Bin auch neu (Anouk)

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  • Anouk
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    Beitragsanzahl: 296

    Hallo an alle,

    ich habe schon öfter mit Interesse Beiträge hier in diesem Forum gelesen und habe mich heute endlich registriert.
    Meine Geschichte ist dir folgende:

    Ich bin heute 34 und habe seit etwas über zehn Jahren Migräne. Schon als Kind hatte ich gelegentlich Kopfschmerzen und meine Mutter meint, das ging schon im Kindergarten los. Rückblickend war meine Kindheit aber ok, ich kann mich nicht an sehr starke Schmerzen erinnern, Kopfschmerzen kamen halt und gingen auch wieder.
    Mit Anfang zwanzig wurde es plötzlich anders, die Schmerzen fühlten sich anders an und wurden von Erbrechen begleitet. Da meine Mutter unter Migräne leidet, war mir schnell klar, wie das neue Wehwehchen heißt…
    Damals hatte ich eine gute Hausärztin, die mir direkt Triptane verschrieben hat, die damals wohl noch recht neu waren.
    Diese habe ich bei Bedarf genommen und sie haben auch immer gut geholfen. Nach einer Schmelztablette und zwei Stunden Ruhe konnte ich den Tag mit leichtem Wattegefühl im Kopf ganz normal weiterverbringen und auch Fernsehen oder am Computer arbeiten. Damals (während des Studiums) hatte ich im Schnitt vielleicht einmal im Monat Migräne, manchmal zweimal.
    Boah, war das noch schön!
    Nach Abschluss des Studiums habe ich eine Stelle angetreten, bei der ich den ganzen Tag am Computer gearbeitet habe und der Stress in der Firma war enorm. Großer Termindruck, es durften keine Fehler gemacht werden, vom Chef angeschrien werden gehörte zum Alltag. Und meine Migräne (und Spannungskopfschmerzen) nahm immer mehr zu. Regelmäßig hatte ich Wochenendmigräne und mehrmals im Monat Kopfschmerzen oder Migräne.
    Bei Bedarf habe ich weiterhin Triptane genommen oder Paracetamol, wenn die Schmerzen sehr stark waren auch Paracetamol mit Codein.
    Ich glaube in der Zeit hatte ich vor allem Entspannungskopfschmerzen und erinnere mich an einen Urlaub in dem ich in vier Wochen nur drei oder vier kopfschmerzfreie Tage hatte…
    Ich bin natürlich von Pontius zu Pilatus gelaufen und irgendein Neurologe hat mir Ausdauersport empfohlen. Ich habe mir daraufhin einen Heimtrainer gekauft und gleichzeitig mehrere Dinge in meinem Leben geändert. Ich habe die Pille abgesetzt, halt den Heitrainer angeschafft (und regelmäßig genutzt) und außdem ein sehr anstrengendes Fernstudium neben der Arbeit begonnen, welches ich als positiven Stress empfunden habe. In der Zeit hatte ich ein dreiviertel Jahr weder Migräne noch Kopfschmerzen!!!
    Aber irgendwann ging es wieder los.
    Vor fünf Jahren bin ich schwanger geworden und hatte etwa ab der 18. Schangerschaftswoche mindestens an drei Tagen in der Woche Migräne. Auf Wunsch meines Arbeitgebers habe ich mir ein Beschäftigungsverbot ausstellen lassen und bis kurz vor der Geburt vor mich hingelitten. Es gab Tage, an denen ich einfach nur sterben wollte, weil Schmerzmittel durfte ich nicht nehmen und meine Migräne war so schlimm wie nie.
    Nach der Geburt war es eine Zeit lang ganz ok und dann pendelte das alte Schema sich wieder ein, ein- bis zweimal im Monat Migräne. In dieser Zeit habe ich nicht gearbeitet.
    Nach einem Jahr war ich wieder schwanger und habe in der zweiten Schwangerschaft Akkupunktur ausprobiert. Die Migräne war insgesamt weniger stark, begann früher in der Schwangerschaft und hörte auch früher auf. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass das durch die Akkupunktur kam.
    Als mein zweites Kind ein Jahr alt war (vor zwei Jahren) habe ich mich in meinem Beruf selbstständig gemacht. Ich arbeite von zu Haue aus, aber auch ohne Chef ist es recht stressig. Termindruck gehört zu meinem Geschäft (ich bin Übersetzerin und es gibt nur eilig und supereilig) und habe „nebenbei“ zwei kleine Kinder die jetzt fast drei und viereinhalb sind. Die beiden sind tagsüber im Kindergarten, und ich arbeite eigentlich rund um die Uhr. An den meisten Wochenenden, an Feiertagen, abends. Ich liebe meine Arbeit, aber meine Migräne ist in den letzten zwei Jahren durch die Decke gegangen.
    Derzeit habe ich im Schnitt mehrmals in der Woche Migräne oder starke Kopfschmerzen. Manchmal vergeht eine Woche ganz ohne, aber selten.
    Behandeln tu ich mit Triptan, Ibuprofen 800 und wenn es gar nicht geht mit Paracetamol+Codein.
    Seit letztem Jahr mache ich eine Schmerztherapie und habe es schon erfolglos mit Betablockern versucht. Ende letzten Jahres habe ich von meiner Therapeutin Flunarizin bekommen und es hat zunächst wunderbar gewirkt. Leider habe ich schon in den ersten Wochen stark zugenommen und nach sechs Wochen ohne Schmerzen wurde ich leichtsinnig und habe das Medikament abgesetzt, weil ich nicht immer dicker werden wollte. Nach etwa sechs Wochen war die Migräne wieder mit voller Wucht da. Bei einem zweiten Versuch hat Flunarizin leider nicht mehr angeschlagen. Ich verstehe nicht, weshalb, habe aber schon öfter gelesen, dass das Medikament bei einem zweiten Anlauf wirkungslos sein kann. Nach etwa neun Wochen Flunarizin ohne jede Wirkung (und diesmal erstaunlicher Weise auch ohne Gewichtszunahme!) habe ich es letzte Woche abgesetzt.
    Ich bin momentan ziemlich hilflos/verzweifelt.
    Ich führe ein Schmerztagebuch und weiß, dass mein Schmerzmittelkonsum grenzwertig ist. Solange ab und zu eine Woche ohne Schmerzen dabei ist, denke ich, dass keine Abhängigkeit besteht und versuche die Schmerzen so oft wie möglich auszuhalten. Da ich mich mit zwei kleinen Kindern nicht einfach aus dem Alltag ausklinken kann sondern, funktionieren muss, klappt das leider selten.
    Da ich außerdem meine Aufträge abarbeiten muss und Migräne und Bildschirmarbeit sich bei mir überhaupt nicht verträgt, muss ich meistens etwas nehmen und bin oft bei 6 oder mehr Triptanen im Monat, plus Ibuprofen.
    Meine Schmerztherapeutin überwacht meinen Medikamentenkonsum und ist der Meinung, dass die Häufigkeit der Migräne hauptsächlich durch Stress ausgelöst wird, wobei auch mein Zyklus ein Trigger sein kann bzw. ist.
    Ich versuche, mich über jeden schmerzfreien Tag zu freuen, werde aber insgesamt leicht depressiv und würde (wie wahrscheinlich die meisten hier) alles tun, um die Schmerzen loszuwerden.
    Mein Migräneschema verändert sich ständig. Seit einem Jahr habe ich auch Drei-Tages-Migräne, wobei ich früher immer höchstens 12 Stunden Migräne hatte. Um meine Periode herum habe ich seit einiger Zeit Dauermigräne und seit drei Monaten die gesamte erste Zyklushälfte. Die zweite Zyklushälfte ist gut und ich habe relativ wenig Migräne und oft mehrere schmerzfreie Tage am Stück, aber das kann ich drei Monaten schon wieder ganz anders aussehen.
    Die Schmerzmittel helfen, aber in der Menge kann ich die nicht dauerhaft nehmen. Manchmal kriecht die Migräne aus einem verspannten Nacken hoch und ich weiß nachts nicht, wie ich den Kopf legen soll. Massage bringt etwas Linderung, wirkt aber nicht als Prophylaxe.
    Seit der zweiten Schwangerschaft/Geburt hat sich irgendetwas in meinem Körper verändert oder verschoben und ich kann nicht mehr auf dem Hinterkopf liegen, ohne rasende Kopfschmerzen zu kriegen. Bislang konnte mir kein Arzt oder Physiotherapeut sagen, woran das liegt.
    Da ich nicht mehr auf dem Rücken liegen kann, kann ich kein Yoga mehr machen, das mir früher manchmal geholfen hat.
    Ich bin gespannt, was meine Schmerztherapeutin als nächstes vorschlägt, aber inzwischen habe ich den Glauben ziemlich verloren, dass es DIE eine Lösung geben wird.
    In vier Wochen habe ich einen Hypnose-Termin und will versuchen, durch Hypnose anders mit meinem Stress umzugehen. Mal sehen, ob es hilft.

    Sorry, dass es so lang geworden ist!

    Liebe Grüße
    Anouk

    Ute
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 101

    Liebe Anouk,

    erst mal herzlich willkommen hier im Forum.
    Schön, dass du so ausführlich schreibst, denn dann können dir die Expertinnen bestimmt einen ersten Rat geben. Es tut mir sehr leid für dich, dass du so schlimme Schmerzen hast und dein Alltag sehr mühsam klingt.
    Das mit den KS, wenn du auf dem Rücken liegst, kann ich auch nicht zuordnen, klingt aber nicht gut, v.a. wenn dann Entspannungsmethoden im Liegen wegfallen.
    Hat deine Schmerztherapeutin noch eine weitere Prophylaxe empfohlen?
    Zu deiner Akutmedikation meine ich mich zu erinnern, dass in Kiel gegen Codein plädiert wird und auf alle Fälle gegen Kombinationspräparate.
    Hast du andere Entspannungsmethoden wie PME, die man auch im Sitzen durchführen kann, schon ausprobiert?
    Bei dir ist sicherlich der Alltag auch enorm stressig – musst du so viel arbeiten oder kannst das Ganze auch mal für Monate reduzieren? Könntest du deine Kinder gut versorgt zu Hause lassen und evtl. nach Kiel in die Klinik gehen?

    Oh je, ich wünsche dir sehr, dass du hr neue Ideen bekommst, die dich weiterbringen. Verständnis bekommst du auf alle Fälle…denn wir sitzen alle in einem ähnlichen Boot.

    Liebe Grüße aus dem heißen Baden-Württemberg von Ute

    Glasperle
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4

    Herzlich Wilkommen hier!

    Na wie sich das anhört plagt dich die Migräne ja auch ganzschön! 🙁
    Leider bin ich selbst noch ziemlich unerfahren, sodass ich dir nur gaaaaaanz viel Erfolg bei deiner Schmerztherapie wünschen kann. Es ist auf jeden Fall gut, dass du dir eine gesucht hast, wo du dich in guten Händen fühlst. DIE eine Lösung wird sich sicherlich aus vielen einzelnen Dingen zusammensetzen, die für dich am besten geeignet und am wirksamsten sind.

    Hast du schonmal autogenes Training probiert? Ich habe es eine Zeit lang gemacht, war gut um mal runterzukommen, aber leider half es bei mir nicht auf die Dauer… Vielleicht hast du ja mehr Erfolg. Oder suche dir etwas, wo du mal so richtig für dich sein kannst und den Kopf frei kriegst. Ich gehe total gerne raus in die Natur eine Runde joggen und genieße einfach mal den Augeblick. Zwar geht die Migräne dadurch nicht weg (jedenfalls bei mir nicht), aber es tut der Seele richtig gut 🙂

    Ich wünsch dir viel Erfolg & viele hilfreiche Tipps hier im Forum, vielleicht ist ja Hypnose was für dich!

    Liebe Grüße

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28238

    Herzlich willkommen im Headbook, liebe Anouk. 🙂

    Dein Bericht klingt nach ziemlicher Verzweiflung und das ist auch verständlich. Bei mir gibt es einen ähnlichen Verlauf, außer, dass ich während der ersten Schwangerschaft komplett schmerzfrei war, bei der zweiten auch fast. Ich stelle mir eine Schwangerschaft mit unbehandelten Schmerzen lieber gar nicht vor.

    Was ist mit Deinem Kopf los, dass Du nicht mehr am Rücken liegen kannst? Das muss man ganz systematisch abklären lassen. Lass Dich nicht abfertigen, dass man nichts findet! Nach Abkärung (auch Bildgebung) kann eventuell ein Osteopath helfen.

    Es wird nie DIE Lösung geben, die für alle passt, aber es wird sich eine Lösung auch für Dich finden. Ganz individuell. 🙂

    Prophylaxen wirken sonderbarerweise manchmal im zweiten Anlauf nicht mehr. Es gibt aber noch viele Möglichkeiten, die Du testen könntest.

    Hochdosiertes Magnesium und Vitamin B2 haben in Studien Wirksamkeit erwiesen. Dies könntest Du jetzt schon starten.

    Als Selbstständige arbeitest Du viel, das kennen alle so. Trotzdem gibt es vielleicht auch hierbei noch Möglichkeiten, den Tagesablauf für Dich besser zu strukturieren. Dazu gehören auch Pausen und Rückzugsmöglichkeiten für Dich.

    Liebe Grüße und nie aufgeben, 🙂
    Bettina

    Anouk
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 296

    Ich danke euch allen vielmals für die netten Antworten und Tipps!
    Entspannungübungen habe ich früher im Anschluss an mein Yoga immer gemacht (mal PME, mal autogenes Training) und es hat mir immer sehr gut getan. Leider ist es sehr schwierig, sowas mit kleinen Kindern zu vereinbaren. Wenn die beiden auch nur im Nebenzimmer spielen, ist an Entspannung nicht zu denken und wenn sie abends im Bett liegen, bin ich so müde, dass ich nach fünf Minuten einschlafe…

    Mein Schmerztherapeutin verteufelt mein Paracetamol+Codein auch, aber wenn mal gar nichts geht, greife ich (auf eigene Kappe) gerne darauf zurück, weil ich weiß, dass es wirkt und solange ich es nur ein oder zweimal im Monat nehme, glaube ich nicht, dass es irgendetwas verschlimmert.

    Joggen gehe ich auch manchmal, aber auch das ist stellenweise schwierig mit den Kindern zu vereinbaren, so dass ich mir anstelle des Heimtrainers mittlerweile einen Crosstrainer angeschafft habe und wenn mein Kopf es zulässt, schwitze ich abends ganz gerne.

    Es ist schwierig die Arbeit zu reduzieren, da jeder abgesagte Auftrag zur Folge haben kann, dass ich auch den Folgeauftrag nicht erhalte. Es ist ein ständiges Abwägen und ich muss lernen öfter „nein“ zu sagen. Immerhin lehne ich inzwischen völlig wahnsinnige Liefertermine ab. und versuche mir auch hier und da mal ein Wochenende freizuschaufeln. Für etwas Entlastung haben wir seit einiger Zeit eine Putzfrau und unser Babysitter kommt an zwei Nachmittagen, um die Kinder zu bespaßen, damit ich nicht immer alles (Arbeit, Haushalt, Einkauf, Arzttermine, …) in den Vormittag quetschen muss. Aber ich weiß, dass ich daran arbeiten muss, einen etwas geregelteren Tagesablauf mit Pausen hinzukriegen.

    Nächste Woche bin ich wieder bei der Schmerztherapeutin und gespannt, was sie als nächstes vorschlägt.
    Außerdem habe ich mir wieder Termine bei meiner alten Heilpraktikerin geben lassen. Ihre Nadeln haben mir zwar nicht geholfen, aber sie hat mir vorher immer großartig den Nacken und Schulterbereich massiert und mit Schröpfglas und Schaber bearbeitet. Dadurch ist die Migräne manchmal schon verschwunden und ich bin ständig steif und verspannt.

    Liebe Grüße
    Anouk

    Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2851

    Liebe Anouk,

    Sei willkommen bei uns. Schön, dass du so viel von dir erzählt hast.

    Mein erster Impuls war, dir einfach nur zur schreiben, hör auf, alles zu versuchen, die Schmerzen loszuwerden….(gut leben damit ist viel wichtiger!)

    Ich habe vor ein paar Wochen ein kleines Buch vom Arbor Verlag gekauft, das ist 2013 erschienen, heißt „Schmerz“ , da habe ich gestern drin gelesen, Schmerz muss nicht Leid sein, stand da, das hat mir sehr geholfen gestern.

    Du wirst hier viele gute Tipps bekommen, ganz bestimmt. Führst du einen Kopfschmerzkalender? An wie vielen Tagen im Monat nimmst du Medikamente gegen die Kopfschmerzen?

    Liebe Grüße
    Johanna

    Anouk
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 296

    Hallo Johanna,

    danke für deine Antwort!
    Medikamente nehme ich in einem durchschnittlich schlechten Monat an 10-12 Tagen aber manchmal mehr als ein Medikament am Tag.
    In einem richtig guten Monat sind es vielleicht nur 8 Tage.
    Einen Kopfschmerzkalender führe ich seit einem Jahr, deshalb ist mir auch aufgefallen, dass mein Migräneschema sich alle paar Monate ändert.
    Ich versuche, auch an Tagen mit Schmerzen etwas positives zu sehen, aber wenn du vor Schmerzen kaum gucken kannst und das Gefühl hast, jemand drischt mit Eisenhämmern auf deinen Schädel ein, ist das ganz schön schwierig…
    Umso mehr kann ich zwei oder drei schmerzfreie Tage in Folge genießen.

    Liebe Grüße
    Anouk

    Katharina
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 322