Welche „Ausrede“ bei einem Migräneanfall?

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  • Butterfly
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    Beitragsanzahl: 54

    Hallo,

    ich habe folgendes Problem:
    Migräne habe ich mehrmals im Monat. Seit ich die Betablocker nehme, nicht mehr ganz so oft (davor nahezu täglich), jedoch immernoch im Schnitt 5 Tage im Monat.
    Vor kurzem habe ich meinen Arbeitsplatz verloren. Da ich der Meinung bin, der wahre Grund für die Kündigung war meine Migräne, möchte ich es in Zukunft vermeinden, die Wahrheit zu sagen, wenn es mir schlecht geht. Ich weiß, dass das eigentlich bescheuert ist, aber ich fange morgen eine neue Arbeit an und kann es mir nicht leisten, diesen Job wieder zu verlieren.
    Ich bin Arzthelferin und mein Chef ist selber Arzt. Da sollte man meinen, dass das auf Verständnis stößt, aber weit gefehlt! Selbst in diesem Beruf wird man als nicht leistungsfähig und nicht arbeitswillig abgestempelt, wenn man an Migräne leidet.
    ich bleibe selten zu Hause wenn ich Migräne habe, da meine Arbeit sehr gerne mache und Angst habe, dass man mir nicht glaubt.
    Allerdings sieht man es mir schon an, wenn ich Migräne habe. Zudem wird diese fast immer von Schwindel begleitet..
    Nun meine Frage:
    was kann man dem Arbeitgeber sagen, warum man nicht 100% geben kann? Oder wenn ich doch mal ausfalle?

    Freue mich über eure Ratschläge und Meinungen,
    lg, Butterfly

    regenbogen68
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1735

    Lieber Butterfly,

    gehst du automatisch davon aus, dass er das nicht versteht oder weißt du das?

    Bist du die einzige Arzthelferin? Was passiert, wenn du einmal ausfällst? Gibt es einen Plan B?
    Es fallen ja nicht nur Migräniker hin und wieder aus. Ein offener Umgang mit einer Erkrankung, die sich nicht verheimlichen lässt, erscheint mir am sinnvollsten.

    Wir hatten das Thema übrigens schon einmal vor ein paar Wochen. Da ging’s um die Frage: „Sage ich es bevor oder nachdem ich den Arbeitsvertrag unterschrieben habe?“ https://headbook.me/groups/berufstaetigkeit-und-migraene/forum/topic/berufsleben-und-migraene/#post-96231
    Vielleicht hilft dir das auch.

    Lieben Gruß
    Regenbogen

    Butterfly
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 54

    Hallo Regenbogen68,

    natürlich weiß ich nicht, wie er darauf reagiert. Allerdings war ich bisher in 3 Arztpraxen beschäftigt, und in KEINER war es gut, dass ich es gesagt habe. Zudem ist es so, dass man in einer Arztpraxis kaum krank sein „darf“. Mein erster Chef während der Ausbildung war der Meinung, man soll so lang arbeiten kommen, bis der Chef einen nach Hause schickt – was er selbstverständlich nicht getan hat…
    In der neuen Praxis sind momentan mit mir nur 2 Leute und die Kollegin kriecht quasi schon auf dem Zahnfleisch, weil sie die letzten 7 Wochen allein war. Und in dieser Praxis ist ein SEHR reger Betrieb, da muss man zügig arbeiten. Und eigentlich ist es allein auch garnicht zu schaffen.
    Ich habe halt einfach Angst, dass ich (wieder einmal) die Probezeit nicht bestehe, wenn ich ihm gleich am Anfang die Wahrheit sage.
    Es fühlt sich für mich auch nicht richtig an, es ihm zu verschweigen, aber ich kann es am Anfang einfach nicht sagen, die Angst vor einer Ablehnung ist einfach momentan zu groß.

    Grüßle

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27821

    Liebe Butterfly,

    das ist eine schwierige Frage und es tut mir auch sehr leid, dass Du schon Arbeitsstellen dadurch verloren hast. Deine Besorgnis kann ich daher sehr gut nachvollziehen.

    Schau doch einfach mal, wie alles so anläuft. Vielleicht kannst Du mal in einem privaten Gespräch erwähnen, dass Du unter Migräne leidest, aber die Krankheit gut im Griff hast. 😉 Ist doch so und andere fehlen auch mal.

    Hast Du eine gute Attackenmedikation? Wenn Du 5 Tage im Monat Migräne hast, müsste es doch mit guter Attackentherapie hinzukriegen sein, dass Du keine oder kaum Fehltage hast. Oder wo ist das Problem, warum hast Du trotzdem anscheinend zu viele Fehltage?

    Liebe Grüße
    Bettina

    Butterfly
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 54

    Liebe Bettina,

    ja, ich habe eine recht gute Akutmedikation. Das heißt, die Kopfschmerzen sind dann zwar meistens besser, aber der Schwindel bleibt und leider bin ich dann auch nicht sehr aufnahmefähig – was gerade am Anfang sehr ungünstig ist.
    Es kommt auch immer auf den Arbeitgeber an. Manche sehen es schon als schlimm an, wenn man nur ein paar Tage fehlt (bevor ich die Betablocker bekam, bin ich zwei Monate täglich mit Migräne arbeiten gegangen und es hat NIEMANDEN interessiert…).
    Bei meiner zweiten Arbeitsstelle war es auch mal in Ordnung, wenn man mehrere Tage gefehlt hat – auch wenn es nicht gern gesehen war.
    Wenn du beim Arzt arbeitest, läuft es meiner Erfahrung nach so: du hast das und das? Dann schreibe ich dir jetzt das auf, das hilft, dann kannst du weiter arbeiten…

    Aber eigentlich ging es in meiner Frage auch darum, was sage ich, wenn ich in der Arbeit Migräne bekomme und bleibe? Aufmerksame Kollegen/Patienten merken doch, wenn es mir nicht gut geht…

    Liebe Grüße,
    Butterfly

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27821

    Liebe Butterfly,

    wenn es Dir akut schlecht geht, würde ich das auch sagen. Erkläre ihnen, was Du hast und dass es nach einer Zeit auch wieder besser weitergeht. Dass halt erst das Medikament wirken muss. Das würde ich schon sagen, denn sonst denken sie sich ihren Teil und das muss nicht unbedingt besser sein.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Butterfly
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 54

    Liebe Bettina,

    ich hoffe sehr, dass es bis morgen wieder vorbei ist. Aber ich habe einfach Angst, dass sich alles wiederholt.
    Das Letzte Mal dachte ich auch, der Chef ist nett und er ist ja Arzt. Also habe ich es ihm erklärt. Und was war? 3 Wochen später war ich arbeitslos…
    Ich weiß, dass es besser ist, die Wahrheit zu sagen… ach, ich habe keine Ahnung.

    Auf jeden Fall danke für eure Ratschläge, ich werde nochmal drüber nachdenken.

    Liebe Grüße,
    Butterfly

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7433

    Liebe Butterfly,

    hast du es mal mit Imigran inject versucht? Damit bin ich immer nach 15 Minuten wieder weitgehend fit. Das wäre evtl. eine Möglichkeit, arbeitsfähig zu bleiben.

    Alles Gute,
    Julia

    Daniela
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 670

    Hi Butterfly,

    ich kann verstehen, dass du nicht unbedingt direkt sagen willst, dass du eine „Beeinträchtigung“ hast.

    Aber anlügen würde ich meine Kollegen oder den Chef auch nicht.

    Man muss ja nicht immer alles sagen. Also wenn du denkst, dass Migräne zu negativ belastet ist oder du dann direkt abgestempelt wirst, dann sag erst mal nur du hast Kopfschmerzen. Das kennt ja jeder.

    Wenn es ein wirklich guter und vernünftiger Arzt ist…checkt er das schon irgendwann und evtl. spricht er dich mal drauf an.

    Aber es wäre sicherlich viel schlimmer, wenn er dich irgendwann zur Seite nimmt, weil er merkt, dass du lügst.

    Ich hatte auch schon Vorgesetzte, bei denen ich bitter bereut hatte, dass ich so ehrlich war. Aber glücklicherweise arbeite ich in einem Betrieb der einen mächtigen Betriebsrat hat; d.h. eine Kündigung aufgrund der Migräne ist nahezu ausgeschlossen.

    Vor einem Jahr habe auch ich eine neue Stelle angetreten. Anfangs hab ich auch gehofft, ich kann es ein Weilchen verheimlichen 😉 aber so wirklich lange ging es nicht. Da einer meiner Kollegen alleine dieses Jahr schon 2 Wochen wegen Grippe fehlt, mach ich mir aber auch kein schlechtes Gewissen mehr…ich hab dieses Jahr erst 1 mal gefehlt, und das nicht mal wegen Migräne 😉

    Unfair ist es sowieso … wir Migräniker ackern uns mehr ab als alle anderen…und alles was kommt ist Gemecker, wenn man mal nur 80% geben kann. Dass man ansonsten nahezu immer mind. 20-50% mehr schafft als andere, das sieht keiner ; aber dafür kann man sich ja hier ausheulen 😉

    Grüßle und alles Gute!
    Daniela

    Butterfly
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 54

    Hallo,
    wollte euch mal auf den neuesten Stand bringen:
    gestern waren wir mit dem Chef in der Mittagspause essen. Dabei hat er etwas gesagt, was mich hellhörig werden ließ:
    „… dann hatte ich wieder diese einseitigen Kopfschmerzen. Da hab ich dann nur noch eine Ibu genommen und mich ins Bett gelegt…“
    Hinterher habe ich bei meiner Kollegin nachgehakt und sie meinte, er habe auch Migräne….
    Meine Kollegin weiß es schon, aber sie hat versprochen, nichts zu sagen. Aber auch sie meint, ich solle es ihm irgendwann sagen. Vielleicht nicht jetzt am Anfang, aber wenn es mal so ist, dass ich auf der Arbeit Migräne habe, sollte ich es schon sagen…

    Aber ich schätze mal, wenn er das selber kennt, dann versteht er es vielleicht doch besser.

    Grüßle,
    Butterfly

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27821

    Na was für ein Glück, dass der Chef auch geplagt ist. 😉 Ich meine, Dein neuer Start steht unter einem guten Stern. 🙂

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