Chroninchen stellt sich vor

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  • Chroninchen
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    Beitragsanzahl: 89

    Hallo zusammen,
    ich bin fast 50 Jahre alt, verheiratet und Mutter eines Teenagers.
    2009 wurde bei mir erstmalig Migräne diagnostiziert.

    Anfälle habe ich schon seit der Kindheit, damals wurden diese aber vom Arzt als „harmloser Infekt“ eingeordnet und nicht weiter untersucht; ich war eben „infektanfällig“.
    Erst mit Mitte 30 geriet ich an einen Hausarzt, der meiner „Infektanfälligkeit“ und den Kopfschmerzen auf den Grund ging. Mittlerweile sind Migräne und fünf weitere chronische Erkrankungen gesichert, was mir beruflich hilft, da ich mich mit dem unbefristeten Status ’schwerbehindet‘ „schmücken“ darf.

    Aktuell liegt die Frequenz meiner Migräne-Anfälle zwischen 0 und 8 pro Monat, wobei einzelne Attacken bis zu 4 Tage andauern können.
    Ich habe meistens keine Aura bei Anfällen, gelegentlich tritt die Aura aber als Vorbote auf, manchmal habe ich aber auch nur eine Aura, ohne dass Schmerzen folgen.
    Die Aura macht sich in Form von Sehstörungen bemerkbar: das Bild ist waagerecht in drei Teile geteilt, im Grenzbereich ist eine flimmernde Linie. Oben und unten ist das Bild relativ klar, in der breiten Mitte erscheint ein 3D-Bild mit unscharfen Konturen.
    Seit der Prophylaxebehandlung mit morgens 50 mg Metoprolol ist zwar die Häufigkeit der Anfälle kaum weniger geworden, aber die Stärke der Attacken hat deutlich abgenommen. Bei frühzeitiger Einnahme von Sumatriptan 100 und 100 mg Dimenhydrinat reicht oft ein Rückzug von max. 30 Minuten, um die Symptome für viele Stunden zum Abklingen zu bringen.

    Ich bin berufstätig im Büro mit 30 Stunden pro Woche und habe die Möglichkeit, bei Bedarf Zeitguthaben abzubauen. Meine Fehltage wegen Migräne sind somit auf wenige Tage im Jahr zurückgegangen, was aber aufgrund der Schwerbehinderung jetzt ohnehin kein Problem mehr darstellt.

    Ich kenne die Schmerzklinik Kiel nur vom Hörensagen und aus dem Internet. Neben der Migräne bin ich vor allem aus einem zweiten Grund diesem Forum beigetreten: Ich bin besorgt, dass sich eines Tages zur Miräne auch noch Kopfschmerzen wegen Übergebrauch von Schmerzmitteln gesellen.
    Ich nehme täglich Morphin und Metamizol, gelegentlich auch Ibuprofen oder Paracetamol; nach einem Bandscheibenvorfall vor vier Jahren habe ich täglich starke Rückenschmerzen, die nicht operativ gemildert werden können.

    Auch Amitriptylin gehört zum täglichen Programm, nicht wegen den gewollten positiven Nebenwirkungen, sondern als Antidepressivum.
    Diejenigen, die von meiner Depression wissen, schieben diese auf meinen Krankheitsverlauf der letzten Jahre – ich lasse sie in diesem Glauben.
    Tatsächlich ist die Depression eine Krankheit, an der ich schon seit Jahrzehnten in immer wieder auftretenden mittelschweren, manchmal auch schweren Phasen leide, die aber erst in den letzten Jahren diagnostiziert wurde. Neben Medikamenten unterziehe ich mich derzeit einer hochfrequenten ambulanten Therapie mit 10 bis 15 Stunden im Monat.

    Ich war in den letzten drei Jahren einmal vier und einmal sechs Wochen zur Reha sowie einmal zwei und einmal drei Wochen in einer Schmerzklinik – die Migräne war aber immer nur Begleiterkrankung. Ich fühle mich bei meinem Neurologen vor Ort migränetechnisch in guten Händen, zumal dieser auch mein Depressionsfacharzt ist.

    Ich habe die Schmerzklinik Kiel als Option ins Auge gefasst, wenn sich die Migräne-Anfälle wieder verschlimmern sollten bzw zusätzliche Kopfschmerzen dauerhaft auftreten, hoffe aber hier im Forum auch auf Tipps und Hilfestellungen von Leidensgenossen; vielleicht auch nur die Möglichkeit, mich ausheulen zu können bei Menschen, die nachvollziehen können, wie sehr Migräne die Lebensqualität beeinträchtigen kann.

    Nun wisst ihr das Wichtigste über mich. Ich bin gespannt, wer und was mich hier erwartet ?

    LG Chroninchen

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4646

    Liebe Chroninchen,

    herzlich willkommen hier bei uns im Headbook. Schön, dass du uns gefunden hast. Du hast wie so mancher hier eine Menge an wirklich blöden Krankheiten mitbekommen. Als wenn die Migräne allein, nicht schon genug wäre.

    Ließ mal rechts unten auf dieser Seite unter dem Punkt Migräne-Wissen, da wird sich einiges für dich auf tun.

    Die Aura ist eine Migräne und nicht (wie oft geglaubt wird) ein Vorbote der Migräne.

    Migräne, Depressionen und auch Angsterkrankungen gehören nicht selten gemeinsam zu einem Krankheitsbild.

    Es ist gut, dass du einen kompetenten Arzt an deiner Seite hast. Sicher hast du somit auch schon von der 10/20 iger Regel gehört. Diese besagt, dass du an nicht mehr als an 10 Tagen im Monat KS bzw. Schmerzen mit sog. NSAR oder Triptanen d.h. Akutmedikamenten behandeln darfst. NSAR sind nicht-steroidale Antirheumatika (Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen etc.) Sie sind schmerzlindernd und entzündungshemmend. Sie wirken nur symptomatisch: Sie unterdrücken zwar die Entzündung und nehmen die Schmerzen, haben aber keinen Einfluss auf den eigentlichen Krankheitsverlauf. Es sind Akutmedikamente. Wenn du an mehr als an 10 Tagen diese Medikamente einnimmst, läufst du Gefahr, einen sog. MÜK zu bekommen.

    Meines Wissens ist Metamizol ein NSAR. So gesehen wäre ein MÜK nicht unwahrscheinlich. Wie behandelst du deine Migräne? Nimmst du da Triptane? Diese kämen zu den Akutmedikamenten dazu.

    Die Schmerzklinik Kiel wäre definitiv die richtige Klinik für dich. Ich pers. würde an deiner Stelle auf jeden Fall einen Aufenthalt dort einplanen. Nicht nur die Migräne, auch deine Rückenprobleme sind dort in den besten Händen. Ich spreche aus Erfahrung!!!!!!!

    Soweit erst einmal von mir.

    Alles Gute
    Sternchen

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28354

    Willkommen im Headbook, liebe Chroninchen. 🙂

    Sternchen hat Dir schon viel erklärt, so dass Du jetzt vielleicht etwas besseren Überblick hast. Es ist wichtig, dass man neurologisch gut betreut wird, was bei Dir ja der Fall ist. DA Dein Neurologe auch Deine Depression behandelt, wird er schon im Blick haben, dass Betablocker Depressionen auch mal verstärken können.

    Es wäre dringend notwendig, dass Du bezüglich Deiner täglichen Rückenschmerzen neu und besser eingestellt wirst. Opioide können und sollten retardiert gegeben werden und auch in ausreichender Dosierung. Das scheint mir bei Dir nicht der Fall, da Du zusätzlich täglich Analgetika einnimmst. Für Migräniker ist das nicht anzuraten, da man dieses Vorgehen direkt in einen MÜK führt. Metamizol ist ein Nichtopioid-Analgetikum (kein NSAR, liebes Sternchen 😉 ), wie auch Paracetamol, Ibuprofen ist ein NSAR. Alle drei Medikamente können bei täglicher und/oder sehr häufiger Einnahme in einen MÜK führen.

    Ich könnte mir vorstellen, dass man bei Dir unter stationären Bedingungen einiges optimieren könnte, was auch sinnvoll erscheint.

    Liebe Grüße
    Bettina

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4646

    AAAAh, gut, dass du das berichtigst. Danke, wieder mal was dazugelernt. 🙂 🙂 🙂

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28354

    🙂 🙂 🙂

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4646

    Gehört Mitamizol in die Gruppe, die eine MÜK wahrscheinlich
    nicht ganz so schnell begünstigen?

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28354

    Nein, liebes Sternchen. Metamizol kann wie Triptane auch schnell in einen MÜK führen. Es hat auch nur eine Halbwertszeit von vier Stunden und alle Medikamente, die bei Migräne wirken, aber eine kurze Halbwertszeit haben, können schneller in einen MÜK führen.

    Vielleicht meinst Du Arcoxia, den Cox-2-Hemmer, der mit seiner sehr langen Halbwertszeit nicht so schnell in einen MÜK führen kann?

    Liebe Grüße
    Bettina

    Chroninchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 89

    Morphin nehme ich als Retardtabletten, morgens und abends 30 mg. Metamizol habe ich, weil mein Arzt sehr vorsichtig ist mit der Entscheidung, die Morphin-dosis zu erhöhen.
    Wer sich mit Rückenproblemen auskennt, kann sich vielleicht ein Bild von den Schmerzen machen: ich habe ein höhengemindertes Bandscheibenfach L5/S1 in Verbindung mit einem Gleitwirbel L5 und Verknöcherung der Facettengelenke L3 bis S1; einfacher ausgedrückt: Knochen reibt auf Knochen. Irgendwann kann der Bereich operatov versteift werden, da aber auch die darüber liegenden Bandscheiben teilweise stark vorgeschädigt sind, werden Folge-Versteifungen nicht lange auf sich warten lassen. Für die „versteifenden“ Ärzte bin ich noch zu jung ?.

    Arcoxia habe ich etwa 1.5 Jahre eingenommen, allerdings nur 60 mg, da bei 90 mg nach kurzer Zeit Nebenwirkungen in Form von starken körperlichen Beschwerden auftraten. Bei meinem letzten Aufenthalt in der Schmerzklinik ist Arcoxia als Depressionsverstärker ausgemacht worden und wurde abgesetzt.
    Auch ein Versuch mit Celebrex (ebenfalls ein COX-2-Hemmer) ist aufgrund der Nebenwirkungen gescheitert.

    Ich habe demnächst eine kleine OP, bei der die schmerzleitenden Nerven deaktiviert werden. Testläufe haben gut angeschlagen, so dass Hoffnung besteht, zumindest das Metamizol ausschleichen zu können.

    Immerhin hat sich die Migräne während der letzten Jahre nicht verschlechtert – das hätte auch ganz anders aussehen können …

    Liebe Grüße
    Chroninchen

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28354

    Liebe Chroninchen,

    tut mir leid, dass Du in jungen Jahren schon mehrfach so geplagt bist. Ich drücke die Daumen für den demnächst geplanten Eingriff.

    Immerhin hat sich die Migräne während der letzten Jahre nicht verschlechtert – das hätte auch ganz anders aussehen können …

    Du therapierst ja permanent, daher ist die Migräne (noch) schmerztechnisch gedeckelt. Das geht halt nur leider nicht ewig gut, da durch die ständige Medikamentengabe die Schmerzrezeptoren abstumpfen, das körpereigene Schmerzsystem erschöpft und nicht mehr greifen kann. Die Folge wird sein, dass irgendwann die gute Wirkung der Medikamente nachlässt, sich Erschöpfung und