Ich weiß einfach nicht mehr weiter… (Bianca)

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  • Bianca
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    Beitragsanzahl: 10

    Hallo mein Lieben!
    Auch ich möchte mal wieder berichten, wie es mir mit meiner Migräne so ergeht und mir gleichzeitig etwas Trost holen.
    Mittlerweile hab ich seit gut 20 Jahre Migräne mit Aura und dachte bis vor einiger Zeit, ich kann gut damit umgehen. So fühlt es sich aber momentan nicht mehr an.
    Im Jänner dieses Jahr bekam ich die Diagnose „Endometriosezyste im Eierstock“ und vermutete Endometrioseherde im Bauchraum. Vor dieser Zeit hatte ich zwischen 2-6 Monaten Abstand immer mal wieder Migräne. Ich weiß, viele von euch belächeln das und sagen, dass ist ja nicht viel. Ab Jänner hat es sich aber dann geändert. Seit dem habe ich mindestens 1x im Monat Migräne. Es belastet mich wirklich sehr. Vor allem die Aura. Es beginnt immer gleich, indem ich für 30 bis 60 Minuten Flimmerskortome/Blitze/Zickzacklinien vor einem Auge habe und anschließend treten entweder ziemlich stark die Kopfschmerzen und Verspannungen ein, oder nur ganz leicht. Ich muss mir eingestehen, ich halte diese Aura einfach nicht mehr aus. Es schränkt mich so dermaßen ein . Ich wache jeden Morgen auf und mein erster Gedanke ist „hoffentlich bekomm ich heute kein Migräne“. Ich geh fast nur mehr mit Sonnenbrille raus, verdunkle ständig unsere Wohnung, weil ich extreme Lichteinstrahlung vermeiden will. Ich esse keine Schokolade mehr, mache mehrmals die Woche progressive Muskelentspannung, halte meine Schlafenszeiten ein usw. Ich komme mir vor wie eine 80 jährige Frau. Ohne Diaspora l Magnesium möchte ich nicht mal mehr einen Spaziergang machen. Ich erkenne mich selbst kaum wieder 🙁 Und ich versteh einfach nicht, warum ich Migräne jetzt so häufig bekomme. Die letzten 3 Male hatte ich sie komischerweise jedes Mal vor meiner Periode. Hat es sich nun zu einer zyklusabhängigen Migräne verändert? Ich versuche regelmäßig Walken zu gehen und nehme Migravent als Prophylaxe oder eher als Placebo. Akupunktur hab ich auch wieder begonnen. Ich bin wirklich am Ende. Mein Neurologe meint halt immer, für eine medikamentöse Prophylaxe hätte ich die Anfälle seiner Meinung nach zu selten, er überlässt die Entscheidung jedoch mir. Betablocker bekam ich mal vor Jahren kurzzeitig und musste es aufgrund der Nebenwirkungen wieder absetzen. Eigentlich weiß ich, diese Medikamente haben alle erhebliche Nebenwirkungen und ich muss wohl den Nutzen und das Risiko abwägen. Aber keine Ahnung wie. Was hätte ich denn lieber? Weniger Migräne oder die Nebenwirkungen? Wenn ich nur 100%ig wüsste was meine Migräne auslöst. Stress spielt eine große Rolle bei mir und daran arbeite ich zur Zeit mit einer Gesprächstherapie diesen zu reduzieren…..immer nach dem Stress in den Erholungsphasen kommt Migräne…aber auch manchmal vor der Periode, manchmal beim Wetterumschwung……FRÜHER hab ich einfach damit gelebt, ich habs akzeptiert und mir was eigentlich egal, obwohl die Anfälle damals deutlich intensiver waren. Heute flipp ich komplett aus. Beginne oft zu weinen und bin komplett ratlos. Ich erkenne mich selbst nicht wieder. Was kann ich denn noch tun? Osteopathie, Homöopathie, Physiotherapie, Biofeedback hab ich schon alles durch. NULL Veränderung.
    Könnt ihr mir Tipps geben, wie ihr mit der Migräne umgeht?
    Habt ihr noch Prophylaxen für euch gefunden, bevor ihr zu den Medikamenten greift?
    Im Juli hab ich die nächste Kontrolle beim Neurologen und bis dahin möchte ich noch alles versuchen.
    Ich bin 31 Jahre alt, ich liebe meinen Job und eigentlich mein Leben und bin komplett verzweifelt, weil ich mich total einschränke. Ich mag nicht mal mehr auf Urlaub fahren weil ich Angst hab, ich könnte irgendwo Migräne bekommen.
    Und lacht mich jetzt nicht aus…..ich war immer jemand, der guten Sex in der Partnerschaft für sehr wichtig empfunden habt. Und siehe da….letztes Jahr im September hatten wir 2x Sex und ich bekam sofort danach Migräne….seitdem schlafe ich nicht mehr mit meinem Mann, aus Angst, ich könnte es dadurch hervorrufen. Es ist alles so furchtbar 🙁

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5750

    Liebe Bianca,

    bevor ich mehr schreibe, noch einmal zur Absicherung die Frage: Du hast ein Mal pro Monat Migräne? Wie lange dauert eine Attacke? Wie lange dauert die Aura davor? Wie behandelst du die Migräneattacke?

    Manchen hilft zu Beginn der Aura die Einnahme der Magnesium-Tütchen, die man direkt in den Mund geben kann. Das kann die Aura abschwächen und verkürzen.

    Lieber Gruß
    Heika

    Bianca
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 10

    Liebe Heika!

    Danke für deine Rückmeldung.

    Also seit Jänner hab ich 1x pro Monat Migräne mit Aura. Im April/Mai hatte ich die Migräne immer am Anfang der Periode, was zuvor nie der Fall war. Vielleicht aber auch Zufall?

    Wenn ich merke, dass die Aura einsetzt, nehme ich sofort Diaspora 400mg Tütchen. Ich bin schon der Meinung, dass es manchmal, die Aura minimal reduziert, aber nicht jedes Mal.
    Die Aura dauert meistens 30/40 Minuten, dann setzen die Kopfschmerzen unterschiedlicher Intensität ein. Die Aura kann aber auch schon Mal 60 Minuten dauern.

    Bei starken Kopfschmerzen nehme ich anschließend eine Schmerztablette. Aktuell versuche ich diese aber zu reduzieren, da ich aufgrund meiner Endometriose auch starke Menstruationsschmerzen habe und einfach im Monat nicht so viele Schmerzmittel einnehmen will.
    Nach langer Beobachtung hab ich gemerkt, dass die Migräne schneller vorbei ist, wenn ich wirklich alles abbreche, nach Hause fahr und ins dunkle Zimmer schlafen gehe. So lässt sich auch oft der Kopfschmerz verschlafen. Da mich die Aura grundsätzlich sehr nervös macht, lässt sich diese nicht überschlafen bzw. kann ich währenddessen nicht einschlafen. Erst danach.
    LG

    Indie
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 165

    Liebe Bianca,

    mein Eindruck ist, dass vor allem die Angst vor der nächsten Attacke dich sehr stark belastet. Vielleicht mehr noch als die Aura/ Migräne an sich?
    Du schreibst, dass du auch eine Psychotherapie machst. Ich könnte mir vorstellen, dass es dir helfen würde dort Strategien zu entwickeln besser mit deiner Angst umzugehen. Das bringt vielleicht mehr als den Stress zu reduzieren, denn ehrlich gesagt glaube ich, dass dein Stress aus der Angst vor der nächsten Aura resultiert.

    Was während einer Aura auch sehr hilfreich sein kann ist sich mit einer Atemtechnik zu beruhigen. Ich habe nur sehr selten eine Aura, mache das dann aber auch so. Dabei verlängert man bewusst die Ausatmung und konzentriert sich aufs Zählen. Also z.B. 3 Sekunden durch die Nase einatmen und 6 Sekunden durch den Mund wieder aus. Solche „Selbsthilfestrategien“ helfen mir Ruhe zu bewahren und die Kontrolle zu behalten.

    Darüber hinaus kannst du bis zu 10 mal im Monat Schmerzmittel einnehmen. Ich würde bei einer Attacke im Monat mich da jetzt nicht so quälen an deiner Stelle, sondern dann auch behandeln.
    Dass die Migräne rund um die Menstruation kommt ist auch überhaupt nicht ungewöhnlich. Zumeist wird dies durch die Hormonschwankung ausgelöst. Auch das diese Attacke besonders heftig ist, kommt bei vielen so vor. Bei mir spricht die „Mensmigräne“ z.B. auch nur ganz schlecht auf Triptane und Schmerzmittel an, während es die übrige Zeit gut funktioniert.

    Wenn du unbedingt eine Prophylaxe nehmen möchtest würde ich vielleicht Richtung Antidepressivum denken. Das könnte dir auch die Angst gleich mit nehmen.

    Mir hat es sehr geholfen zu akzeptieren, dass die Migräne da ist und da bleibt. Vielleicht werden die Abstände größer, aber los werde ich sie nicht. Was mir auch Sicherheit gibt ist zu wissen welche Medikamente ich nehmen kann und die immer dabei zu haben (mein Triptan ist dein Magnesium, ohne das ich nicht aus dem Haus gehe). Und eben Atemtechnik.

    Hilft dir das ein bisschen weiter?

    Bianca
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 10

    Liebe Indie!

    Ja, ich hab wirklich mehr Angst als Stress. Oder wie du schon sagst, der Stress kommt durch die ständige Angst.
    Ich war immer schon etwas nachdenklicher als Andere in Bezug auf Gesundheit/Krankheit. Hab aber auch eine unheilbare/chron. Erkrankung, die mich halt auch oft konfrontiert. Bisher ließ es sich aber leicht damit leben, auch mit der Migräne.
    Doch dann erlitt ich 2016/2017 ingesamt 3 Fehlgeburten, 4 Ausschabungen und mehrere Komplikationen. Das war ein schwerer Schlag ins Gesicht. Prinzipiell dachte ich immer, ich hab das gut verarbeitet. Auch das Thema unerfüllter Kinderwunsch. Haben uns sogar über Pflegekinder erkundigt usw. Warum? Weil ich Angst hatte nochmal schwanger zu werden. Dann kamen im Jänner dieses Jahr unvorhergesehene starke Schmerzen. Es wurde nach mehreren Meinungen und Arztbesuchen festgestellt, dass ich eine riesige Endometriosezyste im Bauchraum hatte und mehrere Verwachsungen am Darm/Eierstock/Bauchfell und meine beiden Eileiter sind auch nicht mehr funktionsfähig. Die OP fand vor 10 Tagen statt.
    Aber seit Jänner war ich überrascht über ich selbst. Ich war zeitweise so panisch, hatte wirklich Angst vor der Zukunft und hinterfragte auch plötzlich alles. Den Ärzten hab ich oft nicht alles geglaubt und es dann lieber selbst im Internet nachgelesen….da steht aber auch nicht immer nur das Gute drinnen. Vielleicht ist es auch berufsbedingt, weil ich Krankenschwester bin und eben mehr Erfahrung/Wissen habe als andere.
    Aber ein Gynäkologe der zu mir sagt, ich soll die Minipille nehmen um Migräne zu verbessern und möglicherweise Endometriose zu unterdrücken, zu dem würde ich kein zweites Mal gehen. Jeder weiß, dass die Kombination von der Pille und Migräne mit Aura eigentlich kontraindiziert ist. Und viele von euch denken sich vielleicht das es Blödsinn ist….ABER ich denke mir dann, sollen es nur 20% sein die das Risiko erhöhen….jedoch haben auch nur 4% der Frauen 3 Fehlgeburten hintereinander und nur 20% Migräne MIT Aura und meine Chron. Erkrankung haben überhaupt nur 180 Menschen auf der ganzen Welt. Warum sollte mich dann nicht noch irgendwas Schlimmes treffen?
    Aber lange Rede kurzer Sinn- deshalb mach ich jetzt diese Gesprächstherapie. Um einfach diese Unsicherheit, diese Angst loszuwerden. Ich bin selbst überrascht, was diese Fehlgeburten und die Folgen davon aus mir gemacht haben. Einen unsicheren und skeptischen Menschen. Das möchte ich nicht mehr sein 🙁 Aber die Migräne hängt damit eindeutig zusammen. Denn seit Jänner, seit der neuen Diagnose und den ständigen Schmerzen und Stress hatte ich auch eben ständig Migräne. Ein Teufelskreis einfach!

    Das mit den Atemübungen werde ich versuchen! Vielen Dank.

    Vielleicht will ich auch unbedingt eine Prophylaxe um beruhigter zu sein, auch wenns vlt. nur einen Placeboeffekt hat!!
    Antidepressiva werde ich ansprechen beim Neurologen. Obwohl ich eig keine zusätzlichen Medikamente mehr nehmen möchte. Aber vielleicht würde es etwas bringen!

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5750

    Liebe Bianca,

    Also seit Jänner hab ich 1x pro Monat Migräne mit Aura

    Denn seit Jänner, seit der neuen Diagnose und den ständigen Schmerzen und Stress hatte ich auch eben ständig Migräne

    Ich gehe jetzt davon aus, dass du seit Januar einmal im Monat Migräne hast. Wenn wir uns die Fakten mal ganz nüchtern betrachten, hast du ein Mal im Monat eine lange und für dich verständlicherweise sehr schlimme Aura und darauffolgend ein Mal danach Migräne. Du schreibst auch nichts davon, dass du dann mehrere Tage am Stück Migräne hast. Es klingt zumindest so, als wäre das im „Normalmaß“ dann überstanden.

    Fakt ist, dass du fast die gesamte Zeit migränefrei leben kannst, wenn auch leider mit anderen gesundheitlichen Einschränkungen. Das ist absolut kein Grund, eine medikamentöse Prophylaxe einzusetzen, die evtl. gewisse Nebenwirkungen mit sich bringt und dir diese eine Migräne pro Monat auch nicht unbedingt ersparen wird.

    Mein Rat: Lass die Kirche im Dorf und sieh mal mit ein wenig Abstand auf die Relationen von Aura, Schmerz und aurafreier und migränefreier Zeit. Es ist gut, dass du in Gesprächstherapie bist, denn diese enorme Angst, die sich in dir ausgebreitet hat, beeinträchtigt dein gesamtes Leben, und das deines Mannes automatisch mit.

    Entspannungs- und Atemübungen können dir zusätzlich helfen, bestimmt bekommst du von deiner Therapeutin dahingehend gute Tipps.

    Lieber Gruß
    Heika

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7653

    Liebe Bianca,

    vielleicht kann es dir helfen, wenn du, auch zusammen mit deiner Psychotherapeutin, versuchst dir klarzumachen, dass du ja eigentlich und hauptsächlich im Moment Angst vor der Angst zu haben scheinst.

    Das Flimmerskotom an sich ist ja nur ein weiteres harmloses Funktionieren deines Gehirns, das du als visuelles Geschehen mitbekommst. Mehr nicht! Es tut dir nichts und geht zuverlässig nach einer bestimmten Zeit wieder weg.

    Ich wusste schon vor meiner ersten Aura mit Flimmerskotom, dass es so etwas gibt, und war nicht sonderlich überrascht davon. Es machte mir deshalb auch gar nicht erst Angst. Im Gegenteil, ich genieße manchmal sogar dieses Schauspiel der verschiedenen Formen und Farben vor meinem geistigen Auge. Setze mich dann ruhig hin und schau mir das Theater, das mein Kopf da zustande bringt, ganz fasziniert an. Ich weiß ja, die Aura will nur spielen!!! ? Sie tut