Ich bin ein Monster und die Migräne manchmal auch

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    Hallo allerseits,
    ich, weibliche 40erin, bin gerade über die Migräne-App auf diese Community gestoßen und finde diese sehr spannend. Parallel mache ich auch das KopfschmerzCoaching der TK mit… ich weiß schon so ein paar Dinge und bin doch immer – noch und wieder – auf der Suche, vor allem nach Hilfe. So hoffe ich, bei Euch auf offene Ohren zu stoßen. ?

    Meine Schmerzgeschichte:
    Migräne hab ich – soweit ich mich erinnern kann – spätestens seit 2006, da war ich (schon) 27. Ich kenne das soweit ich zurückdenken kann von meiner Mama, die oft und heftig darunter gelitten hat und auch heute mit 65 noch darunter leidet. Darum war das recht schnell so einzuordnen, zumal typische Symptome mit Aura etc. auftraten. Nur diagnostiziert hat das damals keiner, da ich ein ausgesprochener Ärztemuffel war.

    Ich habe so damit herumgelebt, durchschnittlich 1x pro Monat. Ich habe aber trotzdem immer weiter an meiner Promotion gearbeitet, denn Ehrgeiz und übermäßiges Pflichtbewusstsein und „Funktionieren-müssen“ ließen keine Ruhe zu. Bin übrigens eine HSP! Nach der Promotion kam der Umzug in die neue Stadt und in einen Job, bei dem ich dann, um mich zu beweisen, rangeklotzt habe, teilweise 80 Wochenstunden … über Monate. Klar, dass sich das gerächt hat. Die Migräne kam häufiger und wurde stärker: ausgeprägte Aura (Tippfehler en mass, Sprachprobleme und Wortfindungsstörungen), Sensibilitätsstörungen in Gesicht und Finger, Licht und Lärm – iih bääh!, Lichtflackern, Übelkeit und das seltsame Gefühl Entfernungen nicht mehr richtig abschätzen zu können. Ich habe trotzdem weitergearbeitet, höchstens mal die Kollegin gefragt, ob mein Gesicht noch gerade ist. Es bohrt und pocht und fühlt sich pelzig an (fast) immer links. Die Aura hielt auch immer während der Kopfschmerzen an und dauerte manchmal über eine Woche. Soweit meine Verweigerung auf mich selbst zu hören und zu achten.

    Dann kam der Krankheitsmarathon, der seit dem zwar mal pausiert aber nie aufhört: 2013 CRPS und Myokarditis; 2014 Panikattacken und beginnende Depression, 2x Leistenbruch-OP; 2015 schwere Depression mit 7,5 Monaten Klinikaufenthalt; seit dem 50%-Stelle und psychologische Betreuung. UND ich muss sagen, psychisch hab ich mich aus dem meisten sehr gut herausgearbeitet und ich bin stabiler, selbstsicherer und selbstfürsorglicher als jemals zuvor. Das interessante ist, dass ich während der Phase mit viel Pregabalin (CRPS) und dann mit viel SSRI und Olanzapin (Depression) 1,5 Jahre keine einzige Migräneattacke hatte! Seltsam, seltsam!

    Doch seit einem Jahr kehrt die Migräne zurück – nachdem ich das Olanzapin reduziert habe!? Und sie hat sich verändert! Leider haben mir die Psychiater gesagt, ich dürfe Triptane nicht mit dem SSRI kombinieren, was ich auch brav gemacht habe. Zunächst hatte ich nach einem kleinen Bandscheibenvorfall in der HWS starke Nackenprobleme und Dauerkopfschmerzen vom Hinterkopf nach vorne und da auch meist links (= 2 Wochen Krankschreibung). Dazu kam ein Schwankschwindel mit Benommenheit inkl. Gangunsicherheit und Fallneigung, der 4 Wochen anhielt. Die Sensibilitätsstörungen im Gesicht um Mund und Nase sowie kleinen Fingern hielten 2,5 Monate. Beides konnte sich mein Orthopäde nicht so recht erklären, da es nicht zum Ort des Vorfalls passt. Also Verlegenheitsdiagnose…

    Im November bin ich dann bei der Arbeit auf dem Charité-Gelände mit einem plötzlichen Schwächeanfall, akutem Schwankschwindel und Übelkeit mit Erbrechen zusammengeklappt. Rettungsstelle, Neurologie, MRT … nichts zu finden außer Gangunsicherheit und ungerichteter Fallneigung. 2 Tage später dann die sehr starken Kopfschmerzen, Übelkeit und Pelzigkeit links, dauerten 3 Tage. 8 Tage Krankschreibung und niedergelassenen Neurologen gesucht.

    Sagt, das sei „Schwindelmigräne“ – also vestibuläre!? – mit der Besonderheit, dass bei mir der Schwindel als Aura auch vorher kommt und nicht nur Stunden sondern Wochen anhält. Diesmal 3,5 Wochen! O-Ton Neurologe: Sie dürfen Triptane (2,5 mg Naratriptan) nehmen, aber gegen den Schwindel könne man nichts machen! Na toll! Ich war begeistert, das könnt Ihr Euch denken. Seitdem 7 Attacken in 9 Wochen, von denen manche noch am selben Tag durch Triptane gestoppt werden konnten oder dann nur 3 Tage anhielten. Soweit so gut.

    Ich bin dabei die Psychopharmaka eines nach dem anderen trotz massiver Absetzsymptomatik auszuschleichen. Da solle sich mein Organismus erst einmal einpendeln, dann könnten wir im Falle der Fälle nach einer Prophylaxe schauen, so sagt der Neurologe. Finde ich gut, mir reicht es ja eigentlich mit all den Medis und ihren Nebenwirkungen. Letzte Woche dann wieder Migräne, kaum aushaltbar und innerhalb von 10 min voll da. Naja, alle Autos und Zigaretten haben so dermaßen gestunken, ich habe in der U-Bahn trotz Winterjacke angefangen zu frieren, das Licht war zu hell. Als Vorboten hatte ich Euphorie und tausend Gedanken gleichzeitig, Müdigkeit und interessanterweise über Stunden gehäufte Extrasystolen, zu denen ich seit der Myokarditis neige, sowie leichter Schwindel.

    Das erste Triptan hat die Schmerzen auf sehr stark reduziert, was immerhin dazu reichte nachhause zu fahren und mich hinzulegen. Hab mir den Wecker auf 4 Stunden gestellt und das zweite Triptan genommen. Dankenswerter Weise dann nur noch mittlere Schmerzen, aber starker Schwindel mit Übelkeit. Nächsten Tag war ich krankgeschrieben (Fr), vom HA, und habe weiter geruht. Ich war so schwach, was zusammen mit der Gangunsicherheit und der Fallneigung durch den Schwindel gar nicht gut kommt. Am Samstag war ich wieder kräftig genug, um alles Schwanken einigermaßen auszugleichen. Dachte, ich könnte 5 min um die Ecke, um mir einen schönen frischen Salat zu kaufen. Da bin ich dann leider mit starkem Schwächeanfall zusammengeklappt. Ich konnte nicht mehr alleine stehen und auch nichts halten, zudem war meine Sprache schleppend und etwas verwaschen. Also wieder ab in die Rettungsstelle. Ergebnis: neurologisch alles i.O., also Migräne (Kopfschmerzen setzten dort ein, außnahmsweise rechts), bei der doch tatsächlich 1g Paracetamol oder 500 mg ASS i.v. nichts gebracht haben. Ach echt? Nach fast 7 Stunden durfte ich mit der Anweisung ein Triptan zu nehmen wieder nachhause. Seitdem bin ich sehr matt, aber noch mit genügend Kraft um ganz langsam durch die Wohnung zu krauchen oder mich für die Woche krankschreiben zu lassen. Der Schwindel und die Benommenheit sind unverändert, Übelkeit und immer Kopfschmerzen, die seit 6 Tagen nie ganz weg gehen und heute auch wieder nach links wanderten und die Gesichtshälfte enorm taub machten. Natürlich verkrampft sich dann auch mein Nacken, das sehe ich aber eher sekundär.

    Mein Neurologe kann mich erst in 3 Wochen reinschieben. Wenn es bis dahin besser ist – das hoffe ich doch! – dann wird auch dieser Termin auf April/Mai verschoben. ? Im letzten halben Jahr war ich 7 Wochen wegen Schwindel und Übelkeit krankgeschrieben. Triptane nehme ich erst wieder seit Dezember, was bislang 8 Stück in 2,5 Monaten waren. Aufgrund der Depression mache ich schon regelmäßig die verschiedensten Entspannungsverfahren (PMR, Atemtherapie, Autogenes Training, Phantasiereisen … je nachdem wonach mir gerade ist). Auch bin ich ein rechter „Turnschuh“, 3x / Woche Ausdauersport müssen schon sein, und solche Schwäche wie im November oder letzten Samstag hatte ich noch nie!

    So, das in langer „Kürze“ ? Die Schwindelsymptomatik mit Benommenheit und die permanente Übelkeit gehen mir ehrlich gesagt auf den S. … Ich weiß, ich bin bei Euch in guter Gesellschaft und werde mich in Geduld üben!

    Über einen Austausch würde ich mich aber sehr freuen!

    Seid herzlich gegrüßt!!!

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28354

    Hallo Monster, herzlich willkommen. 🙂

    Du hast ja schon einiges mitgemacht, alles nicht so einfach. Ich gehe mal der Reihe nach Deinen Bericht durch.

    Das interessante ist, dass ich während der Phase mit viel Pregabalin (CRPS) und dann mit viel SSRI und Olanzapin (Depression) 1,5 Jahre keine einzige Migräneattacke hatte! Seltsam, seltsam!

    Also das ist schon mal gar nicht seltsam, da all diese Medikamente auch erfolgreich als Migräneprophylaxen eingesetzt werden. 😉 Neuroleptika auch mal für die Medikamentenpause. Zeigt also, dass Du hier schlicht und ergreifend auch Wirksamkeit für die Migräne hattest.

    Leider haben mir die Psychiater gesagt, ich dürfe Triptane nicht mit dem SSRI kombinieren, was ich auch brav gemacht habe.

    Hier wird auf das eher theoretische Problem des Serotoninsyndroms hingewiesen. Theoretisch möglich, in der Praxis kaum gesehen. Die Kombination wird weltweit millionenfach eingesetzt, der Verzicht auf Triptane war daher nicht sinnvoll.

    Sie dürfen Triptane (2,5 mg Naratriptan) nehmen, aber gegen den Schwindel könne man nichts machen!

    Triptane helfen nur gegen die Schmerzen, nicht gegen den Schwindel und dürfen auch während der Aura (sofern der Schwindel migränebedingt ist) nicht eingesetzt werden.

    Dass es gegen den migränebedingten Schwindel nichts gibt, stimmt so auch nicht. Gut wirksam bei dieser Migräneart wäre Flunarizin, das aber bei Deiner Problematik mit Depressionen nicht angezeigt wäre. Sinn könnte aber z. B. Lamotrigin machen, oder einfach noch mal Pregabalin. Du hattest es bereits, scheinbar auch gut vertragen und immerhin war es bei den Medikamenten dabei, die Dir die Migräne vom Leib gehalten hatten. 🙂

    Magnesium kann auch Sinn machen, einfach mal versuchen.

    Achtest Du auch auf Regelmäßigkeit, Pausen, genügend Kohlenhydrate usw.?

    Liebe Grüße
    Bettina

    Monster
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 48

    Liebe Bettina,

    Lieben Dank für Deine Antwort. Letztlich bin ich ja noch recht bei allem, was Therapie heißt, daher danke für die Hinweise. Mein Neurologe war nicht so recht von einem Zusammenhang mit Olanzapin überzeugt, gab aber zu sich damit nicht gut auszukennen. Und Pregabalin damals war nötig, hat mich aber ziemlich umgehauen, heißt, ich war benebelt und benommen und stark verlangsamt im Denken. Das fand ich immer gruselig. In der Psychiatrie haben die mich dann recht schnell entzogen, weil auch das kontraproduktiv bei Depression war. Nun. Jetzt bin ich aus der Depression raus und vielleicht bringt es auch eine niedrigere Dosis mit weniger Nebenwirkungen. Werde alles für meinen nächsten Termin im Kopf behalten.
    Und was die Regelmäßigkeit angeht liebe ich es prinzipiell Stundenpläne zu machen. Scherz beiseite, ich mag regelmäßigen Sport und ins Bett und Aufstehphasen. Ich habe vieles entschleunigt und bin schon immer eher der Nudel-Reis-Brot-Körneresser. Naja, und ohne Milchprodukte würde mir echt was fehlen. Dennoch ist mein Speiseplan außnahmsweise nicht ausarbeitet und kann sicherlich in einigem noch verbessert werden. Ich werde mich belesen und mich auch hier durchstöbern.

    Danke nochmal und liebe Grüße an alle!

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 613

    Liebe Monster,

    schön, das du ins headbook gefunden hast und mit dir selbst fürsorglicher umgehst! Wie ein Monster siehst du gar nicht aus ?!

    Möglicherweise habe ich etwas in deinem sehr umfangreichen Beitrag überlesen oder nicht (richtig) verstanden, und du kannst mich aufklären. Gerne in kurzer „Kürze“, mein „Arbeitsspeicher“ ist heute sehr begrenzt ?!

    Das interessante ist, dass ich während der Phase mit viel Pregabalin (CRPS) und dann mit viel SSRI und Olanzapin (Depression) 1,5 Jahre keine einzige Migräneattacke hatte!

    Ich bin dabei die Psychopharmaka eines nach dem anderen trotz massiver Absetzsymptomatik auszuschleichen.

    Warum setzt du Medikamente ab, die dir eineinhalb Jahre migränefreie Zeit beschert haben??? In den Beipackzetteln steht unter „Gegenanzeigen“ keine Depression.

    Liebe Grüße
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    Monster
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 48

    Moin Moin Katrin,
    ja, manchmal bin ich eine Labertasche …

    Ich bekam und bekomme Sertralin und Olanzapin gegen die Depression und haben auch gut geholfen. Nun bin ich stabil, die Nebenwirkungen aber akkumulierten mit der Zeit:
    Speziell das Olanzapin soll raus, weil es u.a. (!) meinen Stoffwechsel in Richtung Diabetes verschiebt. Und das Sertralin nehme ich in Höchstdosis von 200 mg. Das soll dann auch mal wieder runter, ob ganz weg, wird sich zeigen.

    Ich bleib auch mal an Verordnungen für die Physio dran, denn mein Therapeut empfiehlt vom Nacken bzw. dem Kiefer aus zu arbeiten könnte helfen. Wer weiß? Probieren halt …

    Liebe Grüße und eine gute Nacht in einen besseren Tag

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 613

    Moin Monster,

    aus deinem Gruß folgere ich, dass du ein Nordlicht bist ??!

    Aufklärung gelungen, danke!

    Auflockerung – welcher Art auch immer – kann zu mehr Entspannung – welcher Art auch immer – führen und somit die Migräne möglicherweise indirekt (im Sinne von weniger Anspannung) beeinflussen.
    Es wäre erfreulich, wenn dir eine physiotherapeutische Behandlung gut täte!

    Danke, dir und allen auch eine gute Nacht!
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    Monster
    Teilnehmer