Mein erster (und zweiter) Versuch einer Medikamentenpause (Heiko)

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  • Heiko
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    Liebe Foren-Mitglieder,

    als Newbie habe ich diesen Beitrag bestimmt im falschen Forum oder der falschen Gruppe gestartet. Bitte verschiebt ihn, wenn meine Ahnung berechtigt sein sollte. Und Entschuldigung vorab!

    Ich finde eure Seite fantastisch, habe in den letzten Tagen zahlreiche Threads gelesen, mir das Buch von Prof. Hartmut Göbel besorgt, großen Respekt für Bettina entwickelt u.v.m. – all das hat mich dazu bewogen, eine Medikamentenpause einzulegen (was ich auch vorher schon wollte, aber keine Hilfestellungen hatte) und hier einige verbliebene Fragen diesbezüglich zu stellen.

    Ich leide seit 20 Jahren an Kopfschmerzen und Migräne, ersteres dominierte meine Jugend und frühe Erwachsenenzeit, zweiteres gesellte sich im Lauf der vergangenen 7 Jahre dazu (immerhin verschwanden dadurch die Kopfschmerzen, die ich nie ganz zu behandeln wusste, was mir bei der Migräne Dank des Wundermittels Triptan nicht mehr so ging).

    Sehr früh schon kannte ich die 10-Tage-Regel, noch zu Kopfschmerzzeiten achtete ich darauf, nicht zu viele Analgetika einzunehmen. Bei Triptanen habe ich es ähnlich gehalten und nahm in der Regel nie mehr als an 9 Tagen pro Monat welche ein. Aber wie ich wohl niemandem hier erzählen muss, kann so etwas auch mal entgleiten – man verliert den Überblick (vielleicht sogar absichtlich oder bewusst nachlässig), man hat sich eingepegelt mit der Einnahmepraxis und ihrer fast immer garantierten Wirkung, man… ihr versteht schon. Ich erzähle nichts Neues.

    In den vergangenen Monaten lag ich dann öfter mal über 10 Schmerzmitteltagen (nicht dramatisch drüber, aber es genügen ja auch 11 oder 12), und im Dezember 2017 waren es gleich 20 (wie das passieren konnte, wundert und ärgert mich tatsächlich). Nun jedenfalls plagt mich tägliche Migräne, mal mehr mal weniger, sprich, manchmal aushaltbar und gut zu ignorieren, manchmal bis zum Rande des Wahnsinns. Die Frage, ob der aushaltbare Teil bereits ein MÜK ist, liegt auf der Hand. Und ebenso die Annahme, dass der viele Gebrauch die Attackenhäufigkeit beeinflusst hat. Das ist etwas, was ich schon immer fürchtete: Dass viele Triptane bzw. jede mit einem Triptan behandelte Migräne zu häufigeren Schmerztagen und ggf. auch zu einer verminderten Wirksamkeit des Medikaments führt (letzteres ist bei mir zum Glück noch nicht der Fall).

    Lange Rede, kurzer Sinn: Eine Medikamentenpause kann nicht schaden, egal ob nun MÜK induziert ist oder nicht, ich halte sie sogar für zwingend. Hier steht ja auch vieles, was sie sonst noch Gutes bewirkt („Resetting“ des Schmerzempfindens, das Zurruhekommen der Nerven). Ich habe diese Pause daheim gestartet. Am vergangenen Montag (01.01.2018) nahm ich abends wegen starker Migräne eine Triptan und eine Ibu. Es sollten vorerst die letzten bleiben, nahm ich mir.

    Dienstag, Mittwoch und Donnerstag liefen in Ordnung. Die Tage waren geprägt von ganztätig leichter, im Hintergrund laufender Migräne, die unangenehm war, aber sich ignorieren ließ. Abends bzw. nachts verschwand sie beinahe gänzlich. Ich war natürlich froh, wusste aber auch, dass es dabei nicht bleiben würde. Freitag, also Tag 4, waren die Schmerzen tagsüber schon wesentlich ausgeprägter, abends brachten Bettruhe und Einschlafversuche keine Erfolge. Währenddessen summierten sich Migräne und plötzlicher Kopfschmerz (den ich nur noch selten habe und der mich an die viele Jahre zurückliegende Art von Schmerz erinnerte) zu einem Supergau. Nach langem Ringen griff ich zum Triptan und habe die Pause somit nach exakt 96 Stunden beendet. Die Enttäuschung ist groß, aber ich verurteile mich nicht. Es ging nicht mehr, da war nichts zu machen. Viele hier kennen sicher den Moment, an dem die Schmerzen so schlimm werden, dass Aushalten keine Option mehr ist. Wo man zeitweise wirklich denkt: Das war es, ich sterbe. (und auch das Wissen, dass es nicht so ist, wenig hilft)

    Ich will es selbstverständlich trotzdem noch mal versuchen. 7 Tage ist mein erstes kleines Ziel, 14 Tage das eigentliche, drei Wochen oder mehr das optimale (aber ich möchte mir kleine Ziele setzen und Etappensiege feiern). Diesmal aber mit Unterstützung meiner Hausärztin (die noch nichts von ihrem Glück weiß), deshalb folgende Fragen:

    1. Welches Cortison ist zu empfehlen? Oder spielen Marke, Hersteller etc. keine Rolle?

    2. 3 Tage 100mg, dann von Tag zu Tag um 10mg reduzieren, korrekt?

    3. Welcher Magenschutz muss wegen des Cortisons eingenommen werden? Oder ist das optional?

    4. Es existieren widersprüchliche Angaben bezüglich der Einnahme von Benzodiazepinen während der Pause. Zu lesen ist (unter anderem auf der Schmerzklinikseite), dass diese auch abgesetzt werden müssen (wobei ich sie nicht regelmäßig nehme, eigentlich nur 2x Tavor im Monat, weil ich eine Angststörung habe). Zugleich lese ich aber, dass Diazepam (ein Benzo) empfohlen wird in der Übergangsphase zur Entspannung und zum Schlafen.

    5. Aufgrund einer seit wenigen Monaten bestehenden CMD (Kieferarthrose mit Schmerzen) habe ich ein Antirheumatikum verschrieben bekommen, es handelt sich um eines mit Wirkstoff Oxaceprol. Ist dieses Medikament während der Pause gestattet? Ich bin mir da sehr unsicher. Nicht-steroidale Antirheumatika sind ja zum Beispiel nicht erlaubt.

    Sorry für den langen Text. Wichtig ist nur der Schluss. Alles andere dient lediglich zur Einordnung.

    Ich freue mich über die Beantwortung der Fragen und darüber, hier weiter mitzulesen und nun auch mitkommentieren zu können.

    Ihr seid klasse! Vielen Dank!

    • Dieses Thema wurde geändert vor 1 Jahr, 9 Monate von  Heiko.
    • Dieses Thema wurde geändert vor 1 Jahr, 9 Monate von  Heiko.
    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4626

    Hallo Heiko,

    erst einmal herzlich willkommen hier bei uns im Forum. Schön, dass du dich schon ein wenig eingelesen hast.

    Dein Entschluss eine Medipause zu machen ist grundsätzlich zu begrüßen. Jedoch ohne Unterstützung und dann noch allein zu Hause, dass ist kaum machbar und es ist die Frage, ob man sich das antun sollte. Vor allem, wenn du gar nicht wirklich im MÜK bist. Diese Qualen würde ich persönlich nicht auf mich nehmen wollen.

    Vielleicht wäre es dann für dich eine Option, immer mal wieder kleine und leichtere Attacken mit Unterstützung von Vomex oder anderen sedierenden Mitteln auszuhalten.

    Ich habe damit sehr gute Erfolge und kann so den MÜK vermeiden. Aber natürlich mußt du schauen, ob das auch für dich möglich ist.

    Ich habe dir hier noch einen Link eingestellt, indem eine Menge zum MüK erklärt wird. Solltest du das schon gelesen haben, dann ignoriere es einfach.

    https://headbook.me/groups/medikamentenuebergebrauchs-kopfschmerz-muek/forum/topic/entstehung-des-medikamenten-uebergebrauchs-kopfschmerzes-muek/#post-140403

    Die Pause fängt normalerweise mit 100 mg Prednisolon die ersten 3 Tage an und wird dann langsam runterdosiert. Die Pause dauert dann zwischen 8 – 10 Tagen. Bitte nicht vergessen, der Magenschutz Omeprazol oder Pantoprazol während der Kortisongabe.

    Ließ aber erst einmal und entscheide dann, wie du weiter vorgehen möchtest.

    Oxaceprol gehört m.E. auch zu den Medi´s, die in der Medipause nicht genommen werden sollen. Aber ob es eventuell auch auf die Dosierung ankommt, oder du vielleicht das Oxaceprol für diese Zeit absetzen kannst, da Kortison ja auch diese entzündungshemmde Wirkung hat, das müßte Bettina dir beantworten.

    Soweit erst einmal von mir.

    Alles Liebe
    Sternchen

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 9 Monate von  sternchen.
    Heiko
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Hallo Sternchen,

    lieben Dank für die Antwort!

    Dein Entschluss eine Medipause zu machen ist grundsätzlich zu begrüßen. Jedoch ohne Unterstützung und dann noch allein zu Hause, dass ist kaum machbar und es ist die Frage, ob man sich das antun sollte. Vor allem, wenn du gar nicht wirklich im MÜK bist. Diese Qualen würde ich persönlich nicht auf mich nehmen wollen.

    Du meinst es wäre machbarer oder lohnenswerter, wenn ich „wirklich im MÜK“ wäre?

    Ich halte die Wahrscheinlichkeit eines MÜK für sehr hoch, einerseits wegen meiner erhöhten Schmerzmitteleinnahme in den letzten Monaten und den fast 20 Einnahmetagen im Dezember, andererseits wegen der zur Zeit täglichen Hintergrundmigräne, auf die sich dann vermehrt eine akute Attacke drauflegt (aktuell ca. 3 Mal die Woche). Einen komplett schmerzfreien Tag hatte ich seit mindestens einem Monat nicht mehr.

    Insofern glaube ich schon an einen MÜK und möchte die Medipause auch nutzen, um Sicherheit darüber zu erlangen. Im von Dir verlinkten Beitrag gibt es Punkte, die dafür sprechen („vorhandener Grundschmerz“, wie Bettina schreibt) und solche, die es nicht unbedingt tun („Akutmedikamente wirken immer schlechter“, bei mir wirkt Sumatriptan 50mg – mehr habe ich noch nie genommen – bei jeder Attacke, in schlimmeren Fällen zusammen mit einer Ibu). So oder so kann es nicht weitergehen wie bisher, ich brauche diese Pause und möchte sie unbedingt durchhalten.

    Es mit begleitenden Medikamenten allein zuhause zu versuchen, bleibt erstmal mein Ziel. Ein Aufenthalt in einer Schmerzklinik würde sich sehr schwierig für mich gestalten wegen meiner sozialen Angststörung, schon die Anreise ist eigentlich nicht zu machen. Eine erfolgreiche Therapie/Pause wäre unter diesen Umständen enorm belastet durch meine psychischen „Päckchen“ (Panikattacken, psychosomathische Übelkeit u.a.), die ich zuhause nicht tragen müsste bzw. muss. Dass diese Päckchen einer Behandlung bedürfen, ist ein anderes Thema (müssen sie natürlich). Ein Klinikaufenthalt und auch eine ambulante Betreuung aber würde bedeuten, beides gleichzeitig anzugehen, und das ist noch viel härter als jeweils für sich genommen ohnehin schon, fürchte ich.

    Ich schließe aber keinesfalls aus, es nicht doch professionell zu versuchen, sollten meine eigenen Versuche scheitern. Und ich habe ja auch viele der guten Erfahrungen gelesen, die mich das als Option im Hinterkopf behalten lassen.

    Viele Grüße

    PS: Vomex hat wirklich auch eine sedierende Wirkung? Bei mir ist das primär als Mittel gegen Übelkeit/Erbrechen abgespeichert. Habe es noch nie genommen, sollte ich mal probieren.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 9 Monate von  Heiko.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 9 Monate von  Heiko.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 9 Monate von  Heiko.
    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3993

    Lieber Heiko,
    mein Eindruck ist, dass du mit einem sehr klaren Konzept an die Sache heran gehst.
    Du machst dir keine Illusionen
    und du hast Alternativen in der Hand, wie du reagieren willst, wenn es nicht so läuft, wie erhofft.
    Und du bist klar motiviert.
    Ich meine, das sind die besten Voraussetzungen, den Versuch zu wagen.
    Selbst wenn du diesem Versuch abbrechen müsstest, es kostet nicht Gesundheit oder Leben.
    Dann kannst du immer noch neu überlegen und neu daran herangehen.

    Zur Entlastung: einen Monat 20 Triptantage und nun 6 Tage Dauermigräne ist nicht notwendigerweise ein sicheres Zeichen für einen MÜK.
    Es gibt immer mal schlechtere und heftige Phasen.
    Das Wetter in den letzten Tagen war zudem auch nicht eben migränefreundlich.

    Also gehe ohne große Sorge an deinen Versuch, deinen Körper von den vielen Triptanen zu „resetten“.
    Und: ja, Vomex sediert. Es muss noch nicht einmal Vomex sein, es reichen ganz normale Reisetabletten ( die in der Regel preiswerter sind).
    Mir reicht schon ein viertel einer Tablette um deutlich leichter einzuschlafen, wenn ich am Abend eines Triptantages so aufgekratzt bin.

    Alles Gute!!!
    alchemilla

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4626

    Hallo Heiko,

    ich meinte, dass der Versuch, wie du den letzten gestartet hattest ohne Unterstützung (damit meinte ich medikamentöse Unterstützung) unglaublich schwer ist und für mich nicht machbar gewesen wäre.

    Und jetzt, wo ich von deiner Angststörung weiß, meine ich, dass du es ruhig mit Kortison dazu den Magenschutz, und einem sedierenden Medikament versuchen solltest.

    Natürlich in Begleitung deines Arztes.

    Nichtsdestotrotz meine ich außerdem, dass du, und zwar vor allem wegen deiner Angststörung) einen Aufenthalt in der Schmerzklinik Kiel angehen solltest.

    Ich bin selbst schon 2 mal in Kiel gewesen. Ich weiß, dass man dort beides gemeinsam bestens behandeln wird. KS und Angstörung gehören ganz häufig zusammen. Dort wird man dich ernst nehmen und sich völlig auf dich einstellen.

    Ich weiß, dass das für dich schwer ist. Aber ich weiß auch, dass es dich ein gutes Stückchen weiterbringen würde.

    Alles Liebe
    Sternchen

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28225

    Herzlich willkommen im Headbook, lieber Heiko. 🙂

    Schön, dass Du zu uns gefunden hast und danke für die lieben einleitenden Worte.

    Da Du schon viel Zuwendung und Erklärungen erhalten hast, antworte ich einfach mal auf Deine Fragen.

    1. Die Kortisonmarke ist egal, üblich sind Prednisolon und Dexamethason.

    2. Schau mal in unsere Gruppe „Notfallplan“. Manchmal reichen z. B. drei Tage mit 100 mg Prednisolon (immer mit Magenschutz), wenn die Pause länger durchgeführt werden muss, dosiert man ab Tag 4 je um 20 mg runter. Man kann ausschleichen bis 40 oder 20 mg.

    3. Magenschutz unter Kortisongabe sollte nicht optional, sondern obligatorisch sein. Auch hier ist die Marke eher nebensächlich, Esomeprazol wirkt am effektivsten.

    4. Benzodiazepine wie Diazepam können gut in der Pause unterstützen und sedieren auch stärker als Vomex. Zudem wirken sie auch schmerzdistanzierend, was Vomex nicht kann. Allerdings wirkt Vomex halt auch gegen die Übelkeit, die in der Pause bestehen kann. Wenn Du nicht raus musst und Dich ausruhen kannst, können theoretisch beide Substanzen – auch Tavor – im Wechsel eingenommen werden. Alles natürlich in individueller Absprache mit Deinem betreuenden Arzt.

    5. Oxaceprol hat in neueren Studien eine vergleichbare schmerzstillende Wirkung wie Ibuprofen und Diclofenac gezeigt, ist also nicht vereinbar mit der Medikamentenpause.

    Wenn Du eine gute Betreuung vom Arzt hast, kann die Pause auch zu Hause gelingen.

    Bist Du wegen Deiner Angststörung in Therapie?

    Liebe Grüße
    Bettina