Tiefgründiges

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  • glückdererde
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    Beitragsanzahl: 532

    Liebe Alchemilla,

    Krankheit als Strafe Gottes für Gott nicht wohlgefälliges Leben hat im Abendland/Christentum eine lange Tradition.
    Fröhliche Wiederauferstehung fand dieser Gedanke leider in der psychotherapeutischen Literatur der 70er Jahre und drang unglückseligerweise tief in den alltäglichen Psychosomatik Begriff ein.

    Ich denke auf diesen Hintergrund reagierst Du. Ich glaube aber nicht, dass Murakami aus dieser Tradition heraus schreibt.
    Ich denke, seine Tradition ist eher die, dass das Glück nicht von den äußeren Lebensumständen abhängt sondern von der inneren Einstellung hierzu.

    Ich erinnere mich lebhaft meiner letzten Nierensteinkolik (ich hatte leider schon 20 davon). Auf der Fahrt in die Notaufnahme habe ich wimmernd im Fußraum des Twingo meiner Frau gehockt, einfach weil sich der Schmerz da etwas besser aushalten liess.

    Wäre mir da jemand mit ‚Schmerz ist unausweichlich, aber Leiden nur eine Option‘ gekommen wäre das doch sehr an meiner Lebensrealität in dieser Sekunde vorbei gegangen.

    Ich denke, die Haltung inneres Leiden angesichts von Schmerz reduzieren zu können und wollen ist ein Ziel auf das ich mich zu bewegen kann.
    In der 367ten Inkarnation von jetzt an werde ich ihm hoffentlich näher gekommen sein.

    Ich denke, die dahinter stehende Haltung ist nicht als (abendländisch) moralische Drohung über die Konsequenzen falschen Lebens gemeint sondern formuliert ein grundsätzliches Fernziel das Leiden zu mindern.

    Ich jedenfalls merke, das es mir besser geht, wenn ich ich mit diesen Gedanken beschäftige, als mit dem, wann denn die nächste Schmerzattacke kommt.

    Da Männer den Vorteil haben nur eine Sache auf einmal machen zu können und damit bereits genetischerweise der Achtsamkeit viel näher sind als Frauen ist dann schon gar kein Platz mehr für Sorgen;-)
    Den schafft der Schmerz dann leider schon wieder selber.

    glückdererde

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4000

    Nein, glückdererde, das meine ich gar nicht.
    Ich weiß nicht , wie du darauf kommst.
    Als Strafe Gottes oder als Antwort auf den Lebenswandel, so habe ich noch nie gedacht.
    Ich denke an die Aussagen des Buddhismus, dass man solange leidet, solange man „anhaftet“, dinge begehrt, die nicht das sind und Dinge ablehnt, die man nicht möchte.
    Wenn man die Migräne ablehnt und bekämpft, sei man in diesem Sinne der „Anhaftung“ unterworfen und nicht im Frieden mit SICH und IN sich.
    Von da aus habe ich dann die Überlegungen fortgesponnen.

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4000

    Übrigens: Frauen können auch nicht mehrere Sachen auf einmal. Das ist ein Märchen. Sie behaupten das von sich, aber auch ihr Gehirn kann sich nicht mit zwei Dingen gleichzeitig beschäftigen sondern nur sehr schnell hin und her Switchen.

    Evken
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 484

    Hallo ihr lieben ,

    Ich habe das Bedürfnis euch mal zu schreiben wie die Migräne mich und mein Leben verändert hat !
    Nicht nach dem Motto : was will die Krankheit mir sagen! Die Krankheit Migräne hat erstmal gar keinen Sinn! Sie ist eine schlimme neurologische Krankheit .Punkt!
    Es ist wie es ist !

    Aber ich habe mir angewöhnt die Dinge in meinem Leben aus der Sicht zu betrachten : was konnte ich daraus lernen ? Wie kann ich persönlich daran wachsen ?

    Dazu habe ich mal einen schönen Spruch von Herman Hesse gelesen ,der es sehr schön trifft :
    “ wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben – aber es hat nur ganz genau so viel Sinn ,als wir selber ihm zu geben imstande sind“ .

    Ich würde liebend gerne keine Migräne haben , aber ich hab sie nun mal !
    Und das konnte/ musste/ durfte ich lernen:

    – ich habe gelernt,dass ich nicht alles kontrollieren kann; dass es immer anders kommen kann als geplant ……und das sagt hier jemand der früher total kontrolliert und leicht zwanghaft war. Ich habe für mich eine Freiheit entdeckt,die heißt : das Wenigste im Leben liegt in meiner Hand ! Aber ich kann das Beste daraus machen !

    – ich kämpfe innerlich nicht mehr gegen Dinge,die eh schon da sind! Im letzten Urlaub habe ich eine Magen-Darm Grippe bekommen .Früher hätte ich mich tierisch darüber aufgeregt,dass ich gerade jetzt im Urlaub krank werde. Im letzten Urlaub dachte ich nur :na ja, geht auch vorbei und die restlichen Tage genieße ich dann umso mehr. Ich bin damit innerlich total gelassen umgegangen !

    – ich verspüre an guten schmerzfreien Tagen eine tiefe Dankbarkeit und kann alltägliche Dinge viel mehr bewusst genießen! Und vor Allem : ich denke dabei nicht mehr an morgen !!! Bin ganz im Moment ! Morgen kann schon wieder alles anders sein …..JETZT ist meine Chance die schmerzfreien Stunden zu genießen und aufzusaugen !

    – ich merke, dass trotzdem irgendwie alles läuft und weitergeht ….auch wenn ich ausfalle und flachliege ! Zwar nicht optimal – aber die Welt dreht sich ohne Eva trotzdem weiter 🙂

    – ich bin nicht mehr so perfektionistisch …..kann auch mal etwas liegen lassen und trotzdem entspannt ins Bett gehen

    – ich sorge mehr für mich bzw. es wird mir immer gleichgültiger was andere denken . Ich sage Verabredungen ab wenn es mir zuviel wird ….ich gehe nach Hause wenn ich merke dass ich Ruhe brauche …. Ich lasse das Telefon klingeln wenn ich gerade nicht reden will ….und vieles mehr

    – ich vergleiche mich nicht mehr mit anderen Menschen,die belastbarer sind als ich ( und das sind die Meisten ). Ich finde mich besonders und habe viele Eigenschaften, die andere nicht haben. Ich brauche viel Ruhe und Rückzug….aber deswegen bin ich nicht weniger wert als Menschen,die dauernd funktionieren!

    Vor einiger Zeit habe ich eine Reportage mit Anke Engelke gesehen über das Thema Glück!
    Sie interviewte einen 10 jährigen Jungen mit unheilbarem Krebs und sagte mit Tränen in den Augen,dass sie absolut keinen Sinn darin sieht dass Kinder früh sterben müssen.
    Da sagte der Junge: Na ja, so ist es halt . Die einen sterben früher die anderen später. Aber es sagt nicht drüber aus wie glücklich wir bis dahin waren!
    Puh….dass ging mir bis in Mark!

    Lass uns versuchen aus dieser besch…… Migräne dass Beste zu machen!!
    Wenn wir es schaffen schöne Momente voll aufzusaugen und zu genießen können wir am Ende unseres Lebens vielleicht sogar mehr Glück in uns tragen als gesunde Menschen!

    Ich bin froh euch und dieses tolle Forum zu haben. Ohne euch wäre ich jetzt nicht da wo ich bin.
    …..und wenn mich mal wieder die Verzweiflung packt dann weiß ich dass ich auf eure Hilfe zählen kann! Das gibt Halt!

    Danke,
    Eure Eva

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4000

    ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

    😀 😀 😀

    Danke ♥ ♥ ♥

    Ulrike
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3392

    Ganz, ganz wunderbar dein Beitrag, liebe Eva! Danke! 😀 😀 😀 Habe direkt ein einen kleinen Kloß im Hals! 😉

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7762

    Eva, danke, dass du uns deinen Weg zur Akzeptanz so enorm eindrücklich geschildert hast. Bin grad sehr berührt.

    Du scheinst schon sehr weit auf einem sehr guten Weg zu sein.
    Mach bitte weiter so und schreib auch mal wieder darüber.
    Auch gerne über die Aufs und Abs, denn auch die gehören zu jedem Leben mit Einschränkungen dazu.

    Noch mal danke und genieß dein Leben, so wie es ist!
    Julia

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2061

    Also bei mir geht hier gerade alles einwandfrei… aber um beim Thema zu bleiben, ein Zitat von Mark Twain:

    In meinem Leben habe ich unvorstellbar viele Katastrophen erlitten. Die meisten davon sind nie eingetreten.

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7762

    😀

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28677

    Liebe Eva,

    Dein Bericht hatte mich auch richtig gerührt und sehr gefreut. Danke, dass Du uns an diesen wunderbaren Gedanken teilhaben lässt.

    Es wäre total lieb von Dir, wenn Du diesen positiven Beitrag auch ins Forum „Masterarbeit über Headbook“ kopieren könntest. Hier der Link: https://headbook.me/groups/termine-veroeffentlichungen-berichte/forum/topic/masterarbeit-ueber-headbook/

    Tanni: Absolut richtig, denn die schlimmsten Katastrophen sind meist die erdachten. 😉

    Liebe Grüße
    Bettina