Gutachtertermin zu EMR-Antrag

Ansicht von 30 Beiträgen - 1 bis 30 (von insgesamt 95)
  • Autor
    Beiträge
  • Helga
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 6

    Hallo,

    erst einmal herzlichen Dank, dass es dieses Forum gibt. Ich bin schon seit geraumer Zeit stille Mitleserin und habe schon Vieles für mich mitnehmen können.

    Nun habe ich selber eine Frage:

    Ich leide seit 37 Jahren unter Migräne mit derzeit 12-14 (oft auch mehr) Migränetagen im Monat. Es besteht kein Spannungskopfschmerz und auch kein MÜK. Halte mich streng an die Einnahmeempfehlung meiner Ärzte bzgl. Häufigkeit der Triptan- und Schmerzmitteleinnahme, nachdem ich mehrfach Cortisonbehandlungen durchgemacht habe und in dieser Zeit zwar schmerzfrei, aber völlig durchgeknallt, agressiv und äußerst schwankend in meinen Stimmungen war … das will ich nicht noch einmal erleben!

    Seit 15 Jahren immer wieder Depressionen und Psychotherapien (die letzte seit 5 Jahren), seit Sommer 2012 wegen der Migräne und schwerer Depression krankgeschrieben. Ich hatte kurz zuvor die letzte Prophylaxe-Option erfolglos beendet und mir wurde schlagartig bewusst, dass es das jetzt war mit den Therapiemöglichkeiten seitens der Ärzte … aber vor allem kochte plötzlich die Erkenntnis hoch, dass mir mein eigenes Leben in den letzten Jahren völlig entglitten ist. Von meinen Freunden ganz zu schweigen! Meinen psychischen Zusammenbruch konnten selbst das Antidepressivum und mein Psychotherapeut nicht verhindern.

    Ende November habe ich nun einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente gestellt … ich kann einfach nicht mehr und alle meine Ärzte und mein Psychotherapeut stehen in dieser Entscheidung hinter mir!

    Nächste Woche habe ich den Gutachtertermin bei einem Psychiater und mir geht der A**** zunehmend auf Grundeis, je näher der Termin rückt. Man liest oft von negativen Erfahrung, die andere mit Gutachtern gemacht haben. Und auch immer wieder, dass man sich gut vorbereiten soll, mit Spickzetteln, Notizen über den Tagesablauf und was alles nicht mehr geht und warum …

    Nun meine Frage:
    ich habe irgendwie die Befürchtung, dass genau diese Vorbereitung und das Niederschreiben der Einschränkungen bei Haushalt, Hobbys, Freizeit und sozialen Kontakten einem im Gutachten das Genick brechen kann. Ich habe für meine Notizen fast zwei Wochen gebraucht, immer wieder Ergänzungen gemacht, vermeintlich Unwichtiges wieder herausgenommen, Formulierungen geändert. Es hat mich viel Kraft und Tränen gekostet, aber das sieht der Gutachter nicht … und auch nicht die DRV. Die sehen nur, was und wie geschrieben wurde und ziehen möglicherweise den Schluss, dass ich geistig noch voll auf der Höhe und konzentriert bin … aber das bin ich nicht!

    Wie würdet ihr das sehen? Könnte eine gute Vorbereitung eher schaden, oder ist sie hilfreich für den Gutachter?

    Vielen Dank schonmal für eure Antworten!

    Tina
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 111

    Liebe Helga,

    erst einmal willkommen im Headbook!

    Es kann sein, dass deine Anfrage heute zunächst einmal etwas untergeht, da heute der „Chat-Tag“ ist. Viele Informationen und Beiträge zur Erwerbsminderungsrente, Gutachten etc. findest du in dieser Gruppe wenn du auf „Forum“ gehst: da wurde schon viel geschrieben.

    Ich bin selber seit 2010 berufsunfähig, muss mich aber mit einem berufsständischen Versorgungswerk herumschlagen. Aber bei allen Gutachtern und Rentenversicherern ist wahrscheinlich eines gleich: Die Prüfung kann lang dauern und ist nicht immer menschenfreundlich. Und das musst du dir von Anfang an immer wieder klarmachen: Das hat nichts mit dir zu tun, das ist das System. Du bist krank, das ist dein Weg, ein anderer ist (momentan) nicht möglich.

    Nimm deine Notizen mit, wenn sie dir als Gedächtnisstütze helfen. Ich sehe nicht, warum sie schaden könnten. Nimm dir auch deinen Partner / eine Freundin mit, selbst wenn du nur bis ins Wartezimmer begleitet wirst, tut es doch gut.

    Mir ist noch ein Buch empfohlen worden, das hilfreich sein soll: Hauspostlaufzeit: Der Weg von der Arbeit bis zur Erwerbsunfähigkeitsrente von Ralf Falterbaum. Von anderen Headbook-Mitgliedern wurde hier empfohlen sich vom SoVD beraten / unterstützen zu lassen.

    Alles Gute ! und liebe Grüße

    Tina

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28315

    Willkommen bei uns, liebe Helga. 🙂

    Tina hat recht, dass am Chat-Tag mal eine Anfrage übersehen werden kann, weil die Startseite voll ist mit den Fragen und Antworten. Aber Tina hat Dich ja gesehen und wieder nach oben geholt. 😉

    Wichtige Tipps hast Du schon erhalten, ich möchte noch etwas ergänzen. Lass ruhig Deinen Tränen freien Lauf, erkläre, wie viel Kraft und Mühe Dich nur diese paar Notizen gekostet haben (die Du unbedingt mitnehmen solltest!) und mach Dir immer wieder bewusst, dass Dir die Leistung, die Du anforderst, voll zusteht.

    Du hast doch sicher auch Gutachten Deiner behandelnden Ärzte, in denen sie ebenfalls Deine Situation schildern?

    Sei einfach Du selbst, verstell Dich nicht, offenbare Dein Leid. Ziemlich sicher wird es klappen und selbst wenn nicht, schaffst Du es dann halt im zweiten Durchgang.

    Hier in der Gruppe sind wie gesagt wichtige Informationen. Lies noch ein wenig quer und wenn Du noch Fragen hast, helfen wir Dir gerne weiter.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Sabinefelden
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 312

    Liebe Helga,

    ich hatte auch große Befürchtungen vor den Gutachterminen . Es gibt eine gute Broschüre zum runterladen bei – ich glaube das heisst – Rentenversicherungsbüro. Hab das hier im Forum unter der entsprechenden Gruppe Erwerbsunfähigkeit schon mal geschrieben. Lief bei mir alles sehr erfolgreich, obwohl ich eine schreckliche Gutachterin hatte. Ich habe diese Broschüre intensiv durchgearbeitet und es war sehr hilfreich. Ich habe versucht, einfach so zu sein, wie ich bin, eben krank, nicht übertreiben und nicht untertreiben. wird in der Broschüre gut beschreiben. Da wird auch beschrieben unter welchen „Zwängen“ die Gutachter sind und dann kann man diese auch besser verstehen und sich entsprechend verhalten.
    Liebe Grüße
    Sabine

    Helga
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 6

    Schon einmal Danke euch Dreien 🙂

    Zitat: „Du hast doch sicher auch Gutachten Deiner behandelnden Ärzte, in denen sie ebenfalls Deine Situation schildern?“

    Nein, leider nicht 🙁 Ich habe beim Rentenantrag alle behandelnden Ärzt der letzten Jahre angegeben, und alle Arztberichte und 2 Reha-Entlassungsberichte mitgeschickt, die meiner Hausärztin vorlagen – werde diese auch nochmal dem Gutachter übergeben.
    Ich wusste nicht, dass der Gutachter seinerseits Gutachten meiner Ärzte bzw. Therapeuten benötigen würde. Ich dachte, dass die DRV diese anschreibt und die Gutachten direkt von ihnen zugesandt bekommt und auswertet :O

    Ich werde die so kurzfristig auch nicht mehr bekommen – Termin ist Montag nachmittag 🙁

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28315

    Mach Dir keine Sorgen, Helga, das hast Du schon alles richtig gemacht. Der Termin ist Montag, daher solltest Du jetzt auch keine Bücher mehr wälzen, um Dich noch besser vorbereiten. Setz Dich nicht unter Druck, mach Dir keinen Stress, das wird schon alles gut klappen. Sei einfach nur Du selbst. 🙂

    Liebe Grüße
    Bettina

    Sabinefelden
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 312

    Liebe Helga,
    bei mir war es so: ich sollte eigentlich auch ein Gutachter bei der behandelnden Neurologin anfordern, die dies dann den Gutachtern zuschickt. Das hat aber nicht geklappt, da die Neurologin in Urlaub war etc.

    So war ich in der dummen Situation dass sich die Gutachter nur auf meine Schilderung verlassen mußten. Das hat größeren Unmut und Beschimpfungen hervorgerufen. Vor allem bei der schrecklichen Gutachterin.

    Durch die Broschüre , die ich vorher erwähnt hatte war ich aber gut vorbereitet. Zudem hatte ich das „Glück“, dass es mir an diesem Tag so schlecht ging, das ich mich kaum aufrecht halten konnte und große Formulierungsschwierigkeiten und Konzentrationsschwierigkeiten und alles mögliche sonst noch hatte.

    Wenn irgend möglich solltest du eine Begleitung mit nehmen, die dann im Wartezimmer sitzenbleibt. Das war das einzige, was mir die Gutachter nicht ganz geglaubt hatten: dass es mir so schlecht geht und ich alleine in die Praxis gekommen bin, bzw. überhaupt geschafft habe, alleine zu kommen.. Es war aber ein Termin Montag vormittags und da hatte niemand Zeit. Es war auch sehr schwer für mich, alleine dort hinzu kommen. Eine Stunde Weg mit öffentlichem Nahverkehr. Hatte es so geplant, dass ich mich eine Stunde lang dann noch in einem kleinen Park in der Nähe erholt habe. Das haben mir die Gutachter dann auch geglaubt.
    Lies auf jeden Fall in der Broschüre noch, wenn du die zeit dazu hast.
    Liebe Grüße
    Sabine

    Helga
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 6

    Danke, Sabine!
    Ich glaube, ich habe die Information gefunden, die du meinst – heißt „Das ärztliche Gutachten für die gesetzliche Rentenversicherung“. In Punkt 4 nebst Unterpunkten ist beschrieben, welche Angaben der Arzt benötigt und ich habe anscheinend intuitiv alles richtig gemacht 🙂 Die paar fehlenden Punkte kann ich noch schnell ergänzen. Außerdem steht schon das Meiste ausführlich im Reha-Entlassungsbericht von August 2011. Es geht also hauptsächlich noch um die Ereignisse und Verschlechterungen in den letzten 1 1/2 Jahren – und die sind heftig genug!

    Werde mich auch nochmal mit meinen Eltern austauschen – meine Mutter hat ein Gedächtnis wie ein Elefant, und meine Eltern machen den Streifen ja nun auch schon seit 37 Jahren mit mir mit – sind quasi „ko-krank“ :))

    Puh, jetzt geht es mir schon besser 🙂

    Happy
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1826

    Liebe Helga,

    auch ich bin diesen Weg 2012 gegangen. Auch hatte ich die selben Befürchtungen wie Du. Aber bei mir ging alles gut und schnell. Die Gutachter waren nicht die Freundlichsten, aber auch nicht gemein und unhöflich, wie man sonst öfter liest. Ich war einfach ich selbst, hatte mich wie Du mit einigen Listen vorbereitet, was mir geholfen hat, an was zu denken, was evtl. wichtig ist. Einer der Gutachter interessierte sich sogar für mich Geschriebenes und hat sich eine Kopie davon gemacht. Ich habe mich begleiten lassen, was auch Sinn macht, da man schon jemanden