Arbeit und chronische Migräne (AnneBonny)

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  • AnneBonny
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    Halli hallo,
    ich weiß nicht mehr weiter und wende mich daher an Euch.

    Ich, w 32, leide seit 2016 unter chronischer Migräne und bin deswegen bei meinem Hausarzt und auch bei einem Neurologen in Behandlung. Prohylaxen habe ich schon insgesamt 6 Stück durch, bisher alle ohne Erfolg. Meine Schmerztage belaufen sich auf mindestens 25 Tage im Monat, in „guten“ Monaten sind es nur 20 Schmerztage, in schlechten 30.

    Mein Problem ist folgendes: Ich arbeite seit nunmehr 13 Jahren als ReNoFa-Angestellte. Meinen ersten Job hatte ich bereits mit 13 Jahren und seit meiner Ausbildung im Jahre 2006 arbeite ich als Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte als einzige Fachkraft in einem Anwaltsbüro.

    Nun ist es so, dass auf der Arbeit leider absolut keine Rücksicht genommen wird. Es ist bekannt, dass ich chronische Migräne habe, aber ich muss trotzdem ständig im hellen Büro sitzen, wenn ich den Rollo ein Stückchen runter machen möchte weil ich extrem lichtempfindlich während der Migräne bin gibt’s immer Ärger mit Kollegen die dann angeblich „nichts sehen“. Also nehme ich es hin und schmeiß mir Triptane ein – viel zu viele logischerweise, das ist mir auch klar, aber ich musste in der Vergangenheit immer funktionieren. Meine Chefin bombadiert mich mit Arbeit, erwartet, dass alles pünktlich und fehlerlos fertig ist und ich bin auch noch die einzige Fachangestellte hier und muss alle Arbeiten erledigen, sogar den IT-Kram, für den ich überhaupt nicht qualifiziert bin – und da ich die einzige Vollzeitkraft bin, hab ich immer viel Arbeit, die niemand anderes machen kann.

    Ich bin wegen der Migräne so gut wie nie krank geschrieben, aus Angst vor den Reaktionen und natürlich vor Jobverlust hab ich mich die letzten 3 Jahre jeden Tag geschleppt.

    Ich hab mein Leben lang gearbeitet, Ferienjobs gehabt, mich mit zwei Jobs über Wasser gehalten. Mittlerweile bin ich aber an einem Punkt an dem ich nicht mehr kann – wirklich. Ich denke manchmal, dass ich am liebsten gar nicht mehr existieren würde, ich bin so am Ende und deswegen möchte ich mich von meinem Hausarzt erstmal rausnehmen lassen. Mindestens so lange bis ich einen Platz in der Kopfschmerzklinik Königstein habe, vielleicht auch länger, je nachdem wie sich das entwickelt mit dem Kopf, aber wenn ich JETZT nicht die Notbremse ziehe…ich KANN einfach nicht mehr.

    Nun hab ich den Termin heute Abend und hab furchtbar Angst, dass mein Dok, bei dem ich schon seit 10 Jahren bin, vielleicht sagt: „das geht nicht!“. Er weiß, dass ich alles andere als faul bin und mir hier nicht darum geht, nicht mehr arbeiten zu wollen, er kennt meine ganze Familie und weiß, dass wir alle fleißig sind aber Trotzdem hab ich wirklich FURCHTBARE Angst vor dem Termin, komme mir vor wie ein kleines Kind….

    Ich befürchte, wenn ich jetzt keine längere Pause bekomme, dann klapp ich irgendwann zusammen. Ich habe sowieso niedrigen Blutdruck und bin in letzter Zeit auch gerne mal kreislaufmäßig aus den Latschen gekippt, das letzte WE lag ich mit Schwindel flach. Außerdem mache ich ja auch regelmäßig Fehler auf der Arbeit und bekomme Ärger, wenn ich nen Tippfehler mache – wie gesagt Verständnis ist hier leider gleich 0.

    Wie ist Eure Erfahrung, wart ihr schon mal länger krank geschrieben? Ich kenne mich damit nicht aus, mein Maximum waren 2 Wochen am Stück. Und denkt ihr, 25 Schmerztage sind ausreichend, um sich eine Pause einzufordern?

    Danke schon mal für die Antworten und sorry, dass der Text so lange geworden ist 🙁

    AnneBonny
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3

    Achso: ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich einen Grad der Behinderung von 30 habe! Mehr wurde mir vom Vorsorgungsamt nicht genehmigt, mit der Begründung ich wäre nicht depressiv genug für eine Schwerbehinderung.

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5823

    Liebe AnneBonny,

    herzlich willkommen in Headbook!

    Es ist gut, dass du heute Abend einen Arzttermin hast. Schildere dem Arzt deine absolute Erschöpfung, die Anzahl deiner Schmerztage (hast du in den letzten Wochen einen Kopfschmerzkalender geführt? Falls ja, am besten das letzte halbe Jahr mitnehmen) und deine berufliche Überbelastung.

    Du erwartest jetzt aber nicht ernstlich von uns, dass hier jemand äußert, dass 25 Schmerztage im Schnitt nicht ausreichen würden, um dich mal aus dem Stress rauszunehmen? 😉 😉

    Wie viele von uns scheinst du zum Perfektionismus zu neigen, gepaart mit einem sehr hohen Pflichtbewusstsein. Solche Menschen sind die perfekten Kandidaten, um sie mit Mengen von Arbeit einzudecken, denn sie werden sich immer bestmöglich abstrampeln, um den Anforderungen zu genügen.

    Du merkst ja selber, dass es so auf Dauer nicht weitergehen kann. Deine Erschöpfung wird immer mehr zunehmen und irgendwann klappst du vermutlich wirklich zusammen. Deine Kreislaufprobleme wegen des niedrigen Blutdrucks würde ich bei deinem Arzttermin wohl eher nicht erwähnen. Es könnte der Eindruck entstehen, dass sich das mit deinem Hauptproblem vermischt, was deinen Leidensdruck geringer erscheinen lassen könnte, als er ist.

    Bist du denn in Königstein angemeldet? Wie lange sind dort die Wartezeiten?

    Wenn du krank geschrieben bist, kann dir nicht gekündigt werden. Und in deinem Beruf sind Fachkräfte händeringend gesucht, das sollte dich ermutigen, dir die für dich dringend notwendige Auszeit zuzugestehen.

    Wenig Verständnis für unsere schwierige Situation ist leider keine Seltenheit, das geht hier vielen so. Manchmal kann man durch Aufklärung ein wenig etwas bewirken, aber selten so viel, dass sich für uns gute Arbeitsbedingungen mit genügend Rücksichtnahme ergeben. Eine getönte Brille wäre für dich keine Lösung, um das starke Licht ein wenig zu dämpfen?

    Wie viele Triptantage hast du denn im Schnitt pro Monat? Wirken deine Triptane gut?

    Es könnte sein, dass du inzwischen in einer Erschöpfungsdepression steckst. Dadurch kann der GdB durchaus steigen. Bei „nur“ Migräne bekommt man wirklich nur 30%.

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 months von heika.
    AnneBonny
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3

    Vielen Dank für die zügige Antwort!

    Ehrlich gesagt, bin ich mittlerweile so verunsichert, dass das durchaus ernst gemeint war mit den 25 Tagen 🙁

    Also, da mich der Neurologe nicht vollständig aufgeklärt hat, wie das mit Königstein läuft, und ich damit noch keine Erfahrung habe, kann ich das leider nicht beantworten, ich weiß auch nicht, wie lange man da warten muss, das werde ich aber heute mal abklären!

    Kopfschmerztagebuch ist schon geschrieben und natürlich auch eingepackt. Ich schreibe seit Jahren schon alles auf.

    Ich nehme meist so 15-20 Triptane im Monat, ICH WEIß, dass das viel zu viel ist, aber es ging die letzte Zeit einfach nicht mehr anders (deswegen will ich ja jetzt was ändern). Zuhause versuche ich meine Schmerzen immer ohne Tabletten weg zu bekommen, aber für die Arbeit habe ich leider keine Wahl gehabt. Kann mich dort auch nicht hinlegen oder irgendwas und wenn ich anwesend bin, wird natürlich auch 100 % erwartet.

    Ich habe auch immer eine Sonnenbrille dabei, aber es ist mir trotzdem einfach viel zu grell, den ganzen Tag vor dem Monitor zu sitzen ist bei Migräne aber auch einfach Gift und es triggert meine Aura. Das mit dem niedrigen Blutdruck weiß mein Dok, der misst ihn ja auch regelmäßig.

    Vielen Dank auf jeden Fall!

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28677

    Willkommen, liebe AnneBonny. 🙂

    Du bist wirklich fix und fertig, das nimmt Dir jeder ab. Die Auszeit soll so aussehen, dass Du stationär in die Klinik gehst? Da musst Du aber Wartezeiten in Kauf nehmen, das ist Dir sicher klar?

    Kannst Du an Deiner Arbeitssituation vielleicht etwas verändern? Wenn man Dir in keiner Weise entgegenkommt, ist das ja auch kein schönes Arbeiten. Die Angst, zu versagen, kann auch Attacken triggern.

    Da Du so viele Medikamente einnimmst, wirst Du wohl im MÜK sein. Das heißt, dass eine Medikamentenpause notwendig wird. Und danach wirst Du auch vielleicht über eine Prophylaxe nachdenken müssen. Auch verhaltensmedizinisch kannst Du sicher noch was optimieren.

    Ein GdB von 30 ist für so einen schweren Verlauf auch nicht gerechtfertigt. Du kannst jederzeit Widerspruch einlegen (wenn es zeitlich noch passt) oder einen Verschlimmerungsantrag stellen. Dann bist Du im Arbeitsleben auch besser geschützt. Mit einem GdB von 30 kannst Du übrigens einen Gleichstellungsantrag stellen und bist dann im Arbeitsleben denjenigen gleichgestellt, die einen GdB von 50 haben.

    Niedriger Blutdruck muss nicht immer problematisch sein, Du bist ihn ja gewöhnt.

    Warst Du heute beim Hausarzt? Was hat er Dir empfohlen?

    Liebe Grüße
    Bettina

    Lisa
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4

    Hallo, allein an deiner Schilderung lässt sich heraus hören, das du fix und fertig bist. Gibt es denn keine Chance mit deiner Chefin zu reden und deine Arbeitssituation zu verändern? Ich war auch schon 6 Wochen lang krank geschrieben wegen meiner Migräne. Ich konnte einfach auch nicht mehr und stand dann kurz vor einem burnout. Ich habe dann ein längeres Gespräch mit meinem Chef geführt und wir sind dann so verblieben das es für beide Seiten besser ist wenn ich mir nun eine Auszeit nehme (natürlich mit Attest vom Arzt) und danach dann wieder 100% da bin.Ich war dann auch in einer Kopfschmerzklinik. Habe glücklicherweise sehr schnell einen Platz bekommen und der Aufenthalt hat mir auch sehr geholfen. Durch die Veränderung einiger primären Dinge in meinem Leben habe ich jetzt nur noch selten Migräne. Wenn sie dann doch mal wieder da ist dann nehme ich eine Tablette Neuralgin. Die helfen mir wirklich sehr gut. Lass dich auf jeden Fall von keinem unter Druck setzten. Deine Gesundheit ist das wichtigste und das solltest du immer vor Augen haben. Das sind keine Kollegen und kein Chef wert das man sich kaputt macht! Alles Gute

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