Mein Verlauf und derzeit hoffnungslose Situation (Sommersonne)

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  • Sommersonne
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    Beitragsanzahl: 11

    Mein Freund kann sich sehr gut allein beschäftigen, er macht viel mit Freunden. Ich bin diejenige, die DAS nicht gut haben kann/frustriert. Wir sind ja neu in der Stadt und in einem Jahr ziehen wir wieder um, daher pendle ich ja derzeit 2,5 Stunden am Tag, siehe oben. ICH bin diejenige, die ihm vorgeworfen hat, dass es mich do verletzt das zu sehen – obwohl ich natürlich möchte, dass er glücklich ist. ICH war diejenige, die all das wollte, Leute kennenlernen etc und nur er kann/tut es. Er reagiert nur mittlerweile aggressiv, wenn er total überfordert und hilflos ist. Kinder zu bekommen ist einer meiner größten Träume… ich gebe nicht auf. Ich habe schon so viel gekämpft im Leben. Mit 17 bis 20 gegen die Bulimie, mit jahrelangen Rückfällen, Selbstverletzung und Depressionen. Ich habe all das überwunden und ich sehe gar nicht ein dass ich die Migräne nicht so in den Griff bekomme, dass ich wieder glücklich bin. Derzeit mache ich ja auch eine Therapie, bei der das Ausmaß der Migräne auf mein Leben erstmal deutlich wurde, i h arbeite vor allem an dem Umgang mit meinen Gefühlen, ich habe leichte Borderline Tendenzen, mit extremen Verlustängsten und starken Emotionen. Daher rät meine Psychologin, die sich aber mit Migräne nicht auskennt, vor allem dazu, eher zu viel als zu wenig Schmerzmittel zu nehmen, damit meine Stimmung etwas stabiler bleibt 🙁 Ich möchte mein Leben – Mit Job. Mit Unternehmungen. Mit Sport. Mit wandern. Mit Sonne. Mit Urlaub. Mit zwei Kindern!! Wenn all das NICHT geht, bin ich es meinem Freund nicht fast schuldig zu gehen? Ich könnte gerade wieder nur weinen und nicht mehr aufhören. Er hat das doch so nicht verdient mit mir, mich.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 7 months, 3 weeks von Sommersonne.
    Elfe
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 74

    Liebe Sommersonne,
    es tut mir so leid, dass du gerade so sehr an DIR zweifelst. Auch Migränikerinnen verdienen einen lieben Partner, da wir viele Vorzüge haben, die anderen Frauen fehlen! Mir kommt es schon so vor, dass ihr beide euren Anteil an dem Dilemma habt und nicht nur du allein!
    Kennst du das Buch „Ich hasse dich, verlass mich nicht“? Es könnte euch eine Hilfe sein, wenn ihr es beide lest.
    Wenn deine Psychologin Borderline Anteile bei dir sieht, trägt er wahrscheinlich auch welche in sich. Es ist häufig der Fall, dass sich solche Paare zusammenfinden. Der Hunger nach Erlebnissen, Unternehmungen, intensiven Gefühlen von euch beiden spricht sehr dafür.
    Aber in deinem Fall macht dir die Migräne einen Strich durch die Rechnung. Ich fürchte, du solltest deine Erwartungen an das Leben tatsächlich etwas zurückschrauben, statt zu denken, dann nehme ich eben Tabletten, mein „böser Körper hat es nicht anders verdient“. Das ist sehr destruktiv und bringt dich in noch größere Probleme.
    Ein ruhigeres, beschaulicheres Leben könnte dir die Möglichkeit eröffnen, vielleicht doch noch den Kinderwunsch zu verwirklichen. Aber alles zusammen, Arbeit, berufsbedingtes Pendeln, häufiges Verreisen, Party, Theater, Kino UND Kinder gehen mit einer ausgeprägten Migräneveranlagung nicht zusammen.
    Picke dir die „Rosinen“ heraus, die dir unabdingbar wichtig sind, um Lebensfreude zu haben, aber versuche nicht, mit deinem Freund mitzuhalten, vor allem wenn er auch noch ein „unheilbar Gesunder“ ist, der selbst keine Einschränkungen kennt!
    Ich hoffe, ich konnte dich ein bischen trösten,
    Elfe

    • Diese Antwort wurde geändert vor 7 months, 3 weeks von Elfe.
    Indie
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 170

    Liebe Sommersonne,
    dein Freund ist schon groß und mit Sicherheit selbst in der Lage zu Entscheiden, ob er „trotz“ Migräne mit dir zusammen sein möchte oder nicht. Auch wenn das im schlimmsten Fall bedeutet, dass du weder wandern, noch arbeiten, noch reisen, noch zwei Kinder bekommen kannst.
    Er ist so freiwillig bei dir wie du bei ihm und es ist nicht deine Aufgabe irgendwelche Entscheidungen FÜR ihn zu treffen.
    Egal wie vermeintlich schwierig oder ungerecht du gerade zu ihm bist. Er hat einen Mund, wenn ihm was nicht passt muss er es dir sagen.

    Also mach dich jetzt mal nicht verrückt was das betrifft.

    Vielleicht würde euch eine Paartherapie wirklich helfen, diese schwierige Krankheitsphase gemeinsam zu durchlaufen.

    Was ich aus deiner Beschreibungen hier so rauslause ist, dass du dich beim funktionieren müssen in Beziehung und Job wahnsinnig aufreibst und dabei ganz wenig Zeit bleibt mal in dich reinzuspüren, wie es dir mit der Migräne gerade besser gehen kann. Ob dir die ganzen Unternehmungen wirklich gut tun oder du nicht doch von einem ruhigen abend mehr profitierst. Auch wenn dein Freund vielleicht dann alleine unterwegs ist.
    Ich weiss das ist super schwierig, wenn man das Gefühl hat die Beziehung geht gerade den Bach runter.
    Aber aus Erfahrungen weiss ich, dass die Migräne einen lahm legt, wenn man sich am Ende nicht doch die nötige Ruhe antut. Ich habe mit diesem Verhalten mich innerhalb von sechs Monaten in die Chronifizierung „gearbeitet“ und ich könnte mir da manchmal selbst für in den Hintern beissen.
    Umgekehrt hab ich aber auch die Erfahrung gemacht, dass es durchaus auch wieder besser wird, wenn man es schafft MIT und nicht GEGEN die Migräne zu leben. Nur bedeutet das eben auch Verzicht. Ich verzichte aber lieber, als jeden Tag Schmerzen zu haben. Denn mit akuter Migräne kann ich eh nichts genießen.

    Rosinante
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 362

    Liebe Sommersonne,
    alles haben zu wollen funktioniert nicht.
    Tolle Arbeit, kurze Wege, viele Aktivitäten…
    Mir scheint, dass du unglücklich bist so viel zurückstecken zu müssen, du dies aber getan hast, um deinem Partner zu gefallen.

    Klar wollen wir oft alles, am besten sofort.
    Es geht um einen erwachsenen und achtsamen Umgang mit dir selbst: Was willst du? Was ist möglich?
    Und dann ist es auch legitim wenn dein Partner sich fragt: Kann ich und will ich mit einem chronisch kranken Menschen leben, der immer wieder ausfällt?
    Dies sollte offen angesprochen werden. Beziehung sollte verbindlich aber freiwillig sein, nicht gezwungen.
    Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
    Es ist legitim, wenn ein Partner ehrlich sagt: So möchte ich nicht leben.

    Ich selbst gehe auf die 60 zu, chronische Migräne, wir haben 3 erwachsene Kinder und im Laufe unserer Ehe einen Weg gefunden, mit dem wir beide zufrieden sind.
    Mein Mann macht sehr viel Sport, außerdem übt er jeden Tag eine Stunde Gitarre.
    Ich muss früh ins Bett, gegen 20 Uhr, da ich einen Beruf in Teilzeit ausübe, den ich sehr liebe.
    Abends lasse ich oft die Tür auf, damit ich seine Musik höre.

    Im Urlaub gehen wir in den Norden, er kitet und kommt abends entspannt in das Ferienhaus.
    Ich lese, koche, wenn es mir gut geht machen wir Ausflüge.Da wir einen Hund haben, gehen wir zusammen Gassi.
    Da ich des Öfteren ausfalle, weiß er sich selbst zu beschäftigen, er ist ziemlich autark und deshalb klappt das. Aber es hat seine Zeit gebraucht, bis wir unseren Weg gefunden hatten.
    Dies geht jedoch nur, wenn BEIDE zusammenbleiben wollen.

    Und ich habe mir angewöhnt, bin immer noch dabei, das Gute zu sehen und nicht zuerst das Schlechte.
    Ich wünsche dir alles Gute.
    Liebe Grüße
    Rosinante.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 7 months, 3 weeks von Rosinante.
    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 641

    Liebe Steffi,

    es haben dir nun schon so viele lieben Menschen hier im headbook ihre Erfahrungen und persönlichen Lösungmöglichkeiten geschildert, sich dir gegenüber geöffnet und dir Vertrauen entgegengebracht. Mir erscheint im übertragenen Sinne das Bild eines sehr reich gefüllten Pools, aus dem du schöpfen könntest, um eigene Erfahrungen und Entdeckungen zu machen, was dir helfen und dich weiterbringen könnte. Wir sind und reagieren alle so individuell, was für den einen passt und sich richtig anfühlt, kann für den anderen genau das Gegenteil bedeuten. Und dazwischen gibt es so viele unterschiedliche Farbtöne, Vorlieben, Bedürfnisse usw.

    Ich möchte ehrlich sein und akzeptiere, wenn du meine folgenden Zeilen nicht lesen, annehmen oder verstehen möchtest. Es ist deine Wahl.

    Du – und nur du allein – bist dafür verantwortlich, endlich die „Angel“ in die Hand zu nehmen, um dir das, was sich für dich gut anfühlt, aus diesem Pool “rauszufischen“. Dabei kannst du gerne und ohne Reue Hilfe annehmen, aber initiieren kannst nur du es allein. Es wird dir niemand deine Lösungen auf einem „goldenen Tablett“ servieren können. Und vielleicht auch nicht wollen!

    Deswegen weigere ich mich, ein Leben wie eine Rentnerin zu führen und nehme, soll es sein, eben Schmerzmittel ohne Ende. Mein Körper ist selbst schuld. Ich lasse mir mein Leben und meine Zukunft nicht versauen.

    Du hast genau diesen – DEINEN – Körper bekommen, der eben ist, wie er ist. Damit kannst du hadern oder dich (zu einem großen Teil) arrangieren. Auch das ist DEINE WAHL. Nicht dein Körper ist Schuld, er kann nicht anders, als er es tut. Und schon gar nicht, wenn du ihm nicht hilfst mit deinem Denken, deinen Einstellungen, deiner Fürsorge für dich selbst. Winston Churchill sagte einmal sinngemäß, dass man seinem Körper Gutes tun muss, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen. Darin liegt eine große Chance, dem Leben, das man so nicht gewählt hat, dennoch (viele) gute Seiten abzugewinnen.

    Mit Sicherheit kann jeder hier verstehen und nachempfinden, sich sein Leben nicht „versauen“ lassen zu wollen. Aber welcher Anteil ist bei diesem „Versauen“ – wie du es nennst – größer? Der des Körpers, der deines Geistes oder der deiner Seele? Es ist ein Zusammenspiel, dem wir nicht hilflos ausgeliefert sind, auch wenn es Zeiten gibt, in denen es so scheint. Wir haben Chancen, Einfluss darauf zu nehmen!

    Ich habe eine sehr schönes Lesezeichen, auf dem steht, dass man nicht alles glauben soll, was man denkt! Da ist viel Wahres dran. Vielleicht wäre es hilfreich, eine Liste zu erstellen, auf der du Wunsch und Realität aufschreibst und gegenüberstellst. Daraus könnten sich „Mittelwege“ in die eine oder andere Richtung ergeben.

    Ich habe all das überwunden und ich sehe gar nicht ein dass ich die Migräne nicht so in den Griff bekomme, dass ich wieder glücklich bin.

    Die Überwindung deiner geschilderten Probleme ist großartig und könnte eine Motivation für dich sein, Dinge zu erreichen, die du dir vorstellst und wünschst. Möglicherweise ist sie aber kein Garant dafür, dass dir dies z.B. bei der Migräne ebenso gelingen wird. Mir kommt es vor – und korrigiere mich gerne, wenn es für dich nicht stimmig klingt – dass du dir durch dein „Nicht-einsehen-wollen“ selbst den Blick auf andere, weitere Möglichkeiten verstellst. Es heißt nicht umsonst, dass viele Wege nach Rom führen. Und dass es vielleicht manchmal mehr darauf ankommt, den Weg als Ziel zu sehen, und dadurch das ursprüngliche Ziel gar nicht mehr unbedingt erreichbar sein muss. Mit der Nähe zum Ziel kann sich auch schon eine gewisse Zufriedenheit einstellen.

    Du sprichst das Thema Kinder an. Und da vertraue ich dir meine Erfahrung an: ich hätte nie im Leben wegen der Migräne, die bei mir damals noch nicht so intensiv und häufig ausgeprägt war, auf Kinder verzichten wollen. Aber ich konnte leider kein Baby bekommen. Vielleicht war das – im Rückblick gesehen – eine kluge Entscheidung meines Körpers, meiner Psyche, ich weiß es nicht und es ist reine Spekulation. Viele Frauen sind trotz der großen mit der Migräne verbundenen Schwierigkeiten sehr gute Mütter. Es gibt aber auch Mütter, die ihren Kindern gegenüber ein schlechtes Gewissen haben, weil sie für ihre Kinder nicht so da sein können, wie sie es gerne möchten. Auch das verlangt in einer solchen Situation und eventuell mit Hilfe der Familie nach einer Überlegung, ob ein Leben mit Kindern so machbar ist oder nicht. Denn die Verantwortung für ein Kind kommt dazu!

    Und noch ein paar Worte zu deinem Freund: er wird dir nicht direkt helfen können, weil er nicht in deiner Krankheit steckt. Wie groß sein Interesse daran und an seinem Umgang damit ist, hast du nicht in der Hand. So hart es klingt: du wirst dir eigene Strategien (möglicherweise mit professioneller Hilfe) erarbeiten müssen. Und er wird für sich schauen müssen, ob und inwieweit er diesen Weg mitgehen und dich unterstützen kann und möchte. Bist du aber – und so verstehe ich deine Zeilen – der „treibende Keil“, um mithalten, mitmachen, leben usw. zu können, um nicht nur deinen sondern auch seinen eventuellen Ansprüchen zu genügen und die Gute sein zu wollen, wird nicht eher er sich von dir entfernen, sondern du dich möglicherweise von ihm. Vielleicht könnt ihr mal die „Stühle tauschen“ und nachempfinden, wie ihr euch in der Situation des jeweilig Anderen fühlen würdet. Was würde bei dir passieren, wenn er ständig seine Unzufriedenheit äußerte und neidisch auf dich und deine (Aktions)möglichkeiten wäre?

    Ich möchte dir neben dem Buch „Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne“ von Prof. Göbel und dem Migränewissen hier unten rechts auf der Seite auch nochmal den von Bettina kürzlich empfohlenen Artikel (http://www.schmerzklinik.de/2019/04/15/migraene-ausloeser-und-migraene-ursachen-mythen-und-fakten/?fbc