MÜK oder chronische Migräne? Was soll ich tun? (Fienchen)

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  • fienchen
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    Liebes Sternchen,

    das mit der Depression finde ich schwierig Abzugrenzen im Kontext einer chronischen Schmerzerkrankung und meinem medizinischen Umfeld scheint es da auch nicht besser zu gehen.

    Meine Therapeutin ist sich sicher ich hab keine, mein Neurologe macht sich da überhaupt keine Gedanken drüber, Kiel war sich nicht sicher ob ja oder nein und Essen ist der Meinung ich habe trotz punktueller Überlastung ausreichend Reserven und Rückhalte…

    Ich hätte jetzt generell kein Problem mit der Diagnose, insofern als das es ja nun einfach so ist, dass ich grotten unglücklich mit der Gesamtsituation bin. Aber ist das krankhaft? Wäre es nicht fast weniger normal wenn ich mit Anfang 30 die Dauerbeschäftigung mit einer Erkrankung und dann noch den anderen im Hintergrund als normal und Lebenserfüllend oder auch nur akzeptabel sehen würde?

    An manchen, schmerzfreien Tagen ist mir das manchmal zu viel, dann sitze ich vormittags zuhause und fühle mich einsam und gelangweilt. Alle sind arbeiten und gehen einer Aufgabe nach und ich kann mich über die „Freizeit“ nicht freuen. An anderen Tagen genieße ich es jetzt schon Adventskalender und Weihnachtsgeschenke überlegen, basteln oder besorgen zu können.

    Ja gelegentlich hadere ich sehr mit meinem Schicksal, an den allermeisten Tagen bemühe ich mich jedoch um Gelassenheit, denke Lösungsorientiert und suche mir Dinge die mir gut tun wie bspw. außerplanmäßige Ausflüge oder Aktivitäten mit meinem Patenkind. Vor allem aber bin ich mir selbst an Tagen wie gestern absolut sicher, dass weiter geht, besser wird und nicht das Ende der Fahnenstange ist. 😉

    Ich habe mir mal die Frage gestellt wo der Unterschied in der Behandlung mit zusätzlicher Diagnose Depression wäre und eigentlich habe ich keinen gefunden. AD nehme ich ohnehin zur Prophylaxe, eine Verhaltenstherapie, geregelter Tages- und Essrhytmus, ausreichend Bewegung und Entspannungsübungen sind die Bausteine im Umgang mit der Migräne wie auch mit/gegen eine Depression oder habe ich da jetzt nen Denkfehler?

    Ich nehme mir auf jeden Fall zu Herzen immer wieder mal nachzuspüren ob sich in dieser Hinsicht etwas verändert.

    Lieben Gruß
    fienchen

    sternchen
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    Beitragsanzahl: 4641

    Liebe Fienchen,

    nun ja, wer sagt, dass wir ein Leben so oder so haben werden. Die Erwartung ein gewisses Leben führen zu können, ist m.E. nicht richtig, wenn auch verständlich. Wo bleiben ansonsten die vielen Menschen, die schlimme Not leiden. Die Menschen die flüchten stehen uns ja z.Zt. ganz nah vor Augen. Haben wir mehr Anrecht auf einen ausgefüllten Job, etc. etc.? Nein, das Leben ist so gesehen nicht gerecht, und wir haben keinen Anspruch.

    Wenn der Gedanke an eine Depression besteht, wäre es wichtig dieses mit dem Arzt zu besprechen. Vielleicht gibt es eine Medikation die zu ergänzen oder zu ändern wäre.

    Wünsche Dir alles Gute und drücke die Daumen, dass die Zuversicht weit oben an der Oberfläche steht.

    Alles Liebe
    Sternchen

    fienchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 60

    Liebes Sternchen,

    ich verstehe Deine Antwort nicht. Ich glaube nicht, dass ich ein Recht auf ein besseres Leben habe als andere und gerade im Bezug auf Flüchtlinge oder andere Notleidende Menschen sind doch wohl viele über ihre Situation nicht als glücklich zu bezeichnen. Abgesehen davon halte ich das irgendwie für einen Äpfel und Birnen Vergleich.

    Ich wünsche mir meinen Beruf wieder ausüben zu können und bin hier und auch in Kiel darin bestärkt worden, dass chronische Migräne mit schwerem Verlauf auch wieder zur episodischen werden kann. Natürlich habe ich darauf keinen Anspruch aber was bleibt wenn nicht die Hoffnung?

    Was also möchtest Du mir mit Deiner Antwort sagen? Ich scheine da gerade absolut auf dem Schlauch zu stehen und weiß nicht so recht wie ich das einordnen soll.

    Viele Grüße
    fienchen

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4641

    Oh nein liebe fienchen, ich wollte dich nicht verunsichern. Es tut mir sehr leid, wenn ich meinen Beitrag nicht verständlich formuliert habe.

    Auch ich möchte dich bestärken in deinen Vorhaben. Ich finde es total klasse, wenn du an deinen Zielen arbeitest. Ich pers. bin die letzte, die nicht wirklich sehr gut nachvollziehen kann, wenn man seinen Beruf ausüben möchte. Auch ich habe meinen Beruf geliebt. Auch ich war traurig, ihn nicht ausüben zu können. Das alles ist für mich absolut nachvollziehbar.

    Ich wollte den Druck ein wenig aus deinem Bestreben nehmen. Wollte dich bestärken nicht zu hardern. Ich möchte dir nicht sagen, was richtig oder falsch ist. Ich wollte dir lediglich meine pers. Erfahrungen mitteilen und wünsche dir, dass du eben nicht grotten unglücklich mit deiner Situation bist.

    Sorry, noch einmal, wenn mir das mit meinen Worten nicht gelungen ist. Aber so ist das hier im Netz. Manches kann man vielleicht nicht so gut rüberbringen, als wenn man sich gegenüber sitzt.

    Ich wünsche Dir alles Gute und hoffe, dass für dich bald eine deutliche Besserung eintritt, und dein Bemühen Erfolg hat.

    Lieber Gruß
    Sternchen

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 years von  sternchen.
    alchemilla
    Teilnehmer
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    Liebes Fienchen,
    ich kann dich so gut verstehen!
    Ich bin seit 9 Monaten im Ruhestand. Ich habe erwartet, dass dann, wenn erstmal dieses tägliche frühe Aufstehen und dieses fremdbestimmte Leben vorbei wären, ich sofort viel weniger oder gar keine Migräne mehr haben würde.
    Es ist nicht so.
    Ich habe zwar mittlerweile immer wieder 4-5 oder 6 Tage am Stück „frei“ von Migräne -was vor einem Jahr noch ein Traum gewesen wäre- aber ich habe es anders ERWARTET.
    Und DAS macht mir Kummer. Es wäre doch „normal“, dass die Migräne verschwinden würde, wenn der Stress erstmal wegfällt.
    Und es wäre normal, dass du in deinem Alter berufstätig sein könntest.
    Von einem mit chronischen Schmerzen habe ich den Ausspruch gelesen, der auch für uns gilt:
    „Wir haben ein anderes Normal.“

    Von Depression würde ich erst sprechen, wenn jegliche Freude aus deinem Leben verschwunden wäre. Solange es noch lichte Momente gibt, wo etwas Spaß macht, würde ich den Gedanken „Depression“ mal nicht hereinlassen.

    Ich würde dir aber ans Herz legen, nicht aufzugeben.
    Das Konzept „Ich habe nur noch nicht das Richtige gefunden“ gefällt mir besser als „es hat alles keinen Zweck“.
    Vielleicht ist die Sorte Entspannung, die du betreibst, nicht die richtige. Vielleicht lässt reines Entspannen ( im Sinne vor Erschlaffen ) den Energiehaushalt zusammenbrechen, was für Migräniker immer blöd ist.
    Vielleicht gibt es im Bereich der medikamentösen Prophylaxe noch Wirkstoffe, die du nicht probiert hast.
    Vielleicht gibt es auf dem „nicht-Evidenz-basierten“ Markt noch Energiezapfstellen, die man ausprobieren kann, ohne dass einem finanziell das Fell über die Ohren gezogen wird.
    Ich habe bei uns in der Stadtbücherei fast alles abgegrast, was als „energiespendend“ angepriesen wird und habe Dinge gefunden, die zu mir passen.
    Hör einfach nicht auf zu suchen.
    Nimm Tipps und Vorschläge und Erfahrungsberichte von anderen auf, aber teste immer, ob sie in der Weise auch auf dich zutreffen. Das ist ein schönes Ziel, dem man sich Tag für Tag ein wenig nähern kann, indem man Dinge tut oder Dinge lässt, aber anders als bisher.
    Ich bin sicher, du kommst dabei voran!
    Auch wenn die Erfüllung der Erwartungen noch in weiter Ferne zu sein scheint.
    Alles Gute!
    alchemilla

    fienchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 60

    Liebe Sternchen, liebe Alchemilla,

    ich habe mir schon gedacht, dass deine Botschaft nur nicht bei mir angekommen ist. Manchmal hat schreiben mit Menschen deren Art etwas zu sagen man nicht persönlich kennt, doch so seine Tücken.

    Daher danke ich Dir für Deine erneute Antwort!

    Du hast oft mit dem was Du zwischen meinen Zeilen liest recht. Und die Traurigkeit die du herausgelesen hast ist unbestritten da.

    Als das Ziel, die Wiedereingliederung in diesem Herbst anzupeilen, gesteckt wurde erschien das noch eine sooo lange Zeit bis dahin zu sein und nun ist diese Zeit und es klappt nicht.

    Die gestarteten Prophylaxen in Kiel haben Wirkung gezeigt, sind aber irgendwie noch nicht die perfekte Mischung oder Dosierung und mein behandelnder Neurologe ist mir nur sehr bedingt eine Hilfe. Welches Medikament könnte noch erhöht werden, welches sollte ersetzt werden und wenn von was. Es gibt immer wieder so viele Fragen und aktuell kann die niemand beantworten.

    Gibt es für mich ein Medikament was auch die Attacken Häufigkeit noch weiter reduziert oder ist es so wie es jetzt ist schon das Maximum einer Prophylaxe? Warum wird Botox leicht abgewandelt im Stirnbereich gespritzt und nur 150 Einheiten?

    Mein hardern kommt auch daher, dass ich das Gefühl habe langsam eine Entscheidung treffen zu müssen für das eine (Arbeit) oder das andere (Erwerbsunfähigkeit auf Zeit) und das möchte ich nicht.

    Und dann diese neue Verdachtsdiagnose, es scheint als würde es immer zwei Schritte vor und einen zurück gehen und manchmal macht mich das total wahnsinnig und/ oder unglaublich müde.

    Ich weiß, dass es sein kann, dass es nicht anders gehen wird und wenn ich ein Leben ohne meinen Beruf führen müsste würde ich mit Sicherheit mein Glück in einer Alternativ Beschäftigung suchen und finden, es würde allerdings für mich bedeuten die „Schreibtischseite zu wechseln“ wie wir es unter Kollegen so schön nennen. Natürlich würde mein Leben weiter gehen aber dafür habe ich nicht vorher schon gegen so viele Widrigkeiten meinen Weg erkämpft, es würde mir mehr als schwer fallen dies zu akzeptieren.

    Ich merke jedoch beim schreiben und über eure Antworten nachdenken immer mehr was die Einzelbestandteile meines grotten Unglücklich seins eigentlich sind und habe dadurch die Möglichkeit jeden Punkt einzeln anzugehen und so das Namenlose Gespinst der Traurigkeit wieder in einzelne Aspekte zu splitten.

    Ich denke am akutesten sind aktuell die bevorstehenden Untersuchungen, diese Beginnen in einer Woche und dann bin ich hoffentlich relativ schnell schlauer.

    Was die Medikamente angeht, gebe ich meinem Neurologen am 14.11 nochmal die Gelegenheit sich einzulesen und nehme Alternativ Kontakt nach Kiel auf.

    Mein Bauchgefühl, kombiniert mit meinem Arztbrief und dem hier gelesenen gibt schon ein paar Ideen vor, was noch auf dosiert werden sollte. Aber so eigenmächtig bin ich dann doch nicht.

    Jetzt ist es wieder ein elend langer Text mit zig Gedankensprüngen geworden…

    Ich danke euch fürs Lesen und eure Anteilnahme. Ich weiß, dass viele von euch diesen Weg bereits beschreiten mussten und sich einiges immer wieder wiederholt, daher wirklich ein Danke von Herzen, dass ihr mich auf meinem Weg so liebevoll begleitet!

    Liebe Grüße
    fienchen

    akascha
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 155

    Liebes Fienchen,

    Ich werde etwas wehmütig wenn ich deine Zeilen lese, weil ich dich so gut verstehen kann. Deine Gedanken könnten auch meine sein bzw. waren und sind noch meine.

    Auch ich war dieses Jahr in Kiel und habe nur kleine Verbesserungen bisher merken können. Habe immer noch täglich Migräneschmerzen.
    Auch ich wusste nicht, kann ich wieder arbeiten oder muss ich Erwerbsminderung beantragen (war knapp 1 Jahr krank geschrieben). Ich habe so doll mit der Entscheidung gehapert.

    Diese Entscheidung hat mir mein Arzt im Oktober abgenommen und mich quasi zur Arbeit geschickt. Ich arbeite zurzeit aber nur 3 Tage die Woche, da ich eh 1 Tag immer frei habe und durch die Ansammlung der Urlaubstage noch 1 Tag mehr freinehmen konnte.
    Und…es ist sehr schwer, aber doch machbar. Mein Chef unterstützt mich sehr, sodass ich erst einmal keinen Druck habe. In 3 Wochen geht dann noch meine Reha los.

    Ich hatte auch zwischenzeitlich Kiel kontaktiert, da ich überhaupt nicht weiter gekommen bin und mich hilflos gefühlt habe. Dr. Heinze hatte noch gute Ideen bezüglich der Prophylaxe und es hilft nun tatsächlich etwas.
    Zögere hierbei nicht, sondern kontaktiere Kiel und schildere Deine Lage. Dir wird ganz bestimmt geholfen.

    Diese Traurigkeit kenne ich sehr gut, sie begleitet mich. Ich weiß aber, dass sie aus der Erschöpfung und den täglichen Schmerzen entstanden ist und überzeugt, dass es keine Depressionen sind. Wie Alchemilla auch schreibt, es gibt auch wirklich fröhliche Momente. Ich denke, es ist bei dir bestimmt ähnlich.
    Achtsamkeit hilft mir sehr gut, mich