Meine Leidensgeschichte (MiRi)

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  • MiRi
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    Hallo Ihr Lieben,

    ich bin neu hier und will Euch mal von meiner mit sehr langanhaltendem, heftigen Erbrechen verbundenen Migränegeschichte erzählen, an der ich sehr zu knabbern habe. Über Denkanstöße, was sich besser machen läßt, würde ich mich freuen. Bitte seht es mir nach, dass dies hier „etwas“ länger wird.

    Meine Vorgeschichte:

    Seit etwa 2 Jahren habe ich Migräne ohne Aura mit langanhaltendem Erbrechen und begleitet von starker Geruchsempfindlichkeit. Die Anfälle ereignen sich meistens 2x im Monat, das Erbrechen (1 – 2 x pro Stunde) dauert immer um die 15 bis 20 Stunden lang an. Rekord waren 30 Stunden vor gut einer Woche. Es scheint also immer noch Steigerungen zu geben und immer schlimmer zu werden. MÜK-Probleme habe ich noch nicht beobachtet (aber die Sorge davor ist mir natürlich nicht fremd), und ich hoffe angesichts meiner relativ jungen Migräne auch immer noch, dass sich eine Chronifizierung vermeiden läßt. Schließlich ist es nicht nur für mich, sondern auch für meine Frau und unsere Katze (vermutlich peinlicherweise sogar auch für das halbe Haus, d.h. diverse Nachbarn) belastend, wenn ich rund um die Uhr solche unmusikalischen „Konzerte“ in den Eimer gebe. Ich habe dabei ein ziemlich lautes Organ, ohne dass ich die Lautstärke irgendwie dämpfen könnte.

    Meine Migräneanfälle treten mit betörender Regelmäßigkeit nach stressigen Ereignissen auf der Arbeit oder in der Freizeit auf, d.h. immer dann, wenn der Streß vorüber ist und der Körper wieder zur Ruhe kommt.

    Medikamentöse Therapieversuche:

    Aktuell nehme ich 5 verschiedene Medikamente wegen meiner Migräne, leider ohne Erfolg.

    Was die Triptane anbelangt, so kann ich sagen: Bisher habe ich mit Ascotop Nasal oder Immigran Nasal herumprobiert, beide haben meistens nicht bei mir angeschlagen. Maxalt Lingua als Schmelztablette hilft mir schon öfter und ist deshalb für mich das Triptan erster Wahl. Durch die Aufnahme über die Mundschleimhaut ist wohl auch einigermaßen gute Wirksamheit möglich, ohne noch auf einen funktionierenden Magen angewiesen zu sein (der streikt ja schnell mit seinem Erbrechen). Ich bin allerdings auch nicht sicher, ob es mir immer gelingt, den perfekten Einnahmezeitpunkt für die Triptane zu finden. Bei Migräne ohne Aura scheint mir das auch noch schwieriger zu sein. Vielleicht bin ich darum selbst schuld, dass alle Medizin bei mir meistens wirkungslos verpufft.

    Außerdem nehme ich seit ca. 2 Monaten Betablocker (150 mg Metoprolol täglich), eine Besserung der Situation habe ich dadurch bisher nicht festgestellt.

    Gegen das Erbrechen habe ich mehrfach mit Vomex-Zäpfchen experimentiert, Wirkung bei mir gleich Null. Ich nehme aktuell MCP-Zäpfchen (20mg, 1-2x täglich), meistens auch ohne jede Wirkung. Stattdessen frage ich mich eher, ob ich mich langsam auf einen status migraenosus hinbewege. Mit Bus und U-Bahn habe ich es auch schon mal in eine Notaufnahme mit diensthabendem Neurologen geschafft, aber das kann ich nur, wenn ein Anfall schon fast vorüber ist, d.h. für medikamentöse Hilfe (etwa: mich an den Tropf hängen gegen Erbrechen) ist es dann schon zu spät.

    Gegen die Schmerzen nehme ich Paracetamol, und zwar bis zu 4 x 1.000 mg in 24 Stunden während eines Anfalls. Hilft auch ganz gut, nur leider nicht gegen das Erbrechen. Beim nächsten Anfall werde ich mal schauen, ob 1.000 mg Ibu auch gut anschlagen. Ich erhoffe mir davon auch einen positiven Einfluss auf den Brechreiz, weiß aber nicht, ob ich da zu viel erwarte???

    Coffein oder Naproxen habe ich noch nicht erprobt.

    Nichtmedikamentöse Therapieversuche:

    Ich mache seit gut einem Jahr täglich eine halbe Stunde Entspannungsübungen nach Jacobsen anhand der kostenlosen CD/MP3 der Techniker Krankenkasse. So habe ich mich zusammengenommen schon fast 5 Tage lang rund um die Uhr dauerentspannt, aber da ich generell recht verspannt bin – auch wenn ich es mir nach außen hin möglichst nicht anmerken lasse – ist das schon wichtig für mich. Zähne knirschen, „rotieren“ im Bett etc. zählen auch zu meinen „Wegbegleitern“. Die CDs von neuro-media habe ich bereits bestellt und werde sie bald ausprobieren.

    Mehrfach habe ich Akupunktur gemacht und hatte durchaus den Eindruck, dass die Häufigkeit von Migräneanfällen – gerade wegen dem Streßzusammenhang – zumindest reduziert werden konnte.

    Biofeedback habe ich auch ausprobiert, ist genausowenig mein Ding wie autogenes Training.

    Aktuell beginne ich eine Verhaltenstherapie (stecke gerade in den probatorischen Sitzungen) und hoffe, hier läßt sich nun endlich ein für mich wirksamer Hebel finden, um die Migräne zu verbannen.

    Zu meiner Vorgeschichte kann ich noch sagen, dass ich vor Jahren auch schon mal einen Bing-Horton-Clusterkopfschmerz hatte, der mit Ergotamintartrat sehr gut ein für alle mal weggezaubert werden konnte. Was ich mich frage, weil ich darauf so gut angesprochen habe, ist, ob Ergo Kranit Migräne Tabletten deshalb in meiner jetzigen Situation auch interessant sein könnten? Leider vertragen sie sich schwerlich mit dem Betablocker und mit meinem leichten Bluthochdruck, wie ich gelesen habe.

    Wenn jemand noch Ideen hat, warum die Triptane bei mir so besonders schlecht gegen das Erbrechen helfen, wäre ich für „sachdienliche Hinweise“ auch sehr dankbar. Ob ich wegen „Serotonin-Überschuß“ nach Streß auch ein Kandidat bin, dem Q10 helfen könnte, kann ich alleine leider auch noch nicht beurteilen. Ich bin einfach noch viel zu überwältigt von all den Möglichkeiten, Wenns und Abers, und als hochsensibel gelte ich (wie vermutlich viele Migränepatienten) leider auch noch.

    Liebe Grüße
    Euer
    MiRi

    heika
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    Hallo MiRi,

    als ich las, dass du bei einem Anfall 4 x 1000 mg Paracetamol zu dir nimmst, bin ich innerlich zusammengezuckt. Das ist ganz schön viel und belastet deine Leber enorm. Die Halbwertszeit von Paracetamol beträgt nur 2 – 3 Stunden, deswegen brauchst du auch so oft am Tag eine erneute Dosis.

    1000 mg Ibuprofen sind auch zu hoch dosiert. Generell muss man sagen, dass Triptane besser zur Behandlung der Migräne geeignet sind als die „normalen“ Schmerzmittel. Habe ich das richtig verstanden, dass dir dein Maxalt nicht immer zuverlässig hilft, das Paracetamol aber schon? Ich persönlich würde dir in deinem Fall zu der Kombination von Triptan plus 500 mg Naproxen (Halbwertszeit 12 Stunden!) raten. Das Naproxen verstärkt und verlängert die Wirkung deines Triptans.

    Statt MCP könntest du auch mal Domperidon probieren, das gibt es auch in Zäpfchenform. Vielleicht hilft dir das besser.

    Lieber Gruß
    Heika

    Bettina Frank – Admin
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    Ronja vor 2 Tagen, 2 Stunden:

    Lieber MiRi,

    herzlich willkommen hier im Forum ! Schön, dass du gleich so viel über dich geschrieben hast.
    Hast du schon mal das Hormosan Sumatriptan-Inject bzw. das Imigran-Inject getestet. Da geht das Triptan gleich in den Körper ohne den Umweg über den Magen-Darm-Trakt.
    MCP hilft mir auch nicht. Hast du das Domperidon schon ausprobiert? Hast du einen Schmerzarzt oder einen Hausarzt an deiner Seite zur Empfehlung und Verordnung der Medikamente?
    Die Verhaltens-Therapie istg sicherlich sinnvoll, aber dadurch lässt sich die Migräne leider nicht verbannen, jedoch kannst du dadurch dein Leben vielleicht stressfreier gestalten und die Migräne kann durch diesen Mechanismus besser werden. Migräne ist eine neurologische Erkrankung, keine psychische Erkrankung, deswegen durch Psychotherapie nicht zu verbannen bzw. heilbar.
    Mache auf jeden Fall die Entspannungsübungen weiter, das bringt sehr viel insbesondere wenn du zu den Hochsensibell gehörst.
    Sicherlich bekommst du noch viel mehr Tipps und Anregungen.

    Herzliche Grüße
    Ronja

    Bettina Frank – Admin
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    Doro vor 2 Tagen, 2 Stunden:

    hallo lieber miri,
    herzlich willkommen bei uns im forum. schön, dass du uns gefunden hast.
    deine geschichte klingt ähnlich wie meine.
    ich kann so gut nachfühlen. das viele erbrechen und die dann eintretende kraftlosigkeit….
    medikamentös machst du ja einiges.
    mir hat sehr die einnahme von magnesium, vitamin b2 und q10 geholfen. dazu habe ich meine schlafwachrhythmus auf ganz regelmäßig umgestellt, ebenso meinen tagesablauf und die mahlzeiten und abends der verzehr von kohlhydraten (ja du liest richtig) eingeführt. ich meditiere regelmäßig und mache yoga. als es mir dann ein wenig besser ging, konnte ich konsequent mit dem ausdauersprot beginnen.
    meine attacken habe ich so von 3 tagen mit erbrechen wöchentlich, auf ca alle 6 wochen runtergefahren.
    ich nehme keine triptane.
    mir wurde auch hochsensibilität attestiert.
    also, du siehst, es ist noch einiges möglich. es erfordert nur konsequenz und ausdauer….(das ist manchmal schwer, aber es lohnt sich!!!!!)
    schau, dich mal in den einzelnen foren um. und dann einfach fragen.
    lg
    doro

    Bettina Frank – Admin
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    Willkommen bei uns, lieber MiRi. 🙂

    Hast Du einen Neurologen, der Dich begleitet und berät, der immer ansprechbar ist für Dich, oder siehst Du einen Neurologen immer nur „notfallmäßig“?

    Bei diesen schweren Attacken mit starken Erbrechen würde ich Dir sehr empfehlen, es mit Imigran Inject zu versuchen. Kein Triptan wirkt stärker gegen die Schmerzen und gleichzeitig stoppt es das Erbrechen oft innerhalb von Minuten. Ich war früher ebenfalls ein Kandidat mit Dauererbrechen und landete immer wieder in der Notaufnahme am Tropf, wo man mir mehr oder weniger Sinnvolles zur Behandlung gab. 😉 Imigran Inject hat mich gerettet und rettet mich immer wieder.

    Bei extremer Übelkeit hat sich auch sehr das Antiemetikum mit dem Wirkstoff Ondansetron bewährt. Es wird auch Patienten gegeben, die eine Chemotherapie durchmachen und unter starker Übelkeit und Erbrechen leiden.

    Heika hat Dich ja schon aufgeklärt über Deine nicht sinnvolle Behandlung mit Paracetamol. Auch den Versuch mit Ibuprofen würde ich mir ersparen an Deiner Stelle. Es gibt 7 verschiedene Triptane, versuche einfach noch andere orale, aber erst bitte versuche die Spritze! 😉 Maxalt lingua wird nicht über die Mundschleimhaut aufgenommen, sondern wie jedes andere Triptan auch erst im Darm. Man sollte es daher, wie die anderen oralen Triptane, mit ausreichend Wasser schlucken, da sonst der Wirkeintritt sehr verzögert ist. Einziger Vorteil der Schmelztablette ist, dass sie auch dann eingenommen werden kann, wenn unterwegs kein Wasser zur Hand ist, oder man wegen sehr starker Übelkeit nicht imstande ist, Wasser zu schlucken. Wobei ich in so einem Fall dann sowieso gleich das Inject oder die Nasensprays nehmen würde.

    Beim Finden des richtigen Zeitpunkts für die Triptaneinnahme kann Dir vielleicht die Triptanschwelle weiterhelfen.

    Dass Du nun einiges an Entspannung lernst und auch anwendest, ist gut und wichtig, denn der Stress scheint Dein Haupttrigger zu sein.

    Du bist erst am Anfang Deiner „Migränekarriere“ und hast jede Chance, einer Chronifizierung vorzubeugen. Ist ja schließlich Deiner Katze auch nicht zuzumuten. 😉

    Liebe Grüße
    Bettina

    MiRi
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    Hallo Ihr Lieben,

    herzlichen Dank für Eure furiose Begrüßung hier, ich fühle mich auf Anhieb sehr willkommen und bin froh, Euch gefunden zu haben. Bitte seht es mir erstmal nach, dass ich erst jetzt antworte, unter der Woche fehlt mir leider die Zeit zum Schreiben. So auf die Schnelle zwischen Tür und Angel, das wäre nicht so mein Ding. Danke darum für Eure Geduld!

    @Heika

    Deine Erklärungen zur Halbwertzeit von Paracetamol waren sehr hilfreich für mich. Kein Wunder, dass es zwar gegen die Schmerzen hilft, aber eben nicht sehr lange. Ich hatte auch schon gelesen, dass dieses Mittel die Leber stark belastet, wußte mir ohne aber nicht zu helfen. Jetzt versuche ich mal, ohne auszukommen, indem ich ein besser verfügbares Triptan ausprobiere (siehe unten). Das Ibu kann ich dann hoffentlich genauso weglassen.

    Naproxen habe ich mir auch gleich mal verschreiben lassen. Leider nur in Tablettenform gefunden, Zäpfchen wären mir lieber, aber es wird schon werden… Angesichts der langen Dauer meiner Anfälle kann das die entscheidende Hilfestellung sein, um gut über die Runden zu kommen.

    Domperidon in Zäpfchenform habe ich noch nicht gefunden. Kannst Du mir davon mal die PZN verraten? Damit werde ich leichter fündig. Ich probiere jetzt erstmal Ondansetron aus (auch dazu mehr siehe unten).

    @Ronja

    Nein, bisher habe ich noch keine der Inject-Versionen der Triptane ausprobiert. Von denen hatte ich noch nicht mal gehört, dass es sie gibt. Das höchste der Gefühle, was man mir bisher ärztlicherseits angeboten hat, war die nasale Darreichungsform verschiedener Triptane.

    Jetzt habe ich mir mal Imigran Inject besorgt und werde das dann beim nächsten Anfall ausprobier