Beschäftigung mit dem Schmerz

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  • Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28014

    Ihr Lieben,

    in anderen Gruppen hier in Headbook und auch in der Migräne Community auf Facebook kommt immer wieder das Thema auf, wie man zum Schmerz stehen sollte, dass man ihn annehmen, ihn „liebevoll“ empfangen soll und sogar begrüßen.

    In mir sträubt sich alles, wenn ich so etwas lese und mitbekomme, wie solche Empfehlungen gelegentlich auch von Psychologen kommen. Vieles wird auch selbst erlesen aus diversen Ratgebern, die in Hülle und Fülle zur Verfügung stehen und nicht selten mehr verwirren und aufwühlen, als dass sie einem sinnvoll zur Seite stehen.

    Das mag jetzt sehr polarisieren und auch unpopulär rüberkommen … ? Ich habe oft sogar das Gefühl, dass sich bei vielen Schmerzkranken – und besonders bei Migränikern – sowieso viel zu viel um den Schmerz dreht, man sich zu sehr beobachtet, zu sehr in den Mittelpunkt stellt und permanent um sich selbst kreist. Aus der Erfahrung nach über 10 Jahren Beratung und mit jetzt ínsgesamt gut 11000 Mitgliedern in den beiden Gruppen zusammengenommen, drängt sich mir oft dieser Eindruck auf. Da wird analysiert und gelesen, ein Selbsterfahrungskurs nach dem anderen durchgezogen, MBSR usw. Selbstfindung wird zur Lebensaufgabe, man fühlt sich durch seine Schmerzerkrankung nicht selten dann als der Nabel der Welt, um den alle zu kreisen haben.

    Dabei wird oft vergessen, dass man nicht selten auch sehr viel verlangt und erwartet von seiner Familie, den Angehörigen und Freunden. Man ist krank und der Partner hat sich danach zu richten. Oft wird empfohlen, mehr auf sich zu hören, sich wichtiger zu nehmen – dabei nimmt man sich manchmal eh schon fast zu wichtig. Ausnahmen gibts natürlich immer, das ist ja unbenommen. Es gibt auch diese Samariter, die immer nur für andere da sind, sich selbst gar nicht mehr wahrnehmen und sozusagen untergehen. Diese sollen lieber hier gar nicht mitlesen. ? ?

    Diese Gedanken kommen mir immer wieder mal, so dass ich das mal ansprechen und Eure Meinung dazu hören möchte.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Jojo
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 331

    Liebe Bettina,

    Das mit dem Schmerz liebevoll empfangen und/ oder hinhören, was er uns sagen will, macht mich auch wuschig.

    Migräne ist ein nutzloses Biest, und ich sträube mich dagegen, darin irgendeine „message“ oder einen Sinn zu sehen.

    Was das permanente „Drehen“ um das Thema Migräne angeht, gebe ich dir recht. Ich will nicht über meine Erkrankung definiert werden. Ich bin mehr als nur Migräne. Auch wenn es ein Thema ist, was mir wichtig ist, und für das ich mich gerne engagiere.

    Wie oft beginnen Gespräche mit „wie geht es deiner Migräne“? Meine Standardantwort ist meist: „die hält sich“.

    Dieser lieb gemeinten Frage versuche ich so wenig Wichtigkeit wie möglich einzuräumen. Migräne raubt mir eh viel Zeit, da will ich nicht dauernd dran erinnert werden oder mich außerhalb meiner Anfälle damit beschäftigen.

    Das Ganze steht natürlich im Widerspruch dazu, dass ich leidenschaftlich gerne und oft auf Headbook und Migräne Community berate. Aber das sehe ich losgelöst von meinem eigenen „Leiden“.

    Je besser ich mit Migräne umgehen kann, desto kleiner ist mein Bedürfnis mich selbst mitzuteilen. Wobei das bei meinen Anfängen in „social media“ ganz sicher anders war. Es hat sich halt so entwickelt ?

    Vielleicht entsteht der Eindruck, dass einige den Schmerz als Dreh-und Angelpunkt ihres Lebens sehen, dadurch, dass auf Headbook/ Migräne Community das ja auch das zentrale Thema ist. Und ganz sicher zieht man da auch eine gewisse „Klientel“ an.

    LG

    Jojo

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7468

    Liebe Bettina,

    du sprichst, wie ich finde, ein sehr wichtiges Thema, das übrigens wohl für jede Erkrankung Relevanz hat, an.
    ? ? ? Frau bedenke nur mal den „schwer an Schnupfen erkrankten Mann“, was für ein „Leiden“ kann da besprochen und erlebt werden! Sorry, liebe Männer, dieses Klischee musste ich jetzt mal bedienen ? .

    Und, diesen Hype um die Schmerzbewältigung, oder sogar -beseitigung durch Beschäftigung mit sich selbst und seiner Erkrankung, dieses den Schmerzannehmen bis zu großer Liebe desselben und dann den damit verbundenen Vorwürfen an alle, die es nicht so lehrbuchmäßig hinkriegen, finde ich gruselig und verwerflich. Aber auch damit kann viel Geld gemacht werden.

    Aber: so einfach das eigene Erleben der Erkrankung ändern und sich alltagskompatibler zu verhalten, scheint mir für sehr viele Menschen deutlich schwerer, als du es hier anzusprechen versuchst.
    Nicht Jedem ist die gleiche Menge an Resilenz gegeben. Da spricht unsere uns angeborene und anerzogenene eigene Natur doch ein erhebliches Wort mit. Auch die Umstände, in denen wir leben, prägen uns über die Jahre ganz erheblich.

    Ich bin da mit meiner Migränebiographie auch eher so gestrickt wie du und habe lange Zeit gedacht, dass andere Migräniker sich doch „einfach“ anders verhalten sollten.

    Meine Migräne, die ich schon in meinem 3. Lebensjahr als starken Kopfschmerz immer wieder geäußert haben soll, hat mich sehr geprägt. Ich kenne kein anderes Leben und habe wohl so auch früh gelernt, das Ganze als gegeben hinzunehmen. Die alltägliche Belastung ist sicher nicht geringer als bei allen anderen Migränikern mit einem ähnlich heftigen Verlauf, aber mir mitgegebene Stärken haben wohl verhindert, dass ich Angst vor dem nächsten Anfall bekomme, oder dass es mich psychisch allzusehr runterzieht. Das ist in meinen Augen vorallem Glückssache.

    Wer jetzt aber ganz anders gestrickt ist, seine Erkrankung in der Pubertät oder auch noch später bekam, steht sicher vor anderen Problemen mit der Bewältigung, hat oft das Gefühl, mehr dagegen tun zu müssen, sich nicht “ richtig“ zu verhalten usw. usw…. Da fehlt oft dann auch noch die angeborene Menge an Resilenz, die sehr unterschiedlich gegeben ist und eine große Rolle spielt.
    Das wirkt sich dann auch auf die “ nett oder auch nicht so nett gemeinten Reaktionen “ der Mitmenschen aus. Mir ist z.B. nie „Schlimmeres“ als der Hinweis eines sehr netten Arbeitgebers passiert, ich solle doch mal eine Cola trinken ? . Ob ich andere Sprüche oder Gesten nicht bemerkt habe? Kann sein…

    Mein Blick auf die psychischen und angstbezogenen Probleme anderer Menschen hat sich hier, besonders durch Beiträge von Johanna und Alchemilla, deutlich geändert.
    Ich habe hier gelernt, dass man sich wohl nicht einfach mal so eben anders verhalten kann und alles wird besser. Zu einer angestrebten Änderung gehört sicher ersteinmal überhaupt die Einsicht, dass es anders besser laufen könnte. Dann sollte man sich sicher Hilfe holen, ob hier oder weitergehend bei Psychologen. Man muss die Notwendigkeit erkennen, dass es Sinn macht, an sich zu „arbeiten“. Ein schreckliches Wort dafür, aber es kann schon in Arbeit ausarten, wie ich mir inzwischen gut vorstellen kann.

    Ich möchte mit meinem Beitrag nur anregen, dass auch gleichermaßen stark alle Möglichkeiten, einen anderen Umgang mit der Erkrankung anzugehen, hier erörtert werden sollten, auch die durchaus schwereren. Es wäre schade, wenn sich Menschen mit vielen Schwierigkeiten zurückhalten und ihre Sichtweisen nicht äußern würden.

    Einen sehr interessanten Beitrag (2014) zur Resilenz findet man in der Mediathek von 3Sat unter: Scobel, „Was die Seele stark macht“. Da gibt es viel zu lernen und verstehen. Für die Schwachen, aber auch für die Starken!

    Liebe Grüße an alle,
    Julia

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 11 Monate von  Julia.
    Jojo
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 331

    Liebe Julia,

    Ich habe, im Rahmen der Lehrerfortbildung, an einem Kurs über Resilienz teilgenommen. Das war sehr interessant.

    Zum Teil kann ich deine Überlegungen sehr gut nachvollziehen. Ich war nämlich eine ganze Zeit lang wohl auch sehr streng weniger resilienten Personen gegenüber. Ich konnte nicht verstehen, wie man in einer unangenehmen Situation jammernd feststecken bleibt. Mittlerweile, und bestimmt haben Alter und Lebenserfahrung auch ihren Teil dazu beigetragen, bin ich etwas nachsichtiger und habe verstanden, dass wir nicht alle gleich gestrickt sind.

    Resilienz wird einem allerdings nicht angeboren. Es sind mehrere Faktoren, die dazu beitragen, dass man resilient(er) wird.

    Du schreibst, dass es einfacher ist, mit Schmerz umzugehen, je früher man dran gewöhnt ist. Bei mir sind es zwar erst rund 40 Jahre, aber auch von klein auf, und ich muss mir das nochmal durch den Kopf gehen lassen ?

    Danke für den Tipp mit der Scobel-Sendung. Die werde ich mir bei Gelegenheit auf jeden Fall ansehen.

    Liebe Grüße

    Jojo

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3980

    Ich habe das nicht verstanden.
    Geht es darum, dass sich die so angesprochenen Migräne- (oder Schmerzpatienten allgemein) zu sehr in den Mittelpunkt stellen und anklagend von den Mitmenschen mehr Eingehen auf ihre Krankheit verlangen? Und zu sehr in Selbstmitleid zergehen? Und in Opferdenken?

    Was hat das dann mit Selbstfindungskursen und MBSR und so zu tun?

    Ich verstehe das wirklich nicht, wie das zusammenhängt.

    ICH z.B. mache Selbstfindung und MBSR und die Bücherleserei und so weiter, weil ich den Wunsch habe, mehr Frieden in mir und dann auch mit meinen Mitmenschen zu haben. All dieses Kämpfen und dieses Rechthabenwollen zu überwinden.

    Damit, dass ich außerdem Migränepatientin bin, hat das überhaupt gar nichts zu tun.

    Und wenn ich mich selbst besser kennen lerne, wenn ich herausfinde, welchen Denk- und Verhaltensmustern ich so fröne, wenn ich weniger automatisch und wie ferngesteuert reagiere und mehr absichtlich agiere,
    dann habe ich damit keinen einzigen Tag weniger Migräne oder mildere Verläufe.

    Was ich über „Schmerz liebevoll annehmen“ denke, habe ich an anderer Stelle geschrieben.
    Wenn ich sowas lese, dann denke ich immer sofort: „Dir wünsche ich EINMAL eine richtig knallige Migräneattacke von drei Tagen ohne Medikament und dann reden wir weiter!“

    Lora
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 519

    Hallo in die Runde,

    Ich habe erlebt, dass solche Sprüche wie „das schmerz liebevoll annehmen“, „solche Medikamente würde ich niemals nehmen“ etc. nur die gesunde sagen. Die wissen nicht was Schmerz ist.

    Für mich ist Schmerz ein Störfaktor, den ich beseitigen will und immer wieder das auch versuche. Warum soll ich das liebevoll annehmen? Am besten würde ich ihm in hintern treten.

    Mir ist auch egal was mein Schmerz mir sagen will. Am besten sollte es die Klappe halten.

    Und ich suche die Möglichkeiten es loszuwerden. Dabei kann im Grunde jeder was interessantes für sich finden: diverse Übungen, Techniken, Therapien….

    Was lesen und schreiben angeht: ich z.b. finde Psychologie, Psychotherapie sehr interessant. Und dann fängt man zu lesen, im Internet zu stöbern, sich auszutauschen. Ich verpasse keine Ausgabe von „Gehirn und Geist“ ?

    Auch lese ich mit Genuss „Psychosoziale Gesundheit“… ? Ist mir lieber als Bunte oder Bild der Frau.

    Da geht bei mir auch der Bezug zur Migräne und Depression verloren. Ich lese auch über Neurosen, Psychosen, Schizophrenie, Messi etc. Pp. Alles ist so spannend.
    Ist schon ein Hobby an sich.

    LG
    Lora

    biko
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 189

    Hallo ihr!

    Hiermit gestehe ich ,dass ich mich angesprochen fühle mit dem Begriff“Ein zuviel um den Schmerz herumkreisen“
    Tatsächlich fühle ich mich manchmal als „Nabel der Welt“!
    Aber nicht weil ICH mich zu wichtig nehme ,sondern weil gefühlt alle ohne die Geißel“Migräne“ um mich herumkreiseln dürfen.
    Nach außen hin ,ist das anders. Da reagiere ich eher cool und stark auf die Frage“Ist denn ihre Migräne noch nicht besser? Sie Arme!“
    Meine Standard Anwort daraufhin:
    An der Migräne sterbe ich wenigstens nicht!
    Die Frage , ob ich die Schmerzen liebevoll (oder wie auch immer) annehmen soll ; stellt sich mir gar nicht. Meine Frage ist eher:wann kann ich meine Krankeit annehmen?
    Akzeptieren das sie einfach „da“ ist? Und ein gutes Umgehen damit zu haben. Es ist doch eher der Kampf, der so kraftraubend ist. Und der mich weiter „kreiseln“ lässt. Vielleicht muss frau/man erstmal alles ausprobieren ,um dann irgendwann zu merken ,dass das ganze Beschäftigen damit ,absolut keinen Effekt hat.

    Nee ,stimmt nicht! Es hat doch einen großen Effekt.: Ich habe viel über meine Erkrankung gelernt, viele Gleichgesinnte getroffen und bemerkt ,dass ich doch nicht die Einzige bin ,der es so (schlecht) geht.
    😉

    Nicht desto trotz hat mir die Diskussion mal wieder gezeigt ,dass ich deutlich mehr bin als Migräne. Das ich ein großartiges Leben habe.
    ……und ich mich jetzt wieder damit beschäftigen werde….

    Liebevolle Grüße von Biko

    lili
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 229

    Liebe alle,
    danke schon mal für die Diskussion. Mir geht das alles durch den Kopf und ich versuche zu sortieren.
    @alchemilla mir geht es ganz genauso, dass ich denke wenn jemand sowas sagt mit liebevoll annehmen, dann denke ich das genau so wie du! Und einmal eine Attacke aushalten ist natürlcih das eine, aber immer wieder damit leben und dass das Leben dadurch auch so eingeschränkt ist, das ist noch mal etwas ganz anderes. Da ist mir aber auch Jon Kabat-Zinn sehr unangenehm aufgestoßen. Ich habe eine CD von ihm „Meditation for pain relief“, die ich eigentlich auch ganz gut fand und er sagt da an einer Stelle (so in etwa) „pain may be inevitable, suffering is optional“ also Schmerz kann unvermeidbar sein, aber Leiden ist optional/ freigestellt/ freiwillig“ da dachte ich dann ehrlich gesagt das Gleiche, habe ihm Migräne an den Hals gewünscht und die CD ab da nie mehr gehört.

    @jojo Bei der Resilienz gibt es übrigens schon Schutzfaktoren und Risikofaktoren, die starke genetische Komponenten haben. Und auch bei Optimismus vs. Pessimismus geht man davon aus, dass es zu etwa 50% genetisch bedingt ist. Was natürlich dennoch bedeutet, dass wir bei der weiteren Hälfte noch Einfluss haben.

    Was ich glaube ich schon mal geschrieben habe: Ich hatte eine zeitlang das Gefühl ich MUSS mich mit dem Schmerz beschäftigen, auch im Sinne MBSR, Entspannung, Information, Suche nach Heilmöglichkeiten, damit ich etwas dagegen tue und auch mit so einem Gedanken, dass ich ansonsten Schuld habe an dem Schmerz, weil ich mich nicht genug drum kümmere.

    Und ein bisschen kommt das immernoch wieder, wenn auch mit einem etwas anderen „Gesicht“, wieviel muss, müsste ich mich schonen zum Beispiel jetzt in einer eher schlechten Phase. Also mit Triptan intus arbeiten gehen, mich um die Kinder kümmern, ins Schwimmbad gehen, zum Handballturnier von meiner Tochter fahren etc. ist das einfach meine Arbeit und meinen „Job“ als Mutter verantwortungsvoll wahrnehmen oder ist das Raubbau an meinen Ressourcen. Wenn ich mich aber immer dann schone würde, wenn ich Triptan genommen habe, dann bedeutet dass eben, dass ich meine Partnerin SEHR viel stärker belaste (und die ist auch nicht kerngesund) und dass ich es kaum noch schaffen würde zu arbeiten. Mein Neurologe meinte ja bei meinem letzten Besuch im Prinzip auch, dass ich aufhören sollte zu arbeiten, dann wäre alles besser. Der geht wahrscheinlich auch davon aus, dass wenn Frauen mit Kindern auch noch arbeiten es der pure Luxus ist und dass der Mann nunmal Alleinverdiener zu sein hat.

    Ich meine damit übrigens nicht den total Raubbau zu betreiben. Ich mache fast immer eine ruhige Mittagspause, nicht selten mache ich um halb 10 das Licht aus, damit ich wenigstens genug Schlaf bekomme (und natürlich weil ich dann alle bin) und es gibt schon auch Situationen wo ich sage ich kann das jetzt nicht.

    Im Moment versuche ich gerade auch mich so wenig wie möglich mit dem Schmerz zu beschäftigen und mitunter habe ich aber schon den Eindruck, dass meine Umwelt das eher erwartet, weil ich ja sonst zu viele Medikamente nehme und weil der Ruf von Migräne immer noch der einer psychosomatischen Erkrankung ist. Ich versuche einfach immer aus jeder Situation das Beste zu machen und ein schönes Leben zu haben und das ist nunmal mit meiner Familie und auch mit Trubel bei zwei Kindern.

    So für heute mache ich mit meinen Überlegungen Schluss,
    ich wünsche euch allen einen schönen Tag
    lili

    denkpositiv
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 279

    Hallo ihr Lieben!

    … eine super Runde! Lese ich die Beiträge, kann ich an den unterschiedlichsten Stellen ebenfalls „ja“ sagen.

    Solange man lebt, kommt so viel spontan auf einen zu. Man kann diese Punkte dann nicht planen und oft leider auch nicht beeinflussen. Kinder, Beruf, Freizeit, mittendrin im Familiengetümmel oder etwas ruhiger im Ruhestand – ganz egal, man muss dann einfach aus der Hüfte heraus mit den Anforderungen umgehen.

    Jeder hat irgendwann seine eigene Lebens-Strategie entwickelt. Und wenn alles auch nur halbwegs geradeaus läuft, sind wir Migränepatienten doch fast schon Zauberer im „es schaffen“ :-).

    Meine Migräne ärgert mich seit ein paar Monaten extrem. Manchmal geht es nur darum, durchzuhalten und nicht den Mut zu verlieren. Genau das wünsche ich uns allen, dass wir nie den Mut verlieren und trotz allem geradeaus weitergehen können.

    … und solange wir unserer Migräne keinen Namen geben … (hier hätte ich gerne ein mega-freches Smilie eingesetzt, ging aber nicht. Nun müßt ihr euch halt eins denken). „Karl-Hugo, du sollst mich aber nicht schon wieder so piesacken…“ hm hm hm, das kann, wenn es der Falsche hört, zu Gerüchten führen :-)))

    Habt alle einen schönen und hoffentlich schmerzfreien Herbsttag!

    LG Denkpositiv

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28014

    Ist ja klasse, wie viele Gedanken hier schon zusammengekommen sind. 🙂 Wollte nur kurz mitteilen, dass ich die nächsten Tage weiterhin nur mitlese und mich später dazu melden werde. Es gab schwere Sturmschäden im Garten und um den Garten und nun Aufräumarbeiten, die Tage dauern werden. U.a. brach eine der großen alten Kastanien aus der Allee mitten im Hauptstamm ab und fiel auf Zaun und in die Heckenbepflanzung, die extrem gelitten hatte. 🙁 Zudem soll es noch einige Tage weiter stürmisch bleiben. Zu allem Überfluss mag mein Kopf so stürmisches Wetter gar nicht, bin also in mehrerlei Hinsicht „indisponiert“.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 549

    Ich habe auch so meine Schwierigkeiten, meine Migräne „liebevoll“ anzunehmen, sie zu umarmen und ihr die Hand zu reichen, was ich u.a. auch probiert habe, aber sie hat meine Friedensangebote nicht angenommen…! ?
    Ich benenne es lieber so, dass ich mal mehr und mal weniger gut mit ihr zurecht komme – manchmal auch gar nicht! Wenn die Schmerzen sehr stark sind und unerträglich werden, verfluche ich sie auch mal!
    Andererseits bin ich ihr mittlerweile auch dankbar (das hört sich sicher komisch an), weil ich durch die eigentlich fast ständigen und teils massiven Einschränkungen viele „normale“ Dinge viel mehr zu schätzen weiß und dankbarer geworden bin. Für mich sind schon viele kleine Dinge BESONDERS und ich genieße sie viel intensiver! Ich ärgere mich auch nicht mehr so schnell über Einiges, über das sich „normale“ Leute aufregen. Auch setze ich meine Prioritäten etwas anders. Eine Frage ist mir dabei immer sehr hilfreich: Hängt davon mein Leben ab? (von einem Therapeuten einer migränegeplagten Freundin). Bisher war die Antwort immer nur ein Nein! Vielleicht ist das, wenn man Kinder hat, noch anders?!
    Auch wenn ich es mit der Selbstfürsorge nicht übertreibe, ist Manches für die Umwelt nicht unbedingt nachvollziehbar. Für mich ist es wichtig, meine Grenzen zu (er)kennen und für mich zu sorgen. Ich bin gerade dabei, Wege aus der Erklärungsfalle zu finden, denn die anderen können und/oder müssen nicht verstehen und ich muss nicht erklären (kostet nur Kraft und Nerven), es sei denn, jemand ist wirklich interessiert. Möglich, dass das den Umgang erleichtert.
    An vielen Tagen wirft mich der Schmerz aus meiner Bahn, an manchen Tagen kann ich (zusammen mit meiner Migräne ?) leichte Tätigkeiten ausüben: Stricken, Häkeln, Schreiben, Kuchen backen, was Kleines kochen…! Ist ja sozusagen auch ein Arrangement mit dem Schmerz.
    Das alles zusammen ist vielleicht auch eine Art Annahme?!

    Ich habe aber (noch und hoffentlich nicht mehr lange) ein anderes Problem:
    Wenn ich micht von der Migräne und dem täglichen Schmerz ablenke und „trotzdem“ mache – was auch immer – kostet mich das meistens viel oder noch mehr Kraft und Anstrengung. Das sieht und fühlt von außen NIEMAND! Dann bekomme ich das Gefühl, dass das für die „Normalen“ normal ist, für mich aber nicht! Schilderungen meines Alltags kann die Umwelt gar nicht nachvollziehen („Echt?“, „Du machst doch gar nicht so einen schlechten Eindruck!“, Kopfschütteln, Schweigen…)! Und da fühle ich mich nicht gesehen, wahr- oder angenommen oder verstanden. Aber auch da MUSS ich wieder für mich sorgen, die Wertung weglassen oder – noch besser – diese Ansprüche LOSLASSEN. Wie heißt es so schön? Übung macht den Meister!

    @ Denkpositiv: Ich habe das tatsächlich auf Anraten einer Therapetin (nicht meiner jetzigen!!!) versucht und habe meine Migräne Hermann genannt. Hat nicht geholfen, deswegen habe ich das nicht lange durchgehalten. Aber der Name ist jetzt „belegt“! ? Genau: MUT HOFFNUNG DURCHHALTEVERMÖGEN sind wohl gute Schlagworte für uns!

    Danke für eure Gedanken und euch allen alles Gute!

    Katrin

    Rosinante
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 360

    Umgang mit dem Schmerz

    Wenn ich keine Schmerzen habe, lebe ich so als hätte ich keine.
    Ich denke nicht daran, wann wohl der nächste Anfall kommt.

    Ich komme aber schon mal auf über 15 Tage im Monat.
    Natürlich achte ich auf einen geregelten Tagesrhythmus, regelmäßiges Essen,,,,

    aber wenn die Migräne da ist mache ich nicht viel Aufhebens darum, lege mich hin und je nachdem nehme ich ein Triptan,
    manchmal “ matsche “ ich auch herum und muss den Schmerz aushalten.

    Mich betüttelt niemand und wenn es mir besser geht nehme ich mein Leben wieder auf.
    Dieser Umgang ist auch für meine Familie tragbar, wir reden normalerweise nicht über Migräne.

    Sie taucht eben auf und verschwindet auch wieder, sie ist ein unangenehmer Untermieter, dem
    ich nicht noch mehr Platz in meinem Haus einräumen will.

    Wenn ich natürlich über eine Woche schwere Anfälle mit massiven neurologischen Ausfällen habe,
    dann komme ich auch ins Jammern und Verzweifeln.
    Aber dann sagt mein Mann: „Es wird wieder besser.“

    Trotzdem vertraue ich auf den Psalm… und wenn ich auch wanderte im finsteren Tal
    fürchte ich kein Unglück, denn DU ( Gott ) bist bei mir.

    Das gibt mir wieder Mut.

    Rosinante
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 360

    Schimm war es mit den Schmerzen, als ich noch kleine Kinder zu versorgen hatte,
    es noch keine Triptane gab und ich manchmal im Kinderzimmer auf dem Boden lag und
    die Kinder mit 2 und 4 Jahren nicht alleine lassen konnte.

    Aber irgendwie haben wir das auch überlebt, die Anfälle waren damals weniger.

    Aber auch da habe ich an den guten Tagen den Untermieter ignoriert.
    Schwer fand ich es wegen eines starken Anfalls den Gottesdienst bei der Konfirmation
    meiner Tochter verlassen zu müssen, und den Tag dann im Bett zu verbringen ( trotz zweier Ärzte in
    unserer Familie, die konnten auch nicht helfen )

    Aber dann tröste ich mich und sage zu mir selbst:“ Du hast keinen Krebs, Migräne ist nicht tödlich. “

    akascha
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 155

    Ich finde das Thema schwierig aber auch sehr wichtig.

    @rosinante: Als ich noch abgegrenzte Attacken hatte und somit komplett schmerzfreie Tage hatte, habe ich es wie du gehandhabt. An den schmerzfreien Tage so gelebt, als hätte ich keine Migräne. Und mit Triptan intus auch noch viel gemacht. Irgendwann ging das nicht mehr. Auch nicht mit geregeltem Tagesrythmus, essen etc.

    Jetzt geht es mir eher so wie Katrin. Mit leichterer Migräne gehen auch leichte Sachen, aber viel mehr halt nicht. Und ich wechsel nur zwischen leichterer, mittlerer und starker Migräne.
    Und hier nimmt die Migräne mir zu viel Raum in meinem Leben.
    Wenn ich sie versuche zu ignorieren, habe ich meistens schnell die Quittung und starke Migräne. So wie im Moment. Jetzt nerven gerade noch die Nebenwirkungen des Triptans mit dieser Übelkeit.

    Ich versuche es zu akzeptieren. Aber im Moment gelingt es nicht gut.
    Ich kann die Schmerzen nicht akzeptieren und auch nicht, dass ich so wahnsinnig eingeschränkt bin.
    Trotzdem glaube ich, dass zu viel negative Gedanke auch negative Auswirkungen verstärkt und das Leid verschlimmert. Die Schmerzen bleiben, aber ich denke mehr positive Gedanken können einem mehr Kraft geben. Daran übe ich zurzeit wieder.

    Von meinem engen Umfeld, Familie, Freunde erwarte ich nicht viel. Nur dass sie verstehen, dass ich kaum Kraft habe was zu machen.
    Ich werde auch nicht betüdelt von meinem Mann (nur von meinem Kater ganz viel☺️). Ich wollte immer, dass er sein Leben lebt und das tut er. Ich könnte das nicht ertrage, wenn er nur durch mich kaum oder wenig Lebensqualität hat. Er soll das machen, was ihm Spaß macht. Und so kommt er mit der Krankheit gut zurecht und das hilft mir sehr.
    Er übernimmt aber Aufgaben, die ich nicht mehr oder selten schaffe und mich zu sehr anstrengen, z.b. Einkaufen.

    So, ist jetzt doch ein langer Text geworden. Aber es hat mich abgelenkt und die Nebenwirkungen lassen langsam nach, und die Wirkung kommt durch.?

    Ich wünsche Euch noch einen schönen Abend.
    Liebe Grüße
    Astrid

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 11 Monate von  akascha.
    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3980

    Gestern hatte ich wieder eine Migräne-Attacke wie lange nicht mehr.
    Es hat volle 4 Stunden gedauert, bis das Triptan seine Wirkung entfaltet hat und ein zweites -nasal oder Spritze- wollte ich nicht zusätzlich draufsatteln, wegen der Nebenwirkungen.
    In den 4 Stunden hat mein ganzes Dasein diesen Migräneschmerz umkreist. Es war KEIN Raum für irgendetwas anderes.
    Essen und trinken – völlig nebensächlich. Bewegung – kein Gedanke daran. Irgendetwas DENKEN oder imaginieren – tut nur weh, richtig weh.
    Liebevoll umarmen war so weit weg wie der Nordpol.
    Nur im Sessel gehangen und gewartet. . .
    Ich habe früher mal die CD der Klinik „Imaginationstherapie“ ausprobiert. Die Folge war, dass ich den letzten Zeitpunkt für die Triptaneinnahme verpasst habe und daraufhin nichts mehr wirkte.

    Ich glaube, wenn jemand täglich Schmerzen hat, dann bleibt ein solches Kreisen um den Schmerz gar nicht aus. Ich habe vollstes Verständnis dafür.

    Was mir eher Schwierigkeiten statt Hilfe beschert hat, ist das „Personalisieren“ der Migräne. ( Wie Namen geben und Gestalt geben oder „Brief an die Migräne schreiben“ und so.)
    Migräne ist eine neurologische Erkrankung und nicht ein Dämon oder ein Untier oder irgend etwas , was uns anspringt wie Viren, Bakterien oder Pilz.
    Migräne ist eine körperliche Reaktion auf die Schwankungen in der Energieversorgung. Ein Ablauf IN meinem Körper.
    Wie meine Blasenentzündung, immer wenn ich mich auf kalte Steine gesetzt habe. Die nehme ich auch nicht liebevoll an sondern gucke, was ich TUN kann. Medikamente und entstressen des Alltags und Wärme um mich herum.
    So auch bei Migräne.
    Und da die nicht so „einfach“ ist wie die Blasenetzündung, suche ich schon immer und immer wieder nach kreativen Ideen, meinem Körper, meinem Kopf Gutes zu tun. Und Belastendes zu lassen.
    Ja. Aber EINFACH ist das nicht.

    Liebe Grüße !!!!!
    alchemilla

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 11 Monate von  alchemilla.
    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3980

    Liebe Meerwasser,

    ich hoffe, dass es dir nichts ausmacht, dass es dein Beitrag bzgl. „liebevoll annehmen“ ist, an den diese Diskussion aufgehängt wird.
    Eigentlich hast du sehr schlüssig und klar erklärt, wie das gemeint war. Und es wurde eigentlich klar, dass es missverstanden worden war.
    Jetzt hier ist es nur noch der Wortlaut, der diskutiert wird, nicht das, was du später erklärt hast, denke ich.
    Alles Gute!
    alchemilla

    susahund
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 134

    Ich war Jahrzehnte lang ein Meister des Ignorierens meiner Migräne, habe alles mit Tabletten gelöst und die wenigsten Menschen wussten was davon und wenn doch, dann nicht im wirklichen Ausmaß.
    Sowohl in der Familie als auch in der Arbeit habe ich funktioniert.
    Tatsächlich neige ich immer noch dazu, eher zu wenig „Rücksicht“ auf mich und den Schädel zu nehmen, jedenfalls in diesem eigentlich wunderschönen „Leben außerhalb dieses Forums“.

    Worauf ich hinaus will ist (und man möge es mir verzeihen ;o)), dass das hier meine Plattform geworden ist, in der ich mir alles, was mit der Migräne zusammenhängt von der Seele rede. In dem beruhigenden Wissen, das lesen idR nur Menschen, die das ganz oder zumindest teilweise verstehen und nachvollziehen können. Eben die Dinge, die man „draußen“ nicht thematisieren will, weil es eh niemand versteht, der es nicht hat und um eben nicht auf die Migräne reduziert zu werden.

    Deshalb entsteht vielleicht gerade hier der Eindruck, dass man den Schmerz zu sehr in den Mittelpunkt rückt. Schlussendlich ist es hier auch so, aber eben bei mir und vielleicht auch anderen „nur hier“.

    Ich wünsche Euch allen einen schönen Abend!
    LG Susahund

    @bettina: Der Sturm ist wirklich (deutlich schwächer als im Norden) im Süden angekommen und er hat mir anscheinend die Migräne weggepustet. Heute geht´s mir seit langen mal wieder gut :o)
    Du kannst ihn nächstes Mal wieder herschicken!

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 549

    Einen sonnigen guten Morgen euch,

    bei uns hat sich der Sturm gelegt und die Sonne strahlt am blauen Himmel – herrlich!

    @ Rosinante
    Dein Mann hat sooooo recht! Eine ehemalige Freundin sagte mir mal „Nach jedem Tief kommt ein Hoch – das ist ein Naturgesetz!“. Dieser Spruch begleitet mich seitdem und er hilft mir ein bisschen!

    @ Astrid
    Da können sich ja unsere Männer die Hand reichen…! Mein lieber Mann ist auch unser Chef-Einkäufer…!? Und ich freue mich immer über die leckeren Sachen, die er nach Hause bringt, damit wir (meistens) zusammen genießen können.
    Ich habe ihn auch immer ermuntert, sich wegen meiner Migräne nicht einzuschränken. Er und sein Wohlbefinden sind dadurch schon mehr als genug beeinflusst. Aber auch er hat gelernt und lernt weiter für sich zu sorgen, geht mittlerweile alleine auf Konzerte, sauniert, lässt es sich beim Einkauf auf dem Markt gut gehen und gönnt sich auch mal dort ein Mittag usw.! Dann sind wir beide entspannter!

    @ susahund
    Der Unterschied zu „draußen“ ist, dass man „hier“ Hilfe, gute Anregungen und Tips finden kann! Das „Draußen“ ist meist nur sehr hilflos!

    LG
    Katrin

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7468

    Ihr Lieben mit euren sehr offenen und reflektierten Beiträgen. 😀

    Offenbar hat das Thema wohl doch nicht zu einer wirklichen Diskussion, sprich Rede und Gegenrede, gereicht. Jedenfalls kommt es mir so vor, Bettina, als wären die von dir angesprochenen Aspekte, die es wohl bei allen schwereren Erkrankungen und nicht nur bei Migränikern gibt, leichter von Nichtbetroffenen als von uns Insidern, zu diskutieren. Ich meine diskutieren und nicht sich gegenseitg die vermeintlichen Fehler vorwerfen.

    Jede der hier Schreibenden hat mit viel Offenheit, auch wenn es um eigene Grenzen und Schwierigkeiten ging, geantwortet und von sich berichtet. Das war sicher nicht immer ganz leicht.
    Wie soll man aber auf die von dir, Bettina, gebrachten „negativen Meinungen/Gedanken“ eingehen? Soll man hier schreiben, ja ich verlange viel zu viel Beachtung, brauche zu viel Aufmerksamkeit und direkte Hilfe (da gäbe es viele Beispiele 😉 ), möchte zu oft im Mittelpunkt stehen?
    Ist man sich dieser Problematik, wenn vorhanden, denn überhaupt bewusst?

    Was ist mit der oft verzweifelten Suche nach psychologischen Hilfen? Ist es wirklich verwerflich, danach immer wieder in Büchern und INet zu suchen? Ja, es wird ausgenutzt und viel Geld gemacht, und sicher gibt es auch oft falsche oder sogar schädliche Beeinflussungen der Verzweifelten. Aber diese Richtung der Behandlung bringt auch viel Gutes. Man muss seinen Schmerz ja nicht gleich heiraten, weil man ihn sooo liebt 😉 !

    Und die von dir angesprochenen Samariter. Wo sind die Grenzen, wo wird es zum Selbstzweck, mit dem man sich selbst viel Gutes tut? Welche und wieviel Hilfe macht einen zum (negativ gemeinten) Samariter. Und ist es nicht immer so, dass beide Seiten profitieren, sowohl die Hilfeannehmenden als auch genauso viel die Gebenden? Auch wir hier haben, wenn wir ehrlich sind, ein gutes Gefühl, wenn wir jemandem ein wenig helfen konnten. Das tut auch UNSERER Seele und Ego gut!
    Wer von uns ist da „schon Samariter“, wer hilft nur gerne?
    Diese Gedanken kamen mir eben so, als ich bemerkte, dass es schon über fast eine Woche keine neuen Reaktionen mehr gab.

    Wünsch allen einen schönen Tag, und vielleicht doch noch ein wenig Diskussion?
    Julia

    Jojo
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 331

    Liebe Julia,

    Natürlich macht Helfen immer Freude, egal in welchem Bereich. „Man bekommt so viel zurück…“ ist doch schon ein Standardsatz ?

    Trotzdem wird der Gebende, meines Erachtens nach, dadurch nicht zum Profiteur. Helfen kann doch nie Selbstzweck sein, oder? (Darüber muss ich aber erst nochmal nachdenken.)

    Oft hilft man, zumal in der kleinen Schwestergruppe „Migräne Community „, die noch viel „schneller“ ist, und bekommt gar nichts „zurück“. Was mich persönlich auch nicht stört. Da es ja nicht Zweck der Sache ist, und es mein eigentliches Anliegen ist, anderen Patienten möglichst viel unnützes Leid zu ersparen.

    Profitieren tue ich, hier als Schreibende, und viel mehr hier in dem „langsameren“ und bedächtigerem Headbook als in der Facebook-Gruppe, vor allem davon, dass ich mich mit dem Thema auseinandersetzen muss, und das Schreiben an sich für mich eine „klärende“ Funktion hat. Dabei kreisen die Gedankengänge in diesem Forum natürlich immer wieder um das Thema Migräne. Wobei es außerhalb des Forums natürlich weniger Platz einnimmt, als man hier vielleicht den Eindruck gewinnen könnte.

    Liebe Grüße

    Jojo

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28014

    Liebe Julia,

    das Gute an solchen Diskussionen in einem Forum ist ja, dass es keinen Zeitdruck gibt. Also bitte keinen künstlich aufbauen, viele von uns haben einen sehr vollen Tag. 😉 Jeder schreibt dann, wann er Zeit und auch die Muße hat, so haben wir das schon immer gehalten und so wird das auch bleiben.

    Mit Samariter meinte ich übrigens nicht Menschen, die sich für andere engagieren, sondern die eher immer zu viel geben und oft auch sich selbst vergessen und aufgeben.

    Ich finde es sehr interessant, wir Ihr persönlich den Schmerz seht und wie Ihr Euren Alltag so gestaltet. Im Grunde ist das auch eine Entwicklung, die viele Jahre oder auch Jahrzehnte in Anspruch nehmen kann. Erst mit zunehmender Information und dem breiten Wissen ist es mir z. B. gelungen, einen guten und gesunden Abstand zu meiner Schmerzerkrankung zu erlangen. Früher hatte sich zu viel um meinen Schmerz und mein Unglück darüber gedreht, zumal ich auch keine Hoffnung mehr hatte, je wieder ein anderes Leben führen zu können. Nach meinem ersten Klinikaufenthalt und all dem Wissen, das ich aufgesogen hatte wie ein Schwamm, konnte ich mich befreien aus der Negativspirale, die mich früher oft nach unten gezogen hatte. Das Schlimmste ist immer, wenn man keine Hoffnung mehr hat.

    Ich habe schon lange einen gesunden Abstand und obwohl ich täglich hier und in der anderen Gruppe über Migräne und alles, was damit zusammenhängt, schreibe, ist es für mich nur eins von vielen Themen, mit denen ich mich halt beschäftige. Wie Jojo schreibt, ist es auch bei mir losgelöst von jeglichem eigenen Schmerzgeschehen und von meiner Krankheit.

    Mein Eingangstext war darauf gemünzt, dass sich manche „zu viel“ mit ihren Schmerzen beschäftigen, alles dreht sich darum, das eigentliche Leben wird zur Nebensache. Das tut nicht gut, das hält einen in der Krankheit fest. Die hier Schreibenden sind da sowieso schon einen guten Schritt weiter. Es geht mir auch darum, Mitleser vielleicht aufzurütteln und zum Nachdenken anzuregen.

    Zitat Julia:

    Was ist mit der oft verzweifelten Suche nach psychologischen Hilfen? Ist es wirklich verwerflich, danach immer wieder in Büchern und INet zu suchen?

    Nein, es ist nicht verwerflich, es kann allerdings zu einer Art Sucht und zu einem neuen Krankheitsbild werden. Es kann dazu führen, dass man den Boden verliert, immer weiter sucht und letztendlich auch viel Mist zu lesen bekommt.

    So, jetzt mach ich mal wieder Pause, wenns genehm ist.

    Liebe Grüße
    Bettina

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3980

    Aber wo ist das Problem?
    Oder auch: WER hat das Problem?
    Wenn sich Menschen exzessiv mit sich selbst und ihrem Befinden beschäftigen, wer leidet denn wirklich darunter?
    Andere Menschen haben andere „Hobbies“, die sie suchtähnlich betreiben.
    Ich glaube, Außenstehende können nicht wirklich beurteilen, ob diese Menschen „falsch“ leben.
    Und wir können auch nicht beurteilen, wie zwanghaft oder wie frei gewählt Menschen ihr Leben leben.
    Das ist ihr eigenstes Territorium. Und UNSERES ist es, wenn Leute grenzüberschreitend agieren und uns behelligen.
    Meintest du das mit deiner Kritik, Bettina?

    Viel schwieriger finde ich persönlich den Umgang mit den Menschen, die sich GAR NICHT damit beschäftigen.
    Die die Ursache ( und auch die Schuld) für all ihr Ungemach stets bei den anderen oder den Umständen suchen.
    Die deswegen auch die Lösungen IHRER Probleme darin sehen, dass ANDERE sich ändern müssen.
    Oder darin, dass die Lebensumstände anders sein müssten. „Wenn erst das und das so ist, dann . . .“
    Die sich niemals selbst in Frage stellen.
    Die nie ihre eigenen Anteile an Konflikten ansehen.
    Die immer an der gleichen Stelle in der gleichen Situation hochgehen wie HB-Männchen. Als würde man einen Knopf drücken.

    Ich finde diese Menschen im Alltag sehr anstrengend. Anstrengender als die, die sich „zu“ ( ? ) viel um sich selbst drehen.

    Und da wir ja nun unsere Mitmenschen nicht ändern können – und auch nicht ändern dürfen- muss wohl jeder Mensch herausfinden, wie er mit den verschiedenen Situationen und Mitmenschen am besten umgeht.
    Ein Verurteilen steht uns jedenfalls nicht zu.

    LG
    alchemilla

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7468

    Probleme sehe ich bei allen von dir, Bettina, angesprochenen Themen schon.

    Darum würde ich eine Diskussion dazu auch für wichtig halten, aber ist das überhaupt möglich? Fühlen sich diejenigen, die ihre „sehr intensiven“ Beschäftigungen mit dem jeweiligen Thema vielleicht sogar erkennen, aber nicht ändern möchten oder können, nicht eher angegriffen durch so eine Debatte? Würde man sich, solange man tief drinsteckt in der „Überlastung“ von sich selbst oder der Umgebung, auf eine Diskussion mit ja vorhandenen Vorwürfen auseinandersetzen wollen?
    Und wem schadet so ein Verhalten denn wirklich? Doch in erster Linie demjenigen selbst! Wenn man es nicht erkennen kann, fühlt man sich wahrscheinlich auch überhaupt nicht angesprochen, würde wohl auch nicht mitdiskuteren.

    Und die von dir angesprochenen „Samariter“…, ich kenne mehrere Menschen, die fast bis zum eigenen Zusammenbruch andere Menschen, deren Leidensweg dadurch wohl eindeutig verlängert wurde, „gepflegt“ haben, obgleich ihre uralten und kranken „Opfer“ geradezu um den natürlicheintretenden Tod gebettelt haben. In einem Fall kam täglich ein wenig seriöser, aber dabei sehr gut verdienender Arzt ins Haus, um mit Ultraschall!? zu untersuchen und mit allerlei unsinnigen Therapien das Leben zu verlängern. 2!Tage nach dem dann doch endlich eingetretenen Tod des Ehemannes wurde meinem 94jährigen, topfitten Vater ihre Pflege angeboten!
    Diese extremen Fälle gibt es. Aber auch die weniger heftigen, werden sicher von den Helfenden nicht als abnormal und sie selbst schädigend erkannt. Sie „leben“ von der vermeintlichen Güte!

    Diese Beiträge werden m.E. einige zum Nachdenken anregen, eine offene Unterhaltung mit den Angesprochenen aber wohl eher nicht befördern.
    Die Frage, wieviel wovon und für wen gut oder richtig ist, dürfte schwer zu beantworten sein.

    Liebe Grüße an alle,
    Julia

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28014

    Ich denke nicht, dass hier von Schuld gesprochen werden sollte. 🙂 Es geht darum, zu reflektieren und das haben ja viele in ganz tollen Beiträgen. 😉 Und wenn es gar keine weiteren Beiträge mehr dazu gibt – dann ists doch auch gut. Ich weiß nicht, ob man eine Diskussion weiter forcieren muss, wenn nun mal jetzt grad oder überhaupt keiner was schreiben will.

    Um Pflege geht es hier nicht unbedingt, ist etwas ab vom Thema, denn die Samariter hatte ich nur gaaanz nebenbei erwähnt. Aber natürlich kann man Beispiele bringen dazu, wenn man es möchte.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7468

    OK, Bettina, ich hatte es, da ja in der Diskussionsgruppe, als Aufforderung zur Diskussion der von dir gewählten Themen verstanden.
    Das war dann wohl ein Missverständnis.

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28014

    Nun Julia, wenn Dir 25 Beiträge nach „Aufforderung“ zur Diskussion nicht reichen, bist Du herzlich eingeladen, weiter zum Thema zu schreiben. Ist ja sehr ausfüllend, da kann man sich gut ausleben. Sonst meine ich, lass es jetzt einfach mal gut sein, ok? Sofern Dir das möglich ist. 😉

    lili
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 229

    Liebe alle,
    noch einmal ein Beitrag von mir, der vielleicht etwas klärt, vielleicht auch nicht 😉

    Mir ist bei dem was geschrieben wurde die Beschreibung von Selbstmitgefühl in den Sinn gekommen und die Unterscheidung zu Selbstmitleid, die die Amerikanerin Kristin Neff trifft. Ich müsste jetzt eigentlich nachlesen, weil es schon länger her ist, dass ich dazu was gelesen habe, aber ich schreibe das jetzt stattdessen so aus dem Bauch heraus, wie ich mich erinnere und wie es für mich Sinn macht.

    Neff hält Selbstmitgefühl für sehr sinnvoll und für sehr gesund und steht dafür, dass wir grundsätzlich mehr davon brauchen. Sie unterscheidet Selbstmitgefühl von Selbstmitleid dadurch, dass sie sagt, dass Selbstmitgefühl ein Annehmen und Mitfühlen mit sich selbst ist, das gleichzeitig mit anderen Menschen verbindet. „Ich bin ein Mensch wie jeder andere, ich leide, wie auch andere Menschen leiden und ich verdiene Mitgefühl, wie auch andere Menschen Mitgefühl verdienen.“ Selbstmitleid hingegen beschreibt sie als Abgrenzung von anderen Menschen: „Mir geht es schlechter als anderen, ich bin besonders, weil ich besonders leide und andere Menschen kennen ein solches Leiden gar nicht.“ Dadurch ist Selbstmitleid etwas, was von der Umwelt eher isoliert und Selbstmitgefühl etwas, das mit der Umwelt verbindet.

    Interssanterweise hatte ich davon gelesen bevor ich nach Kiel gefahren bin und hatte dann da aufeinmal eine Aha Effekt, wozu diese Unterscheidung sinnvoll ist. Da waren bei meinem Aufenthalt Menschen für beide Gruppen. Manche, die in dem stationären Aufenthalt auch diese Verbindungen gesucht und verstärkt haben und die bei allem persönlichen Leid auch gut noch andere sehen konnten. (Und diese Menschen waren es dann auch, die den Aufenthalt für mich besonders gemacht haben.) Und andere die in dieser Gruppe von Leidenden trotzdem noch mit ihrem Leid die besonders Leidenden sein wollten und keinen Platz in sich hatten um andere wahrzunehmen. (Bei denen habe ich dann nicht mehr am Tisch gesessen.)

    Bei unserer Diskussion hatte ich den Eindruck dass das ein wertvolle Unterscheidung sein könnte. @bettina Du schreibst finde ich von Menschen, die sich isolieren und die sich besonders machen mit ihrem Leid und dabei auch den Blick auf andere Menschen verlieren. Und die gibt es schon, das finde ich auch. Und ihr anderen schreibt von einer Beschäftigung mit sich selbst, die eine Verbindung zu anderen auch ermöglicht (nicht zuletzt über Headbook) und die auch notwendig ist. Und das Selbstmitgefühl ist eben auch gut und gesund und notwendig, damit wir auf uns achten und gut mit uns umgehen. Und dann gibt es aber natürlich bei allem auch immer Stolpersteine und schlechte Momente … wie mein Neid auf meine Kollegin, die säuft und ewig spät ins Bett geht und trotzdem fitter ist als ich (zumindest in meiner Außenwahrnehmung).

    So, das war mein Wort zum Montag, vielleicht kann ja die eine oder andere damit etwas anfangen.
    Liebe Grüße
    lili

    Jojo
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 331

    Liebe lili,

    Das finde ich einen super interessanten Ansatz. Das macht, zumindest für mich, vieles klarer.

    Das sich-Isolieren und Besonders-sein-wollen abzugrenzen von Teil-der-Gemeinschaft/Mitgefühl. Das bringt es auf den Punkt.

    Liebe Grüße,

    Jojo

    neele
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 100

    Hallo ihr Alle,

    Der Beitrag von lili beschreibt ganz gut die Ambivalenz, die ich beim Lesen der Beiträge zu dem Thema gefühlt habe.

    Wo endet das Selbstmitgefühl und wann fängt das Selbstmitleid an? Auf jeden Fall überwiegt das Selbstmitleid bei mir, wenn sich die Kollegen über ihr ereignisreiches Wochenende unterhalten und ich mucksmäuschenstill am Tisch sitze, weil ich wieder einmal am WE nur eingeschränkt handlungsfähig war. Ich kann aber auch immer noch gut zuhören, wenn andere von ihren (auch gesundheitlichen) Problemen berichten und bin auch bereit Hilfe zu geben, wenn es gewünscht wird.

    Ich glaube da wohnen bei jedem, der mit so lebenseinschränkenden Erkrankungen zu kämpfen hat, 2 Seelen in einer Brust.

    Natürlich sehe ich auch, dass jeder irgendein „Päckchen“ zu tragen hat und es handelt sich immer nur um einen Augenblick, wo ich Andere um ihre Unbeschwertheit beneide. Aber es gibt sie eben.

    Ansonsten bin ich, was das ganze Kreisen um den Schmerz betrifft, ganz bei Bettina.

    Als die Migräne bei mir so häufig wurde, habe ich auch zuerst verzweifelt nach einer Ursache geforscht, Bücher gekauft, Kurse unterschiedlichster Art belegt, und so weiter. Nach und nach bin ich zu einer Art Selbsterkenntnis gekommen, die mich befähigt einigermaßen gelassen mit der Migräne umzugehen. Je mehr ich mich mit dem Schmerz beschäftige, desto schlimmer wird er. Ablenkung ist bei mir auf jeden Fall die bessere Wahl. Ich will den Schmerz auf keinen Fall zum Lebensinhalt machen, oder werden lassen.

    Ja, ich bin empfindlich (manchmal viel zu empfindlich) und ich gehe den Mitmenschen und meiner Familie auf den Keks, wenn ich jeden 2.Tag rumjammere, dass ich schon wieder Migräne habe. Das führt so wie so nur meistens zu den, von uns Kopfschmerzgeplagten so verhassten „guten“ Ratschlägen. Aber was sollen die „Anderen“ auch immer sagen!

    Also bin ich ruhig, und nehme ein Triptan und bin dann einigermaßen handlungsfähig. Manchmal vergesse ich dann sogar im Laufe des Tages, dass ich ja was genommen habe. Die Gelassenheit verschwindet zugegebenermaßen ab dem 4.Tag in Folge Migräne oder wenn ich den Schmerz aushalten muss. Dann fange ich wieder an, mein Tun zu hinterfragen.

    Ich bekomme allerdings einen „Hals“ wenn mir wieder einmal ein Arzt sagt, ich müsse doch mal jetzt unbedingt was für mich tun. Wer lebt schon so gesund und tut so viel für sich, wie ein Mensch mit häufiger Migräne. Regelmäßig und gesund essen, ausreichend Schlaf, kein Alkohol und Nikotin, Entspannung und Ausdauersport (wenn möglich). Für Auszeiten sorgt schon die Migräne. Ich will nicht noch mehr Ruhe, ich will mich nicht „Isolieren“, ich will „Leben“ und auch mein Partner soll das tun.

    Ich weiß nicht, ob man über dieses Thema (wie man mit dem Schmerz umgeht) überhaupt diskutieren (Rede ja!, aber Gegenrede?) kann. Jeder muss am Ende seinen eigenen Weg finden, um mit dieser Erkrankung fertig zu werden. Man kann höchstens die eigene Sicht auf die Dinge darstellen und Anregungen geben.

    Liebe Grüße
    Neele

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28014

    Das finde ich eine sehr interessante Erwähnung, liebe Lili. Es sind die Menschen, mit denen man dann nicht mehr unbedingt weiter am Tisch sitzen will. 😉 Diejenigen, die oft noch einen Wettbewerb daraus machen, wer denn von den sehr schlimm Betroffenen das allerärmste Schw… ist. Diejenigen, die auch einen Krankheitsgewinn anstreben – ob bewusst, oder unbewusst, sei mal dahingestellt – und aus dieser Spirale gar nicht mehr herauskommen. Sie bleiben oft gefangen in ihrer Situation, sehen andere nicht mehr und leben fast nur noch für die Erkrankung. Bei manchen frage ich mich dann tatsächlich, was sie mit sich anfangen würden, hätten sie die Krankheit nicht mehr.

    Nicht selten trifft man solche Menschen in Foren an, wobei dies natürlich keinerlei Querschnitt bietet und auch keine Rückschlüsse zulässt. Wer schreibt in Foren? Menschen, die schwer betroffen sind und oft auch Menschen, die mit ihrer Medikation, Prophylaxe usw. noch nicht optimal eingestellt sind. All diejenigen, die nicht so schwer betroffen sind, oder einfach medizinisch gut versorgt sind, haben ja viel weniger Grund, sich unbedingt mit anderen austauschen zu „müssen“. Sie tun es auch, zum Glück, aber halt doch seltener als diejenigen, die dringend und auch schnell Hilfe benötigen und ein langfristiges Konzept für ihre Erkrankung.

    Ich glaube da wohnen bei jedem, der mit so lebenseinschränkenden Erkrankungen zu kämpfen hat, 2 Seelen in einer Brust.

    Genau, liebe Neele, so geht es wohl den meisten von uns. Sonst sehen wir das auch ähnlich, dass man dem Schmerz nicht mehr Platz einräumen sollte, als er sich eh schon nimmt. Sich immer damit zu beschäftigen, nach einem Ausweg suchen, kann auch mal dazu führen, dass man diese Suche nie abschließen kann und dieser Kreislauf ewig vorhanden bleibt. Ich glaube, auf Dauer schadet so etwas.

    Viel schwieriger finde ich persönlich den Umgang mit den Menschen, die sich GAR NICHT damit beschäftigen.
    Die die Ursache ( und auch die Schuld) für all ihr Ungemach stets bei den anderen oder den Umständen suchen.
    Die deswegen auch die Lösungen IHRER Probleme darin sehen, dass ANDERE sich ändern müssen.
    Oder darin, dass die Lebensumstände anders sein müssten. „Wenn erst das und das so ist, dann . . .“
    Die sich niemals selbst in Frage stellen.
    Die nie ihre eigenen Anteile an Konflikten ansehen.
    Die immer an der gleichen Stelle in der gleichen Situation hochgehen wie HB-Männchen. Als würde man einen Knopf drücken.

    Ich finde diese Menschen im Alltag sehr anstrengend. Anstrengender als die, die sich „zu“ ( ? ) viel um sich selbst drehen.

    Aber Alchemilla, diese Menschen beschäftigen sich doch auch mit sich selbst, mit dem Schmerz, mit ihren Mitmenschen. Deine Schilderungen würde ich jetzt eher den ganz normalen Egoisten zuordnen, die es mit und ohne Schmerz gibt. 😉 Diese sind auch anstrengend, klar, aber darum geht es in der Diskussion nicht. Es geht um diejenigen, die einen Großteil ihres Lebens damit verbringen, „sich selbst zu finden“, was immer das auch bedeuten mag, und die manchmal eine narzisstische Ausprägung haben, die so dominant sein kann, dass es „nicht mehr gesund“ ist. Die die Krankheit zum Selbstzweck machen.

    Ich weiß nicht, ob man über dieses Thema (wie man mit dem Schmerz umgeht) überhaupt diskutieren (Rede ja!, aber Gegenrede?) kann. Jeder muss am Ende seinen eigenen Weg finden, um mit dieser Erkrankung fertig zu werden. Man kann höchstens die eigene Sicht auf die Dinge darstellen und Anregungen geben

    Ja Neele, so sehe ich das auch. Man kann seine Sicht darlegen, Gegenrede braucht man schon gar nicht, aber man kann voneinander lernen – auch durch manchmal unterschiedliche Auffassungen eines Diskussionsthemas.

    Liebe Grüße
    Bettina

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