Hormonelle Migräne (Aquamarine)

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    Hallo in die Runde,

    ich möchte Euch von meiner Geschichte erzählen, die inzwischen schon drei Jahrzehnte andauert, ich aber nun zu einem – hoffentlich! – entscheidenden Punkt gekommen bin.

    Ich bin 44 Jahre alt und meine Migräne begann in der Pubertät – damals eher als Kopfschmerzen abgetan – da sie zwar unangenehm waren, sich aber über die Jahre einigermassen im Rahmen bewegten.

    Schlimmer wurde es dann mit etwa 30, als ich beruflich immer mehr im Ausland unterwegs war. Das Reisen durch unterschiedliche Zeitzonen, unregelmässige Schlafrhythmen, dann vielleicht noch ein Glas Wein am Abend – das bedeutete für meinen Körper Stress und äusserte sich durch immer stärkere Migräneattacken am nächsten Tag. Die ersten Jahre war das noch einigermassen auszuhalten – vor allem weil mich mein kreativer Beruf, den ich so sehr liebte, in nur jede erdenkliche Ecke dieser Welt reisen ließ und es für mich undenkbar gewesen wäre, darauf zu verzichten. Also verzichtete ich dafür lieber komplett auf Alkohol, achtete auf meine Ernährung und genügend Schlaf.

    Leider wurde es mit Anfang 40 so schlimm, dass ich bei Migräneattacken oft den ganzen Tag im verdunkelten Raum flachlag, mich permanent übergeben musste, ich teilweise reiseunfähig war und nur mit starken Medikamenten gegen Übelkeit – und Kotztüte bewaffnet mit schlotternden Knien – wieder nach Hause reisen konnte.

    In der Zeit war ich immer mehr bei Ärzten – Allgemeinärzten, Neurologen, Kardiologen, Psychologen etc. Der Allgemeinarzt machte ein großes Blutbild und schob die Migräne auf einen Mangel an Vitamin B12 und Eisen, war aber sichtlich überfordert mit dem Thema. Diese Werte wurden auch nicht weiter hinterfragt bzw. verfolgt. Nachdem er zu keinem Ergebnis kam, ging ich zu einem Kopfschmerzspezialisten und Neurologen. Dieser machte eine Komplettuntersuchung mit MRT, Hirnstrommessungen, Blutdruck etc. und stellte nach einer einmaligen Messung – bei der mir vorab ein starker Kaffee serviert wurde – einen erhöhten Blutdruck fest. Er verschrieb mir ein Blutdruckmittel und damit war die Behandlung für ihn abgeschlossen. Mein Blutdruck war all die Jahre zuvor immer im Normalbereich und ich war verwundert, dass hier mit nur einer Messung die Medikation der nächsten Jahre festgelegt wird. Als ich mich nochmal bei ihm meldete, da ich große Probleme mit den Nebenwirkungen des Medikamentes hatte, tat er dies entnervt ab und schob es auf meine psychische Instabilität, was ich als absolute Frechheit empfand. ich war zwar später noch einmal bei einem Kardiologen, der bei mir ein Langzeit-EKG und 24-Stunden-Blutdruck-Messung vornahm, aber da war bis auf leicht erhöhten Blutdruck, der sich einfach mit pflanzlichen Mitteln behandeln liess, nichts zu finden.

    Leider wurden in den letzten 3 Jahren die Attacken so schlimm, dass ich meinen kreativen Beruf quasi vollkommen aufgeben musste. Ich arbeite zwar noch selbständig in einem weiteren Bürojob, doch auch da habe ich inzwischen große Probleme, trotz der geregelten Tagesabläufe. Meine Attacken dauern inzwischen manchmal bis zu zwei Wochen an, was daran liegt, dass sich eine z.B. einwöchige Migräne durch die Daueranspannung oft in einen Spannungskopfschmerz umwandelt. Teilweise muss ich mich in der Zeit mehrere Tage übergeben und liege im Bett. Sumatriptan in Kombination mit Ibuprofen und einem Magenmittel helfen zwar vorübergehend, sind aber nicht die Dauerlösung. Ich komme inzwischen jeden Monat auf die 10 Einnahmetage, wobei das die stärksten Migränetage sind. Weitere Tage versuche ich ohne Schmerzmittel durchzuhalten, um nicht über die 10 Tage zu kommen. Manche Monate sind dann wieder ein bisschen entspannter. Ich war mein Leben lang ein sehr lebenslustiger Mensch mit einem großen Freundes- und Bekanntenkreis. Dieses Umfeld hat sich nun die letzten Jahre durch meine Krankheitsgeschichte rapide verkleinert, was – zusätzlich zu meiner beruflichen Umstellung – Depressionen zur Folge hat. Ich gehe nun zusätzlich seit zwei Jahren zu einem Psychologen, doch auch der ist mit dem Thema überfordert.

    Nun empfahl mir eine Freundin eine Heilpraktikerin, die ich letzten Sommer das erste mal aufsuchte. Diese brachte mich auf einen vollkommen neuen Weg. Sie stellte einen latenten Ferritinmangel fest, der durch die letzten Jahren immer stärker werdenden Monatsblutungen verursacht wurde und vermutete einen hormonellen Zusammenhang, da meine Migräne verstärkt in der ersten Zykluswoche auftrat. Erstaunlicherweise bestand der Ferritinmangel wohl schon seit längerem, wie man in all meinen Blutbildern ersehen kann. Verfolgt hat das aber niemand so wirklich. Sie schickte mich zu meinem Hausarzt, der mir drei Eiseninfusionen verabreichte. Und siehe da – ich hatte einen Monat keine Kopfschmerzen. Dann empfahl sie mir, meine Gynäkologin aufzusuchen, um einen Hormonstatus anfertigen zu lassen. Sie war sich sicher, dass bei mir aufgrund meiner typischen Symptome ein Progesteronmangel bzw. eine Östrogendominanz vorliege. Die Gynäkologin rief mich eine Woche nach der Blutentnahme an mit den Neuigkeiten, dass sowohl mein Östrogen als auch mein Progesteron im absoluten Normbereich lägen, also nichts weiteres in die Richtung zu veranlassen wäre. Auch sie war überfordert mit dem Thema Migräne und Hormone, obwohl sie eine renommierte Gynäkologin in München ist. Die einzige Lösung, die ihr einfiel, war die durchgehende Einnahme der Anti-Baby-Pille Maxim, um die starken Blutungen und den daraus resultierenden Ferritinmangel zu verhindern. Auf meinen Hinweis, dass ich die Pille nie vertragen habe, ging sie nicht wirklich ein, da ihr schlichtweg nichts besseres einfiel.

    Mitte November 2018 begann ich mit der Einnahme der Pille und – wie schon befürchtet – setzten bei mir alle Nebenwirkungen ein, die in dessen Beipackzettel zu finden waren, weshalb ich sie nach einer Woche wieder absetzte und die Behandlung für meine Gynäkologin somit abgeschlossen war.

    Zur gleichen Zeit informierte mich meine Heilpraktikerin nach Ansicht meines Hormonstatus darüber, dass die Werte zwar einzeln im Normbereich lägen, aber – wie schon vermutet – in einem extremen Missverhältnis zueinander stünden. Sie ist sich sehr sicher, dass das des Rätsels Lösung ist und empfahl mir eine naturidentische Hormontherapie bei einer Endokrinologin. Auch mein Hausarzt stimmt ihr zu, dass mir diese Therapie sehr helfen werde, da der Progesteronmangel schon sehr eklatant wäre. Mitte Januar habe ich nun einen Termin und ich bete natürlich schon seit Wochen, dass dies hoffentlich in irgendeiner Form mein Leben wieder in eine angenehmere Richtung leitet, auch wenn ich keine Wunder erwarte.

    Ich habe mich nun sehr mit dem Thema „Hormonelle Migräne“ im Internet auseinandergesetzt und bin auf viele Artikel und sogar Bücher gestoßen. Erstaunlicherweise habe ich seit Jahren all die Symptome eines Progesteronmangels – ohne es zu wissen – was mir ein bisschen Mut für einen möglichen Erfolg der Hormontherapie macht.

    Was mich wirklich stutzig macht, ist der Umgang der Ärzte über die Jahre mit dem Thema. Ich bin Privatpatient, war durchgehend bei sehr guten Ärzten, habe inzwischen sicher einen hohen fünfstelligen Betrag dort gelassen, doch keiner der Ärzte war wirklich in der Lage, in die Tiefe zu gehen bzw. nach Ursachen zu suchen, die abseits der „grosses Blutbild“ und 08/15-Ansätzen lagen. Vor allem die Langzeitschäden eines latenten Progesteronmangels wie Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs etc. sind in meinen Augen eigentlich ein Grund, dass sich mehr Ärzte mit dem Thema auseinandersetzen sollten.

    Aber die Hoffnung stirbt zuletzt – ich bin nun wirklich gespannt, was die Hormontherapie bei mir bewirkt.

    Hat jemand ähnliche Erfahrungen wie ich zu diesem Thema? Ich würde mich über Antworten freuen!

    Liebe Grüße

    • Dieses Thema wurde geändert vor 1 year, 1 month von Aquamarine.
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    Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 28677

    Willkommen im Forum, liebe Aquamarine. 🙂

    Eins gleich mal vorweg: Migräne ist eine neurologische, vererbbare Erkrankung. Sie ist eine primäre Erkrankung und nicht das Symptom einer anderen Erkrankung. 😉

    Du schilderst eigentlich einen ganz normalen Verlauf der Migräneerkrankung. Sie nimmt in dieser Altersspanne leider oft immer mehr zu, da Migräne eine progrediente Erkrankung ist. Im Alter (so um die 70) lässt sie in aller Regel wieder nach, da die Hirnaktivität dann auch etwas nachlässt. Und es ist auch nicht unüblich, um die Periode herum stärkere Attacken zu haben. Das muss auch gar nichts mit einem hormonellen Problem zu tun haben.

    Wie wurde denn der Progesteronmangel gemessen?

    Ich habe mich nun sehr mit dem Thema „Hormonelle Migräne“ im Internet auseinandergesetzt und bin auf viele Artikel und sogar Bücher gestoßen. Erstaunlicherweise habe ich seit Jahren all die Symptome eines Progesteronmangels – ohne es zu wissen – was mir ein bisschen Mut für einen möglichen Erfolg der Hormontherapie macht.

    Wenn man zu Progesteronmangel googelt, erhält man entweder Seiten von Anbietern diverser Produkte, Seiten von Heilpraktikern, Naturheilkunde-Seiten, oder sonstiger alternativer Heiler. Also nichts wirklich Fassbares.
    Das erstaunt nicht, denn würde die Substitution von Progesteron in der Migränetherapie auch nur irgendwie von Bedeutung sein, würden wir alle nur diesen vermeintlichen Mangel ausgleichen und alles wäre gut. Ist es aber nicht, weil dies keine Lösung darstellt.

    Heilpraktiker erstellen oft erstaunliche „Diagnosen“, daher muss man aufpassen, nicht noch mehr verunsichert zu werden. Sie sind keine Ärzte und die Empfehlungen sollte man immer hinterfragen. Aber zumindest gut, dass sie Dich zu Ärzten weiterschickt. Aber alles in allem – das Progesteron wird Dein Problem nicht lösen.

    Nun empfahl mir eine Freundin eine Heilpraktikerin, die ich letzten Sommer das erste mal aufsuchte. Diese brachte mich auf einen vollkommen neuen Weg. Sie stellte einen latenten Ferritinmangel fest, der durch die letzten Jahren immer stärker werdenden Monatsblutungen verursacht wurde und vermutete einen hormonellen Zusammenhang, da meine Migräne verstärkt in der ersten Zykluswoche auftrat.

    Wie stellte sie den Ferritinmangel fest?

    Zur gleichen Zeit informierte mich meine Heilpraktikerin nach Ansicht meines Hormonstatus darüber, dass die Werte zwar einzeln im Normbereich lägen, aber – wie schon vermutet – in einem extremen Missverhältnis zueinander stünden.

    Aha, und wie entstand diese „Diagnose“?

    Es tut mir leid für Dich, dass Du von den Ärzten oft nicht so umfassend beraten und auch nicht wirklich gut betreut wurdest, so dass man dann andere Wege sucht, die nicht immer halten können, was sie versprechen. Für den Kranken bedeutet dies aber eine weitere Verzögerung und die Verfolgung „falscher“ Ziele.

    Migräne ist weder mit Progesteron zu behandeln noch mit Eiseninfusionen. Verbessern können sich in solchen Fällen nur sekundäre Kopfschmerzen, die eventuell mal aufgrund eklatanter Mängel auftreten. Aber diese sehr starken Mängel gibt es fast nie, sonst wäre man nämlich schwer krank.

    Ist alles nicht so einfach, vor allem auch, wenn man nun mehrere Wege gehen will, aber ich würde Dir zu einem weiteren Versuch bei einem Neurologen raten, der sich mit Migräne auskennt.

    Liebe Grüße
    Bettina

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5823

    Liebe Aquamarine,

    dass deine Monatsblutungen stärker werden, kann daran liegen, dass du vom Alter her dich so langsam Richtung Wechseljahre bewegst. Viele Frauen sind in dieser Phase von deutlich stärker werdenden Monatsblutungen betroffen, deshalb sollte man dann das Thema ausreichende Eisenversorgung immer im Hinterkopf behalten.

    Bei geringen und harmlosen Auffälligkeiten im Blutbild wird ein Arzt richtigerweise erst einmal gar nichts tun, da man Symptome behandeln sollte und keine Werte. Es gibt Menschen mit ausgesprochen niedrigen Eisenwerten und kaum nachweisbaren Ferritin-Werten, die munter durch die Gegend springen, während andere mit einem Ferritin-Wert von 30 bereits Eisenmangel-Symptome zeigen. Dazu gehören u.a. Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Unkonzentriertheit – und Kopfschmerzen. Diese jedoch eher allgemeiner Natur, nicht als Migräne.

    Ich habe lange Zeit unter einer schweren Eisenmangel-Anämie gelitten und mein Eisen-Spezialist prophezeite mir mutig, dass mit der Behebung des Eisenmangels auch meine Migräne verschwinden würde. Ich blieb skeptisch und das zu Recht, denn meine Migräne beeindruckte das in keiner Weise. Wie Bettina schon schrieb, ist Migräne eine neurologische Erkrankung.

    Dass du nach den Eiseninfusionen vier Wochen ohne Migräne hattest, freut mich für dich riesig. Ähnliches wird allerdings auch von Leuten berichtet, die bei einem starken Vitamin D-Mangel o.ä. endlich behandelt werden. Es ist ein gutes Gefühl, dass „endlich was gemacht wird“, das kann in der inneren Haltung viel Entspannung bewirken. Wäre es das Mittel selber, müsste die Wirkung bei fortlaufender Gabe ja dauerhaft anhalten, und das tut sie nicht.

    Falls du zum Eisen-Thema noch detailliertere Fragen haben solltest, gerne auch per PN, denn darin bin ich (durch die eigene leidvolle Erfahrung) ziemlich fit.

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 year von heika.
    Aquamarine
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 9

    Liebe Bettina, liebe Heika,

    erstmal danke für Eure Antworten!

    Ich glaube, ich habe mich in meinem Post etwas missverständlich ausgedrückt. Natürlich sehe ich den Progesteronmangel nicht als Ursache meiner Migräne, sondern als einen zusätzlichen Trigger von vielen. Und da sich meine Migräne ausserhalb dieser ersten und zweiten Zykluswoche sehr im Rahmen hält, bleibt bei mir dennoch ein kleiner Hoffnungsschimmer. Vor allem in der ersten Zykluswoche bin ich sensibel auf jeden kleinsten zusätzlichen Trigger, in den letzten zwei Zykluswochen habe ich oft gar keine Migräne und kann ab und zu sogar Alkohol trinken und es passiert nichts.

    Mir ist natürlich absolut klar, dass meine Migräne – wie Du (Bettina) schon sagst – genetisch vererbt ist. Sowohl meine Mutter als auch mein Vater litten viele Jahre darunter – ich habe es also doppelt abbekommen.

    Falls du zum Eisen-Thema noch detailliertere Fragen haben solltest, gerne auch per PN, denn darin bin ich (durch die eigene leidvolle Erfahrung) ziemlich fit.

    Das wäre toll! Kannst Du irgendein Präparat abseits der Infusionen empfehlen, das e