Lara ohne Akutmedikation

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  • Lara22
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    Guten Morgen,

    jetzt möchte ich mich hier auch mal vorstellen und habe auch gleiche eine Akutfrage.
    Ich bin Lara und 22 Jahre alt. Migräne habe ich vermutlich seit ich klein bin, die endgültige Diagnose wurde aber erst vor drei Jahren gestellt.
    Inzwischen bin ich bei einem (wie ich glaube) guten Neurologen in Behandlung, nehme als Prophylaxe einen Betablocker und kann die 10/20-Regel seitdem nahezu immer einhalten. Soweit alles gut, jetzt kommt aber das Problem: Triptane haben bei mir keinerlei Wirkung. Ich habe alle sieben Triptane in allen Darreichungsformen (auch Nasenspray und Imigran Inject) immer wieder getestet, auch mit MCP oder Domperidon vorher. Es ändert nichts dran, sie wirken bei mir nicht.

    An Schmerzmitteln wirkt leider auch nicht viel, Paracetamol, Aspirin, Diclofenac und auch Novalgin (auch intravenös) bleiben auch in hohen Dosierungen wirkungslos.
    So blieb mir immer nur Ibuprofen, was mir in den meisten Fällen ab einer Dosierung von 800mg ganz gut hilft. Somit nehme ich seit Jahren an bis zu 10 Tagen im Monat Ibuprofen in recht hohen Mengen (an die Tageshöchstdosis von 2400mg komme ich auch regelmäßig), nun kam es so, wie es vermutlich kommen musste. Seit 2 Monaten sind meine Nierenwerte auffällig und inzwischen wurde mir auch von einem Nephrologen bestätigt, dass es sehr nach einer beginnenden Niereninsuffizienz aussieht und ich keinerlei Ibuprofen mehr nehmen darf.

    Damit stehe ich jetzt vollkommen ohne Akutmedikation da und kann die Attacken nur aushalten, das bringt mir aber langsam und sicher an das Ende meiner Kräfte, mal kann ich mich mit Vomex etwas abschießen, aber das funktioniert auch nicht immer und ist auch keine Lösung für 10 Tage pro Monat, zumal ich eigentlich studiere (zur Zeit habe ich noch Semesterferien).

    Ich habe noch das Glück, dass meine Attacken sich meistens nur in starken einseitigen hämmernden Schmerzen, Licht- und Lärmempfindlichkeit und Übelkeit zeigt, aber nur selten mit Erbrechen einher gehen.

    Aktuell habe ich seit vorgestern wieder eine Attacke, habe die letzten zwei Tage überwiegend halb sitzend/halb liegend im dunklen Zimmer verbracht, mit Kühlkissen auf dem Kopf, aber auch das macht die Schmerzen kaum erträglicher.

    Gibt es noch irgendwelche Möglichkeiten, die Schmerzen irgendwie eträglicher zu machen?

    Liebe Grüße
    Lara

    Lara22
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    Beitragsanzahl: 41

    Hallo zusammen,

    ich möchte nochmal lieb nachfragen, ob vielleicht jemand einen Tipp für mich hat.

    Liebe Grüße
    Lara

    Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 28026

    Ja wenn Du so lieb nachfragst … ?

    Erst mal ein herzliches Willkommen bei uns, liebe Lara. 🙂

    Seit 2 Monaten sind meine Nierenwerte auffällig und inzwischen wurde mir auch von einem Nephrologen bestätigt, dass es sehr nach einer beginnenden Niereninsuffizienz aussieht und ich keinerlei Ibuprofen mehr nehmen darf.

    Das tut mir sehr leid, was für eine schlimme Situation. Die Nieren müssen jetzt geschont werden, das ist klar. Dann ist auch Magnesium jetzt keine Empfehlung. Nun kann es nur über eine Prophylaxe gehen, die insgesamt die Situation verbessern kann. Inwieweit hat der Betablocker die Attacken reduziert? Vielleicht kannst Du noch eine zweite Prophylaxe ergänzen lassen durch den Neurologen, um die Attacken noch weiter zu reduzieren.

    Eventuell doch noch mal einige Triptane testen? Kann man immer wieder mal machen nach einer längeren Pause zum vorigen Versuch. Meine Tochter kann auch nur mit Ibuprofen behandeln, aber sie kommt mit einer geringen Dosis aus und ist zur Zeit eigentlich immer unter 10 Attacken im Monat. Leider gibt es das mal, dass Triptane nicht anschlagen. Aber trotzdem von Zeit zu Zeit mal versuchen.

    Wie sieht es mit Sedierung aus? Hast Du schon mal Vomex versucht?

    Liebe Grüße
    Bettina

    Brain
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    Beitragsanzahl: 37

    Liebe Lara,

    das tut mir sehr leid, dass du in so einer vertrackten Situation steckst.
    Ich hatte mal über einige Monate das Problem, dass ich auf sämtliche Schmerzmittel – oder überhaupt Medikamente – diffuse, aber beunruhigende Unverträglichkeitsreaktionen hatte. Warum konnte nicht geklärt werden, mittlerweile hat es sich glücklicherweise normalisiert. Ich habe also über diesen Zeitraum keinerlei Medikamente genommen, was unschön war, da ich i. d. R. dreitägige Attacken hatte, die mit mindestens einer Nacht schwerem Erbrechen einhergingen. Ich zähl mal auf, was damals half – vielleicht kannst du da ja was von gebrauchen.

    Zunächst muss man sich klarmachen, dass man gegen den Schmerz selbst erstmal nicht viel machen kann. Wohl aber gegen den Stress, den er verursacht. Wieviel das wert ist, hab ich aber erst gemerkt, als es damals keine andere Möglichkeit mehr gab.

    Ich spreche generell ganz gut auf Entspannungstechniken und Meditation an, daher hab ich mir damals die von der Schmerzklinik angebotene CD zur Imaginationstherapie besorgt. Die findest du hier unter den Links, ich hatte sie mir zum Schnuppern erstmal über die Uni-Fernleihe besorgt.
    Mit Imagination kann man den Schmerz nicht beseitigen, aber man kann lernen, Außenreize, störende Gedanken, Panik- und Katastrophendenken während einer Attacke auszublenden. Das Gehirn lernt, trotz Schmerz zu entspannen. Für mich fühlte sich das so an, dass der Schmerz quasi „Ränder“ bekommt, man wird nicht mehr überschwemmt, sondern man weiß, bis wohin er geht und wo er aufhört. Ich nutze das bis heute, kann damit besser einschlafen, brauche weniger Medis, kann eine Attacke abmildern und oft sogar verkürzen. Wenn du Vomex noch einsetzen kannst, umso besser, dann kannst du nämlich beides kombinieren und die Wirkung unterstützen.

    Dann hab ich außerdem festgestellt, dass es mir gar nicht so sehr hilft, zuhause in der Dunkelkammer rumzuliegen. Mein Kreislauf geht dann insgesamt runter, der Schmerz wird stärker und schnell unerträglich. Da weiß ich jetzt nicht, wie dein Körper reagiert, aber mir hilft es, wenn ich so lange wie es möglich ist, leichte, entspannende und intellektuell möglichst anspruchslose Tätigkeiten ausführe. Ich hab einen Wald direkt hinter dem Haus und manchmal schmier ich mich einfach schön dick mit Pfefferminzöl (japanisches Heilöl) ein und latsche los, schön gemächlich, über nichts nachdenken und wenn einem doch mal schlecht wird, dann, tja, kann man zur Not auch mal in den Busch hüpfen. 😉
    Musst du natürlich auch schauen, ob das was für dich wär. Wenn man mitten in der Stadt wohnt oder selbst Wald schon zuviel Reize bedeutet, isses vielleicht nicht so optimal.

    Der nächste wichtige Punkt wäre das soziale Umfeld. Man kann viel Stress abbauen, wenn man sich mal genau anschaut, wie Freunde, Familie, Arbeitskollegen auf Migräneprobleme (Absagen etc.) reagieren und wer damit wie umgeht. Anhand dessen kann man auch regulieren, wie man selbst mit den jeweiligen Personen umgehen möchte. Mit wem man sich vielleicht lieber nicht verabredet, welche Termine oder Verpflichtungen man besser nicht annimmt, weil man schon weiß, dass es im Akutfall stressig wird, sie abzusagen. Das gilt natürlich auch im positiven Sinne. Ich habe zum Beispiel eine liebe Freundin, die in der Nachbarschaft wohnt und bei einer sehr schlimmen Attacke hab ich mich da auch schonmal spontan eine halbe Stunde schweigend ins Wohnzimmer gelegt. Es stört sie nicht und mir half es sehr, zu merken, dass da außerhalb des Schmerzes auch noch eine normale Welt existiert.
    Ich hab damals im sozialen Umfeld ein bisschen aussortiert, aber auch viel erklärt und besprochen, wie man mit Situationen gemeinsam umgehen kann. Da bin ich heute sehr froh drum, denn die Leute, die’s verstanden haben, sind für mich safe und eine wichtige Stütze.

    Soviel vielleicht erstmal zu den, äh, möglichen Soft Skills. 😉

    Ansonsten wär vielleicht noch die Frage, ob man bei deinen Prophylaxen noch ein bisschen puzzlen könnte? Da weiß ich jetzt nicht, inwiefern das mit der Nierenproblematik möglich ist, aber vielleicht könnte man ja eine zweite Prophylaxe dazunehmen? Oder Botox?
    Magnesium wird ja nicht gehen, aber vielleicht eine reine Vitamin-B2-Prophylaxe?
    Da wird dein Neurologe sich sicher am besten auskennen.

    Ich hoffe, da ist was bei, was dir ein bisschen helfen kann, aber ich denk auch nochmal nach. 🙂

    Liebe Grüße
    Brain

    Lara22
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 41

    Hallo Bettina und Brain,
    ganz lieben Dank für eure Nachrichten! Ich versuche mal darauf einzugehen:

    Der Betablocker wirkt super und hat die Attackenanzahl von ca. 25 Migränetagen im Monat auf 12-17 reduziert. Mein Nephrologe ist eigentlich gegen „Dauermedikation“ von Betablockern mal abgesehen, aber ich werde mit meinem Neurologen nochmal besprechen, ob sich da vielleicht noch eine zusätzliche Prophylaxe finden lässt, die die Nieren nicht so sehr belastet.
    Imigran Inject und auch Zolmitriptan habe ich in den letzten Wochen erst wieder getestet, werde mir nach und nach die anderen auch Triptane auch noch wieder vornehmen, aber die Hoffnung ist inzwischen gering, dass sie doch irgendwann Wirkung zeigen.

    Mit Vomex kann ich immer mal Attacken aushalten, außer liegen ist dann aber auch nichts möglich und die Schmerzen oft trotzdem noch sehr stark zu spüren. Ich kann aber ja auch nicht dauerhaft an mindestens 10 Tagen im Monat komplett ausfallen.

    Mit Entspannungverfahren werde ich mich auch nochmal näher auseinandersetzen, ich habe vor Jahren mal Meditation angefangen, das war aber so gar nicht meins, aber vielleicht findet sich da ja was passendes, womit ich die Schmerzen zumindest etwas besser ertragen könnte.
    Im Moment fühle ich mich dem Schmerz einfach nur komplett ausgeliefert.

    Liebe Grüße und einen schmerzfreien Abend
    Lara

    Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 28026

    Hallo Lara,

    der Nephrologe muss natürlich immer mit im Boot sein und er arbeitet mit dem Neurologen hoffentlich interdisziplinär. Wenn der Betablocker gut hilft, ist er wohl leider konkurrenzlos im Moment. Du brauchst ja irgend eine Hilfe für Deine Schmerzen und im Laufe der Zeit wird hoffentlich auch noch eine Akutmedikation gefunden. Ich wünsche es Dir!

    Meditation wäre auch nicht meins, aber das ist gar nicht schlimm. Jeder soll für sich das Passende finden, womit man wieder runterkommen und entspannen kann. Vielleicht wäre ja die Progressive Muskelrelaxation eine Möglichkeit? In unserer Migräne App ist sie kostenlos integriert.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Lara22
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 41

    Hallo Bettina,
    es wäre schön, wenn wirklich interdisziplinär gearbeitet werden würde. Hauptsächlich befördere ich Infos zwischen Nephrologen und Neurologen hin und her und es kommt nicht viel bei raus.

    Die Migräne App nutze ich bisher zum Schmerzkalenderführen, muss aber zugeben, dass ich mich mit den weiteren Funktionen nie näher beschäftigt habe. Werde ich nachholen. 😉

    Der Betablocker hilft super gut und mit Akutmedikation würde es mir vermutlich auch ganz gut gehen, so sind es aber leider ja immer noch im Schnitt ca. 15 Migränetage, an denen ich nahezu nichts machen kann. Mit starker unbehandelter Migräne bin ich zu kaum irgendwas in der Lage. Zur Zeit habe ich eigentlich Semesterferien, da geht das noch irgendwie (auch wenn die unbehandelten Schmerzen schon sehr auf die Stimmung drücken), übermorgen schreibe ich allerdings noch eine wichtige Klausur und typischerweise bin ich heute morgen schon mit Migräne aufgewacht.
    Da bleibt mir jetzt nur zu hoffen, dass die bis zur Klausur wieder verschwindet, denn ansonsten schaffe ich so wahrscheinlich nicht mal den kurzen Weg in die Uni, geschweige denn die Klausur zu bestehen. Gut vorbereitet bin ich, ich kann auch mit ganz gutem Gefühl heute und morgen auf das Lernen verzichten und dem Kopf alle Ruhe der Welt gönnen, aber mehr kann ich ohne Medikamente ja kaum tun. Und das ist gerade schon sehr frustrierend.

    Liebe Grüße von der etwas verzweifelten Lara

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28026

    Hallo Laura,

    ich hoffe, die Klausur lief gut und die Schmerzen sind entweder gar nicht aufgetreten oder haben sich in Grenzen gehalten.

    es wäre schön, wenn wirklich interdisziplinär gearbeitet werden würde. Hauptsächlich befördere ich Infos zwischen Nephrologen und Neurologen hin und her und es kommt nicht viel bei raus.

    Das ist natürlich suboptimal, vielleicht könntest Du die aktive Zusammenarbeit mal anregen?

    Novalgin könnte mal überlegt werden, wenn Triptane gar nicht helfen. Sprich mal mit Deinen Ärzten darüber.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Lara22
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 41

    Hallo Bettina,

    die Klausur lief leider gar nicht bzw. ohne mich. Ich lag die letzten beiden Tagen mit höllischer Migräne dann doch völlig flach. Gestern habe ich mich zwar irgendwie mit explodierendem Kopf in die Uni geschleppt, habe aber kaum, dass ich angekommen war, erkennen müssen, dass ich so niemals eine dreistündige Klausur überstehe.

    Die Zusammenarbeit zwischen meinem Neurologen und Nephrologen ist etwas schwierig, da der Nephrologe die Notwendigkeit, Migräne zu behandeln, nicht wirklich sieht, da es ja schließlich nicht gefährlich sei und er die Nieren aber akut gefährdet sieht.

    Novalgin hatte ich vor einigen Jahren tatsächlich auch schonmal getestet, da zeigte es leider auch gar keine Wirkung, aber ich werde das nochmal ansprechen und dann ggf. erneut testen.
    So geht es nicht, ich kann und will doch jetzt nicht auf Dauer mein Leben nicht auf ca. 15 Tage im Monat beschränken und die andere Hälfte des Monats mit unerträglichen Schmerzen im Dunklen vor mich hinvegetieren. 🙁

    Liebe Grüße
    Lara

    heika
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    Beitragsanzahl: 5660

    Liebe Lara,

    ich hoffe, dass du beim Nachschreibetermin dann fit bist. Gut vorbereitet zu sein, und bei der normalen Klausur nicht mitschreiben zu können, ist wirklich schwer zu verdauen. Und doch war es die richtige Entscheidung von dir. Erst recht, falls es eine Klausur war, bei der man nur eine begrenzte Anzahl von weiteren Versuchen hat, falls man nicht bestehen sollte.

    Dein Nephrologe sollte man eine heftige, zweitätige Migräneattacke ohne Medis durchstehen müssen, das würde ihn für den Rest seines Lebens „läutern“.

    Lieber Gruß
    Heika

    Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 28026

    Liebe Lara,

    das tut mir wirklich leid zu hören. 🙁 Verzweifle trotzdem nicht, es gibt noch Möglichkeiten und eventuell könntest Du den Betablocker noch höher steigern?

    Dein Nephrologe sollte man eine heftige, zweitätige Migräneattacke ohne Medis durchstehen müssen, das würde ihn für den Rest seines Lebens „läutern“.

    Liebe Heika, ich würde die Spanne für den Herrn sogar verlängern. 😉

    Die Zusammenarbeit zwischen meinem Neurologen und Nephrologen ist etwas schwierig, da der Nephrologe die Notwendigkeit, Migräne zu behandeln, nicht wirklich sieht, da es ja schließlich nicht gefährlich sei und er die Nieren aber akut gefährdet sieht.

    Prof. Göbel sagte mal: „Die Migräne bringt einen nicht um, nimmt aber trotzdem das Leben.“ So viel zur Einstellung Deines Nephrologen, der wohl nur mit Scheuklappen seine eigene Disziplin sieht. Leben mit permanenten Schmerzen ist nicht lebenswert, das sollte jeder wissen.

    Alles Gute,
    Bettina

    Lara22
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 41

    Liebe Heika und liebe Bettina,

    die verpasste Klausur nagt schon ganz schön an mir. Ich war auch vorgestern drauf und dran doch wieder zu Ibuprofen zu greifen, nur die Worte meines Nephrologen im Ohr haben mich dann doch davon abgehalten.
    In 3 Wochen ist der Nachschreibtermin und wenn ich daran nicht teilnehmen kann (oder nicht bestehe), muss ich ein Jahr warten. Das wäre dann schon eine ziemliche Katastrophe.

    Nicht zu verzweifeln fällt mir auch schwer im Moment, ich sehe da kaum noch Möglichkeiten-die Nieren werden sich nicht wieder soweit erholen, dass ich wieder mit Ibuprofen behandeln könnte und dass Triptane irgendwann bei mir eine Wirkung zeigen, glaube ich auch schon nicht mehr. Heute grummelt der Kopf den ganzen Tag schon wieder so unruhig vor sich hin und mir graut es schon vor der nächsten Attacke. Langsam bekomme ich bei beginnenden Kopfschmerzen schon fast Angst, weil ich mich den Schmerzen so ausgeliefert fühle. Der Frühling ist leider auch generell immer meine schlechteste Zeit.

    Mit dem Betablocker habe ich noch ein bisschen Luft nach oben, allerdings hatte ich vor einigen Jahren mal die Höchstdosis genommen und bin vor Müdigkeit und Schwindel kaum noch aus dem Bett gekommen. Vielleicht wäre das trotzdem auch nochmal einen Versuch wert.

    Liebe Grüße
    Lara

    Brain
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 37

    Hallo Lara,

    hast du schonmal versucht, beim Prüfungsamt bzw. Dekanat einen Antrag auf Nachteilsausgleich zu stellen? Bei einer attestierten Behinderung bzw. chronischen Erkrankung sollte das möglich sein. In Prüfungssituationen können z. B. zusätzliche Ruhepausen gewährt oder die Prüfungsform geändert werden. Wenn deine Präsenzmöglichkeiten durch deine sehr vertrackte Situation so eingeschränkt sind, könnte z. B. die Klausur vielleicht auch in eine Hausarbeit umgewandelt werden.

    Normalerweise gibt es hierzu an den Unis verschiedene Beratungsorgane. Bei uns macht es zum Beispiel der Asta, das akademische Förderungswerk, die Studierendenberatung. Auch das deutsche Studentenwerk stellt häufig Ansprechpartner auf dem Campus. Man muss Anträge auf Nachteilsausgleich allerdings fristgerecht stellen, weiß nicht, ob das jetzt für den Nachschreibtermin noch gemacht werden kann. Aber vielleicht gehts auch noch im Eilverfahren.
    Hast du btw. BAföG-Stress oder inwiefern wäre eine Verschiebung um ein Jahr katastrophal? Vielleicht könnte man da ja dann auch nochmal was deichseln.

    Liebe Grüße
    Brain

    Anna
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    Beitragsanzahl: 491

    Liebe Lara,

    ich nehme Metropolol und davon 47,5mg morgens und das Gleiche nochmal am späten Nachmittag.
    Und obwohl ich von Haus aus einen niedrigen Blutdruck habe, hält sich die Müdigkeit in Grenzen. Probier es einfach mal aus.

    LG Anna

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28026

    Liebe Lara,

    Brains Tipp ist gut, versuche das mal!

    Und was Anna zum Betablocker schreibt, ist auch eine Option. Ausprobieren, kann jetzt ganz anders laufen als vor ein paar Jahren.

    Alles Gute,
    Bettina

    Lara22
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 41

    Hallo zusammen,

    irgendwie bin ich hier gestern nicht reingekommen, aber jetzt scheint e wieder zu funktionieren. Also jetzt nochmal ganz lieben Dank für eure Antworten!
    Ich habe tatsächlich keinen BAföG-Stress, aber Stress mit meinen Eltern, wenn ich länger brauche. Ich habe die Migräne nämlich von meiner Mutter geerbt, sie kann aber auch während einer unbehandelten Attacke ihrem Alltag noch so einigermaßen nachgehen und hat daher absolut kein Verständnis dafür, dass ich oft einfach nur bewegungslos liegen kann.

    Ich habe mich inzwischen in alle Richtungen mal erkundigt, den Betablocker dosieren wir wieder hoch. Und was die Uni angeht, wenn ich den nächsten Versuch auch nicht antreten kann und nachweisen kann, dass es mein Studium verzögert, wenn ich ein JAhr warte, gäbe es wohl die Möglichkeit auf eine Nachprüfung zu bestehen, die dann entweder mündlich oder als Hausarbeit stattfinden würde.

    Einen Antrag auf Nachteilsausgleich könnte ich zu kommendem Semester auch noch stellen, da bin ich mir noch unsicher. Es widerstrebt mir ziemlich da Sonderregelungen zu bekommen. Außerdem würde sich das hauptsächlich auf mehr Zeit während der Klausuren, ggf. Einzelraum,…auswirken. Wenn ich keine Migräne habe, kann ich Klausuren aber auch unter normalen Bedingungen schreiben und mit starker unbehandelter Attacke bringt mir das auch nichts.

    Doofe Frage, aber kann man den Kopf eigentlich auch zu doll kühlen? Ich würde mir am Liebsten während Attacken über Stunden durchgehend die puren Eiswürfen auf den schmerzenden Bereich legen, weil nur das die Schmerzen zumindest ein ganz Bisschen lindert. und alles andere nicht kalt genug ist.

    Schönen Abend
    Lara

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5660

    Liebe Lara,

    deine Frage ist absolut berechtigt.

    Bei Eisanwendungen ist eine gewisse Vorsicht angebracht. Und zwar dann, wenn die Kälte über einen längeren Zeitraum direkt auf die Haut einwirkt, ohne Schutz dazwischen. Da kann es tatsächlich zu Hautschäden kommen, die sich in der Folge ähnlich wie eine Verbrennung anfühlen (Haut stark gerötet, schmerzt, kann einige Zeit farblich verändert bleiben).

    Das liegt daran, dass die Kälte die Empfindlichkeit senkt, die Nerven werden bis zu einem gewissen Grad „betäubt“ und man verliert das normale Schutzgefühl, dass die Kälte nun zu doll wird und man die Sache schleunigst beenden sollte.

    ABER: Wenn du z.B. Coolpacks verwendest, sind die nicht ganz so eisig kalt, die eignen sich gut, auch für längere Anwendungszeiten. Und dann am besten zum Schutz der Haut noch ein Tuch dazwischenlegen. Im Kopfbereich haben wir auch noch unsere Haare als Schutz.

    Mir tut Kälte am Kopf auch sehr gut, wenn ich eine Attacke ohne Medis durchstehen muss. Ich packe dann ein Coolpack unter ein breites, bequemes Stirnband und tausche das Coolpack regelmäßig aus. (Und bin froh, dass kein Fotograf um die Ecke lauert… ? )

    Direktes Eis auf die Haut auf keinen Fall länger als nur wenige Minuten anwenden! Wobei deine Eiswürfel ja je nach Größe zügig schmelzen würden. Wenn dir nur Eiswürfel kalt genug sind, kannst du mit Eiswürfeln abreiben. Das ist ein Kompromiss und besser verträglich. Länger als 5 Minuten mit blanker Haut auf blankes Eis würde ich persönlich nicht durchziehen. Und selbst das ist schon lang.

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Monate, 3 Wochen von  heika.
    Anna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 491

    Liebe Lara,

    das mit dem Eis habe ich bei mir auch schon so beobachtet.

    Ich benutze die Kühlakkus eines Flaschenkühlers, die sind so leicht gebogen.
    Die stecke ich dann in zwei Waschlappen ineinander, damit ich sie, wie Heika schon schrieb, nicht auf nackter Haut habe.

    Wenn ich keine Migräne habe, kann ich die Eisbeutel gar nicht so aushalten, aber wenn ich Migräne habe, kann es gar nicht kalt genug sein.
    Und nur mit dieser Kühlung kann ich eine Migräne gut verschlafen.

    Bisher konnte ich nicht beobachten, dass ich dadurch Schaden genommen hätte und ich bin um einiges älter als du. ?

    LG Anna

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Monate, 3 Wochen von  Anna.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Monate, 3 Wochen von  Anna.
    Brain
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 37

    Hallo Lara,

    dass deine Mutter deinen Schmerzstress nicht anerkennt und beide Eltern dir deswegen Druck machen, geht absolut gar nicht. Das ist so ziemlich das Schlimmste, was man einem Migräne- oder überhaupt Schmerzpatienten antun kann und wenn hier noch finanzielle Abhängigkeiten bestehen, ist es zudem missbräuchliches Verhalten.

    Zunächst solltest du dir klarmachen, dass die Finanzierung deiner Erstausbildung keine elterliche Gnadengönnung darstellt, die nach Gutdünken an brave Kinder verschenkt werden kann. Es ist vielmehr eine gesetzlich verankerte Pflicht. Nur mal ein Gedankenspiel: Sollten deine Eltern dir ernsthaft den Unterhalt verweigern wollen, könntest du beim BAföG-Amt einen Antrag auf Vorleistung stellen, das ist ein simples Formblatt zusätzlich zum Hauptantrag. Du gibst damit an, dass deine Eltern sich weigern, dir deine Ausbildung zu finanzieren, obwohl sie es könnten (gilt allerdings nur bei Erstausbildung), das BAföG-Amt bearbeitet deinen Antrag, geht in Vorleistung und klagt das Geld bei deinen Eltern ein. Sowas bedeutet natürlich Krieg, soll dir aber mal deine Position verdeutlichen. Du bist kein Bittsteller, du hast ein Recht auf eine gute Ausbildung und du hast auch ein Recht darauf, dafür nicht kotzend in einer Klausur sitzen zu müssen. BAföG kann bei chronischer Erkrankung btw. ebenfalls verlängert gewährt werden.

    Nun zum Aspekt der elterlichen Empathieschwierigkeiten. Punkt eins: Migräne ist nicht vergleichbar. Verschiedene Migräniker haben mitunter völlig verschiedene Ausprägungen der Erkrankung. Auch bei Einzelpersonen können Attacken mit völlig unterschiedlichen Schweregraden ablaufen.
    Ich komme zum Beispiel auch aus einer Migränefamilie, Oma väterlicherseits hatte Menstruationsmigräne, schlimm, aber selten. Vater hat Migräne alle paar Monate, liegt einen Tag flach, göbelt sich die Seele aus dem Leib und meldet sich krank. Meine Mutter hatte früher ebenfalls schwere Migräne, ist damit in ihrer Familie aber auch nicht ernstgenommen worden. Noch kurz vor dem Abitur musste sie bei ihren Eltern den Haushalt schmeißen und sich um ihre vier jüngeren Geschwister kümmern, obwohl sie jeden Tag schwere Attacken hatte. Sie hat ihr Abi knapp bestanden und hat heute noch kein Bewusstsein dafür, was diese Krankheit bedeutet und was das mit ihr und später mit uns, meinem Vater und mir, gemacht hat. Meine Eltern sind geschieden und ich bin froh drum.

    Mich hat es migränetechnisch am Schlimmsten erwischt, ich hatte meine erste Attacke mit vier und direkt ordentlich rumgegöbelt. Später musste ich oft in der Schule fehlen, meine Mutter dachte da (obwohl ansonsten sehr liebevoll), ich wäre faul. Ich hatte sehr gute Noten, konnte mir Fehlzeiten leisten, aber sie wollte mich in die Schule schicken. Glücklicherweise hat mich mein Vater in Schutz genommen. Dennoch hab ich sehr früh gelernt, dass meine subjektive Schmerzwahrnehmung anzweifelbar ist, was dazu führte, dass ich später auch mit schwersten Attacken meine Nebenjobs, mein Studium und meinen Alltag gewuchtet und mir grundsätzlich immer viel zu viel zugemutet habe. Daraus sind psychische Folgeerkrankungen entstanden, die meine Studiendauer stark verlängert haben und die mir jetzt viele Dinge erschweren. Für mich ist jetzt bereits klar, dass ich meine Eltern später weder pflegen kann noch möchte – nicht aus Rache, sondern weil ich nicht dafür garantieren kann, dass ich die Kraft hätte, sie gut zu behandeln.

    Ich hab es oft erlebt, dass seltsamerweise genau die Menschen, die es eigentlich besser wissen müssten, am allerwenigsten mit dem Schmerz anderer umgehen können. Wie soll man auch verstehen, wenn man selbst nie Verständnis erfahren hat oder überhaupt ein Bewusstsein für die eigenen Belastungen entwickeln konnte? Wenn da keine Aufarbeitung stattfindet, werden Dinge eben weitergegeben und das ist fatal. Solche Kreisläufe sollte man nicht am Leben halten.

    So, war jetzt etwas ausufernd, aber ich wollte es mal veranschaulichen.

    Zum Thema Nachteilsausgleich: Wie cool, dass du in so kurzer Zeit schon so viel erreichen konntest! Schuldgefühle wegen Extrawürsten sind übrigens eine typische Migränikerkrankheit und wenn du mich fragst ist diese Form von kollektivem Understatement mit ein Grund dafür, dass diese Krankheit und ihre Folgen immer noch so verhältnismäßig wenig besprochen werden, siehe oben. Man muss sich das vor Augen führen, um zu verstehen, dass der Schutz und die Kommunikation der eigenen Bedürfnisse hier keinesfalls egoistisch sind, sondern vielmehr immer auch eine Hilfe für andere PatientInnen.

    Bei der Kühlungsfrage schließ ich mich Heika an, manchen hilft zur Abwechslung übrigens auch Duschen, das entspannt bissle die Blutgefäßsituation. Hast du das mal probiert oder kriegst du dann Kreislauf?

    Das wars erstmal. 😉

    Liebe Grüße
    Brain

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28026

    Liebe Laura,

    ich schließe mich Heika und Brain (Dein Beitrag ist klasse!) voll an.

    Lass Dich nicht verunsichern, die Unterstützung Deiner Eltern steht Dir zu und Vergünstigungen im Studium ebenso. Denke jetzt mal nur an Dich und nimm mit, was Du mitnehmen kannst. Du bist eh schon so geplagt genug und brauchst jetzt Hilfe und Unterstützung von allen Seiten.

    Ich bin übrigens sehr empfindlich was Kälte anbelangt. Kann mir nur die kühle Hand an die Schläfe legen oder auch mal einen kalten Waschlappen. Alles andere würde den Schmerz sogar noch steigern. Schon interessant, wie unterschiedlich wir doch alle reagieren.

    Alles Gute und liebe Grüße
    Bettina

    Jasmin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 379

    Super-Beitrag, Brain!! Daumen hoch 😉

    Mir geht es wie Bettina, deftige Kühlung würden meinen Kopf (gefühlt) zum Platzen bringen, wirklich spannend, wie unterschiedlich wir alle reagieren.

    Für dich, Lara, ist es natürlich zusätzlich belastend, wenn seitens der Eltern noch Unverständnis kommt, du hast es dir ja nicht so ausgesucht. Ich kenne auch unzählige Attacken, in denen ich mind.12 Std.regungslos auf einer Stelle liegen musste und nichts mehr half..
    Bzgl. Finanzierung des Studiums ist es eben so, dass das BAFöG an die Regelstudienzeit gebunden ist und wenn man nicht rechtzeitig fertig wird, die Eltern einspringen müssen für eine gewisse Zeit. Wenn es für sie finanziell schwierig ist – man bekommt ja eben nur BAFöG bei geringem Einkommen der Eltern – gibt es noch die Möglichkeit eines günstigen Studienkredites, nur für den Fall der Fälle sicher gut zu wissen. Das zahlt man nachher häppchenweise zurück. Also viele Wege führen bekanntlich nach Rom.. Doch daran musst du ja noch nicht denken.
    Glaub mir, ich habe wie viele andere hier in den tiefsten Tiefen der Migränekarriere gesteckt, komme noch aus der Zeit, als es keine Triptane gab und für 10 Jahre mir ebenfalls überhaupt nichts half. Von daher möchte ich dir sehr wünschen, dass du die Hoffnung nicht aufgibst, dass auch für dich irgendwann etwas hilfreiches gefunden wird.
    Bis dahin wende dich den Menschen zu, die dir guttun, die nachempfinden können, was du durchmachst!
    Ganz herzliche Grüße
    Jasmin

    Brain
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 37

    Hallo Jasmin,

    ich muss dich kurz korrigieren. Eine BAföG-Förderung über die Förderungshöchstdauer hinaus ist in begründeten Fällen durchaus machbar. Ich zitier mal kurz von der HP des deutschen Studentenwerks:

    „Studierende können über die Förderungshöchstdauer hinaus BAföG bekommen, wenn sich das Studium wegen Behinderung (§ 15 Absatz 3, Nummer 5 BAföG) oder aus anderen „schwerwiegenden Gründen“ (§ 15 Absatz 3, Nummer 1 BAföG) verlängert. Nach der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum BAföG kann beispielsweise eine schwere Krankheit ein solcher „schwerwiegender Grund“ sein.“

    Ausschlaggebend ist hier allerdings nicht die Art der Behinderung/Erkrankung allein, es muss auch konkret nachgewiesen werden, inwiefern sich die Erkrankung studienzeitverlängernd auswirkt und dass andere Gründe nicht zutreffen.

    Der Studienkredit wär aber für den Fall der Fälle auch ein sehr guter Hinweis, da hatte ich gar nicht dran gedacht.

    Also es gibt jedenfalls viele gute Möglichkeiten, um sich abzusichern und Hilfe zu finden.

    Euch allen alles Liebe und einen schmerzarmen Tag. 🙂
    Brain

    Lara22
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 41

    Ganz ganz lieben Dank für eure langen und ausführlichen Nachrichten! Das weiß ich wirklich zu schätzen und hilft mir gerade sehr! Heute nur eine kurze Antwort, da mein Kopf heute schon wieder gar nicht so will wie ich. Wollte mich aber wenigstens kurz bedanken. 🙂
    Echt interessant, wie unterschiedlich wir da sind. Für meinen Kopf kann es gar nicht kalt genug sein. Aber ich werde darauf achten, nicht zu doll zu kühlen.

    Brian, dein Beitrag hat mich auch sehr zum Nachdenken gebracht, da ist viel Wahres dran. Ich erwarte da auch eigentlich kein Verständnis mehr von meiner Mutter, aber der zusätzliche Druck jetzt ist schon anstrengend. Dazu höre ich mir jetzt auch noch regelmäßig an, dass sie schließlich auch mit Migräne studiert hätte,in Regelstudienzeit durchgekommen ist und nie auch nur eine Klausur verpasst hat.
    Da meine Eltern beide gut verdienen, falle ich bei den anderen finanziellen Unterstützungen oft raus, habe aber in den letzten Semesterferien fast immer recht viel gearbeitet, so dass ich mich auch eine ganze Weile selbst finanzieren könnte.

    Erstmal die jetzige Attacke überstehen und dann sehe ich weiter.

    Ich wünsche einen schmerzfreien Abend.
    Lara

    Jasmin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 379

    Das verstehe ich alles gut. Und natürlich ist man von seiner Mutter doch enttäuscht.. meine Mutter reagiert seit Jahren immer mit vorwurfsvollem Unterton „Also dass du das nach den Wechseljahren immer noch hast, ist doch nicht normal!!! Da stimmt doch was nicht..“ Da kann ich mich nur zurückziehen. Es arbeitet aber in uns wenigstens etwas weiter.
    Alles Liebe für dich
    Jasmin

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 552

    Liebe Lara,

    es geht mir immer besonders ans Herz, wenn so junge Menschen wie du von einer Krankheit wie Migräne o.ä. betroffen und eingeschränkt sind. Du hast so viel interessante und hilfreiche Antworten bekommen. Ein paar Dinge, die mir noch durch den Kopf gegangen sind, möchte ich dir schreiben, vielleicht können sie dir eine Anregung sein. Sollte es dir zu viel oder falsch sein, dann streiche es einfach, okay!?

    An Schmerzmitteln wirkt leider auch nicht viel…

    Da ich – ebenso wie du – auf die von dir aufgeführten Medikamente nicht reagiere und ich mit der Einnahme eines Triptans auch in der Höchstdosis keine ausreichende Wirkung erzielen kann, nehme ich zusätzlich zu meinem Naratriptan 100 mg Indometacin. Indometacin ist ein Medikament mit beträchtlichen Nebenwirkungspotential, wobei es wieder mal ein Ausprobieren ist, ob und welche Nebenwirkungen sich in welcher Ausprägung zeigen. Ich habe meinen Magen und Darm, die das Medikament angreifen können, inzwischen gut stärken können, so dass diese Nebenwirkung sich mittlerweile bei mir in sehr erträglichen Grenzen hält.

    Vor einiger Zeit gab es dieses Medikament nur noch als Retardkapseln mit 75 mg, inzwischen sind aber auch wieder die „normalen“ Tabletten mit 50 mg zu haben.

    Eine weitere Alternative wäre Acemetacin, auch ein NSAR, welches im Körper zu Indometacin umgewandelt wird. 120 mg Acemetacin entsprechen dabei 100 mg Indometacin. Ich kann damit eine Wirkung erzielen, die aber schwächer ausfällt als die des Indometacins.

    Du kannst auch unter Migränewissen nachlesen, welche Triptane es z.B. in Form von Schmelztabletten gibt. Mir half z.B. Rizatriptan erst in dieser Form.

    Vielleicht wären auch Arcoxia oder Cececoxib mögliche Alternativen, die du mit deinem Arzt besprechen könntest.

    Auch ich fand deinen Beitrag, liebe(r?) Brain, ganz große Klasse! Ich kann dir nur zustimmen, dass nicht in jedem Fall das abgedunkelte Zimmer und das Liegen hilfreich sind. Bei mir ist das unterschiedlich, d.h. wenn gar nichts mehr geht, bleibt nur noch diese Möglichkeit. Sind die Attacken mittelstark und stark, tun mir Ablenkung und Sedierung meist ganz gut. Da gilt es herauszufinden, was du, liebe Lara, in der entsprechenden Situation brauchst, dir hilft und/oder gut tut…!

    Der Betablocker wirkt super und hat die Attackenanzahl von ca. 25 Migränetagen im Monat auf 12-17 reduziert.

    Das klingt doch schon mal gut und beschert dir – so denke ich mir – zumindest einige ersträgliche und/oder gute Tage mehr.

    Doofe Frage, aber kann man den Kopf eigentlich auch zu doll kühlen?

    Das ist keine doofe Frage! Ich mache es wie du, liebe Heika! Du hast auch die Wirkung sehr gut und einleuchtend erklärt, danke!
    Mir tut die Kälte der Kühlpacks, die ich ein ein Stricktäschchen stecke und mit einem Tuch um den Kopf an die entsprechende Stelle fixiere, sehr gut!

    Und nun noch ein paar Worte zum Verständnis oder Unverständnis der Umwelt, in deinem Fall das deiner Eltern.
    Wir hatten Diskussionen dieser Art schon öfter hier im headbook. In letzter Zeit habe ich für mich folgendes erkannt – und das ist, wenn überhaupt, sicher nicht die einzige Wahrheit. Ich denke, dass wir Menschen so aufgewachsen, erzogen und geprägt worden sind, dass wir handeln „müssen“, wenn wir ein körperliches Problem haben. Z.B. legen wir uns mit einer Grippe ins Bett, kurieren diese mit viel Ruhe, Trinken, möglicherweise entsprechenden Medikamenten zur Linderung usw. aus, und werden wieder gesund. Das ist klug und dient unserem Schutz. Funktioniert das irgendwann – wie z.B. bei unserer Krankheit – nicht mehr, reagiert die Umwelt mit Unverständnis und kann es einfach nicht fassen. Wir bekommen dann Bemerkungen wie die von deiner Mutter, oder dass es doch nicht sein kann, dass nichts hilft usw. Damit fühlen wir uns schlecht und bekommen unter Umständen das Gefühl, „falsch“ zu ticken, uns nicht genug anzustrengen oder Mühe zu geben, nicht genug an die Möglichkeiten, die es angeblich zu geben scheint, zu glauben usw. All das führt zu einem immer weiter steigenden Druck, zu Unzufriedenheit, dazu, dass wir uns auf „Abwege“ begeben und wahrscheinlich auch jeden noch so unsinnigen Strohhalm aus Unwissenheit ergreifen. Die Enttäuschung ist vorprogrammiert und verschlimmert möglicherweise unser Befinden und unseren Selbstwert. Ich glaube, die einzige Möglichkeit ist die, die auch Brain für so wichtig hält – eben in sich reinzufühlen und so schwer es sein mag, Auslese zu betreiben. Auch wenn wir immer wieder in diese (erlernten) Fallen tappen, sind wir nicht verpflichtet, Erklärungen oder Rechtfertigungen abzugeben in der Hoffnung, das Nichtbetroffene oder nicht so schwer betroffene wie deine Mutter Verständnis aufbringen. Genauso dürfen wir erwarten, dass man uns und unsere Beschwerden ernst nimmt und sie nicht abtut.

    Als Kind seiner Eltern erwartet man ein gewisses Verständnis schon allein aus dem Grund, dass man sich von den Eltern geliebt, anerkannt und unterstützt fühlen möchte. Es gab und gibt immer Generationskonflikte, aber vielleicht ist die Sicht deiner Mutter durch ihre Erfahrung so eingeschränkt, dass es ihr einfach nicht möglich ist, über ihren Tellerrand zu schauen. Das ist schmerzhaft, aber auch in dieser Beziehung gibt es Wege zu mehr innerem Frieden für dich. Entscheidend dafür ist sicher in großem Maße die Abnabelung von den Eltern. Inwieweit du dich noch von deinen Eltern abhängig fühlst und welche Möglchkeiten du hast, dich aus diesen zu „befreien“, um dein eigenes Leben zu führen, kannst nur du (wenn nötig, auch mit psyhcologischer Hilfe) herausfinden. Es ist kein leichtes Thema und Arbeiten, aber ich denke, es kann sich lohnen, sich damit auseinanderzusetzten, dem damit verbunden Schmerz Raum zu geben, damit er sich „verabschieden“ kann.

    Ich wünsche dir von Herzen, dass du deinen Weg finden wirst, der dir zu einem anderen Umgang mit deine Krankheit verhilft. Dann werden deine Eltern ihre Sicht vielleicht auch korrigieren können und merken, dass eine Lösung zwar hilfreich sein kann, aber nicht immer in dem gewünschen Ausmaß möglicht ist.

    Dabei, in Richtung dieses Ziels zu kommen, kann es dir helfen, dir so viel Wissen wie möglich über deine Krankheit anzueignen, z.B. auf dieser Seite rechts unter Migränewissen oder noch besser im Buch von Prof. Göbel, welches umfangreich und sehr verständlich geschrieben ist.

    Ich wünsche dir alles Gute, Kraft und Geduld auf deinem Weg!
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 552

    Kurz noch etwas zu folgendem Absatz:

    Dazu höre ich mir jetzt auch noch regelmäßig an, dass sie schließlich auch mit Migräne studiert hätte,in Regelstudienzeit durchgekommen ist und nie auch nur eine Klausur verpasst hat.

    Vielleicht und ganz bestimmt ist es gerade in einem solchen Fall kann es sehr hilfreich sein, sich darauf zu besinnen, dass wir ZWEI gesunde Ohren haben: die Informationen dürfen zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus! Ich glaube, das kann man üben, üben und nochmals üben, bis es in Fleisch und Blut übergeht. Es sind DEINE Ohren, über deren „Benutzung“ du entscheiden kannst ?!

    Es ist häufig nicht sinnvoll, Gleiches mit Gleichemzu vergelten, aber in diesem Fall wird doch sehr deutlich, dass deine Mutter bzw. deine Eltern dich auch einfach nicht hören (wollen?).

    Alles Liebe
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    Lara22
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 41

    Hallo liebe Katrin,

    ich streiche gar nichts von deinem Text, das ist schonmal klar. 🙂 Ich bin euch allen unglaublich dankbar für soviel Hilfe und Unterstützung und Denkanstöße.

    Ich hatte mit hochdosiertem Ibuprofen eigentlich ja ein Medikament, mit dem ich im Akutfall ganz gut klar gekommen bin, leider darf ich das wegen auffälliger Nierenwerte nicht mehr nehmen und so ziemlich alle anderen Medikamente fallen da gleich mit weg. Außer Triptanen und die zeigen bei mir leider absolut gar keine Wirkung.

    Ich bin auch sehr glücklich über die gute Wirkung des Betablockers, somit bleiben mir im Schnitt ca. 15 schmerzfreie Tage im Monat (jetzt im Frühling eher etwas weniger), das ist ja immerhin der halbe Monat. 🙂 Allerdings bin ich auch an denen nicht wirklich fit, wenn ich an den anderen ca. 15 die Attacke unbehandelt aushalte, das schlaucht und kostet so viel Kraft. Und leider reichen auch 15 schmerzfreie Tage nicht, um ein halbwegs normales Leben zu führen, da ich die ja auch nicht so einplanen kann, wie es mir passt.

    Wann immer es geht, lenke ich mich auch lieber ab. Allerdings bleiben in letzter Zeit meistens mindestens 10 Tage im Monat, an denen außer dem dunklen Raum und völlig bewegungslos aushalten bzw. kühlen wirklich gar nichts mehr geht.

    Heute ist der Kopf aber noch etwas unentschlossen, es pocht und sticht im rechten Augenbereich, aber noch aushaltbar. Also hoffe ich, dass es so bleibt und treffe mich jetzt erstmal mit einer Freundin auf einen Kaffee bei dem schönen Wetter, das tut immerhin der Seele gut. 🙂

    Liebe Grüße
    Lara

    Lara22
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 41

    Hallo zusammen,

    jetzt hänge ich den 5. Tag am Stück in der Migräne fest und es ist kein Ende in Sicht. Seit gestern ist mir auch so übel, dass ich überhaupt nichts essen mag. Außer Vomex und Kühlen bleibt mir wohl nicht viel. Soweit ich weiß, darf man Vomex ja auch nur an max 10 Tagen im Monat nehmen, ich habe jetzt diesen Monat schon 6 „Vomex-Tage“ und würde es heute Abend auch gerne noch nehmen um trotz hämmerndem Kopf hoffentlich schlafen zu können. Wäre es dramatisch, wenn man da mal einen Monat drübe rkommt?
    Ich wünsche einen schmerzfreien Abend!

    Liebe Grüße
    Lara

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5660

    Liebe Lara,

    bei Vomex ist es überhaupt nicht tragisch, weil das einzige Problem, das bei einem zu häufigen Gebrauch auftritt, das ist, dass der Körper sich an das Medikament gewöhnt und die Wirkung nachlässt.

    Also gar nicht zu vergleichen mit der Kategorie Triptane/Schmerzmittel, bei denen eine zu häufige Einnahme in einen MÜK führen kann.

    Lieber Gruß
    Heika

    Lara22
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 41

    Liebe Heika,

    vielen Dank für die Antwort! Da Schmerzmittel und Triptane bei mir ja sowieso rausfallen, droht da keine Gefahr.

    Leider gibt die Migräne auch heute keine Ruhe, der Schmerz ist von rechts jetzt in die gesamte Stirn gewandert und mir ist schrecklich übel. Hoffentlich geht sie bald wieder, ich fühle mich der Attacke so ausgeliefert.

    Liebe Grüße
    Lara

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