Kortison

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  • Hanah
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 84

    Hallo,
    im Forum steht bereits, dass Kortison keine Dauerlösung sein darf wegen erheblicher Langzeitnebenwirkungen und nicht häufiger als einmal im Quartal genommen werden sollte. Um einen sinnvollen Umgang damit pflegen zu können, würde ich gerne wissen, welche Darreichungsform und welche Dosierungsmenge am sinnvollsten ist.

    Beispielsweise hab ich einmal eine Kortison-Infusion erhalten, die zwar half, aber wohl sehr hoch war (1000 mg Methylprednisolon verdünnt in 5 %iger Glukose). Ein anderes Mal bekam ich (von einem anderen Arzt) 7 Tage Prednisolon AL 20 mg Tabletten verschrieben, die nicht soooo toll wirkten (hatte zwar keine Migräne aber ständig einen “dicken Kopf”). An anderer Stelle hörte ich wiederum von “3 Tagen 100 mg Kortison”.

    Was scheint “mengen/nutzen-mäßig” am sinnvollsten, wenn man sich aus einer MÜK befreien will?

    LG
    Hanah

    schwannschezelle
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 15

    Hallo, Hanah !

    Für die Therapie eines „Status mirgränosus“ ist mir die Gabe von Cortison max. 250 mg intravenös oder 60 mg – 100 mg als Tablette für die Dauer von 2 Tagen bekannt.

    Eine Empfehlung für eine Langzeittherapie für die Behandlung einer Migräne gibt es meines Wissens nach aber nicht.
    Hinsichtlich anderer Erkrankungen hat sich eine langfristige Gabe von 5 mg Cortison p.o. aber als ungefährlich erwiesen.

    Mit hat bisher die Einnahme von Triptanen immer ausreichend weitergeholfen – welche Möglichkeiten (neben Cortison) gibt es darüber hinaus, um eine langandauernde Migräen zu durchbrechen ?

    Grüße,
    Michael

    Hartmut Göbel
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 459

    Es gibt keine festen Regeln für die Behandlung der Migräne mit Kortison. Die Dosierungen beruhen auf allgemeinen Erfahrungen und den Grundprinzipien bei der Anwendung von Kortison. Für die Anwendung bei Migräne sind meist nur die jeweiligen eigenen Erfahrungen Grundlage. Allgemein gilt: Kortison ist keine Routinemedikament. Es kann daher auch keine Standards oder allgemeine Leitlinien geben.

    Wir setzten Kortison nur in speziellen Situationen ein, z.B. bei einem Status migraenosus, dann, wenn die Schmerzen über drei Tage hinaus nicht abklingen wollen. Hier kann zur akuten Kupierung Prednisolon eingesetzt werden. Die Dosierungen liegen im Bereich von 100 bis 250 mg, in schweren und komplexen Situationen auch darüber. Die Prednisolon-Behandlung muss meist mit weiteren Maßnahmen verbunden werden, wie Behandlung von Übelkeit, Erbrechen, Elektrolyt- und Wasserverlust, Stabilisierung des Blutzuckerspiegels, Sedierung etc. Es sind also immer Ausnahmesituationen, eine Notbremse, wenn man so will. Diese Behandlung kann keinesfalls nach festen Regeln und Zeitabständen erfolgen, am besten ist, man braucht sie möglichst gar nicht. Wenn aber doch, dann so selten wie möglich, höchstens einmal pro Quartal. Im Vordergrund steht immer die Vorbeugung, damit solche Eskalationen nicht notwendig werden.

    Eine Dossierung über mehrere Tage mit 20 mg ist nach meiner Erfahrung nicht zielführend und wirksam.

    Zur Reduktion der Umstellungskopfschmerzen bei MÜK auf der Basis einer Migräne kann ebenfalls Prednisolon eingesetzt werden. Hier versteht sich von selbst, dass auch dies eine Ausnahmesituation sein soll. Man gibt hier in der Regel 100 mg und dosiert dann über 20 mg Stufen langsam auf 0, ca. über einen Zeitraum von 10 Tagen. Allerdings wird auch hier die Therapie individuell angepasst. Auch diese Behandlung ist keine Regelbehandlung und sollte nicht unspezialisiert und leichtfertig einmal nur so durchgeführt werden. Es kommt gerade auch hier auf die Begleittherapien an, damit ein MÜK nicht gleich wieder entsteht.

    Hanah
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 84

    Danke Herr Prof. Göbel,

    das ist ja alles offenbar nicht so einfach.
    Sie schrieben „Wir setzten Kortison nur in speziellen Situationen ein, z.B. bei einem Status migraenosus, dann, wenn die Schmerzen über drei Tage hinaus nicht abklingen wollen. Hier kann zur akuten Kupierung Prednisolon eingesetzt werden. Die Dosierungen liegen im Bereich von 100 bis 250 mg, in schweren und komplexen Situationen auch darüber“.

    -> Wie viele Tage würden Sie dies dann einsetzen? Ich frag nur, damit ich nicht wieder so was ähnliches erlebe, wie meine wenig zielführende 7-Tage-20mg-Kur.

    Und: Was ist denn ein „Umstellungskopfschmerzen bei MÜK auf der Basis einer Migräne“ ?

    schwannschezelle
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 15

    Hallo,

    mit einem „Umstellungskopfschmerrz bei MÜK“ ist nach meiner Meinung derjenige Kopfschmerz gemeint, der bei der Medikamentenentwöhnung auftritt und (bei einer Basis auf einer Migräne) ganz beträchtlich sein kann.

    Liege ich damit richtig ?

    Hartmut Göbel
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 459

    Beim status migraenosus geht man am Symptom orientiert vor. Ziel ist, dass mit der ersten Anwendung der status unterbrochen wird und nur eine Anwendung nötig ist. Wenn nach zwei bis drei Tagen mit jeweiliger Anwendung immer noch keine Besserung erzielt wird, hat die Weiterführung keinen Sinn. Bei Beachtung eines Gesamtkontextes in der Behandlung kommt das aber so gut wie nie vor.

    Einige Definitionen:

    MÜK: Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz. Er charakterisiert sich durch migräne-ähnliche Merkmale, meist jedoch milderer Ausprägung, jedoch an mehr als 10 Tagen pro Monat. Er wird immer wieder durch hochfrequente Einnahme von Akutmedikamenten erträglich gemacht, verfestigt sich dadurch jedoch und nimmt immer mehr über die Monate oder gar Jahre zu. Parallel dazu erschöpfen sich die Betroffenen, es treten innere Unruhe, Depressionen und Abgeschlagenheit auf.

    Umstellungskopfschmerz: Nach Absetzen der an mehr als an 10 Tagen pro Monat eingesetzten Akutmedikation bei Beginn der Medikamentenpause entsteht ein Umstellungskopfschmerz (synonym: Rebound-Kopfschmerz, weniger treffend: Entzugskopfschmerz). Dieser tritt meist 24-48 Stunden nach dem Absetzen auf und erreicht seinen Gipfel nach ca. 3 Tagen. Er klingt dann meist innerhalb von 10 bis 14 Tagen ab.

    Hanah
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 84

    Merci..

    3 Tage 100 mg Prednisolon max. 4 mal im Jahr -> das ist doch mal eine Info, mit der man arbeiten kann

    LG
    Hanah

    Anne
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 43

    Hallo,
    es ist schon viel wissenswertes zur Kortisongabe geschrieben worden. Ich nehme gerade entsprechen der Empfehlung 100 mg am Morgen. Jedoch kommt die Migräne am Nachmittag zurück. Vielleicht liegt es daran, dass die Migräne nicht vollständigt besiegt wird, da mein Auge immer noch schmerzt. Das kann ich ertragen, aber bis zum Abend sind die Schmerzen dann ganz schön heftig.
    Kann man die Kortisongabe auf zwei Einnahmezeiten vertreilen? Hat jemand da Erfahrungen? Über eine Info wäre ich sehr dankbar, denn diese Therapieform setzt man ja nur ein, wenn es sehr schlecht steht.
    Danke!
    Anne

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7425

    Liebe Anne,

    da ich das gleiche Problem habe, teile ich mir meistens die Kortisonmenge auf. Ich nehme morgens z.B. 80 mg und gegen Abend dann noch mal 20.
    Es geht mir damit deutlich besser als bei einmaliger Einnahme.

    Machst du eine Medikamentenpause oder willst du einen Status migränosus beenden? Nimm bitte auf jeden Fall etwas zum Schlafen und halte tagsüber viel Ruhe ein, damit dein Nervensystem zur Ruhe kommen kann.

    Alles Gute und eine Gute Wirkung,
    Julia

    Anne
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 43

    Liebe Julia,
    vielen Dank für die schnelle Antwort. Heute ist mein erster Tag mit 80 mg. Das Auge schmerzt. Ich kühle die Stirn mit Minzöl. Habe ein bisschen Sorge, dass 20mg nicht ausreichend sind. Werde es auf jeden Fall probieren.
    Gegen die Nebenwirkungen soll Bewegung helfen. Was mich ein bisschen verunsichert. Merke aber, dass es mit mehr Ruhe besser ist.

    Wahrscheinlich mache ich beides. Einen Status durchbrechen und parallel einen beginnenden Medikamentenentzug. Den möchte ich machen, da ich schon eine Weile Petadolex nehme. Wegen ständigen Infektionen, habe ich es erst jetzt gewagt damit zu beginnen. Ich denke nur so kann ich der Prophylaxe eine Chance geben.

    Vielen Dank und liebe Grüße
    Anne

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27786

    Liebe Anne,

    ich habe jetzt nicht herauslesen können, wie viele Tage Du das Kortison schon einnimmst. Kortison ist kein Akutmedikament und wirkt frühestens am nächsten, eher sogar erst am übernächsten Tag. Das musst Du einfach wissen für Deine Beurteilung.

    Ich teile es nie auf, da ich viel von der Stoßtherapie halte, die vorsieht, erstmal mit einer größeren Dosis (am Stück) zu starten. Aber Julia hat mit dem Aufteilen auch gute Erfahrungen gemacht, vielleicht geht es Dir ja auch so. Das muss man vielleicht individuell testen.

    Bewegung ist in aller Regel gut – aber nicht, wenn der Körper unter dem Kortisonstress steht. Da ist nichts besser als Ruhe und Entspannung.

    Alles Gute für die Therapie!

    Liebe Grüße
    Bettina

    Anne
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 43

    Liebe Bettina,

    heute kann ich wohl auf die zweite Dosis verzichten. Der Schmerz ist zwar nicht ganz weg, aber er ist auszuhalten. Es ist der dritte Tag meiner Korisonbehandlung. Das bestätigt Deine Erklärung.
    Sollte ich die Anfangsdosis von 100mg als Stoßtherapie weiter erhöhen, um die ersten zwei Tage besser zu überstehen? Oder vielleicht doch besser wie Julia die Dosis aufteilen? Wahrscheinlich probieren.
    In der Vergangenheit bin ich mit einer niedrigen Dosis gestartet. Meine Ärztin hatte mir 60mg i.V. verabreicht. Verändert sich auch beim Kortison die Wirkung?

    Gibt es Mittel, die man nach der Kortisonbehandlung nehmen kann, um die Entgiftungsphase besser zu überstehen?

    Vielen Dank für Deine Infos und einen schönen entspannten, schmerzfreien Abend!
    Anne

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27786

    Liebe Anne,

    wahrscheinlich muss man es ausprobieren, wobei ich halt wie gesagt immer zu Beginn die volle Drönung brauche und auch will, wenn ich schon Kortison nehmen muss.

    Beim Kortison verändert sich wohl die Wirkung nicht, aber die Aggressivität der Migräne nimmt oft zu. Dann braucht man einfach mehr, um das selbe Ergebnis wie früher zu erreichen.

    Entgiften erledigt Dein Körper täglich für Dich, Du brauchst nichts extra dafür zu nehmen. 🙂

    Alles Gute und liebe Grüße
    Bettina

    karlotta
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Hallo, zum Kortison hätte ich nun auch eine Frage. Ich befand mich in den letzten Wochen im Mük (oder kurz davor) und möchte eine Schmerzmittelpause machen. Im Dezember habe ich ohne Hilfsmittel schon mal 4 Wochen ohne alles geschafft, leider ging es danach recht schnell wieder hoch. Habe mir jetzt Kortisontabletten besorgt. Am ersten Tag bin ich mit 50mg ausgekommen, am zweiten 100 (50 morgens und 50 abends), heute geht es vielleicht ohne. Aber wie geht es jetzt weiter, wenn ich 4 Wochen durchhhalten möchte? Ich leide unter starkem Erbrechen und habe leider 2 Tage links, wenige Stunden Pause und dann nochmal 2 Tage rechts, wieder mit 12 Stunden Erbrechen. Eine Seite schaffe ich durchzuhalten, aber wenn die andere Seite dann auch noch anfängt, sinkt meine Moral in den Keller. Kann ich das Kortison dann nochmal nehmen, um durch die 4 Wochen zu kommen? Als Vorbeugung nehme ich Amytriptilin seit 5 Wochen…..

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27786

    Liebe Karlotta,

    wie wiele Behandlungstage hast Du denn im Monat? Bist Du sicher im MÜK? Manchmal reichen auch weniger Tage der Pause aus, um wieder in einen gesünderen Rhythmus zu kommen.

    Für die Pause ist Amitriptylin sowieso schon mal gut, da es auch sediert und man besser schläft. Zum Start mit Kortison (immer morgens mit Magenschutz nehmen) ist allerdings eine höhere Dosis sinnvoller. Meist startet man mit 100 mg für ein bis drei Tage und dosiert dann entweder komplett ab, oder schleicht in einem absteigenden Schema noch einige Tage aus.

    Antiemetika helfen gegen das Erbrechen, Ondansetron ist sehr stark wirksam. Sonst wären auch noch Vomex möglich und eventuell auch Diazepam. Da Du aber auch Amitriptylin hast, muss das der Arzt extra absegnen.

    Schau auch mal in die Gruppe „Notfallplan“ zur Medikamentenpause und dem Einsatz von Kortison.

    Alles Gute und liebe Grüße
    Bettina

    karlotta
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Guten Morgen, vielen Dank für die Rückmeldung. Nachdem es mir gestern tagsüber besser ging, kam die Migräne über Nacht zurück. Nun habe ich direkt 100 mg Kortison genommen und hoffe so über den Tag zu kommen. Dann werde ich wie empfohlen mit dem Ausschleichen beginnen (mein Hausarzt ist insofern gut, weil er jeden Weg mit mir geht, aber selbst von sich sagt, dass er sich mit Migräne nicht so auskennt.Er informiert sich auch immer auf eurer Website.)). Ich glaube schon, dass ich im Mük bin, da die eigentlich gut wirkenden Triptane (Maxalt, nächstes Mal probiere ich Relpax) weniger gut wirken, oft muss ich nachschießen und oft bleibt ein diffuser Kopfschmerz/mit leichter Migräne. Eine Frage habe ich noch: wenn ich mir eine 4 wöchige Pause nehmen möchte, aber in 6 Tagen oder so wieder eine Migräne aufzieht,muss ich dann dadurch irgendwie? Nochmal Kortison ist ja sicherlich nicht gut…. Und ist das richtig, dass man wieder ein Triptan nehmen kann, wenn man 3 Tage am Stück keine Schmerzen hat?
    Liebe Grüße, Karlotta

    karlotta
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Und nochmal ich….:( Heute drückt sich die Migräne mit aller Kraft durch. Da Kortison aber kein Akutmittel ist, würde also keinen Sinn machen, nochmal 50mg nachzuschicken, oder hat das schon mal jemand mit Erfolg gemacht?

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27786

    Liebe Karlotta,

    Kortison ist kein Akutmittel und sollte wirklich nur in der Anfangszeit einer Medikamentenpause eingenommen werden. Wenn Du eine richtige Pause machen willst, dann ist während dieser Zeit kein Akutmittel erlaubt. Möglich wären aber durchaus sedierende und schmerzdistanzierende Medikamente wie z. B. Diazepam, Melperon, Vomex usw. Diese sind auch wichtig, damit man nachts schlafen kann, da Kortison künstlich aufputscht.

    Welche Begleitmedikation hast Du denn? Nimmst Du hochdosiertes Magnesium auch im Akutfall ein? Hier bieten sich die Tütchen an, die schon über die Mundschleimhaut wirken.

    Liebe Grüße und alles Gute,
    Bettina

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