Alle 2-4 Stunden Nahrungsaufnahme ansonsten Migräne

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  • Sebastian
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    Beitragsanzahl: 21

    Hallo liebe Forengemeinde,

    ich habe eine Frage zur regelmäßigen Aufnahme von Nahrung vor allem von Kohlenhydraten. Da ich das Thema in dieser Form nicht gefunden habe, eröffne ich mal ein neues Thema dazu.

    Bei mir führt das Auslassen von Nahrung wie bei vielen Migränikern zu heftiger Migräne. Ich war auch schon in Kiel und habe meine Ernährung umgestellt. Ich esse häufig Vollkornprodukte und Gemüse. Vorm Schlafen gehen gibt es auch immer ein Müsli:-)
    Leider hat sich der Zeitraum zwischen den Mahlzeiten immer weiter verkürzt. Die Migräne durch fehlenden Kohlenhydrate fühlt sich auch anders an, als zum Beispiel durch Stress. Sie ist innerhalb von 10 min voll da, mit Schwindel, Schmerzen und Sehstörungem (keine Aura). Vor allem, wenn ich mich bewege kommt die Migräne ohne Vorwahrnung.
    Das hat dazu geführt, dass ich die Abstände der Nahrungsaufnahme immer weiter reduziert habe auf 2 bis 4 Stunden ( je nach Menge). Daraus hat sich eine Störung entwickelt. Ich muss immer was zu Essen dabei haben. Sobald ich Hunger bekomme, wird mir sofort schwindelig und der Hunger wird extrem fies. Wenn ich dann was esse, geht es irgendwann wieder, aber der Heißhunger bleibt für den Tag. Die Migräne kann ich dann meistens damit verhindern. Ich weiß auch gar nicht, ob die Migräne dann wirklich sofort käme oder vll erst eine Stunde später. Mein Gehirn verbindet irgendwie Hunger mit Migräne und sofort beginnt diese Stressreaktion im Körper unabhängig davon, ob es schon eine Migräne ist.
    Ich hoffe ihr versteht, was ich meine 🙂
    Gibt es hier jemanden, der ähnliche Probleme hat?
    Ich hasse es langsam immer essen zu müssen.

    Ich bin gespannt auf eure Antworten:-) Da ich am Wochenende unterwegs bin, kann ich erst Montag wieder antworten.

    Viele Grüße
    Sebastian

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28309

    Hallo Sebastian,

    nicht selten stellen sich auch Erwartungshaltungen oder Ängste vor einem Ereignis ein, was dann wiederum zu einem Problem werden kann. Regelmäßige Kohlenhydrataufnahme ca. alle vier Stunden ist in aller Regel geeignet, den Blutzuckerspiegel relativ konstant zu halten. Wichtig wären halt Kohlenhydrate, die sich nur langsam wieder abbauen. Also nicht nur Süßigkeiten usw. essen, welche den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen lassen mit ebenso schnellem Abfall, sondern Vollkornprodukte, Kartoffel Reis usw. bevorzugen.

    Sicherheitshalber lass aber mal Deinen Blutzucker kontrollieren. Wenn da alles ok ist, versuchen, aus dieser Abhängigkeit wieder rauszukommen. Ziehe die Abstände der Nahrungsaufnahme wieder auf gut vier Stunden hinaus und habe keine Angst vor einer Attacke. Habe vor Augen, dass Du mit den Triptanen ja eine wirksame „Waffe“ hast. ? Das sollte Dir doch die Angst wieder nehmen, bevor sie Dich zu sehr steuert.

    Hier habe ich grad mal einen Artikel der Apotheken Umschau an der Hand, in welchem sich Prof. Göbel zu Nahrungsmittel, Kohlenhydraten usw. äußert. https://www.apotheken-umschau.de/Migraene/Welche-Rolle-die-Ernaehrung-bei-Migraene-spielt-543821.html

    Liebe Grüße
    Bettina

    Fine
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 19

    Hallo Sebastian,
    danke für deinen interessanten Beitrag! Mir geht’s leider ähnlich. Dass ich von Hunger relativ schnell Migräne bekomme und deswegen halt ständig esse. Oft esse ich schon was vor, wenn ich mit anderen erst etwas später in ein Restaurant gehe. Oder ich stopfe mir noch schnell was in den Mund, bevor ich das Haus verlasse. Wie eine Fressmaschine.. :/ Da ich auch gut alle zwei Stunden was esse, aber ich habe auch das Gefühl, mein Körper verbrennt das alles auch sehr schnell – obwohl ich auf Vollkorn etc. achte! Tja.
    Wahrscheinlich muss man hier wirklich einen guten Mittelweg gehen. Erwartungsangst ist auch nicht gut!
    LG, Fine

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5717

    Bei dem Thema Erwartungshaltung muss ich gerade an einen Versuch denken, den Prof. Göbel mal vor längerer Zeit in der Schmerzklinik durchgeführt hatte:
    Es wurde Schokolade in eine andere Form verpackt, speziell gekennzeichnet und den Anwesenden erzählt, dass diese „spezielle“ Schokolade gegen Migräne helfen würde. Wiederum bei einer anderen Gruppe wurde erzählt, dass diese Schokolade Migräne auslösen würde. Es war jedes Mal nur ganz normale Schokolade. Doch es war erstaunlich, wie viele sich gefunden hatten, bei denen die Migräne besser wurde bzw. ausgelöst wurde. Unterschätzen wir niemals den Placebo- und Nocebo-Effekt!

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5717

    Ein großes Problem bei uns schwer geplagten Migränepatienten ist die Begrenzung der Schmerzmitteleinnahmetage pro Monat. Logischerweise möchten wir so wenig Migräne wie möglich haben, damit wir an den Schmerztagen auch gut behandeln können und nicht Schmerzen aushalten müssen.

    Wir suchen oft nach Triggern, um diese vermeiden zu können, um unser Schmerzgeschehen positiv beeinflussen zu können.

    Doch die Gefahr besteht durchaus, dass man sein Leben dabei stärker einschränkt als nötig. Und unsere persönliche Wahrnehmung macht uns manchmal zusätzlich schwer. Kennt ihr das, dass man im Supermarkt „immer“ an der falschen Kasse ansteht, an den anderen geht es „immer“ viel zügiger? Nein, nicht „immer“, nur fällt es uns besonders auf, wenn wir länger anstehen – und es vielleicht auch eilig haben.
    Hilfreich kann da eine konsequente schriftliche Dokumentation über einige Wochen hinweg sein. Wie verhält sich meine Migräne, wenn ich „dauernd“ esse? Wie, wenn ich meine Essenspausen mindestens 3 Stunden aushalte? Ist die Migräne wirklich so viel häufiger, wenn ich die Pausen länger halte oder kommt sie nicht so oder so?

    Nicht jeder reagiert natürlich gleich. Ich selber kann z.B. dauernd essen oder nur 3x am Tag, gesund oder ungesund, viel oder wenig, meine hoch frequente Migräne interessiert das kein bisschen. Das ist nun gleichermaßen positiv wie negativ… ?

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 9 Monate von  heika.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 9 Monate von  heika.
    Julia
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    Beitragsanzahl: 7575

    Das Problem der ständigen Angst vor Migräneattacken durch „Hunger“ bekommt man wohl nur in den Griff, indem man sich mal intensiv mit dem Glucosestoffwechsel und seinem eigenen Verhalten auseinandersetzt.

    Ich habe das Spiel über viele Jahre ganz extrem am Leben gehalten, weil mir nicht klar war, dass die Mengen an Traubenzucker in jeder Hosentasche der Grund für mein Hungergefühl waren. Beruflich extrem eingespannt, ohne Möglichkeiten zu vernünftigen Essenspausen, habe ich meinen Insulinspiegel immer „schön gleichmäßig hoch gehalten“. Je höher die, auch geistige, Beanspruchung war, desto höher wurde auch mein Zuckerkonsum.
    Das ging schon morgens mit einem leckeren und sehr süßen Frühstück los und setzte sich über den ganzen Tag so fort.
    Erst nach einer radikalen Umstellung auf ein vollwertiges, eher Fett und Eiweiß betonendes Frühstück lies das Verlangen nach ständiger Nahrungsaufnahme und die Angst vor Kopfschmerzen immer mehr nach.
    Auch heute bekomm ich durch Zuckerabfall und Durst noch schnell eine Migräne und hab dafür auch immer Vollkornkekse und Wasser für den „Notfall“ dabei. Aber auch diese Kekse enthalten noch mehr als genug kurzkettige Zucker für „sofort“, so dass ein oder zwei Stück dann oft ausreichen. Natürlich kann man nicht jeden beginnenden Anfall stoppen, einen Versuch ist es aber wert.

    Wenn einem die Umstellung alleine schwerfällt, wäre eine Ernährungsberatung, die sogar von den Kassen oft übernommen wird, sicher sehr sinnvoll. Das Mittelmaß zu halten ist nicht immer einfach, für unsere Migräneköpfe aber extrem wichtig.

    Eventuell, hab jetzt nicht die Zeit zum Suchen, hat unsere Gudrun, die Fachfrau für solche Fragen, in der Gruppe Ernährung schon was dazu geschrieben.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 9 Monate von  Julia.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 9 Monate von  Julia.
    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7575

    Liebe Heika,

    der Schokoladentest wurde damals in der Sendung Quarks und Co gebracht. Man findet den Film dazu auf der Klinikseite unter Aktuelles auf Seite 13 ganz unten. Immer wieder schön anzusehen.
    Leider kann ich am Tablet nicht verlinken, Ihr müsst also selber suchen 😉

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7575

    Der Test ist auf You Tube ganz leicht zu finden: Quarks und Co Kopfschmerzen durch Schokolade: Der Nocebo-Test

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7575