Allgemeines zum Forentreffen

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    Beiträge
  • Danny
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 141

    Noch ein kurzer Gedanke zu den Menschen, die Migräne belächeln oder sie als Einbildung bzw. psychisches Problem charakterisieren.
    Ein Problem ist und bleibt halt, dass Migräne oft nicht sichtbar ist. Ein gebrochener Arm o.ä. ist für jeden sichtbar – Migräne eben leider nicht. Da es mir oft gelingt, den Schmerz in den Hintergrund treten zu lassen sieht man mir zumeist nur die sehr starken Anfälle / die Anfälle mit Aura an – und das merken auch nur diejenigen, die mich gut kennen. Nach der Einnahme der Akutmedikation, die zumindest immer eine leichte Linderung mit sich bringt, merkt man mir die Schmerzen nicht mehr an. Vielleicht liegt hier schon so etwas wie eine Gewöhnung daran vor (ich weiß nicht, wie ich es besser charakterisieren soll).
    Was mich oft wütend macht, bzw enttäuscht werden lässt, ist, dass Kopfschmerzen ja nichts sind, was anderen Menschen unbekannt ist, denn jeder kennt Kopfschmerzen und hat sie gelegentlich auch einmal. Da Migräne oft viel schlimmer ist als der normale Kopfschmerz, müsste aus meiner Sicht mehr Verständnis da sein.
    Vielleicht ist aber auch eine Schwierigkeit, dass ich trotz der Schmerzen immer versuche durchzuhalten und trotzdem zu arbeiten – wie viele andere hier im Forum ja auch – wenn ich eure Berichte richtig verstehe. Denn trotz chronischer Migräne habe ich maximal zehn Tage jährlich, an denen ich wirklich bei der Arbeit fehle. Dies mag auf andere Menschen manchmal ein wenig seltsam wirken, aber hier tritt denke ich die oben beschriebene „Gewöhnung“, bzw das „den Schmerz umleiten / in den Hintergrund treten lassen“ in Kraft.
    Ich hoffe, ich konnte es ein wenig genauer erklären – es ist irgendwie gar nicht so einfach. Es geht mir auch nicht um Mitleid, sondern darum, dass andere Verständnis haben, wenn man einmal nicht alles geben kann (den oft beschriebenen Perfektionismus habe ich – zum Glück – auch).
    Liebe Grüße

    Evken
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 484

    Hi Danny ,

    Ich kann deine Worte gut verstehen .

    Weißt du was bei mir geholfen hat?
    Ich habe erstmal gelernt mich und meine Migräne selbst ernst zu nehmen , der Krankheit Platz einzuräumen , mir Gutes zu tun und in Gedanken sehr liebevoll mit mir umzugehen !
    Als ich das geschafft hatte (es ist ein langer Weg der nie endet- oder nie enden darf …) hat mich das ,was andere dachten, nicht mehr so getroffen UND zudem habe ich viel mehr Verständnis von der Außenwelt bekommen ( vielleicht weil ich selbst anders rüber kam ) .

    Was ich damit sagen oder dich fragen will :
    Gehst du selbst achtsam und liebevoll mit dir um ?
    Erkennst du deine Grenzen oder gehst du über sie hinaus ?

    Verlangst du zuviel von dir ?

    Akzeptierst du deine Krankheit ?

    Das „Problem “ im Außen kann man glaube ich nur selbst im Inneren bei sich lösen !

    Im Urlaub sagte mir eine Frau sie hätte ihre Migräne geheilt indem sie ihre Gedanken geändert hat . Früher hätte ich mich tierisch darüber aufgeregt ….jetzt lächel ich nur und sage „schön“ und mich berührt es nicht . Weil ICH meine Migröne selbst ernst nehme!

    Ich hoffe ich konnte dir ein paar Anregungen geben. Seh es bitte nicht als Vorwurf – nur als Hilfe !
    Zwischen den Zeilen lese ich bei dir ,dass du selbst hart mit dir ins Gericht gehst.Stimmt es?

    Liebe wohlgesonnene Grüße
    Eva

    Rosinante
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 361

    Lieber Danny,
    Da hast du völlig recht.
    Verständnis für Migräne bekomme ich von meinen Förderschülern.
    Einige sehen es mir an der Nasenspitze an, wenn es mir nicht gut geht.
    Da ich als Aura starke Sprachstörungen habe, musste ich ihnen erklären,was da mit mir passiert.
    Sie sind dann sehr hilfsbereit,mit Erwachsenen mache ich ähnliche Erfahrungen, besonders die Äußerungen: Ich bin nur in den Ferien krank.

    Da reagiere ich nicht mehr.
    Liebe Grüße
    Rosinante

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Jahre, 2 Monate von  Rosinante.
    Danny
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 141

    Liebe Rosinante,
    das von dir Gesagte kann ich gut nachvollziehen – mir geht es mit meinen Schülerinnen und Schülern ähnlich.

    Liebe Eva,
    während meines Aufenthalts in Kiel habe ich gelernt, die Migräne anzunehmen und angemessen damit umzugehen. So kann ich mittlerweile einfach auch einmal nichts tun und – wenn es nicht mehr geht – eine Tätigkeit unterbrechen. In Kiel habe ich die gleichen Fragen gestellt bekommen, die du gestellt hast, und dadurch habe ich angefangen, über die genannten Themen nachzudenken. Besonders interessant fand ich die 59:1-Regel, die besagt, dass mindestens eine Minute jeder Stunde mir gehören muss – auch während der Arbeit. Diesen Gedanken finde ich spannend und hilfreich.
    Viele Grüße

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2061

    Ich finde es toll, dass die Diskussion hier weitergeht… 😀

    Lieber Danny, es freut mich, dass Kiel dir geholfen hat, angemessener mit der Migräne umzugehen – dies ist ein weiter und langet Weg.
    Ich wünsche dir, dass du es schaffst, mit dir selbst noch ein wenig gelassener zu werden, ein bisschen weniger hart zu dir selbst zu sein 🙂 Auch ein langer Weg, aber es ist möglich.

    Die 59/1-Regel finde ich sehr interessant – da werde ich glaub auch einmal darauf achten, ob ich diese Minute für mich finde.

    Was mir aufgefallen ist, du schreibst: Was mich oft wütend macht, bzw enttäuscht werden lässt, ist, dass Kopfschmerzen ja nichts sind, was anderen Menschen unbekannt ist, denn jeder kennt Kopfschmerzen und hat sie gelegentlich auch einmal. Da Migräne oft viel schlimmer ist als der normale Kopfschmerz, müsste aus meiner Sicht mehr Verständnis da sein.“

    Ich glaube, weil so viele Menschen Kopfschmerzen durchaus kennen, vergleichen sie eine Migräneattacke mit dem, was sie selbst unter Kopfschmerz verstehen. Und wenn sie selbst keine Migräne haben, sehen diese einfach nur als einen etwas stärkeren Kopfschmerz an.
    Ich durfte mir auch schon anhören „Ich habe ja auch ab und an Kopfschmerzen, das ist doch halb so wild, wenn die halt ein bisschen stärker sind“

    Dass eine Migräne aber sehr viel mehr bedeutet – dass jede Bewegung den Schmerz verstärkt, so dass man sich keinen Millimeter mehr bewegen möchte – dass Licht- und Lärmempfindlichkeit dazukommt – dass Übelkeit den Schmerz begleitet – dies können Menschen, die selbst Kopfschmerzen, aber keine Migräne kennen, nicht nachvollziehen.

    Und wenn ich dann noch bedenke, wie facettenreich Kopfschmerz sein kann (ich habe ihn schon in vielen Facetten erlebt), denke ich, dass es kaum möglich ist, sich in den Schmerz eines anderen hineinzuversetzen.

    Deshalb denke ich gerade bei Menschen, die zwar Kopfschmerzen, aber keine Migräne haben, dass es ihnen umso schwerer fällt, sich in einen Migräneschmerz hineinzudenken und gerade in dieser Konstellation unbedacht andere Schmerzen bewerten.

    Ich habe mich einmal mit einem Kollegen unterhalten, der noch nie in seinem Leben Kopfschmerzen hatte – dafür aber chronische Rückenschmerzen – und er meinte nur, er würde niemals mit mir tauschen wollen. Ständig Kopfschmerzen stellt er sich viel zu schlimm vor.

    Vielleicht könntest du deinen Standpunkt irgendwann einmal nochmals überdenken? Schließlich vergeudet an in jeder Minute, in der man sich ärgert, 60 glückliche Sekunden!

    Liebe Eva, für deinen Beitrag möchte ich dir einfach einmal ganz herzlich Danke sagen 😀

    Und jetzt verabschiede ich mich schon wieder, da meckert jemand, dass er müde ist 😉
    Liebe Grüße, Tanni

    Danny
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 141

    Liebe Tanni,
    danke für die ausführliche Rückmeldung.
    Ich glaube, dass ich mich doch etwas ungenau ausgedrückt habe. Ich glaube, dass die meisten Menschen schon wissen, dass Migräne die von dir genannten Begleiterscheinungen hat / haben kann – aber oft in gewissen Situationen unreflektiert ihre Meinung wiedergeben – und dass ist vielleicht auch der Teil, den ich nicht okay finde (so ist es zumindest in den von mir geschilderten Situationen gewesen).
    Die von dir geschilderten unterschiedlichen Ausprägungen der Koofschmerzen / Kopfschmerzarten sind mir auch bekannt.
    Es wäre halt schön, in einer Gesellschaft, in der Inklusion ja eine immer größere Rolle spielt und zum Glück immer wichtiger wird, mehr Verständnis füreinander da wäre.
    Das Unverständnis betrifft ja zum Glück – zumindest in meinem Bekanntenkreis – nur eine verschwindend geringe Anzahl, die meisten meiner Bekannten haben schon ein Verständnis dafür (zumindest nach ausführlichen Erklärungen, was die Migräne beinhaltet, was der Unterschied zwischen mit und ohne Aura ist, und was es bedeutet, dass die Migräne chronisch ist). Wie gesagt: Es geht mir nur um ein Verständnis, nicht um Mitleid o.ä.
    Ich glaube, dass das Thema mich momentan beschäftigt, weil die genannten Äußerungen nach langer Zeit einmal wieder gemacht wurden – aber es ist natürlich besser, drüber zu stehen.
    Viele Grüße und nochmals danke für alle Hilfestellungen und Fragen

    Danny
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 141

    … ich würde mich außerdem freuen, wenn wir in diesem Forum wieder auf den geschilderten Vortrag von Prof. Göbel beim Forentreffen eingehen.
    Ich finde, dass die Möglichkeit, hier einfach eigene Gedanken schildern zu können, schon sehr viel weiter hilft – denn meine Wut/Enttäuschung ist zum Glück immer nur von kurzer Dauer.
    Nochmals Danke für die vielen Hilfen, Tipps und Fragen, die ihr gestellt habt – aber ich würde gern wieder auf das ursprüngliche Thema zurückkommen.
    Liebe Grüße
    Danny

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2061

    Ja, wir können gerne der Diskussion wieder eine andere Richtung geben, wobei die Erwartungen an Personen außerhalb und die eigene Einstellung sehr eng beieinander liegen. 🙂

    Nur noch ein Wort dazu, wenn ich darf. Ich habe gerade ein bisschen das Gefühl, als ob du dich durch meine Worte in einer Position gefühlt hast, in der du dich für deine Sichtweise rechtfertigen musst.
    Falls dem so war: Es war nicht meine Absicht, mit meinen Worten deine eigenen Gedanken zu diesem Thema in irgend einer Form zu kritisieren oder in Frage zu stellen – ich wollte lediglich meine eigenen Erfahrungen, die ich bislang hierzu gemacht habe, darstellen.

    Liebe Grüße, Tanni

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28238

    Lieber Danny,

    kannst Du Deinen Wunsch konkretisieren? Was hindert Dich selbst daran, das Thema erneut aufzugreifen und durch einen eigenen Beitrag die Wende herzustellen? Aber vielleicht verstehe ich jetzt etwas nicht richtig, habe die Beiträge leider aus Zeitnot nur überflogen.

    Wenn weiter diskutiert werden möchte, würde sich auch die Erstellung eines neuen Forums in der Diskussionsgruppe anbieten. Ist kein Muss, nur ein Vorschlag. 😉

    Liebe Tanni, ich glaube nicht, dass Du irgend etwas „falsch“ gemacht hattest, daher warten wir einfach mal auf Danny, damit er erklärt, was er damit meinte. 🙂

    Liebe Grüße
    Bettina

    Danny
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 141

    Hallo Tanni,
    ich habe dich schon so verstanden, wie du es gemeint hast. Das von mir Geschriebene war nicht als Rechtfertigung, sondern nur noch einmal als Erläuterung gedacht.
    Der Zusammenhang zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmu