Gesundheitspolitik

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  • Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27786

    Ein heißes Thema, ganz besonders für uns Schmerzpatienten. Welche Ideen hättet Ihr denn, das gesamte System zu sanieren? Wäret Ihr Politiker… 😉

    Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2850

    Ich habe jetzt einen Platz gesucht, wo ich mein gestriges Erlebnis mit meinem Arzt los werden kann. Hier passt es vielleicht her.

    Mein Quartalstermin Botox stand an, alles erledigt, alle Fragen hin und her beantwortet und dann ging es an meine Medikamenten“wünsche“. Ich brauchte Ascotop nasal und Naproxen. Wie viel Ascotop, seine Frage, meine Antwort, so viel wie geht (bisher waren das zwei Sechserpackungen).

    Dann legte er los, ich mache das nicht mehr mit, ich behandele Sie hier wegen chronischer Migräne, Sie bekommen die Medizin die sie brauchen, wieviel im Quartal sind das…, ich habe ganz vorsichtig gesagt: dreißig, zack standen sie auf dem Rezept und weiter ging es mit, wir müssen nur alle mal einen A…. in der Hose haben. Ich war völlig erstaunt, weil er sonst eigentlich eher „vorauseilend“ gehorsam und sehr vorsichtig ist. Ich habe auch unterschiedliche Triptane genommen, aber zur Zeit komme ich mit dem Nasal super zurecht. Es wirkt so unsagbar schnell und ich mag einfach keine Schmerzen aushalten zur Zeit.

    Tja, ob damit das System saniert werden kann wage ich zu bezweifeln, aber wenn alle Ärtzte ihren Patienten das zukommen lassen, was sie wirklich brauchen wäre schon viel gewonnen.

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7425

    Vielleicht lässt es sich so nicht komplett sanieren, aber Kosten sparend dürfte es sein, denn wer die Medikamente braucht und sie nicht bei einem Arzt bekommt, bemüht oft weitere Praxen. Und das wird dann teurer, als die Medikamente an sich.

    Meine HÄ meinte neulich, als ich vorsichtig „bat“ und auf das Budget ansprach: „ich behandel immer noch meine Patienten und nicht mein Budget!“

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27786

    Liebe Johanna,

    wie schön, dass Du mein uraltes, völlig verwaistes Forum wiederbelebt, besser gesagt, neubelebt hast. 🙂

    Freut mich für Dich, dass Du einen Arzt hast, der das Patientenwohl über die Budgetvorgaben stellt. Das ist gut und wichtig für den Patienten, belastet aber die Gemeinschaft natürlich mehr, als würde sich der Arzt daran halten, nur eine bestimmte Menge im Quartal zu verschreiben. Diese Vorgaben gehen natürlich völlig am Patienten vorbei, sind starr und haben nichts mit den individuellen Bedürfnissen des Einzelnen zu tun.

    Andererseits werden unwirksame Alternativverfahren von den Kassen getragen, weil sie „nachgefragt“ werden. Der schwer betroffene Schmerzpatient muss um seine schmerzlindernde Medikation betteln, dem nächsten werden seine Wohlfühl-Globuli erstattet und die Therapie des Heilpraktikers, die keinerlei Evidenz zeigt, mitunter sogar schädlich ist. Hier gibt es ein großes Missverhältnis, wie man die Gelder der Versicherten ausgibt.

    Liebe Grüße
    Bettina

    augenstern
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 57

    Das ist bei uns daheim wirklich ein heiß diskutiertes Thema und es hat schon für einige Aufregungen gesorgt. Einerseits haben wir sehr engagierte Ärzte in der Familie, die gerne auch auf dem Land und auch am Wochenende und an Feiertagen Notdienst tun und denen alle nur erdenkliche Hindernisse in den Weg gelegt werden und die mit nur 25 Euro pro Stunde(!) abgespeist werden, wobei man dann aber den Ärztemangel auf dem Land bejammert, andererseits sind wir als Patienten betroffen, denen alles mögliche nicht bewilligt wird, worauf wir uns eben andere Wege suchen, die nicht unbedingt kostensparend sind.
    Ich hatte z.B. vor einigen Jahren eine Reha beantragt und musste zur Begutachtung, da privat versichert und beihilfeberechtigt. Ohne mich überhaupt anzuschauen, wurde mir erklärt, dass alles abgelehnt ist, weil meine Kinder groß sind, mein sehr alter Vater momentan keine Unterstützung meinerseits benötigt und ich also deshalb alles ambulant zu Hause machen könne. Dazu wäre es zumutbar, jeden Tag 40km einfachen Weg zu fahren, Fahrtkosten werden natürlich nicht ersetzt. Als ich dann auch nur ein Funktionstraining beantragte, wurde das natürlich abgelehnt ohne Begründung. Ich legte Widerspruch ein, legte 4 verschiedene Gutachten vor, beantragte eine nochmalige Begutachtung bei einem anderen Amtsarzt, alles abgelehnt. Das Ende vom Lied, ich habe immer noch keine Reha, kein Funktionstraining, wenn ich ein neues Medikament brauche, habe ich Dauerstress mit der Krankenkasse und der Beihilfe bis sie das mal bewilligen und ich werde wohl nie mehr eine Reha bekommen. Allerdings spart das keine Kosten, denn ich mache nun Physiotherapie als Dauerverordnung vom Facharzt und bin mal gespannt, wie lange ich das noch bewilligt bekomme. Sollte das irgendwann nicht mehr gehen, stehen dann Gelenkersatz usw an, das kostet sehr viel mehr Geld als die Reha je gekostet hätte.
    Wir würden ja gerne Kosten sparen, z.B. bei der Notfallversorgung, aber wie? Bei uns wurden zahlreiche Notfallpraxen geschlossen und so müssen die Patienten lange Anfahrtswege in Kauf nehmen, wenn sie am Wochenende oder Feiertagen krank werden. Also wird dann doch schnell mal der Rettungswagen gerufen oder man geht gleich in die Notaufnahme der nächsten Klinik, was auch nicht Sinn der Sache ist.
    Auch werden viele Untersuchungen doppelt und dreifach gemacht, da und dort noch eine weitere Meinung eingeholt usw und Patienten sind oft nicht sehr „folgsam“, was verordnete Therapien betrifft. Medikamente werden oft gar nicht oder falsch eingenommen und ein Arzt weiß nicht, was ein anderer verordnet hat.
    Eine adäquate Schmerztherapie wäre wirklich schön und wünschenswert, doch dazu braucht es Spezialisten, die sich auch die Zeit nehmen können für ihre Patienten, um ihnen die richtige Therapie zukommen zu lassen.Wäre ich Politikerin, würde ich die Schmerztherapie nicht so streng budgetieren und reglementieren.
    Wir werden das Problem sicher nicht lösen, so schön das wäre.

    Liebe Grüße,
    augenstern

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27786

    Solche Diskussionen und Erlebnisse kennen viele von uns. Ich frage mich manchmal, wie man so am Patienten vorbei organisieren kann. Ja leider können wir jetzt nichts ändern an der Situation. Dabei könnte es einfach sein …

    augenstern
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 57

    Hallo,

    ich habe da einen interessanten Artikel gefunden in der ÄrzteZeitung vom 17.5.2017 zum Thema bessere Versorgung von Schmerzpatienten. Das ist wenigstens ein Hoffnungsschimmer, einen Facharzt für Schmerzmedizin wird es aber leider auch weiterhin nicht geben. Es geht da um einen Zehn-Punkte-Plan zur besseren Versorgung.

    @bettina, vielleicht kannst Du da mal recherchieren und es irgendwie einstellen, man soll ja hier nicht verlinken.

    Liebe Grüße,
    augenstern

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5600

    Einige Schmerzpatienten müssen leider um eine optimale Versorgung mit Schmerzmitteln bei ihren Ärzten kämpfen. Aus welchen Gründen auch immer, oft ist es ja völlig unberechtigt.
    Eigentlich sind wir alle durch unsere Erkrankungen schon genügend belastet, dann auch noch immer wieder als Bittsteller beim Arzt auftreten zu müssen, sollte wirklich nicht nötig sein. – Vorausgesetzt natürlich, die Medikation läuft nach den empfohlenen Richtlinien im Rahmen einer sinnvollen Schmerztherapie.

    Was mich im Gegenzug sehr erstaunen lässt, ist, dass ich in meinem erweiterten Umfeld erlebe, dass sehr alte Patienten oft jahrelang mit sehr vielen und teilweise recht teuren Medikamenten überaus großzügig bedacht werden. Man weiß z.B., dass gewisse Alzheimer-Medikamente nur eine Zeitlang ihre Wirkung entfalten, nämlich den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, und dann nicht mehr wirken. Dennoch werden sie weiterhin verschrieben und verschrieben und verschrieben…

    Sicherlich machen oft Angehörige Druck, dass sie wollen, dass alles nur Menschenmögliche getan wird. Für einen Arzt ist es dann auch nicht einfach, eine Reduktion offen und ehrlich anzusprechen, auch wenn es oft sinnvoll wäre.

    Es erscheint mir einfach unfair, dass jemand jahrelang mit vielen Medikamenten mehr als reichlich versorgt wird, während viele andere um das Nötigste kämpfen müssen.

    Das größte Problem im Gesundheitswesen ist leider, dass die Menschen, die auf politischer Ebene die Entscheidungen für uns alle treffen, selber nicht von diesen Problemen betroffen sind. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass unser Gesundheitsminister mit irgendwelchen Schmerzen monatelang auf einen Facharzttermin warten oder um irgendwelche Medikamente betteln muss…
    Die Wartezeit für einen normalen Augenarzttermin beträgt bei meinem Augenarzt übrigens ein Jahr!

    Aber lassen wir das, ich verspüre gerade einen unangenehmen Blutdruckanstieg in meinem Gefäßsystem. ?

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Jahre, 1 Monat von  heika.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Jahre, 1 Monat von  heika.
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