Chronische Migräne = chronische Müdigkeit?

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  • Sandra
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    Beitragsanzahl: 47

    Hallo zusammen,

    ich habe seit Jahren eine chronische Migräne mit immer deutlich mehr als 10 Schmerztagen im Monat.
    Schon seit langem beschäftigt mich aber auch das Problem, dass ich in der wertvollen, schmerzfreien Zeit so müde bin, dass ich sehr viel schlafe oder antriebslos herumhänge und mir auch Lesen und Fernsehen zu anstrengend sind.
    Ich habe mir schon alle möglichen Ursachen überlegt: Ich schlafe aber nie weniger als 8 Stunden pro Nacht, mein Schilddrüsenwert ist im Idealbereich und sonst bin ich körperlich gesund. Ich habe einen großen Hund und bin dementsprechend täglich mehrmals an der frischen Luft, auch wenn mir das oft ganz schwer fällt. Außerdem ernähre ich mich sehr gesund.
    Mein Hausarzt meinte dazu nur, das wäre ja kein Wunder, dass ich immer müde bin; ich nehme ja fast täglich dämpfende Medikamente (Vomex 40mg Zäpfchen und dazu eine Nara- oder Eletriptan). Außerdem nehme ich täglich 30mg Duloxetin (ein SNRI gegen Depressionen) und L-Thyroxin wg. der Schilddrüse.

    Koffein macht mich übrigens nicht wacher – ich hab das ausreichend getestet…

    Muss ich das wirklich als unabänderlichen Nebeneffekt der chron. Migräne hinnehmen oder hat jemand eine Idee, was man evtl. tun könnte, um wacher zu werden?

    Viele Grüße

    Lora
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 526

    Hallo Sandra,

    Ich habe auch eine chronische Migräne und von chronischer Müdigkeit kann ein Lied singen. Ich bin total erschöpft, fix und fertig. Ich muss mich auch jede freie Minute hinlegen. Ich habe keine Kraft auf nix.

    Ich bin auch bis auf Migräne körperlich top fit. Alles komplett durchgecheckt.

    Meine Medikamente: Topiramat 100 mg, Venlafaxin 150 mg, Botox. Über 20 Kopfschmerztage pro Monat. Akutmedis an 7 Tage pro Monat (rizatriptan und Naproxen).

    Die beiden Neurologen meinen, dass diese Erschöpfung ein Symptom von Depression ist. Ich musste eine Psychotherapie anfangen.

    Der Psychotherapeut meint, das liegt an schmerzen. Diese ständige Schmerzen schlauchen sehr stark. Damit zu funktionieren führt zum burnout. Ich hatte erst 4 Sitzungen. Keine Ahnung ob es was bringt und wie es weitergeht.

    Jetzt bin ich im Urlaub und hoffe irgendwie Kräfte zu sammeln bis zu Weihnachten dann durchzuhalten.

    LG
    Lora

    Lora
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 526

    Ich wollte noch dazu schreiben: was mir aufgefallen ist: mir fällt Tiefschlaf praktisch komplett. Ich träume ständig was. Alltägliches Kram. Wenn ich aufwache, kann ich mich an alles bis auf kleinste Details erinnern. Der Schlaf ist nicht erholsam.

    Ich gehe praktisch immer mit Kopfschmerzen ins Bett und Wache mit Migräne auf.

    Ich vermute daher kommt diese Erschöpfung. Ich werde das Mitte September beim kopfschmerzzentrum ansprechen.

    Antidepressiva gibt für 3 Wochen so ein Hypomanische kick wenn man höher dosiert, dann falle ich wieder in tiefe Erschöpfung.

    Ich glaube, man kann mit chronischer Migräne nicht so funktionieren als ob nix wäre.

    Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2851

    …da hast du absolut recht! Aber es gibt Wege, trotzdem Lebensqualität zu haben. Manchmal ein bisschen anders als man möchte, aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier…

    LG Johanna

    Lora
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 526

    Hat jemand mit chronischer Migräne geschafft diese Erschöpfung zu besiegen? Wenn ja – wie ???

    Ich fürchte, sie wird mir noch meine Arbeit kosten. Das ist das Problem. WE und Urlaube reichen nicht mehr aus. Der Alltag ist ein Qual.

    LG
    Lora

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28429

    Ihr Lieben,

    einmal erschöpfen die vielen Schmerztage, dann aber auch die sehr häufige Einnahme von Triptanen und oder Schmerzmedikamenten. Liebe Sandra, behandelst Du an mehr als zehn Tagen im Monat? Wenn ja, wären das auch die Anzeichen eines MÜK und Du könntest eine Medikamentenpause machen. Danach Prophylaxen optimieren, denn sie sollten zumindest so ausreichend wirken, dass die MÜK-Gefahr größtenteils gebannt werden kann.

    Liebe Lora, natürlich hast Du Tiefschlafphasen, aber diese sind Dir nicht bewusst. 😉 Du träumst halt viel und vielleicht auch luzide, was in Dir die Gewissheit stärken könnte, dass Du sozusagen die ganze Nacht nur am Träumen bist. Ist aber nicht so.

    Bei chronischer Migräne ist es enorm wichtig, dass viele Dinge sinnvoll ineinandergreifen, damit man trotz allem gute Lebensqualität hat. Das Verhalten kann sich positiv auswirken, ebenso die passenden Prophylaxen.

    Ich teile jetzt gerne mal eine Runde Mut und Zuversicht aus. 🙂 Nach jahrzehntelanger chronischer Migräne, wovon viele viele Jahre noch mit Dauer-MÜK gewürzt waren, habe ich seit bald zwei Jahren keine chronische Migräne mehr. 🙂 Es geht, man kommt da auch wieder raus und das wünsche ich Euch allen wirklich von Herzen.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2851

    Ich weiß nicht, ob ich sie besiegt habe, aber zur Zeit geht es bei mir.

    Was habe ich gemacht (Zeitraum 11/11 – heute):

    Prophylaxe optimiert (war sehr mühselig und kann sich wieder ändern), Freundeskreis „aufgeräumt“, Perfektionismus abgebaut, gelernt Hilfe anzunehmen (u.a. Verhaltenstherapie und Haushalt), Krankheit, Erschöpfung und Grenzen akzeptiert, mir Schwäche erlaubt, mit meinem Arbeitgeber gesprochen und meinen Arbeitsplatz und meine Arbeitszeiten optimiert. Wichtig war und ist für mich MBSR, man kann es auch Achtsamkeit nennen. Immer wenn ich darauf achte, bin ich ganz bei mir und meine Energie habe ich für mich.

    Ich bin dabei noch mehr zu verinnerlichen, dass ich erst mich gut versorgen muss dann erst die anderen. Mir hilft das Bild von den Sauersoffmasken im Flugzeug, kennt jeder oder?

    Nicht zuletzt war ich zwei Mal in Kiel und jetzt fünf Wochen in der Reha. Gefragt, was ich hier erreichen möchte, habe ich lax gesagt: „Ich möchte mein altes Leben zurück“, die Rückfrage war: „Meinen Sie das Leben was Sie dahin gebracht hat, wo Sie jetzt sind?“

    Ich finde, über diesen Satz lohnt es sich nachzudenken, immer mal wieder.

    LG Johanna

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 years, 4 months von Johanna.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 years, 4 months von Johanna.
    Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2851

    …was mir eben noch einfällt, das ganze war auf keinen Fall ein gradliniger Prozess, da gab es ganz viele Tiefen zwischendurch, Höhen eher weniger 🙂 . Aber mittlerweile nehme ich die Tiefen nicht mehr persönlich, das macht auch was mit einem.

    LG

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 years, 4 months von Johanna.
    Lora
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 526

    Danke für Erläuterung! Alles ist richtig!

    Das schwierigste dabei ist eigene Charakterzüge wie Perfektionismus abzulegen.

    Ich merke bei mir schon: wenn es in einem Bereich nicht geht, sucht mein Kopf ein anderer Bereich wo es gehen würde… Beruf, Sport, Freizeit … Ich sehne nach brennenden Projekten, Wettbewerb. Schneller, höher, weiter….
    Wie vom teufel geritten.

    Da wird sich Therapeut noch die Zähne ausbeißen 🙁

    Wobei ich denke, ich bin schon bisschen ruhiger geworden.

    Ich habe jetzt Prophylaxe geändert und in Urlaub gefahren. Und versuche mit dem ausdauersport hier. Hoffentlich kommt die positive Wirkung.

    Aber Schlaf ist schon eine große Baustelle. Als ich gesund war hatte ich meist keine Träume. Jetzt Träume ich ganze Nacht durch und bin morgens so erschöpft als ob ich überhaupt nicht geschlafen habe.

    LG
    Lora

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4000

    Ihr Lieben,
    das passt ja nun wieder. wie die Faust aufs Auge.
    Ich bin durch Zufall an das Buch
    „Das brave-Tochter-Syndrom“ von Scherrmann / Scherrmann-Gerstetter
    gekommen.
    Es beschreibt mich – und wohl auch viele andere von uns – sehr treffend.
    Perfektionismus, für andere da sein, sich einsetzen und aufreiben, die eigenen Bedürfnisse vergessen, Schuldgefühle . . . bis zur totalen Erschöpfung, das alles wird dort aufgeführt.
    Aber es bleibt nicht bei der Beschreibung sondern gibt auch Hinweise zur Selbsthilfe bzw. das Suchen professioneller Hilfe.
    Offenbar gibt es noch viele andere Menschen, die KEINE Migräne haben, die aber auch so ticken.
    Ich glaube, so etwas, wie