in einen Job zu kommen oder Zeit zur Regeration/Behandlung zu haben?
    Die Frage ist vielleicht blöd, aber ist der VdK hier der richtige Ansprechpartner?

    Gruß

    Flummi
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 234

    Hallo ihr Lieben

    Zum Thema Arbeitsamt im Umgang mit chronisch Kranken könnte ich etwas beitragen.

    Ich bin seit Januar 2018 krankgeschrieben und werde Ende Juli ausgesteuert. Das heißt ich bekomme dann nach 72 Wochen Krankengeld kein Geld mehr von der Krankenkasse und wäre auch nicht mehr krankenversichert. Auch vom Arbeitgeber bekomme ich kein Geld, obwohl ich noch einen bestehenden Arbeitsvertrag habe.

    Jetzt greift aber der so genannte Nahtlosausgleich nach Paragraph 145 SGB III. Diesen bekommt man vom Arbeitsamt in Form von ALG I.

    Mit dem Schreiben von der KK über den Termin der Aussteuerung meldet man sich zeitnah beim Arbeitsamt. Dort durchläuft man den Prozess wie bei einer Arbeitslosmeldung und parallel füllt man für den Medizinischen Dienst der Arbeitsagentur einen Bogen aus und schickt ihn mitsamt medizinischer Befunde als erstes ab. Das ist jetzt der Stand den ich bereits erledigt habe.

    Als nächstes wird der MDK mir wahrscheinlich einen Termin zur Begutachtung schicken. Es wird dann entschieden ob ich erwerbsunfähig bin. Ich gehe davon aus, dass eine volle Erwerbsminderung entschieden wird, da ich schon vor 1 Jahr ein Gutachten vom MDK der KK bekam, was die volle Erwerbsminderung aussagt. Mein Zustand hat sich seit dem sogar noch verschlechtert.

    Als nächstes muss ich dann bei der Rentenversicherung einen Antrag auf volle Erwerbsminderung stellen und bis der durch ist bekäme ich dann den so genannten Nahtlosausgleich vom Arbeitsamt.

    Es ist so das eine Rente dann erst einmal befristet festgelegt wird. Man wird auch aufgefordert sich im Falle einer Besserung wieder erwerbsfähig zu melden.

    Mein Arbeitsvertrag endet im 1.Monat des Bezuges einer Erwerbsminderungsrente. Das heißt für mich noch etwa 6-8 Monate, in der ich hoffen kann, zu mindest wieder für 4 Stunden in meinem Betrieb einsteigen zu können. Denn woanders will ich gar nicht arbeiten.

    Wenn die 72 Wochen Krankschreibung innerhalb von 3 Jahren mit der gleichen Krankheit noch nicht um sind, bekommt das Arbeitsamt die Krankmeldungen und die KK bezahlt weiterhin Krankengeld. Wie die Berechnung dann aussieht weiß ich nicht genau, aber denke das der Verdienst der letzten Monate zu Grunde gelegt wird.

    Das Arbeitsamt wird bei längerer Erkrankung, genau wie die KK, irgendwann den MDK einschalten und einen zum Gutachter schicken.

    Der VdK ist eigentlich ein guter Ansprechpartner dafür. Ich war vor kurzem dort, hatte aber mit dieser Person wohl eher Pech. Er war von Anfang an eher ablehnend und wollte mir scheinbar auch nicht helfen. Jedenfalls bekam ich von ihm keinerlei brauchbare Informationen.

    Gruß Flummi

    Aneta
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 11

    Hallo Pseudonym,

    auf ein Detail Deiner Ansichten möchte ich etwas antworten, weil dies mich irritiert hat. Du schreibst über Deinen Psychotherapeuten: „Er sitzt den ganzen Tag in seiner Praxis und lädt sich schön ein Patient nach dem anderen ein…“

    Nun gehöre ich auch zu den Psychotherapeuten und arbeite in einer kassenzugelassenen Praxis und bin selbstständig.
    Deiner Aussage könnte man entnehmen, dass diese Arbeit ruhig, entspannt und ohne Stress verläuft. So könnte man jedenfalls Deine Ansicht verstehen. Offenbar bist Du der Meinung, dass ein Aufenthalt den überwiegenden Tag in einem Raum weniger anstrengend als Deine beschriebene Arbeit ist. Dem ist aber ganz und gar nicht so und entspricht nicht der Realität.

    Ich selbst habe seit meiner Kindheit Migräne, in den letzten Jahren bis 15 Tagen im Monat. Dass ich überhaupt noch arbeiten kann, liegt sicher in einem in der Planung meiner Selbstständigkeit, die ich so gestalten kann, wie ich möchte (lange Pausen, weniger Stunden usw.). Andererseits bin ich der Meinung, dass jede Tätigkeit, egal, wo und wie sie stattfindet Anstrengung, Konzentration usw. erfordert. Das kann in jedem Fall stressauslösend sein.

    Nun, vielleicht findetst Du einen Weg für Dich. Dass dies eventuell schwer sein wird, verstehe ich gut. Meine beruflichen Erfahrungen mit einer Migräneerkrankung sind auf alle Fälle sehr unterschiedlich. Ich war sehr lange angestellt und hatte da viel weniger Spielräume, mich der Erkrankung anzupassen. Derzeit bin ich froh, meinen Weg gefunden zu haben und möchte alle ermutigen, es gleich zu tun.

    Herzliche Grüße
    Aneta

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7660

    Hallo Pseudonym,

    ich denke, den für Migräniker perfekten Beruf wird es nicht geben, weil welcher Beruf kann ausgeübt, und dann auch noch befriedigend, werden, ohne Einsatz bringen zu müssen.

    Ich hab gerade mal so nachgedacht, was da möglich wäre. Mir kam dabei der Beruf des Schäfers als Optimum in den Sinn. Immer nur ruhig und gemütlich seine Runden drehen….., das müsste doch perfekt sein! Aber mit höllischen Kopfschmerzen den ganzen Tag laufen???

    Und, wie Aneta schreibt, man stellt sich die Berufe der Anderen ja auch gerne einfacher vor als den Eigenen.

    Ich habe hier von Allen wohl mit die meiste Erfahrung mit der Migräne, sowohl was die Dauer als auch die Behandlungsmöglichkeiten betrifft. Die ersten gut 40 Jahre gab es keine zuverlässige medikamentöse Behandlung der Attacken. Auch gegen das Erbrechen gab es nichts.

    Die Einschulung konnte damals wegen der hohen Frequenz noch um ein Jahr verschoben werden, beim Einstieg ins Berufsleben war das dann schon nicht mehr gegeben. </