Akutmedikation wirkt nicht mehr – Hilfe!

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  • Heiko
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Hallo liebe Forenmitglieder,

    seit gut 7 Tagen habe ich nahezu dauerhaft Migräne – und bei den letzten Versuchen, ihr Einhalt zu gewähren, versagte meine sonst absolut zuverlässige Medikation (seit 10 Jahren: 50 mg Sumatriptan + in schwereren Fällen 400 bis 600 mg Ibuprofen zur Wirkverstärkung). Es fand nicht etwa eine gedämpfte Wirkung statt, sondern gar keine. Die Rede ist von 5 erfolglosen Einnahmen.

    Nun habe ich viel im Forum gelesen über mögliche Gründe. Es könnte sich um einen Status Migränosus handeln, auf den die sonst wirksamen Medis nicht ansprechen, oder um einen MÜK. Beides ist auch absolut wahrscheinlich, im MÜK bin ich zweifellos (seit 2 Jahren komme ich auf mindestens 15 Schmerzmitteltage im Monat).

    Trotz des hohen Konsums konnte ich mich dennoch stets auf die Wirkung der Mittel verlassen, auch beim Status (den ich schon häufiger hatte, teils bis zu 9 Tage am Stück). Es verunsichert mich extrem, dass das nicht mehr so ist und macht mir große Angst, da der Gedanke, eine Hammermigräne nicht mehr kupieren zu können, mich sehr beunruhigt.

    Dass ich langfristig etwas ändern muss, ist mir absolut bewusst. Um eine Medikamententenpause, idealerweise stationär, führt kein Weg herum. Darüber habe ich bereits mit meiner Schmerztherapeutin geredet.

    Aber was tue ich kurzfristig? Kortison? Schmerzmittelwechsel?

    Ist das Phänomen des plötzlichen Wirkungsverlusts bekannt und hier schon einmal diskutiert worden? Welche Erfahrungen habt ihr?

    Danke!

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4626

    Hallo Heiko,

    es ist schlimm, wenn man in so einer Phase steckt. Ich weiß genau wovon du schreibst.

    Wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist dir schon lange klar, dass die ständige Behandlung mit Medi´s dich früher oder später in den MÜK führt. Du räumst selbst ein, dass ein MÜK sehr wahrscheinlich ist.

    In der Tat, ist es möglich, dass irgendwann einmal nix mehr hilft. Das Nervensystem ist überlastet und reagiert auf die, bis dahin zuverlässigen Medi´s nicht mehr, bzw. nur noch halbwegs.

    Wie du schon richtig vermutest, führt bei vielen Betroffenen die Einnahme von Kortison -Prednisolon 50 bis 100 mg- zu einer Besserung innerhalb einer akzeptablen Zeitspanne.

    Besprich es mit deiner Therapeutin. Sie kann dir das Kortison verschreiben und dich begleiten.

    Ich wünsche dir schnelle Besserung, und hoffe, dass du auch Verhaltenstechnisch etwas verbessern kannst.

    Alles Liebe
    Sternchen

    Heiko
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Liebes Sternchen,

    Danke für Deine nette Antwort! Habe mich sehr gefreut.

    In der Tat, ist es möglich, dass irgendwann einmal nix mehr hilft. Das Nervensystem ist überlastet und reagiert auf die, bis dahin zuverlässigen Medi´s nicht mehr, bzw. nur noch halbwegs.

    Das noch einmal schwarz auf weiß zu lesen, ist schon eine kleine Erleichterung.

    Was denkst Du – Deiner Erfahrung nach – kann ich nach einem gewissen Zeitraum damit rechnen, dass die Medikation wieder (zumindest einigermaßen) hilft? Oder muss ich mich nach anderen Mitteln umsehen oder sogar fürchten, dass nun gar nichts mehr wirken wird?

    Ich klinge jetzt sicher dramatisch. Aber natürlich ist die große Angst, dass ich den Schmerzen unfreiwillig ausgeliefert bin, womöglich über einen langen Zeitraum.

    Insgeheim weiß oder hoffe ich, dass es sich nur um eine Phase handelt, eine schwierige Periode, die auch wieder vorübergeht. Aber na ja, Angst vs. Rationalität…

    Ich kenne die Haltung meiner Schmerztherapeutin zu Kortison noch nicht, aber fragen/bitten werde ich sie, wenn die Schmerzen bzw. Medikationsversuche in den kommenden Tagen nicht besser werden. Seit 3 Tagen nehme ich jetzt erstmal nichts mehr ein, weil es ja nicht viel bringt. Ich helfe mir seither mit Vomex und Schlaf aus.

    Langfristig bin ich mir, wie gesagt, sehr bewusst darüber, dass eine Verhaltensänderung (Medipause und dann ggf. nächster Prophylaxeversuch) unausweichlich ist. Ich verstehe die aktuelle Situation durchaus als Warnzeichen.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 1 Woche von  Heiko.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 1 Woche von  Heiko.
    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5699

    Hallo Heiko,

    durch den dauerhaften Medikamentenübergebrauch ist dein Nervensystem erschöpft, wie Sternchen das ja auch schon treffend geschrieben hat. Je schneller du eine Schmerzmittelpause durchführst, desto besser. Es muss damit sozusagen die Reset-Taste gedrückt werden, alles mal komplett auf Null gestellt werden, damit sich dein Nervensystem gründlich erholen kann.

    In dieser Zeit können Kortison (mit Magenschutz) eingesetzt werden, ebenso Mittel zur Sedierung.

    Sind diese Wochen Schmerzmittelpause überstanden, wird deine bisher zuverlässige Akutmedikation ziemlich sicher wieder umfänglich greifen. Doch eine dauerhafte Verhaltensanpassung ist unausweichlich, um nicht wieder in einen Übergebrauch mit der bekannten Problematik zu rutschen. Prof. Göbel vergleicht das bildlich immer mit einem Brand: Die Triptane sind sozusagen die Feuerwehr, die kommt, wenn es brennt. Doch noch wichtiger ist, das Entstehen eines Brandes möglichst zu verhindern.

    Da dir das alles bereits klar ist, bist du schon einen großen Schritt weiter. Nun muss die Theorie nur noch in die Praxis umgesetzt werden… 😉 Und darin üben wir uns alle mehr oder weniger. 🙂

    Ich möchte dich wirklich beruhigen, was deine aktuellen Sorgen betrifft, du wärst in Zukunft dauerhaft den Schmerzen hilflos ausgeliefert.
    Es ist ganz typisch für einen MÜK, dass sowohl Akut- als auch prophylaktische Medikamente kaum oder gar nicht mehr wirken. Wir schreiben hier immer wieder darüber.

    Lies dich doch einfach noch ein wenig durch dieses Forum, da wirst du viele interessante Infos finden.

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 1 Woche von  heika.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 1 Woche von  heika.
    Heiko
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Vielen Dank Heika!

    Ich werde versuchen, mich nicht verrückt zu machen.

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28225

    Lieber Heiko,

    Du hättest mit dieser Frage auch ruhig in Deinem Schmerzverlauf bleiben können. 🙂

    Wie Sternchen und Heika bereits schreiben, kann eine Medikamentenpause – während dieser Du krankgeschrieben sein und Dich sehr schonen solltest -, den Schmerzkreislauf durchbrechen. Danach wirken Akut- und Prophylaxemittel wieder gut und zuverlässig. Das ist ja auch mit ein Grund, so eine Pause zu machen. Sei daher zuversichtlich, dass es Dir nach der Pause wieder besser gehen wird.

    Langfristig sollte eine Verhaltensanpassung erfolgen, die üblichen Empfehlungen dafür kennst Du sicher bereits. Ist nicht immer leicht, aber manches kann man durchaus auch optimieren im Tagesablauf.

    Alles Gute und liebe Grüße
    Bettina

    Heiko
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Liebe Bettina,

    Du kannst die Threads gern zusammenlegen oder meinen Beitrag verschieben.

    Ich habe mittlerweile an vielen Stellen im Forum gelesen, dass eine plötzliche Unwirksamkeit der Medikamente gar nicht so selten vorkommt. Scheint wohl immer ein Zeichen des überlasteten Schmerzabwehrsystems und der Schmerzempfindlichkeit zu sein.

    Operation Nervenschonung läuft bei mir jetzt 4 Tage. Als Freiberufler brauche ich mich nicht krank melden, das ist schon mal gut. Eine heftige Migräne gestern habe ich mit Reisetabletten, die mich sehr müde machen, überschlafen. Zur Not habe ich noch Amitryptilin da, was mich schon in geringer Dosis komplett wegschießt (der Grund, warum ich die Prophylaxe abgebrochen habe, für die jetzige Situation hingegen gut).

    Mit Kortison habe ich keine gute Erfahrungen gemacht, deshalb bin ich da sehr vorsichtig. Nach einwöchiger Einnahme von Prednisolon landete ich mal im Krankenhaus mit parainfektiösen Kopfschmerzen von unglaublicher Intensität. Mein Immunsystem ist unter Kortison anfällig für jedes kleine Virus.

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28225

    Lieber Heiko,

    ich kann leider Foren nicht zusammenlegen. 😉

    Du ergreifst schon die richtigen Maßnahmen, damit es Dir bald wieder besser geht. Ob diese Problematik damals nicht einfach nur Zufall war? Aber klar, Kortison wirkt sich aufs Immunsystem aus, vor allem bei längerer Einnahme.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Heiko
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Ob diese Problematik damals nicht einfach nur Zufall war?

    Das wäre zu hoffen, denn ich möchte Kortison als Notlösung weiter im Hinterkopf behalten. Was ja auch Sicherheit gibt, wenn man weiß, dass man noch auf anderes ausweichen könnte.

    Ich bekam während der Einnahme an Tag 6 hohes Fieber ohne weitere Erkältungssymptome, was für mich schon sehr untypisch ist (passierte jedenfalls nie zuvor). Im Krankenhaus hieß es, es sei ein Infekt, die Entzündungswerte waren ziemlich hoch. Das Fieber hielt eine ganze Woche an und bereitete mir schlimmes Kopfweh (erhöhte Temperatur ist bei mir ein absoluter Migränetrigger). Sicherlich war das ein Extremfall, der so nicht noch mal passieren muss, aber ich bleibe erstmal auf Distanz.

    Danke noch mal für die Antworten!

    Heiko
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Hallo Headbooker,

    morgen habe ich einen Termin beim Zahnarzt und frage mich, ob die Betäubungsspritze im Widerspruch zur Medipause stehen könnte?

    Ansonsten geht es mir an Tag 11 des „Entzugs“ einigermaßen okay, ich kann selbst nicht glauben, dass ich das einfach so durchziehe, aber es funktioniert. Wirklich schlimm waren bisher nur 3 Tage (an Tag 8/9 kam es besonders dicke), der Rest ist überraschend aushaltbar.

    Ich will den Tag nicht vor dem Abend loben, bin aber sehr zuversichtlich.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Monat, 4 Wochen von  Heiko.
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