Chroninchen stellt sich vor

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  • sternchen
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    Beitragsanzahl: 4646

    Liebes Chroninchen,

    ja, wir haben uns kennengelernt. Deshalb, weil ich weiß wie betroffen du bist, wollte ich nicht auch noch Dinge schreiben, die du eh alle lange weißt.

    Wie schön, dass dich die Zeilen aufbauen konnten. Ich verstehe dich auch gut, wenn du schreibst, dass der Verlust der Arbeit keine Option wäre. Deine Begründung ist für mich sehr plausibel Und wenn dir jetzt beim Lesen der Beiträge noch etwas aufgefallen ist, an dem du während der Arbeit etwas verbessern kannst, dann versuche es.

    Da muss wirklich jeder für sich selbst schauen ob und wo noch eine Möglichkeit der Erholung einzubauen wäre.

    Genieße nun den Urlaub. Vielleicht gibt sich alles und es wird doch schneller besser als erwartet.

    Alles Liebe
    Sternchen

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3997

    Hallo, Chroninchen,

    wie kommt es, dass die beiden Kollegen weg sind?
    Ist das vorübergehend?
    Es ist doch schlicht unmöglich, dass jemand die Arbeit für drei schaffen kann, auch dann, wenn dieser keine Migräneerkrankung hat, geht das nicht.
    Jedenfalls nicht, wenn die Arbeit gut gemacht werden soll.
    Das klingt für mich so, wie „die macht das schon“, und wenn das klappt, dann hatten die Leute, die das entschieden haben, ja Recht.

    Wie es ist, wenn man eine Leitungsfunktion hat, das kenne ich auch aus eigener Erfahrung.
    Mein „Fehler“ war, dass ich auch darin perfekt sein wollte und den „Untergebenen“ jegliche Probleme und Kümmernisse ersparen wollte.
    Dabei habe ich oft vergessen, dass das auch erwachsene Menschen sind. Ich habe sie mit meiner Fürsorge fast entmündigt.
    Und das ist so ein Punkt, den ich meine, wenn ich sage, dass Stress mehr in meinen Gedanken und meinen eigenen Ansprüchen entstand.

    Im Unterscheid zu den anderen beiden Schreiberinnen, die dir geantwortet haben, kenne ich dich nicht persönlich und so kann es sein, dass ich völlig daneben liege.
    Deswegen biete ich dir nur meine eigenen Erfahrungen an und will dich keineswegs belehren oder dir sagen, was du tun solltest.
    Kann ich ja gar nicht.

    Liebe Grüße
    alchemilla

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28353

    Liebe Chroninchen,

    wir kennen uns ja auch und so wie die anderen kann auch ich Dein Dilemma verstehen. Im Grunde kann gar nicht mehr so viel optimiert werden, da Du die Themen ja kennst und auch Deine Arbeit nicht aufgeben möchtest. Finde ich gut, denn sie gibt weiter Struktur (wie Du weiter oben betont hast) und aus der Freude an der Tätigkeit kannst Du ja auch viel Kraft schöpfen.

    Wenn Du nun allerdings Arbeit für drei machst, ist das jetzt eine andere Nummer. Das muss geändert werden, sonst geht das nicht lange gut. Daher würde ich an der Stelle ansetzen, damit die Arbeit eben nicht in Stress ausartet.

    Zum eigenen Perfektionismus kam von Alchemilla schon der Wink mit dem Zaunpfahl, vielleicht findest Du Dich darin auch wieder.

    Alles Gute und liebe Grüße
    Bettina

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 613

    Liebe Chroninchen,

    ich bin weder Mutter noch berufstätig, möchte dir aber dennoch meine Gedanken, die mir beim Lesen in den Sinn kamen, schreiben. Und wie immer kann all das, was für dich unbrauchbar, unzutreffend oder dir zu viel ist, „wech“, okay 😉?!

    Sicher wäre es hilfreich, herauszufinden, warum dir 24 Stunden am Tag zu wenig sind. Wie und womit sind diese 24 Stunden gefüllt? Was davon lässt sich in die Rubrik „Lebensnotwendig“ einordnen? Wo kannst du (ab)wählen oder frei entscheiden? Welche bewussten und unbewussten Bedürfnisse, Ansprüche, Erwartungen beeinflussen deine Wahl und Entscheidung? Die Antworten auf diese Fragen sind sicher genauso individuell wie die auf deine Frage:

    Warum muss das Leben oft so schwierig sein?

    Muss es das? Oder ist es das eben ab und zu einfach? Machen wir es uns auch manchmal selbst schwer? Was ist veränderbar, und was möchte ich verändern, damit es leichter wird?

    Warum fällt die Selbstfürsorge so oft hinten runter?

    Kann es sein, dass das passiert, weil wir die uns nahen und nächsten Menschen und Aufgaben oft wichtiger nehmen als uns selbst? Wenn wir selbst gut für uns sorgen, ist meist auch für die anderen gut gesorgt, denn wenn ich z.B. zufrieden und fröhlich bin, kann ich das auch weitergeben.

    Führt die „gesunde“ Selbstfürsorge – ich bin sicher, du verstehst, was ich damit meine – dazu, dass sich die uns nahen und nächsten Menschen unwohl fühlen, weil sie z.B. Gewohnheiten oder Annehmlichkeiten aufgeben oder die Verantwortung dafür selbst übernehmen müssen oder sich nicht mehr so gebraucht/wichtig fühlen, wird es oft schwierig.

    Dann ist Bereitschaft zum Hinschauen, zur Klärung und zu einer Kommunikation wie du, liebe Heika, sie beschreibst, gefordert. Jeder muss ehrlich für sich prüfen, ob, wie und bis zu welchem Punkt sich die eigenen Wichtigkeiten in Übereinstimmung mit den Wichtigkeiten der anderen bringen lassen. Manches lässt sich schnell und unkompliziert lösen. Anderes braucht mehr Energie und Zeit. Und Einiges ist vielleicht auch sehr schmerzhaft.

    Auch wurden uns bestimmte Rollenmodelle vorgelebt, die viele von uns sicher ganz automatisch – und ohne sie zu hinterfragen – übernommen haben. Funktionieren diese immer weniger, erscheinen sie möglicherweise mehr und mehr unverständlich. Vielleicht werden sie jetzt hinterfragt und man stellt sich selbst seine eigene Rolle und/oder die anderer (ganz) anders vor. Darin kann ein gewaltiges Konfliktpotential schlummern…!

    Einfach zu Hause zu bleiben, kommt für mich nicht in Frage, da ich momentan die Einzige bin, die bestimmte, eilige Angelegenheiten bearbeiten kann. Wenn ich nicht zur Arbeit gehe, habe ich das Gefühl, meine Kolleg*innen im Stich zu lassen.

    Das ist verständlich, aber du würdest ja nicht „einfach“ und grundlos zu Hause bleiben. Wenn die Tatsachen so sind, wie sie sind, lassen sich vielleicht flexible Arbeitszeiten einrichten wie du, liebe Heika, es beschreibst. Eventuell lassen sich andere Möglichkeiten finden oder eben nicht. Das wäre bitter, aber ehrlich sich selbst und den anderen gegenüber. Mein Verständnis widerspricht sicher der gängigen Praxis, aber beruflich gesehen dürfte doch jeder ersetzbar sein, oder? Wenn einer ausfällt und der „Laden“ bricht zusammen, läuft doch etwas schief, oder?
    Ich habe in Etappen geschrieben und lese erst jetzt, dass du die Arbeit für drei machst. Dass das auf Dauer nicht funktionieren kann, müsste deinem Arbeitgeber einleuchten, wenn er nicht der totale El Blindo (wird der so geschrieben???) ist!

    … aber mir macht – trotz des momentan extremen Stresses – meine Arbeit zu viel Spaß, um aufzuhören – sie gibt außerdem meinem Tag eine feste Struktur, was aufgrund der rez. Depressionen ein wichtiger Stabilisierungsfaktor für mich ist.

    Wenn die Freude an deiner Arbeit überwiegt, gibt es vielleicht Wege, den Stress zu minimieren? Oder in sehr stressigen Zeiten doch (kleine) Auszeiten zu nehmen?
    Wenn das Argument der stabilisierenden Tagesstruktur überwiegt, wirst du irgendwann mal sowieso vor der Frage stehen, wie du deinen Tag ohne Beruf strukturierst. Dann wäre es „nur“ ein aufgeschobenes Problem.

    Leider habe ich das Kontingent der psychotherapeutischen (300 bewilligten) Stunden restlos aufgebraucht. Das war für mich immer auch eine Zeit der Entspannung, da ich den ganzen Ballast abwerfen konnte. Nun muss ich einen anderen Weg finden.

    Ich bin unsicher, ob es in deiner Psychotherapie wirklich so gelaufen ist, wie du schreibst. Meinem Verständnis nach ist eine (Schmerz)Psychotherapie dafür da, mit Hilfe des Therapeuten zu schauen, wo die unbewussten und bewussten Ursachen für den Ballast liegen und mögliche Strategien zu erarbeiten, um diesen abzubauen und weniger davon „anzuhäufen“. Wenn du den Ballast in der Therapie „nur“ abgeworfen und dich dort immer „nur“ entspannt hättest, wäre der Ballast ja noch da und unbearbeitet geblieben. Ich bin sicher, du hast dort und in Kiel bestimmt dir hilfreiche „Werkzeuge“ mitnehmen können.

    Die Hausarbeit ist teilweise delegiert, mehr Delegation ist aus verschiedenen Gründen nicht möglich.

    Das denke ich auch manchmal, entdecke bei näherer Betrachtung aber doch noch das eine oder andere Potential und Möglichkeiten, die bislang unmöglich schienen 😉!

    Auch eine ‚Flucht‘ in die Arbeitsunfähigkeit, die problemlos möglich ist, kommt für mich nicht in Betracht. Eine weitere Stundenreduzierung scheidet ebenso aus.

    Vielleicht ist das eine Frage des Blickwinkels. Wäre es wirklich eine „Flucht“ in die AU oder eher eine Notwendigkeit FÜR dich und deine Gesundheit?

    Vielleicht ist es so, wie Sternchen und Heika schon schreiben: möglicherweise wirst du eine Regulierung an eventuell doch noch vorhandenen Stellschrauben und mehr oder weniger große Abstriche vornehmen müssen, um dich selbst zu schützen und für dich zu sorgen. Vielleicht kannst du zusammen mit deinem Arbeitgeber ein für beide Seiten geeignetes Konzept erarbeiten.

    Wie integriert ihr Achtsamkeit und Entspannung in den Tagesablauf?

    Da halte ich es wie du, liebe Alchemilla: möglichst GANZ bei dem zu sein, wo oder wobei ich gerade JETZT bin. In seinem Lied „Ganz einfach“ besingt Gerhard Schöne sehr klar, wie das geht mit der Achtsamkeit…!

    Entspannung lässt sich als fester Termin im Tagesablauf planen oder auch flexibel gestalten – je nachdem, wie man es selbst am liebsten mag. Dabei ist es wichtig, dass sich das Entspannungsverfahren – welcher Art auch immer – ohne Zeitdruck oder Ablenkung gestalten lässt. Wird z.B. die PMR immer zur gleichen Zeit und am selben Ort durchgeführt, kann es passieren, dass die Entspannung mit der Zeit schon „automatisch“ einsetzt, sobald sich der Zeitpunkt und man sich selbst seinem gewohnten Platz nähert. Ein Verwandter berichtete mal von einem Kollegen, der nur noch an dem Stuhl, auf dem er die PMR praktiziert hat, vorbeigehen brauchte, kurz den gesamten Körper anspannte, die Anspannung abschüttelte und danach sofort tiefenentspannt war. Um dahin zu kommen, braucht es wohl ein ausdauerndes und geduldiges Maß an Übung!

    Wenn dir meine Überlegungen oder Teile davon zu viel sind, dann klopfe mir gerne auf die Finger 😉!

    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute, erholsame und genüssliche Urlaubstage!
    Katrin

    Viva la Vida! 🍀

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 month, 1 week von Katrin.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 month, 1 week von Katrin.
    Chroninchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 89

    Vielen lieben Dank für eure Beiträge.

    Dass meine beiden Kollegen ausgefallen sind, liegt an der beruflichen Veränderung bei dem Einen und einem ganz frischen „burn out“ des Anderen – beides war nicht lange vorhersehbar oder planbar. Naja, der Zusammenbruch war schon vorhersehbar, aber es fehlte die Einsicht des Betroffenen…

    Soweit möchte ich es nicht kommen lassen, nicht bei meiner restlichen Truppe und erst recht nicht bei mir.

    Es liegt mir fern, liebe Alchemilla, Perfektionismus von mir zu verlangen. Allerdings habe ich eine selbstaufopferungsmäßige Ader, die sowohl genetisch, wie auch durch Erziehung geprägt ist. (Dieses Verhalten ist u.a. typisch für viele an Depressionen erkrankte Menschen.) Das zu kontrollieren, gehört nicht gerade zu den einfachen Dingen in meinem Leben.

    Du, liebe Katrin, hast mir einiges zum Nachdenken gegeben – die Fragen gestellt, die ich eigentlich nicht hören möchte 🙁 , aber das ist gut so. Ich werde sicherlich einige Tage damit zubringen, darüber nachzudenken und ‚versteckte Stellschrauben‘ zu finden.

    Meine Psychotherapie war nicht nur zum ‚Ballast abladen‘, aber es war ein Teil davon. Es war keine Schmerztherapie, auch wenn dieser Bereich ebenso seinen Platz hatte. Vor fünf Jahren befand ich mich in einer akuten seelischen Krise, aus der es für mich kein Entkommen gab. Durch die Therapie habe ich erstmalig gelernt, wie ich ein selbstbestimmtes Leben führen kann, auch wenn es mit der Umsetzung noch oft hapert. Aber ich arbeite daran 😉

    Im Beruf ist jeder ersetzbar – auch ich, das weiß ich wohl. Ich weiß auch, das ich das Arbeitspensum nicht schaffen kann und versuche es auch gar nicht erst.

    Mein Fokus im Beruf liegt momentan darauf, mich und meine mir sehr lieb gewordenen Kollegen einigermaßen heile durch diese chaotische Arbeitsphase durchzubringen. Stress mit den Kunden ist dabei allerdings vorprogrammiert …

    Der Austausch und die von euch gestellten Fragen helfen mir, mich zu entspannen (ja ja, ich weiß, das nicht diese Art Entspannung gemeint ist, Heika 🙂 ) und auch mal die Perspektive zu wechseln. Das ermöglicht es mir wiederum, Ideen und Pläne zu entwickeln, um die Situation leichter zu machen.

    Letzten Endes muss ich mir selber helfen, aber mit Denkanstößen von außen ist es nunmal einfacher.

    Darum danke ich euch für eure Beiträge und umarme euch alle aus der Ferne.

    Liebe Grüße aus der Eifel (statt dem platten ostfriesischen Land)
    Chroninchen

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