ein Mal köpfen bitte! (Schmerzverlauf von Charlene)

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  • Charlene
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    Hallo in die Runde! 🙂
    Da ich nun nach langem Warten endlich meinen Termin in der Klinik bekommen habe, erachtete ich es als praktisch, sich hier einmal anzumelden und ggf. auszutauschen.
    Mein Name ist Charlene, ich bin 26 Jahre alt und lebe in Essen.
    Ich arbeite derzeit als operationstechnische Assistentin in einer Herz- Thorax- Chirurgie in der hiesigen Universitätsklinik, eine der größten in ganz Deutschland. Ein Studium ist für dieses Jahr Oktober geplant. (Medizin, macht Sinn. Aber mittlerweile gibt es auch schon Alternativideen – nach 7 Jahren empfindet man die Wartezeit dann doch als ausreichend)

    Migräne liegt bei uns wohl schon in der Familie. Meine Tante ist betroffen, mein Onkel, mein Bruder liegt auch regelmäßig flach. Bei mir ist die Migräne schon seit dem Grundschulalter aufgetreten. Damals noch als „Faulfieber“ von den Eltern abgetan, ist sie jedoch seit ca. 2013 völlig entartet. Ich hatte auch vorher schon viel mit Migräne zu tun – ehrlichgesagt habe ich aber versorgungstechnisch jedoch so ungefähr alles falsch gemacht, was man falsch machen kann -.-‚ 😀

    Natürlich war ich am Anfang nie wirklich beim Arzt. Nachdem meine Eltern damals das Faulfieber ausgeschlossen hatte, fragte man einfach mal in der Apotheke unseres Vertrauens um Rat. Da hat man dann damals seine freiverkäuflichen Triptane bekommen nach dem Motto „Wenn das hilft, dann ist es Migräne. Wenn nicht, dann nicht.“
    Die Wunderpillen halfen vorzüglich, allerdings hatte ich auch immer schon mit deren Nebenwirkungen zu kämpfen.
    Schon während meiner Abi-Zeit machte ich nebenbei eine Ausbildung zum Rettungssanitäter – super! Medizin!
    Leider sind diese Art von Leute natürlich die schlimmsten Patienten… wieder nicht zum Arzt, sondern die Kollegen aus Krankenhäusern und Co. versorgten einen dann mal spontan mit Triptanen, Infusionen oder diesem Ascotop (?!) Nasenspray – leider war dies ja sowas von grausam, danach konnte ich den Meistertitel im Weiterbrechen holen.
    2013 habe ich dann meine Ausbildung als OTA angefangen. Und in der Zeit hat sich die ganze Sache schon verschärft. Abermals schoben meine Eltern die ganzen Kopfschmerzen auf den Stress, den wenigen Schlaf, das Pendeln zwischen Dortmund und Essen (ich wohnte damals bei meinem damaligen Freund) und und und. Aber ich entschied mich dann doch ein Mal, zum Arzt zu gehen. Zum Neurologen, um genau zu sein. Eine Praxis, die auf Migräne spezialisiert war sollte es sein. Dort einen Termin bekommen, erklärte man mir schon nach kurzer Befragung, dass es Migräne sei, dass man vorsichtshalber noch ein CT machen würde, um alles andere auszuschließen und schickte mich dann mit einem Migränetagebuch und einer Packung Triptane und MCP nach Hause. Zu einem weiteren Termin dort kam es dann leider nicht mehr, da mir dieser außerhalb der Öffnungszeiten gegeben wurde und somit war das ohnehin zaghafte Vertrauen ganz dahin.
    Ich muss ja ehrlich sagen, die Mediziner sind ja nicht gerade die Patienten mit der größten Compliance 😉 ich weiß, ich hätte dran bleiben sollen, aber durch die verschriebenen Triptane hatte ich mich jedoch bestätigt gefühlt, dass man eh nicht viel mehr für mich tun könnte/würde.
    Also 1,5 Jahre weiter selbst therapiert.

    Bis zum September 2015. Ein Tag, den ich so schnell nicht vergessen werde und der mir bis heute bei jeder anfliegenden Migräne Angst macht: ich arbeitete im OP und hatte ein Mal mehr Kopfschmerzen. Ich wollte aber nicht schon wiiieeeder früher gehen, da es mein letzter Tag in der Abteilung war und ich das genießen wollte. Ein Fehler! Um 14 Uhr wurde ich dann doch vorzeitig geschickt, weil nichts mehr ging. Die Migräne war kaum zu ertragen. Ich sah schon nur noch verschwommen, der Kopf schien rechtsseitig zu platzen, alles war wie dumpf und taub – nur schnell weg hier.
    Ich weiß noch dass ich auf dem Weg nach Hause versucht hatte, überall anzurufen, weil ich Angst hatte, den Weg nach Hause nicht mehr zu schaffen, aber es nahm zu Hause keiner mehr ab. Ich sprach meinem Großvater auf die Mailbox, nur noch verzweifelt weinend, dass ich nicht weiß, was hier gerade passiere und dass ich mich mit meinem Auto in die nächste Seitenstraße stellen würde. Anschließend weiß ich leider nicht mehr all zu viel. Ich weiß noch, dass ich nur noch sterben wollte. Ich lag im Auto, habe geweint und mein einziger Gedanke war, wann man denn endlich vor Schmerz bewusstlos würde. Irgendwann trafen meine Eltern ein, ich konnte nichts mehr! Nicht sprechen, kaum noch bewegen… Ich weiß nur, dass ich ein weinendes, schreiendes „AUA“ raus brachte und mich selber voll sabberte. Also ab in die Klinik. Notfall CT gemacht um eine Hirnblutung auszuschließen – nichts. Eine Migräne des Jahrtausends. Ich bekam etwas zum Schlafen und etwas gegen die Migräne. Eine Zeit lang war ich nicht ansprechbar, aber danach ging es.
    Das war echt schon der Moment wo ich dachte, es müsse etwas passieren.
    Aber das war wieder nicht so leicht o.O
    Man empfahl mir eine Migräneprophylaxe in Form von Beta Blockern, aber da ich einen bis dato unbekannten Herzfehler hatte, der zwar symptomatisch bekannt, allerdings noch nicht diagnostiziert wurde, war das keine Option.
    Wieder erst ein Mal weiter, ohne dass so wirklich etwas passiert.
    Durch die Nebenwirkung der Triptane wurde ich etwas vorsichtig, bis man mir dann Mischpräparate verpasste – und das war mein Untergang, wie sich heute zeigen würde!

    Unabhängig von den Medikamenten ist die Migräne mittlerweile völlig entartet. Aufgrund meiner Lichtempfindlichkeit halte ich mich seit Jahren draußen schon beinahe ausschließlich mit Sonnenbrille auf. Man macht sich schon lustig über mich, da ich selbst bei Wolkenhimmel immer ausgestattet bin. Leider machen die OP – Lampen das Disaster nicht besser und sterile Sonnenbrillen haben wir noch nicht im Sortiment. Insgesamt habe ich das Gefühl, ich kann nur die wenigsten Trigger selber benennen: Licht, Klimaanlagen bzw. Heizungen, Wetterumschwünge, Schichtwechsel, zu langer Schlaf…
    Ich lebe derzeit beinahe täglich mit Kopfschmerzen. Auf der Arbeit sind Triptane allerdings für mich tabu also habe ich die Wahl: Kombipräparate (wie zb Thomapyrin Intensiv) und hoffen, dass man über den Tag kommt, oder ein Mal wieder zur Last der Kollegen krank melden. Ganz besonders gut kommt das an, wenn man schon auf der Arbeit ist 😉 Da könnte man sich lieber eine ganze Woche krank melden als AUF der Arbeit schlapp zu machen.
    Dieses Durchhalte- Denken führte leider aber oft schon dazu, dass sich klein – Charlene dann irgendwann von ihren Eltern abholen lassen durfte, weil ein selbstständiges Autofahren nicht mehr möglich war.

    Gott sei Dank hatte ich dann durch einen Hausarztwechsel einen Neurologen gefunden, der meine Kopfschmerzen ernst nahm und der bei meinen Erzählungen sofort an Kiel dachte! Denn es geht leider gar nichts mehr mittlerweile.
    Natürlich leide ich unter dem Medikamentenübergebrauch (ich glaube ihr nennt es MÜK oder so?!) Allerdings komme ich dann auch ab und zu mal 3-4 Tage komplett ohne eine Tablette aus, das ist aber leider sehr sehr selten.
    Ich bin kein Weichei, ich nehme nicht für jeden Kopfschmerz tabletten, ich glaube, ich habe mir schon ganz gut beigebracht auch mal zu verzichten.
    Aber ich kann einfach nicht mehr!
    Ich habe (fast) jeden gotterverdammten Tag Kopfschmerzen. Die Leute belächeln mich.
    „DIE JUGEND VON HEUTE IST NICHT MEHR BELASTBAR!“
    „DU BIST NOCH SO JUNG, DEINE SORGEN MÖCHTE ICH HABEN!“
    „DU HAST NUR KEINEN BOCK ZU ARBEITEN!“
    „JAJA, KOPFSCHMERZEN NENNT MAN DAS HEUTE“
    Das sind nur die harmlosesten Sachen, die man sich anhören kann. Ich kann bin nicht faul. Ich scheue mich nicht vor der Arbeit. Ich arbeite bis zu 24 Std am Stück ohne Pause (jaaaa, das gibt es!) und ich will trotzdem noch studieren – also mehr! Aber es geht langsam nichts mehr. Ich habe in einem Jahr 10 kg zugenommen, ich gehe nicht mehr mit Freunden weg, weil ich nach der Arbeit meistens mit Kopfschmerzen flach liege und versuche, die ohne Tablette in den Griff zu bekommen. Mit dem Reitsport habe ich nach 21 Jahren ganz aufgehört, weil das mit dem Helm und allem nicht geht. Im Turnierhundesport muss ich mich regelmäßig volldröhnen, da muss ich dann aufpassen dass ich nicht bald durch die Dopingkontrolle falle 😉
    Mein Hund ist es schon gewohnt, dass Frauchen nach der Arbeit erstmal minimum eine Stunde liegen muss.
    Und mein Freund…. Naja, der macht mir die größten Sorgen 🙁 Wir sind jetzt 1,5 Jahre zusammen und es ist echt ernst, aber genauso habe ich momentan unfassbare Angst, dass es an der Migräne scheitern wird. Ich gehe momentan jeden Tag (auch am Wochenende) um 9 ins Bett, wir gehen kaum aus, wir liegen eigentlich nur auf der Couch, ich weine vor Kopfschmerz, ich stöhne vor Kopfschmerz. Alles dreht sich um den Kopfschmerz.
    Eigentlich dreht sich der komplette Alltag nur um den Schmerz.
    Ich bin 26 Jahre alt und kaputt.
    Ständig würde ich am liebsten höchst persönlich craniotomieren oder besser : AMPUTIEREN!

    Ich weiß, es ist viel falsch gelaufen in der Vergangenheit, auch von mir aus. Aber so unglaublich wie das klingt: ich glaube Kiel ist so das Licht an meinem Ende des Kopfschmerztunnels. Ich erwarte keine Wunderheilung. Aber vielleicht gibt es ja eine Art „Reset“- Knopf, um den Teufel in meinem Kopf endlich Herr zu werden. Um zu verstehen, was mich manchmal in die Knie zieht.
    Das Ganze hier ist jetzt von mir sehr oberflächlich geschrieben, ich bin bei weitem noch nicht so eingearbeitet, belesen und behandelt wie ihr, aber ich freue mich auf den Austausch und die Infos, die ich für mich mitnehmen kann.

    DANKE <3

    Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 27906

    Willkommen bei uns, liebe Charlene. 🙂

    Ständig würde ich am liebsten höchst persönlich craniotomieren oder besser : AMPUTIEREN!

    Nein, das ist auch keine Option, denke an den möglichen Phantomschmerz. ?

    Aber jetzt mal im Ernst: So kann das nicht weitergehen, das ist Dir auch klar. Ich würde direkt mal Kiel anpeilen und danach konsequent ambulant dranbleiben. Du weißt jetzt, dass die Krankheit Dir im schlimmsten Fall Deine Zukunft versaut, wenn Du selbst sie nicht auch so ernst nimmst, wie sie ernstgenommen werden muss. Es ist alles wieder in den Griff zu bekommen und Du wirst auch studieren können, aber jetzt ist erst mal Deine Gesundheit dran.

    Sprich mit Deinem Arzt, was er vom stationären Aufenthalt in Kiel hält und wenn er es befürwortet, dann mache jetzt Nägel mit Köpfen. Zeit ist genug verschwendet worden, jetzt muss gehandelt werden.

    Bleib zuversichtlich, das wird schon werden, aber erst mal ist ein gewisser Weg vor Dir, der nicht so ganz einfach sein wird. Aber die meisten von uns sind ihn gegangen und können jetzt deutlich besser mit der Erkrankung leben als vorher. 😉

    Liebe Grüße
    Bettina

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5624

    Liebe Charlene,

    ich bin auch ständig auf der Suche nach einem neuen Kopf, doch immer, wenn ich im entsprechenden Geschäft ankomme, sind die schon aus ? . Wenn´s doch mal klappen sollte, nehm ich gleich einen für dich mit, versprochen ? .

    Wie gut, dass du nach Kiel kommst! Ich kann mir nicht vorstellen, dass man irgendwo besser aufgehoben sein kann als dort. Ich war selber Ende letzten Jahres zu einem Aufenthalt dort und es war einfach rundum superspitzenmäßig für mich.
    Obwohl ich schon so viel über Migräne weiß, gab es auch für mich noch Aspekte, die bei mir stärker in den Focus gerückt sind.

    Kennst du das Buch von Prof. Göbel „Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne“? Wenn du dir etwas Gutes tun möchtest, besorg es dir. Da steht wirklich alles drin, was für uns Kopfschmerzpatienten wichtig ist. Für den Kieler Aufenthalt bekommst du von der Klinik ein Buch zur Verfügung gestellt. Für den Fall, dass du nicht mehr lange hin hast, könntest du auch noch warten.

    An wie vielen Tagen pro Monat behandelst du denn mit Schmerzmitteln?

    Bei zu vielen Schmerzmitteln erschöpft sich dein Schmerzsystem komplett und es ist absehbar, dass dann irgendwann gar nichts mehr geht. Du schreibst ja selber, dass du völlig fertig bist, was auch mehr als verständlich ist.

    In Kiel wirst du umfassend aufgeklärt werden. Die wichtigste Lektion, die wir alle lernen müssen, ist, dass wir unser Leben entsprechend unserer Krankheit ausrichten müssen. Wir werden nie durch Medikamente zu dem Punkt kommen, dass wir so belastbar sind wie Gesunde und drauflos leben können, wie wir wollen. Viele versprechen sich von dem Aufenthalt in Kiel, dass dort Medikamente gefunden werden, die sie in einen Zustand versetzen, dass sie unbeschwert und ohne Schmerzen ihren Alltag wie gewünscht leben können. Doch das funktioniert nicht. Angepasstes Verhalten gehört genauso dazu.

    Und was deine persönliche Beziehung betrifft, ist das Allerwichtigste das Gespräch. Rede mit deinem Partner, wie stark ihn die Situation belastet, was ihm fehlt, was er sich anders wünschen würde. Aus seiner Sicht kann manches anders empfunden werden, als du es dir aktuell vorstellst. Wir Schmerzpatienten sind oft das personifizierte schlechte Gewissen unseren Familien gegenüber, was wir ihnen „zumuten“. Ja, der Partner, die Familie sind immer auch mit betroffen und müssen oft zurückstecken. Das ist nicht immer einfach.

    Doch wir müssen das in anderen Bereichen bei ihnen auch! Nobody ist perfect. ?

    Und wenn dein Partner heute einen Unfall hätte und im Rollstuhl sitzen würde, würdest du ihn dann verlassen?
    Dein gesundheitliches Problem ist heute bekannt, was die Zukunft für euch beide bringen wird, wisst ihr nicht. Für mich persönlich ist eine stabile Beziehung das tiefe „Ja“ zu dem anderen, in guten wie in schlechten Zeiten.

    Und so, wie es aktuell bei dir ist, wird es nicht bleiben. Wenn das, was bislang schief gelaufen ist, gerade gerückt wird und du ein vernünftiges Konzept an der Hand hast, wird es sich zum Besseren wenden. Ganz sicher!

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Monate, 1 Woche von  heika.
    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 528

    Liebe Charlene,

    schön, dass du hierher gefunden hast, fühle dich herzlich willkommen!
    Bald wirst du wertvolle Hilfe und hervorragende medizinische Betreuung in Kiel erhalten. Ich wünsche dir einen angenehmen Aufenthalt mit regem und reichen Austausch und einen großen Koffer voll mit neuem Wissen!

    Nein!!! Bitte nicht köpfen!!! Du bist mit deinem Kopf – auch wenn er schmerzt – wie alle Menschen EINMALIG und WERTVOLL! Dich gibt es so nicht nochmal, also: Kopf ab wäre ein sehr großer Verlust!!!

    Eigentlich dreht sich der komplette Alltag nur um den Schmerz.

    Da der Schmerz sicher einen (großen) Teil deines Alltags bestimmt, ist das verständlich. Aber er muss nicht zwangsläufig Dreh- und Angelpunkt in deinem Leben sein. Du wirst Wege finden, ihm einen kleineren, angemesseneren Raum zuzuweisen und deinen Blick auf das Schöne in deinem Leben zu erweitern.

    Wichtig ist, ein Schritt nach dem anderen zu gehen, um der Gefahr einer Überforderung vorzubeugen. Mir scheint, jetzt hätten erstmal die Aneignung von Wissen über deine Erkrankung und das Finden eines kompetenten Arztes, von dem du dich gut begleitet fühlst, oberste Priorität.

    Grundsätzlich stimme ich dir, liebe Heika, in deinem folgenden Satz zu:

    Und was deine persönliche Beziehung betrifft, ist das Allerwichtigste das Gespräch.

    Ich glaube, dass folgender Aspekt sehr wichtig im Umgang miteinander und mit der Krankheit ist, vielleicht beinhalten deine Zeilen diesen auch.

    Den Partner im Groben darüber zu informieren, was für eine Erkrankung Migräne ist und wie unser Migräne-Hirn „tickt“, kann für ein besseres Verständnis sorgen. Wichtig halte ich ein Gespräch miteinander über die eigene Wahrnehmung und die des Partners, die eigenen Wünsche und die des Partners, die eigenen Erwartungen und die des Partners, ohne sich gegenseitig Vorwürfe zu machen oder Verhaltensänderungen vom jeweils Anderen zu fordern. Denn die Bedürfnisse und Wünsche des Einen sind nicht wichtiger oder unwichtiger als die des Anderen. Um herauszufinden, ob und inwieweit Erwartungen realistisch, angemessen und überhaupt berechtigt sind, kann ein Gespräch sehr hilfreich sein.

    Selbst mit einem ausgeprägten Einfühlungsvermögen wird jemand, der diese Erkrankung nicht hat, niemals in Gänze nachvollziehen können, wie dieser Schmerz persönlich empfunden wird und was er mit uns macht. Und mittlerweile glaube ich, dass der Partner oder wer auch immer es nicht verstehen muss.

    Entscheidend ist – so glaube ich – gemeinsame und persönliche Wege im Umgang miteinander und mit der Krankheit zu finden und realistische Ziele zu formulieren. Umgang und Ziele können und dürfen sich voneinander unterscheiden, was bedeutet, sich selbst und dem Anderen gegenüber Zugeständnisse zu machen, ohne sich selbst dabei verbiegen oder unterordnen zu müssen. Wichtig ist, dass jeder begreift, dass wir als „Kranke“ nicht dafür verantwortlich sind, ob und wie der „Gesunde“ mit uns und unserer Krankheit umgeht und/oder uns mit unserer Krankheit annehmen kann. Jeder hat seine eigene Verantwortung, was durchaus einschließen kann, dass eine gegenseitige Unterstützung möglich ist!

    Das ist neben den Herausforderungen des Lebens eine weitere große, der man sich in gegenseitigem Respekt, Sich-Lassen und Achtung voreinander stellen kann. Es wird immer wieder auch Tage geben, an denen man an seine individuellen Grenzen stößt und man nicht mit dem Anderen und seiner Krankheit oder seiner Gesundheit umgehen kann. Dies gilt es nicht als Versagen zu werten sondern als dazugehörig anzunehmen, was schwierig erscheinen mag, aber dennoch möglich ist.

    Dir, liebe Charlene, und allen alles Gute!
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Monate, 1 Woche von  Katrin.
    Charlene
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 16

    Lieben Dank für diese lieben und aufbauenden ersten Worte!
    Wie im obrigen Post schon erwähnt, ergriff mein neuer Neurologe DIREKT diese Kiel – Alternative und ich bin ihm unfassbar dankbar, dass er mir diese Therapiemöglichkeit vorgestellt und initiiert hat. Da wäre ich wahrscheinlich alleine nicht wirklich drauf gekommen und hätte mich meinem „Schicksal“ ergeben.
    Ein wenig Angst bzw. extreme Neugier (also Angst im positiven Sinne) überkommt mich allerdings doch schon – jeden Tag zermahlt man sich den Kopf, was einen dort so erwartet, wie die Zeit so wird, ob man etwas für sich mitnehmen kann, in wie fern diese ganzen Ratschläge und Lebensmodulationen überhaupt in den Alltag integriert werden können.
    Aber da habe ich ja auch schon gesehen, dass es X Forengruppen hier gibt, die ich gar nicht so schnell verinnerlichen kann, wie mir Lesezeit zur Verfügung steht 😀

    Dieses oben genannte Buch von Prof. Göbel habe ich mir tatsächlich bereits bestellt und lese fleißig in jeder freien Minute – sofern es die Konzentration und der Kopfschmerz erlaubt, denn am liebsten würde ich alles in mich aufsaugen!

    An wie vielen Tagen ich Schmerzmittel nehme?! Leider an viel zu vielen 😀 ich brauche im Monat (spätestens jeden zweiten) eine komplette Packung Thomapyrin Intensiv (mit 21 Tabletten). Von den Triptanen so 3 – 6 Mal im Monat à 2 Tabletten (von den freiverkäuflichen nehme ich immer direkt beide auf ein Mal). Die Triptane versuche ich allerdings echt nur im Äußersten Notfall zu nehmen, wenn wirklich nichts anderes mehr hilft – auch kein dunkler Raum oder sonstiges. Dafür sind mir dann einfach die Nebenwirkungen zu einschränkend.

    Mein Freund hat Gott sei Dank ein „wenig“ Verständnis bzw. Vorerfahrung, da seine Mutter auch starke Migräne hat. Allerdings rutscht sie nicht so in den chronischen Kopfschmerz wie ich. Ich habe ein wenig das Gefühl, dass er selber etwas erstaunt ist, WIE schlimm und oft und manchmal auch plötzlich das bei mir ist.

    Du wirst Wege finden, ihm einen kleineren, angemesseneren Raum zuzuweisen und deinen Blick auf das Schöne in deinem Leben zu erweitern.

    Dieser Satz trifft es glaube ich auf den Punkt! Im Endeffekt suchen alle immer nach DEM EINEN Migräneauslöser bei mir, bzw. Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen wollen immer DEN einen Punkt erkennen, der bei mir die Migräne auslöst. Dabei geht es mir gar nicht darum, DEN Auslöser zu finden (es gibt ja eh nicht den Einzigen), sondern vielmehr darum, den Schmerz nicht mehr über mein Leben bestimmen lassen zu müssen 🙂

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5624

    Liebe Charlene,

    genau um das zu verhindern, dass sich jemand einen „Kopf darum macht“, was einen in Kiel erwartet, habe ich eine ausführliche Beschreibung eines Aufenthalts mal aufgeschrieben. Vielleicht hilft dir das ein wenig weiter. Du kannst uns auch gerne mit Fragen löchern, alles kein Problem. Freu dich auf Kiel, es ist wirklich super dort!
    https://headbook.me/groups/klinikberichte/forum/topic/ein-ausfuehrlich-beschriebener-ablauf-eines-klinikaufenthalts-in-kiel/

    Du weißt ja, dass du viel zu viele Schmerzmittel nimmst. In Kiel wird man dich auch dazu ausführlich beraten.

    Oh ja, das erweiterte Umfeld kann ganz schön nerven mit ihren gut gemeinten Tipps und Fragen. Die häufigste nach meinem Klinikaufenthalt war: „Du warst doch jetzt in Kiel, warum hast du denn immer noch Migräne?“

    Ertragen muss ich auch immer die unrealistische Erwartungshaltung nach Urlauben, dass ich doch im Urlaub bestimmt keine Migräne gehabt hätte. Das Denken läuft oft nur auf der Schiene ab Stress=Migräne, kein Stress=keine Migräne. Dass Reisen und Klimawechsel auch schon Stress für Migräneköpfe sein können, nehmen andere gar nicht wahr. Und dass ich auch Migräne bekomme, wenn ich tagelang nur faul auf der Couch herumsitze, erkläre ich dann auch.

    Denn wir können ja immer wieder und immer wieder liebevoll und geduldig aufklären… ?

    Liebe Grüße
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Monate, 1 Woche von  heika.
    Charlene
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 16

    Liebe Heika,
    danke für den Link! Habe ich natürlich eindringlich studiert 😉

    Ein, zwei Fragen bleiben mir allerdings noch, ich bin halt der Typ „planungsbesessen“ und „perfektionistisch“ 🙂

    1) Laut der Klassifikationen hierfür befinde ich mich mit Sicherheit in einer MÜK(?!), obwohl ich das selbst nicht als solchen empfinde.
    (ich nehme zwar viele – wahrscheinlich zu viele Medikamente, allerdings kann ich keine direkte Abhängigkeit zu meinen Kopfschmerzen feststellen. Ich habe Tage, da nehme ich tagelang durchgängig Medikamente und dann, von jetzt auf gleich habe ich auch mehrere Tage hintereinander, an denen ich den Schmerz locker ohne aushalte ooooooder (eher selten aber kommt vor) sogar ganz schmerzfrei bin.
    Jetzt ist es aber so, dass bei Medikamentenübergebrauch ja zu einer Medikamentenpause geraten wird (ich habe gelesen so um die 4 Wochen) – aber ein Aufenthalt in der Klinik ist ja nur für 2 Wochen anberaumt.
    Hat da jemand Erfahrungen mit? Wie ist das dann mit den weiteren zwei Wochen? Geht man in denen ganz normal Arbeiten? Wird das dann ambulant vom Neurologen betreut? Und wie geht es dann weiter bezüglich Prophylaxenbestimmung etc.? Ich weiß nämlich schon, dass Betablocker bei mir schwierig sind, da bei mir zN. Ablation aufgrund von Reentry Tachykardie vorliegt, Antiepileptika sind laut meinem Neurologen eher semi, da ich im gebärfähigen Alter und Kindern gegenüber auch nicht abgeneigt bin und die bisher verordneten Antidepressiva hatten null Komma null erfolg (bis auf knapp 10 Kilo Gewichtszunahme in der Zeit). Ich habe ein bisschen Angst dass mein Neurologe, auch wenn ich ihn für sehr fähig halte, dann im Anschluss von Kiel nicht mehr weiter weiß 😀
    Außerdem habe ich ein wenig Angst vor der Medikamentenpause während der Arbeitszeiten, weil die Arbeit de Fakto DER Ort ist, wo ich die Pillen am nötigsten habe, wenn ich Kopfschmerzen habe. (Zu Hause kann man sich hinlegen oä., wenn ich aber am OP- Tisch stehe und assistiere komme ich dort nicht weg – und das während normalen Schichten bis zu 8 Std ohne Pause und im Rufdienst sogar bis zu 24 Std). Meine Angst wäre, dass ich bei Schmerzen diese Medikamentenpause einfach nicht leisten kann und dann wäre ja alles für die Katz? :-O

    2)Ich weiß, eine Anreise mit dem eigenen Auto wird nicht empfohlen. Hat jemand trotzdem Erfahrungswerte bezüglich der Parkmöglichkeiten vor Ort? Und einen ungefähren Überblick zu den Kosten?

    3) Apropos wird nicht empfohlen: Im Brief stand etwas von ggf. bewusstseinsverändernde Medikamenten, die man bekommen könnte – bekäme man die dauerhaft? Ich meine, ich bin offen für ALLES, was mir hilft, aber ein dauerhaftes „aus dem Leben schießen“ kann ich mir dann nicht sonderlich leisten.

    Fragen über Fragen…. vielleicht hat ja jemand ein paar Erfahrungswerte dazu 🙂

    Indie
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 153

    Hallo Charlene,
    ich kann dir nicht alle Fragen beantworten. Aber ein paar 😉

    Ich kann dir keine Ferndiagnose geben, aber ich würde trotzdem mal fest davon ausgehen, dass dir in Kiel ein Medikamentenpause verordnet wird.
    Um die vier Wochen auch durchzuhalten, wäre es vermutlich gut, wenn du noch die zwei Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt weiter zu hause bleiben kannst. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass so eine unbehandelte Attacke gerne mal 3 Tage dauert, in denen wirklich NICHTS geht.
    In jedem Fall wird sich aber deine Attackenfrequenz durch die Pause runter fahren. Ich habe im Januar eine Pause in Eigenregie gemacht und meine starken Attacken haben sich halbiert. Ich komme zwar immernoch auf 2-3 starke Migränetage die Woche, davor waren es aber locker 5. Worauf ich hinaus will, vermutlich wird sich die Lage bei dir auch insgesamt entspannen.

    Mit bewusstseinsverändernde Medikamenten sind vermutlich sedierende Wirkstoffe wie Diazepam oder Lorazepam gemeint. Die schießen dich nur kurzfristig ins Nirvana, wenn du eine Attacke ausliegen musst, weil du keine Schmerzmedikamente bekommst. Die nimmst du natürlich nicht, wenn du arbeitest. Und nach einigen Stunden ist die Wirkung eh vorbei. Danach bist du wieder klar im Kopf. Also keine Panik.

    Mit dem Antiepileptika, was Schäden am Embryo verursacht, ist vor allem Valproinsäure gemeint. Das verschreibt mein Neurologe auch grundsätzlich nicht Frauen im gebärfähigen Alter. Das trifft aber meines Wissens nicht auf alle Antieptileptika zu.
    Grundsätzlich ist es aber so, dass wenn ein konkreter Kinderwunsch besteht, du also gerade tatsächlich versuchst Nachwuchs zu zeugen, du sowieso vorher alle Prophylaxemedikamente absetzen solltest. Allerspätestens bei eingetrender Schwangerschaft.

    Soweit ich weiss kannst du auch nach deinem stationären Aufenthalt Kontakt zu deinem Arzt in Kiel halten und per e-mail Medikamentenfragen besprechen. Bitte korrigiert mich, wenn das nicht stimmt.

    Charlene
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 16

    Hallo Indie,
    erstmal vielen Dank für Deine Antworten!

    wäre es vermutlich gut, wenn du noch die zwei Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt weiter zu hause bleiben kannst

    Heißt das, es kommt auf das Wohlwollen meines Arbeitgebers an, oder wird man (bei Bedarf) doch weiterhin krank geschrieben?
    Meine Chefin würde mir nämlich wahrscheinlich einen husten, wenn ich dann noch länger zu Hause bleiben „möchte“.
    Sind jetzt nicht so optimal besetzt würde ich behaupten und Allrounder wie mich, die dort alles können, sind rar 😮

    Ich habe im Januar eine Pause in Eigenregie gemacht

    Warst Du vorher schon ein Mal in Kiel oder hast Du das so komplett in Eigenregie durchgeführt? Meinen Respekt!
    Ich versuche schon immer so oft es geht, Migräne und/oder Kopfschmerzen einfach „auszuhalten“ oder mit anderen Methoden zu erleichtern, aber gerade auf der Arbeit, wo man dann funktionieren MUSS greift man dann doch wieder zu den Tabletten und dann ist der Erfolg der letzten Tage dann doch wieder hinfällig -.-

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5624

    Liebe Charlene,

    1) ob du einen Medikamentenentzug machen musst, wird in der Klinik entschieden. Und dann geht´s aber auch sofort los. In so einem Fall wirst du für die Zeit nach dem Klinikaufenthalt krankgeschrieben. Das ganze Handwerkszeug, also alle Infos, bekommst du in Kiel mit, auch die Krankschreibung, du musst dir nur deine entsprechenden Medikamente beim Arzt vor Ort besorgen.

    Ich selber habe gar keinen Neurologen vor Ort und habe in Kiel das ganze Procedere für zuhause durchgesprochen. Selbst für die Zeit nach einem halben Jahr, z.B. wie ich das Medikament dann richtig absetze.

    2) In irgendeinem Sträßchen in der Umgebung wirst du für dein Auto schon einen Platz finden. Ob es irgendwo ein Parkhaus gibt, weiß ich leider nicht.

    3) Hast du schon prima beantwortet bekommen, es geht nicht um deinen Alltag. Sich in einer Medikamentenpause mit sedierenden Medis helfen zu lassen, ist eine gute Wahl.
    Dennoch musst du überhaupt keine Sorgen haben, dass man dir irgendetwas aufzwingen wird, und erst recht nicht für die Zeit zuhause. Jede Entscheidung wird von dir persönlich getroffen, im Gespräch mit dem Arzt, geschieht auf Augenhöhe und Bedenken werden grundsätzlich ernst genommen. Ich bin noch nie so wertschätzend behandelt worden wie in der Kieler Schmerzklinik.

    Lieber Gruß
    Heika

    Indie
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 153

    Hallo Charlene,

    Warst Du vorher schon ein Mal in Kiel oder hast Du das so komplett in Eigenregie durchgeführt?

    In Kiel war ich noch nicht. Ich warte noch auf einen Termin. Ich hab aber letzten Sommer schonmal eine Medikamentenpause in einer Naturheilkundeklinik (nicht zu empfehlen) gemacht, daher wusste ich was auf mich zukommt. Und ich rutsche sehr schnell in den MÜK, merke es aber auch dann sehr schnell. Deswegen komme ich relativ „leicht“ auch wieder raus. Also ohne irgendwelche Absetzerscheinungen. Mir wird auch nur übel und ich muss mich nicht übergeben. So gesehen muss ich nur irgendwie die Schmerzen aushalten. Ich habe mir vor allem mit Vomex geholfen, weil mich das sehr stark sediert und dann während der Attacken soviel geschlafen wie möglich. Allerdings hab ich in den vier Wochen wirklich sehr viel Zeit im Bett verbracht und zwischenzeitlich war es auch echt schlimm. Aber ich kann unheimlich stur sein, wenn ich mir was vorgenommen habe ziehe ich es durch. Außerdem haben die Triptane nicht mehr gut gewirkt bei mir, ich hatte eh keine große Wahl. An Arbeit wäre nicht zu denken gewesen. Das ist klar.

    Ich versuche schon immer so oft es geht, Migräne und/oder Kopfschmerzen einfach „auszuhalten“ oder mit anderen Methoden zu erleichtern, aber gerade auf der Arbeit, wo man dann funktionieren MUSS greift man dann doch wieder zu den Tabletten und dann ist der Erfolg der letzten Tage dann doch wieder hinfällig -.-

    Das ist doch total verständlich, dass du die Schmerzen auf der Arbeit nicht aushalten kannst. Ich würde das jetzt bis zu deinem Aufenthalt in Kiel auf der Arbeit auch nicht mehr zwanghaft versuchen. Bei einer Schachtel Tomapyrin und 6 Triptanen im Monat bist du sehr wahrscheinlich im MÜK. Das kannst du jetzt gerade nicht ändern. In Kiel werden sie dir die Medikamentenpause so leicht wie möglich machen und dann geht es dir bald viel besser.

    Schöne Ostertage!

    Charlene
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 16

    Hallöchen ihr Lieben!
    Ich melde mich mal wieder zu Wort 🙂

    Wie so oft geraten, habe ich mir das Buch „erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne“ als Vorbereitung auf meinen Aufenthalt zugelegt und muss sagen:
    besser als jeder Roman/Drama/Krimi ??

    Schon beim Lesen explodiert mein Kopf vor „oh“ und „ah“ Momente und mein Unterbewusstsein schreit auf jeder zweiten Seite „das ist genau Deins!“

    Jetzt habe ich mich schon mit Stift, Block und Textmarkern bewaffnet, um mir Passagen zu markieren, die für mich von besonderem Interesse sind, Gedanken dazu aufzuschreiben, in meine Anamnese mal ein bisschen Ordnung zu schaffen – und siehe da, mir fallen Dinge auf und ein, über die ich wahrscheinlich lange oder gar nicht nachgedacht habe! ?
    Also vielen Dank schon mal für den Tipp!

    Dieses Buch ist echt gruselig muss ich sagen! Das spricht mir so dermaßen oft aus der Seele, dass ich gar nicht weiß, wo mir der Kopf steht.

    Jetzt meine Frage:
    Habt ihr euch Notizen vor eurem Klinikaufenthalt gemacht?
    Wie habt ihr euch sortiert?
    Was wollen/müssen die Ärzte alles von mir wissen?
    Wo fängt man an, was kann man „weglassen“, weil es vielleicht den Rahmen sprengt?

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4577

    Liebe Charlene,

    wie schön, dass du einen Aufenthalt in Kiel angehst.

    Ja, ich habe mir eine Liste und Notizen gemacht. M.E. ist es enorm wichtig gut vorbereitet in die Klinik zu gehen.

    Fange doch erst einmal mit einer langen Liste an, wo alles steht, was DU für wichtig hälst. Dann kannst du immer und immer wieder nicht ganz so wichtige Dinge streichen.

    Mach dir keinen zu großen Kopf. Das ist oft kontraproduktiv. Alles gelassen und ruhig angehen. Das ist nicht unser Ding, ich weiß 🙂 aber durchaus dienlich. 🙂 🙂 🙂

    Alles Liebe
    Sternchen

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27906

    Liebe Charlene,

    das macht jeder anders. Ich habe mir keine extra Notizen gemacht, da die Aufnahmebögen der Klinik so umfangreich waren, dass mir gar nichts mehr extra eingefallen wäre. Dann kommt noch die Eingangsuntersuchung, bei der auch noch mal vieles diskutiert wird, zudem wirst Du Deinen Kopfschmerzkalender vorlegen (hast Du schon die Migräne App der Klinik?).

    Liebe Grüße
    Bettina

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 528

    Hallo liebe Charlene,

    ich halte es mit dem Erstellen einer Liste und den Notizen wie du, liebes Sternchen.

    Ich notiere grundsätzlich meine Anliegen/Fragen an meinen Arzt kurz und stichpunktartig, damit ich an alles denke, was ich wissen, fragen und rezeptiert haben möchte.

    Dafür habe ich immer Stift und Notizblock in meiner Nähe bereit liegen (auch im Nachtschrank). Denn manches vergesse ich wieder, wenn ich es nicht gleich aufschreibe.

    Über meine Schmerzpsychotherapie führe ich ein „Therapiebuch“:
    • Fragen in roter Farbe
    • (Hilfs)angebote und mögliche Lösungsansätze in blauer Farbe
    • Erkenntnisgewinne in grüner Farbe

    Für einen Klinikaufenthalt in Kiel wirst du sicher schon vorab und ganz in Ruhe zu Hause die Unterlagen zusammenstellen und Fragebögen ausfüllen, die du hier findest: http://www.schmerzklinik.de/service-fuer-patienten/

    Wenn du dann noch Fragen hast, könntest du erstmal alle ungeordnet – wie sie dir in den Sinn kommen – aufschreiben und einige Tage (ohne Stress und mit Pausen), bevor es losgeht, nach Wichtigkeit und Themen ordnen:

    • Welche dringenden Fragen hast du an wen (Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten)?
    • Welche Fragen sind auch wichtig, aber zweitrangig?
    • Und welche nachgeordneten Fragen hast du eventuell noch, die du stellen kannst, wenn deine anderen schon beantwortet sind und du noch ein paar Tage in der Klinik bist.

    Da die Anzahl der Gespräche mit den Psychologen in der Klinik begrenzt sind, würde ich am besten schon im ersten Gespräch mit meinem „brennendsten“ Anliegen beginnen.

    …weil es vielleicht den Rahmen sprengt?

    Ich war bereits zweimal in der Schmerzklinik Kiel, und mir gab zu keinem Zeitpunkt jemand das Gefühl, den Rahmen zu sprengen! Allerdings sind die „Sprech- und Behandlungszeiten“ begrenzt, so dass ich immer ein wenig darauf achten würde, meine Themen auch in diese Zeiten unterzubringen. Reicht die Zeit nicht, setzt du das nächste Mal fort ?!

    Noch eine Anmerkung zu:

    Alles gelassen und ruhig angehen. Das ist nicht unser Ding, ich weiß ?aber durchaus dienlich.???

    Lange Zeit nahm man an, es gäbe eine „Migränepersönlichkeit“, und sprach ihnen die Fähigkeit zu den u.a. von dir, liebes Sternchen, genannten Eigenschaften (Ruhe und Gelassenheit) teilweise ab. Im Buch von Professor Göbel (6.11.1) ist zu lesen, dass es eine solche „Migränepersönlichkeit“ nicht gibt. Es sind von der Migräne unabhängige Einstellungen/Fähigkeiten, die JEDEN Menschen betreffen können und in denen man sich „üben“ kann.

    Vielleicht meinst du, liebes Sternchen, deine Zeilen nicht so, wie ich sie verstanden habe. Aber mit Aussagen anderer wie „Das ist typisch für Migräniker!“ habe ich (noch!) ein Problem, also noch nicht DIE Gelassenheit, damit ruhig umzugehen.

    Dir, liebe Charlene, wünsche ich alles Gute und allen einen angenehmen Sonntag!
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    Charlene
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 16

    zudem wirst Du Deinen Kopfschmerzkalender vorlegen (hast Du schon die Migräne App der Klinik?)

    Hallo Bettina,
    Ja, die APP habe ich tatsächlich schon seit längerem installiert, hatte sie auch zwischendurch anstelle eines Migränekalenders genutzt. Leider war dann das Handy kaputt, kein Backup, alle Daten weg 😀
    Außerdem (man wird es kaum glauben) habe ich es irgendwie öfters versäumt, da regelmäßig zu dokumentieren und das, obwohl wir doch alle täglich am Handy kleben 😀
    Ich habe allerdings für mich eine andere Variante gefunden, die ich als Vorbereitung zu Kiel nutze: Ich hatte mir bei Amazon ein Migränetagebuch bestellt. Da habe ich die Möglichkeit, die gleichen Sachen einzutragen, wie sie in dem Kieler Kopfschmerzkalender gefragt werden + ich habe noch genug Platz für eigene Notizen, was ich gegessen habe und Co.
    Zusätzlich habe ich den Kieler Kopfschmerzkalender eingeklebt und fülle den parallel aus, aber ich stehe ja wirklich am Anfang meiner ärztlich begleiteten Migränekarriere und ich muss ehrlich gestehen, dass ich es manchmal schwer finde, den Kopfschmerz einzuschätzen. Ist wirklich jeder Kopfschmerztag ein Migränetag? Oder sind da Spannungskopfschmerzen dazwischen? Was ist jetzt Migräne, was ein anderer Kopfschmerz? Ich neige dazu, nur die wirklich schlimmen Tage als Migräne zu bezeichnen (obwohl ich ja beinahe jeden Tag Kopfschmerzen habe) – aber oftmals schreite ich ja früh medikamentös in meinen Kopfschmerztag ein, sodass ich ja gar nicht richtig wissen kann, ob das jetzt wirklich Migräne oder etwas anderes ist 😉 Also man merkt, ich bin noch ziemlich ratlos, weshalb mich dieses Heft mit Notizmöglichkeiten etwas unterstützt 🙂

    Dafür habe ich immer Stift und Notizblock in meiner Nähe bereit liegen (auch im Nachtschrank). Denn manches vergesse ich wieder, wenn ich es nicht gleich aufschreibe.

    Danke Katrin, ähnlich halte ich es ja momentan mit diesem Tagebuch 🙂 Und sollte ich es mal nicht zur Hand haben (geniere mich zB etwas, dies auf der Arbeit mitzuführen) – dann tut es auch mal ein loser Zettel, den ich mal übertragen kann.
    Außerdem habe ich mir jetzt einen kleinen Notizblock geholt, der quasi mein „Migräneblock“ wird. Dort werde ich stichpunktartig alles aufschreiben, was ich so über meinen derzeitigen Stand weiß (wann alles angefangen hat, Attackenverlauf, extreme Attacken, Fragen, usw.) weil mir aufgefallen ist, dass ich möglicherweise elementare Dinge vergesse wenn der Arzt fragt.
    Man merkt ich bin ein kleiner Organisations- und Ordnungsfreak :-O

    Vielleicht meinst du, liebes Sternchen, deine Zeilen nicht so, wie ich sie verstanden habe. Aber mit Aussagen anderer wie „Das ist typisch für Migräniker!“ habe ich (noch!) ein Problem, also noch nicht DIE Gelassenheit, damit ruhig umzugehen.

    Ich habe Sternchen da etwas anders verstanden (und ich hoffe richtig 😉 ) . Ich würde mich nämlich nicht in eine „das ist typisch für Migräniker“ – Schublade stecken, aber wie ja vielleicht aus meinen vorherigen Posts hervor gegangen ist bin ich halt ein Typ, der seeeeehr kontrolliert, organisiert und ordnungsliebend ist 😀 Deswegen habe ich das „Das ist nicht unser Ding“ eher darauf bezogen, dass es Sternchen da ähnlich geht wie mir, nämlich, dass sie am liebsten jeden Tag, jede Therapie, einfach alles gern vororganisieren und genauestens durchplanen würde 😀 so geht es mir zumindest (auch wenn das völlig albern und übertrieben ist, ich weiß)

    Das ist aber leider so mein Tick, der irgendwie schon immer da war, aber in den letzten Jahren ein bisschen mutiert ist 😀 Und da ich in meiner Migränekarriere bisher soooo viel falsch gemacht habe, ist da jetzt einfach der Drang, Kiel zu nutzen und das bestmöglichste für mich da raus zu holen 🙂

    Indie
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 153

    Hallo Charlene,

    ich habe wie du oft das Problem, dass ich nicht sicher bin, ob das was mein Kopf gerade macht mittlere Migräne oder einseitiger Kopfschmerz ist.
    In der App gibt es die Option „unklar oder anderer Schmerz“, die nehme ich dann in solchen Fällen.
    Ich glaube ganz so wichtig ist es auch nicht, das minutiös auseinander zu halten.
    Mir persönlich hilft es auch mehr mich nicht dauernd mit möglichen Triggern zu beschäftigen und die Aufmerksamkeit von der Migräne wegzulenken. Was mir auch sehr hilft ist den Kontrollzwang mehr und mehr loszulassen oder auf harmlose Bereiche umzulenken. Ich liebe z.B. einen toll sortierten Wäscheständer, ständig die ganze Wohnung top geputzt zu haben (und mich anderenfalls nicht wohlfühlen zu können) macht aber ziemlich Stress. Also versuche ich da entspannter zu werden und meinen Kontrollzwang auf den Wäscheständer zu beschränken 😉

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 528

    Liebe Indie,

    Also versuche ich da entspannter zu werden und meinen Kontrollzwang auf den Wäscheständer zu beschränken ?

    Mit diesen Zeilen erinnerst du mich an eine Aussage meiner Schmerzpsychotherapeutin bezogen darauf, die Migräne/den Schmerz nicht „ständig“ zu thematisieren. Das sei sowieso nicht nötig, weil sie eh fast die ganze Zeit da ist – ob mit oder ohne Gerede über sie.

    Sie sagte sinngemäß, die Migräne solle ja durchaus ihr kleines Recht auf eine „Redezeit“ bekommen, aber bitte möglichst nur 2 x täglich 5 Minuten ?, das reiche vollkommen aus! Diese humor- aber sehr sinnvolle „Verordnung“ habe ich seither immer im Hinterkopf, und sie gibt mir langsam aber sicher immer mehr Raum, andere interessantere Themen zu sehen und mich darüber zu unterhalten! Es ist schon verblüffend, was mit bewussteren neuen Blickwinkeln und Handlungsweisen möglich ist…!

    Vielleicht ließe sich diese „zuzahlungsfreie Verschreibung“ auch auf deinen „Kontrollzwang“ übertragen, du könntest sicher auch mit mehr als 5 Minuten beginnen und dann gaaaaanz langsam „runterdosieren“, wenn du dich an mögliche „Nebenwirkung“ des Nicht-Aushalten-Könnens gewöhnt hast oder sie nachlässt ?!

    So, ich „zwinge“ mich jetzt mal zur Zubereitung eines Kartoffelsalats und „erlaube“ der Migräne, mir dabei über die Schulter zu schauen – mehr aber auch nicht ?! Essen und genießen werde ich den dann zusammen mit meinem lieben Mann und sicher auch mit ihr, aber sie bekommt nichts davon ab, sonst nimmt sie womöglich noch zu, wo sie doch eh schon viel zu „fett“ ist ?!

    Humorvolle Grüße,
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 3 Wochen von  Katrin.
    Indie
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 153

    Ich war anfangs echt beleidigt, dass mein Therapeut mit mir nicht über die Migräne sprechen will.
    Er argumentiert aber genau so, dass die Migräne schon soviel Sendezeit hat und es in der Therapie einfach nicht auch noch primär darum gehen soll wann was wie weh getan hat.

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4577

    Sorry, dass ich so spät reagiere.

    🙂 🙂 🙂
    Ich meinte es durchaus in zweierlei Hinsicht.

    Einerseits beziehe ich mich selbst gerne mit ein, wenn es um typische Migräneeigenschaften geht. Weil auch ich ein Migränegehirn habe. Andererseits möchte ich natürlich niemanden in eine Schublade stecken und behaupten, weil er Migräniker ist, ist es auch automatisch …………

    Unser Gehirn ist genetisch besonders geprägt. Nicht um sonst bringt Prof. Göbel immer wieder den Porschevergleich. Schnelles Denken, schnelle Beobachtungsgabe und eine erhöhte Wahrnehmung etc. . Egal ob Gerüche, Lautstärke und Lichtempfindlichkeit sind durchaus Dinge, die ein Migränegehirn besonders macht.

    Zur Migräne gehören auch diverse Krankheitsbilder, die zunehmend mit ihr gemeinsam auftreten. Dazu gehört u.a. Epilepsie und auch Angsterkrankungen.

    Andererseits ist es so, dass die Migräne unglaublich komplex ist, niemand kann ihr seine Beschwerden immer einwandfrei und sicher zuordnen. Somit muss aus meiner Sicht die Migräne auch oft für Beschwerden herhalten, wofür sie dann doch nix kann. So entstehen auch Verknüpfungen, die nicht zutreffend und manchmal falsch sind.

    Ich pers. habe schon eine Menge Gelassenheit gelernt. Ich habe es auch gelernt die Migräne anzunehmen. Das ich manche Dinge in mir trage, die typisch für Migräniker sind, ist für mich überhaupt kein Problem. Im Gegenteil manchmal kann ich sogar damit frotzeln. Letztens wurde mir noch von meinem Neurologen noch ziemlich selbstverständlich gesagt, dass meine Beschwerden doch typisch für Migräniker seien. 🙂

    Ich wollte aber hier niemanden verletzten, in eine Ecke stellen oder negativ bewerten.

    Gelassenheit, Ruhe, Entspannung und Abstand nehmen von vermeintlich Wichtigem haben für mich eine enorme Bedeutung. Sei es am Wäscheständer 🙂 in der Organisation 🙂 oder beim Aufzeichnen von Triggern etc. Alles andere macht einfach keinen Sinn und tut meinem Kopf nicht gut.

    Alles Liebe
    Sternchen

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 528

    Liebes Sternchen,

    danke für deinen Beitrag, durch den ich jetzt deine vorherigen Zeilen besser und richtig verstehe. Ich sehe uns beide „am gleichen Ende des Stranges ziehen“ ?!

    Ich wollte aber hier niemanden verletzten, in eine Ecke stellen oder negativ bewerten.

    Das hast du auch nicht getan, liebes Sternchen! Mir war wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Theorie der (angeblichen) Existenz einer „Migränepersönlichkeit“ überholt ist, weil dieser Irrglaube – wie viele andere auch – noch immer fortbesteht.

    Dass unsere Hirne anders „ticken“ und daraus Folgen resultieren, ist mir bewusst, und das stelle ich auch nicht in Frage!

    Alles Liebe
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27906

    Eine klassische Migränepersönlichkeit in dem Sinne gibt es nicht. Wohl aber bestimmte Merkmale, Verhaltensmuster und Präferenzen. 😉 Prof. Göbel sagte mal, wenn ein Arbeitgeber schlau ist, stellt er einen Migräniker ein. 🙂 Sie sind motiviert, engagiert, genau, zuverlässig, denken um fünf Ecken, haben immer schnell Lösungen parat und schaffen ihre Arbeit trotz gelegentlicher Ausfälle.

    Daraus kann man jetzt machen, was man will. Es als Schublade sehen, als eine Art Bestätigung, Kompliment …

    Wenn ich mich z. B. nehme, so ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich alles ganz genau haben muss und jetzt, nicht erst später und mich erst dann wohlfühle und entspannen kann, wenn alles nach meinen Vorstellungen ist. Dabei setze ich mich regelmäßig unter Druck, obwohl ich weiß, dass es nicht gut ist. Mache ich es aber nicht, denke ich dauernd daran, dass das jetzt nicht passt, ich es noch machen muss und kann da auch nicht loslassen. ?

    In der Migräne-App möchten Migränepatienten oft alles, wirklich alles, notieren. Wenn ich (im Rahmen meines Vortrags in der Klinik) erkläre, dass diese Daten nicht relevant sind, dass weder Arzt noch Patient damit wirklich was anfangen können – möchten sie meist trotzdem weiterhin akribisch alles notieren. 😀

    Im Laufe meiner langen Zeit in der Selbsthilfe würde ich sagen (ist nur meine persönliche Meinung, keine Empirie 😀 ), dass Migränepatienten doch spezielle Eigenschaften haben, die man bei anderen nicht unbedingt so finden würde.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Charlene
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 16

    Gruuuuuuselig meine Damen! ?

    Tatsächlich lässt sich bei genauer Betrachtung für mich feststellen, dass ich diese Veranlagung zu diesen Ticks schon immer hatte.
    (In der Schule habe ich Gruppenarbeiten immer gern für alle anderen mit gemacht, damit ich meine 1 sicher habe, weil mir die Arbeit der anderen oft nicht perfekt genug schien und ich genau wusste, was die Lehrer sehen wollen,
    Schulhefte wurden komplett neu abgeschrieben, wenn auch nur eine Seite in ihnen unordentlich war,
    es wurden immer akribisch Kalender mit Terminen und Co. geführt, für die Abiballorganisation hatte ich ganze Mappen, jeden einzelnen Schritt akribisch organisiert und dokumentiert und und und.)

    Aber auffällig ist auch, dass sich das ganze Verhalten über die Jahre noch seeeeehr gesteigert hat – und meine Migräne aber ja auch.

    Allerdings empfinde ich das selber ehrlichgesagt als überhaupt nicht störend oder stressend?! Im Gegenteil: die Ordnung zu Hause empfinde ich als überaus entspannend – es macht mich einfach glücklich wenn ich nach Hause komme und alles ist glatt und geleckt. Decken liegen immer akkurat gefaltet an ihrem Platz, alles muss sauber sein, Fliesen poliert, Kleidung sortiert werden… (aber zumindest in Punkto Sauberkeit ist es bei mir glaube ich auch wegen der Hundehaare so extrem – ich liebe meinen Hund über alles, aber diese Haare treiben mich in den Wahnsinn ?)
    Aaaaaber ich kann auch mal 5 grade sein lassen wenn ich Kopfschmerzen habe oder kaputt bin – aber auch nur, weil ich ja eine gewisse Grundordnung habe und mein Freund den gleichen Tick hat und mich unterstützt ??
    Generell habe ich jedoch aber auch das Gefühl, dass mich der Putzwahn und Ordnungstick echt beflügelt und mir Energie gibt. Manchmal denke ich mir „och, wisch‘ mal nur die Küche ab“ und ZACK erwische ich mich, wie ich ungefähr die halbe Wohnung auseinander reiße und viele viele Stunden putze und danach glücklich ins Bett falle.
    (Aber ja, manchmal vermute ich dahinter diese Übereuphorie und den Energieschub vor einer Mirgäneattacke – aber dann kann ich diese wenigstens über mich ergehen lassen, weil alles andere ja erledigt ist)

    Der einzige Faktor, wo mich mein Perfektionismus merkbar stresst ist die Arbeit ?
    Da hat sich bei mir ein regelrechter „Arbeitsautismus“ eingeschlichen – aber da es ja immerhin um Menschenleben geht, kann ich da keine Nachlässigkeit akzeptieren.
    Bei mir muss jeder Arbeitsschritt sitzen, alle Instrumente an ihrem Platz liegen – sauber geputzt natürlich, kein Blut irgendwo. Ärzte loben meinen Blick für das Ganze, nehmen sogar gerne intraoperative Ratschläge von mir an und gerade in super stressigen Notfallsituationen funktioniere ich einfach.
    Umso mehr bekomme ich die Krätze, wenn Kollegen faul sind, sich dumm stellen oder die Sache auf die leichte Schulter nehmen – hallo?! Wir arbeiten am offenen Herzen ??
    Dann erwische ich mich halt immer mal wieder dabei, dass ich quasi für 3 arbeite, immer wieder für die Kollegen mitarbeite, durchhalte, im Dienst völlig über mich hinaus wachse – und wenn ich dann nach Hause komme bekomme ich natürlich die Quittung in Form von absoluter Erschöpfung und auch Kopfschmerz. Aber ganz ehrlich, auf der Arbeit selbst empfinde ich das als überhaupt nicht schlimm – aber da muss sich vielleicht (defintiv) noch etwas ändern bei mir ?
    Ich hoffe da ja ein wenig auf die Veränderung durch ein Studium. Wobei ich ja trotzdem weiterhin arbeiten MUSS – das wird eine harte Doppelbelastung ?

    Aber wie gesagt, eine interessante Beobachtung, dass Migränepatienten häufig zu solchen Themen neigen ?

    Wie findet ihr Wege, um das alles ein wenig „runter zu fahren“?
    Die Sache ruhiger und entspannter anzugehen ist, finde ich, sehr leicht gesagt.
    Ich kann ja zb auf der Arbeit nicht sagen „och, ist ja nicht so schlimm dass der Patient gerade stirbt und keiner die Sache mal ernst nimmt – du gehst jetzt mal Pause machen“

    Wo fängt man an?
    Wo setzt man für sich Grenzen, in denen man sich bewusst zurück fährt?
    Wie kleinschrittig geht man das an?

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4577

    Liebe Charlene,

    warum gruselig? 🙂

    Ich möchte hier jetzt nicht zu tief in das Thema einsteigen. Es wird uns nicht weiterführen.

    Wo man anfängt, muss jeder für sich selbst entscheiden, seinen eigenen Weg finden und Prioritäten setzen. Ein tiefgreifendes Hinterfragen seiner Persönlichkeit und seiner Bedürfnisse ist m.E. die Grundvoraussetzung. Bei nicht jedem sind die Besonderheiten gleich stark ausgeprägt.

    Es kann ein laaaanger Lernprozess sein, um Gelassenheit und zur inneren Ruhe zu finden. Nicht jeder schafft es ohne andere Hilfe. Der Weg ist das Ziel.

    Ich will hier mal die Begriffe Ordnungstick, Putzwahn, Perfektionismuss etc. mit den Begriffen Kontrolle, Sicherheit, und Angst in Verbindung bringen.

    Beim erledigen der einzelnen Aufgaben, ist die Bekämpfung von Angst und das streben nach Sicherheit der Ansporn. Deshalb wächst die Aktivität und man selbst über sich hinaus.

    Auf den ersten Blick schafft das natürlich Glücksgefühle und Wohlbehagen. Auf den zweiten Blick sieht man die Erschöpfung. Es beginnt ein Kreislauf.

    Wie der Kopf reagiert wissen wir. Ich finde sogar, dass es in dem Text wunderbar deutlich wird, wie er auch auf den ansteigenden Stress reagiert. Wobei das nicht zwangsläufig zusammen gehören muss.

    Ob zusätzliche Aufgaben da förderlich sind, wird auch jeder für sich selbst entscheiden müssen.

    Alles Liebe
    Sternchen

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 3 Wochen von  sternchen.
    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3975

    Liebe Charlene,
    da schilderst du ein essentielles Thema für uns alle ( vermute ich mal).
    Und so, wie jeder von uns einzigartig ist, so wird auch der Weg, mit diesen Eigenschaften umzugehen, bei jedem anders sein.
    Aber Anregungen von anderen können immer hilfreich sein, solange man nicht alles dran setzt, etwas 1zu1 zu kopieren.

    Für mich war und ist immer das Credo: Frieden mit mir selbst zu erreichen.
    Irgendwann habe ich dann auch bemerkt, dass dieses Ankämpfen gegen diese „Ticks“, gegen die Angst, gegen den Perfektionismus eigentlich immer Krieg mit mir selbst bedeutet.
    Ich bin mittlerweile stolz darauf, so schnell denken zu können, Dinge auf Anhieb zu durchschauen, Aufgaben perfekt erledigen zu wollen und auch meistens zu können.
    Um mich nicht in die Spirale zu begeben, die Sternchen beschreibt, habe ich gelernt, ganz bewusst viele „Denk-Auszeiten“ zu nehmen.
    Alles liegen lassen, hinsetzten, abschotten und die Gedanken entspannen.
    Bei PMR geht das, wenn man nicht nur die Muskeln anspannt und entspannt sondern genau spürt, wie sich das anfühlt.
    Genauso auch Yoga: nicht nur „Turnen“, sondern spüren.
    Ich selbst liebe Meditation zur Denk-Entspannung.
    Und oftmals ist auch die CD der Schmerzklinik hilfreich, wenn die Gedanken allzu turbulent durch den Kopf wirbeln.

    Diese Denk-Auszeiten müssen bei mir mindestens 45 min andauern, besser sogar eine Stunde.
    Nichts tun, nichts überlegen, nichts notieren, damit ich es nicht vergesse. Wenn es wirklich wichtig ist, fällt es mir NACH dieser Pause auch wieder ein.
    Wenn ich das eine zeitlang nicht mehr mache, spüre ich das ziemlich bald. Es ist besser als in Urlaub fahren, denn da nehme ich meine Denke ja immer auch mit. ( Urlaubsfahrten mache ich trotzdem . . . 😀 )

    Ich wünsche dir alles Gute!
    Liebe Grüße
    alchemilla

    Beatrice
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 125

    Hallo Charlene,

    also wenn ich die Beschreibung von deiner Arbeit lese, glaube ich schon, dass es dich zumindest unterbewusst mehr stresst, als du es wirklich merkst. Du hast Verantwortung für Menschenleben und noch dazu scheint es so zu sein oder zumindest glaubst du das, dass das Leben deiner Patienten in deiner Hand liegt, weil deine Kollegen eher dumm und faul sind und mal Pause machen, wenn ein Menschenleben auf dem Spiel steht?? Da wird mir als Patientin ja Himmelangst…

    Wenn das wirklich so ist, würde ich versuchen mich versetzen zu lassen, denn den Druck hält doch kein Mensch aus. Andererseits kann es ja auch sein, dass du manchmal Situationen deutlich heftiger einschätzt als die Kollegen oder etwas mehr Lässigkeit auch möglich sein kann. Wie ist es denn, wenn du krank bist? Dann muss der Laden ja auch laufen ohne dass die Klinik alle Nase lang verklagt wird weil infiziertes OP-Besteck rumliegt und Menschen verbluten weil lässig Päuschen gemacht wird??

    Liebe Grüße,
    Bea

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7456

    Hallo Charlene,

    du nennst dein Verhalten im Krankenhaus selber „Arbeitsautismus“. Damit willst du ja wohl schon sagen, dass dein Verhalten nicht unbedingt der Norm entspricht, oder? Oder missinterpretier ich da was?

    Habt ihr eventuell die Möglichkeit der Supervision, bei der du dir vielleicht mal von anderen spiegeln lassen kannst, inwieweit dein Einsatz in der Form, wie du es handhabst, und ja wohl auch für absolut nötig und richtig erachtest, sinnvoll ist? Da könnte doch durchaus noch „Luft nach unten“ möglich sein, die dir, und auch den anderen im Op., ein bisschen mehr frische Luft zum Atmen in entspannterer Atmosphäre bringen könnte.

    Ich geh davon aus, dass du diese Diskussion mit uns möchtest, wenn es dir zu direkt wird, bitte Bescheid sagen.
    Lieber Gruß,
    Julia

    Ruth
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 63

    Hallo Charlene,

    ich könnte mir vorstellen, daß du auch in einem Beruf, bei dem es nicht um Leben und Tod geht,so perfektionistisch wärst.
    Mein Mann ist nämlich auch ein typischer Migräniker,und arbeitet im Büro,es geht um die Bearbeitung von Schadensfällen bei z.b. Waschmaschinen. Hat er viel Arbeit,z.B.nach dem Urlaub,meint er immer, er muss sofort alles abarbeiten und ist dann fix und fertig.
    Ich kann das nicht verstehen,weil ich als Altenpflegerin gearbeitet habe,da ging es um Menschen, da war es wirklich hektisch.
    Aber ich bin auch keine typische Migränikerin,ich spüre meine Grenzen inzwischen rechtzeitig.
    LG Ruth

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 528

    Liebe Charlene,

    wenn du selbst das Gefühl hast, nicht gestresst zu sein, ist alles in Ordnung und Veränderungen wären nicht erforderlich.

    Ich finde sehr interessant, was du schreibst, nehme in deinen Zeilen aber auch viele Widersprüche wahr. Sollte mein Eindruck nicht stimmen, korrigiere mich bitte, okay?!

    Aber auffällig ist auch, dass sich das ganze Verhalten über die Jahre noch seeeeehr gesteigert hat – und meine Migräne aber ja auch.

    Möglicherweise kann es – wie mein Arzt immer so schön sagt – einen „kausalen Zusammenhang“ geben, muss es aber nicht. Dir erscheint ein möglicher Zusammenhang „auffällig“, durch Selbstbeobachtung ließe sich herausfinden, ob das eine das andere bedingt oder nicht.

    (Aber ja, manchmal vermute ich dahinter diese Übereuphorie und den Energieschub vor einer Mirgäneattacke – aber dann kann ich diese wenigstens über mich ergehen lassen, weil alles andere ja erledigt ist)

    Sollten diese beiden „Symptome“, die u.a. im Buch von Prof. Göbel unter 6.1. auch als mögliche Vorboten/Ankündigungssymptome beschrieben sind, zu DEINEN Vorboten gehören, beschleunigst du möglicherweise mit einem „Ausleben“ dieser „Symptome“ den Energieverlust in deinen Nervenzellen, was den Zusammenbruch der Energieversorgung vielleicht zeitlich „vorverlegt“. Eine direkte Folge wäre eine (verfrühte) Attacke, eine Langzeitfolge eventuell häufigere Attacken.

    Verstehe ich dich richtig, dass eine Migräneattacke für dich nach der Erledigung von allem, erträglicher ist, du sie besser oder leichter aushalten kannst als vor oder ohne Erledigung?
    Ich erkenne mich in dieser Textpassage wieder, mein (erlerntes) Motto war ‚Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!‘ Bei mir änderte sich dieser Spruch aber schleichend und unbemerkt in ‚Erst die Arbeit, dann die Attacke!‘. Was dann ganz ausblieb oder später und deutlich seltener vorhanden war, war das Vergnügen. Mir wurde dadurch bewusst, dass und vor allem in welchem Ausmaß ich mir selbst Stress gemacht habe.

    Aaaaaber ich kann auch mal 5 grade sein lassen wenn ich Kopfschmerzen habe oder kaputt bin – aber auch nur, weil ich ja eine gewisse Grundordnung habe und mein Freund den gleichen Tick hat und mich unterstützt ??

    Kannst du das “nur“ dann oder auch, wenn es dir gut geht? Dass du und dein Freund den gleichen „Tick“ teilt, lässt möglicherweise einiges an Druck und Stress gar nicht erst aufkommen, denn – wenn ich es richtig verstehe – bleibt so eigentlich nichts liegen oder unerledigt.

    und ZACK erwische ich mich, wie ich ungefähr die halbe Wohnung auseinander reiße und viele viele Stunden putze und danach glücklich ins Bett falle.

    Folge vieler, vieler Stunden des Putzens könnte neben dem Glücksempfinden, dass „alles glatt und geleckt“ ist auch eine Erschöpfung sein, da es dich – neben dem Spaß, den es dir scheinbar macht – auch Energie kostet. Wie ist dieses „ins Bett fallen“ für dich? Einfach nur glücklich? Oder glücklich und erschöpft?

    aber da es ja immerhin um Menschenleben geht, kann ich da keine Nachlässigkeit akzeptieren.

    Das wäre auch nicht akzeptabel. Da ihr als Team gemeinsam „am offenen Herzen“ arbeitet, wäre meiner Hoffnung und Meinung nach die Gefahr von Nachlässigkeit schon dadurch minimiert, dass viele Augen mehr sehen als zwei und dem Operateur viele Hände helfend zur Seite stehen.

    Bei mir muss jeder Arbeitsschritt sitzen, alle Instrumente an ihrem Platz liegen – sauber geputzt natürlich, kein Blut irgendwo. Ärzte loben meinen Blick für das Ganze, nehmen sogar gerne intraoperative Ratschläge von mir an…

    Davon würde ich als vertrauende Patientin auch gerne ausgehen können!!! Dein Blick für/auf das Ganze ist sehr wahrscheinlich – und damit widerspreche ich keinesfalls meinem vorherigen Beitrag – typisch für Migräniker, weil wie eben diesen „Porsche“ im Kopf haben.
    Die Frage ist, aus welcher Motivation heraus du so handelst, wie du handelst? Lob ist eine Form von Anerkennung, um Rat gefragt zu werden ist eine Form von Wichtigkeit. Wenn es dir darauf mehr ankäme als auf deine eigene Zufriedenheit mit deiner Arbeit, wärst du ziemlich abhängig…!

    Umso mehr bekomme ich die Krätze, wenn Kollegen faul sind, sich dumm stellen oder die Sache auf die leichte Schulter nehmen – hallo?!

    Vielleicht ist das jetzt provokant, aber ich glaube, wäre ich eine Kollegin von dir und du hättest einen solchen Blick auf mich, wäre ich ganz schön beleidigt! Denn deinen Worten kann ich nicht entnehmen, dass du ihre Arbeit wertschätzt, ihnen vertraust, ihnen etwas zutraust und nur (d)eine Wahrheit gelten ließest.

    Ich hoffe da ja ein wenig auf die Veränderung durch ein Studium.

    Auf welche speziellen Veränderungen hoffst du durch ein Studium?

    Wo fängt man an?
    Wo setzt man für sich Grenzen, in denen man sich bewusst zurück fährt?
    Wie kleinschrittig geht man das an?

    1. Bei sich selbst.
    2. Genau da, wo man Antworten darauf findet, wovon du, liebes Sternchen, schreibst: nämlich durch

    tiefgreifendes Hinterfragen seiner Persönlichkeit und seiner Bedürfnisse

    und ergänzend seiner eigenen Motivation und seines (realistischen?) Anspruchs an sich selbst und seine Mitmenschen/Kollegen.
    3. In seinem eigenen Tempo in kleinen, großen und vielleicht auch Rück-Schritten, auf jeden Fall aber einen nach dem anderen.

    Möglicherweise wiederhole ich in meinem Beitrag einiges, was ihr anderen Lieben schon geschrieben habt. Das liegt an meinem heutigen „in Etappen schreiben“ und meiner „Faulheit“ oder „Entspanntheit“ (?), jetzt nochmal abzugleichen ?!

    Dir, liebe Charlene, wünsche ich ein entspanntes Verarbeiten der vielen Anregungen und Denkanstöße und/oder ein genauso entspanntes Entsorgen des für dich Unwichtigen/Unbrauchbaren!

    Liebe Grüße
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 3 Wochen von  Katrin.
    Charlene
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 16

    Puh ihr Lieben, erstmal vielen Dank für das ganze Feedback, jetzt musste ich mir mit den Antworten tatsächlich Zeit lassen, bis ich die Möglichkeit hatte, an meinen Laptop zu gehen, weil mir das per Handy dann doch zu unübersichtlich wurde 😉

    Ich geh davon aus, dass du diese Diskussion mit uns möchtest, wenn es dir zu direkt wird, bitte Bescheid sagen.

    Erstmal vielen Dank und nein, keine Sorge, hier ist nichts zu direkt – gerade diese offene Diskussion brauche ich glaube ich momentan (und hatte ich schon versucht in einem anderen Beitrag zu thematisieren & zu eröffnen) weil ich momentan auch Zweifel hege, ob ein Medizinstudium wirklich sinnvoll ist, wenn ich jetzt schon dazu neige, mich evtl. zu übernehmen, bzw. ein Medizinstudium (und den Weg, den ich erwäge einzuschlagen) womöglich noch mehr Stress darstellen könnte.
    Weil ich meine klar, ist das mein Traum, aber die Frage ist natürlich, wie viel Sinn es macht, Lebensqualität womöglich zu opfern, bzw. wo da die Grenze ist.

    ich könnte mir vorstellen, daß du auch in einem Beruf, bei dem es nicht um Leben und Tod geht,so perfektionistisch wärst.

    Da ist nämlich schon das nächste Problem: selbst wenn es kein medizinischer Beruf werden WÜRDE, wären meine Alternativwünsche entweder ein Psychologiestudium mit einem forensischen Hintergrund (ich weiß nicht, ob einem von euch der Name Lydia Benecke sagt?! Aber diese Richtung reizt mich seeeehr und die Dame ist eine wahre Inspiration und in einem Gespräch haben wir uns auch schon ein Mal austauschen könne, ob das denn eine Alternative für mich wäre) oder ein Jurastudium (in Richtung Staatsanwaltschaft). Auch das sind alles Berufe, in denen ich sagen würde, es wäre nicht unrealistisch dem Perfektionismus zum Opfer zu fallen 😀

    – Falls jemand mal Ideen und Vorschläge für mich hat, in welche Richtungen ich noch schauen könnte, immer nur her damit! Vielleicht kenne ich bahnbrechende Berufe noch gar nicht, die mich interessieren könnten und Migräne, Familienwunsch und meinen Arbeitseifer miteinander verbinden 🙂

    Die Frage ist, aus welcher Motivation heraus du so handelst, wie du handelst? Lob ist eine Form von Anerkennung, um Rat gefragt zu werden ist eine Form von Wichtigkeit. Wenn es dir darauf mehr ankäme als auf deine eigene Zufriedenheit mit deiner Arbeit, wärst du ziemlich abhängig…!

    Zu diesem Punkte würde ich mich gerne äußern, weil ich das vielleicht anbei hätte erwähnen sollen…
    Natürlich kommt es mir auf Lob und Wichtigkeit in meinem Beruf nicht primär an.
    Das mit der Medizin und mir hat schon seeeeehr sehr früh im Grundschulalter angefangen. Ich weiß gar nicht genau wieso?! Familiäre Expositionen habe ich keine. Auch bin ich in der näheren Familie die einzige mit Abitur. Aber bereits mit meinem 11. Lebensjahr bin ich Mitglied im Deutschen Roten Kreuz geworden (damals noch in deren Jugend). War so in die Medizin vernarrt, dass ich mir aus Papa’s alten ADAC Atlanten Erste Hilfe Maßnahmen abgeschrieben und in Heften zusammen gefasst habe. Habe jede Übung, jede Ausbildung mitgenommen. Wurde auf dem Gymnasium Schulsanitäter, Sanitätshelferausbildung bereits in der 10. Klasse absolviert, an Wettkämpfen teilgenommen, gewonnen, während des Abiturs schon mit der Rettungshelfer- und schließlich der Rettungssanitäterausbildung begonnen. In der Zeit war das nicht immer ganz so einfach, gerade weil meine Eltern in jüngeren Jahren jetzt nicht sooo angetan davon waren, dass ich in meiner Freizeit lieber Sanitätsdienste betreut habe und Rettungswagen gefahren bin, statt wie „normale Jugendliche“ Sport zu treiben und für die Schule zu lernen. Irgendwann kam aber der Punkt, wo sie begriffen haben, wie wichtig mir die Medizin ist und dass ich auch wirklich ein Händchen dafür zu haben scheine.
    Leider, leider, wie das so ist, wenn man viel neben der Schule macht (es kamen dann ja auch noch Nebenjobs dazu, etc.) wurden die Noten dann am Ende leider etwas schlechter und der NC reichte nicht für ein Medizinstudium.
    Also ein Jahr Rettungsdienst gefahren und als klar war, dass man wohl die vollen 7 Jahre warten müsse, kam halt noch die OTA Ausbildung dazu.
    In der Herz – Thorax – Chirurgie habe ich da schon in der Ausbildung mein Mecka finden können <3
    Das Herz war eh immer schon mein Lieblingsorgan – daran liebe ich einfach ALLES! Die Anatomie, die Physiologie… ich finde es einfach waaaaahnsinnig interessant, was der menschliche Körper mit dem Herzen alles so kann, was er verpackt und VOR ALLEN DINGEN was die Anästhesie da so zaubern und leisten kann. (Anästhesie wäre auch nach dem Studium mein absoluter Wunschfacharzt).
    Bei meiner Chefin hatte ich nach der Übernahme einen ziemlich schwierigen Stand. Man munkelt sie wollte eigentlich jemand anderen im Team, aber das Team hat ein wenig wegen mir genervt – weil sie und ich das so unbedingt wollten 😉
    Ich glaube, sie hielt mich ein bisschen für dumm. Hat mir am Anfang wirklich immer nur die gleichen Arbeiten gegeben, während mein Azubikumpane in seiner Einarbeitung schon um Meilen voraus war.
    Ich musste mir meinen Stand dort wirklich hart erarbeiten – aber ich habe es gerne gemacht.
    Umso stolzer bin ich natürlich, dass selbst die Ärzte auf meine Expertise vertrauen, denn sind wir mal ehrlich: die sind natürlich DEUTLICH älter und erfahrener als ich (sie sind schließlich Ärzte?!) und Herzchirurgen bezeichnen die Herzchirurgie gerne mal als den „Olymp“ – also was wollen die mit dem Rat einer 26-jährigen OP Schwester? 😀
    Und so stolz bin ich auch nicht wegen des Lobes an sich, sondern weil ICH mir das Wissen angeeignet habe, natürlich auch immer noch lernen will und mir genau so etwas die Bestätigung gibt, dass ich ja irgendwas richtig mache und dass das MEIN Ding gibt und dann kann der Tag noch so hart sein – das macht mich einfach echt glücklich.
    Wie viele Leute können von sich behaupten, ihre Leidenschaft in ihrem Beruf ausleben zu können?

    Denn deinen Worten kann ich nicht entnehmen, dass du ihre Arbeit wertschätzt, ihnen vertraust, ihnen etwas zutraust und nur (d)eine Wahrheit gelten ließest.

    Und das führt mich dann zum nächsten Punkt:
    Auch wenn das in meinem Brast jetzt etwas unter ging (i’m sorry for that!) : ich habe sehr sehr viele Kollegen, die (und deren Arbeit) ich sehr schätze. Ich habe Kollegen, denen kann ich blind vertrauen. Die wissen, wann es heiß wird, stehen mir aufmerksam bei, geben mir, was ich brauche, ohne dass ich es vorher überhaupt aussprechen musste. Und zu diesen Kollegen habe ich auch ein ganz enges Verhältnis, wir unternehmen Privates, man kann sich nicht beschweren.
    Leider ist es so, dass bei uns eine sehr sehr hohe Fluktuation herrscht. Viele junge Leute haben natürlich einen Studienwunsch und/oder sind dem Druck nicht gewachsen. Ältere Leute wollen lieber einen Gang zurück schalten und suchen sich ein kleineres Krankenhaus, im Idealfall ohne Rufdienste zB.
    Und dann kommen wirklich Mitarbeiter neu ins Team, die sich bewerben, weil sie gehört haben, man könne bei uns schnell viel Geld verdienen. Dass hinter viel Geld in der Pflege aber auch viel viel Arbeit steckt, wird wohl nicht erwähnt 😉
    Und jetzt ist es leider (oder eigentlich zu unserem Glück) so, dass wir uns momentan in einer Umstrukturierung befinden und dadurch um einiges weniger gearbeitet wird als zB. noch vor 3 Jahren.
    Das führt aber dazu, dass nicht nur die Neuen denken, dass man für wenig tun ja eh das gleiche Geld bekommt, sondern dass sich die „Alten“ (also noch länger da als ich) oft denken „gut, ich habe all die Jahre hart malocht, jetzt sind die Youngsters dran“ – das führt dann zum nächsten Punkt

    Habt ihr eventuell die Möglichkeit der Supervision, bei der du dir vielleicht mal von anderen spiegeln lassen kannst, inwieweit dein Einsatz in der Form, wie du es handhabst, und ja wohl auch für absolut nötig und richtig erachtest, sinnvoll ist?

    Mit einem Kollegen habe ich mich in den letzen Tagen ganz intensiv darüber unterhalten. Leider stehen wir ja auch ein wenig unter der Hirarchie meiner Chefin – die entscheidet jeden Tag, wer was macht. Wer knüppelt und wer ein wenig Luft hat. Und hier kommt die Schattenseite des Ärztelobes vorbei: wer gelobt wird, wird auch angefordert.
    Also reflektieren die Kollegen, dass ich (und noch 2 Kollegen) diejenigen sind, die IMMER am Op Tisch stehen, während andere manchmal sogar zwei Wochen lang keine OP machen 😀
    Aber ich hoffe dass sich dieses Thema erledigt, wenn wir einen neuen Chefarzt bekommen und die Ärzte da nicht ihr Wunschkonzert bekommen 😉

    Ach aber eigentlich schreibe ich ja viel zu viel schon wieder über die Arbeit 😀
    Der Punkt, mit dem ich nämlich schon mal selbstreflektierend anfangen möchte ist nämlich der, dass ich die Arbeit nun öfter mal die Arbeit sein lassen möchte und mich weniger über die Arbeit anderer oder ähnliches aufregen möchte.
    Tatsächlich konnte ich schon feststellen, dass ich dadurch weniger erschöpft bin, aber mir fällt es noch nicht immer ganz so leicht, das über mehrere Tage durchzuhalten 😀
    Zumal das mit den Kopfschmerzen dann immernoch so eine Sache ist.
    Vor drei Jahren bin ich noch fast jeden Tag länger geblieben, habe jeden Dienst übernommen, die Nächte durchgearbeitet, 7-12 Stunden ohne Pause am Tisch gestanden – alle mehr oder weniger ohne Probleme.
    Heute kneife ich die Augen schon nach 5 Stunden zu, muss mich ab und zu mal unter Protest meiner Chefin ablösen lassen wenn es nicht mehr geht, melde mich häufiger krank wenn die Kopfschmerzen zu schlimm sind (das Motto meiner Chefin ist nämlich wer arbeiten kommt, muss auch 100 Prozent geben, es wird keiner geschont) und joar 😀

    Auf welche speziellen Veränderungen hoffst du durch ein Studium?

    Durch das Studium erhoffe ich mir (vorerst) zumindest das Thema mit dem geregelten Tagesablauf neu strukutieren zu können. Mal raus aus meinem Schichtdiensttrott, neu orientieren… Außerdem ist es ja das, was ich wirklich will. So sehr ich meinen Job und mein Fach liebe, es bleibt ja immer der bittere Beigeschmack, dass es nicht das ist, was für mich die Endstelle ist und natürlich bleibt immer ein bisschen Unzufriedenheit.

    und ergänzend seiner eigenen Motivation und seines (realistischen?) Anspruchs an sich selbst und seine Mitmenschen/Kollegen.
    3. In seinem eigenen Tempo in kleinen, großen und vielleicht auch Rück-Schritten, auf jeden Fall aber einen nach dem anderen.

    Und das ist erstmal ein passender Schlussabschnitt für meine momentane Antwort:
    Der realistische Anspruch an mich selbst.
    Das ist glaube ich DER Knackpunkt, wo ich mir jetzt ganz schnell und intensiv drüber klar werden muss.
    Was will ich?
    Wo will ich hin?
    Kann ich das überhaupt erreichen? Was wären meine Alternativen oder gibt es vielleicht sogar etwas, was besser für mich wäre?
    Fakt ist nämlich auch, mit dem aktuellen stand meiner Migräne/Kopfschmerzen wüsste ich gar nicht, wie ich ein Studium überhaupt wuppen soll bzw. wie ich überhaupt das Leben NACH dem Studium schaffen soll.
    Ist ein solch intensives Fach überhaupt das Richtige für mich?
    In wie weit sollte ich mein Leben FÜR meine Gesundheit und Lebensqualität umstrukturieren?
    Was für Möglichkeiten habe ich?
    Wo sind meine Grenzen?
    In wie weit (und ich hoffe auf die Antwort dieser Frage im speziellen komme ich in Kiel ein wenig näher) beeinflusst mein aktueller Lebensstil überhaupt meinen Kopfschmerz?
    Ist mein Lebensstil ein verstärkender Faktor, oder gibt es da vielleicht was anderes?! Kann eine (gute) Prophylaxe wesentliche Verbesserung herbei führen? Kann ich dann den erdachten Weg gehen? Oder muss ich tiefer ansetzen?

    Fragen über Fragen die mich aber nur noch mit größerer (POSITIVER) Neugier nach Kiel blicken lassen! <3
    Ich hoffe wirklich, dass es mir die ersten Tage dort (sollte ich eine Medikamentenpause brauchen) nicht all zu schlecht geht – gefühlt würde ich ALLES mitnehmen, anhören, probieren was dort angeboten wird 😀

    Ich danke euch erstmal vielmals für dieses ganze Feedback und hoffe, wir bleiben weiterhin in solch einem regen Austausch! (gerne auch direkt 😉 )

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