Chronischer Spannungskopfschmerz – Mein Verlauf – meine Fragezeichen(Zonk)

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  • Torsten (2)
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    Hallo liebe Community,

    Mein Name ist Torsten. Da dieser Name schon vergeben war, habe ich einen alten Spitznamen ausgebuddelt. Beim Bund habe ich immer die letzten Aufgaben abbekommen und ensprechend schnell den Spitznamen (nach dem roten Tierchen von „Geh auf´s Ganze“) erhalten ?

    Ich bin froh, dass ich über die Schmerz-App diese Community gefunden habe. Schön hier Menschen zu treffen, die ähnliche oder doch deutlich schlimmere Sorgen mit dem Kopf haben. Ich lese schon einige Tage mit und habe fast Skrupel, meinen Verlauf zu schreiben, da es vielen hier doch deutlich unglücklicher ergeht als mir. Dennoch würde ich mich hier gerne kurz vorstellen und auch meine „Fragezeichen“ platzieren.

    Ich habe schon in meiner Jugend immer mal wieder Spannungskopfschmerzen gehabt. Ich bin sehr schlank und hatte auch schon früh Probleme mit dem Rücken. Früher gab es von Mutti ? dann immer eine Aspirin.
    Schnell habe ich gemerkt, dass ich unter hohem Stress schnell diese Kopfschmerzen bekomme. Mit Akutmedizin ging das aber immer ganz gut. Ich habe das nie als außergewöhnlich betrachtet.
    Nach dem Studium ging es in den Job und mit zunehmender Karriere und zunehmenden Stress bekam ich auch immer häufiger Kopfschmerzen. 2014 hatte ich dann erstmalig über Wochen Spannungskopfschmerz und bin zum Neurologen (aus heutiger Sicht seinen Doktortitel nicht wert). Wir haben alles gecheckt, er diagnostizierte Spannungskopfschmerz, organisch alles in Ordnung. Ich solle mich mehr entspannen und was für die HWS tun. Tja, Physio habe ich schon lange. Sport habe ich früher viel gemacht, aber mit zunehmender beruflicher Verantwortung, dem Spagat zwischen Beruf, zwei Kindern und der Partnerschaft, kommen viele andere Dinge zu kurz. Heute ärgere ich mich, dass der Arzt nicht auf eine mögliche Chronifizierung aufmerksam gemacht hat. Ich hatte keine Ahnung und habe weitgehend weiter gemacht wie bisher. Im Herbst 2015 war ich dann am Ende, Ansatz von Burnout mit Kopfschmerzen. Mein Arzt hat mich drei Wochen rausgenommen. Nach der zweiten Woche hörten die Kopfschnmerzen auf. Nach drei Wochen ging es mir wieder gut. Also zurück in den Trott.

    Zur Jahreswende 2016/2017 waren die Kopfschmerzen wieder da. Seit dem durchgehend. Erst habe ich mich gewundert, das Ibu 600 nicht mehr wirkt. Hatte auch eine andere Marke als sonst, also meine Hausmarke geholt, die aber auch nicht mehr wirkte. Der Kopfschmerz wurd immer heftiger, so dass ich Mitte März wieder zum Neurologen bin. Er hat mir dann freundlich mitgeteilt, dass der Kopfschmerz nun chronisch ist und hat mir Anafranil aufgeschrieben. Ich bin dann in die Schmerztherapiepraxis hier vor Ort. Dor habe ich jetzt zwei mal die Woche Infusion mit Procain. Zudem nehme ich jetzt Amitrytilin 25mg. Physio, täglich 1,5 Stunden Sport und demnächst mal zum Osteophaten und zur Verhaltenstherapie.

    Ich habe es geschafft, in den letzten Wochen „nur“ 5 Ibu´s zu nehmen. Ich weiß ja, dass sie eh kaum helfen. Und ich habe Sorge vor Überdosierung.

    Ich hatte viel Zeit Dr. Google zu fragen und irgendwie liest man kaum hoffnungsvolle Beiträge. Nie liest man von Menschen, die den chronischen Schmerz besiegt haben. OK, ich kann mir vorstellen, dass jemand, der den Schmerz überwunden hat, nichts mehr postet. Oder gibt es sie tatsächlich nicht? Heißt Chronifizierung wirklich ein Leben lang?
    Durch die Behandlung sind die Schmerzen jetzt häufig zwischen 2 und 4, seltener schlagen sie aus. Dennoch möchte ich die Hoffnung nicht verlieren, evtl. irgendwann mal wieder einen Tag ohne zu sein.

    Gibt oder gab es hier schon mal Mitglieder, die den Schmerz besiegt haben?

    Und ist es richtig, dass man Amitryptilin min. 6 Monate nehmen sollte? Nach dem, was ich hier gelesen habe, ist mit einer Verschlimmerung der Schmerzen beim Absetzen zu rechnen.

    Ich tauch mal doch noch nicht zu sehr in die Fragezeichen ab, dafür sind die anderen Foren ggf. besser geeignet.

    In jedem Fall toll, dass es das Forum gibt. Ich habe nun auch schon die Erfahrung gemacht, dass jeder irgendeine kluge Idee dazu hat und einen Tipp, was ihm hilft. Alles gut gemeint, aber das Gegenteil von gut ist halt gut gemeint ?

    Lora
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 524

    Hallo Zonk,

    Ich habe vor 9 Jahren ein chronisches Spannungskopfschmerz besiegt. Ich hatte auch einen phobischen Schwankschwindel dazu. Der war auch weg.

    Ich habe Pfefferminz Öl verwendet (kennst du Euminz)? Auch habe ich moderates (!) Ausdauertraining gemacht: laufen, schwimmen, Fahrrad fahren. Und die Situationen, die mich psychisch stark belastet haben, haben sich gebessert.

    Verhaltenstherapie ist sehr gut!!

    Seit einigen Jahren habe ich schwerere Probleme und Verhaltenstherapie hilft mir die Stressquellen aufzudecken, einige Konflikte zu lösen etc.

    Ich würde die Hoffnung nicht verlieren.

    LG
    Lora

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28214

    Hallo Thorsten, herzlich willkommen im Headbook. 🙂

    Beim Spannungskopfschmerz kann man viel mit Verhalten erreichen, das ist die gute Nachricht. Die nicht so gute ist, dass der Spannungskopfschmerz im chronischen Bereich hartnäckig ist und man eine gute fachärztliche Betreuung benötigt.

    Amitriptylin ist Mittel der 1. Wahl beim Spannungskopfschmerz und sollte mindestens über eine Dauer von drei Monaten eingenommen werden, um die Wirkung beurteilen zu können. Manchen reicht auch schon eine niedrige Dosierung, da kann man dann individuell variieren. Man kann nach gut sechs oder neun Monaten durchaus mal einen Auslassversuch machen, Wenn es einem nach dem Absetzen wieder schlecht geht, zeigt das lediglich, dass die Unterstützung durch das Medikament weiter benötigt wird. In dem Fall kann man auch wieder mit der Einnahme starten.

    Man kann sehr wohl die Schmerzen in den Griff bekommen und vom chronischen in den episodischen Bereich wechseln. 🙂 Das ist ja das Ziel jeder guten Schmerztherapie.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Meredith
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 12

    Hallo Zonk
    Ich habe auch mit chronischem Spannungskopfschmerz zu tun. Gib nicht auf! Bei Dir könnte es sich doch auch um einen MÜK handeln, und ein erster Schritt ist bereits, dass Du von den Schmerzmedikamenten wegkommst. Ist super!
    Ich habe im Moment durch eine Behandlung mit Topiramat Hilfe gefunden. Es wird zwar eher bei Migräne eingesetzt, doch mir hilft es beim Spannungskopfweh. Ich habe, seit ich es nehme, deutlich weniger Kopfschmerzen, also auch wieder Tage ohne Kopfweh… an denen ich etwas aufatmen kann.
    Falls also Amitryptilin nichts hilft, wäre Topiramat für Dich ev. auch eine Option. Nur sehr sehr langsam einschleichen… das ist wichtig.
    Aber ich denke, es braucht wesentliche Veränderungen in der Lebensführung, Medikamente allein genügen nicht. Entspannung für Hals- und Nackenmuskulatur… seit ich weniger Scherzen habe, mache ich wieder Yoga, sehr sanft allerdings nur, das hilft auch. Osteopathie ist auch sehr sehr gut.
    Es ist möglich, dass der Schmerz wieder vergeht, dass es schmerzfreie Tage gibt, und diese immer zahlreicher werden, ganz sicher!
    herzlich
    Meredith

    Torsten (2)
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3

    Hallo nochmal,

    lieben Dank für die schnellen aufbauenenden Antworten. Dann kann ich ja weiter hoffen.

    @lora: Wie lange hattest Du denn den Kopfschmerz und war er auch durchgehend da?

    Ich glaube mit Amitryptin bin ich erst mal ganz gut unterwegs, aber den anderen Tipp werde ich mir mal merken.

    Ich denke auch, der Schlüssel liegt darin, was die Gedanken mit einem machen. Auf der Seite Psychotipps habe ich einige tolle Impulse gelesen. Ich werde sicher in meinem Arbeitsumfeld was verändern müssen und mich nicht als Opfer dieser Erkrankung sehen, sondern versuchen positiv zu denken. Nur ist halt nicht so einfach 😉
    Daher schön die Bestätigung zur Verhaltenstherapie. Hoffentlich hilf mir das auch.

    Noch mal Danke an Euch drei und einen schönen Abend noch…

    Lora
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 524

    Hallo Thorsten,

    Ich hatte das ca. 1 Jahr.
    Das war wie so ein Ring mit Deckel rund um den Kopf. Die Schmerzen waren morgens leicht, dann haben sie sich verstärkt und mittags waren sie am schlimmsten. Dann wurden die Schmerzen zum Abend hin wieder schwächer.

    Und ab und zu kam kurz Schwindel. Normalerweise während der Meetings, in der Kantine… Beim sitzen musste ich dann die Tischkante greifen. Ich hatte das Gefühl, ich werde gleich vom Stuhl runter fallen.

    LG
    Lora

    Niklas
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4

    Hey Torsten,

    mein Schmerzverlauf kommt deinem sehr ähnlich. 
Ich bin 21 Jahre alt, auch sehr schlank, habe schon seit einigen Jahren Probleme mit meinem Rücken, starke Verspannungen im Nackenbereich und seit meiner Jugend chronische Spannungskopfschmerzen (durchgehend). 


    Momentan habe ich kein Schmerzmedikament, welches mir gut hilft. Diclofenac, Aspirin, Paracetamol, Novamin, … schlagen kaum oder gar nicht an. Ibuprofen bringt ein bisschen was. Welches Medikament nimmst du nun bei Akutfällen? Weiterhin Ibuprofen obwohl es nicht so super wirkt?


    Zwei Versuche mit Amitriptylin (75mg/Tag) haben bei mir leider keine große Wirkung bezüglich der Schmerzen gezeigt. Dafür konnte ich aber besser essen als sonst, was auch schön war. Ich drücke dir fest die Daumen, dass es bei dir besser wirkt! ✊?

    
Helfen dir die Infusionen mit Procain?

    LG
    Niklas

    Torsten (2)
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3

    Hallo Niklas,

    sorry, ich hatte Deinen Post grad erst gesehen. War ein paar Tage nicht online, denn ich muss sagen, dass es mir seit einer Woche deutlich besser geht. Meistens. Ich hatte sogar ein/zwei Momente, wo sich gefühlt der Schraubstock bisschen gelöst hat. In Summe bin ich da sehr froh drüber. Nach dem Austausch hier, hat das meine Hoffnung wieder beflügelt 😉

    Zu Deinen Fragen. Ja, ich nehme akut weiterhin Ibuprofen. Die schaffen es nicht, den Schmerz zu nehmen, lindern aber in der Schmerzspitze. Mein Formulierung von oben müsste ich korrigieren in „nicht mehr wirkt wie bisher“.
    Die Infusionen haben bei mir durchaus einen positiven Effekt. Danach geht es mir immer besser. Bei meinem ersten Termin hatte ich vorweg eine Flasche Paracetamol intravenös bekommen und dann das Procain. Die Kombi war ziemlich gut.
    In Summe scheinen alle Anstrengen im Moment einen positiven Effekt zu erzielen. Ich hoffe, dass es so weitergeht und der Mist zumindest temporär mal wieder verschwindet.

    Du hast auch von Rückenproblemen berichtet. Ich mache im Moment ca. 1 Stunde Ausdauersport und 30 Minuten ein Rückenworkout mit gezielen Übungen. Das hat auch einen positiven Effekt für meine Körperhaltung. Würde ich Dir auch empfehlen.

    LG
    Torsten

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