Mein Kopf (Lenchen)

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  • Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28225

    Liebe Marlene,

    Du hattest mir mitgeteilt, dass Du in Deinem Forum keinen Beitrag mehr abschicken kannst. Ich teste also mal. 🙂

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28225

    Bei mir klappte es, magst Du nochmals testen? Bis vor einigen Tagen hatten wir gravierende Fehler, aber die müssten jetzt eigentlich beseitigt sein.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Lenchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 44

    Hallo ihr Lieben,

    ich bräuchte mal Euren Rat zu dem Thema arbeiten mit chronischer Migräne. Kurz zu mir: Ich leide schon ewig unter Migräne, chronisch ist sie seit 2011, 2014 habe ich ein ONS implantiert bekommen. Seitdem gehts besser, aber immer noch zehn bis 20 Schmerztage im Monat (schwankt sehr, aber zum Glück sind die Attacken milder geworden, was schonmal super ist).

    Ich arbeite im Steuerbereich. Meinen letzten Job habe ich durch Mobbing verloren. Man hat mich rausgemobbt, weil ich diese Erkrankung habe und das schlecht zu vereinbaren war. Es war so, dass 60 Std. Woche da normal waren. Fragt mich nicht, wie ich das mit chronischer Migräne noch von 2011 bis 2014 geschafft habe. Irgendwie ging es, nur zuletzt krachte es.

    Nunmehr habe ich einen neuen Job. Bin auch schon bisserl länger aus der Probezeit. Habe im Sommer einen GdB von 50 bekommen, wegen Migräne-Depression.

    Grundsätzlich arbeite ich 40 Std. und muss sagen, dass bekomme ich irgendwie hin. Fast alles Private fällt zwar dann leider aus. Sport machen und Entspannen ist aber meist möglich, wenn ich auf einen geregelten acht Std. Tag achte.

    Meine Schwerbehinderung habe ich nicht offen gelegt. Ich habe meine Gründe (Umstrukturierung, Mobbing in der vorherigen Firma etc.). Ich habe sehr Angst, dass ich wieder rausgemobbt werde, wenn ich das offen lege.

    Meine Kollegen/Chefs wissen grds. von meinen Einschränkungen. Eine erneute ONS OP und ein Aufenthalt in Kiel muss man halt erklären. Da kam ich nicht drumherum. Leider nehmen sie so gut wie gar keine Rücksicht im Moment.

    Ich muss derzeit nahezu täglich Überstunden machen. Prinzipiell ja kein Problem. Ich schaffe es aber nicht. Acht Std. kann ich gut bewältigen und ich finde das schon toll, bei meiner Erkrankung. Alles was darüberhinausgeht, ist einfach nur Quälerei. Vor allem, wenn es bis Spätabends geht und ich noch nichtmal genug Schlaf bekomme.

    Ich habe diese Woche vehement angefangen mich zu wehren. Nein zu sagen. Und es geht mir sehr schlecht damit. Lieber würde ich alles übernehmen und dann halt 12 Std. am Tag arbeiten, aber ich kann nicht. Ich weiß genau, wenn ich alles annehme, dass kippe ich quasi um und kann bald wieder gar nicht mehr arbeiten. Irgendwie liegt mir aber Nein sagen nicht so. Und ich ecke damit extrem an, die Stimmung ist dementsprechend.

    In unserem Team ist es so, dass meine Freundin und ich quasi als „Leistungsträger“ betitelt werden und durch die gute Arbeit, die wir leisten alles abbekommen. Selbst meine gesunde Freundin steht derzeit mächtig unter Strom. Und ja, wenn ich gute Tage habe, arbeite ich alles zack zack ab. Ich weiß, dass ich dann sehr gute Arbeit mache, weil ich einfach extrem strukturiert und organisiert bin und in dem Bereich sehr viel Erfahrung habe. Aber wie gesagt, da muss ich mich bremsen. Acht Std. sind mein Limit.

    Wie sind Eure Erfahrung mit Arbeit in einem solchen Fall? Was habt ihr getan, damit die anderen Euch verstehen. Wie kann ich vermeiden, dass ich ständig Überstunden machen muss?

    Ich bin für jegliche Aufmunterung- Erfahrungsberichte dankbar!

    LG Lenchen

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5699

    Liebes Lenchen,

    dass du mit deiner schweren Erkrankung einen Vollzeitjob in diesem anstrengenden Beruf packst, ist bewundernswert. Hut ab! Ich bewundere deinen Kampfesgeist und deine positive Motivation.

    Was die Unmenge an Überstunden betrifft, bin ich einfach nur entsetzt. Das wäre schon für gesunde Menschen eine absolute Überforderung. Wehr dich! Dass man dich als Leistungsträgerin ansieht, spricht für die Qualität deiner Arbeit, doch diese kann nur erhalten bleiben, wenn du ein gesundes Maß an Ruhe und Erholung bekommen kannst. Und du darfst dich auch nicht durch die positive Bestätigung unter Druck gesetzt fühlen, so nach dem Motto „Sie machen das halt am besten, deshalb müssen halt SIE…“

    Es kann sicherlich in einem Büro mal vorkommen, dass in besonderen Stresszeiten ein paar (!) Überstunden erforderlich sind. Doch es muss im Gegenzug dann Zeiten geben, in denen man diese als Freizeit nehmen kann.

    Ist eine derart schwere Dauerbelastung von Mitarbeiterin die Tagesordnung, gibt es nur zwei Möglichkeiten:
    1. Dein Chef/deine Chefin muss weitere Mitarbeiter einstellen.
    2. Oder es müssen Mandanten abgebaut werden.

    Fachkräfte sind in dieser Sparte äußerst rar und werden normalerweise wie kostbare Perlen behandelt 😉 . Ich wundere mich, dass du nun schon im zweiten Büro unter derart schlechten Arbeitsbedingungen gelandet bist. Denn es gibt tatsächlich Büros, in denen die ganz normalen Arbeitszeiten eingehalten werden.

    Ich denke, dass es in diesem Büro für dich schwierig werden wird, wenn du als einzige an deiner Situation etwas verändern möchtest, denn da wirst du automatisch in eine Sonderrolle rutschen und dich wahrscheinlich wieder gemobbt fühlen, auch wenn die anderen auf dich vielleicht nur neidisch sind.

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Jahre von  heika.
    Evken
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 484

    Hallo Lenchen ,

    Auch von mir Hut ab! Es ist mir ein Rätsel wie du Vollzeit arbeiten kannst bei deiner Erkrankung!

    Toll ,dass du jetzt anfängst dich zu wehren und nein zu sagen !
    Ich denke es ist völlig normal dass es sich erstmal nicht gut anfühlt Grenzen zu setzen ( es ist ja neu ) …..aber halte dieses Gefühl oder das schlechte Gewissen aus . Irgendwann gewöhnst du dich daran Nein zu sagen und merkst ,dass dann nichts Schlimmes passiert ( eher im Gegenteil ) .

    Du bist bestimmt eine ganz verantwortungsvolle und gute Mitarbeiterin …..und wer dass nicht sieht ist selbst schuld !
    Vielleicht kannst du die Verantwortung ,die du im Job fühlst und übernimmst auch noch mehr für dich übernehmen ?

    Ich musste auch schmerzlich lernen dass es das Wichtigste im Leben ist für sich selbst einzustehen und Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen . Auch wenn es sich jetzt pathetisch anhört : wir leben nur genau einmal und wissen auch nicht wie lang ! Tue dir Gutes und sorge für dich ! Du bist es wert !

    Ich weiß…..es ist leichter gesagt als getan ! Gehe Schritt für Schritt deinen Weg !

    Was würde ICH machen an deiner Stelle ?
    Ich würde dies zu meinem Chef ( und vielleicht sogar zu meinen Kollegen ) sagen – ob es dein Weg wäre weiß ich nicht , aber vielleicht hilft es dir ja :

    „Wie Sie vielleicht schon mitbekommen haben leide ich an chronischen Schmerzen . Es ist mir sehr wichtig meinen Job gut und verantwortungsvoll zu machen. Dazu gehört aber auch dass ich nicht gesundheitlich über meine Grenzen gehe! Ich kann einfach zu den 40 Stunden nicht dauerhaft noch Überstunden machen.
    Es fällt mir total schwer Nein zu sagen und Grenzen zu setzen , aber ich MUSS es leider um weiterhin für Sie und für mich zu funktionieren.
    Ich wollte wirklich nicht diese „Krankheitskarte“ oder meine Behinderung ausspielen . Ich möchte vor allem ein guter Teamspieler sein und niemanden hängen lassen ! Aber ich tue Ihnen und mir keinen Gefallen wenn ich weiter so über meine Grenzen gehe!
    Ich arbeite gerne und ich glaube auch gut bei Ihnen und möchte auch gerne weiterhin Teil des Teams bleiben – aber dazu muss ich offen und ehrlich sein und zu andauernden Überstunden „Nein“ sagen – auch wenn es mir wirklich schwer fällt !
    ……“

    Ich könnte jetzt noch ganz viel schreiben ! Vielleicht hilft dir der ein oder andere Satz ?
    Vor allem ist es wichtig ,dass du innerlich deine Haltung zu dir änderst und dich wertschätzend mit eigenen Worten behandelst ! Dann strahlst du auch etwas anderes aus und deine Kollegen werden dein Nein viel besser annehmen ( weil du selbst dazu stehst ) !

    Mir hat eine ganz einfache Frage geholfen wie ich selbst liebevoll mit mir umgehe : immer wenn ich mich geärgert habe dass dies oder jenes jetzt nicht geht oder klappt habe ich mir überlegt : was würde jetzt jemand zu mir sagen ,der mich sehr lieb hat ?
    Diese Worte habe ich dann selbst für mich gewählt ! Immer und immer wieder ! Und mit der Zeit stellte sich bei mir eine ganz wertschätzende Haltung ein!

    Ich wünsche dir dass du deinen Weg findest und lernst für dich einzustehen !!
    Bei meiner Therapeutin hing ein Spiegel an der Wand auf dem Stand klein in der Ecke : sie sehen gerade den wichtigsten Menschen in ihrem Leben 🙂

    Liebe Grüße
    Evken

    Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2851

    Liebe Lenchen,

    ich habe Evkens und Heikas Antwort nicht gelesen, bin ein bisschen knapp mit der Zeit heute….

    Ich habe auch chronische Migräne und arbeite voll und habe GdB 50.

    Seit zehn Jahren habe ich einen Job in dem ich relativ selbst bestimmt bin. Meine Arbeitszeit teile ich mir bis auf wenige Ausnahmen selbst ein, hatte ich eine schlechte Woche, komme ich auch mal Sa/So. KLar habe ich Termine, aber die kenne ich langfristig.

    Alle im Haus wissen, dass ich ungern Sachen auf den Tisch bekomme, die vorgestern zu erledigen waren, d.h. Sie müssen sich entsprechend organisieren. (Ich bin im non Profit Bereich, anfangs habe ich immer darauf hingewiesen, dass wir nicht in einer Krankenhaus-Notaufnahme sind, es gibt ja so Hektiker).

    Einer meiner Sätze in 2015 heißt: „sich dumm stellen schafft Freizeit“, fällt mir schwer dass dumm stellen manchmal, aber wenn man immer mitdenkt, hat man alles irgendwann auf dem Tisch, naja und zu den Überstunden, die hatte ich früher auch in Massen sage ich heute, ich bin fleißig aber nicht blöd. Wenn ich welche mache, setze ich die auch wieder ein für Arztbesuche oder auch mal für ausschlafen….

    Vor meinem ersten Klinikaufenthalt in 2011 war meine Arbeit nicht mehr allein schaffbar, ich habe das thematisiert und jetzt ist noch eine 30 Stunden-Kraft da. Sie kann nicht alles, aber es ist deutlich entspannter. Auch im Urlaub bleibt nicht mehr alles liegen.

    Naja und den GdB würde ich auf jeden Fall in der Firma angeben, ich brauche und genieße die fünf Tage mehr Urlaub.

    LG und pass auf dich auf
    Johanna

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Jahre von  Johanna.
    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7533

    Liebe Lenchen und Eva,

    Vorschlag und den Text gleich dazu finde ich große Klasse.

    Da es mir aber eher schwer fallen würde, das mündlich genauso (natürlich in deiner Weise Lenchen) rüberzubringen, könnte ich mir vorstellen, Evas Text als Brief zu verteilen. Mit einem lieben Lächeln und der Bitte, das mal dir zu Liebe in Ruhe zu lesen und zu bedenken.

    Ganz wichtig finde ich, dass du Lenchen es absolut vermeidest, in irgendeiner Weise um Mitleid zu bitten oder klagend rüberzukommen. Da machen leider die meisten Mensch gleich dicht.
    Was du von deinem Gegenüber erwartest, ist zwar dein gutes Recht, für das du auch unbedingt einstehen solltest, macht aber dem Chef und den Kollegen Unbequemlichkeiten. Das darf man, wenn man erfolgreich sein will, nicht ganz außer Acht lassen. Lass es bei den anderen erstmal sacken, vielleicht sprechen sie dich ja auch darauf an.
    Dann aber bleib konsequent, denk auch dabei an Johannas Worte und Ideen, die ich sehr sinnvoll finde, und setze dich durch. Kein Beklagen über deinen Kopf, kein Jammern, sondern auf Dauer: das geht mit mir so nicht.

    Ich wünsch dir ganz viel Selbstbewusstsein und Liebe zu dir selbst, dann wirst du auch erfolgreich sein auf Dauer,
    Julia

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28225

    Liebe Lenchen,

    Du hast nun schon so viele liebe und wertvolle Ratschläge erhalten – setze sie um. 🙂 Einsatz ist gut und lobenswert, aber er darf die Gesundheit nicht ruinieren.

    Alles Gute und steh für Dich ein!

    Liebe Grüße
    Bettina

    joedoe4711
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4

    Hallo Lenchen,

    auch ich habe lange Jahre mit dem Stress im Büro gekämpft. Seit fast 3 Jahren habe ich nun einen Arbeitsplatz, wo sich Vollzeitarbeit und meine Migräne vereinbaren lassen.

    Auch wenn du in deiner vorherigen Fir