Mein Verlauf und derzeit hoffnungslose Situation (Sommersonne)

Ansicht von 30 Beiträgen - 1 bis 30 (von insgesamt 43)
  • Autor
    Beiträge
  • Sommersonne
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 11

    Hallo zusammen,

    nachdem ich mich in den letzten Wochen stark mit dem Thema Migräne befasst habe, möchte ich euch auch gern ein wenig von mir erzählen. Ich vermute, es wird ein längerer (und emotionaler) Text.

    Wann genau es angefangen hat, kann ich recht schwer zurückverfolgen, auf jeden Fall im Jahr 2015. Die ersten beiden Jahre war ich überzeugt, dass ich ein Problem an der Nase bzw. Nasennebenhöhlen habe… zu der Zeit habe ich noch mitten im Studium gesteckt und sehr viel unternommen. Meistens war das richtig gut, im Nachhinein habe ich mich aber wohl an manchen Stellen (als die Migräne auch begann?) übernommen. Ich hatte Ende September 2014 einen Fahrradunfall mit Gehirnerschütterung und Blutung in der linken Stirn. Leider habe ich in der Nacht nicht mehr viel von der Diagnose mitbekommen und am darauffolgenden Morgen wurde ich ohne weiteren Arztbesuch entlassen, obwohl ich über sehr starke Kopfschmerzen geklagt habe. Zu Hause habe ich mich natürlich ausgeruht, aber wie ich so war, die Zähne zusammengebissen und so war ich nur 6 Tage später auf dem Oktoberfest in München. Ärzte lächeln (gefühlt) heute nur darüber, wenn ich das anführe… nachdem ich zurück war, (mehr als eine Woche später) hatte ich den Arztbrief vom Krankenhaus in der Hand, wo die Gehirnerschütterung benannt war… bis dahin war ich mir dessen nicht bewusst und dachte meine Beule schmerzt… ich kann mich nur noch sehr schwer erinnern, aber ich weiß noch, dass ich von da an immer sofort noch starke Kopfschmerzen hatte, wenn ich joggen war… und an Ostern erinnere ich mich bzw. eine Erkältung zuvor, die einfach nicht weggehen wollte bzw. ging sie nach zwei Wochen endlich weg, aber die Kopfschmerzen blieben irgendwie. Ich denke (m)eine (erste?) Migräne!? Ich war damals so, ich habe auch die Erkältung nicht auskuriert und war die ganze Zeit unterwegs… in dem Jahr stand auch sehr viel an: meine beste Freundin und ich hatten sehr viel geplant (fast jedes Wochenende weggefahren), mein Umzug stand an, ich war kurz vor der nächsten Prüfungsphase und gleichzeitig habe ich mein Auslandssemester vorbereitet und in meinem Nebenjob neben dem Studium gearbeitet. Ich erinnere mich, dass ich immer wieder überlegt hatte, dieses nicht zu machen, da ich einfach psychisch und physisch an meine Grenzen gestoßen bin.

    Zu dieser Zeit hatte ich immer wieder ein wenig Schnupfen, Krankheitsgefühl und dann Druck über der Nase bzw. ggf. auf der Stirn, von dem ich immer glaube, ich würde eine komische Art von Erkältung entwickeln, wenn ich kalt wurde oder mit erkälteten Leuten in Berührung kam. Das waren dann so zwei oder drei Tage. Richtig schlimm wurde es dann im Auslandssemester. Der Hinflug dauerte um die 18 Stunden und ich wusste, dass Klimaanlagen o.g. Symptome auslösen. Vor Ort hatte ich in der ersten Nacht kein Gepäck, nur eine dünne Decke der Mitbewohner, die schon ein eingeschweißtes Team waren. Zudem wurde mir direkt bewusst, dass ich den Sommer viel lieber endlich mal wieder zur Ruhe gekommen wäre, in der neuen Wohnung und mit Freunden verbracht hätte. Ich kam dort auch nicht an, sie waren alle viel jünger als ich. Das Problem vor Ort war die eisige Kälte nachts. Trotz afrikanischem Sommer sanken die Temperaturen nachts stark und drinnen gab es keine Heizung. Diese feuchte Kälte hat dafür gesorgt, dass meine Nase – so glaubte ich damals, also Nasennebenhöhlenentzündung eigentlich über die vier Monate nie weg ging. Es gab einzelne bessere Tage. Ich bekam drei oder vier mal ein Antibiotikum von den Ärtzen dort (im Nachhinein Kopfschütteln) und in Folge dessen Pilze im ganzen Körper. Ich habe jeden Tag gezählt dort… in der Uni war auch eine Klimaanlage, die das ganze noch verstärkt hat. Am schlimmsten war der Wind draußen, die Ärzte rieten mir zu einem Stirnband. Sonne in meinem Geischt war unangenehm. Joggen gehen konnte ich die ganze Zeit über vergessen. Ich flog dann nach der letzten Prüfung zurück, eigentlich wollte ich noch reisen, aber es ging nicht mehr. Ich war an einem Tag ein paar Stunden wandern, um wenigstens etwas vom Land zu sehen und abends an einem Lagerfeuer. Danach hatte ich die schlimmsten Kopfschmerzen meines Lebens. Zu Hause habe ich erst noch ein paar Wochen bei meinen Eltern gewohnt, da mein WG-Zimmer noch untervermietet war. Es wurde recht schnell besser, keine Klimaanlage, kein Wind in der Extreme und vielleicht auch das Gefühl wichtige Menschen um mich zu haben. Ich merkte es immer noch sofort bei Heizungsluft, Klimaanlagen, Schlafmangel und Joggen ging weiterhin nicht. Aber ich konnte wieder normal leben jeden Tag.

    Im Jahr 2016 wurde im Anfang Februar an der Nasenscheidewand operiert, um mein Problem zu beheben. Der Arzt überwies mich damals auch zu einem Neurologen, bei dem ich auch war, mich aber nicht ernstgenommen fühlte. Dieser sprach das erste mal von Kopfschmerzen und Migräne. Ich dachte er nimmt mich nicht ernst. Daran sieht man, wie viele Vorurteile es in der Gesellschaft gibt, da ich genau diese hatte: ich hatte starke Kopfschmerzen bzw. Probleme an der Nase und er fing mit sowas lächerlichem wie Migräne an. Ich hatte echte Schmerzen dachte ich. JETZT weiß ich es besser und das es nicht „Ich verstecke mich hinter etwas“ (man denke an so viele Witze á la Frau hat kein Lust auf Sex, sie hat Migräne).

    Natürlich hilf die OP nicht… damals erinnere ich mich, dass ich bei meinem neuen Freund oft nicht gut schlafen konnte, weil ich zu viel nachdachte und am nächsten Morgen war es völlig vorbei. Insgesamt schlief ich wenig. Ich mache mir grundsätzlich zu viele Sorgen, habe ständig Angst. Das an sich ist sicher nicht gut und führt vor allem zu Schlafmangel, dauerhaft, was – wie ich heute weiß, das schlimmste FÜR meine Migräne ist. Was ich bis heute nicht verstehe: ist jemand in meiner Nähe krank, auch damals in der FH, wusste ich, dass ich am nächsten Tag die starken Kopfschmerzen haben werde. Erkältet war ich kurioser Weise in den letzten vier Jahren vielleicht zwei mal ganz leicht für 2-3 Tage. Ich war dann im Sommer 2016 noch einmal mit einer Freundin in Asien, um das Reisen ein wenig nachzuholen. Es war auch recht stressig, da wir in sechs Wochen drei Länder bereist haben. Dennoch hielten sich die Kopfschmerzen in Grenzen. Es war eine Zeit, in der ich mir eher weniger Sorgen machte, den ganzen Tag unterwegs war und deshalb gut und viel schlief. Ich merkte es wohl manchmal, einmal ganz schlimm, als wir für 5 Stunden durch den Regenwald kletterten, steil bergauf. Da hatte ich sogar Fieber dabei. Insgesamt ging es dort aber, manchmal ging die Sonne nicht, aber nur selten. Ich bin schön braun geworden. Das Klima war hier warm und nicht feucht-kalt, vor allem nicht nachts wie in Afrika.

    Danach begann direkt meine Bachelorarbeit. Soweit war es erst einmal ok. Ich weiß jedoch noch, dass meistens ohne Heizung und nur mit dicker Decke am Schreibtisch saß, die Zugluft am Fenster gemieden habe und abends so fertig war, dass ich nicht mehr zum Sport konnte. Es waren keine drastischen Kopfschmerzen, eher Erschöpfung und mein Hinterkopf und Nacken taten immerhin doch so weh, dass ich wusste, Sport würde es eskalieren lassen. Ich konnte in der Zeit nur schlecht schlafen, hatte morgens keine heftige Migräne aber ein Krankheitsgefühl, wenn ich morgens nach nur wenigen Stunden Schlaf wach wurde. Ich war inenrlich extrem gestresst und besorgt wegen der Bachelorarbeit. Im Nachhinein war diese Sorge natürlich völlig überflüssig. Ich war extrem ehrgeizig im Studium, egal wie viel es war, irgendwie habe ich immer alles geschafft. Im Nachhinein bereue ich das. Nicht die schönen Momente, in denen der Stress eher positiv war. Aber die Momente, in denen mir mein Körper und meine Seele deutlich gesagt haben: Stopp, Grenze erreicht. Vielleicht hat es mit all dem nichts zu tun, vielleicht war es die Gehirnerschütterung (übrigens die Zweite in meinem Leben) oder vielleicht wäre es ohnehin so gekommen, da meine Gene „Schuld“ sind. Ausgelöst oder zumindest verstärkt habe ich es aber in jedem Fall selbst. Sogar an der Gehirnerschütterung bin ich selbst Schuld, der Unfall ist nach der letzten Prüfung abends passiert, völlig überdreht, es geschafft zu haben und betrunken. Ja, betrunken. Ich schäme mich dafür und kann verstehen, wenn andere dann sagen, selbst Schuld, vor allem nichtmal danach die Bremse zu ziehen und noch nach München zu fahren. Ja, das habe ich selbst verschuldet und dafür erwarte ich keinerlei Verständnis. Es tut mir heute selbst weh, wenn ich daran denke, dass diese eigentlich wunderschöne Zeit „Schuld“ an meiner jetzigen Sitation ist.

    Weiterhin hatte ich immer wieder mal Tage mit Migräne, meistens halfen Ibuprofen oder vor allem Aspirin komplex, das war super. Im Mai 2017 habe ich meinen jetzigen Freund kennenlernt. Ein wunderbarer Mann, in den ich mich verliebt habe wie noch nie in jemanden. Wir hatten eine wunderbare Zeit, teilweise auch mit Kopfschmerzen, die ich aber verdrängt, ausgehalten oder schnell mit Schmerztabletten behandelt habe. Es war eine Fernbeziehung, nich weit, nur 130 km, aber immerhin sind wir sie (oft abwechselnd) jedes Wochenende gefahren. Parallel habe ich meinen neuen Job nach dem Studium in einem großen Konzern angetreten. Der Arbeitsweg waren 35 Minuten. Da wir uns immer von Freitag bis Sonntag gesehen haben, habe ich alles andere (Haushalt, Sport, Freunde treffen etc.) auf die restlichen vier Tage nach Feierabend um 18 Uhr gelegt. Es war mir oft zu viel und ich habe trotzdem nicht nein gesagt, weil ich es alles wollte und mich es anders traurig gemacht hätte. Wir hatten 2017 einen wunderschönen Sommerurlaub, in dem ich keine Migräne (soweit ich mich erinnere) hatte, aber sehr viel geschlafen habe. Insgesamt habe ich am Wochenende bei meinem Freund imemr total abschalten können, wir haben keine Verpflichtungen gehabt und ich bin oft einfach so in seinem Arm eingeschlafen. Es gab auch Tage mit Migräne, aber bei weitem nicht so extrem wie heute.

    Irgendwann kam das Thema zusammenziehen auf. Wie zuvor schon beschrieben, bin ich ein sehr sehr emotionaler Mensch, weswegen ich oft stark mit anderen mitfühle, andere mit meiner guten Stimmung mitreißen kann, aber auch sehr viel nachdenke, mich in Gefühle hineinsteigere oder sie ignoriere. Zunächst wollte ich bei ihm einziehen, obwohl ich sehr an meiner Heimat hänge und aus einer früheren Beziehung mitgenommen habe, dass es im Sinne von Achtsamkeit wichtig für mich ist, darauf zu hören. Irgendwann wurde diese Gefühl (Angst?) in mir so stark, dass ich oft schlecht schlief. Gleichzeitig war die Arbeit extrem belastend (Druck, Veränderungen) und privat hatten wir mehr vor am Wochenende. Vielleicht gehört das nicht mehr hierher, aber ich habe dann im Januar 2018 einen Job abgelehnt, den ich im Nachhinein gern gemacht hätte. Ich hatte das Gefühl alles aufzugeben, was ich nie wieder wollte und hatte Angst, dass wir dann dort hängen bleiben in der Stadt, wenn ich so ein Signal sende und neuen Job bei ihm annehme und bei ihm einziehe. Er hatte immer gesagt, dass er schnellstmöglich ins Münsterland zurück möchte (wohnte im bergischen Land), hat aber keinerlei Interesse gezeigt, sich zu kümmern. Er hatte dann (ist Lehrer) einen Versetzungsantrag gestellt, der sogar angenommen wurde, aber er hat ihn abgelehnt. Das hat mich das erste mal richtig doll verletzt in der Beziehung. Er möchte gern seine jetzige Klasse noch zu Ende machen, was ja nicht verwerflich ist, im Gegenteil. Trotzdem war das, so denke ich, der Hauptgrund, warum ich den Job nicht annehmen konnte, so albern es klingt. Kurze Zeit darauf habe ich das bitter bereut, da ich germekt habe, wie dringend ich eigentlich das Unternehmen wechseln möchte. Ich mache jetzt auch nicht das, was ich studiert habe.

    In dem letzten Jahr hatten wir dann fast jedes Wochenende in anderen Orten etwas vor, oft mit Übernachten. Im Juli sind wir dann zusammengezogen: in eine neue Stadt, für mich eine Stunde Fahrt zur Arbeit, für ihn 30 – 35 Minuten. Insgesamt bin ich von Tür zu Tür mind. 2,5 Stunden am Tag unterwegs. Manchmal brauche ich aufgrund von Stau 1,5 Stunden für den Rückweg als reine Fahrtzeit. Das machen viele, aber für mich geht das leider absolut nicht. Ich denke das Fahren an sich ist nicht Schuld, dass meine Kopfschmerzen so so schlimm geworden sind. Eher die empfundene Dauerbelastung: der tatsächliche Stress seit etwa März/April, aber vor allem meine Traurigkeit und Gedanken. Das klingt jetzt kitschig, aber ich dachte so oft im letzten Jahr, dass ich nicht mehr weiß wohin damit. Ich wusste schon vor dem Umzug, dass es mir zu viel wird, zwischen Unterschrift Mietvertrag und Einzug, weil mir klar wurde, dass es zu viel ist. Im letzten Jahr waren wir dann zusätlich zu der Fahrerei unter der Woche meistens noch am Wochenende in der Heimat.

    Mit jeder Autofahrt werde ich daran erinnert, dass es ein Fehler war, den Job nicht anzunehmen: für mich selbst, da ich keinen alternativen Job finde (mangelnde Erfahrung), für meinen Freund, der so sehr an der Wohnung hing und sein guter Freund dort wohnt. Mein Frust über die Situation hat im letzen Jahr ganz oft zu Konflikten zwischen mir und meinem Freund geführt. Ich war so oft neidisch (jetzt steht es eher im Hintergrund), dass er als Lehrer so früh zu Hause ist, auch wenn er natürlich hier noch arbeitet, den kürzeren Weg hat. Er schläft oft nachmittags und ist dann abends wieder fit, bereitet am Wochenende vor oder abends. Ich war of so erschöpft, dass ich abends nichts mehr machen konnte oder nur wirklich heftig gestresst ohne es zu genießen. Das hat mich wütend gemacht, eigentlich auf mich selbst, aber er hat es dann so oft gespürt. Unsere Beziehung stand schon ein paar mal vor dem Ende.

    Irgendwann (Oktober oder November?) wurden die Kopfschmerzen dann so schlimm, dass sie täglich da sind, unteschiedlich stark. Kommen zu dem dauerhaften Kopfschmerz noch weitere Dinge wie Schlafmangel oder Lärm hinzu, werden sie richtig stark.

    Ich war trotzdem fast immer arbeiten. Mittlerweile habe ich eigentlich imemr ein Druckgefühl auf dem Kopf, hab das Gefühl jeden Schritt zu spüren. Meistens spüren ich nur das oder noch den Druck auf der Nase, die auch geschwollen ist (Schleimhaut laut HNO). An vielen Tagen fängt dann an die Stirn weh zu tun, mein Hinterkopf und der Nacken bis zu den Schultern. Das mit dem Nacken hatte ich früher nicht. Es ist meistens aushaltbar und ehr auf Stufe zwei bis drei von fünf, aber trotzdem sehr belastend. Mit diesem Kopfschmerz werde ich meistens schon wach, spätestens wenn ich liegen bleibe, kommt er. An vielen Tagen wird es dann auch Stufe vier und fünf. Vor diesen schlimmen Tagen fühle ich mich meistens total krank, ähnlich wie Gliederschmerzen, meine Nase läuft leicht (ohne Schnupfen), ich habe Heißhungen auf Süßigkeiten, friere und bin total platt. Eigentlich so, als würden andere eine Erkältung bekommen. Da es vor allem an der Nasenwurzel beginnt, eigentlich nicht verwunderlich, dass ich so lange glaubte, es wäre ein HNO-Problem.

    Mittlerweile mache ich seit Anfang Januar eigentlich gar nichts mehr, ich hab täglich diese leichtere Form von Migräne, aber wenn ich laufen gehen würde, in ein Café wäre es sofort bei vier oder fünf, spätestens am Folgetag. Ich kann im Moment auch keinen Fernsehen haben. Spazieren gehen verschlimmert es. Das ganze ist ein Teufelskreislauf: ich kann wegen meiner Gedanken und Gefühle nicht schlafen, dies verschlimmert die Kopfschmerzen, weswegen ich wieder das nicht machen kann, was mir eigentlich gut tut und wesegen ich auch so traurig bin: ich komme hier vor Ort auch gar nicht an, dabei habe ich mir so so viele schöne Sachen überlegt: angefangen vom Ruderverein bis zum Stammtisch. Ich bin eigentlich ein sehr offener und herzlicher Mensch. All die Dinge wären wichtig, damit ich vielleicht auch endlich von dem alten Job loslassen kann und vor allem auch, damit ich einen neuen Job antreten kann. Ich war schon bei einigen Veranstaltungen (es gibt hier ein richtig tolle Gruppe „Neu in…“, aber das Ende war meist nicht gut. So macht mein Freund jetzt alles allein hier und dabei kommt der Frühling.

    Mir fehlt die glückliche Zeit mit meinem Freund. Die Migräne bzw. auch meine Gedanken machen uns beiden das Leben so schwer. Ich bin so tief frustriert, das bekommt er leider so oft ab.

    Mir fällt es ganz schwer zu akzeptieren, dass ich diesen Fehler, nicht zu ihm gezogen zu sein. Nächsten Sommer hat er seine Klasse zu Ende und dann ziehen wir zurück ins Münsterland, evtl. dort in seine Heimat. Das beschäftigt mich auch. Ich kann kein Jahr mehr pendeln, ein neuer Job wäre aber auch ersteinmal anstrengend und in einem Jahr bräuchte ich wieder einen neuen. Er hat auch vorgeschlagen, dass ich jetzt direkt schon im Münsterland suche, aber das möchte ich nicht, ich hab mich SO sehr auf das hier gefreut und möchte das endlich leben. Ich war jetzt zwei Wochen krank geschrieben. Es war dort nicht mehr ganz so schlimmer, aber dennoch da. Ich bin inzwischen auch bei einer Psychologin, da mich die Kopfschmerzen so runterziehen. Bei ihr klingt es immer so, als müsste ich mich mal ordentlich für ein paar Wochen ausruhen und nichts unternehmen und dann wäre ich wieder fit. Ich habe aber das Gefühl, dass das nicht reicht. Ich habe Angst, dass die Kopfschmerzen nie mehr weggehen und mich jetzt jeden Tag begleiten werden. Was ist das für ein Leben? Jeder dem ich das erzähle fragt, und gehts dir schon besser? Wie bei einer Erkältung. Früher haben Triptane so geholfen, dass der heftige Schmerz nicht nur wegging, sondern auch wegblieb – jetzt ist er am nächsten Tag wieder genauso heftig da, an den schlimmen Tagen.

    Besonders ist bei mir auch, dass die Mirgäne mit den heftigen Tagen auch nicht nur für zwei bis drei Tage bleibt, sonder bis zu einer Woche.

    Ich habe bisher Folgendes probiert:
    – OP Nasenscheidewand (wohl sehr das Falsche)
    – Betablocker, aber nur ca. vier Wochen im letzten Sommer probiert (Hausarzt): reicht das, um die Wirkung beurteilen zu können?
    – Topiramat für ca. vier Wochen jetzt im Januar: in der Zeit war es eigentlich so heftig wie noch nie, daher wieder abgesetzt
    – Magnesium
    – Aufbissschiene (habe eine Kieferfehlstellung)

    Ursache ist es nicht, aber Verstärker für meine dauerhaften Kopfschmerzen sind in jedem Fall:
    – Nachdenken, Sorgen, Ängste Traurigkeit, vor allem deswegen, weil sie zu
    – Schlafmangel führen
    – Heizungsluft
    – Klimaanlagen (dauerhaft täglich, da auf der Arbeit keine Fenster zu öffnen sind)

    Ich bin 33 Jahre alt und sehe gerade recht schwarz in meine Zukunft. Mein Freund zieht das mittlerweile auch so runter und zwischen uns ist es so blöd oft, dass ich jetzt erst einmal für eine Woche zu meinen Eltern gehe, auch um mich abzulenken und vielleicht mal wieder eine Woche am Stück gut zu schlafen. Das scheint mir nicht die Lösung, aber die Basis zu sein. Ich hab zusätzlich ständig Angst um unsere Beziehung, obwohl ich sie bei ihm eigentlich gar nicht haben muss. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich so viel denke und nicht schlafen kann, was ja im Umkehrschluss wirklich dafür sorgt (durch Migräne), dass die Beziehung belastet wird. Ich wollte Yoga hier machen, bin im Fitnessstudio angemeldet – aber all das macht es noch schlimmer gerade und zu Beginn (letzten Sommer) war es nur Stress und ständiges Früher-gehen auf der Arbeit, damit ich rechtzeitig da sein kann.

    Meine Frage an euch:
    – ist meine Migräne wohl chronisch geworden?
    – geht es jemandem ähnlich von den Symptomen her, auch dem Druck auf der Nase (Stichwort Trigeminus?)
    – habe ich die Betablocker und das Topiramat lang genug probiert?
    – Lohnt sich bei mir wohl das Austesten von Amitriptylin?
    – fühlt ihr euch manchmal auch so traurig, weil es euer Leben so einschränkt?

    Mein Plan:
    – Verbesserung der Migräne, zur Ruhe kommen, SCHLAFEN
    – Job wechseln
    – vor Ort ankommen, auch wenn es nur noch für ein Jahr ist
    – ab dem Sommer (müssen wir aufgrund des Versetzungantrages) uns Gedanken machen, wohin wir nächsten Sommer ziehen und unser Leben sein soll

    Entschuldigt den langen Text, musste das alles mal loswerden. Hab sonst niemanden, der das irgendwie versteht. Traue mich auch kaum, von den Kopfschmerzen zu erzählen, da das, so denke ich, kaum jemand verstehen kann und ich mich wie ein Hypochonder fühle.

    Viele liebe Grüße, Steffi

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5663

    Liebe Steffi,

    herzlich willkommen in Headbook!

    Ja, es tut gut, sich einmal alles von der Seele zu schreiben. Doch dabei hast du dir nicht nur alles von der Seele geschrieben, sondern auch gut reflektiert und wichtige Perspektiven entwickelt. Große Klasse!

    Alle Aspekte kann ich grad nicht aufgreifen, doch ein paar Gedanken von meiner Seite:

    Die Schuldfrage: Das scheint dich sehr zu quälen, weil du deine Gehirnerschütterung als direkten Auslöser deiner darauf folgenden Kopfschmerzerkrankung siehst, die du hättest verhindern können, wärest du nicht betrunken gewesen.

    Nun, ich habe eine starke Migräne ohne so einen Unfall entwickelt. Jedoch zu einer Zeit, als ich sehr stark gefordert war und mich selber sehr stark gefordert habe (und mich dabei sehr wohl gefühlt habe).

    Hätte, wäre, wenn … – wir wissen es letztlich nicht. Meine Migränegene habe ich schon immer in mir getragen, das ist mir heute bewusst.

    Wichtig ist, dass wir aus dem Heute das Beste machen und keine Kraft vergeuden, indem wir über Vergangenes hadern.

    Mein Leben ist durch die Migräne auch stark eingeschränkt. Und jeder von uns hier muss auf seine eigene Art die Akzeptanzarbeit leisten. Das ist ein Prozess, der vielleicht auch mal besser und mal weniger gut gelingt. Doch er ist sehr wichtig, damit wir unsere Energie und Zeit in positive Dinge stecken können, die uns heute weiterhelfen.

    Erst mal so weit, später schreibe ich noch zu deinen Fragen.

    Lieber Gruß
    Heika

    Chroninchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 75

    Liebe Steffi,

    auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum. Sich einmal alles von der Seele schreiben zu können, kann schon helfen, selber auch einen anderen Blick auf die Situation zu bekommen. Da jeder Mensch anders empfindet, ein anderes Sozialumfeld hat und jede Migräne sowieso einzigartig ist, ist es schwer, dir konkrete Hilfe zukommen zu lassen. Aber ich will es dennoch gerne versuchen.

    Auf jeden Fall solltest du versuchen, dich von dem Schuldgefühl frei zu machen. An dem, was du getan hast, kannst du nichts mehr ändern. Je mehr dich das beschäftigt, um so mehr verpasst du dein jetziges Leben. Und es ist nicht einmal sicher, ob du anders gehandelt hättest, wenn du um deine heutige gesundheitliche Situation gewusst hättest. Eine Antwort wirst du nicht bekommen.

    Du hast sehr ausführlich von deiner Lebenssituation geschrieben, was mir aber ein wenig fehlt, ist die nähere Beschreibung deiner Kopfschmerzen.

    Der Arzt überwies mich damals auch zu einem Neurologen, bei dem ich auch war, mich aber nicht ernstgenommen fühlte. Dieser sprach das erste mal von Kopfschmerzen und Migräne. Ich dachte er nimmt mich nicht ernst.

    Ist von deinem Kopf schon einmal ein MRT gemacht worden, um Unfallfolgen als Kopfschmerz-Auslöser auszuschließen? Hast du neben deinem Gefühl, eine Erkältung zu bekommen, auch typische Migräne-Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie Schmerzverstärkung bei körperlicher Aktivität? Hat der Neurologe in Kenntnis von deinem Unfall 2014 eine ausführliche Anamnese gemacht? Hat er tatsächlich die Diagnose „Migräne“ gestellt oder nur als Möglichkeit ins Spiel gebracht? Werden die Kopfschmerzen durch die Einnahme von Triptanen besser? Treten die Kopfschmerzen eher seitlich als mittig auf, haben sie pulsierenden Charakter?

    Ich bin natürlich kein Arzt und du brauchst auch nicht auf meine Fragen antworten. Die Fragen sollen nur eine Anregung für dich sein, den medizinischen Aspekt deiner Kopfschmerzen zu überdenken: Wie du an meinen Fragen vielleicht gemerkt hast, finde ich es wichtig, dass geklärt wird, ob dein Unfall ’nur‘ der Auslöser für den Migränebeginn ist oder selber die Ursache der Kopfschmerzen ist.

    Bis vor wenigen Jahren gab es nur drei (vier) Kopfschmerzarten: Spannungskopfschmerz, Migräne und Kopfschmerz als Symptom einer anderen Erkrankung. Inzwischen kennt die Medizin über 360 verschiedene Kopfschmerzarten. In dieser Thematik auf dem Laufenden zu sein, könnte für den einen oder anderen niedergelassenen Neurologen durchaus eine Herausforderung sein.

    Solange noch keine ausführliche neurologische Untersuchung auf Spätfolgen deines Fahrradunfalls mit Gehirnerschütterung stattgefunden hat, würde ich mich nicht mit einer (Verdachts- oder Verlegenheits-)Diagnose zufrieden geben. Es braucht manchmal einen langen Atem, viele Ärzte, sehr viel Geduld und auch den Mut, fachärztliche Diagnosen anzuzweifeln, um am Ende die richtige Diagnose zu bekommen. Bei mir hat es vier Jahre gedauert, bis ich das „gesichert diagnostizierte Schmerzgedächtnis“ und die „psychischen schmerzauslösenden Faktoren“ durch andere Ärzte widerlegen konnte und meine Schmerzen wirksam behandelt wurden (es betraf allerdings den Rücken).

    Wenn du bei dir vor Ort ambulant nicht weiterkommst, lasse dich in eine Schmerzklinik mit Schwerpunkt Kopfschmerzerkrankungen (Kiel ist natürlich optimal, aber es gibt bestimmt auch andere gute Kliniken
    ? ) einweisen.

    Meine Frage an euch:
    – ist meine Migräne wohl chronisch geworden?
    – geht es jemandem ähnlich von den Symptomen her, auch dem Druck auf der Nase (Stichwort Trigeminus?)
    – habe ich die Betablocker und das Topiramat lang genug probiert?
    – Lohnt sich bei mir wohl das Austesten von Amitriptylin?
    – fühlt ihr euch manchmal auch so traurig, weil es euer Leben so einschränkt?

    Mein Plan:
    – Verbesserung der Migräne, zur Ruhe kommen, SCHLAFEN
    – Job wechseln
    – vor Ort ankommen, auch wenn es nur noch für ein Jahr ist
    – ab dem Sommer (müssen wir aufgrund des Versetzungantrages) uns Gedanken machen, wohin wir nächsten Sommer ziehen und unser Leben sein soll

    Im Gegensatz zur Akutmedikation brauchen präventiv wirkende Medikamente einige Wochen, teilweise sogar Monate, um ihre volle Wirksamkeit zu entfalten. Vier Wochen könnten daher zu kurz sein, um eine zuverlässige Aussage zu ihrer Wirksamkeit machen zu können. Gerade hier bedarf es ausreichend Geduld und Ausdauer, um eine Verbesserung zu spüren.

    Amitriptylin könnte tatsächlich eine Option sein, da es neben der propyhlaktischen Migränewirkung auch sediert – sowohl körperlich wie auch psychisch. Zudem solltest du wirklich versuchen, etwas mehr Ruhe und Routine in deinen Alltag kommen zu lassen – und vielleicht auch lernen, bestimmte Umstände einfach hinzunehmen, statt dich darüber regelmäßig aufzuregen.

    Zudem wirkt Amitriptylin natürlich antidepressiv. Es gilt als erwiesen, dass Menschen mit chronischen Schmerzerkrankungen sehr oft eine Depression entwickeln. Wenn du feststellst, dass das Gefühl der Traurigkeit nicht nur vorübergehend für sehr kurze Zeit auftritt, zögere nicht, psychotherapeutische Hilfe zu suchen. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Verhaltenstherapie für dich sehr hilfreich sein kann, damit du wieder zu dir selbst finden und Weichen für die Zukunft stellen kannst.

    Hab sonst niemanden, der das irgendwie versteht. Traue mich auch kaum, von den Kopfschmerzen zu erzählen, da das, so denke ich, kaum jemand verstehen kann und ich mich wie ein Hypochonder fühle.

    Das Gefühl kann ich voll und ganz nachvollziehen. Auch hier könnte eine psychologische Verhaltenstherapie dir helfen. Erkrankungen, die nicht sichtbar sind, werden in unserer Leistungsgesellschaft oftmals nicht ernst genommen. Ein Mensch mit einem gebrochenen Knochen bekommt viel Aufmerksamkeit, obwohl diese Verletzung oft folgenlos heilt. Eine gebrochene Seele (oder Kopfschmerz) wird von den meisten Mitmenschen nicht als Krankheit erkannt und daher ignoriert oder sogar ins Lächerliche gezogen.

    Der Bereich der Kopfschmerz-Erkrankungen befindet sich medizinisch teilweise noch in den Kinderschuhen. Und weil Kopfschmerzen oft nicht sichtbar sind, werden sie gerne als „Ausrede“ mißbraucht, um bestimmte Dinge nicht machen zu müssen. Daher kommt auch das Vorurteil über „Migräne als Verhütungsmittel“ … Nur Menschen, die selber kopfschmerzgeplagt sind, wissen, dass die Lebensqualität dadurch massiv eingeschränkt sein kann.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall, dass du hier eine Menge Hilfe und Unterstützung bekommst und dich dadurch nicht so allein gelassen fühlst.

    So, dass war nun auch eine Menge Text – ich kann mich selten kurz fassen ?. Eine ganz große Bitte habe ich aber noch an dich: Wie du an meinem Text siehst, habe ich sehr viele Absätze eingebaut. Gerade bei längeren Texten ist es (nicht nur) für mich schwierig, den Text zu lesen und das Gelesene zu verstehen. Ein langer Fließtext ist eine große Herausforderung und kann bei einigen die Migräne triggern ?

    Liebe Grüße
    Chroninchen

    • Diese Antwort wurde geändert vor 6 Monate von  Chroninchen.
    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5663

    Liebe Steffi,

    ich habe deinen Text jetzt ein zweites Mal gelesen und schreibe einiges der Reihe nach dazu.

    Ich mache mir grundsätzlich zu viele Sorgen, habe ständig Angst.

    Wie du selber weißt, ist das ein starker Migränetrigger. Und wie du selber spürst, kostet dich das auch Nachtschlaf, der zur Erholung so wichtig ist. Ein Teufelskreis, der unbedingt unterbrochen werden muss.

    ist jemand in meiner Nähe krank, auch damals in der FH, wusste ich, dass ich am nächsten Tag die starken Kopfschmerzen haben werde.

    Hm, klingt seltsam und erinnert mich an den Nocebo-Effekt.

    Weiterhin hatte ich immer wieder mal Tage mit Migräne, meistens halfen Ibuprofen oder vor allem Aspirin komplex, das war super.

    Später schreibst du auch, dass du Triptane genommen hast. Welche denn? Wie oft pro Monat behandelst du, also an wie vielen Tagen? Kennst du die 10-/20-Regel, dass man nur maximal an 10 Tagen pro Monat ein Schmerzmittel oder Triptan nehmen darf?
    Warst du noch einmal bei einem Neurologen oder Schmerzspezialisten und hast deine Symptome mal mit ihm durchgesprochen? Ist eine klare Diagnose Migräne gestellt worden? Alle Begleitsymptome, die du beschreibst, können bei Migräne auftreten, passen würde es schon. Doch eine gesicherte Diagnose ist sehr wichtig. Wie du das so beschreibst, klingt das noch nicht so klar.

    Es war mir oft zu viel und ich habe trotzdem nicht nein gesagt, weil ich es alles wollte und mich es anders traurig gemacht hätte.

    Manchmal können wir nur zwischen schwierig und schwierig wählen. Bleibt man zuhause, macht es einen traurig, weil man gerne etwas unternommen hätte. Unternimmt man etwas und ist es zu viel, leidet man auch. Du wirst lernen müssen, dass du dich mit deinem Leben deiner Schmerzerkrankung im Rahmen deiner Möglichkeiten anpassen muss. Das ist eine harte Lektion und gehört zur Akzeptanzarbeit. Doch eine Anpassung unseres Verhaltens ist für uns Migränepatienten äußerst wichtig! Unsere reizempfindlichen Köpfe brauchen mehr Ruhezeiten und Pausen als gesunde Köpfe.

    In dem letzten Jahr hatten wir dann fast jedes Wochenende in anderen Orten etwas vor, oft mit Übernachten.

    Puh, da wird mir schon Lesen schwindelig. Vollzeitarbeit, Pendeln, ständig auf Achse. Es scheint die Verschlimmerung deiner Erkrankung damit zusammenzuhängen, gerade nachdem du in Ferienzeiten eine deutliche Verbesserung erlebst.

    Ich denke das Fahren an sich ist nicht Schuld, dass meine Kopfschmerzen so so schlimm geworden sind. Eher die empfundene Dauerbelastung: der tatsächliche Stress seit etwa März/April, aber vor allem meine Traurigkeit und Gedanken. Das klingt jetzt kitschig, aber ich dachte so oft im letzten Jahr, dass ich nicht mehr weiß wohin damit.

    Einzelne Faktoren sind oft schwer auszumachen, vieles spielt zusammen. Und dass bei zunehmenden Schmerzen, ja, dann auch Dauerschmerzen die Psyche noch mehr leidet, ist eine logische Konsequenz. Dazu noch Schlafmangel, das verstärkt alles noch und macht dein Schmerzsystem noch schmerzempfindlicher.

    Besonders ist bei mir auch, dass die Mirgäne mit den heftigen Tagen auch nicht nur für zwei bis drei Tage bleibt, sonder bis zu einer Woche.

    Da spricht man von einem Migränestatus. Das kann immer wieder mal vorkommen, gerade bei sich steigender Migräneerkrankung.

    Betablocker, aber nur ca. vier Wochen im letzten Sommer probiert (Hausarzt): reicht das, um die Wirkung beurteilen zu können?

    Eindeutig nein! Vier Wochen sind viel zu kurz, besser wären drei Monate.

    Topiramat für ca. vier Wochen jetzt im Januar: in der Zeit war es eigentlich so heftig wie noch nie, daher wieder abgesetzt

    Vielleicht hast du da grad eine schlechte Phase erwischt, unabhängig vom Topi. Auch da sind 4 Wochen zu kurz. Doch wenn es nicht mehr ging, dann ist es halt so.

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5663

    Und noch zum Schluss:

    Führst du einen Kopfschmerzkalender? Das ist zur Dokumentation sehr wichtig.

    Kennst du das Buch von Prof. Göbel „Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne“? Ist sehr zu empfehlen. Und unter „Migränewissen“ in der Sidebar rechts unten auf der Startseite kannst du auch viele hilfreiche Infos finden.

    Lieber Gruß
    Heika

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5663

    ich kann mich selten kurz fassen

    Offensichtlich haben wir beide etwas gemeinsam, Chroninchen. 🙂

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28031

    Willkommen, liebe Steffi. 🙂

    Ich schließe mich den anderen an, die schon wichtige Denkanstöße für Dich geliefert haben.

    Gefühlsmäßig kam bei mir Deine Vorstellung so an: Schuld wäre die Gehirnerschütterung damals (sie kann Auslöser der Migräneerkrankung sein, aber die Anlage ist vererbt), dann kam das ganz normale Leben, das Dich teilweise sehr überfordert. Du grübelst viel zu viel, neigst eventuell zu Depressionen (Topamax und Betablocker sind dann eh kontraindiziert) und machst Dir und Deinem Umfeld teilweise das Leben zu schwer.

    Amitritylin wäre jetzt mal meine erste „Empfehlung“ gewesen, aber Du hast es eh schon selbst erwähnt. Super, dass Du psychologische Betreuung hast, das hätte ich nämlich auch dringend angeregt. Manchmal reicht Gesprächstherapie allerdings nicht aus, daher könntest Du mit Amitriptylin zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Es gibt auch Tropfen, damit kann man sehr sachte und niedrig dosiert einsteigen.

    Verzweifle nicht, es gibt noch sehr viele Wege raus aus diesem Dilemma. 🙂

    Liebe Grüße
    Bettina

    Sommerwind
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 66

    Liebe Steffi,

    wenn ich das so lese, würde ich Dich sehr gerne einfach mal in den Arm nehmen und ganz fest drücken!

    Viel zu schreiben brauche ich nicht mehr, meine lieben Vorschreiberinnen haben schon alles aufgegriffen und erklärt.

    Ich denke Du solltest Dir jetzt so schnell wie möglich einen kompetenten Neurologen suchen, damit er mit Dir einen richtigen Behandlungsplan erstellen kann. Du brauchst eine gute Akutmedikation, was im Fall der Migräne nur ein Triptan sein kann!

    Aspirin Komplex und so weiter sind keine Behandlung für eine Migräne und belasten die Organe sehr und wenn man diese Medikamente dann auch noch an mehr als 10 Tagen im Monat einnimmt, entsteht oft ein Dauerkopfschmerz aufgrund dieser Medikamente.

    Mit Deiner Psychologin solltest Du auch noch einmal sprechen, vielleicht kann sie Dir was verschreiben, womit Du besser schlafen kannst, etwas was den Kopf ausschaltet und Dein ständiges Denken und Grübeln unterbricht. Da wäre Amitriptylin auf jeden Fall eine gute Sache.

    Wie sie meint, mit etwas längerer Pause wird das wieder, ist vielleicht gar nicht so falsch, zumindest hättest Du die Möglichkeit einmal komplett zur Ruhe zu kommen und könntest ganz viele Dinge einfach nur für Dich tun ohne viel zu planen, einfach das tun, wonach Dir gerade ist. Schlafen, gammeln, lesen, TV schauen, spazieren gehen, Sport…

    Das Autofahren zur Arbeit ist eine Zumutung und trägt ganz sicher einen großen Teil zu Deinen Kopfschmerzen/Migräne bei. Denn alleine die Fahrzeit sind schon 2,5 Stunden höchste Konzentration und dann noch Vollzeit arbeiten, dass ist auf jeden Fall zu viel. Ich spreche aus Erfahrung 😉

    Und bitte mach Dich frei von den Schuldgefühlen, wegen des Fahrradunfalls! Nach einer Prüfung überschwänglich zu sein, etwas zu trinken und dann Fahrrad zu fahren ist nichts verwerfliches! Das ist das Leben! Das machen 1000 Menschen jeden Tag auf dieser Welt und Du weisst auch nicht, ob Du nüchtern den Unfall hättest verhindern können.

    Die Migräne wäre sowieso gekommen, auch ohne diesen Unfall, das kam eben nur zufällig zusammen.

    Ein Migränepatient braucht einen regelmäßigen und strukturierten Tagesablauf mit genügend Ruhepause, daran solltest Du unbedingt arbeiten. Regelmäßige Mahlzeiten sind das A und O.

    Wenn ich Deinen Text lese, klingt das nach purem Streß.

    Ich muss mich auch erst noch daran gewöhnen, daß ich freizeitmäßig nicht auf jeder Hochzeit tanzen kann, auch wenn ich es so gern würde 😉

    Okay, das mit dem ich kann nicht mehr viel schreiben, hab ich wohl verfehlt, Kurzfassung ist auch nicht so mein Ding, stelle ich fest 😀

    Vielleicht wäre eine stationäre Behandlung in der Schmerzklinik Kiel für Dich eine Option!?

    Liebe Grüße

    Sommerwind

    Sommersonne
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 11

    Hallo zusammen,

    entschuldigt meine späte Antwort. Ich habe die letzte Woche bei meinen Eltern verbracht, um ein wenig Abstand zu bekommen, auch weil die Kopfschmerzen bzw. die Auswirkungen auf meine Gefühle teilweise sehr der Beziehung geschadet haben. Mein Freund bekommt das leider oft ab, weil ich so frustriert bin.

    In der letzten Woche habe ich drei Tage gearbeitet und mir dann zwei Tage Urlaub genommen. Mir war am Dienstag eigentlich schon klar (man sollte vielleicht nicht immer direkt davon ausgehen, aber es sind einfach zahlreiche Erfahrungen), dass ich spätestens am Folgetag starke Migräne haben würde. Ich plane und führe auf der Arbeit Events durch, am Dienstag war eine Kinderparty mit etwa 20 Kindern, Musik…

    Ich möchte gern zunächst einmal Danke an euch sagen, eure Worte haben mir sehr sehr gut getan!!!

    Ich versuche so gut ich kann auf eure Fragen einzugehen. Ich bin mittlerweile nicht sicher, was ich eigentlich konkret habe. Ich war vor drei Jahren beim Neurologen, von dem ich geschrieben hatte, dass ich mich nicht ernst genommen gefühlt habe. Im Anschluss daran habe ich mir gesagt, dass ich wohl damit leben muss, weil ich ja nichts habe (HNO konnte ja nichts feststellen). Dann war ich vor ca. einem Jahr beim Hausarzt, der einen Mischkopfschmerz aus Migräne und Spannungskopfschmerz diagnostizierte. Er verschrieb mir damals schon Amitryptilin, was ich überhaupt nicht verstand (es kam auch keinerlei Erklärung, mittlerweile bin ich mir sicher, dass es schwierig ist, einen guten Arzt zu finden). Deswegen nahm ich das Medikament nicht, fühlte mich von ihm auch nicht ernst genommen, weil ich doch keine Depressionen hatte (heute verstehe ich es natürlich). Was mir aber sehr gut half, war das Rizatriptan, was er mir verschrieb. Im Juli bekam ich dann die Beta-Blocker verschrieben, die ich auch probierte. Sie waren in sofern gut, dass ich sie direkt nach der Autofahrt abends nahm, ruhiger wurde und besser schlief. Soweit ich mich erinnere, habe sie aber auch nur 4 Wochen genommen, da sie nicht halfen.

    Aufgrund meines Umzugs ging ich dann im August zum Hausarzt hier, dem ich die Diagnose des anderen Arztes mitteilte. Er überwies mich zum Neurologen, führte einen Bluttest durch, der in Ordnung war. Im Januar diesen Jahres hatte ich endlich einen Termin beim Neurologen, der kaum etwas fragte, mir direkt Topiramat verschrieb und einen neuen Termin im April vereinbarte. Danach war ich frustrierter als vorher und musste im Auto erstmal weinen. Ich fühlte mich überhaupt nicht verstanden. Gleichzeitig stellte mein Zahnarzt bzw. parallel der Osteopath eine CMD (Kiefergelenksfehlstellung) fest, ich bekam eine Aufbisschiene. Mein Kiefer knackt seit Jahren extrem, viel mehr kann man da aber nicht machen, Physiotherapie wäre noch eine Möglichkeit. Der Osteopath ist der Meinung, dass es nur wenige gute Neurologen gibt, die wirklich genau untersuchen und diagnostizieren. Da gebe ich ihm Recht. Er ist auch der Überzeugung, dass es immer eine Ursache gibt – dass das die neuesten Erkenntnisse wären, aber immer noch kaum jemand weiß. Mir fällt das schwer zu glauben, da man aus wissenschaftlichen Berichten eher entnimmt, dass Migräne fast immer eine primäre Erkrankung ist, auch dem erwähnten Buch von euch, dass ich auch habe und dort zum ersten Mal viele Symptome verstanden habe.

    Um Spätfolgen eines anderen Unfalls (Auffahrunfall mit dem Auto) auszuschließen, war ich beim Orthopäden, meine HWS ist vollkommen ok, habe „nur“ eine Skoliose und Fehlhaltung des Kopfes (seit meiner Kindheit leicht schief).

    Da ich nun bei besagten ersten Neurologen hier vor Ort so unzufrieden war, war ich dann Mitte Februar noch bei einem anderen Neurologen. Der hat sich sehr viel Zeit genommen, Verständnis gezeigt, mir genau zugehört, Rückfragen gestellt. Ich habe mich ernst genommen gefühlt in der Schwere der Kopfschmerzen. Jedoch sagte er auch, dass er vieles komisch findet, war mir gezeigt hat, dass er nicht das tiefe Wissen zum Thema Kopfschmerzen hat. Er sagte auch von selbst, dass ich mich an eine Kopfschmerzambulanz vielleicht einmal wenden soll. Meine Schmerzen werden extrem stark, wenn ich mich bewege, da meinte er, viele Migräne-Patienten würden sogar joggen gehen, damit es besser wird. Das klingt für mich aber ganz komisch, dass sind eher die mit Spannungskopfschmerz. Auch dass ich ihm beschrieb, mein Nacken und die Nasenwurzel würde stark mit schmerzen, fand es sehr komisch und untypisch. Nachdem ich mich selbst aber so eingehend damit befasst habe, finde ich es nicht komisch, da der Trigiminus doch dort Verästelungen hat. Das sagte ich sogar zu ihm, da meinte er, eine Trigeminusneuralgie wäre das aber nicht – nein, natürlich nicht, das wollte ich damit auch gar nicht sagen!!! Er hat noch ein MRT machen lassen, was bisher nur mit einem Vertretungsarzt besprochen wurde. Es sind wohl keine Blutungen (auch alte) etc. zu sehen. Alles wäre normal. Das einzige was zu sehen war, war eine minimale Schwellung der linken Stirnhöhle. Das ist die, auf die ich damals gefallen bin, bzw. war dort der Bluterguss und die Beule am Kopf. Irgendwie möchte ich aber nochmal, dass jemand anderes drüberschaut.

    Parallel war ich beim HNO, da dieser Neurologe meinte, aufgrund des Drucks an der Nasenwurzel solle ich das nochmal abklären lassen und auch zum Augenarzt. Der HNO fand das auch untypisch für Migräne, hielt zudem gar nichts von der medikamentösen Prophylaxe beim Neurologen (er arbeitet mit Naturheilverfahren). Er meinte auch, unbedingt ein MRT machen. Er verschrieb mir noch Magnesium und Vitamin C als Schüssler Salze. Zudem trinke ich parallel (war meine Recherche) mind. 1-2 Tassen Ingwerwasser am Tag, da es entzündungshemmmend wirken soll. Dass MRT bespreche ich morgen sowohl mit dem letzten Neurologen als auch mit dem HNO-Arzt.

    Insgesamt geht es mir derzeit etwas besser, nur der permanente leicht Druck bleibt: auf der Nasenwurzel, Stirn, am Hinterkopf und leichte Schmerzen im Nacken. Kann sich hier nicht auch ein Schmerzgedächtnis ausgebildet haben? Meine Psychologin sprach das an. Ich beschäftige mich zur Zeit zudem so viel mit dem Thema. Wenn ich ständig an Kopfschmerzen denke, können sie vielleicht auch weniger gut gehen? Wenn sie nur leicht sind, merke ich, dass Ablenkung meist gut ist.

    Meine Schmerzen sehen so aus, dass ich täglich (ganz selten gar nicht) einen leichten Druck auf dem Kopf spüre, jeden Schritt, als würde ein „Polster“ fehlen. In viel extremerer Form fühlte sich das nach dem Unfall damals an, aber vielleicht meine ich das auch nur. Wenn ich liege oder morgens noch liegen bleibe im Bett, wird es viel stärer. Ich kann überhaupt nicht liegen oder meinen Kopf auch nur anlehnen, sei es mein Freund. Meistens ist meine Nase auch zugeschwollen. Schmerzstärke ist täglich eher bei 1 oder 2, manchmal bei 3. Man könnte meinen, dass dies ein Spannungskopfschmerz wäre, aber auch hiergegen (mache ich natürlich nicht, aber mal probiert) helfen Triptane bestens. Obwohl ich nicht weiß, ob das wirklich Migräne ist (chronische jeden Tag in leichter Form? Kommen weitere Trigger hinzu, folgen ein paar schlimme Tage, kann das sein?). Selbst hier muss ich vorsichtig sein, Lärm, Sport ist unmöglich. Man liest immer, Ausdauersport machen zur Prophylaxe, aber wie soll ich das, wenn dann sofort die „schlimmen“ Tage folgen? Ich war früher mal gern im Sonnenstudio, Yoga – aber all das ist auch an den „leichten Tagen“ ein Verstärker.

    Wenn die Schmerzen dann stark werden, fühle ich mich zunächst total erschöpft, wie nach einem Marathon, krank, müde, Gliederschmerzen und ganz betrübt von der Stimmung, ängstlich. Ich friere oft, muss manchmal dann auch viel niesen. Der Druck auf der Nasenwurzel nimmt stark zu, die Stirn tut weh, der Hinterkopf auch stark, Nacken, Schultern. Lärm geht wie gesagt gar nicht. Licht an sich kann haben, allerdings keine direkte Sonne, dann schwillt die Nase noch mehr zu und die Schmerzen werden stärker. Ein Pochen habe ich nicht, das kommt „nur“ vor, wenn ich beispielsweise etwas schweres hebe in dem „Zustand“. Übel ist mir nicht. Ich kann dann keinen Lärm haben (Fernsehen, Gespräche, eigene Stimme), jede Bewegung, das Heben von (mittelschweren) Dingen macht es schlimmer. Die Schmerzen sind am ganzen Kopf, vorwiegend eben Nasenwurzel, Hinterkopf. Einen Kopfschmerzkalender führe ich seit November.

    Ich versuche so gut es geht auf Schmerzmittel zu verzichten. Letzte Woche waren aber privat so wichtige Dinge, dass ich tatsächlich fit sein musste. Habe hier leider dann Mittwoch bis Samstag Medikamente genommen. Ich überschreite die 10-20 Regel recht oft, jedoch gab es trotzdem (wie an Weihnachten) auch Zeiträume, in denen ich mal (geschätzt) 10 Tage kein Medikament am Stück brauchte, so dass ich eher nicht von einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz ausgehe, auch wenn es danach klingt. Ich versuche meistens dann Asprin oder Ibuprofen zu nehmen, aber wenn die Schmerzen so stark sind, helfen die überhaupt nicht, nehme dann Naratriptan aus der Apotheke.

    Ich habe am 14.03. einen Termin in der Schmerzambulanz des Alfried-Krupp-Krankenhauses – hat damit jemand Erfahrungen? Mehr verspreche ich mir von dem Termin am 06.05. bei Frau Dr. Gendolla in Essen, habe sie in einem Video zu dem Thema gesehen und das klang nach hoher Kompetenz. Ich habe zudem einen Antrag auf eine Reha gestellt, hatte die Klinik Königstein in Betracht gezogen, da in Kiel die Wartezeiten so lang sind.

    Aufgrund der privaten „Umstände“ ist es recht schwierig für mich, jetzt einfach den Job zu wechseln, um die Belastung der Fahrtzeit zu reduzieren. Mein jetziger Job ist recht sicher, zumindest noch. Daher hat mir meine Psychologin empfohlen, mir derzeit ein Zwischenzeugnis ausstellen zu lassen und ggf. öfter krank schreiben zu lassen. Ich möchte auch nach einem Tag Home Office fragen. Hab das letztens mal gemacht, das war viel besser sofort. Aber eigentlich ist mein Job auf Anwesenheit ausgelegt :(. Im Sommer 2020 ziehen mein Freund und ich wieder um, wir wissen aber noch nicht genau wohin. Wenn wir das wissen, kann ich dann auch nach einem Job dort schauen und gg. schon ein paar Wochen bis Monate früher umziehen. Obwohl mich das sehr unglücklich macht. Am liebsten hätte ich einen Job vor Ort. Das würde meine Stimmung heben. Jedoch habe ich 1. Angst, weil es wieder Belastungen sind (Lernen, neues Umfeld, Anstrengung) und 2. wenn es mir so schlecht geht, dass ich öfter krank geschrieben bin, was dann, ich habe ja eine Probezeit. Zudem ist bei den Jobs, bei denen ich überhaupt eine minimale Chance hätte, so, dass das mit viel Kontakt, Reden, tel, etc. verbunden wäre – was ich eigentlich sehr sehr gern mache, aber gerade nicht gut ist. Das belastet mich schon sehr. Ich möchte so gern hier richtig vor Ort leben, wenn ich schon vor einem Jahr nicht mutig genug war, direkt zu meinem Freund zu ziehen und den Job anzunehmen. Was meint ihr dazu? Hier auf meinen Kopf zu hören und hier nicht mehr vor Ort zu arbeiten, macht mich irgendwie traurig.

    Ich versuche derzeit mehr zur Ruhe zu finden, das klappt eigentlich auch, aber dennoch bleiben die Kopfschmerzen. Mein Freund hat das noch nie gesagt, aber ich habe Angst davor: es ist jetzt wieder weiter gedacht, aber wie soll das SO werden, wenn wir Kinder möchten/haben?

    Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich für eure Aufnahme und lieben Worte bedanken!

    Viele liebe Grüße, Sommersonne

    • Diese Antwort wurde geändert vor 5 Monate, 3 Wochen von  Sommersonne.
    Indie
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 158

    Liebe Sommersonne,

    ich komme gerade selber von einem Wochenende bei meinen Eltern zurück und mir tut das auch immer sehr gut mich zu Hause mal betüddeln lassen und ein bisschen von allem loslassen zu können.
    Ich klinke mich gerade mal bei dir ein, weil ich aus deinem letzten Beitrag schließe, dass du ins Ruhrgebiet gezogen bist und ja konkret nach Erfahrungen mit einer Ärztin und dem genannten Krankenhaus gefragt hast. Soweit ich weiss, sollen hier allerdings keine Ärztenamen genannt werden.
    Die Praxis der Ärztin (es ist eine Gemeinschaftspraxis) ist hier jedoch gut bekannt und (auch wenn ich selber nicht dort bin) eine ausgezeichnete Adresse. Sie arbeiten dort Leitliniengerecht und haben sehr viel Erfahrung mit Migränepatient*innen. Vielleicht können sie dort deine verschiedenen Kopfschmerzen ein wenig aufdröseln.
    Die Vorstellung in der Schmerzambulanz ist sicher auch kein Fehler. Ich würde das einfach mal auf mich zukommen lassen und schauen, was sie dir raten.

    Was ich ein bisschen aus deinen Beiträgen rauslese, und korrigiere mich gerne wenn ich falsch liege, ist, dass du so ein bisschen darauf hoffst, dass dir ein Neurologe eine Zauberpille verschreibt oder einen Zaubertrick verrät und damit deine Schmerzen für alle Zeiten verschwunden sind.
    Ganz so einfach wird es vermutlich aber nicht werden.
    Die Suche nach der richtigen Prophylaxe ist unter Umständen langwierig und unangenehm (aufgrund von Nebenwirkungen) und häufig auch extrem frustrierend.
    Umso wichtiger ist es an der Verhaltensschraube zu drehen. Die Idee mit dem Homeoffice finde ich von daher sehr gut. Vielleicht kannst du auch Wochenstunden reduzieren und damit einen Tag weniger den Fahrweg auf dich nehmen müssen.

    Wenn Ausdauersport und Yoga deine Schmerzen verstärken, lass das weg (meine persönliche Meinung). Dann mach lieber jeden oder jeden zweiten Tag einen Spaziergang.
    Ich bin selber wegen der Migräne nicht in der Lage joggen zu gehen und habe mich wie doof deswegen gestresst, weil Ausdauersport doch helfen soll. Damit habe ich es im Endeffekt aber wieder nur schlimmer gemacht, indem ich über meine Grenzen gegangen bin.
    Gleiches gilt für Yoga, bei dem ich eigentlich einen sehr angeregten Yogastil praktiziere (Vinyasaflow). Der schnelle Wechsel aus Anspannung und Entspannung löst bei mir aber zuverlässig Migräne aus. Was aber geht ist Yin Yoga, wo man sehr lange und mit möglichst wenig Muskelkraft die Positionen hält. Vielleicht wäre auch Pilates eine Alternative für dich.

    Ich mache gerade selber die Erfahrung, dass es mir besser geht, wenn ich dem starken Ruhebedürfnis meines Körpers nachgebe und nicht versuche dagegen anzukämpfen. Und wenn das bedeutet, dass ich nach einem Spaziergang erstmal wieder ne halbe Stunde schlafen muss dann ist das so.

    Bei der Meinung von Ostheopaten und Naturheilkundlern wäre ich zudem sehr vorsichtig. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass deren Behandlungsansätze in der Regel keine Verbesserung der Migräne bringen. Zudem habe ich selber zur Behandlung meiner Kiefergelenksfehlstellung (und auf Anraten eines Arztes aus dem Bereich der Naturheilkunde) ca. 1500 Euro in eine DIR-Schiene investiert, die wirklich null positiven Einfluss auf meine Migräne hatte. Eher noch im Gegenteil hat das Tragen der Schiene so einen Stress (und zusätzliche Schmerzen) verursacht, dass es mir mehr geschadet hat.

    Und zum Schluss: versuch dir gerade nicht soviele Gedanken über die Zukunft zu machen (z.B. Familiengründung, Jobwechsel usw.). Momentan hast du weder ein Behandlungskonzept, noch ist klar, was für eine Art Kopfschmerz du überhaupt hast. Von daher sehe ich da noch viel Luft nach oben.

    Und ehrlich gesagt, wenn dein Freund und du eh planen in einem Jahr wieder wegzuziehen, würde ich mich gerade lieber auf mich und meine Gesundheit konzentrieren, anstatt viel Energie (die du ja gerade eh nicht hast) in den Aufbau eines Freundeskreis zu investieren , den du in einem Jahr wieder hinter dir lassen musst.

    Alles Liebe!

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28031

    Liebe Sommersonne,

    bei den Eltern ein wenig betütteln lassen, tut immer gut. ?

    Der Osteopath ist der Meinung, dass es nur wenige gute Neurologen gibt, die wirklich genau untersuchen und diagnostizieren. Da gebe ich ihm Recht. Er ist auch der Überzeugung, dass es immer eine Ursache gibt – dass das die neuesten Erkenntnisse wären, aber immer noch kaum jemand weiß. Mir fällt das schwer zu glauben, da man aus wissenschaftlichen Berichten eher entnimmt, dass Migräne fast immer eine primäre Erkrankung ist, auch dem erwähnten Buch von euch, dass ich auch habe und dort zum ersten Mal viele Symptome verstanden habe.

    So so, der Osteopath ist also der Meinung, dass Neurologen ihre Arbeit nicht gut machen. Diese Hybris „liebe“ ich ja bei alternativen Heilern besonders. ? Damit verunsichern sie Patienten und binden sie an sich und ihre teilweise sonderbaren Methoden.

    Migräne ist nicht „fast immer“ eine primäre Erkrankung, sondern immer!

    Schüßler Salze kannst Du gleich in die Tonne kloppen. ? Sie enthalten nichts, keinerlei Wirkstoff, sind ein Glaubenssystem.

    Und nun auch mein Rat: Grüble nicht so viel, mach Dir nicht schon über ungelegte Eier (ist jetzt zweideutig ? ) Gedanken, sondern genieße das Leben etwas mehr. Das geht auch trotz Schmerzen.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Sommersonne
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 11

    Hallo zusammen,

    nach längerer Zeit wende ich mich noch einmal an euch, lese viel mit, was mir auch oft schon hilft!

    in einem Monat ist es endlich soweit und ich habe einen Termin bei einer Neurologin, die auf das Thema spezialisiert ist, bislang komme ich nicht weiter. Zudem läuft mein Antrag für einen Klinikaufenthalt.

    Aktuell nehme ich seit 5 Wochen Amitriptylin, 50 mg abends. Der Neurologe der mir dies verschrieben hat, hat eigentlich keine Ahnung von dem Thema, das hatte er selbst gesagt – viele Dinge, die ich ihm sagte (zuvor in einem guten Migränebuch gelesen) sagten ihm nichts, meinte teilweise sogar, das könne nicht sein. Nunja, jedenfalls nehme ich das Medikament eigentlich derzeit ohne wirkliche ärztliche Kontrolle. Er meinte nach zwei Wochen sollte ich auf jeden Fall eine Wirkung merken – ich weiß aber aus eigenem Wissen heraus, dass man die tatsächliche Wirksamkeit einer Prophylaxe erst nach ca. 3 Monaten beurteilen kann. Ich weiß nicht, ob es bei der geringen Dosis überhaupt schon sein kann, aber ich hab das Gefühl, dass sich zumindest meine Stimmung gebessert hat. Ich hatte auch das Gefühl, dass die Migräne sich oft „nur“ noch durch den starken Druck äußert, den ich eigentlich täglich, mal mehr und mal weniger, verspüre. Letzte Woche bin ich seit langem mal wieder mit Radio und Musik von der Arbeit zurückgefahren, habe ich total auf das WE mit Sonne gefreut, war fast euphorisch.

    Ich dachte auch, dass ich für mich ein einfaches aber gutes Mittel entdeckt hätte: Koffein. Ich trank jeden morgen und am Nachmittag starken Kaffee und hatte das Gefühl, der Druck wurde weniger. Zudem war ich so aktiv, dass ich den leichten Druck, der immer da ist, besser ignorieren konnte. Die Wirkung ließ aber nach ?? ca. 10 Tagen würde ich schätzen nach… ich habe dazu gelesen, dass Koffein die Blutgefäße verengt, aber auch eine Gewöhnung eintritt. Das wäre eine Erklärung. Hat jemand hiermit Erfahrungen? Wir häufig dürfte ich max. Koffeein zu mir nehmen, um noch einen Effekt zu spüren?

    Am Samstag war ich morgens beim Frisör, das Gerüttel an meinem Kopf war schon nicht soo toll, aber noch ok. Abends war ich dann mit meinem Freund spazieren, da merkte ich das erste Pochen im Kopf, hat sich im Restaurant aber wieder gelegt. Ich hatte richtig Lust, hätte gern sogar was getrunken und gefeiert wie früher – aber das haben wir natürlich nicht. In einigen Phasen vorher wäre auch ein Restaurantbesuch undenkbar gewesen. Es war richtig toll ? Dann jedoch spielte eine Live Band, sehr sehr laut, mit Schlagzeug. Wir hatten gerade das Essen bestellt, ich machte Oropax rein und versuchte mich zu beruhigen, was auch gut klappte. Ich habe vor kurzem noch gelesen, dass die Erwartungshaltung auch eine sehr große Rolle spielt. Danach merkte ich den Druck etwas mehr, sind nach dem Essen sofort „geflüchtet“. Am Sonntag merkte ich nur eine große Empfindlichkeit ggü. Lärm, zum Beispiel den TV… abends traf ich mich dann noch mit einer Freundin im Restaurant. Das war auch ok – ich empfand nur den kalten Wind am Hinterkopf als sehr unangenehm. Mir hat dieses Wochenende unglaublich gut getan, Hoffnung, das Gefühl ins Leben zurückzukehren. Auch wenn ich von meinem früheren Leben mit ganz viel Action und Sport noch ganz weit weg bin und ich auch weiß, dass dies in der Form vielleicht nicht mehr möglich sein wird. Den letzten Satz von dir Bettina habe ich mir unglaublich zu Herzen genommen… dass man das Leben auch mit Schmerzen genießen kann. Danke dir dafür. Es hat mir Mut gemacht, wach gerüttelt und mich daran erinnert, wie oft ich im Leben schon „unten“ war und sich kämpfen jedes mal sehr gelohnt hat!

    Am Montag diese Woche habe ich mich seit längerem wieder so erschöpft gefühlt nach dem aufstehen: matschig, kraftlos und so als würde ich krank – Vorboten starker Attacken. Montag und Dienstag ging dann noch, auf der Rückfahrt am Dienstag merkte ich im Auto leichten Schmerz im Hinterkopf und im Nacken – nicht gut. Ich bekam an dem Abend meine erste Akkupunktur, danach fühlte ich mich die erste Stunde besser, dann wurden die Schmerzen sehr stark. Mittwoch auf der Arbeit war es kaum zum Aushalten, hätte da zu Hause bleiben müssen, aber das fällt mir immer noch schwer. Nahm morgens um 4.30 und abends um 20 Uhr ein Triptan, Mittags und Abends dazu noch Novaminsulfon. Donnerstag und Freitag blieb ich zu Hause. Am Donnerstag fragte ich meinen Arzt, ob es eine Erstverschlimmerung sein könnte und ich mit der nächsten Akkupunktur lieber warten sollte, bis die Migräne besser würde. Er meinte, das gäbe es nicht und nein, er würde es jetzt für sinnvoll halten, wenn ich ja gerade Schmerzen hätte. Er ist Hausarzt und versucht es nach seinem besten Wissen denke ich… bin so froh, wenn ich endlich EINE feste Ansprechpartnerin habe, die sich auskennt, fühle mich oft sehr allein damit. Nach der zweiten Akkupunktur schlief ich nachmittags für fast vier Stunden – das war so komisch, das hatte ich noch nie: mein Kopf fühlte sich an, als würden elektrische Entladungen darin stattfinden, kann es nicht erklären. Mir war ganz schwindelig, obwohl ich lag, ich hatte das Gefühl „zu fallen“, habe Dinge gehört, die gar nicht da waren. Vielleicht war es auch die Einschlafphase mit Kreislaufproblemen? DAs war jedenfalls ganz verrückt. Gestern ging es mir mittelprächtig, noch leichte Schmerzen, heute wieder etwas stärker.

    Bin jetzt gerade auch unsicher, ob ich nochmal ein Medikament nehmen soll, angefangen haben die Schmerzen ja schon Dienstag Abend – das ist ja das komische bei mir, es hört danach nicht nach 72 Stunden auf.

    Nun meine eigentlichen Fragen:
    Ich habe gelesen, dass Akkupunktur oft wirkt, privat haben mir das unabhänig davon auch zwei Menschen gesagt. In den Leitlinien der DMKG ist es sogar aufgeführt. Was sind eure Erfahrungen? Ich weiß eben nicht, ob die Atacke auch ohne Akkupunktur so schlimm geworden wäre, werde ich auch nicht herausfinden. Im Internet liest man (wie bei so vielem) unterschiedliches. Es soll eine Erstverschlimmerung geben, es wäre ein Zeichen, dass der Körper auf die Behandlung gut anspringt und eine Besserung, manchmal erst nach 5-6 Sitzungen, zu erwarten wäre. Ich habe aktuell einfach nur Angst, dass es jetzt so schlimm bleibt, wenn ich nächste Woche Dienstag und Donnerstag damit weitermache. Ich habe mich ja Montag und Dienstag schon nicht so gut gefühlt, denke ich dieser Vorphase (?) hätte ich die Akkupunktur nicht machen sollen, lieber Ruhe. Meistens kann ich das dann aber auch nicht abwenden darüber.

    Bin nun sehr unsicher, will nicht zu früh aufgeben, wenn es mir vielleicht endlich hilft!? Was sind eure Erfahrungen? Bin sehr bedrückt gerade, weil ich das Gefühl hatte schon weiter gewesen zu sein – auf der anderen Seite ging es mir ja zwei Tage VOR der Akkupunktur schon nicht gut.

    Insgesamt frage ich mich oft, ob meine Migräne aus eine Art Erschöpfung entstanden ist. Lange Zeit hatte ich nur das Gefühl des Erschöpftseins und leichten bis mittelstarken Druck auf der Nasenwurzel und Stirn, im Vgl. zu jetzt ohne Schmerzen. Eine Bekannte machte mich auf das chronische Erschöpfungssyndrom aufmerksam – hat jemand hier schon einmal den Zusammenhang gehört?

    Und ein letzter Punkt noch: ich habe das PCO Syndrom, deswegen nehme ich seit dem 20. Lebensjahr die Pille. Bislang dachte ich immer, das könne nicht sein – aber wenn man viel liest, könnte man auch hier Zusammenhänge herstellen. Bei dem PCO ist der Hormonhaushalt gestört, der durch die Pille ausgeglichen wird, vor allem was die Androgene betrifft. Migräne ist ja nun auch stark hormonabhängig. Mir ist aufgefallen, dass sowohl im Zusammenhang mit PCO und bei der Migräne Progesteron erwähnt wird – ob das die Pille ausgleicht, weiß ich nicht. Einen Zusammenhang mit meienr Periode habe ich aber nicht festgestellt. Meine Frauenärztin kennt sich mit Migräne nicht aus, vielleicht kann die Neurologin in einem Monat etwas dazu sagen. Mittlerweile glaube ich, dass meine Migräne sehr sonderbar ist, es auch gar keine richtigen Auslöser mehr gibt… bzw. eine Generalisierung auf alle möglichen Reize stattgefunden hat. Ich frage mich sehr, was mein Befinden von Sonntag auf Montag zum Kippen gebracht hat – das Gesamte zu viel gewesen am Wochenende..?

    Ich würde mich freuen, wenn der oder die ein oder andere vor allem ihre Erfahrungen mit der Akkupunktur schildern könnte. Tendiere derzeit sehr dazu, am Dienstag nicht noch einmal hinzugehen und es evtl. noch einmal zu versuchen, wenn es wieder stabiler ist.

    Liebe Grüße, Sommersonne

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Monate, 2 Wochen von  Sommersonne.
    Elfe
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 66

    Liebe Sommersonne,
    also ich kann von ähnlichen Erfahrungen berichten.
    Ich war im Laufe von Jahrzehnten bei mehreren Akupunkteuren (mit gutem Ruf) und habe eher eine Verschlimmerung der Migräne durch diese zusätzlichen Reize erlebt.
    Diese Erschöpfung und Überempfindlichkeit, wenn man jahrelang chronische Schmerzen hat, ist mir auch vertraut.
    Es ist sehr schwierig, sich nicht zu überfordern und gleichzeitig den Lebensunterhalt selbst verdienen zu wollen.
    Ich habe großes Mitgefühl mit dir!
    Viele Grüße,
    Elfe

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5663

    Liebe Sommersonne,

    ich selber habe bei mir noch nie Akupunktur machen lassen und werde es auch nicht. Es gibt eine Studie, in der die Behandlung auf zweierlei Arten durchgeführt wurde: Einmal klassisch, von Fachleuten an den speziellen Akupunkturstellen gestochen, einmal „irgendwo“ gestochen. Das Ergebnis der Behandlung war so gut wie gleich.

    Deshalb gehe ich davon aus, dass es mehr das Drumherum ist, das wirkt: Man geht mit Hoffnung auf Besserung hin, nimmt sich bewusst Zeit, entspannt sich, es wird sich liebevoll um einen gekümmert – all das tut gut und kann an sich schon eine positive Wirkung auf ein Schmerzgeschehen erzeugen.

    Ein wenig allergisch reagiere ich allerdings auf das Wort „Erstverschlimmerung“. Das muss nämlich auch oft herhalten, wenn eine Methode wirkunglos ist bzw. wenn es dem Patienten danach sogar ein wenig schlechter geht (was ja jederzeit, völlig unabhängig von irgendeiner Therapie, möglich ist). Damit man der Therapie nicht die Schuld gibt, stellt man das als normale Reaktion hin, um den Patienten bei der Stange zu halten. Ich möchte betonen, dass das sein kann, nicht muss, doch ich bin in solchen Dinge eher eine Skeptikerin.

    Wie Elfe schon sehr treffend schreibt, Erschöpfung ist oft eine Folge der Schmerzen. Und je mehr die Schmerzen den Schlaf und die notwendigen Ruhephasen beeinträchtigen, desto stärker wird die Erschöpfung werden. Eine ungute Abwärtsspirale.

    Grundsätzlich alle Reize können eine Migräne triggern. Wie stark man auf diverse Reize anspricht, ist völlig unterschiedlich. Wenn es zu viele werden, wenn das „Reiz-Fass“ überläuft, kommt es zur Attacke. Der letzte Reiz war dann einfach zu viel, was für einer das auch gewesen sein mag.

    Es gibt Reize, die füllen das Fass schneller. Kennt man diese, kann man dort gezielt ansetzen. Doch insgesamt würde ich mich auf der Suche nach Auslösern nicht ständig beobachten und hinterfragen, das erzeugt nur Stress. Eine gewisse Gelassenheit ist hilfreicher.

    Lieber Gruß
    Heika

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28031

    Liebe Sommersonne,

    Akupunktur hat keine Wirkung über Placebo. Wenn sich eine vermeintliche Verbesserung einstellt, dann über das Setting, die Entspannung, die positive Erwartungshaltung usw. Eine direkte Wirkung durch die Nadeln gibt es nicht. Placebo wirkt halt besser, je invasiver und je teurer eine Therapie ist. Dazu gibts sogar Studien.

    Erstverschlimmerung ist ein Unwort, eigentlich eine Frechheit. Damit kaschiert jeder Handlanger im Gesundheitswesen sein Unvermögen und lässt sich dafür auch noch feiern.

    Migräne ist eine progredient verlaufende Erkrankung, daher muss es keinen Grund in dem Sinne geben, dass die Frequenz zunimmt. Denke an bewährte Entspannungsverfahren, Stressminimierung soweit möglich und die sonstigen Empfehlungen, die für Schmerzpatienten gelten.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Sommersonne
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 11

    Hallo zusammen,

    ich habe es nun sein gelassen mit der Akkupunktur. Zu heftig war die Erfahrung danach, auch wenn es vielleicht auch ohne die Akkupunktur so schlimm geworden wäre…

    Momentan befinde ich mich wohl wieder in einer Vorphase der eigentlichen Migräne. Montag und Dienstag waren top, ich würde sogar sagen, dass ich schmerzfrei war… seit gestern Abend bin ich nun wieder so erschöpft, völlig platt und Gliederschmerzen… das habe ich oft vor einer Migräne – ist also keine Erschöpfung von den Schmerzen sondern Ankündigungszeichen. Heute war dann noch ein total stressiger Tag auf der Arbeit und der Rückweg hat mal wieder 1,5 Stunden reine Autofahrt gekostet. Meinen Freund habe ich nun nicht mehr gesehen, er ist schon wieder verabredet – mir fehlt dafür gerade völlig die Kraft bzw. merke ich am Hinterkopf wie der Schmerz bald losgehen wird. Ich habe noch nichts gefunden, was die Attacke hier noch stoppen kann. Im Prinzip verläuft mein Schmerztagebuch in „Wellen“: wenn ich Glück habe gar kein Schmerz oder in der Regel leichter, der dann über ein bis zwei Tage stärker wird, 2-3 Tage sehr stark ist und dann wieder abklingt… dann gehts wieder von vorn los, so dass ich fast immer 1x je Woche diese starken Schmerzen habe. Die Erschöpfung habe ich also nicht durch die Schmerzen, sie kommen VOR den Schmerzen. Ich erinnere mich, dass ich diese vor Jahren auch schon hatte, OHNE Migräne im Anschluss, nur etwas Halskratzen. Ich komme mir immer sonderbarer vor…

    Kennt ihr das eigentlich, dass ihr neidisch werdet, vor allem auf nahestehende Personen, dass sie so unbeschwert alles unternehmen können? Mein Freund zum Bsp. hat heute morgen eine Stunde länger geschlafen, war fast drei Stunden vor mir zu Hause, hat sich ausgeruht und war dann schon wieder mit Freunden unterwegs, als ich nach Hause kam. Ich habe die lange Fahrtzeit zur Arbeit in Kauf genommen, damit wir zusammenwohnen können. Diese jedoch verschlimmert meine Migräne noch mehr, so dass mir nicht zu Zeit sondern auch die Kraft dafür fehlt, hier im neuen Umfeld neue Menschen kennenzulernen. Ich versuche dieses Gefühl nicht zu spüren, weil ich mir gemein vor komme – aber es macht mir so unglaublich traurig und belastet mich so sehr – auch die Beziehung, weil er es spürt. Ich habe das Gefühl, manchmal – nicht bewusst und schon gar nicht böswillig, so meine ich das nicht- dass er manchmal oder derzeit besonders viel unterwegs ist, weil es ihn unterbewusst böse macht, traurig, dass wir fast gar kein Sozialleben mehr haben. DAs ist total verständlich, aber ich bin mittlerweile so tief gefrustet, dass ich dann richtig wütend ihm ggü. werde – was ungerecht ist, das weiß ich. Ich habe diesen Umzug selbst vorgeschlagen… ich bewerbe mich ja auch, auch wenn ein Jobwechsel auch eine Belastung wäre – und in einem Jahr ziehen wir dann ja wahrscheinlich aufgrund seiner Versetzung als Lehrer schon wieder um… aber ich kann einfach nicht mehr, ich KANN das FAhren nicht mehr, es macht mich fertig.

    Entschuldigt dieses Jammern – hatte mir das eigentlich zu Herzen genommen, trotz Schmerzen das Leben zu genießen – woher dieses große Problem des Gefühls der Ungerechtigkeit kommt, versuche ich ja schon mit meiner Psychologin zu erarbeiten, also eigentlich versuchen wir eher den Umgang damit zu ändern – trotzdem, jetzt gerade ist er weg… er erwähnt es auch überall, für mich fühlt sich das immer an wie „guck mal, wenn du das alles nicht machen kannst, lasse ich mir meine Lebensfreude trotzdem nicht nehmen…“ Ich bin wütend und unglaublich traurig, ich finde einfach keinen Rat dagegen…

    Liebe Grüße und entschuldigt das Abschweifen vom Thema…

    Sommersonne

    SteffiN
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 46

    Liebe Sommersonne, ich kann dich gut verstehen! Mein Freund ist auch Lehrer (deiner auch, oder?) und IMMER vor mir zuhause. Besonders hart ist es, wenn er die 6 Wochen Sommerferien hat, das entspricht ja dem gesamten Jahresurlaub von uns „normalen“ Arbeitnehmern. Also ich kenne auch dieses Neidgefühl, ganz klar. Aber ich habe für mich eine klare Antwort darauf: Ich hätte ja, wenn ich gewollt hätte, selbst Lehrerin werden können – niemand hat mich daran gehindert, ich wollte es bewusst nicht. Und wäre ich es geworden, hätte ich mit der Migräne jetzt ein riesiges Problem, denn was mein Freund aus seinem Alltag berichtet, ist für mich ein einziger Alptraum aneinandergereihter Auslöser: Lärm, ständige Reizüberflutung, keine Minute um durchzuatmen, ständig unter Beobachtung von Schülern, keine Flexibilität um bei Migräne eher zu gehen oder sich ne Stunde zurückzuziehen, den ganzen Tag reden müssen. Ich hingegen habe Ruhe, kann mich zurückziehen im Büro, kann bei Schmerzen auch mal Stunden lang mit keinem reden und ruhig vor mich hinarbeiten, kann eher gehen oder zum Arzt da Gleitzeit. Sieht dein Job ähnlich aus? Sollte er ebenso stressig sein wie der Lehreralltag, ist das natürlich kein Trost für dich. Die Fahrtzeit geht natürlich gar nicht bei dir. Da ist eine totale Schieflage bei euch – du ziehst zu ihm und hast die lange Fahrtzeit ZUSÄTZLICH zu deinen ohnehin schon viel längeren Tagen als seinen. Ich sehe da nur eine Lösung: In deine Richtung ziehen, so dass du maximal eine halbe Std pro Strecke fährst. Zur Not auseinanderziehen. So wie es jetzt ist, wird es dich kaputt machen, erst recht durch den täglichen Vergleich mit seiner vielen Freizeit.

    Sommersonne
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 11

    Ich fühle mich auch einfach ganz oft so hilflos und allein mit der Migräne. Mein Freund zieht sich sofort von mir zurück, distanziert sich körperlich und emotional, wenn er auch nur ansatzweise merkt oder ich sage, dass es mir nicht gut geht. Habe schon mehrfach gesagt, dass ich ihn eigentlich gerade dann brauche… aber ich glaube er kann es nicht mehr. Ich neige schnell dazu, Angst um die Beziehung zu haben, aber die letzte Zeit war so belastend, dass ich tatsächlich oft Angst darum habe. Meine komplette anfängliche Euphorie ist völlig ins Gegenteil umgeschlagen. Die Migräne hat eine extreme Distanz zwischen uns geschaffen. Ich falle gefühlsmäßig an den schlimmen Tagen in so ein schlimmes Loch, dass ich meine Gefühle ihm auch oft mitteile, das überfordert ihn.

    Besonders an Tagen wie heute, wo ich emotional bin und unglücklich, möchte ich einfach in meine Heimatstadt, Münster zurück, nach Hause. Ich komme mir vor wie ein kleines Kind, aber mir fehlt das alles SO sehr.

    Morgen früh habe ich einen Termin bei einer Amtsärztin oder so ähnlich, wegen meinem Antrag für einen Klinikaufenthalt. Auf was muss ich mich da einstellen?

    Entschuldigt nochmals, meine negativen Sätze gerade, ich weiß nur nicht, wo ich es sonst gerade loswerden kann ?

    Nochmals viele liebe Grüße

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Monate, 2 Wochen von  Sommersonne.
    Sommersonne
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 11

    Hallo Steffi,

    ich heiße übrigens auch Steffi ? …ja, da hast du Recht, ich hätte auch den Beruf ergreifen können. Bei mir ist es derzeit so, dass ich in einem Großraumbüro sitze, selten mal 10 Minuten ungestört, da eigentlich ständig Kollegen etwas von mir wissen wollen. Das positive daran ist, dass es nicht auffällt, wenn ich mal eine halbe Stunde weg bin, zum Bsp. auf Toilette (leider der einzige Ort, an dem es nicht auffällt). Ich arbeite in einem großen und bekannten Konzern, ich hätte vor einem Jahr ein Jobangebot bei ihm annehmen können, aber ich wollte nicht (wie schon in einer vorherigen Beziehung) wieder „alles“ aufgeben, nicht erst nach wenigen Monaten nach Einstieg in das Unternehmen. Daher sind wir dann in die „Mitte“ gezogen, was für ihn 35 Minuten fahrt ist, bei mir im besten Fall 55 (morgens) und 1 Stunde und 10 Minuten abends. Ich stehe morgens um halb sechs auf, fahre um sechs und bin abends um ca. 18.30 wieder zu Hause. Ich habe mich damals nicht getraut, die längere FAhrtzeit für ihn einzufordern, das bin leider typisch ich… ich weiß, dass ich daran arbeiten sollte… aber damals meinte er schon, dass es ja schon auch deutlich weiter für ihn wäre, das war seine Grenze… ich habe die Fahrerrei unterschätzt.

    Ich habe mich SO sehr darauf gefreut, hierher zu ziehen und gemeinsam etwas aufzubauen, doch die Migräne wurde immer schlimmer. Ich bin vorher 35 Minuten je Weg gependelt und dachte das bisschen mehr merke ich nicht – Fehlanzeige, vor allem das Stehen im Stau nervt. Er macht noch diese Klasse zu Ende, ist seine erste nach dem Referendariat, im Sommer kommen „seine“ Kids in die vierte Klasse, daher kommt ein Umzug erst nächstes Jahr in Frage. Klar habe ich auch schon daran gedacht, allein umzuziehen, damit würde ich ja auch ein wenig festlegen wohin… aber mich macht es noch trauriger. Ich weiß, manchmal laufen die Dinge anders als geplant, aber ich fühle mich so dermaßen als Versagerin derzeit, wenn ich jetzt auch noch allein zurückziehe, wie traurig ist das denn ? Mich belastet vor allem diese Ungewissheit, wohin es nächsten Sommer geht. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich an MÜnster hänge, damit bin ich von Anfang an offen umgegangen und seine Antwort war, dass er ja auch unbedingt schnellstmöglich ins MünsterLAND zurück möchte. Seine Versetzungantrag (den ehr pro forma gestellt hat, er hatte mit Ablehnung gerechnet) hat er damals beim Thema Umzug abgelehnt. Jetzt vor kurzem sagte er, ich hatte es vorher schonmal gedacht, als wir in dem Dorf waren – dass er sich sogar vorstellen könnte in seine alte Heimat, zurückzuziehen… ein Dorf, 40 Minuten von Münster… da kann ich auch fast hier bleiben, jetzt sind es eine Stunde, zehn Minuten, wenn man am Wochenende gut durchkommt. Vor allem wäre mein Elternhaus genauso weit weg wie jetzt, etwas mehr als eine Stunde… er hat damals immer gesagt, dass ihn in seiner Heinmat aus seiner Kindheit nichts mehr bindet… klar, Dinge ändern sich. Ich fühle mich so hilflos, Ich weiß, ich bekam schon öfter den Rat, weniger zu denken, aber für mich ist das wichtig. Unsere Beziehung lief in letzter Zeit auch nicht sooo Rund, so dass ich es vor dem Sommer nicht mehr ansprechen wollte, dann muss er sich langsam umsehen oder wollte es.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Monate, 2 Wochen von  Sommersonne.
    SteffiN
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 46

    Das ist ja verrückt, witzig. Du heißt auch Steffi und mein Freund stammt auch aus Münster 🙂 Er hängt ebenfalls sehr an der Stadt, das scheint bei euch Münsteranern einfach so zu sein 😉 In unserem Fall wohnen wir näher bei meinen Eltern und pendeln von hier jeder eine halbe Std zur Arbeit. Dein Job kling tatsächlich anstrengender als meiner. Ich bin bei einer öffentlichen Verwaltung und war vorher in der Privatwirtschaft, das war doch eine andere Taktung. Bei dir kommen nun natürlich viele Faktoren zusammen – das Pendeln, der anstrengende Job, der Vergleich zu deinem Freund, der immer eher Schluss hat, und der Druck, den du dir machst, weil er von deiner Migräne genervt ist. Plus noch der Druck der ungewissen Zukunft, wo geht es hin usw.

    Ich kenne es teilweise auch von meinem Freund, dass irgendwann das Verständnis schwindet, wenn sich alles nur noch um die Migräne dreht. Ich bin nämlich, ähnlich wie vermutlich du, in der Hinsicht ein panischer Mensch und neige dazu, die Kopfschmerzen ständig zu thematisieren und ständig darüber zu reden. Das nervt ihn dann, und da hat er auch recht, denn es wird nicht besser durch das ständig darum kreisen. Aber dass er sich körperlich distanziert, wenn es dir schlecht geht, ist alles andere als schön, denn es wirkt doch deutlich wie eine Bestrafung. Ich bin mir sicher, dass deine Migräne aktuell so eskaliert, weil du dich unglaublich unter Druck setzt, auch hinsichtlich der Beziehung. Und je mehr wir wollen, dass die Migräne kontrolliert verläuft, desto mehr verläuft sie eben genauso nicht.

    Ich glaube, du musst mehr für deine Interessen eintreten und notfalls auch unbequeme Entscheidungen treffen. Sprich, rede mit deinem Freund und mach ihm deutlich, dass du dich langfristig in Münster siehst. Sollte er sich dazu nicht klar bekennen können, musst du schauen, ob die Beziehung so Sinn macht für dich. Und stell dein Schuldgefühl ab, wenn es dir schlecht geht und ihr zusammen nichts unternehmen könnt. Er hat daran einen gewissen Anteil, wenn er dich spüren lässt, dass er dich weniger mag wenn es dir schlecht geht. Das ist sicherlich eine riesen Förderung von Migräneattacken!

    Sommersonne
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 11

    Haha, tatsächlich lustig! 😀 Ich bin ursprünglich gar nicht in Münster geboren, aber mit 19 dorthin gezogen und habe dort eigentlich erst so richtig angefangen zu leben und mir etwas aufzubauen. Mir ist es früher eher schwerer gefallen, neue Freundschaften aufzubauen, denke ein Grund mit dafür, dass ich die Stadt so lebenswert finde, vielleicht verstehen das wirklich nur Münsteraner 😉

    Die Punkte hast du echt gut zusammengefasst und sind sicher kleine Verstärker der Migräne.

    Mein Job ist mal entspannter, mal stressiger – stressiger an Tagen mit vielen Meetings und „Gewusel“, plane und führe hin und wieder eben auch Mitarbeiter-Events durch, das ist eigentlich immer eine Garantie für die nächste Migräne. Im Prinzip ist es ohnehin Zeit daran, zu gehen – der Job ist zwar auch oft cool, aber die Lautstärke und der Stress tut zur Migräne sein übriges. Mein Job entspricht auch nicht ganz dem was ich studiert habe… daher kam mein Gedanke, für das letzte Jahr, bevor wir gemeinsam umziehen hier noch einen JOb zu finden, um endlich mal Berufserfahrung nachweisen zu können und dann, wenn wir „final“ umziehen, einen guten Job vor Ort zu finden – jedoch gestaltet es sich mit der mangelnden Berufserfahrung sehr schwer, inzwischen sind es über 50 Bewerbungen – an solchen Tagen denke ich dann oft daran, dass er hätte wechseln können, es aber zu der Zeit nicht wollte. Ich möchte ja auch, dass er tun kann, was ihm wichtig ist. Aber mit 33 wollte ich nun auch nicht noch 2 – 3 Jahre warten, bis wir mal zusammenziehen.

    Ja, es stimmt. Ich bin am Wochenende bei einer Freundin in Münster auf eine Geb.party eingeladen, natürlich möchte ich dahin, auch wenn ich weiß, dass die Migräne vorprogrammiert ist, wenn sie es nicht schon vorher unmöglich macht. Er wollte gestern dann schon seiner Mutter Bescheid sagen, dass ich bei ihr schlafe, aber ich kann drei Tage vorher nicht wissen, ob es geht…

    Ich denke sein Rückzug rührt zum Teil auch daher, dass er die Erfahrung gemacht hat, sprich gelernt hat, dass ich immer dann, wenn ich Migräne habe, schnell „böse“ zu ihm werde, er sich verletzt gefühlt hat. Daran arbeite ich, aber meine Deprimiertheit, zumindest die kann ich einfach nicht verstecken. Wenn er krank ist, tut er oft so, als wäre nichts und reißt sich zusammen. DAs habe ich in der Vergangenheit auch oft gemacht, bis zu einer gewissen SChemrzgrenze – geht aber inzwischen einfach nicht mehr. Ich glaube da fehlt ihm das Verständnis – zu einen, und zum anderen sagte er auch mal, dass er einfach völlig überfordert ist mit allem. Das tut mir dann wieder weh, ich bekomme richtigen Hass auf die Migräne – und irgendwie dann auch auf mich. Er ist aber auch allgemein jemand, der er weghört, wenn ich etwas negatives sage… er ist superlieb und auch emotional – vielleicht genau deswegen reagiert es so, als Selbstschutz. Es geht seit Monaten nur noch darum. Gemeinsame Erlebnisse sind stark eingeschränkt worden. Gleichzeitig sind KOnflikte gewachsen. Dabei liebe ich ihn sehr. Und ich denke trotz allem liebt er mich auch noch sehr.

    Wegen der Interessen bin ich sehr in einem Konflikt: ich habe es schon recht zeitnah nach dem Einzug hier und zum Jahresende nochmal gesagt, dass ich nach MÜnster zurück möchte. Ich glaube, ihn zerreißt das auch derzeit, weil es merkt, dass er eigentlich doch auch in seine Heimat, zu seiner Familie zurück möchte.

    Ich habe damals über das Internet gezielt nach jemandem im Umkreis von 8 km um Münster gesucht. Das mögen viele belächeln und nur wenig verstehen, das war mir aber egal. Es war mit das wichtigste im Sinne von Achtsamkeit (habe früher schon einmal eine Therapie gemacht, aber das Thema ist abgeschlossen 🙂 ), das ich mitgenommen habe. Ich habe trotzdem zwei mal Mänenr gedatet, die ein bisschen (!) weiter wegkamen. Es hat vermutlich auch anderes nicht gepasst, aber sofort in einer anderen Stadt habe ich gespürt, es geht nicht. DANN habe ich ihn getroffen und plötzlich war es egal. Es klingt etwas schnulzig, aber es war eben so. Die 130 km waren egal, jeder Besuch wie ein Urlaub. Er hat mir vom ersten Tag an das Gefühl gegeben, dass er zu mir ziehen würde, wahrscheinlich ging es deswegen und ich hab die Zeit einfach genossen. Dann kam es eben anders… das hat mir einen Kacks gegeben… das Gefühl schlich sich ein, dass er dort vielleicht „nie“ weg möchte. Es klingt vielleicht überspitzt, aber einer der HAUPTgründe, warum ich meinen Exfreund kurz vor der Hochzeit verlassen habe, war, dass ich in SEINER Stadt, und das waren nur 25 km von Münster entfernt, einfach nicht glücklich wurde. Das lag auch daran, dass ICH wenig dafür getan habe, mir dort etwas aufzubauen, was in eienr Kleinstadt sicher schwieriger, aber ja auch nicht unmöglich gewesen wäre… es klingt übertrieben, aber es war damals wichtig… diese Angst kam dann beim Thema Zusammenziehen in dieser Beziehung wieder auf. Weil ich plötzlich wusste, wenn er mir in zwei oder drei Jahren sagt, dass er doch nicht wegziehen will, WAS dann? Mit Mitte 30… ich weiß, zu viel gedacht, aber ein bisschen Realität ist es ja, dass Frau nicht ewig Kinder bekommen kann. Erlebe ich das von damals dann nochmal? Ich verstehe völlig, wenn das kaum jemand nachvollziehen kann, aber es sind meine Gefühle… ich kann nichts dagegen tun, sie halten mich fest, hartnäckig und immer wieder…

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5663

    Liebe Sommersonne,

    für ein einziges Jahr noch zu wechseln, ist auch herausfordernd. Denn die Einarbeitungszeit ist ebenfalls stressig und bis du richtig drin wärst, wärst du fast schon wieder draußen. Wobei ich sehr gut verstehen kann, dass du die langen Fahrzeiten nicht mehr auf dich nehmen möchtest.

    „Ich denke sein Rückzug rührt zum Teil auch daher, dass er die Erfahrung gemacht hat, sprich gelernt hat, dass ich immer dann, wenn ich Migräne habe, schnell „böse“ zu ihm werde, er sich verletzt gefühlt hat. Daran arbeite ich, aber meine Deprimiertheit, zumindest die kann ich einfach nicht verstecken.“

    Frag ihn doch direkt, ob er sich deswegen zurückzieht, weil du in einer Attacke nicht so gut drauf bist. Das offene Gespräch ist so wichtig!

    Ich selber habe mich während meiner Migräneattacken immer total zusammengerissen und war wie immer. – Meine Wahrnehmung. ?
    Mein Mann und meine Kinder erleben mich ungeduldig und gereizt. – Ihre Wahrnehmung. ?
    Meine Kinder haben mal gesagt, dass es ihnen viel lieber ist, wenn ich ihnen sage, dass ich Migräne habe, weil sie dann meine Gereiztheit nicht auf sich persönlich beziehen, sondern wissen, dass es die Migräne ist und sie mich jetzt besser in Ruhe lassen.

    Man muss den optimalen Weg miteinander suchen. Für mich ist es z.B. auch keine Hilfe, wenn mir in so einer Situation beim Kochen Hilfe angeboten wird. Denn diese ist immer mit Fragen verbunden „Wo hast du…?“ oder „Wie soll ich…?“ Das ist mir alles bereits zu viel. Dann lieber ganz alleine und in Ruhe.
    Dass mir während der Migräne jemand das Kochen vollständig abnimmt und ich mich währenddessen auf die Couch legen und mich dann an den fertig gedeckten Tisch setzen kann, daran arbeiten wir noch. ? Schon laaaange. ? ?

    Du solltest auch im Gespräch klären, was ihn denn genau überfordert. Besteht das Problem darin, dass er sich insgesamt nicht mit der Schwere deiner Erkrankung abfinden kann, müsst ihr das offen ansprechen. Auch wenn sich deine Migränesituation bessert, verschwinden wird sie nicht.
    Ob es ein Selbstschutz von ihm ist, müsst ihr klären, denn ein Partner muss die Krankheit des anderen immer mittragen, und solltet ihr einmal Kinder haben, wird das Ganze nicht einfacher, das muss man im Vorfeld realistisch bedenken.

    Deine Gedanken, wie wichtig dir dein geliebtes Münster ist, sind durchaus nachvollziehbar. Eine liebe Freundin von mir zog nach der Hochzeit aus ihrer sehr geliebten Heimat in die weit entfernte Heimatstadt ihres Mannes und war dort absolut unglücklich. Sie versuchte, Beziehungen aufzubauen, doch es blieb äußerst schwierig. Sie war die „Zugezogene“. Die beiden lösten das dann so, dass sie gemeinsam in eine völlig fremde Stadt zogen. Da hatte niemand sein Zuhause in der Nähe, sie mussten beide neu anfangen und haben es wirklich gut gemeistert, ihre Kinder großgezogen, Fuß gefasst.
    Jeder wohnt ungefähr gleich weit weg zu seiner Heimatstadt, keiner ist also bevorzugt und gegenseitige Neidgefühle können nicht aufkommen.

    Insgesamt ist die ganz große Frage für dich: Was hält unsere Liebe alles aus?
    So sehr ich deinen Kinderwunsch auch nachvollziehen kann, sollte er nicht die treibende Kraft sein, aktuell bestehende Probleme kleinzureden, denn die könnten vielleicht später als großer Bumerang zurückkommen.

    Es ist grad wirklich nicht einfach für dich. Ich wünsche dir bei allen Überlegungen und allem Abwägen und Entscheiden, dass du den richtigen Weg für dich findest.

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Monate, 2 Wochen von  heika.
    Indie
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 158

    Hallo Sommersonne,

    Die Erschöpfung habe ich also nicht durch die Schmerzen, sie kommen VOR den Schmerzen. Ich erinnere mich, dass ich diese vor Jahren auch schon hatte, OHNE Migräne im Anschluss, nur etwas Halskratzen. Ich komme mir immer sonderbarer vor…

    Erschöpfungsanfälle und Gliederschmerzen habe ich auch im Zusammenhang mit Migräneattacken. Nicht jedes mal sondern eher so phasenweise. Gleiches hatte ich aber ebenfalls auch gelegentlich in der Vergangenheit ohne Migräne sondern eher in Verbindung mit Infekten. Interessanterweise habe ich aber, seit ich soviel Migräne habe, keine Infekte mehr. Dann wären wir also mit dieser „Sonderbarkeit“ schon zu zweit ?

    Akupunktur hat mir auch nicht geholfen. Ich hatte bestimmt zehn Behandlungen. Sogar auf Krankenkassenkosten. Das darf man eigentlich nicht laut sagen, dass meine Kasse so einen Mist unter bestimmten Umständen bezahlt.

    woher dieses große Problem des Gefühls der Ungerechtigkeit kommt, versuche ich ja schon mit meiner Psychologin zu erarbeiten

    Naja irgendwie IST es ja auch unfair, dass die einen Menschen gesund und unbedarft wie die Lämmchen über die Wiese hüpfen und andere Menschen krank oder in Armut oder Krieg geboren werden.
    Mir hat es geholfen mir klar zu machen, dass dieses unglaubliche Glück gesund zu sein bei weitem nicht auf die breite Masse der Menschheit zutrifft. Und selbst wenn man den Rahmen nicht so groß zieht und sich ein bisschen umsieht merkt man schnell, dass es viele Menschen mit chronischen Krankheiten (MS, Schmerzerkrankungen usw.) oder auch psychischen Krankheiten gibt, die auch sehr einschränkend sind.
    Und wenn ich ganz ehrlich bin, war ich auch als ich noch wenig Migräne hatte und tun und lassen konnte was ich wollte immer wieder unzufrieden. Die Freude über einen schönen Spaziergang ist mindestens so groß wie früher, wenn ich eine tolle Reise gemacht habe. Verstehst du was ich meine?
    Ich habe auch viele Monate mit Neid auf „die Gesunden“ gekämpft. Jetzt frage ich mich viel öfter „was kann ich jetzt gerade tun, damit ich mich gut fühle“. Und das sind oft schon ganz kleine Dinge, wie eine Tasse Tee trinken oder in einem guten Buch versinken.
    Aber das hat gedauert, das kommt nicht von heut auf morgen.

    Liebe Grüße

    Sommersonne
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 11

    Guten Morgen zusammen,

    erst einmal: frohe Ostern ?

    Insgesamt habe ich das Gefühl, dass es mir etwas besser geht – vielleicht ist es auch nur meine grundsätzlich bessere Stimmung und Zuversicht.

    @indie: interessant! Wirklich! Das erste mal höre ich von jemandem, der es genauso geht. Ich habe rückblickend das Gefühl, dass ich zu Beginn, vor einigen Jahren erst nur die Gliederschmerzen und leichten Druck über der Nase hatte, keine ganz heftige Migräne. Eine Erkältung hatte ich in den letzten Jahren max. 1-2 mal. Erstaunlicherweise in der letzten Woche…

    Am Montag war ich bei meiner Psychologin, der ich begeistert erzählt habe, dass es mir etwas besser geht, ich das WE in Münster war und es sogar genießen konnte… dass mir dieses WE gezeigt hat, wie sehr ich mich verändert habe… negativ, pessimistisch, trautig, hoffnungslos – früher voller Lebensfreude, Euphorie und „Partymaus“. Am Montag Abend fing es an, dass ich mich schlapp gefühlt habe, Gliederschmerzen… war wegen dem Termin erst um 20.15 zu Hause, habe nur noch Kleinigkeiten erledigt und dann ins Bett. Am Dienstag dann starke Hasschmerzen, war trotzdem Abends noch auf dem Geb. eines Freundes meines FReundes: früher von der Arbeit gegangen, so dass ich um 18 Uhr schon zu Hause war, sind dann eine halbe Stunde später los, nochmal 40 min Fahrt zu ihm und nachts um 23.30 auf den Rückweg gemacht. Ich wusste, dass ich eigentlich auf meinen Körper hören müsste, Ruhe. Aber meine Beziehung leidet seit Monaten so stark darunter, dass ich mit meiner Psychologin besprochen habe, dass es manchmal auch eine „Abwägungssache“ ist, trotdem Dinge zu tun, die mir gut tun. Das hat mir das WE auch gezeigt: Sonntag null Kopfschmerzen, ich war entspannt und glücklich.

    Mittwoch und Donnerstag habe ich mich so durch die Arbeit gequält: Schlafmangel udn krank. Mir war klar, und das zog mich schon auch runter, dass ich wahrscheinlich auch Migräne bekomme – hab das Gefühl, sobald mein Körper oder meine Psyche minimal belastet sind, in diesem FAll der Infekt –> Migräne. Es war schwer, meine gute Laune zu behalten, aber es ging halbwegs. Irgendwie könnte es ja auch ein gutes Zeichen sein, dass ich nach Jahren mal wieder einen „normalen“ Infekt anstelle einer Migräne bekomme? Klingt erstmal komisch… oder es war einfach heftiger als sonst.

    Nunja, hab viel Schmerzmittel genommen, Donnerstag Abend haben mein Freund und ich gegrillt, Freitag morgen ging es mir nach 10 Stunden Schlaf super, zwar noch Husten und Nase-laufen, aber minimal. Hab mich fit gefühlt, zu Hause Kleinigkeiten gemacht, eine Überraschung zu Ostern für meinen Freund vorbereitet. Wir haben rumgealbert, es war schön ? Freitag Abend bekam ich plötzlich wieder starke Gliederschmerzen, fing an zu frieren, so dass ich mich trotz der Bemerkung meines Freundes „ist erst 22.30, haben Urlaub“ (hat er humorvoll und neckisch gesagt, aber weiß, dass ihn das stört) schlafen gelegt habe. Wurde um 3 Uhr wach und schlief danach nur noch schlecht, mit Husten und „diesem Gefühl im Kopf“ – kennt ihr das, wenn noch keine starken Schmerzen da sind, aber ihr im Kopf eindeutig spürt, die Migräne ist da/kommt?

    Samstag/gestern morgen ging es mir nicht so blendend, Stimmung im Keller und matschiges Gefühl. Ich sagte es in ganz normalem Ton meinem Freund. Er schlug vor, dass wir dann erst später nach Essen fahren könnten. Er hatte mir zu Weihnachten einen schönen Tag dort geschenkt: morgens dort frühstücken, shoppen, in einen Park, abends Essen gehen und dann ins Musical. Ich war etwas bedrückt, weil es ja sein Geschenk war, wir kaum noch etwas machen und unsere Bezeihung gemeinsame schöne Erlebnisse UNBEDINGT wieder braucht, damit sie nicht bald zerbricht. Dennoch: in der Vergangenheit hat vor allem mein „dramatisieren“ dazu geführt, dass solche TAge so schief liefen/im Streit endeten. Ich fand seinen Vorschlag gut, legte mcih noch etwas hin und fragte ihn dann doch schon eine Stunde früher als vereinbart, ob wir nicht fahren wollen ? Er reagierte total gereizt, ich solle doch mal wissen was ich will – immer diese „Entscheidungsfreudigkeit“ – dieser genervte Tonfall verletzt mich so oft. Ich hatte auch gedacht, wenn wir das shoppen weglassen, wäre das nciht so ein Drama für ihn, mag er nicht so.

    Später vor Ort im Park bat ich darum, dass wir uns doch einen schönen Platz im Schatten zum picknicken suchen, da ich die Sonne und die Bewegeung nicht haben könne. In der Stadt waren wir noch kurz, er fing an zu fluchen, laut vor allen auf der Rolltreppe, weil wir den Ausgang nicht direkt fanden. Er wird nicht gewalttätig, weiß Gott nicht, er ist ein super-lieber, aber sowas hat er manchmal, lautes Fluchen. Er sagte dann später nicht normalem Ton, dass er doch traurig wäre, er wollte auch noch was für mich zu Ostern besorgen in der Stadt. Wir aßen dann bei Subway, weil die Zeit für einen Restaurantbesuch zu knapp war. Mir brach das alles so das Herz, ich kann gar nicht sagen, WIE traurig ich bin. Unsere Liebe war mal so romantisch. Im Theater später meinte er, ihm würde nichts fehlen, er hätte aber den Eindruck, mir langsam… ich sagte ja, schon einiges… später zu Hause sagte ich ihm, musste dann endlich heftig weinen, dass der schönste Moment seit den letzten Wochen im Theater war, als er meine Hand nahm (weil er sich schlecht fühlte). Er meinte auch vorher noch, dass wir tatsächlich fast nichts mehr unternommen haben in letzter Zeit. Mich trifft das gerade so sehr. Vor allem, weil ich es so oft spüre, dass ihn alles belastet, war er hier quasi „zugab“, aber immer sagt es wäre nicht so. Vielleicht bilde ich mir auch nur ein, dass die Migräne besser wird ? Ich sehe halt kleine Schritte. Ich möchte gerade einfach weg hier, seine Liebe fehlt mir so sehr. Ich kämpfe wirklich und versuche mich selbst nicht mehr so runterziehen zu lassen, wenn es mal schlechter ist, aber er tut es.

    Er sitzt fast immer mit verschränkten Armen neben mir, auf der Couch, im Auto, zu Besuch bei anderen… letztens sagte er, „immer willst du kuscheln“ – dabei finde ich, dass wir das sehr wenig tun. Er kommt nie an und küsst mich, berührt mich zärtlich. Klar, wir sind eben nicht mehr frsich verliebt, aber andere Paare, da legt der Mann auch mal den Arm um die Frau, nimmt ihre Hand… etwas besser wurde dies in der Vergangenheit, wenn ich wieder etwas mehr die alte bin. Ich kann gerade einfach nicht mehr.

    Kennt ihr diesen Konflikt, eure Bedürfnisse zu vertreten, aber mit chronischer Migräne nicht jeden zweiten Tag sagen zu wollen, was alles nicht geht? Inzwischen ist mein Freund glaube ich so „konditioniert“, dass er minimale kleine Sachen als Drama wertet ? Ich fühle mich so hilflos und traurig und allein damit. Ich liebe ihn.

    Musste mir das einfach mal von der Seele schreiben.

    Liebe Grüße

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Monate von  Sommersonne.
    Beatrice
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 127

    Hallo liebe Sommersonne,

    ich kenne die Gliederschmerzen und die verstopfte Nase auch, aber nur während der hormonell bedingten Migräne. Außerhalb meiner Tage hab ich das kaum. Währenddessen ging es mir aber vor allem früher so als hätte ich Fieber und eine starke Erkältung. Ich habe jahrelang mit Hormonen alles ausprobiert, weil ich bis zu 10 Tage Migräne am Stück hatte (vor, während und nach der Periode und dann nochmal 3, 4 am Stück zum Eisprung). Da kommt erst Ruhe rein, seitdem ich mich schweren Herzens zu einer Hormonersatztherapie durchgerungen habe :/ Aber wenigstens hilft es mir!

    Wegen deiner Beziehung: Es ist ja schwer was zu sagen, wenn man Leute nicht kennt, aber in manchen habe ich uns von früher wiedererkannt. Ich bin mit meinem Freund 11 Jahre zusammen und er kennt mich quasi nur so eingeschränkt.
    Trotzdem war es ein langer weiter Weg, bis wir beide so gut mit dem ganze umgehen konnten. Ich muss sagen, dass er von Anfang an toll war und ich nie auch nur ein genervtes Wort oder auch nur einen genervten Blick von ihm bekommen habe. Aber es gab eine Zeit, als es mir sehr sehr schlecht ging, da war er kurz davor, eine echte Depression zu entwickeln. Er hat sein Lebensglück von meinem Gesundheitszustand abhängig gemacht und das hat mir natürlich alles sehr schwer gemacht. Ich hab dann teilweise schmerzen stark überspielt oder ihn aufgemuntert weil er so mitgelitten hat. Irgendwann sind wir auf den Trichter gekommen, dass Reden das einzige ist, was uns wirklich helfen kann, also wirklich schonungslose Ehrlickeit. Daher würde mein Freund, so lieb es von deinem sicher gemeint war, nie auf die Idee kommen mir so einen stressigen Tag zu schenken. Die Enttäuschung für uns beide wäre vorprogrammiert.
    Wir machen quasi alles spontan. Wir schauen, wann im Kino ein guter Film läuft den wir sehen wollen und bei der ersten Gelegenheit an der es bei mir geht (kann auch mal 10 Tage dauern) sage ich ihm Bescheid und er sagt dann alles ab, was er an dem Abend vorhatte und wir gehen ins Kino. Unsere Freunde sind informiert und wissen, dass er absagt, wenn es uns zu zweit möglich ist mal was tolles zu machen.

    Wir haben einen sehr großen Freundes- und Bekanntenkreis, aber auch das hat gedauert, bis er wirklich auch gerne alleine ohne mich weggegangen ist. Ich fand es immer schlimm, mit einem Tropf neben mir auf der Couch zu sitzen sondern hab immer gesagt, dass unsere Beziehung nur funktioniert, wenn er trotzdem ein eigenes Leben hat. Es war mir wichtig, dass wir füreinenander immer eine Bereicherung sind und keiner dem anderen Steine in den Weg legt. Das hat irgendwann sehr gut funktioniert aber muss sich natürlich erst einspielen.

    Mein Freund weiß, dass ich kaum belastbar bin. Wir freuen uns, wenn abends essen gehen klappt. Wenn dann noch danach Kino klappt – spitze. Aber wir nehmen es uns nicht vorher vor, wir sehen es als Möglichkeit und dann schauen wir mal ob es danach noch geht. Ich dürfte mich auch niemals gezwungen fühlen, sonst würde die ganze Beziehung nicht funktionieren.

    Mein Freund hatte diese Phase, in der er „Co-krank“ war und ich bin so froh, dass wir das überwunden haben.
    Wir haben Zeiten in denen ich 14 Tage nur zuhause sitze – aber wir haben dann unsere Möglichkeiten gefunden, es uns schön zu machen (tolle Filme, Lieblingsserie, essen beim Lieblingsrestaurant holen, gemeinsam was spielen, reden…). Und mir tut es sehr gut, wenn ich sehe, dass seine ganze Woche fast komplett abends durchgeplant ist (er ist irre unternehmungslustig). Dann habe ich nicht das Gefühl, für seine Freizeitgestaltung verantwortlich zu sein und habe viel Ruhe wenn es mir schlecht geht. Er geht in den Sportverein, ins Fitnesstudio, macht jetzt einen Motorradschein, trifft sich mit seinen Kumpels etc. und ich weiß aber, dass er das in guten Phasen auch alles sein lassen kann und was mit mir machen. Ab 22.00 ist er eh immer zuhause und wir gehen immer erst gegen 00.30 ins Bett, haben also trotzdem jeden Abend noch Zeit zusammen. So haben wir es geschafft, glücklich zu bleiben aber uns trotzdem mit der Situation arrangiert.

    Ich habe für mich auch festgestellt, dass ich generell ein Mensch bin, der sehr gerne alleine ist und Zeit für sich braucht – schon als ich noch „gesund“ war. Deshalb habe ich das Gefühl, dass es mir auch gut tut, viel allein zu sein. Mein Freund ist das Gegenteil, das ist natürlich nicht immer leicht.
    Ich würde auch gerne mal eine Fahrradtour mit ihm machen aber ich versuche dann einfach praktisch zu denken. Ich kaufe mir jetzt ein E-Bike, denn dann kann ich auch mal mit ohne Migräneanfall 🙂

    Vielleicht hilft es euch etwas, wenn jeder für sich auslotet, wie er ohne den anderen ein möglichst erfülltes Leben haben kann, ohne Abhängigkeiten und Erwartungen. Und dann ist der andere „das Sahnehäubchen“ mit dem man so gerne Zeit verbringt, aber es erspart einem viele Enttäuschungen wenn man sich nicht mit gesunden Paaren vergleicht.

    Liebe Grüße,
    Bea

    Beatrice
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 127

    Und was mir auch noch einfällt:

    Nich so leben, dass man immer nur in Wartestellung ist, bis es endlich besser und „normal“ ist (denn das wird es vielleicht nie sein), sondern bewusst den Alltag und das Leben und die Beziehung so gestalten, dass sie für beide schön und erfüllend ist trotz der Umstände. Das ist glaube ich der Schlüssel für uns gewesen und das mussten wir schaffen – akzeptieren, dass ich nie mit anderen Frauen im Freundeskreis gesundheitlich mithalten kann und wir eben nicht Wandertouren, Baliurlaube und sonstiges machen können. Solange man das nicht akzeptiert hat, findet man ja alles nur als Abklatsch vom „echten“ Leben, das man so gerne hätte. Man hat aber leider kein anderes als das, das man gerade hat, und aus dem muss man einfach das Beste machen…

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 552

    Liebe Bea,

    du schreibst mir aus dem Herzen! Alle Daumen hoch für deine Beiträge ???!!!

    Genau das ist der Weg, den auch ich und mein Mann – teils sehr mühevoll und in sehr kleinen Schritten – gegangen sind und gehen! Liebe kann diese und andere schwere Situationen aushalten und verbinden, mir ihr ist Vieles erreichbar!

    Offene und ehrliche Gespräche sind manchmal sehr, sehr schmerzhaft, können aber die Basis dafür sein, TROTZ ALLEM sein eigenes zufriedenes Leben mit dem eigenen zufriedenen Leben des Partners/der Partnerin in vielen – auch kleinen gemeinsamen – glücklichen Momenten zu teilen.

    Dir, liebe Steffi, und deinem Freund, wünsche ich von Herzen, dass ihr gangbare individuelle und gemeinsame Wege für euch beide findet!

    Alles Gute
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    Sommersonne
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 11

    Hallo und Danke euch für die lieben Worte.

    Ich denke auch, dass unsere Liebe stark genug ist. Es ist jedoch so, dass er mich vor zwei Jahren als Lebens- und Unternehmenslustigen, verrückten und allen Schandtaten bereiten Menschen kennengelernt hat. Genau das hat uns verbunden. Genau das macht MICH glücklich. Deswegen weigere ich mich, ein Leben wie eine Rentnerin zu führen und nehme, soll es sein, eben Schmerzmittel ohne Ende. Mein Körper ist selbst schuld. Ich lasse mir mein Leben und meine Zukunft nicht versauen. Wir sind jetzt zwei Jahre ein Paar und träumen noch von Familie usw. Ich habe mein Studium erst vor zwei Jahren beendet und möchte auch hier noch etwas erreichen… es ist jetzt nicht so, dass wir „schon“ 50 sind – wir brauchen das beide, ich vor allem – leben, verrückt sein… reisen, lachen, rausgehen… später schreiende Kinder haben auch Bedürfnisse, ich bin wie gesagt auch schon 33, sooo weit weg ist das alles nicht. Mit Kindern habe ich eine Verantwortung und öfter Lärm und Trubel um mich. Ich sollte heute nicht mehr hier schreiben, bin fast aggressiv gerade… ich will mein Leben zurück und mein Freund will es auch. Vor allem er fiebert auf den Arzttermin in zwei Wochen hin. Wobei ich eigentlich schon weiß, dass ich kein Wunder erwarten darf. Er tut es eher. Ich will ja „nur“ vom chronischen weg, alle paar Wochen eine Migräne kann ich ja mit leben 🙁

    Beatrice
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 127

    Hallo liebe Sonmersonne,

    ich versteh dich sehr gut – ich bin auch 33 und ich habe chronische Schmerzen seit ich 22 bin :/ Die besten Freundinnen in der Disko und im Auslandsjahr, ich im Bett. Ich versteh dich also wirklich…

    Es hat bei mir auch lang gedauert, bis ich da eine andere Einstellung hatte (und es muss auch nicht die richtige für dich sein). Ich hab auch lange gegen mich selbst gekämpft, das führt aber meistens zu nichts.
    Kinder werde ich keine haben, mit chronischer Migräne ist das für mich leider auch unvorstellbar.

    Ich drück dir alle Daumen für deinen Arztbesuch und dass du eine gute Lösung – gesundheitlich wie auch in der Beziehung – findest!

    Liebe Grüße,
    Bea

    Elfe
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 66

    Liebe Sommersonne,
    aus deiner Schilderung eurer Beziehung höre ich leider ziemlich viel offene und auch passive (verschränkte Arme) Aggressivität deines Freundes heraus. Er scheint mit der Erkrankung wirklich nicht gut umgehen zu können. Wenn euch sehr viel aneinander liegt, würde ich für den Umgang mit der Krankheit eine Paartherapie für keine schlechte Idee halten. Möglicherweise kann sich dein Freund schlecht abgrenzen, d.h. seine Freizeit auch mal eigenständig gestalten, wenn es dir nicht gut geht.
    Ich hatte leider auch mal eine Beziehung, in der der Partner aggressiv auf meine „Schwäche“ reagiert hat. Das hat alles nur sehr viel schlimmer gemacht und mich letztendlich depressiv.
    Jetzt habe ich einen Ehemann, der sich sehr gut selbst beschäftigen kann und der mir höchstens mal traurig sagt, dass ich ihm bei dem ein oder anderen Ausflug abgegangen bin.
    Aggressive Partner können wir als Migräniker überhaupt nicht vertragen, auch wenn wir sie noch so sehr lieben!
    Ich wünsche dir die richtigen Entscheidungen,
    Elfe

Ansicht von 30 Beiträgen - 1 bis 30 (von insgesamt 43)

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.