Gedichte

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  • Bettina Frank – Admin
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    Freudvoll
    Und leidvoll,
    Gedankenvoll sein,
    Hangen
    Und bangen
    In schwebender Pein,
    Himmelhoch jauchzend,
    Zum Tode betrübt –
    Glücklich allein
    Ist die Seele, die liebt.

    J. W. von Goethe

    Bettina Frank – Admin
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    Mondnacht

    Es war, als hätt der Himmel
    Die Erde still geküsst,
    Dass sie im Blütenschimmer
    Von ihm nun träumen müsst.

    Die Luft ging durch die Felder,
    Die Ähren wogten sacht,
    Es rauschten leis die Wälder,
    So sternklar war die Nacht.

    Und meine Seele spannte
    Weit ihre Flügel aus,
    Flog durch die stillen Lande,
    Als flöge sie nach Haus.

    Joseph von Eichendorff

    Bettina Frank – Admin
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    Im Sommer

    In Sommerbäder
    Reist jetzt ein jeder
    Und lebt famos.
    Der arme Dokter,
    Zu Hause hockt er
    Patientenlos.

    Von Winterszenen,
    Von schrecklich schönen,
    Träumt sein Gemüt,
    Wenn, Dank der Götter,
    Bei Hundewetter
    Sein Weizen blüht..

    Wilhelm Busch

    Schön wärs, wenn der Doktor im Sommer auch auf Migränepatienten vergeblich warten müsste… 😉

    heika
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    Bettina, magst du vielleicht noch ein paar allgemeine Infos zum Copyright reinstellen? Ich war mir da nämlich auch immer etwas unsicher, was man nun ins Netz stellen darf und was nicht.
    Wenn ich das noch richtig in Erinnerung habe, darf man von toten Dichtern und Denkern alles zitieren, wenn man den Autor angibt; bei noch lebenden muss man diese persönlich um Erlaubnis fragen; wenn der Autor unklar ist, versucht man es per Internet rauszufinden und falls das nicht klappt, lässt man lieber die Finger davon.
    Darfst mich aber gerne korrigieren…

    Julia
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    Liebe Bettina,
    wie ist es mit deinem Copyright? Darf ich eines von deinen Bildern innerhalb der Gruppe zweckentfremden? Sag jetzt nicht nein 🙂 🙂 🙂 Wehe!!!

    Bettina Frank – Admin
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    @ Heike: So ist es, andere Informationen habe ich auch nicht.

    @ Julia: Klar darfst Du das – außer, Du zeigst mich (schlecht getroffen). 😉

    Fotos, die man hier einstellt, müssen immer selbstgeschossene sein. Auch mit Rezepten muss man extrem aufpassen. Es gibt Firmen, die Rezepte ins Internet stellen und dann per Computer absuchen, wer es zweckentfremdet hat, nur um dann ordentlich abzukassieren.

    Julia
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    Beitragsanzahl: 7429

    Das wäre ja wohl nicht nötig, es gibt auch sehr gut getroffene. Die kann man dann ja nehmen.

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7429

    Dich schlecht getroffen??? Ist nicht dabei. Ich nehme auch ein gut getroffenes, versprech ich dir.

    Julia
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    Also Heika, mach es wie du es sowieso machst, bei geklauten Rezepten einige Eier oder 1/2 Liter Sahne mehr. Nur auch aufschreiben.

    Bettina Frank – Admin
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    Heute hatte ich einen richtigen Faulenzertag in Jogginghose & Co. (mein Kopf wollte das so), dazu passt irgendwie folgendes Gedicht: 😉

    Wer einsam ist, der hat es gut,
    Weil keiner da, der ihm was tut.
    Ihn stört in seinem Lustrevier
    Kein Tier, kein Mensch und kein Klavier,
    Und niemand gibt ihm weise Lehren,
    Die gut gemeint und bös zu hören.
    Der Welt entronnen, geht er still
    In Filzpantoffeln, wann er will.
    Sogar im Schlafrock wandelt er
    Bequem den ganzen Tag umher.
    Er kennt kein weibliches Verbot,
    Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.
    Geschützt vor fremden Späherblicken,
    Kann er sich selbst die Hose flicken.
    Liebt er Musik, so darf er flöten,
    Um angenehm die Zeit zu töten,
    Und laut und kräftig darf er prusten,
    Und ohne Rücksicht darf er husten,
    Und allgemach vergisst man seiner.
    Nur allerhöchstens fragt mal einer:
    Was, lebt er noch? Ei, Schwerenot,
    Ich dachte längst, er wäre tot.
    Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen,
    Lässt sich das Glück nicht schöner malen.
    Worauf denn auch der Satz beruht:
    Wer einsam ist, der hat es gut.

    Wilhelm Busch

    Bettina Frank – Admin
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    Herbsttag

    HERR: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
    Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
    Und auf den Fluren lass die Winde los.

    Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
    Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
    Dränge sie zur Vollendung hin und jage
    Die letzte Süße in den schweren Wein.

    Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
    Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
    Wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
    Und wird in den Alleen hin und her
    Unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

    Rainer Maria Rilke

    Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 27813

    Vivaldi darf natürlich bei dieser Herbststimmung nicht fehlen – mit wunderschönen Bildern untermalt.

    http://www.youtube.com/watch?v=mGqF4ZgjLnc&feature=related

    Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 27813

    Die Blätter fallen …
    Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
    als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
    sie fallen mit verneinender Gebärde.
    Und in den Nächten fällt die schwere Erde
    aus allen Sternen in die Einsamkeit.

    Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
    Und sieh dir andre an: es ist in allen.
    Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
    unendlich sanft in seinen Händen hält.

    (Rainer Maria Rilke)

    Anonym
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    An der Brücke stand
    jüngst ich in brauner Nacht.
    Fernher kam Gesang:
    goldener Tropfen quoll’s
    über die zitternde Fläche weg.
    Gondeln, Lichter, Musik –
    trunken schwamm’s in die Dämmrung hinaus …

    Meine Seele, ein Saitenspiel,
    sang sich, unsichtbar berührt,
    heimlich ein Gondellied dazu,
    zitternd vor bunter Seligkeit.
    – Hörte Jemand ihr zu? …

    (Friedrich Nietzsche)

    Anonym
    Beitragsanzahl: 44

    …übrigens litt Nietzsche seit Kindheit unter schwerer Migräne, letztendlich führte es zur Aufgabe seiner Professur in Basel und einem „unsteten“ Wanderleben, immer auf der Suche nach einem ihm zuträglichen Klima und damit ganz im Sinne seiner „Gedankenwelt“, für die er entsprechende Voraussetzungen schaffen musste. Wer sich interessiert, einfach mal in die Briefe reinschauen, es finden sich zahlreiche Beschreibungen seiner Attacken.

    Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 27813

    Die Briefe kann ich empfehlen! Viele prominente Schriftsteller/Dichter litten unter Migräne: Ovid, Miguel de Cervantes Saavedra, welcher den Don Quijote geschrieben hatte, Virginia Woolf, Lewis Carroll – die Liste lässt sich lange weiterführen.

    Auch Marie Curie litt unter so schwerer Migräne, dass sie ihren Beruf aufgeben wollte.

    Viele „helle“ Köpfe haben/hatten Migräne, wenn uns das vielleicht ein kleiner Trost sein kann. 😉

    Anonym
    Beitragsanzahl: 44

    Stimmt, die Liste der Prominenten ist lang, so auch Wilhelm Busch, Heinrich Heine, Karl Marx, Franz Kafka, Walter Benjamin, Sigmund Freud, Charles Darwin, sogar Elvis Presley. Der “Porsche im Kopf” hat ja auch den Vorteil, daß man sehr viele Möglichkeiten hat, wenn man diese kreativ nutzt, ist das auf jedem Fall positiv, allerdings darf es nicht über das Leid hinwegtäuschen, denn der Preis dafür ist hoch: namentlich die Migräne.

    Knorpel
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 85

    Woher habt Ihr diese Infos, wer alles Migräne hatte? Ich bin ganz überrascht z.B. über Heine, der doch an Syphillis litt.

    Anonym
    Beitragsanzahl: 44

    An Syphillis auch, das schließt sich nicht aus. Heine hatte ja so einen Galgenhumor, wenn er von seiner „Matratzengruft“ sprach, den hat er auch gut gebrauchen können. Die Infos erschließen sich wie von selbst aus der Beschäftigung mit ihnen, kann ich nur empfehlen. Walter Benjamin litt z.B. sehr ausgeprägt an Migräne mit Aura, bei Kafka vermutet man seit neuestem auch Cluster, der Arme war auch extrem lärmempfindlich. Benn war nicht Migräniker aber Melancholiker.

    Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 27813

    Leo Tolstoi war auch betroffen, ebenso wie Immanuel Kant, Napoleon Bonaparte, Madame Pompadour, Hildegard von Bingen, welche ja ganz anschaulich ihre Auren schilderte. Ebenso van Gogh, Claude Monet…

    Fréderic Chopin und Richard Wagner, der im „Siegfried“ Mime sprechen lässt:
    „O weh! Mir schwindelt!
    Was fang’ ich an?
    Was fällt mir ein?
    Verfluchter Stahl, daß ich dich gestohlen!
    Er hat mich vernagelt in Pein und Not!“

    ….Verfluchtes Licht!
    Was flammt dort die Luft?
    Was flackert und lackert,
    was flimmert und schwirrt,
    was schwebt dort und webt
    und wabert umher?
    Da glimmert’s und glitzt’s
    in der Sonne Glut!
    Was säuselt und summt
    und saust nun gar?

    …Aura hatte er wohl auch.

    Anonym
    Beitragsanzahl: 44

    Hildegard von Bingen ist ein interessanter Fall, faszinierend wie sie ihre Krankheit gedeutet und kreativ verarbeitet hat. Gustav Mahler litt auch unter Migräne, inwieweit das die Musik beeinflusst hat, weiß ich nicht, es fällt aber bei den Musikern – Chopin, Wagner, Mahler – ein Hang zur Melancholie auf. Bei Van Gogh spielen wohl auch noch psychiatrische Krankheiten hinein, ja, selbst die Queen hat Migräne und ist darüber bestimmt nicht sehr „amused“.

    Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 27813

    Bei Mahler war es nicht nur Melancholie, er hatte ein Kindheitstrauma erlitten. Der Vater schlug die Mutter so sehr vor seinen Augen, dass sie eine bleibende Gehbehinderung zurück behielt. An seiner Frau Alma hing er auch übermäßig (Mutterkomplex?) und war sogar bei Freud in Behandlung.

    Anonym
    Beitragsanzahl: 44

    Du hast recht, liebe Bettina – Gustav Mahler ist nicht ganz unkompliziert, wie seine Musik – mit „melancholisch“ meinte ich eigentlich nur die „Stimmung“ in der Musik, sicher nicht allein durch die Migräne begründet. Melancholie ist heute aus „psychiaterischer Sicht“ eine schwere Depression, früher, gerade auch bei den Romantikern (und auch noch heute aus kunstgeschichtlicher Sicht) wird das breiter gefasst, geht mehr in Richtung Dysthymie, wenn eine „melancholische Grundhaltung“ vorhanden ist, zumindest eine, die das Leben bewältigen lässt, auch wenn es anstrengt. Die arme Alma hat es nicht leicht gehabt mir ihm, er war auch sehr cholerisch. Kennst Du „Wenn Nietzsche weinte“? – abgesehen vom blöden Titel, ist das Buch sehr amüsant, stammt vom amerikanischen Psychoanalytiker Irvin D. Yalom, der mit einem literarischen „Kunstgriff“ Nietzsche, Freud und Breuer zusammenbringt (was in Wirklichkeit nie vorkam, Nietzsche starb schon 1900). Es gibt auch „wunderbare“ Beschreibungen der Migräneanfälle, die Nietzsche erlitt. Das Buch ist eine gelungende Mischung aus Fiktion und Wirklichkeit, die Zitate sind alle echt – fand’s ganz orginell. Die Verfilmung kann ich eher nicht empfehlen!

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
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    Es treibt der Wind im Winterwalde

    Es treibt der Wind im Winterwalde
    die Flockenherde wie ein Hirt
    und manche Tanne ahnt, wie balde
    sie fromm und lichterheilig wird,
    und lauscht hinaus;
    den weißen Wegen streckt sie die Zweige hin,
    bereit und wehrt dem Wind
    und wächst engegen
    der einen Nacht der Herrlichkeit.

    Rainer Maria Rilke (1875-1926)

    Gonzo16
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    Der Panter

    Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
    so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
    und hinter tausend Stäben keine Welt.

    Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
    der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
    ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
    in der betäubt ein großer Wille steht.

    Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
    sich lautlos auf. Dann geht ein Bild hinein,
    geht durch der Glieder angespannte Stille,
    und hört im Herzen auf zu sein.

    Rainer Maria Rilke

    (mein absolutes Lieblingsgedicht)

    Gonzo16
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    Die Hoffnung

    Stille Stunden gibts, da ranken
    leicht sich um des Lebens Baum
    Wünsche, Hoffnungen, Gedanken,
    Bild um Bild und Traum um Traum.

    Stunden gibts, wo Stürme wüten
    um den Stamm gar wild entfacht,
    dass der Hoffnung junge Blüten
    sterben müssen über Nacht.

    Aber bald, schon morgen ranken
    um den kahlen Lebensbaum
    Wünsche, Hoffnungen, Gedanken,
    Bild um Bild sich, Traum um Traum.

    Rainer Maria Rilke

    Gonzo16
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    Einige Rilke-Gedichte gibt es auch vertont, das sind vier CD’s „Rilke Projekt“.

    http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=s-kiGdGvqBg

    Gonzo16
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    Silence

    There is a silence where hath been no sound,
    There is a silence where no sound may be,
    In the cold grave—under the deep, deep sea,
    Or in wide desert where no life is found,
    Which hath been mute, and still must sleep profound;
    No voice is hush’d—no life treads silently,
    But clouds and cloudy shadows wander free,
    That never spoke, over the idle ground:
    But in green ruins, in the desolate walls
    Of antique palaces, where Man hath been,
    Though the dun fox or wild hyæna calls,
    And owls, that flit continually between,
    Shriek to the echo, and the low winds moan—
    There the true Silence is, self-conscious and alone.

    Thomas Hood 1798–1845

    Bettina Frank – Admin
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    Hoffnung

    Es reden und träumen die Menschen viel
    Von bessern künftigen Tagen,
    Nach einem glücklichen goldenen Ziel
    Sieht man sie rennen und jagen.
    Die Welt wird alt und wird wieder jung,
    Der Mensch hofft immer Verbesserung.

    Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
    Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
    Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
    Sie wird mit dem Greis nicht begraben,
    Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
    Noch am Grabe – pflanzt er die Hoffnung auf.

    Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
    Erzeugt im Gehirne des Toren,
    Im Herzen kündet es laut sich an:
    Zu was Besserm sind wir geboren!
    Und was die innere Stimme spricht,
    Das täuscht die hoffende Seele nicht.

    Friedrich von Schiller (1759-1805)

    Bettina Frank – Admin
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    Heute ist Sommerbeginn, meine Lieben! 😀

    Mittagsstille

    Am Waldsaum lieg ich im Stillen,
    rings tiefe Mittagsruh,
    nur Lerchen hör ich und Grillen
    und summende Käfer dazu.

    Die Falter flattern im Kreise,
    kein Blatt rührt sich am Baum,
    die Gräser beugen sich leise;
    halb wach ich, halb lieg ich im Traum.

    Martin Greif

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