Alle 2-4 Stunden Nahrungsaufnahme ansonsten Migräne

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  • Sebastian
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    Beitragsanzahl: 21

    Hallo liebe Forengemeinde,

    ich habe eine Frage zur regelmäßigen Aufnahme von Nahrung vor allem von Kohlenhydraten. Da ich das Thema in dieser Form nicht gefunden habe, eröffne ich mal ein neues Thema dazu.

    Bei mir führt das Auslassen von Nahrung wie bei vielen Migränikern zu heftiger Migräne. Ich war auch schon in Kiel und habe meine Ernährung umgestellt. Ich esse häufig Vollkornprodukte und Gemüse. Vorm Schlafen gehen gibt es auch immer ein Müsli:-)
    Leider hat sich der Zeitraum zwischen den Mahlzeiten immer weiter verkürzt. Die Migräne durch fehlenden Kohlenhydrate fühlt sich auch anders an, als zum Beispiel durch Stress. Sie ist innerhalb von 10 min voll da, mit Schwindel, Schmerzen und Sehstörungem (keine Aura). Vor allem, wenn ich mich bewege kommt die Migräne ohne Vorwahrnung.
    Das hat dazu geführt, dass ich die Abstände der Nahrungsaufnahme immer weiter reduziert habe auf 2 bis 4 Stunden ( je nach Menge). Daraus hat sich eine Störung entwickelt. Ich muss immer was zu Essen dabei haben. Sobald ich Hunger bekomme, wird mir sofort schwindelig und der Hunger wird extrem fies. Wenn ich dann was esse, geht es irgendwann wieder, aber der Heißhunger bleibt für den Tag. Die Migräne kann ich dann meistens damit verhindern. Ich weiß auch gar nicht, ob die Migräne dann wirklich sofort käme oder vll erst eine Stunde später. Mein Gehirn verbindet irgendwie Hunger mit Migräne und sofort beginnt diese Stressreaktion im Körper unabhängig davon, ob es schon eine Migräne ist.
    Ich hoffe ihr versteht, was ich meine 🙂
    Gibt es hier jemanden, der ähnliche Probleme hat?
    Ich hasse es langsam immer essen zu müssen.

    Ich bin gespannt auf eure Antworten:-) Da ich am Wochenende unterwegs bin, kann ich erst Montag wieder antworten.

    Viele Grüße
    Sebastian

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27907

    Hallo Sebastian,

    nicht selten stellen sich auch Erwartungshaltungen oder Ängste vor einem Ereignis ein, was dann wiederum zu einem Problem werden kann. Regelmäßige Kohlenhydrataufnahme ca. alle vier Stunden ist in aller Regel geeignet, den Blutzuckerspiegel relativ konstant zu halten. Wichtig wären halt Kohlenhydrate, die sich nur langsam wieder abbauen. Also nicht nur Süßigkeiten usw. essen, welche den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen lassen mit ebenso schnellem Abfall, sondern Vollkornprodukte, Kartoffel Reis usw. bevorzugen.

    Sicherheitshalber lass aber mal Deinen Blutzucker kontrollieren. Wenn da alles ok ist, versuchen, aus dieser Abhängigkeit wieder rauszukommen. Ziehe die Abstände der Nahrungsaufnahme wieder auf gut vier Stunden hinaus und habe keine Angst vor einer Attacke. Habe vor Augen, dass Du mit den Triptanen ja eine wirksame „Waffe“ hast. ? Das sollte Dir doch die Angst wieder nehmen, bevor sie Dich zu sehr steuert.

    Hier habe ich grad mal einen Artikel der Apotheken Umschau an der Hand, in welchem sich Prof. Göbel zu Nahrungsmittel, Kohlenhydraten usw. äußert. https://www.apotheken-umschau.de/Migraene/Welche-Rolle-die-Ernaehrung-bei-Migraene-spielt-543821.html

    Liebe Grüße
    Bettina

    Fine
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 19

    Hallo Sebastian,
    danke für deinen interessanten Beitrag! Mir geht’s leider ähnlich. Dass ich von Hunger relativ schnell Migräne bekomme und deswegen halt ständig esse. Oft esse ich schon was vor, wenn ich mit anderen erst etwas später in ein Restaurant gehe. Oder ich stopfe mir noch schnell was in den Mund, bevor ich das Haus verlasse. Wie eine Fressmaschine.. :/ Da ich auch gut alle zwei Stunden was esse, aber ich habe auch das Gefühl, mein Körper verbrennt das alles auch sehr schnell – obwohl ich auf Vollkorn etc. achte! Tja.
    Wahrscheinlich muss man hier wirklich einen guten Mittelweg gehen. Erwartungsangst ist auch nicht gut!
    LG, Fine

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5624

    Bei dem Thema Erwartungshaltung muss ich gerade an einen Versuch denken, den Prof. Göbel mal vor längerer Zeit in der Schmerzklinik durchgeführt hatte:
    Es wurde Schokolade in eine andere Form verpackt, speziell gekennzeichnet und den Anwesenden erzählt, dass diese „spezielle“ Schokolade gegen Migräne helfen würde. Wiederum bei einer anderen Gruppe wurde erzählt, dass diese Schokolade Migräne auslösen würde. Es war jedes Mal nur ganz normale Schokolade. Doch es war erstaunlich, wie viele sich gefunden hatten, bei denen die Migräne besser wurde bzw. ausgelöst wurde. Unterschätzen wir niemals den Placebo- und Nocebo-Effekt!

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5624

    Ein großes Problem bei uns schwer geplagten Migränepatienten ist die Begrenzung der Schmerzmitteleinnahmetage pro Monat. Logischerweise möchten wir so wenig Migräne wie möglich haben, damit wir an den Schmerztagen auch gut behandeln können und nicht Schmerzen aushalten müssen.

    Wir suchen oft nach Triggern, um diese vermeiden zu können, um unser Schmerzgeschehen positiv beeinflussen zu können.

    Doch die Gefahr besteht durchaus, dass man sein Leben dabei stärker einschränkt als nötig. Und unsere persönliche Wahrnehmung macht uns manchmal zusätzlich schwer. Kennt ihr das, dass man im Supermarkt „immer“ an der falschen Kasse ansteht, an den anderen geht es „immer“ viel zügiger? Nein, nicht „immer“, nur fällt es uns besonders auf, wenn wir länger anstehen – und es vielleicht auch eilig haben.
    Hilfreich kann da eine konsequente schriftliche Dokumentation über einige Wochen hinweg sein. Wie verhält sich meine Migräne, wenn ich „dauernd“ esse? Wie, wenn ich meine Essenspausen mindestens 3 Stunden aushalte? Ist die Migräne wirklich so viel häufiger, wenn ich die Pausen länger halte oder kommt sie nicht so oder so?

    Nicht jeder reagiert natürlich gleich. Ich selber kann z.B. dauernd essen oder nur 3x am Tag, gesund oder ungesund, viel oder wenig, meine hoch frequente Migräne interessiert das kein bisschen. Das ist nun gleichermaßen positiv wie negativ… ?

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 5 Monate von  heika.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 5 Monate von  heika.
    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7456

    Das Problem der ständigen Angst vor Migräneattacken durch „Hunger“ bekommt man wohl nur in den Griff, indem man sich mal intensiv mit dem Glucosestoffwechsel und seinem eigenen Verhalten auseinandersetzt.

    Ich habe das Spiel über viele Jahre ganz extrem am Leben gehalten, weil mir nicht klar war, dass die Mengen an Traubenzucker in jeder Hosentasche der Grund für mein Hungergefühl waren. Beruflich extrem eingespannt, ohne Möglichkeiten zu vernünftigen Essenspausen, habe ich meinen Insulinspiegel immer „schön gleichmäßig hoch gehalten“. Je höher die, auch geistige, Beanspruchung war, desto höher wurde auch mein Zuckerkonsum.
    Das ging schon morgens mit einem leckeren und sehr süßen Frühstück los und setzte sich über den ganzen Tag so fort.
    Erst nach einer radikalen Umstellung auf ein vollwertiges, eher Fett und Eiweiß betonendes Frühstück lies das Verlangen nach ständiger Nahrungsaufnahme und die Angst vor Kopfschmerzen immer mehr nach.
    Auch heute bekomm ich durch Zuckerabfall und Durst noch schnell eine Migräne und hab dafür auch immer Vollkornkekse und Wasser für den „Notfall“ dabei. Aber auch diese Kekse enthalten noch mehr als genug kurzkettige Zucker für „sofort“, so dass ein oder zwei Stück dann oft ausreichen. Natürlich kann man nicht jeden beginnenden Anfall stoppen, einen Versuch ist es aber wert.

    Wenn einem die Umstellung alleine schwerfällt, wäre eine Ernährungsberatung, die sogar von den Kassen oft übernommen wird, sicher sehr sinnvoll. Das Mittelmaß zu halten ist nicht immer einfach, für unsere Migräneköpfe aber extrem wichtig.

    Eventuell, hab jetzt nicht die Zeit zum Suchen, hat unsere Gudrun, die Fachfrau für solche Fragen, in der Gruppe Ernährung schon was dazu geschrieben.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 5 Monate von  Julia.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 5 Monate von  Julia.
    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7456

    Liebe Heika,

    der Schokoladentest wurde damals in der Sendung Quarks und Co gebracht. Man findet den Film dazu auf der Klinikseite unter Aktuelles auf Seite 13 ganz unten. Immer wieder schön anzusehen.
    Leider kann ich am Tablet nicht verlinken, Ihr müsst also selber suchen 😉

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7456

    Der Test ist auf You Tube ganz leicht zu finden: Quarks und Co Kopfschmerzen durch Schokolade: Der Nocebo-Test

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7456

    Die ganze Sendung ist sehr aufschlussreich. Wer es aber eilig hat: vorspulen auf Minute 44 !

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27907

    Hier noch mal der Link, den ich weiter oben schon eingestellt hatte. Danke liebe Heika für die Erinnerung daran. 🙂 Hier gehts um sinnvolle Ernährung bei Migräne und was die Erwartungshaltung mit uns machen kann.

    https://www.apotheken-umschau.de/Migraene/Welche-Rolle-die-Ernaehrung-bei-Migraene-spielt-543821.html

    Liebe Grüße
    Bettina

    Sebastian
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 21

    Hallo Zusammen,

    vielen Dank für eure ausführlichen Antworten 🙂
    Da sind wirklich viele interessante Hinweise dabei.
    Wie Fine es beschreibt, habe ich auch angefangen vor dem Essen gehen etwas zu essen,
    damit ich nicht schon während des Wartens wieder Hunger bekomme. Für den Notfall
    habe ich auch immer Bonbons dabei.
    Ich glaube, dass ihr recht habt. Da habe ich mir sicherlich über die Zeit ein Verhalten
    antrainiert, was nicht unbedingt hilfreich ist und auch noch zu Gewichtszunahme führt.
    Der beschriebene Versuch ist sehr interessant. Man kennt es ja auch von der Medikamenteneinnahme.
    Meistens geht es einem schon besser, obwohl die Wirkung des Medikaments noch gar nicht vorhanden ist, weil
    der Stoff erst noch resorbiert werden muss.
    In stressigen Sitaution „schreit“ mein Körper auch regelrecht nach Zucker.
    Aber ich denke, dass das jeder von euch kennt.

    @julia: Wie sieht denn dein „vollwertiges, eher Fett und Eiweiß betonendes Frühstück“ aus?
    Dadurch, dass man als Migräniker auf Kohlenhydrate achten soll, nehme ich wahrscheinlich generell zu
    viele Kohlenhydrate zu mir und von Fetten wahrscheinlich zu wenig. Ich habe dann immer die Sorge, dass ich
    Migräne bekomme, falls meine Mahlzeit zu wenig Kohlenhydrate enthält.

    Gibt es eigentlich für unterwegs nicht irgendein Vollkorn-Produkt, was nicht so viel Zucker enthält (außer Reiswaffeln 🙂 )Ich habe schon immer Brote dabei, aber manchmal hätte ich gerne auch mal eine einfache und schnelle Alternative, wie z.B. einen Müsliriegel, aber dann nicht mit so viel Zucker.

    Viele Grüße
    Sebastian

    lili
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 229

    Hallo Sebastion und alle!

    Bei mir ist es so, dass die Migräne kommen kann, wenn ich wirklich Hunger habe. Zum Beispiel nüchtern zum Arzt müssen ist eine ziemliche Migränegarantie. Wenn ich aber regelmäßig esse ist es relativ egal was ich esse. Ich habe eine Zeit lang auf getreidearme und eher fettreichere Ernährung umgestellt. Kohlenhydrate waren durch Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse natürlich trotzdem noch dabei, aber deutlich weniger. Bei mir hat das keinerlei Einfluss auf die Migräne gehabt. Frühstück ist dann zum Beispiel Joghurt/Quark (nicht fettarm!) mit Obst, Nussmuss, Kokosmilch o.ä. oder etwas mit Eiern, Käse etc. Ich habe das hier nicht so groß erzählt, weil die Studienlage ja sagt, dass komplexe Kohlenhydrate und Vollkornprodukte wichtig sind, aber bei mir hatte das keinen Einfluss auf die Migräne. Inzwischen esse ich wieder etwas mehr Kohlenhydrate, aber eher aus praktischen Gründen, weil Brot manchmal so schön einfach ist …

    Viele Grüße
    lili

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7456

    Hallo Sebastian,

    zum Frühstück esse ich, wie im Prinzip immer, genau das, was mir schmeckt. Alles andere macht unzufrieden.
    Aber während ich früher ein Weizenbrötchen mit Schmand (hat weniger Fett als Butter) und viel Marmelade gegessen habe, weil ich den süßen Geschmack wollte, sind es heute 2 Scheiben Vollkorntoast mit Butter, 1 Ei und nur ein bisschen Marmelade für die Seele 😉 .
    Durch den jetzt eher geringen Zuckeranteil steigt mein Blutzucker nicht so schnell an und es wird auch weniger Insulin ausgeschüttet, was dann, zusammen mit dem durch das Fett zusätzlich noch langsameren Abbau der langkettigen Kohlenhydrate im Vollkornbrot, zu einem gleichmäßigeren Glucosgehalt im Blut führt. Dadurch verringert sich auch der enorme Heißhunger auf Süßes.
    Jeder Körper, und besonders der mit Migräne, braucht Glucose, es kommt nur darauf an, wie wir es ihm zur Verfügung stellen. Viel kurzkettige Zucker, wie Dextrose oder Glucose bedeutet schnelle und starke Insulinfreisetzung aber auch schnell wieder neuen Bedarf.

    Hat man das einmal verinnerlicht, kann man im Prinzip, das heißt aber auch dem tatsächlichen Bedarf an Kalorien angepasst, alles essen, was einem schmeckt.
    Die Ausgewogenheit mit ein wenig Aufmerksamkeit auf die jeweilige Verfügbarkeit ist ganz sicher die beste Ernährung. Einfach auch mal auf die Signale des Körpers achten. Aber mit Wissen um den Stoffwechselprozeß, ist gar nicht so schwer!
    Und, Sebastian, langsam umstellen, sonst ist der süßes fordernde Schweinehund zu mächtig 😉 .

    Und noch was: Butter und Fett allgemein hat die doppelte Menge an Kalorien als Kohlenhydrate, das gleicht sich aber durch den geringeren Verbrauch an Süßem wieder aus. Muss einem nur bewusst sein. Wichtig ist einfach nur die ausreichende Menge an Kohlenhydraten für unsere Köpfe.

    Liebe Grüße und viel Erfolg beim Ausprobieren,
    Julia

    Sebastian
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 21

    Hallo Zusammen,

    vielen Dank für eure Antworten 🙂
    Wieder einmal sehr viele hilfreiche Tipps für mich.

    Ich werde langsam versuchen mich ausgewogener zu ernähren und vor allem den Einfachzucker zu reduzieren. Gudrun hatte in Kiel gesagt, dass nicht mehr als 50 g pro Tag empfohlen werden, wenn ich mich richtig erinnere.
    Die Marmelade werde ich als erstes mal weglassen und vll eher Käse verwenden. Joghurt esse ich schon länger ohne.

    Das mit der Blutentnahme kenne ich auch. Aufgrund der Antidepressiva mache ich jedes Quartel ein Blutbild. Das ist bei mir auch eine gute Migränegarantie 😉

    Ich werde es langsam mit der Reduzierung des Zuckers versuchen 🙂
    Viele Grüße
    Sebastian

    Sebastian
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 21

    Hallo liebe Forumsgemeinde :-),
    ich möchte ein wenig erzählen, wie es mir in der Zwischenzeit bzgl. der Ernährung ergangen ist. Eure wertvollen Ratschläge habe ich versucht umzusetzen und es hat ziemlich gut funktioniert:-)
    Meinen Haushalts-Zuckerkonsum habe ich drastisch reduziert. Ich esse keinerlei Süßigkeiten, Eis, Desserts etc. mehr. Bei den vollwertigen Kohlenhydraten bin ich natürlich geblieben. Morgens esse ich in der Regel ca. 60 g Vollkorn-Basis-Müsli mit Nüssen und Quark (40% Fett). Das hält locker 4 bis 5 Stunden satt. Mittags gibt es entweder Vollkornbrote und ich koche was. Zucker füge ich nie hinzu. Hier versuche ich, dass es ausgewogen ist. Vorher hatte ich immer versucht, Fett zu reduzieren, damit ich nicht noch mehr zunehme. Aber das mache ich jetzt nicht mehr, sondern so, wie es im Rezept angegeben ist, nur ohne zusätzlichen Zucker. Zwischendurch esse ich häufig Möhren, Paprika oder ein paar Mandeln.
    Die Umstellung war am Anfang ziemlich schwierig. Ich hatte normal zu Mittag gegessen und nach 3 Stunden setzte standardmäßig der Hunger ein. Ich habe mir gedacht…ok, du bekommst bei Hunger Migräne. Das ist Fakt. Aber es kann nicht sein, dass nach 3 Stunden keine Energie mehr zur Verfügung steht. Das Gefühl habe ich dann ausgehalten. Mir wurde richtig schwindelig und ich dachte, dass ich umkippe. Ich war mir sicher, dass die Migräne jetzt kommt. 4 Stunden nach dem Mittagessen habe ich dann wieder was gegessen. Ich war fix und fertig, mir war schwindelig, aber eine Migräne hatte ich nicht. So habe ich dann immer weiter gemacht. Immer das Gefühl des Hungers ein wenig ausgehalten, aber natürlich trotzdem regelmäßig gegessen. Einmal hatte ich dann doch zu lange gewartet und Migräne bekommen. Mein Leben hat sich seitdem deutlich verbessert. Nicht bzgl. der Migräne. Die ist immer noch da. Aber ich fühle mich nicht mehr so abhängig vom Essen und habe gemerkt, dass Hunger nicht sofort Migräne bedeutet. Ich esse nicht mehr so viel vor und meine Zwischenmahlzeiten sind kleiner geworden. In der Zwischenzeit habe ich 8 kg abgenommen. Ich war vorher der Meinung, dass ich mit Migräne niemals mehr annehmen werden.

    Das ist alles nur aus euren Ratschlägen entstanden. Keinen der Ärzte hat meine Problematik mit dem Essen interessiert. Vielen Dank für eure Tipps. Vielleicht kann ich ja mit meinem Beitrag anderen helfen, die ein ähnliches Problem haben. Ich hatte mich mit der Hunger-Migräne-verbindung ziemlich gut konditioniert. Natürlich würde ich jetzt auch noch Migräne bekommen, wenn ich eine Mahlzeit auslasse, aber ich muss nicht mehr alle 2 bis 3 Stunden was essen und mich mit Bonbons über Wasser halten 🙂

    Anna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 479

    Hallo Sebastian,

    das ist doch ein schöner Erfolg und freut mich für dich.

    Ich habe leider, seit ich wieder abends angefangen habe etwas zu essen noch kein so richtiges Konzept für mich gefunden, wie ich die dadurch zugenommenen Pfunde wieder loswerde.
    Eigentlich habe ich abends vor dem ins Bett gehen meistens gar keinen Hunger mehr, aber wenn icb nichts mehr esse, reicht die Energie nicht für die Nacht.

    LG Anna

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7456

    Hallo Sebastian,

    eine tolle Rückmeldung. Ich freu mich so für dich, dass du es geschafft hast.

    Ich mag auch gar nicht mehr an die Zeiten meiner Migränetriggereien durch Zuckerdosen und Traubenzuckerpäckchen in jeder Tasche denken. ? Es war eine Spirale ohne Ende.

    Anna, was du abends noch an Kalorien zusätzlich isst, solltest du natürlich im Laufe des Tages einsparen ?.
    Hatte mich eben vertippt und dieses wunderbare Teil kam dabei raus: ?, also das bitte dann doch wohl eher mal weglassen, leider.

    Euch beiden eine gute Nacht, ich ess jetzt auch noch eine Kleinigkeit, sonst bin ich um 3 Uhr dran,
    Julia

    Anna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 479

    Hallo Julia,

    das ist mir natürlich klar, aber es hapert noch an der Umsetzung.
    Es fehlt mir einfach noch das richtige Konzept. Ich hoffe, ich finde es noch.

    LG Anna

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7456

    Tja,liebe Anna, das ist wohl unser Dauerproblem: die Kalorien sind ja oft so klein und süß, die mag man doch nicht immer wegschicken…..
    ??? die sinds bei mir gerade.
    Bleib dran!
    Süße Grüße,
    Julia

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5624

    Hallo Sebastian,

    das ist einfach klasse, wie du dieses Thema angegangen bist! Super, dass du dich da selber aus gewissen Zwängen wieder herausbewegt hast. Und 8 kg Gewichtsabnahme sind gewaltig, herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg!

    Wir sind durch unsere Schmerzerkrankung immer gewissen Einschränkungen unterworfen. So sollten wir besonders darauf achten, uns das Leben nicht noch zusätzlich unnötig schwer zu machen.

    Wie gut, dass du beim Fett nicht mehr sparsam bist. Es gibt ja gute und empfehlenswerte Fette, und da Fette Geschmacksträger sind, tragen sie viel zum Genuss und Wohlbehagen beim Essen bei. Und dies sollten wir haben, sonst hält man eine Ernährungsveränderung meist eh nicht lange durch.

    Bei mir selber merke ich, dass ich dringend zwischen Appetit und Hunger unterscheiden muss. Und manchmal reichen auch zwei große Glas Wasser, um dieses Gefühl, jetzt gerne etwas essen zu wollen, auszutricksen. Haben wir wirklich Hunger, sollten wir auch essen. Doch was ich mir komplett abgewöhnt habe, ist dieses ständige Naschen zwischendurch. Da kommen echte Hungergefühle gar nicht mehr richtig auf, was sich auch auf meine Essensauswahl auswirkt. Je besser ich nach dem ursprünglichen Hunger- und Sättigungsgefühl esse, desto gesünder ernähre ich mich auch, weil mein Körper dann richtig Appetit auf diese gesunden Nahrungsmittel hat.

    Lieber Gruß
    Heika

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5624

    Liebe Anna und alle,

    ich beschäftige mich schon sehr lange mit Ernährungsthemen und habe festgestellt, dass ein Konzept sehr gut zu einem selber passen muss, um erfolgreich zu sein und auch dauerhaft durchgeführt werden zu können. Und es soll ja auf keinen Fall in zusätzlichen Stress ausarten.

    Mir selber hat gut geholfen, mich mal intensiv mit meinen Essensbedürfnissen auseinanderzusetzen: Was für ein Ess-Typ bin ich? Was esse ich aus welchen Gründen gerne und was mag ich warum gar nicht? Es spielen so viele und interessante Faktoren in unser Essverhalten mit rein, unsere Erziehung (z.B. Teller muss leer gegessen werden), positive und negative Prägungen aus der Kindheit in Bezug auf Essen (z.B. Grießbrei gab´s als Verwöhnprogramm bei Krankheit, verbindet man auch später mit Umsorgtwerden), Essen als Trost, zum Frustabbau, aus Langeweile, als gesellschaftliches Programm bei Einladungen (man isst, weil alle essen), usw.

    Optimal ist, wenn man Kalorien sparen kann, ohne dass Verlust-, bzw. Verzichtgefühle aufkommen. Essen ist immer mehr als nur reine Nahrungsaufnahme, auch die seelischen Bedürfnisse spielen mit rein. Und da tickt jeder von uns sehr speziell. Ich wünsche dir, Anna, dass du da einen guten Weg für dich findest.

    Bei mir selber ist z.B. ein wichtiges Element beim Essen, dass ich ausreichend große Portionen habe, mein Magen möchte gefüllt werden, nicht zur leicht gereizt ? . Und genaues Abwiegen oder Kalorienzählen geht schon gar nicht, da weiß ich mit meiner Zeit wirklich Besseres anzufangen. ?

    Liebe Grüße
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 11 Monate, 2 Wochen von  heika.
    Anna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 479

    Hallo Heika,

    eigentlich ein spannendes und für uns so wichtiges Thema.

    Essen und Gewicht war für mich eigentlich nie ein großes Thema.
    Ich war eigentlich immer gut eingestellt und kam gut zurecht.

    Da ich Lehrerin bin hieß das für mich in der Vergangenheit:
    Morgens Frühstück, dann meistens so zwischen 13:00 und 13:30 Uhr Mittagessen und dann am frühen Abend Abendessen und dann Schluss.
    Das hieß aber auch nach 18:00 Uhr nichts mehr.

    Seit meine Migräneattacken aber so massiv zugenommen haben, habe ich aber (auch dank dieses Forums) festgestellt, dass die Pausen am morgen und in der Nacht zu groß sind.
    Wie oft bin ich am frühen Morgen bereits mit extremster Übelkeit aufgewacht bzw. kam die Migräne im Laufe des Vormittags.

    Also habe ich angefangen, am Vormittag noch etwas zu essen und am Abend vor dem ins Bett gehen auch.

    Migränetechnisch hat mir das sehr geholfen, aber meiner Waage hat das gar nicht gefallen und meinem Kleiderschrank auch nicht. Innerhalb eines Jahres brauche ich locker zwei Kleidergrößen größer.

    Selbstverständlich ist mir klar, dass die Summe der Kalorien gleich bleiben sollte, aber, Heika hat es so schön geschrieben, man braucht ein Konzept, das zu einem passt.
    Das jetzige Konzept passt zu meiner Migräne aber nicht zu mir.
    Besonders am Abend esse ich, weil mein Kopf das braucht. Mein Körper braucht es nicht.
    Hunger habe ich da keinen mehr.
    Übrigens bin ich auf eine kleine Banane am Abend umgestiegen, weil ich das noch am besten vertrage und ich ja wegen des Kaliums sowieso Banane essen soll.
    Bei allem anderen lag ich dann im Bett und musste pausenlos aufstoßen.

    Jetzt müsste ich ja vor allem erst mal weniger Kalorien zu mir nehmen, damit ich wieder was abnehme.

    Sorry ist lang geworden.

    LG Anna

    • Diese Antwort wurde geändert vor 11 Monate, 2 Wochen von  Anna.
    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3975

    Liebe Heika,
    liebe alle,

    Heika, deine Ausführungen sind sehr interessant und so goldrichtig.
    So schön und treffend zusammengefasst habe ich das noch nie gesehen.
    Naja, die meisten Texte zu Ernährungsfragen sind ja auch reine Agitation und wenig sachlich.

    Ergänzen möchte ich noch meine Erfahrungen:
    Für mich ist es wichtig, beim Essen auch ganz bei der Sache zu sein.
    Beim Essen lesen oder fernsehen oder auch intensive Gespräche führen dazu, dass man nicht gewahr wird, was man ist und wie man isst. Das ist dann mehr ein automatisiertes Herunterschlingen. (Geschäftsessen finde ich eine gruselige Einrichtung). (Und bei den mit interessanten Gesprächen gefüllten Forentreffen wurde es immer sehr ruhig, wenn das Essen serviert war, nicht?)

    Und es ist wichtig, langsam zu essen. Wir haben gelernt, wie oft man jeden Bissen kauen sollte (32 mal?), die Hälfte davon finde ich schon ungewöhnlich. Ich stelle mir vor, wie breiig das dann alles schmecken würde, aber es ist nicht so, dass das Essen davon fad wird. Im Gegenteil.
    Aber bei diesem langsamen Essen stellt sich das Sättigungsgefühl eher ein und man isst nicht unbemerkt mehr, als der Körper braucht.
    Diese Hype mit den Smoothies finde ich so betrachtet auch nicht wirklich gesund. Die Inhaltsstoffe mögen gesund wirken, aber das Schlucken ohne Kauen ist auf Dauer und in Mengen nicht gesund.

    Ich wünsche allen guten Appetit ! !
    alchemilla

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27907

    Hallo Sebastian,

    das ist so klasse, Du hast Deine Angst überwunden, die sich inzwischen bei Dir schon verselbstständigt hatte. Du kannst wirklich sehr stolz auf Dich sein. Aber verbanne den Zucker nicht komplett aus Deinem Leben, er ist nicht schädlich. 😉 Nur in Massen halt.

    Aber ich fühle mich nicht mehr so abhängig vom Essen und habe gemerkt, dass Hunger nicht sofort Migräne bedeutet.

    Genau das ist der Schlüssel, Du hast Dich aus Angst und Abhängigkeit befreit.

    Weiter alles Gute!

    Liebe Heika, auch ich finde Deinen Beitrag einfach nur klasse und super gut erklärt. Danke! 🙂

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2055

    Lieber Sebastian,

    ich finde es super, was du alles geschafft hast! Hut ab vor dieser Leistung. Und es freut mich sehr, dass du damit auch deine Angst vor der Migräne so gut in den Griff bekommen hast! 🙂

    Ich möchte immer noch gerne längere Pausen nach dem Essen schaffen, aber irgendwie hängt es immer noch, gerade zwischen 10 und 11 und abends nach dem Essen – ich habe es nur geschafft, die Schokolade am Vormittag durch Gurke zu ersetzen 😉 Liebe Heika, deine Anmerkungen finde ich dafür sehr gut und hilfreich, ich werde auch nochmals genauer aufpassen…

    Liebe Alchemilla, bei deiner Erwähnung der Smoothies musste ich gerade dran denken, dass ich in wenigen Tagen eine große Flasche Mango-Smoothie geleert habe 😉 1:1 mit Buttermilch gemischt und einer Prise Salz war das in den letzten Tagen mein Getränk, um in kurzer Zeit die Defizite von einer Stunde Training in der Hitze auszugleichen 🙂 Als kurzfristige Energiequelle finde ich Smoothies wirklich super, aber ich gebe dir absolut Recht – Bestandteil einer gesunden Ernährung ist es nicht. Ich bin nur gespannt, weil ich es so wunderbar lecker finde, ob ich es schaffe, nach der Hitzewelle dies wieder sein zu lassen…

    Lebe Grüße, Tanni

    Sebastian
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 21

    Hallo Zusammen,

    vielen Dank für eure wertvollen Beiträge 🙂

    Ich bin gespannt, wie es bei euch bzgl. des Essens weitergeht.
    Schreibt einfach, wenn ihr selbst eine wertvolle Erfahrung gemacht habt.
    Vielleicht hilft diese Erfahrung auch anderen hier.

    Liebe Grüße
    Sebastian

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