Julchen packts an

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  • Julchen91
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    Hallo an alle,

    ich bin Julia, 27 Jahre alt und habe Migräne seit ich mich bewusst an mein Leben erinnern kann also sicher seit 23 Jahren. Als Kind war das wirklich unaushaltbar – vor allem weil ich es damals nicht verstanden habe warum ich. Ich habe noch Erinnerungen daran, dass ich mich nicht getraut habe mich auf meinen Geburtstag zu freuen, weil ich die Theorie hatte wenn ich mich auf einen Tag freue, dann werde ich genau an diesem Tag Kopfschmerzen haben.

    Mein Vater wusste sich nciht zu helfen und ich habe schon als Kind eine beachtliche Menge an NSAR geschluckt. Natürlich bin ich auch einige Abschnitte durchlaufen (Biofeedback, Akupunktur, Psychotherapie, etwaige MRTs udn neurologische Verlaufsuntersuchungen etc). Mit 17 Jahren habe ich dann schlussendlich den für mich LEbensretter Eletriptan verschrieben bekommen, die ich seither einnehme (NSAR nehme ich kaum noch, da sie bei mir sehr selten wirken).

    Meine Schulfehltage damals waren enorm hoch, aber zum Glück bin ich gesegnet mit einem guten Auffassungsvermögen und mir wohlgesonnen Lehrern, sodass ich trotzdem sehr gute Noten hatte und dann schlussendlich mit meinem Medizinstudium anfangen konnte. Genau dieses Studium habe ich jetzt beendet und obwohl ich natürlich auch in den Fächern Neurologie aufgepasst habe und relativ viel über Migräne und Kopfschmerzen Bescheid weiß, bin ich weiterhin nicht schlau aus mir geworden.

    Ich habe eine gewisse Akzeptanz über die Jahre entwickelt, dass diese Schmerzen dazugehören udn versuche eine gewisse Egalität ihnen gegenüber zu entwickeln. DAs klappt mehr oder weniger gut. Jedoch verzweifle ich zunehmend daran, dass sich bei mir keine Rhytmik einstellen will. Meine Kopfschmerzen sind zwar von den Symptomen und dem Ablauf konstant, jedoch wechselt die Häufigkeit sehr stark udn auch die Trigger sind immer verschieden. Dinge die vor einem Jahr noch die stärksten Kopfschmerzen ausgelöst haben, sind jetzt kein Problem mehr und Dinge die ich bisher ohne Probleme machen konnte, verursachen immer mehr Schmerzen. Auch die Häufigkeit ist im stetigen Wandel.

    Ich leide durchschnittlich an 10 Kopfschmerztagen im Monat, aber da sind auch Monate mit nur 3x oder Monate mit bis zu 20x dabei. Ich versuche das Risiko des Kopfschmerzinduzierten Schmerzes gering zu halten indem ich unter den 10x für Triptanen und unter 15x für NSAR bleibe, aber merke dennoch, dass das oft nicht ausreicht. Eine Prophylaxe kam für mich bisher nciht in Frage aus verschiedenen Gründen (ß-Blocker darf ich nicht nehmen, Amitriptylin und Topiramat sind aufgrund der Nebenwirkungen bisher nicht in Frage gekommen, da ich aufgrund meiner Mentalen Einstellung die Kopfschmerzen akzeptiert habe und mit dem REgime aus Eletriptan udn gelegentlichen NSAR zurecht gekommen bin).

    Jedoch merke ich, dass ich nun am Ende meines Studiums einfach die Nase voll habe, vor allem weil die letzten Monate (natürlich auch durch Prüfungsstress) meine Kopfschmerzrate deutlich angestiegen ist. Obwohl ich jetzt Ärztin bin, muss auch ich als gesetzlich Versicherte auf einen Neurologentermin warten, der erst wieder im Januar ist. Bei diesem war ich schon mal und erwarte mir leider auch keine große Hilfe, hoffe aber auf eine Überweisung an die Kopfschmerzambulanz der Uniklinik (die mir ohen Überweisung eines Neurologen keinen Termin geben).

    Bis dahin möchte ich nun gerne versuchen ohne Tabletten zurecht zukommen – da ich obwohl ich immer bei der Grenze der Einnahmehöchstzahl bleibe – Angst habe, dass ich mittlerweile schon beim medikamentinduzierten Schmerz angelangt bin. Meine Frage an euch wäre daher ob ihr Tipps habt, wie ich am besten diese Schmerzphasen ohne Medikamente aushalte? Und natürlich auch, ob ihr noch weiter Tipps habe wie ich meine Kopfschmerzen verbessern/verringern kann? Prophlaxe ist bei mir einfach das heikle Thema, dass ich immer abwäge zwischen SChmerz und Nebenwirkungen der Medikamente und da ich die Schmerzen einnfach schon mein ganzes Lebens mit mir trage einfach an sie gewöhnt bin und mit ihnen zum größten Teil auch umgehen kann – nur halt nicht wenn sie so häufig sind wie aktuell. Aber das kann sich im Frühjahr auch schon wieder reudziert haben.

    Oh und falls jemand fragt: Nein, ich habe nicht vor mich in der Neurologie zu spezialisieren. Ich denke da eher an Kinder und -Jugendheilkunde oder kleinere Nischenfächer. ?

    Vielen Dank für die Antworten!
    Liebe Grüße, Julia

    Julchen91
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2

    Oh und entschuldigt bitte die Tippfehler. Meine Autokorrektur funktioniert nicht einwandfrei und ich habe es mir nicht nochmal durchgelesen 😉

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7425

    Liebe Julia,

    ganz herzlich willkommen in Headbook und auch gleich noch ein Glückwunsch zum bestandenen Examen.

    Und sorry, da geht es dir wohl so, wie leider auch den meisten anderen Ärzten. Ein ausreichendes Wissen über Kopfschmerzen und Migräne fehlt. Darum gleich ein bisschen Werbung, kennst du das Buch von Prof. Göbel “ Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne“? Ein in meinen Augen unverzichtbarer Ratgeber! Auch das Migränewissen rechts unten in der Sidebar bringt sicher noch viel Neues für dich.
    Viel Spaß und gute Erkenntnisse beim Lesen ☺!

    Du schreibst, dass die Grenze für die Schmerzmitteleinnahme pro Monat bei 10 Triptantagen oder 15 Behandlungstagen mit NSAR liegt. Das ist deutlich zu hoch angesetzt und führt bei den meisten Migränikern in den MÜK. 10 Tage mit Triptanen und oder Schmerzmitteln ist die übliche Grenze, die man nicht länger als 3 Monate überschreiten sollte. Für mich wäre das schon viel zu viel, ist also sehr individuell zu sehen.
    Die Schwankungen in Rhythmus, Häufigkeit oder Grund sind eher migränetypisch, das können wir alle sehr gut!
    Aber lies dich erstmal auch hier durch das Forum, und auch so viel wie möglich einfach mitlesen, was die anderen so schreiben. Da bekommt man schnell ein gutes Basiswissen.
    Wenn du Fragen hast, bitte immer her damit, wir beantworten sie dir gerne.
    Und tut mir leid, wenn ich dein Migränewissen unterschätzt haben sollte!

    Liebe Grüße,
    auch Julia

    Noch was, editieren kann man seinen Beitrag immer noch gut 20 Minuten lang.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 6 Monate, 1 Woche von  Julia.
    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4562

    Liebe Julia,

    herzlich willkommen hier bei uns im Forum. Gut, dass du uns gefunden hast.

    Ja, die Migräne ist eine neurologische Grunderkrankung der man wirklich nur effektiv mit einem besonders großem Wissen zu Leibe rücken kann.

    Migräne ist eine außerordentlich wechselhafte Krankheit. Sie kommt (und das ist das einzig Sichere an ihr) immer anders als man denkt.

    Nichts ist kontinuierlich. Nichts ist standard. Migräne ist so vielschichtig, sie hat so viele Symptome und Bereiche der Einschränkung. Das macht es eben auch besonders schwer, sie zu behandeln. Deine Versuche auf Trigger einzugehen, oder auf eine Rythmik zu warten, werden vielleicht 2-3 mal gut gehen, dann werden sie aber immer ins Leere laufen.

    Aber mittlerweile ist die Forschung ein gaaaanz großes Stück vorangekommen und es gibt Möglichkeiten trotz Migräne ein gutes Leben führen zu können.

    Zunächst möchte ich ein, zwei Dinge richtig stellen. Die 10/20 ger Regel besagt, dass man an nicht mehr als an 10 Tagen im Monat ganz allgemein Akutmedikamente, dazu gehören vor allem Triptane + NSAR´s einnehmen sollte. Damit sind Tage von 0-24 Uhr gemeint und die Medikamente dürfen in ihrer Höchstdosierung eingenommen werden. Wenn du an einem Tag nur ein Triptan einnimmst, zählt dieser Tag genau so als wenn du Triptan und NSAR einnimmst.

    Mit 15 NASR´s, wenn du sie an unterschiedlichen Tagen nimmst, bist du also ganz klar über dieser Regelung. Dann wäre ein MÜK möglich.

    Ich habe das Gefühl, dass du deine Akkutmedikation noch nicht richtig einsetzt. Schreib doch einmal genau, wie bei dir die Attacken aussehen, und was du wann genau dagegen machst/einnimmst.

    Um einer stark verlaufenden Migräne effektiv vorzubeugen ist eine medikamentöse Prophylaxe unumgänglich. Die NW von denen du hier schreibst, sind die auf deiner Erfahrung, oder mehr vom Beipackzettel? Jeder reagiert auf Medikamente anders. Deshalb muß man die entsprechenden Mittel ausprobieren, um sie beurteilen zu können. Nicht jedes Prophylaxemittel macht NW und schon lange keine NW vor denen man Angst haben muss.

    Ganz wichtig wäre noch zu erwähnen, dass Schmerzen aushalten nicht sinnvoll ist. Ein Gewöhnen gibt es nicht. Mehr Schmerz macht noch schmerzempfindlicher. Das Nervensystem reagiert gereizt und überlastet. Es wird nicht abgehärtet, wie manche vielleicht glauben mögen. Von einem generellen Aushalten der Schmerzen würde ich pers. deshalb unbedingt abraten. Manchmal ist es vielleicht notwendig diese Schmerzen auszuhalten. Aber nur um einen Teufelskreis zu durchbrechen. Aber dann gibt es auch Möglichkeiten, um diese Qualen zu erleichtern.

    Soweit erst einmal von mir.

    Alles Liebe
    Sternchen

    lili
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 228

    Liebe Julchen,
    meine Migräne kommt mir auch komplett sinnlos vor und hält sich nicht an allzu viele Regeln. Und auch Akzeptanz ändern nichts daran, dass Migräne und Schmerzen für den Körper und den Geist anstrengend sind und wir dann eben schneller an unsere Grenzen kommen. Das Leben ist einfach schöner und leichter ohne, daran ändert auch die Akzeptanz nichts – so sehe ich das.
    Ich habe nicht ganz verstanden wie das mit den Prophylaxe Mitteln bei dir ist. Hast du sie ausprobiert und dich deshalb wegen Nebenwirkungen dagegen entschieden oder hast du Angst vor den Nebenwirkungen? Ich bin mit vielen Medikamenten recht gut klar gekommen von den Nebenwirkungen her und würde deshalb immer eher denken „ausprobieren“. Zumindest bei Nebenwirkungen die man direkt merkt bin ich da inzwischen eher entspannt. Wenn es nicht geht kann man ja absetzen. Antidepressiva habe ich zum Beispiel ganz gut vertragen und genommen, obwohl ich keine Depresssionen habe und ich war dabei auch geistig fit (soweit man das mit dauernder Migräne ist). Bei mir hat das nicht so viel gebracht, aber das ist ja bei jedem anders …
    Kannst du bei dem Neurologen nicht anrufen und nach einer Überweisung für die Kopfschmerzambulanz fragen? Wenn du sonst ohnehin nichts von ihm erwartest.
    Viele Grüße
    lili

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27786

    Willkommen im Headbook, liebe Julchen. 🙂

    Ich sehe deutliche Parallelen zu meiner Tochter. 😉 Sie hat auch schon seit der Kindheit Migräne, bei jedem Kindergeburtstag hatte sie stärkste Bauchschmerzen (jetzt wissen wir, dass es abdominelle Migräne war), wollte schon kaum mehr feiern.

    Sie ist ebenfalls 27, fertige Ärztin und mit der Doktorarbeit in den letzten Zügen.

    Ich kann Dir nur raten, bei der schweren Belastung über eine Prophylaxe nachzudenken. Sonst hältst Du den Arbeitsstress nicht durch. Gerade zu Beginn wird man oft ins kalte Wasser geworfen, ist überfordert mit vielem, braucht länger und kommt daher erst spät nach Hause. Warte nicht so lange, bis gar nichts mehr geht.

    Geh jetzt strategisch vor:
    1. Eine Medikamentenpause wird wohl nötig sein.
    2. Lade Dir unsere kostenlose „Migräne App“, dokumentiere genau alle Attacken und halte Dich an die 10/20-Regel.
    3. Einstellung auf vernünftige Attackenmedikation ist unumgänglich.
    4. Eine medizinische Prophylaxe kann möglich sein, wenn die hohe Frequenz auch nach der Medikamentenpause weiter besteht.

    Alles Gute, das wird schon wieder werden.

    Liebe Grüße
    Bettina

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