Chronische Migräne: Vorstellung von muddle

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  • Muddle
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    Hallo zusammen,

    da ich hier schon länger mitlese und in den letzten Wochen die ein oder andere Frage gestellt habe, möchte ich mich nun auch hier vorstellen.

    Ich bin 27 Jahre halt und habe bereits seit meiner Kindheit Kopfschmerzen; Migräne wurde schon lange vermutet und mit 15 diagnostiziert. Lange Zeit hatte ich typische Attacken über ca. 2 Tage mit Übelkeit, oft nur alle ein bis zwei Monate. Aber je älter ich wurde desto häufiger trat der Kopfschmerz auf, mal Spannungskopfschmerz, mal Migräne.

    Chronisch wurde es vermutlich mit 20. Zu dieser Zeit hatte ich berufliche sowie private Schwierigkeiten und das erste Mal durchgehend 3 Monate Schmerzen, die teilweise mit Ibuprofen, teilweise mit Triptanen behandelt wurden. Nach einem Jahr Arbeitsunfähigkeit, ausgelöst durch die Schmerzen, aber mit weiteren psychischen Hintergründen, entschied ich mich einen anderen beruflichen Weg einzuschlagen.

    Leider traten die Schmerzen seitdem trotzdem immer häufiger und immer stärker auf und hinzu kam ein täglicher morgendlicher Kopf-, Kiefer- und Gesichtsschmerz durch Bruxismus. Ich habe schon in meiner Jugend mit den Zähnen geknirscht, aber es wurde immer schlimmer (mehr Pressen, weniger Knirschen), so dass ich meine letzte Aufbissschiene innerhalb von zwei Wochen „durchgebissen“ habe (und das war längst nicht die erste). Ich habe mir daher nun auf eigene Kosten eine sog. nti-TSS-Schiene anpassen lassen. Leider ist der Schmerz aber der Gleiche.

    Einen täglichen Schmerz habe ich nun seit drei Jahren (vermutet wurde an ca. 10 Tagen Migräne, an den restlichen Tagen Spannungskopfschmerzen). Magnesium zur Prophylaxe nehme ich schon seit einigen Jahren; zudem Antidepressiva (musste ich nun aber absetzen). Hinzu kamen dann erste Versuche mit einem Betablocker (Metoprolol) und danach mit Antiepileptika (Topiramat).

    Bei einem Aufenthalt in Kiel vor einem halben Jahr wurde aber festgestellt, dass auch der vermeintliche Spannungskopfschmerz eine Migräne ist, da sich der Schmerz bei Bewegung verschlechterte und ich oft gar nicht in der Lage war die sportlichen Aktivitäten mitzumachen. Durch diese neue Erkenntnis ergab sich: Migräne an jedem Tag! Ich glaube ich habe meinen Schmerz lange Zeit auch selbst immer „kleingemacht“, ich habe ihn ständig versucht zu ignorieren, einfach nur funktioniert und vor anderen nur ganz selten überhaupt erwähnt, dass ich Schmerzen habe. Leider auch bei Ärzten 🙁

    Nunja, kurzum: Noch in Kiel wurde mir Botox gespritzt. Das war eine solche Erleichterung! Zwar hatte ich immer noch tägliche Schmerzen, aber oft nur sehr unterschwellig, d.h. ich kam damit super über den Tag und konnte meiner Arbeit und meinem Studium gut nachgehen.

    Der Status Quo: Ich bin nun in der 16. Woche schwanger, konnte daher keine Botox-Auffrischung machen und musste die Antidepressiva absetzen und durchlebe die Hölle! Ich muss das einfach so sagen… Als Prophylaxe nehme ich gerade nur Magnesium und Vitamin B2, bekomme außerdem derzeit manuelle Therapie, die aber immer wieder auch Migräne auslöst. Ich habe jeden Tag starke Schmerzen und kann quasi nichts machen. Ich bin froh, wenn ich es an einem Tag schaffe Wäsche zu machen und den Geschirrspüler auszuräumen. Mehr ist nicht drin. Für meinen Nebenjob habe ich nun ein Beschäftigungsverbot, das Studium liegt quasi brach (bin weiterhin immatrikuliert, habe aber in den letzten zwei Wochen gerade mal ca. 10 Seiten lesen können). Ich mache mir unheimliche Gedanken darüber, wie es weitergeht, wie ich die Schwangerschaft durchstehen
    und wie ich die Stillzeit meistern soll. Ich bin fertig mit den Nerven und werde immer deprimierter.

    Mir macht das alle unheimliche Sorgen vor der Zukunft und ich weiß manchmal selbst nicht mehr, was ich noch tun soll. Als wäre mein „Normalzustand“ nicht schon schlimm genug, gehöre ich nun scheinbar zu den 30%, die während der Schwangerschaft keine Besserung erfahren. Ich bin sowieso schon darauf angewiesen, mein Leben anders zu leben als andere Gleichaltrige. Ich gehe nie weg, habe einen regelmäßigen Tagesablauf, trinke keinen Alkohol, versuche auf die Ernährung zu achten, und und und. Und jetzt? Jetzt liegt alles komplett brach. An Verabredungen brauche ich gar nicht denken, Planung ist ein Fremdwort, selbst SMS schreiben oder telefonieren sind mir einfach zu viel. Ich hatte so gehofft, dass ich wenigstens in der Schwangerschaft ein wenig mehr Glück habe.

    Nunja….das ist also der aktuelle Stand. Ich hoffe, dass ich alles einigermaßen verständlich darstellen konnte und freue mich auf einen weiterhin tollen Austausch hier.

    Liebe Grüße,
    muddle

    Evken
    Teilnehmer
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    Du liebe,
    Erstmal herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft ! Ein neues Leben ist einfach ein Wunder und glaub mir- wenn du dein Baby im Arm hältst wirst du voller Liebe überschäumen 🙂

    Es tut mir sehr leid dass du so schwer betroffen bist von der Migräne ! Du hast wirklich schon viel durchmachen müssen !

    Ich möchte dir erstmal etwas Zuversicht zusprechen : du bist noch nicht sehr weit in der SS und deine Situation kann sich wirklich noch bessern . Auch die Stillteit sorgt für ein hormonelles Gleichgewicht und vielleicht geht es dir dann viel besser ! Versuch vom Guten auszugehen !

    Hast du einen guten Neurologen ? Natürlich sollte man in der SS möglichst keine Medikamente nehmen ….aber auch da gibt es Ausnahmen . Es gibt bestimmte Antidepressiva die sehr gut in SS erprobt sind . Ein schlechter seelischer Zustand ist nämlich auch für dich und das Kind nicht gut ( natürlich alles unter strenger Kosten – Nutzen Abwägung ).
    Hast du diesbezüglich mit deinem Arzt reden können ?

    Ich drücke dir fest die Daumen dass sich alles zum Guten wendet und die Migränetage weniger werden !!

    Ich hatte in den ersten 16. Wochen meiner SS auch so furchtbare Attacken ……da habe ich mir einen kleinen Strampler gekauft und ihn mit ins Bett genommen , da wusste ich immer wofür ich das aushalte ( hört sich jetzt pathetisch an …aber mir hat es geholfen )

    Bettina und die anderen Lieben hier im Forum werden die bestimmt noch hilfreiche Dinge schreiben !

    Liebe Grüße
    Eva

    Muddle
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 44

    Vielen lieben Dank für deine Worte, Eva!

    Ich muss gleich als erstes mal auf den Strampler eingehen 🙂 Mein Freund hat mir zum Geburtstag, als der Kinderwunsch schon bestand, ich aber noch nicht schwanger war, einen knuddeligen Kuschelanzug (so ein weicher mit Ohren dran für den Winter) in Gr. 56 geschenkt. Und mit dem mache ich genau das, was Du geschrieben hast: Wenn es ganz besonders schlimm ist, kuschel ich damit. Das bringt einen für einen Moment wieder auf schöne Gedanken und hält mir vor Augen, wofür ich das durchmache 🙂

    Meine Therapeutin hat mich zwischenzeitlich schon gefragt, ob es Momente gibt, in denen ich die Entscheidung zur Schwangerschaft bereue. Aber ich muss sagen, trotz der wirklich schlimmen Schmerzen kam mir das zum Glück noch nie in den Sinn. Ich habe vorher lange überlegt, ob ich mir ein Kind mit den chronischen Schmerzen überhaupt „zumuten“ kann, hatte immer Angst davor es nicht richtig versorgen zu können, nicht richtig da sein zu können und mir zu viel aufzuhalsen. Aber der Kinderwunsch war einfach riesig und ich hatte in den letzten Jahren viele Einbußen wegen der Schmerzen, da lasse ich mir DAS nicht auch noch nehmen! 🙂

    Bislang habe ich in der Schwangerschaft immer noch gehofft, dass es ab dem zweiten Trimester besser wird, aber mit jedem Tag schwindet die Hoffnung mehr. Ich liege jetzt seit der 6. Woche flach und bin auch seitdem schon krankgeschrieben bzw. jetzt im Beschäftigungsverbot. Aber ganz habe ich die Hoffnung trotzdem noch nicht aufgegeben, ein kleines bisschen bleibt mir immer noch. Wurden deine Attacken ab der 16. Woche besser?

    Meine Neurologin hat mir für den Notfall Tavor verschrieben, aber bezüglich prophylaktischer Maßnahmen hat sie nichts gesagt. Ich habe bis zur Schwangerschaft noch Doxepin und Venlafaxin genommen, was ich dann natürlich abgesetzt habe. Meine Stimmung ist zum Glück trotzdem einigermaßen okay – zumindest so, dass ich davon ausgehen kann, dass es meinem Baby nicht schadet. Da kenne ich aus vergangenen Jahren weitaus Schlimmeres. Ich bin aber seit Beginn der Schwangerschaft extrem geräuschempfindlich und ich habe die Vermutung, dass das mit dem fehlenden Venlafaxin zusammenhängt. Das hat mich so schön in Watte gepackt und von meiner Umwelt abgeschirmt. Normalerweise kenne ich die Geräuschempfindlichkeit nur bei mind. mittelgradigen Schmerzen, jetzt habe ich das aber dauerhaft und renne ständig mit Ohropax rum 🙁 Und ich merke genau, wenn ich mich zu viel Geräuschen aussetze, werden die Schmerzen schlimmer. Mein ganzer Tag besteht aus „Ich mache jetzt mal XY; oh ich muss aufhören und ich mich wieder hinlegen; ah es wird wieder; nein ich muss mich wieder ausruhen und kühlen; okay es wird besser, ich kann jetzt kurz lesen; nein jetzt ist es ganz schlimm, ich gehe ins Bett.“ Ziemlich anstrengend!

    Liebe Grüße,
    muddle

    Evken
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 484

    Liebe Muddle,
    Toll dass du deinem Kinderwunsch gefolgt bist . Wenn der innere Wunsch stark genug ist dann sollte man sich davon nicht abhalten lassen !!!

    Ja, bei mir wurde es ab ca. 19. Woche alles besser! (Auch meine fürchterliche Übelkeit )
    In der Stillzeit (10 Monate ) hatte ich keine Periode und null Migräne! Und emotional war ich tiefenentspannt …..was nicht wirklich meinem Naturell entspricht 🙂
    Ich bin eher schnell angespannt und hatte auch eine heftige Angststörung , weswegen ich auch Venlafaxin nehme !

    Natürlich kamen nach der Stillzeit die Attacken wieder und es war und ist oft nicht leicht mit unserem Sohn ( jetzt 5) …..aber ich habe es NIE bereut ihn bekommen zu haben !!!

    Viele liebe Grüße

    Alinya
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 35

    Liebe muddle,

    oh man, ich leide echt mit, wenn ich deine Geschichte lese. Es erinnert mich an meine eigene Schwangerschaft, bei der ich auch ziemlich kämpfen musste.

    Aber es hat sich gelohnt 😉 und mein Mann und ich haben uns nach ziemlich kurzer Zeit für ein zweites Kind entschieden. Die zweite Schwangerschaft war dann noch anstrengender, zum einen wegen des ersten Kindes, das noch keine zwei Jahre alt war, zum anderen wegen der Migräne. Ich habe dann auch ein Beschäftigungsverbot bekommen und als gar nichts mehr ging für zwei Wochen eine Haushaltshilfe, die täglich kam und mich unterstützt hat.

    Und dann, so ab dem fünften Monat, verschwand langsam die Migräne und ich konnte noch eine unbeschwerte Restschwangerschaft genießen!

    Es lohnt sich, die Hoffnung nicht aufzugeben.

    Viele liebe Grüße
    Alinya

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28315

    Liebe Muddle,

    auch von mir ganz herzliche Glückwünsche zur Schwangerschaft. 🙂

    Das ist so schön und ich freue mich für Dich, denn Dein Kinderwunsch konnte durch die Migräne nicht gebremst werden. Bei mir war das auch so, dass ich mich trotz chronischer Migräne für meine Kinder entschieden hatte. Meine Schwangerschaften verliefen schmerzmäßig übrigens sehr gut. Bei der zweiten Schwangerschaft hatte ich allerdings bis zum 5. Monat auch Attacken.

    Du bist noch nicht sehr weit, sodass Du zurecht hoffen kannst, dass die Migräne in den nächsten ein bis zwei Wochen deutlich besser wird. Magnesiuminfusionen können übrigens sehr effektiv helfen, erkundige Dich bei Deinem Arzt mal danach. Vitamin B2 sollte man in der Schwangerschaft lieber nicht einnehmen, da es keine Erfahrungswerte dazu gibt. Magnesium kann bis zum Ende der Schwangerschaft eingenommen werden, wenn der Arzt das Ok dazu gibt.

    Sonst würde ich abraten von weiteren Medikamenten, auch das Tavor würde ich nicht nehmen.

    Hast Du es schon mal mit Akupunktur versucht? Gerade in der Schwangerschaft sprechen manche recht gut darauf an. Einfach alles testen, was der alternative Markt so hergibt. 😉 Nun ja, halt nichts Abwegiges und Sonderbares. 🙂

    Halte durch, es kann eigentlich nur besser werden!

    Alles Gute und liebe Grüße
    Bettina

    Mona
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 59

    Liebe Muddle,

    herzlichen Glückwunsch zur Schwangersch