Migräne und Erziehungsdienst-14 Jahre durchhalten, geht nicht mehr (Affenzirkus)

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  • affenzirkus
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    Hallo, guten Tag, liebe Leidensgenossen! Bin neu hier im Forum und froh, es gefunden zu haben, nachdem ich immer froh war, wenn M. wieder vorüber war. Wollte mich dann auch nicht mehr mit ihr befassen.

    Seit 25 Jahren habe Ich Migräne, nenne sie lieber M., weil das Wort schon alleine nicht gutes verheißt….?Seit 14 Jahren arbeite ich nun in der Erziehung, der OGS. Das Übliche, ich liebe Kinder und mochte auch die Arbeit, galt immer als sensibel für die Belange der Menschen um mich herum, Vollgas gegeben, trotz Reizüberflutung, Verhaltensauffälligkeiten, hohen Erwartungen bei Hausaufgaben, blitzschnelles Umschalten verschiedenster Aufgaben( Mathematik 4. Klasse, Deutsch, Englisch, Sachkunde… ) , denn die Zeit rennt, bleiben 45 Minuten für 4 . Klasse statt 60Minuten.

    Keine Zeit für Pause, etwas essen, trinken besser wenig, da keine Zeit für WC. Hinzu kommt Raummangel, Mittagessen verteilen für fast 40 Kinder inkl. Haupt-, Nachspeise, Tische abräumen und abwischen , für Ruhe sorgen, Pflaster verteilen, weinende Kinder beruhigen, zuhören, Wagen ordnen in Küche bringen usw. in 30 Minuten….

    Also: Keine Zeit, kaum Personal, kein Platz, zu viele Kinder, Verhaltensauffälligkeiten, Kinder am Ende, Personal durch, Konzentration trotz Lärm und M. 14 Jahre. Letzte Woche mit M. zusammengeklappt, Schweissausbrüche, kurz ohnmächtig geworden. Denke, die Meisten kennen das: Hab immer gedacht, muss durchhalten bin immer nur im absoluten Notfall heim gefahren.Kaum zum Doc gegangen, immer schön Medis geschluckt, weiter funktioniert. Bis letzte Woche- bin in vergangenen Jahren immer mal wieder ohnmächtig geworden. Habe Tags darauf dann weiter gemacht.

    Jetzt ist es anders, schaffe es nicht mehr. Und weiß nicht, wie es weitergehen soll beruflich…..Hat jemand Erfahrung oder Rat im beruflichen Umfeld im sozialen Bereich oder in der OGS, Erziehung o.ä. hinsichtlich M. ? Suche nach Ausweg und bin gleichzeitig so fertig, kämpfe gerade mit 3. Anfall diesen Monat, diese ganzen Jahre stecken so in den Knochen….

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4626

    Hallo Affenzirkus,

    herzlich willkommen hier bei uns im Forum. Ja, genau so ergeht, bzw. erging es hier vielen.

    Es macht sicher Sinn, deinen Beitrag in deinem ganz pers. Schmerzverlauf zu kopieren. Dort kann man dann besser zu deinen Belangen antworten. Würdest du das eben tun? Hier rechts auf der Seite in der Leiste findest du eine Vernetzung „Mein persönlicher Schmerzverlauf. Dort klickst du an, scrollst dann ganz runter und schreibst unten unter Titel deinen ganz pers. Titel(also z.b. deinen Teilnehmernamen) dann kopierst deinen Beitrag in das darunter liegende Textfeld.

    Ich antworte dann in deinem pers. Schmerzverlauf weiter. oK?

    Lieber Gruß
    Sternchen

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28225

    Hallo Affenzirkus, herzlich willkommen im Forum. 🙂

    Sternchen meinte, dass Du in einem eigenen Schmerzverlauf besser auf all Deine Probleme eingehen kannst und Du dann dort immer updaten könntest. Geht es Dir aber in der Hauptsache um die Berufstätigkeit, kannst Du natürlich auch hier bleiben. 😉 Oder jetzt mal diesen Beitrag hier stehenlassen und trotzdem einen eigenen Schmerzverlauf öffnen. Kannst Dir ja noch in Ruhe überlegen.

    Ohne Pause, immer nur Vollgas – das geht leider auf Dauer nicht gut. Trotz Stress solltest Du versuchen, Deinen Tagesablauf etwas zu strukturieren und darauf achten, dass auch Pausen und Zeit für Entspannung vorgesehen ist. Klingt erst mal schwierig (ist es auch 😉 ), aber nicht unmöglich.

    Wie behandelst Du denn die vielen Attacken, führst Du einen Kopfschmerzkalender, hast Du eine Prophylaxe?

    Liebe Grüße
    Bettina

    affenzirkus
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 6

    Hallo Bettina, hallo Sternchen, ja orientiere mich noch, wie alles hier läuft, ? Für mich war so die Frage, ob es hier eventuell auch Erzieherinnen gibt, die hohem Lärmpegel ausgesetzt sind und welche Ideen sich umsetzen lassen würden, ob Ruhe, anderer Arbeitsbereich….Welche Erfahrungen ihr da habt im Job. Mein Fokus liegt bei der Berufstätigkeit, kann gerne noch im Schmerzverlauf schreiben. Neu für mich, mich mit diesen Dingen zu befassen, statt einfach immer weiterzumachen..Pausen waren einfach nie eingeplant,und mir schwant langsam, dass ich mein Arbeitsverwaltung ändern und Dinge wie Zeit zum Trinken einfordern muss……Prophylaktisch habe ich nie was genommen, hatte die letzten Jahre nach Zyklus alle 2 Wochen M. Dann schreibe ich mal im Schmerzverlauf, welche Medis alle durch sind. Hab mal autogenes Training probiert und Alexandertechnik , Massagen, usw…Kennt ihr evtl. Arbeitgeber oder Arbeitsbereiche, bei denen es möglich ist mit Kids in Kleingruppen zu arbeiten? Ganz liebe Grüße ?

    Sini05
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 63

    Hallo Affenzirkus,

    ich habe selbst mal einige Monate im Erziehungsdienst in einem Heim für traumatisierte Kinder gearbeitet. Es war die Hölle. Nach nur 3 Monaten bin ich mit einer richtig bösen Migräneattacke abends vom Arbeiten heimgekommen. Ich hatte mich auf Arbeit noch durchgequält (ich war ja schließlich noch in der Probezeit). Ich dachte echt, ich kippe gleich um. Wie ich es so noch geschafft habe heil mit dem Auto heimzukommen ist mir bis heute ein Rätsel. Zu Hause konnte ich nichts mehr tun, auch am nächsten Tag nicht. Bin dann doch zum Arzt und habe mich krankschreiben lassen, weil echt nichts mehr ging. Ende vom Lied war, dass ich den Job dann los war.

    Die Kinder dort waren auch sehr schwierig und es war permanent laut, auch wenn es höchstens 6 Kinder waren. Das hat gereicht. Es ist einfach nicht der optimale Job. Gerade wenn man zu wenig Personal ist, ist es auch schwierig mit den ausreichenden Pausen und dem regelmäßigen Essen und Trinken, was aber eben sehr wichtig ist. Da muss man Glück haben und eine gute Einrichtung mit ausreichendem Personalschlüssel und verständnisvollen Kollegen und Chefs finden. Eine Einrichtung mit schwierigen Kindern oder großen Gruppen ist da leider eher kontraproduktiv.

    Bei mir ging’s gar nicht mehr und ich arbeite jetzt wieder in einem anderen Bereich, wo ich weniger Lärmbelastung habe und ausreichend Zeit und Möglichkeiten zu trinken oder auf die Toilette zu gehen. Auch wenn dieser Job ebenfalls nicht optimal mit Migräne ist. Aber welcher Job ist das schon? Irgendwas ist fast immer, was nicht ganz optimal ist. Man muss allerdings schauen, wie man im Falle des Falles damit umgehen kann. Da hab ich für mich leider auch noch kein Patentrezept gefunden.

    LG

    Sini

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4626

    ja, genau so meinte ich es, Bettina. 🙂

    Liebe Affenzikus,

    wir Migräniker sind oft hoch sensibel und reagieren auf diverse Reize besonders empfindlich. Eine Gruppe Kinder ist da sicher eine große Herausforderung. Besonders der Lärm einer Kindergruppe zieht an meinen Nerven besonders. Dagegen kann ich laute Musik durchaus als angenehm empfinden. Je nach dem, wie stark man betroffen ist, und wie gut die Medi´s wirken und einsetzbar sind, muss jeder für sich schauen, wie er zu Recht kommt.

    Für den einen ist der Ausweg in einen anderen Job die einzige Möglichkeit, während wiederum ein anderer „nur“ mit seinen Medi´s alles regeln kann. Es ist gut, dass du dich dieser Aufgabe stellst.

    Eine Freundin von mir, konnte die Belastungen in einer Gruppe mit Kindern auch nicht mehr verkraften und hat sich weiterbilden lassen. Sie ist heute für pädagogische Entwicklung im Kindergarten zuständig. Wobei man sagen muss, dass sie in einer großen Organisation und Einrichtung tätig ist. In kleinen Häuser ist so etwas sicher schlecht umsetzbar. Aber irgend eine Lösung wird es geben.

    Ich finde es toll, dass du erkannt hast, dass du dich mit diesen Dingen auseinander setzten mußt. Man kann sich noch so lange wegdrücken und verweigern. Wenn man nichts ändert, wird man irgendwann weggedrückt.

    Zum Entspannungsverfahren kann ich nur sagen, dass die von der Schmerzklinik Kiel empfohlene Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen für mich eine super gute Möglichkeit ist. Wichtig ist, dass man es regelmäßig macht. Probiere es mal aus.

    Wie es mit den Medi´s aussieht, würde mich auch interessieren.

    Alles Liebe
    Sternchen

    affenzirkus
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 6

    Hallo Sini, hallo Sternchen,
    danke für eure Antworten, werde hier heute mal den Schmerzverlauf erstellen. Bin immer noch krank geschrieben, weil nichts mehr ging.
    Ja, Sini, dann kennst du das ja, genauso ist es! Meine momentane Klasse hat 15 Kinder in der OGS, davon 7 Kinder, die einen Förderschwerpunkt haben auch bei den Hausaufgaben. Durch den engen Raum beim Mittagessen ( da sind es fast 40 Kinder, die sich beeilen müssen) steigt jeden Tag der Dezibellevel auf 100. Wenn eine Kollegin ausfällt, mache ich beide Klassen, theoretisch springt dann Leitung ein, die ist aber immer schnell wieder verschwunden. Oft hatte ich in den 14 Jahren Anfälle, hab immer weiter gemacht, einige Male fast bewusstlos geworden, dann nur 1 Tag gefehlt, über die Grenze gegangen. Du sagst es Sini,der Lärm wird sich ja leider nicht ändern. Traurig, aber wahr, denn ich mag die Arbeit mit Kindern. Möchte unbedingt arbeitsfähig bleiben und wieder zu alter Energie finden. Auch finanziell bin ich darauf angewiesen, kann mich da nur auf mich selbst verlassen. Weiß aber, dass es so nicht weitergeht, auch mit diesem Personalmangel und schlechter Arbeitsatmosphäre. Immer war ich die, die es schon gerichtet hat, wenn wieder Not am Mann war und die Seelentrösterin. Jetzt grenze ich mich ab, habe ihnen gesagt, dass ich nicht weiter täglich mit ihnen sprechen kann.
    Liebe Sternchen, das mit der pädagogischen Entwicklung klingt echt interessant, werde mich mal erkundigen, welche Möglichkeiten es gibt!
    Liebe Bettina, Schmerzkalender habe ich in den 25 Jahren M. Nie geschrieben und ich Dumme bin in den Jahren nur selten zum Arzt gegangen. Früher hab ich Paracetamol genommen, dann Aspirin , dann Ibuprofen, auch mal Sumatriptane,Flunitrazepan Thomapyrin, Thomapyrin intensiv. Soviel zu den Medis, alles hat sich irgendwann abgenutzt, habe immer mehr genommen, Thomapyrin intensiv half noch, möchte jedoch nicht abhängig werden….Deshalb hat mein Körper letzte Woche so laut stopp gerufen, dass gar nichts mehr ging. Habe verstanden, dass ich mein Leben komplett verändern muss.

    Wen-Astar
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 9

    Das kommt jetzt sehr spät, aber wenn meine drei Rangen die Lautstärke überregeln, mache ich mir meinen Gehörschutz rein. Mit linearer Dämpfung hört man immer noch alles, aber angenehm leiser. Das klappt auch, wenn ich im Kindergarten Basteltage mache. Die Kinder sehen die weißen Filter oft gar nicht.

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