Body Mass Index, Übergewicht und Lebenserwartung

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  • Hanna
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    Beitragsanzahl: 94

    Liebe Bettina,
    ich hatte eine Magenschlauch-OP, was bedeutet, dass mehr als 80% des Magens entfernt wurden.
    Und doch, ich bin zufrieden mit der OP. Ich hatte ja sehr lange Zeit, mich darauf vorzubereiten und den Entschluss zu überdenken.
    Wenn ich schreibe, ich werde diesen Eingriff niemandem empfehlen, hat das verschiedene Gründe. Vor allem möchte ich nicht, dass der Eindruck entsteht: hinlegen, operieren und alles ist gut.
    Diese OP ist eine ultima Ratio -Entscheidung! Die ständige Gewichtszunahme, ausgelöst durch Antidepressiva, über Jahre hochdosiertem Kortison und der einen oder anderen Migräneprophylaxe, zusätzlich ein Rheumamedikament, das als häufigste Nebenwirkung erhöhte Blutfettwerte verursacht (mein LDL-Wert lag bei über 400), beatmungspflichtige Schlafapnoe und dabei erblich bedingte Herzinfarkthochrisikogruppe haben für mich diesen Schritt unabdingbar gemacht. Dazu kommt Arthrose in Knien und Knöcheln als Folge der rheumatoiden Arthritis und mittlerweile 7 Bandscheibenvorfälle.
    Ich erhoffe mir durch diese OP weniger Schmerzen, eine reduzierte Medikamenteneinnahme und wieder etwas Lebensqualität. Als chronische Migränikerin sind gute Tage sowieso eher selten, mit den anderen Beschwerden zusätzlich gehen diese fast auf null.
    Dass dabei zusätzlich die Kleidergrösse kleiner wird, freut mich, war für mich aber nie der Anlass für die OP.

    Normalerweise gehe ich mit diesem Thema sehr vorsichtig um. Ausser meiner engsten Familie weiß niemand aus meinem Umfeld von dem Eingriff.
    Dass ich hier im Forum so offen darüber schreibe, liegt daran, dass ich weiß, es hier mit intelligenten Menschen zu tun zu haben, die keine vorschnellen Schlüsse ziehen.

    LG
    Hanna

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27906

    Liebe Hanna,

    ich kann mir vorstellen, dass so eine OP wohl überlegt werden muss. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass sich nun damit einige Deiner Probleme lösen lassen.

    Wenn Du magst, halte uns gerne auf dem Laufenden. Ich finde das alles sehr spannend und Dich enorm mutig und bewundernswert! 🙂

    Alles Liebe,
    Bettina

    sternthaler
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 412

    Liebe Grudrun,

    ja dieser Satz war wirklich ganz wichtig, ich habe bei vielen richtig gemerkt, wie das gewirkt hat. Endlich mal bestätigt zu bekommen, das es nicht daran liegt zu schwach für eine Gewichtsabnahme zu sein. Wenn man weiss was im Gehirn bei den Prophylaxemitteln abläuft, versteht man wie alles zusammenhängt. Ich war ja schon ein ,,alter Hase“ und kannte vieles aus den Vorträgen und doch ist es so, dass man immer wieder etwas mitnimmt.

    Liebe Grüße Pamela

    Ulrike
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3392

    Liebe Hanna,

    ich kann mich Bettina’s Worten ganz und gar anschließen!

    Vielen Dank für deine offenen Worten, die uns einen Einblick geben in deinen Alltag mit verschiedenen belastenden Krankheiten und solch einen Eingriff, wie du ihn vorgenommen hast, nur allzu gut nachvollziehen lassen.

    Ich wünsche dir sehr, daß du jetzt im Lauf der Zeit an mancher Stelle Verbesserungen verzeichnen kannst und die Lebensqualität wieder steigt!

    Liebe Grüße
    Ulrike

    Gudrun
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 194

    Liebe Pamela,

    genau so ist es.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende!!

    LG
    Gudrun

    Gudrun
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 194

    Liebe Hanna,

    wenn ich Deinen Bericht lese und Deine gesundheitlichen Einschränkungen bedenke, ist die Magen-OP eine eindeutige Chance auf eine Verbesserung Deiner Lebensumstände. Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass Du Dein Gewicht hier nicht im Vordergrund siehst, es aber als positive Begleiterscheinung gerne in Kauf nimmst.
    Magst Du mir vielleicht aus erster Hand berichten, wie sich die OP auf Deine Nahrungsaufnahme ausgewirkt hat?
    Folgendes würde mich nicht nur persönlich sondern auch aus fachlicher Sicht interessieren.
    Kannst Du alle Nahrungsmittel vertragen? Hat sich Dein Hunger- bzw. Sättigungsgefühl verändert?
    Wie verteilen sich Deine Mahlzeiten über den Tag etc.?
    Ich würde mich sehr freuen, wenn Du mir darüber berichten würdest.
    Du kannst mir auch gerne eine PN mit diesen Informationen schicken, wenn Dir das lieber ist.

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende mit möglichst wenig Schmerzen und Einschränkungen.

    Liebe Grüße und danke für Deine Offenheit.

    Gudrun

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27906

    Also mich würde das auch sehr interessieren. Ich hatte gelesen, dass nur noch Minimengen möglich sind, man sehr schnell satt ist und auch nicht mehr alles so gut verträgt.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Hanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 94

    Liebe Gudrun, liebe Bettina,
    entschuldigt bitte, dass meine Antwort so lange auf sich warten ließ. Ich hatte vor zwei Wochen heftige Darmprobleme durch Bakterien, die bei der OP wohl in den Dünndarm verschleppt wurden. Nach einigen Infusionen und einer weiteren Antibiotikatherapie geht’s mir jetzt recht gut. Leider wurde dadurch aus unserem Urlaub an der Ostsee nichts – die Zeit hat dafür nicht mehr gereicht. So wurden es nur noch ein paar Tage Südtirol. Auch schön!
    Mein Ernährungsverhalten hat sich durch die OP drastisch verändert. Wie sehr, kann ich erst jetzt, 5 Wochen nach der OP, so richtig einschätzen. In den ersten Wochen ist ja nur Suppe und breiig-flüssiges erlaubt.
    Jetzt bin ich zur Normalkost zurückgekehrt. Da die Portionen, die ich bei den 4 erlaubten Mahlzeiten zu mir nehmen kann, sehr klein sind (max. 150 g bzw. 150 ml),
    spielt dabei die Lebensmittelauswahl eine große Rolle.
    Die Ernährungspyramide hat sich dahingehend geändert, dass die Basis nun das Eiweiß bildet.
    Bei den Miniportionen müssen 2/3 der Portion aus einer Eiweißkomponente bestehen, um den tgl. Eiweißbedarf zu decken. Das restliche Drittel setzt sich aus Obst, Gemüse und Kohlenhydraten zusammen, was relativ wenig ist. Bei mir sind das etwa 30 g Brot oder 2 Minikartoffeln und ein Löffel Gemüse. Nudeln und Reis vertrage ich nicht. Da verursacht bereits der erste Bissen heftige Magenschmerzen. Auch bei den übrigen Nahrungsmitteln muss man ausprobieren. Nicht jeder verträgt das Gleiche. Ich habe z. B. mit einer warmen Mahlzeit mehr Probleme wie mit einer kalten.
    Grundsätzlich gilt: kein langfasriges Fleisch, also am besten Pute oder Hühnchen, keine Salatgurken, Zwiebeln, Sauerkraut, Radieschen, Paprika….
    Ansonsten ist kalorienreduzierte Mischkost angesagt.
    Was das Hungergefühl anbelangt: bei der OP wird ja der Großteil des Magens entfernt, unter anderem der Fundus, in dem vor allem das Ghrelin, das „Hunger“-Hormon gebildet wird. Somit hält sich anschließend das Hungergefühl in Grenzen. Etwas anders verhält es sich mit dem Appetit.
    Anfangs ist es gar nicht so leicht, nach drei oder vier Bissen mit dem Essen aufzuhören, weil der Magen stop sagt, der Appetit aber noch da ist. Ein Verstoß wird aber mit sofortigem heftigen Erbrechen bestraft!
    Alles in allem eine sehr große Lebensumstellung, die wohl überlegt sein sollte. Aber obwohl bei mir nicht alles soo glatt lief und ich kurzzeitig leichte Zweifel an meiner Entscheidung hatte, beweist mir der schon jetzt eingetretene Erfolg, dass es der richtige Weg war und ist: die Blutdruckmedikamente konnte ich schon halbieren und die Statine ganz weglassen!

    Liebe Grüsse
    Hanna

    PS: Bei allen, die dieses Thema nicht interessiert, möchte ich mich für die Länge des Beitrages entschuldigen!

    Ulrike
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3392

    Liebe Hanna,

    wen das Thema nicht interessiert, muß ja nicht zu Ende lesen. 😉

    Ich finde es sehr interessant. Einen Bericht aus erster Hand zu dem Thema!

    Das ist allerdings eine sehr drastische Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und ich bewundere deinen Mut, dieses OP durchführen zu lassen.

    Umso mehr freut es mich, daß du schon nach so kurzer Zeit Erfolge verbuchen kannst.

    Alles Gute weiter bei der Ein- und Umstellung auf die neue Ernährung!

    Liebe Grüße
    Ulrike

    Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2850

    Liebe Hanna,

    ich wollte dir nur sagen, dass mich das Thema gerade sehr interessiert, da eine Freundin von mir zur Zeit dabei ist eine OP bei der Krankenkasse zu beantragen.

    Ich finde, du klingst sehr reflektiert und ich finde auch, dass jeder die Entscheidung für sich treffen muss. Es ist gut, dass es diese Möglichkeit als letzte Möglichkeit gibt!

    Bei meiner Freundin ist es nach meiner Auffassung grenzwertig, ihr BMI ist über 40, aber sie hat bisher nur einen ernsthaften Abnehmversuch gestartet. Bei der Beantragung fallen solche Sätze der behandelnden Ärzte, wie: schicken Sie mal ein Bild von sich mit dem Fahrrad, damit wir der Kasse schreiben können, dass Sie Sport machen…. Ich weiß echt nicht, ob da nicht andere (finanzielle) Aspekte auch eine Rolle spielen?

    Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Glück und Erfolg und dass du die Entscheidung nie bereuen musst. Ich wäre auch gern 30 kg leichter, aber der Preis ist mir (noch?) zu hoch.

    Wie kommst du mit den wenigen KH und dem Kopf klar?

    Liebe Grüße
    Johanna

    Hanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 94

    Liebe Ulrike,
    danke für Dein Interesse!

    Liebe Johanna,
    Wie schon am Anfang geschrieben, ist diese OP – auch oder vor allem in den Augen der Krankenkassen und des MDK – eine Ultima Ratio Entscheidung, das heißt, die letzte Möglichkeit. Bei nur einem Abnehmversuch und nur durch ein Foto dokumentierte sportliche Aktivitäten dürfte die Chance Deiner Freundin auf Genehmigung der OP eher gering sein.
    Bedingung ist eigentlich neben einem BMI von >40 oder >35 plus erhebliche Begleiterkrankungen das multimediale Konzept = Verhaltenstherapie (plus positives psychologisches Gutachten)Ernährungsberatung über mind. 6 Monate (mit Gutachten) und belegte Bewegungstherapie über einen längeren Zeitraum. Ausserdem Abnehmversuche (alle mit Datumsangabe und Abnahme) in Eigenregie, in der Gruppe und unter ärztlicher Aufsicht. Dazu ein ausführlicher Lebenslauf mit nachvollziehbarer Begründung – nur der Wunsch nach Gewichtsabnahme und dadurch mehr Lebensqualität ist nicht ausreichend. Und ärztl. Atteste verschiedenster Fachrichtungen plus. eines positiven Gutachtens des Chirurgen. Zusätzlich die belegte Teilnahme an einer SHG und Ernährungsprotokoll über mind. 2x 3 Wochen.
    Ich habe für die Vorbereitungen ein Jahr gebraucht – der Antrag bei der Krankenkasse umfasste mehr als 60 Seiten.
    Da die OP nicht mehr umkehrbar ist, machen diese langen Vorbereitungen absolut Sinn, auch im eigenen Interesse.
    Auch die Betreuung in einem anerkannten Adipositaszentrum, bei dem auch die postoperative Betreuung gesichert ist, ist enorm wichtig. Und, und und….
    Wie Du siehst, ein sehr umfangreiches Thema, wobei noch lange nicht alles gesagt ist.
    Ich hoffe, Dir etwas Einblick verschafft zu haben.

    GLG
    hanna

    Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2850

    Liebe Hanna,

    Nein, so einfach macht sich das die Praxis natürlich nicht, da steht dann schon, fährt täglich Rad…. Es ist eine erfahrene Praxis bei der Beantragung, ich glaube die gehen dort nicht so verantwortungsbewusst mit den Patienten um, wie du das erlebst.

    Die Psychologin meiner Freundin befürwortet die OP nicht – macht aber nix, die Praxis hat einen Psychologen an der Hand…etc.

    Aber ich wollte das hier auch nicht unbedingt diskutieren, eigentlich wollte ich dir nur signalisieren dass mich das Thema mit seinen Facetten interessiert und warum.

    Liebe Grüße
    Johanna

    Ulrike
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3392

    Was für ein Aufwand! Ist ja Wahnsinn! Aber wie du schon schreibst, absolut sinnvoll, da die OP nicht umkehrbar ist!

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27906

    Liebe Hanna,

    ich denke, Deine Berichte interessieren viele Leute. Wens nicht interessiert, der braucht es ja nicht zu lesen, wie Ulrike schon schrieb. 😉

    Der Aufwand ist ja immens, das ahnt man gar nicht. Wobei es auch richtig ist, denn der Patient muss einfach zu 100 % geeignet sein. Gerade auch die psychische Komponente ist sehr wichtig.

    Du bist wirklich mutig und packst das alles auch psychisch gut. Ich wünsche Dir so sehr, dass sich alles so entwickelt, wie Du Dir das erhofft hattest.

    Alles Gute und liebe Grüße
    Bettina

    Gudrun
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 194

    Liebe Hanna,

    danke für Deinen ausführlichen Bericht.
    Die Umstellung ist wirklich enorm und die verzehrten Mengen winzig.
    Wie reagiert Dein Kopf generell auf diese Minimengen?
    Das Du kalte Mahlzeiten besser verträgst als warme höre ich in diesem Zusammenhang das erste Mal. Interessant!
    Kannst Du Vollkorngetreide vertragen?

    Du musst das Essen ja wieder richtig neu lernen. Das sollte sich jeder gut überlegen und das hast Du ja getan.

    LG Gudrun

    Hanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 94

    Liebe Gudrun,
    entschuldige bitte, dass meine Antworten immer etwas auf sich warten lassen….
    Tja, der Kopf spielt da eine eigene Rolle – zumindest bei mir. Es frustriert schon mal, nichts mehr essen zu können, weil der Magen voll ist, der Kopf aber immer noch Appetit und weitere Lust am Essen signalisiert. Zum Glück legt sich das jetzt immer mehr.
    Ich merke aber, welch einen Genuss ein schönes Essen dargestellt hat, auch oder vor allem in geselliger Runde. Das fehlt mir schon etwas.
    Was mir auch leichte Probleme bereitet, ist, dass Essen und Trinken zusammen nicht mehr geht. Trinkpausen von 30 Min. vor und 30 Min. nach der Mahlzeit müssen sein.

    Egal, es war und ist meine Entscheidung.

    Vollkornprodukte kann ich essen, allerdings nur, wenn das Getreide fein gemahlen ist.

    So wie alle, die diese OP hinter sich haben, muss ich halt ständig ausprobieren, was geht.
    Ich glaube aber fest daran, dass das Ergebnis den Aufwand wert ist. Erste Erfolge haben sich ja schon eingestellt. Und das bezieht sich nicht nur auf die Abnahme.

    LG Hanna

    Gudrun
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 194

    Liebe Hanna,

    wir haben hier im Headbook keinen Termindruck, deshalb ist es vollkommen ok, wenn Du nicht umgehend antwortest, Entschuldigungen sind also nicht nötig. 😉

    Wie gut, dass Du Ballaststoffe verträgst, somit bekommt Dein Dickdarm bzw. die Darmflora zumindest eine kleine Menge Nahrung.
    Wie verhält sich Dein Kopfschmerz seit der Umstellung? Hast Du mehr oder weniger Schmerzen oder ist alles so geblieben?

    Das Du trotz der Verringerung des Ghrelins Appetit hast, finde ich nicht so überraschend, denn häufig spielt das Belohnungssystem auch eine Rolle bei der Nahrungsaufnahme und dort hat es keine Veränderungen gegeben. Hier liegt sicher noch ein Stück Weg vor Dir, bis sich alles eingespielt hat.

    Ich finde, Du machst das unglaublich gut und Du vermittelst mir den Eindruck, dass Du diese Chance auf ein „neues Leben“ unbedingt wahrnehmen willst.
    Das erfordert sicher noch viel Kraft und die wünsche ich Dir.

    LG
    Gudrun

    Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2850

    Liebe Hanna,

    ich musste seit vergangener Woche öfter an dich denken, wie es dir wohl so geht. Vielleicht liest du ja noch mit.

    Es gab noch einen weiteren Grund, warum ich an diesen Austausch hier gedacht habe. Meine Freundin ( jetzt wohl ehemalige, sie hat sich seit Januar nicht bei mir gemeldet, sicher war ich zu ehrlich) hat im November vergangenen Jahres einen Magenbypass machen lassen (wir hatten damals darüber geschrieben).

    Im August war der erste Termin in der Praxis und im November hatte sie den OP Termin. BMI 42 ohne vorherigen ernsthaften Abnahmeversuch, Sportprogramm oder gar psychologische Vorbereitung.

    Vor einigen Tagen gab es eine Meldung bei uns, dass die Polizei und Staatsanwaltschaft mit 60 Beamten ein Krankenhaus und zwei Praxen durchsucht hat und Unterlagen beschlagnahmt wurden, weil Adipositasmediziner die Krankenkassen betrogen haben bei der Beantragung der Kostenübernahme. Es wurden Programme angegeben, die von den Patienten niemals absolviert worden. Der Schaden bewege sich im siebenstelligen Bereich.

    Der Operateur im durchsuchten KH ist der Ehemann der Ärztin welche die Praxis führt in der meine ehemalige Freundin behandelt wurde. Ihrer Persönlichkeit kam es entgegen, dass einfach geschnippelt wurde. Sie dachte sicher, dass damit das Problem gelöst ist.

    Ich bin gespannt, wie das weitergeht und was die Ermittlungen ergeben, finde aber dass solchem unverantwortlichen Handeln ein Riegel vorgeschoben werden muss. Es geht um Menschen und nicht einfach irgendwie um „dicke Bäuche“ die weg müssen.

    Im Übrigen bin ich selbst übergewichtig und nicht nur ein bisschen. Manchmal fände ich den Gedanken auch sehr verlockend das Problem auf die vermeintlich einfache Art zu lösen.

    Aber es ist eben nicht einfach und man benötigt viel Kraft um nach einer OP
    ein „neues Leben“ mit diesem „Krückstock“ zu beginnen. Das finde ich muss Patienten richtig klar gemacht werden.

    Seinerzeit wusste ich bei Gesprächen mit meiner damals noch Freundin mehr über die OP als sie, sie wollte da erst mal durch und sich dann damit beschäftigen….

    LG Johanna

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2055

    Liebe Johanna,

    deinen Bericht finde ich echt hammerhart. Unglaublich, dass es Menschen gibt, die so etwas anbieten und dazu auch noch Menschen, die das mit sich machen lassen…

    Ist denen eigentlich in den Sinn gekommen, dass es einen Grund haben könnte, WARUM die Krankenkassen bestimmte Voraussetzungen festlegen?

    Und letzten Endes schaden sie denen, für die ein solcher Eingriff wirklich die letzte Möglichkeit ist.

    Mit dem Messer zur Traumfigur. Was muss noch passieren, dass in den Köpfen unserer Gesellschaft ein Umdenken stattfindet?
    Über diese Menschen und auch deine Freundin kann ich jetzt gerade nur den Kopf schütteln…

    Liebe Grüße, Tanni

    Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2850

    es sind Ärzte, die so etwas anbieten….

    Ich hatte die ganze Zeit so ein blödes Gefühl dabei, zumal ich kurz vorher damals einen Bericht gesehen habe, der mich fassungslos gemacht hat…. Niedergelassene Ärzte bekamen Prämien von Krankenhäusern, wenn sie Patienten zur Kniegelenk- OP (Prothese) mit der entsprechenden (auch „angepassten“) Diagnose in ein bestimmtes KH geschickt haben. Damals habe ich beschlossen, mir immer eine Zweitmeinung einzuholen!

    So verliert man das Vertrauen, ist schon traurig, aber naja, den gesunden Menschenverstand sollte man halt wirklich nicht ausschalten. Ich hoffe nur, wenn ich mal tuddelig werde, dass ich in gute Hände gerate…

    LG Johanna

    Dusty
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1021

    Das ist einfach unglaublich, dass es so etwas gibt.

    Erinnert mich an die Methoden der Organtransplantation vor einiger Zeit.

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27906

    Liebe Johanna,

    das ist wirklich sehr schlimm. 🙁 Von den Ärzten, aber auch von Deiner Ex-Freundin. Auch Ärzte sind Menschen und man darf und sollte niemandem auf der Welt blind vertrauen. Das eigene Hirn sollte man nie ausschalten und wenn es um meine eigene Erkrankung geht, hole ich persönlich mir immer eine Zweitmeinung. Außer, ich bin schon über lange Zeit bestens betreut. Aber wenn es um eine OP geht, dann auf jeden Fall.

    Wäre schön, wenn Hanna sich dazu melden würde. Ich bin auf Facebook mit ihr befreundet, werde ihr mal einen netten Wink geben. 😉 Für Deine Freundin hoffe ich sehr, dass sie jetzt auf einem besseren Weg ist. Trotz der doch leider unvernünftig gestarteten Vorgehensweise.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Hanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 94

    Meine Lieben,
    nachdem mich Bettina schon vor Monaten gebeten hatte, zu diesem Thema zu posten, versuche ich es heute noch- oder wieder ein Mal. Da ich nur mit dem iPad schreibe und ein Abspeichern hier nicht möglich ist, sind bereits zwei doch etwas längere Beiträge von mir beim Abschicken im www verschollen.

    Liebe Johanna, ich hatte ja schon meine Zweifel an dem Konzept Deiner Freundin bzw. der betreuenden Praxis angesprochen. Allerdings dachte ich, die Krankenkassse würde unter diesen Bedingungen die Kostenübernahme verweigern. Dass von Seiten der Praxis so betrogen wurde, hätte ich nie gedacht….
    Ich hoffe nur, Deine (gewesene) Freundin kommt jetzt mit ihrer Situation klar. Ein seriöses Adipositaszentrum gewährt den Operierten nämlich lebenslange Nachsorge! Und diese ist trotz der langen Vorbereitung nötig!
    Denn die Magenverkleinerung bzw. ein Bypass sind kein Garant für dauerhafte Gewichtsabnahme. „Therapieversager“ gibt es auch in seriösen Gruppen immer wieder. Solche, die Nutella in der Mikrowelle schmelzen, um viel genug davon essen zu können, Daueresser (das geht nämlich) oder diejenigen, die hochkalorische Getränke in großen Mengen zu sich nehmen.

    Meine OP ist jetzt beinahe 14 Monate her, bis Ende April hatte ich knapp 50 Kilo abgenommen und mein Normalgewicht erreicht, das ich auch bis jetzt locker halten kann.
    Die Auswirkungen sind weitreichend: meine Schlafapnoe gehört der Vergangenehit an, Blutdruck und Cholesterinwerte sind im grünen Bereich. Das Rheumamedikament, welches ich alle vier Wochen als Infusion bekomme, konnte von 800 mg auf 400 mg reduziert werden. Dadurch sind nicht nur die Nebennwirkungen weniger – die Krankkenkasse spart jetzt pro Jahr! gut 16.000,00 Euro, da RoActemra enorm teuer ist.
    Sogar meine Migräne hat sich etwas gebessert und ich komme meistens mit 10 Triptanen im Monat aus (manchmal aber auch nicht 🙁 ).
    Und trotzdem nehme ich an Verhaltenstherapiekursen und Ernährungskursen für Operierte teil (die ich übrigens aus eigener Tasche zahle!) um nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Regelmäßige Kontrolltermine bei dem Chhirurgen, der operiert hat, sind obligatorisch…

    Bariatrische Operationen stellen für viele Menschen die letzte Möglichkeit dar, dauerhaft Gewicht zu verlieren. Ich finde es verbrecherisch, was diese Praxis und vielleicht auch noch andere machen!
    Denn trotz bester Vorbereitung und Erfüllung aller relevanten Kriterien der Patienten tendieren noch viele Krankenkassen dazu, die Kostenübernahme für diese OPs erst mal abzulehnen. Dass Machenschaften wie die dieser Praxis die Genehmigungen durch die Kassen noch schwieriger werden lassen, ist vorprogrammiert…

    Viele liebe Grüße
    Hanna

    ivitho
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 97

    Hallo ihr Lieben,

    das Thema scheint wirklich sehr zu bewegen wie ich lesen kann.

    Habe auch von diversen Prophylaxen immer wieder Gewicht zugelegt in der Vergangenheit. Und auch wenn mir das immer wieder gesagt wurde und ich weiss, dass man es so sehen / akzeptieren sollte, wenn die Therapie funktioniert, hat mich das psychisch immer wieder extrem belastet, dass diese Prophylaxe mussten wieder abgesetzt werden.

    Eine Gynäkologin sagte mal zu mir, selbst wenn ich 10 Kilo zunehme, wäre das doch nicht schlimm ? Solle mich nicht so anstellen.

    Aber wie Bettina erwähnte zu Anfang, es bringt nichts, wenn andere auf einen einreden oder dich so akzeptieren, wenn man selbst nicht damit klar kommt.

    Leider schaffe ich das bis heute nicht, das Thema entspannt anzugehen. Ein Tag ohne Sport ist manchmal ein echter Kampf für mich, selbst wenn ich weiss, dass ich eine Pause brauche. Das ist bestimmt nicht die ideale Denkweise, aber mein Gewicht und meinen Körper zu kontrollieren gibt mir eine gewisse Sicherheit zurück, die ich bei meinen chronischen Schmerzerkrankungen so oft verloren habe. Deshalb ist so unglaublich wichtig für mich. Manchmal vielleicht zu wichtig!? ?

    ivitho

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Jahre, 10 Monate von  ivitho.
    Ulrike
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3392

    Liebe Hanna,

    ich habe damals die Zeit um deine OP mitverfolgt und finde es jetzt sehr spannend von deinem Erfolg zu lesen. Es freut mich ungemein, daß du sagenhafte 50 kg! abgenommen hast und dein Normalgewicht jetzt halten kannst. 🙂

    Dazu die ganzen gesundheitlichen Verbesserungen. Unglaublich. 🙂

    Du hältst dich natürlich auch an die ganzen Vorgaben und gibst ein super Beispiel dafür, was man mit dieser OP erreichen kann!

    Isst du noch immer diese sehr kleinen Portionen und wie kommst du klar damit?

    Alles Gute für dich weiterhin!

    Liebe Grüße
    Ulrike

    Hanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 94

    Liebe ivitho,
    wie es mir scheint, hast Du Dein Gewicht fest im Griff – bewundernswert!
    Bloß der Preis, den Du dafür zahlst, ist ebenfalls sehr hoch.
    Ich weiß, anders ist es meist nicht zu schaffen. Schließlich hatte ich vor meiner OP schon zahllose Abnehmversuche, teilweise mit erstaunlichen Erfolgen, hinter mir. Da ich aber offenbar nicht die Kraft bzw. das Durchhaltevermögen hatte, meine Ernährungsgewohnheiten auf Dauer zu ändern, wanderte der Zeiger der Waage Dank JoJo-Effekt im Zickzackkurs kontinuierlich nach oben…
    Jetzt lebe ich relativ kontrolliert. Doch wird uns (Operierten) immer wieder in der Verhaltenstherapie und auch in der Ernährungstherapie eingebläut, dass der Genuss im Leben nie zu kurz kommen darf.
    Kontrollfreaks, die täglich auf die Waage steigen müssen, bekommen Aufgaben um davon loszukommen.
    Einige suchen sich statt Essen eine andere Art von Sucht. Dazu gehört leider auch der Sport, wenn er zu intensiv betrieben wird…
    Bitte vergiss nicht, neben den Zwängen, die Du Dir auferlegst und den Schmerzen, die ungefragt kommen oder da sind, Dein Leben auch noch zu genießen!
    Liebe Ulrike,
    danke für Dein Interesse!
    Ich finde es selber erstaunlich, wie sehr sich doch auch die Gesundheit durch die Abnahme verbessert. Wie oft war ich früher beleidigt, wenn mir ein Arzt sagte, meine Beschwerden kämen vom Gewicht. Was natürlich nicht immer stimmt, aber gerne als Begründung angegeben wird.
    Aber wenn ich mich jetzt in meinem Bekanntenkreis aus der SHG umschaue, gibt es fast nur Gewinner (bis auf die bereits erwähnten Ausreißer). Vor allem die Diabetiker Typ II profitieren ohne Ende. Niemand! ist mehr insulinpflichtig! Das Risiko der Folgeerkrankungen geht gegen Null.

    Natürlich kann ich inzwischen wieder größere Portionen essen. Wobei mir der Seniorenteller im Lokal immer noch zu groß ist ;-)…
    Auch vertrage ich mittlerweile fast wieder alles, kann also ein völlig normales Leben führen. Nur mit viel mehr Lebensqualität!
    Alles Liebe
    Hanna

    Ulrike
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3392

    Liebe Hanna,

    mir kommt das fast wie ein kleines Wunder vor, wie du deine Lebensqualität wieder zurückbekommen hast.
    Einfach nur KLASSE! 😀

    Liebe Grüße
    Ulrike

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