Migräne in der Medizin (Krankenschwestern, OTA, Ärzte, etc.)

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  • Charlene
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 19

    Hallöchen in die Runde!

    Wo sind denn hier die Leute unter uns, die im medizinischen Dienst arbeiten?
    Sprich mit vollem Programm: Schichtdienste, ggf. Rufdienste, Wechseldienste und und und?

    Wie handhabt ihr das mit eurer Migräne?
    Ich lese immer wieder, dass ein geregelter Tagesablauf wichtig ist, was bedeutet für euch „geregelt“?
    In wie weit könnt ihr das realisieren?
    Habt ihr Tipps und Tricks den Berufsalltag zu überstehen?
    Bei mir wechseln die Schichten täglich. Es gibt 4 verschiedene Dienstzeiten + die Rufdienste. Unter der Woche sind das 12,5 Std Rufdienste (+7,7 Std Regelarbeitszeit) und am Wochenende 24 Std Rufdienste.

    Wie verhalten sich bei euch Kollegen und Leitungen?
    Kann da auf euch Rücksicht genommen werden?

    Besonders interessieren würde mich das alles auch aus ärztlicher Sicht. Ich würde nämlich gern noch ein Medizinstudium anhängen, momentan kann ich mir allerdings nicht vorstellen, wie ich das Berufsleben mit der Migräne wuppen soll – lieber den Traum platzen lassen und etwas anderes wählen oder kämpfen?

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7533

    Hallo Charlene,

    wirklich genaues kann ich dir zu dem Problem nicht sagen, nur soviel: bei meinen letzten beiden Operationen hatten 3 Anästhesistinnen auch Migräne, zwei sogar ganz akut während sie mich zum Schlafen brachten. Alle sagten: ja, is so, kann man mit leben!
    Auch in Kiel und unter anderen Schmerztherapeuten gibt es viele, die die Migräne selbst kennen.
    Also bitte nicht wegen des Kopfes Träume platzen lassen. Wer weiß, wie schnell die Forschung weitergeht. Da kann sich in nächster Zeit ganz viel tun.

    Alles Liebe,
    Julia

    Indie
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 160

    Und nochmal Hallo ;-),

    auch hier gebe ich jetzt mal meinen Senf dazu.
    Ich arbeite selber nicht im Gesundheitswesen und habe auch keinen Schichtdienst. Seit letzten Sommer arbeite ich aufgrund der Migräne leider gar nicht mehr, da ich mich auch mit Triptanen nicht fitt genug dafür bekomme, wenn ich eine Attacke habe.
    Ich habe aber schon mehrfach gelesen, dass Migränepatient*innen aufgrund des ständig wechselnden Rhythmus ihren Beruf aufgegeben mussten und sich etwas gesucht haben, wo sie geregelte Arbeitszeiten hatten. Oft ist die Migräne dann auch besser geworden.
    Geregelter Tagesablauf heisst immer zur gleichen Zeit aufstehen und zur gleichen Zeit ins Bett, die Mahlzeiten ungefähr zur gleichen Zeit einnehmen usw. Also das genaue Gegenteil von deinem Tagesablauf.

    Ich denke es geht gar nicht so sehr darum, ob man seine Träume platzen lassen muss, sondern wie zäh man selber ist. Ich bin es nicht besonders, jemand anders mit meiner Attackenfrequenz würde vielleicht noch problemlos weiter arbeiten können.
    Ich persönlich würde mich nicht auf die Erfindung eines Supermedikaments verlassen, was in 10 oder 20 Jahren vielleicht kommt. Alleine die Entwicklung der CGRP-Antikörper hat über 10 Jahre gedauert.

    Aber vielleicht schaust du jetzt erstmal wie es bei dir nach dem Kiel Aufenthalt weitergeht. Wie gut du die Migräne eingestellt bekommst und dann triffst du deine Entscheidung.

    Sorry, dass ich jetzt nicht geschrieben habe „alles easy“. Ich habe dafür einfach selber schon zuviel aufgeben müssen und ich weiss nicht, was noch in Zukunft kommt.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 6 Monate von  Indie.
    Ruth
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 70

    Hallo Charlene,

    bei mir begann die Migräne mit etwa 35 Jahren.
    Bis dahin hatte ich immer wieder( mit Kind) in meinem Beruf als Altenpflegerin gearbeitet. Schon ohne Migräne wurde mir das zuviel und ich hab dann fast 10 Jahre halbtags im Büro gearbeitet. Zu der Zeit war meine Migräne episodisch, d.h. nur einige Wochen im Frühjahr und Herbst.
    Als mir im Büro gekündigt wurde ging ich zurück in die Altenpflege, auch weil es mir Freude machte. Aber innerhalb von einem Jahr wurde meine Migräne chronisch- denke vor allem durch den Schichtdienst. Mit Mitte fünfzig bin ich dann in Frührente gegangen.
    Wie Indie schreibt, liegt es sicher auch am Typ,- ich bin auch nicht von der zähen Sorte, – aber man sollte es vllt auch nicht provozieren.
    Alles Gute!
    Ruth

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 583

    Hallo liebe Charlene,

    eine Verwandte von mir hat lange im Drei-Schicht-System in einem Krankenhaus gearbeitet und – wie du, liebe Ruth, auch ohne von Migräne betroffen zu sein – wegen der Überforderung ins Zwei-Schicht-System (ohne Nachtdienst) gewechselt. Dies ging eine Weile gut, aber aufgrund der für sie unguten Arbeitsbedingungen wechselte sie im letzten Jahr in die „freie Wirtschaft“ und ist nun deutlich zufriedener in einer Arztpraxis tätig.

    Ich stimme euch, liebe Julia und liebe Indie, zu, dass man seine Träume nicht zwangsläufig aufgeben sollte oder platzen lassen muss. Es führen bekanntlich viele Wege nach Rom. Im übertragenen Sinne können auch viele Wege zur (Teil)Erfüllung von Träumen führen.

    Ich könnte mir vorstellen, dass dir ein Schwerbehindertenausweis Erleichterungen in deinem beruflichen Leben bringen könnte. Dazu gibt es Beratungsmöglichkeiten.

    Wenn dir:

    – eine Medikamentenpause wie dir, liebe Indie, eine Verbesserung/Linderung bringt
    – eine (erforderliche) wirksame Prophylaxe und eine gute wirksame Akutmedikation zur Verfügung stehen
    – Möglichkeiten zur Verfügung stehen, an Stellschrauben deines Verhaltens zu drehen

    und du die so wichtigen Ruhe- und Entspannungspausen in deinen Alltag integrieren könntest, stellen sich mlglicherweise einige Fragen nicht mehr.

    Diese Schritte, einer nach dem anderen und möglichst in Ruhe und so stressarm wie möglich gegangen, lassen dich vielleicht ein wenig entspannter in die Zukunft, auf deine Pläne und Träume schauen.

    Ich wünsche dir alles Gute!
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    Charlene
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 19

    Hallo liebe Julia,
    liebe Indie,
    liebe Ruth und
    liebe Katrin,

    Erstmal Danke für eure raschen Antworten. Auf einige Dinge würde ich gern eingehen, einfach, um mal ins Gespräch und vielleicht eine konstruktive Diskussion zu kommen (unabhängig davon, ob ihr in dem Berufsfeld arbeitet oder nicht, aber manchmal haben Außenstehende ja einen gesunden, anderen Blick zu etwas)

    bei meinen letzten beiden Operationen hatten 3 Anästhesistinnen auch Migräne, zwei sogar ganz akut während sie mich zum Schlafen brachten. Alle sagten: ja, is so, kann man mit leben!

    Respekt erstmal an die Anästhesistinnen! Anästhesie ist momentan (neben Pädiatrie, also Kinderheilkunde und Onkologie, also Krebsmedizin) mein absolutes Präferenzfach, wo es ein Mal hingehen soll, wenn ich es dieses Jahr mit der Medizin aufnehme! Aber ganz ehrlich: so wie es sich momentan bei mir und meinem Schmerzverlauf verhält kann ich mir nicht vorstellen, dass ich mal sagen kann „kann man mit leben“! 🙁
    Ich sehe ja, was die Anästhesie bzw die jungen Assistenzärzte bei mir auf der Arbeit (einer großen Uniklinik) leisten und dieses Pensum ist für mich schlichtweg kaum schaffbar.
    Ja, ich bin ehrgeizig, ja, ich liebe meinen Job und wenn es drauf ankommt funktioniere ich (meistens).
    Aber jeden (!) Tag minimum 10 – 12 Stunden zu arbeiten, in den allermeisten Fällen ohne richtige Pausen, mit einem enormen Geräusch- und vor allem Lichtpensum und dazu die unzähligen Nachtdienste usw. – da stellen sich mir die Nackenhaare hoch und das nicht, weil es mir vor der Arbeit graut oder dem Zeitaufwand, sondern weil ich ja bei meiner derzeitigen Arbeitsstelle schon merke, dass nach einer gewissen Zeit einfach das Maximum dessen erreicht ist, was ich mit Kopfschmerzen aushalten und auch leisten kann. Schließlich arbeitet man da immernoch mit Menschen und da habe ich trotz meiner Vorerfahrung einen heiden Respekt vor.

    Geregelter Tagesablauf heisst immer zur gleichen Zeit aufstehen und zur gleichen Zeit ins Bett, die Mahlzeiten ungefähr zur gleichen Zeit einnehmen usw. Also das genaue Gegenteil von deinem Tagesablauf.

    Dies ist mir durchaus bewusst, aber es ist ja genau meine Frage, wie Leute mit Schicht- und Wechseldiensten das für sich organisieren. Denn „einfach“ in ein anderes Berufsfeld zu wechseln ist für mich vergleichbar mit „Träume platzen zu lassen“.
    Viele Optionen ergeben sich jedoch nicht sonderlich: in meiner aktuellen Position ist es meiner Chefin zB. nicht möglich, mich nur in den Frühdienst einzuteilen. Eine Rufdienstbefreiung würde ich auch nicht so leicht bekommen und das würde einen enormen finanziellen Verlust bedeuten, den ich auch erstmal wuppen müsste. (wir sprechen hier von ca. der Hälfte meines Nettoeinkommens.) Ein anderes Krankenhaus wäre langfristig sicherlich machbar, aber da winkt ja auch noch das Studium – währenddessen muss trotzdem gearbeitet werden, da meine Eltern keine Millionäre sind und da wäre es attraktiv im öffentlichen Dienst zu bleiben zwecks Altersvorsorge und Co. Und mir ist keine andere Abteilung bekannt, in der es nur Frühdienste gibt und keine Rufdienste.
    Deswegen wäre es für mich interessant von anderen Betroffenen zu erfahren, in wie weit sie ihren Tagesablauf geregelt ablaufen lassen können. Ich versuche zB. je nach Schicht einen geregelten Ablauf zu haben, das klappt eiiiigentlich bis auf wenige Ausnahmen ganz gut, allerdings beißen sich dann oft die Schichtwechsel untereinander 🙁

    Sorry, dass ich jetzt nicht geschrieben habe „alles easy“. Ich habe dafür einfach selber schon zuviel aufgeben müssen und ich weiss nicht, was noch in Zukunft kommt.

    Ich bin Dir SOOOO SOOOO dankbar, dass Du es nicht tust! Das machen nämlich alle Leute in meinem Umkreis schon. „Ach, Du musst es nur wollen!“ , „Jetzt keine kalten Füße bekommen, so ein Kopfschmerz bringt Dich nicht um!“
    Es ist halt nicht so easy wie man es sich vorstellt!
    Und ich will jetzt nicht ZU verbissen klingen aber: wenn ich etwas mache, dann will ich es zu 1000 Prozent machen. Und Medizin liegt mir einfach. Ich gehe da voll drin auf. Also habe ich auch den Anspruch an mich, eine Koryphäe zu werden, mein Ding perfekt zu machen. Allerdings muss man dafür ja auch erstmal das Studium schaffen – und genau DAS macht mir Angst und Zweifel in meiner aktuellen Situation.

    Ich würde schon sagen, dass ich ziemlich zäh bin. Außer bei meiner Familie und meinem Freund beklage ich mich nicht sonderlich – viele wissen das mit meinen Kopfschmerzen gar nicht. Ich gebe stets mein Bestes und kämpfe mich so durch jegliche Situationen, bis ich zur Ruhe kommen und mein Schmerz und ich alleine für uns sind 😉 Aber es gibt halt Grenzen. Und da ich nicht die Jüngste mehr bin und ja auch noch andere Dinge im Leben anstehen (Haus, Familiengründung, etc.) muss man ja realistisch darüber nachdenken, ob ein Medizinstudium für mich und meine Lebenssituation wirklich das Beste ist, oder ob ich meinen Traum platzen lassen muss für MEHR LEBENSQUALITÄT.
    (die momentanen Alternativen wären Jura oder forensische Psychologie)

    Ich könnte mir vorstellen, dass dir ein Schwerbehindertenausweis Erleichterungen in deinem beruflichen Leben bringen könnte.

    Mir war ehrlichgesagt gar nicht bewusst, dass man mit „nur“ Migräne einen Anspruch auf soetwas hat – aber guck! Für so etwas ist ein Forum gut, wieder was gelernt, was man vielleicht nach Kiel anstreben sollte 😉

    Wie gesagt, vielen lieben Dank nochmal für eure Antworten, ich habe euch jetzt erstmal wieder zugeschrieben 😀
    Meine große Hoffnung ist echt Kiel!
    Nicht, weil ich eine Wunderheilung erwarte.
    Sondern weil ich mir erhoffe Informationen und Hilfestellungen mitzunehmen, die das Leben erträglicher machen.
    Und im Idealfall vielleicht noch die ein oder anderen medikamentösen Tipps 😉
    Ich will nicht behaupten dass ich Selbstmordgedanken hätte (um Gottes Willen! Eigentlich ist das Leben toll und ich habe noch soooo viel vor!)
    Aber so richtig lebenswert ist es momentan nicht 🙁

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
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    Hallo Charlene,

    Schichtdienst ist echt ein Problem für Migräneköpfe, denn Regelmäßigkeit ist nicht hinzukriegen. Aber versuchen könntest Du es trotzdem, indem Du Dir Pausen nimmst, wenn es möglich ist und Dich in der Freizeit gut erholst.

    Gib niemals Deinen Traum auf! Nimm Dir jede Hilfe und Unterstützung, die Du erhalten kannst. Auch der schon genannte Schwerbehinderten-Ausweis kann Dich schützen in der Arbeit und dann auch im Studium.

    Meine Tochter ist auch eher schwer betroffen und seit kurzem fertige Ärztin. Es ist möglich und Du solltest es probieren. Wo kommen wie denn hin, wenn wir uns von der Migräne diktieren lassen, welche Ausbildung wir machen oder dass man deswegen Träume aufgibt. Du schaffst das, wenn Du es wirklich möchtest und ich wünsche Dir alles Glück der Welt.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Charlene
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 19

    Liebe Bettina,
    Danke für Deine lieben Worte und das Beispiel Deiner Tochter!

    Mir kommen gerade echt die Tränen! 🙂

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28225

    Liebe Charlene,

    und wenns gerade schwierig ist, helfen wir Dir hier weiter. 🙂 Mit Rat und Mutmachen und Aufrichten und dann wird es klappen. ?

    heika
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