Lara ohne Akutmedikation

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  • Lara22
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    Guten Morgen,

    jetzt möchte ich mich hier auch mal vorstellen und habe auch gleiche eine Akutfrage.
    Ich bin Lara und 22 Jahre alt. Migräne habe ich vermutlich seit ich klein bin, die endgültige Diagnose wurde aber erst vor drei Jahren gestellt.
    Inzwischen bin ich bei einem (wie ich glaube) guten Neurologen in Behandlung, nehme als Prophylaxe einen Betablocker und kann die 10/20-Regel seitdem nahezu immer einhalten. Soweit alles gut, jetzt kommt aber das Problem: Triptane haben bei mir keinerlei Wirkung. Ich habe alle sieben Triptane in allen Darreichungsformen (auch Nasenspray und Imigran Inject) immer wieder getestet, auch mit MCP oder Domperidon vorher. Es ändert nichts dran, sie wirken bei mir nicht.

    An Schmerzmitteln wirkt leider auch nicht viel, Paracetamol, Aspirin, Diclofenac und auch Novalgin (auch intravenös) bleiben auch in hohen Dosierungen wirkungslos.
    So blieb mir immer nur Ibuprofen, was mir in den meisten Fällen ab einer Dosierung von 800mg ganz gut hilft. Somit nehme ich seit Jahren an bis zu 10 Tagen im Monat Ibuprofen in recht hohen Mengen (an die Tageshöchstdosis von 2400mg komme ich auch regelmäßig), nun kam es so, wie es vermutlich kommen musste. Seit 2 Monaten sind meine Nierenwerte auffällig und inzwischen wurde mir auch von einem Nephrologen bestätigt, dass es sehr nach einer beginnenden Niereninsuffizienz aussieht und ich keinerlei Ibuprofen mehr nehmen darf.

    Damit stehe ich jetzt vollkommen ohne Akutmedikation da und kann die Attacken nur aushalten, das bringt mir aber langsam und sicher an das Ende meiner Kräfte, mal kann ich mich mit Vomex etwas abschießen, aber das funktioniert auch nicht immer und ist auch keine Lösung für 10 Tage pro Monat, zumal ich eigentlich studiere (zur Zeit habe ich noch Semesterferien).

    Ich habe noch das Glück, dass meine Attacken sich meistens nur in starken einseitigen hämmernden Schmerzen, Licht- und Lärmempfindlichkeit und Übelkeit zeigt, aber nur selten mit Erbrechen einher gehen.

    Aktuell habe ich seit vorgestern wieder eine Attacke, habe die letzten zwei Tage überwiegend halb sitzend/halb liegend im dunklen Zimmer verbracht, mit Kühlkissen auf dem Kopf, aber auch das macht die Schmerzen kaum erträglicher.

    Gibt es noch irgendwelche Möglichkeiten, die Schmerzen irgendwie eträglicher zu machen?

    Liebe Grüße
    Lara

    Lara22
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    Hallo zusammen,

    ich möchte nochmal lieb nachfragen, ob vielleicht jemand einen Tipp für mich hat.

    Liebe Grüße
    Lara

    Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 28241

    Ja wenn Du so lieb nachfragst … ?

    Erst mal ein herzliches Willkommen bei uns, liebe Lara. 🙂

    Seit 2 Monaten sind meine Nierenwerte auffällig und inzwischen wurde mir auch von einem Nephrologen bestätigt, dass es sehr nach einer beginnenden Niereninsuffizienz aussieht und ich keinerlei Ibuprofen mehr nehmen darf.

    Das tut mir sehr leid, was für eine schlimme Situation. Die Nieren müssen jetzt geschont werden, das ist klar. Dann ist auch Magnesium jetzt keine Empfehlung. Nun kann es nur über eine Prophylaxe gehen, die insgesamt die Situation verbessern kann. Inwieweit hat der Betablocker die Attacken reduziert? Vielleicht kannst Du noch eine zweite Prophylaxe ergänzen lassen durch den Neurologen, um die Attacken noch weiter zu reduzieren.

    Eventuell doch noch mal einige Triptane testen? Kann man immer wieder mal machen nach einer längeren Pause zum vorigen Versuch. Meine Tochter kann auch nur mit Ibuprofen behandeln, aber sie kommt mit einer geringen Dosis aus und ist zur Zeit eigentlich immer unter 10 Attacken im Monat. Leider gibt es das mal, dass Triptane nicht anschlagen. Aber trotzdem von Zeit zu Zeit mal versuchen.

    Wie sieht es mit Sedierung aus? Hast Du schon mal Vomex versucht?

    Liebe Grüße
    Bettina

    Brain
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    Liebe Lara,

    das tut mir sehr leid, dass du in so einer vertrackten Situation steckst.
    Ich hatte mal über einige Monate das Problem, dass ich auf sämtliche Schmerzmittel – oder überhaupt Medikamente – diffuse, aber beunruhigende Unverträglichkeitsreaktionen hatte. Warum konnte nicht geklärt werden, mittlerweile hat es sich glücklicherweise normalisiert. Ich habe also über diesen Zeitraum keinerlei Medikamente genommen, was unschön war, da ich i. d. R. dreitägige Attacken hatte, die mit mindestens einer Nacht schwerem Erbrechen einhergingen. Ich zähl mal auf, was damals half – vielleicht kannst du da ja was von gebrauchen.

    Zunächst muss man sich klarmachen, dass man gegen den Schmerz selbst erstmal nicht viel machen kann. Wohl aber gegen den Stress, den er verursacht. Wieviel das wert ist, hab ich aber erst gemerkt, als es damals keine andere Möglichkeit mehr gab.

    Ich spreche generell ganz gut auf Entspannungstechniken und Meditation an, daher hab ich mir damals die von der Schmerzklinik angebotene CD zur Imaginationstherapie besorgt. Die findest du hier unter den Links, ich hatte sie mir zum Schnuppern erstmal über die Uni-Fernleihe besorgt.
    Mit Imagination kann man den Schmerz nicht beseitigen, aber man kann lernen, Außenreize, störende Gedanken, Panik- und Katastrophendenken während einer Attacke auszublenden. Das Gehirn lernt, trotz Schmerz zu entspannen. Für mich fühlte sich das so an, dass der Schmerz quasi „Ränder“ bekommt, man wird nicht mehr überschwemmt, sondern man weiß, bis wohin er geht und wo er aufhört. Ich nutze das bis heute, kann damit besser einschlafen, brauche weniger Medis, kann eine Attacke abmildern und oft sogar verkürzen. Wenn du Vomex noch einsetzen kannst, umso besser, dann kannst du nämlich beides kombinieren und die Wirkung unterstützen.

    Dann hab ich außerdem festgestellt, dass es mir gar nicht so sehr hilft, zuhause in der Dunkelkammer rumzuliegen. Mein Kreislauf geht dann insgesamt runter, der Schmerz wird stärker und schnell unerträglich. Da weiß ich jetzt nicht, wie dein Körper reagiert, aber mir hilft es, wenn ich so lange wie es möglich ist, leichte, entspannende und intellektuell möglichst anspruchslose Tätigkeiten ausführe. Ich hab einen Wald direkt hinter dem Haus und manchmal schmier ich mich einfach schön dick mit Pfefferminzöl (japanisches Heilöl) ein und latsche los, schön gemächlich, über nichts nachdenken und wenn einem doch mal schlecht wird, dann, tja, kann man zur Not auch mal in den Busch hüpfen. 😉
    Musst du natürlich auch schauen, ob das was für dich wär. Wenn man mitten in der Stadt wohnt oder selbst Wald schon zuviel Reize bedeutet, isses vielleicht nicht so optimal.

    Der nächste wichtige Punkt wäre das soziale Umfeld. Man kann viel Stress abbauen, wenn man sich mal genau anschaut, wie Freunde, Familie, Arbeitskollegen auf Migräneprobleme (Absagen etc.) reagieren und wer damit wie umgeht. Anhand dessen kann man auch regulieren, wie man selbst mit den jeweiligen Personen umgehen möchte. Mit wem man sich vielleicht lieber nicht verabredet, welche Termine oder Verpflichtungen man besser nicht annimmt, weil man schon weiß, dass es im Akutfall stressig wird, sie abzusagen. Das gilt natürlich auch im positiven Sinne. Ich habe zum Beispiel eine liebe Freundin, die in der Nachbarschaft wohnt und bei einer sehr schlimmen Attacke hab ich mich da auch schonmal spontan eine halbe Stunde schweigend ins Wohnzimmer gelegt. Es stört sie nicht und mir half es sehr, zu merken, dass da außerhalb des Schmerzes auch noch eine normale Welt existiert.
    Ich hab damals im sozialen Umfeld ein bisschen aussortiert, aber auch viel erklärt und besprochen, wie man mit Situationen gemeinsam umgehen kann. Da bin ich heute sehr froh drum, denn die Leute, die’s verstanden haben, sind für mich safe und eine wichtige Stütze.

    Soviel vielleicht erstmal zu den, äh, möglichen Soft Skills. 😉

    Ansonsten wär vielleicht noch die Frage, ob man bei deinen Prophylaxen noch ein bisschen puzzlen könnte? Da weiß ich jetzt nicht, inwiefern das mit der Nierenproblematik möglich ist, aber vielleicht könnte man ja eine zweite Prophylaxe dazunehmen? Oder Botox?
    Magnesium wird ja nicht gehen, aber vielleicht eine reine Vitamin-B2-Prophylaxe?
    Da wird dein Neurologe sich sicher am besten auskennen.

    Ich hoffe, da ist was bei, was dir ein bisschen helfen kann, aber ich denk auch nochmal nach. 🙂

    Liebe Grüße
    Brain

    Lara22
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 41

    Hallo Bettina und Brain,
    ganz lieben Dank für eure Nachrichten! Ich versuche mal darauf einzugehen:

    Der Betablocker wirkt super und hat die Attackenanzahl von ca. 25 Migränetagen im Monat auf 12-17 reduziert. Mein Nephrologe ist eigentlich gegen „Dauermedikation“ von Betablockern mal abgesehen, aber ich werde mit meinem Neurologen nochmal besprechen, ob sich da vielleicht noch eine zusätzliche Prophylaxe finden lässt, die die Nieren nicht so sehr belastet.
    Imigran Inject und auch Zolmitriptan habe ich in den letzten Wochen erst wieder getestet, werde mir nach und nach die anderen auch Triptane auch noch wieder vornehmen, aber die Hoffnung ist inzwischen gering, dass sie doch irgendwann Wirkung zeigen.

    Mit Vomex kann ich immer mal Attacken aushalten, außer liegen ist dann aber auch nichts möglich und die Schmerzen oft trotzdem noch sehr stark zu spüren. Ich kann aber ja auch nicht dauerhaft an mindestens 10 Tagen im Monat komplett ausfallen.

    Mit Entspannungverfahren werde ich mich auch nochmal näher auseinandersetzen, ich habe vor Jahren mal Meditation angefangen, das war aber so gar nicht meins, aber vielleicht findet sich da ja was passendes, womit ich die Schmerzen zumindest etwas besser ertragen könnte.
    Im Moment fühle ich mich dem Schmerz einfach nur komplett ausgeliefert.

    Liebe Grüße und einen schmerzfreien Abend
    Lara

    Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 28241

    Hallo Lara,

    der Nephrologe muss natürlich immer mit im Boot sein und er arbeitet mit dem Neurologen hoffentlich interdisziplinär. Wenn der Betablocker gut hilft, ist er wohl leider konkurrenzlos im Moment. Du brauchst ja irgend eine Hilfe für Deine Schmerzen und im Laufe der Zeit wird hoffentlich auch noch eine Akutmedikation gefunden. Ich wünsche es Dir!

    Meditation wäre auch nicht meins, aber das ist gar nicht schlimm. Jeder soll für sich das Passende finden, womit man wieder runterkommen und entspannen kann. Vielleicht wäre ja die Progressive Muskelrelaxation eine Möglichkeit? In unserer Migräne App ist sie kostenlos integriert.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Lara22
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 41

    Hallo Bettina,
    es wäre schön, wenn wirklich interdisziplinär gearbeitet werden würde. Hauptsächlich befördere ich Infos zwischen Nephrologen und Neurologen hin und her und es kommt nicht viel bei raus.

    Die Migräne App nutze ich bisher zum Schmerzkalenderführen, muss aber zugeben, dass ich mich mit den weiteren Funktionen nie näher beschäftigt habe. Werde ich nachholen. 😉

    Der Betablocker hilft super gut und mit Akutmedikation würde es mir vermutlich auch ganz gut gehen, so sind es aber leider ja immer noch im Schnitt ca. 15 Migränetage, an denen ich nahezu nichts machen kann. Mit starker unbehandelter Migräne bin ich zu kaum irgendwas in der Lage. Zur Zeit habe ich eigentlich Semesterferien, da geht das noch irgendwie (auch wenn die unbehandelten Schmerzen schon sehr auf die Stimmung drücken), übermorgen schreibe ich allerdings noch eine wichtige Klausur und typischerweise bin ich heute morgen schon mit Migräne aufgewacht.
    Da bleibt mir jetzt nur zu hoffen, dass die bis zur Klausur wieder verschwindet, denn ansonsten schaffe ich so wahrscheinlich nicht mal den kurzen Weg in die Uni, geschweige denn die Klausur zu bestehen. Gut vorbereitet bin ich, ich kann auch mit ganz gutem Gefühl heute und morgen auf das Lernen verzichten und dem Kopf alle Ruhe der Welt gönnen, aber mehr kann ich ohne Medikamente ja kaum tun. Und das ist gerade schon sehr frustrierend.

    Liebe Grüße von der etwas verzweifelten Lara

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28241

    Hallo Laura,

    ich hoffe, die Klausur lief gut und die Schmerzen sind entweder gar nicht aufgetreten oder haben sich in Grenzen gehalten.

    es wäre schön, wenn wirklich interdisziplinär gearbeitet werden würde. Hauptsächlich befördere ich Infos zwischen Nephrologen und Neurologen hin und her und es kommt nicht viel bei raus.

    Das ist natürlich suboptimal, vielleicht könntest Du die aktive Zusammenarbeit mal anregen?

    Novalgin könnte mal überlegt werden, wenn Triptane gar nicht helfen. Sprich mal mit Deinen Ärzten darüber.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Lara22
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 41

    Hallo Bettina,

    die Klausur lief leider gar nicht bzw. ohne mich. Ich lag die letzten beiden Tagen mit höllischer Migräne dann doch völlig flach. Gestern habe ich mich zwar irgendwie mit explodierendem Kopf in die Uni geschleppt, habe aber kaum, dass ich angekommen war, erkennen müssen, dass ich so niemals eine dreistündige Klausur überstehe.

    Die Zusammenarbeit zwischen meinem Neurologen und Nephrologen ist etwas schwierig, da der Nephrologe die Notwendigkeit, Migräne zu behandeln, nicht wirklich sieht, da es ja schließlich nicht gefährlich sei und er die Nieren aber akut gefährdet sieht.

    Novalgin hatte ich vor einigen Jahren tatsächlich auch schonmal getestet, da zeigte es leider auch gar keine Wirkung, aber ich werde das nochmal ansprechen und dann ggf. erneut t