Meine persönliche Kopfschmerzgeschichte

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  • Karsten
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    Lieber Leser meiner Geschichte,

    seit dem Jahr 2001 lebe ich getrennt und bin geschieden. Eine langjährige Phase mit vielen Bierabenden mit Freunden oder Geschäftspartnern begleiteten mich von da an. Hin und wieder wurde soviel Bier getrunken, dass ich vorsorglich vor dem Schlafengehen eine Kopfschmerztablette nahm. Wie häufig das war weiß ich nicht mehr. Eine Freundin ermahnte mich damals das nicht zu häufig zu tun, da Kopfschmerztabletten schädlich seien.

    Im Jahr 2008 wurde ich Mitglied einer semiprofessionellen Rockband und entsprechend dem Klischee wurde auch viel Alkohol konsumiert. Ich kann mich nicht an die Anzahl erinnern aber auch zu der Zeit habe ich hin und wieder vorsorglich Kopfschmerztabletten genommen. Mein größter Schmerz spielt sich dabei oberhalb der Augen ab. Wenn ich während des Alkoholkonsums gemerkt habe, dass es dort anfängt zu drücken, war es für mich das Zeichen eine Kopfschmerztablette zu nehmen damit ich nach dem Schlafen kopfschmerzbefreit aufstehe.

    Am Ende des Jahres 2011 hatte ich beschlossen keinen Schluck Alkohol mehr zu trinken. Es wurden mir zu viele Stunden und damit wertvolle Lebenszeit die bei der Erholung von Bierabenden verloren gingen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich im Gesicht hin und wieder komische Empfindungen. Wie ein Ziehen oder Straffen der Haut welches sich von der Stirn, seitlich am Auge vorbei, an der Wange runter zog. Aufgrund vieler Fahrten im Bandbus und damit viele Stunden in denen der Kopf schräg zur Seite oder nach Hinten rumlag, nahm ich an, dass dies irgendwie auch damit zusammenhängen würde.

    Nachdem ich nun erfolgreicher und zufriedene Nichtalkoholiker geworden bin, begann 2012 meine Kopfschmerzepisode. Langsam und irgendwie immer mehr. Das Ziehen und Reissen im Gesicht begleitet mich bis heute und ist mittlerweile ständig da. Bis dahin kannte ich Kopfschmerz nur als Folge von zu viel Alkohol und so machte ich mir Sorgen und begann die Kopfschmerztage zu zählen und zu dokumentieren. Als Kopfarbeiter fällt mir der Umgang mit Zahlen und Tabellen leicht und beim Belesen zu dem Thema „Kopfschmerz“ wird man ja schnell auf einen Kopfschmerzkalender aufmerksam gemacht.

    Vor lauter Angst vor den Folgen von den vielen Tabletten habe ich die Tabletten zu spät und oft auch in zu geringer Dosierung eingenommen. Das waren am Ende viele unzählige Tagen von unnötigen Kopfschmerzen. Ich war stets unsicher: nehme ich jetzt Tabletten oder nicht. Genau der Kreislauf der Jeden irgendwie nervt und zusätzlich belastet. Meine erster Arztbesuch führte mich zum Hausarzt, von da zum Neurologen und zuletzt 2015 in der Charite in der ambulanten Kopfschmerzstunde. Dort wurde ich nebenbei auf die 10 Tage Regel hingewiesen und man ermunterte mich die wirksamen Tabletten in der richtigen Dosierung einzunehmen. Das Jahr 2016 lief lief dann für mich entspannter als die Vorjahre ab. Nun war der Druck mit den Tabletten raus und ich musste nur auf die 10 Tage achten. Gefühlt ging es mir damit schon mal wesentlich besser. Als ob ich mich mit den Kopfschmerzen arrangiert hätte und meinen Frieden geschlossen hätte. Wenn da nicht zwischenzeitlich heftige Attacken von bis zu fünf zusammenhängenden Tagen wären an denen ich einige Tabletten nehmen muss damit ich die Zeit durchstehe.

    Der Dezember 2016 war hervorragend: nur an 4 Tagen musste ich eine Maxalt nehmen. Unglaublich. Dafür schlug es dann im Januar hart zu: 10 Tage mit Schmerzmittel. Die Anzahl der Schmerztage (ohne Tabletten) zwischendurch habe ich nicht gezählt um nicht deprimiert zu sein. Es war so anstrengend, dass ich mich selbst in ein Krankenhaus einweisen wollte. Auf jeden Fall liefen mir die Tränen über das Gesicht als ich sinngemäß im Gästebuch der Schmerklinik Kiel mehrfach las: „zum ersten Mal seit Jahren ein Tag ohne jede Kopfschemrzen erlebt“. Das hat mich motiviert einen ersten ambulanten Termin in Kiel zu vereinbaren. Im Nachgang habe ich festgestellt, dass ich derzeit eine heftige Blockierung im Rücken- und Nackenbereich habe.

    Ach so eine üble Nebenwirkung: Stets und ständig ist man ja auf der Suche nach dem einen Schalter der für den Schmerz zuständig ist. War es jetzt die vorhergehende tablettenfreie Zeit die die heftige Attacke provoziert hat oder war es die Blockierung.

    Das grade in solch Phasen wie zuletzt im Januar kein Tag vergeht ohne über Kopfschmerzen nachzudenken ist für mich ein starkes Signal noch mehr zur Besserung zu tun. Ein guter Tag ist es für mich, wenn ausser dem Reissen und Zeihen und leichten Drücken in der Stirn keine Augenschmerzen bestehen.

    Wenn ich zurückblicke habe ich mich mittlerweile in vielen Dingen stark eingeschränkt. Ich verabrede mich in ungern weil ich nicht ob es mir an dem gewünschten Tag grade gut geht. Das hat natürlich Auswirkungen auf mein ganzes Umfeld. Das was mir bisher großen Spass gemacht hat habe ich stark reduziert: ich mache weniger Musik und halte ich mit Sport sehr stark zurück. Ich habe bisher sehr gerne Sport (HIIT-HochintensivesIntervalltraining) betrieben. Vor hoch intensiven Sportarten wird bei Kopfschmerzen natürlich gewarnt. Dieser Verzicht hinterlässt natürlich auch seine Spuren und so ist es nicht verwunderlich, wenn man dabei auch antriebslos wird.

    Die harte Phase im Januar hat dazu geführt dass mein bester Freund, der ich sowieso in allem unterstützt, die Notwendigkeit der Behandlung erkannt hat und mich ermuntert hat den Schritt in die Schmerzklinik zu machen. Ich kann Ihn jederzeit anrufen und mich mit Ihm über meine Probleme austauschen. Zuletzt am Freitag, nach 4 x 1 Stunde Mitarbeiter-Jahresgesprächen, war mein Kopf ein einziger kopfgewordener Schraubstock der ganz schwer über den Augenbrauen hängt und darauf wartet in die Augenhölen zu krachen. Der ewige Fragen-Kreislauf war schon in Gang gesetzt: Tablette ja oder nein. Ja oder Nein … Ich hab meinen Freund angerufen Ihm erzählt wie es mir geht und um seine Meinung gebeten. Getreu dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Das Telefonat endete mit dem Ergebnis: Karsten nimm jetzt eine Tablette bevor du dich im Kreis drehst. Tatsächlich ging es mir aber unmittelbar nach dem Telefonat soviel besser dass ich mich getraut habe auf die Tablette zu verzichten.

    Der Samstag danach begann auch mit einem starken Schmerzen in den Augen, aber ich habe mich super abgelenkt, die Wohnung aufgeräumt und Mittags war es auch ohne Tabletten besser geworden. Dei Enthaltsamkeit kostet Kraft und geht nur wenn ich mich auch vital und motiviert fühle. Wäre ich innerlich kaputt gewesen, hätte ich am Freitag und am Samstag sicher zur Tablette gegriffen. Ich stelle mir dann trotzdem Frage: lohnt es sich um jeden Tag „Tablettenfrei“ zu kämpfen oder hilft hier nur der stationäre Besuch und die Medikamentenpause weiter?

    Hin und wieder gibt es Tage an denen ich ganz normal arbeiten kann. Diese Tage sind ein Segen und machen mich zufrieden. Nachdenklich stimmt es mich trotzdem, weil mir dann bewusst wird, das ich eigentlich an vielen Arbeitstagen im Jahr gar nicht richtig arbeitstauglich bin und mich krank melden müsste.

    Den Wenigen denen ich meine Geschichte erzähle, bleibt manchmal nichts anderes als mich spaßig aufzufordern, dass ich doch besser ein paar Bier trinken sollte um wieder etwas lockerer zu werden. Trotz aller Kopfschmerzen, war dies an keinem der stärksten Schmerztage eine Option für mich.

    In meiner kleinen Welt sind meine Schmerzen riesig groß. Da ich mich noch nie übergeben musste oder anderweitig Anzeichen einer Aura hatte, gehe ich davon aus, dass ich keine Migräne habe. Beim Belesen zu dem Thema wird mir aber klar, dass andere Menschen noch viel eingeschränkter sind und Ihre Tage noch viel schmerzhafter verbringen müssen. An diese viele Menschen denke ich oft und wünsche Ihnen das Beste und Zufriedenheit.

    Liebe Grüße – Karsten

    • Dieses Thema wurde geändert vor 2 Jahre, 5 Monate von  Karsten.
    Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2851

    Lieber Karsten,

    herzlich willkommen hier im haedbook. Ich glaube, die eigenen Schmerzen mit denen von anderen vergleichen ist eines der ersten Dinge, die man lassen sollte. Du hast deine Schmerzen und das ist der Maßstab.

    Ich bin an zwei Dingen in deinem Bericht hängengeblieben. Du schreibst du nimmst Maxalt. Maxalt ist ein Triptan und wirkt nur bei Migräne. Weiter unten schreibst du, dass du keine Aura hast und nicht erbrechen musst und deshalb denkst, dass du keine Migräne hast. Gehört auch beides nicht zu meinem Krankheitsbild und doch ist es Migräne.

    Warst du jetzt schon ambulant in Kiel?

    Du wirst sehen, es wird dir mit der richtigen Unterstützung gelingen, deinen Weg mit oder mit weniger oder vielleicht sogar ohne Schmerzen zu finden. Es gibt viele Möglichkeiten und hier ist ein „buntes Völkchen“, dass du fragen kannst.

    LG Johanna

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Jahre, 5 Monate von  Johanna.
    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28002

    Ein herzliches Willkommen im Forum, lieber Karsten. 🙂

    Du hast auf jeden Fall schon einen ziemlichen Kampf hinter Dir und bist vom Medikamentenmissbrauch (das scheint er wohl gewesen zu sein) weg, ebenso vom Alkohol.

    Was ich auch nicht ganz verstehe, ob Du nun schon ambulant in der Schmerzklinik Kiel warst oder nicht.
    Wenn ja, müsstest Du doch jetzt eindeutige Diagnosen haben (Migräne?, Spannungskopfschmerz? MÜK?).

    Hast Du eine Prophylaxe?

    Liebe Grüße
    Bettina

    Jojo
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 331

    Hallo Karsten,

    Ui, du hast ja schon einen harten Weg hinter dir.

    Hast du denn nun einen Neurologen, zu dem du regelmäßig gehst? Was haben die Ärzte in Kiel denn diagnostiziert? Oder warst du noch nicht zum Termin?

    Migräne ist eine eigenständige, neurologische Erkrankung, nicht Symptom von etwas anderem. Insofern würde ich der Blockade im Nacken/ Rückenbereich nicht allzu viel Bedeutung beimessen.

    Allerdings führt Migräne selbst zu teils heftigen und schmerzhaften Nackenverspannungen. Könnte es bei dir auch von der Migräne gekommen sein?

    Du schreibst, dass du den „schuldigen“ Schalter suchst. Das ist verständlich, und ich selbst habe auch jahrelang gesucht ? Aber diese Sich bringt meist nicht viel. Natürlich gibt es Trigger, die man meiden kann. Aber Migräne ist fies und unberechenbar, und schlägt zu, wann immer es ihr passt.

    Genauso kommen auch die schlechten Phasen. Ohne ersichtlichen Grund. Dann plötzlich läuft wieder alles rund. Deshalb habe ich die Ursachenforschung aufgegeben, und mittlerweile einfach akzeptiert, dass ich die Migräne nicht kontrollieren kann. Das war bei mir ein langer Prozess, und ich bin gewiss nicht die Einzige ?

    Es ist gut, dass du die 10/20 kennst und dich daran hältst. Andererseits ist es keine Option, den Schmerz auszuhalten. Da du den Kalender führst, weißt du bestimmt, ob du oft über die 10 Tage Schmerz hinauskommst. Kann man die 10/20 meist nicht einhalten, oder muss viele Schmerztage unbehandelt überstehen, so kann man eine Prophylaxe ins Auge fassen.

    Ich bin mir sicher, bei dir ist noch viel Luft mach oben. Hier bei Headbook bist du bestens aufgehoben.

    Ich habe auch chronische Migräne, und bin mittlerweile so gut medikamentös eingestellt, dass ich quasi ein „normales“ Leben führen kann, und mich nicht viel einschränken oder auf viel verzichten muss. Ich schreibe dir das, weil ich dir Mut machen will.

    In der kleinen Welt, schreibst du, sind die Schmerzen riesig groß. Ich hoffe, dass wir dir hier helfen und Denkanstöße geben können, dass sie wieder auf ein ertragbares Maß zurückgehen.

    LG

    Jojo

    Karsten
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Hallo Johanna,

    vielen Dank für Deine Rückmeldung.

    Vor allem wirkt Maxalt sehr zuverlässig bei meinen Augenschmerzen. Ich vermute das erst nach einer Tablettenpause eine bessere Einstufung der Kopfschmerzen vorgenommen werden kann.

    Nein ich war noch nicht in Kiel. Mein erster ambulanter Termin ist in diesem Jahr im August.

    Liebe Grüße – Karsten

    Karsten
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Hallo Bettina,

    vielen Dank für Deine Rückmeldung. Mein erster Termin in Kiel wird in diesem Jahr im August sein. Eine Medikamentenprophylaxe habe ich nicht. Ich praktiziere seit vielen Jahren verschiedene entspannende Verfahren bei denen ich zur Ruhe komme.

    Liebe Grüße – Karsten

    Karsten
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Hallo Jojo,

    vielen Dank für Deine Rückmeldung.

    Seit 2016 habe ich keinen Neurologen mehr zu dem ich regelmäßig gehe. In Kiel werde ich erst im August diesen Jahres vorstellig. Ja genau, die Suche nach dem „einen Schalter“ ist nur eine Umschreibung des täglichen Dilemmas. Natürlich gibt es den „einen Schalter“ nicht. Es gibt ganz viele in allen Varianten 😉

    Vielen Dank für Deine Ermutigung und Denkanstöße.

    Liebe Grüße – Karsten

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28002

    Hallo Karsten,

    wenn Maxalt bei diesen „Augenschmerzen“ wirkt, dann kannst Du davon ausgehen, dass es eine Migräneattacke war. Triptane wirken nur bei Migräne und Clusterkopfschmerzen.

    Es ist gut, dass Du im Sommer einen Termin in der Schmerzklinik hast. Bis dahin kannst Du noch viel bei uns lesen, lernen und schon mal umsetzen.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Gigi
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 91

    Lieber Karsten,
    habe eben deine Geschichte gelesen und einige „Folgeerscheinungen“ der Migräne sind mir bekannt vorgekommen. Es ist auf jeden Fall gut, dass du im Sommer in Kiel vorstellig wirst! Vllt. solltest du dir aber auch vor Ort noch einen Neurologen suchen?

    Aufgefallen ist mir beim Lesen noch, dass auch bei dir der Stress eine Rolle spielen könnte, da du Migräne nach anstrengenden Gesprächen hattest. (?)
    Da Migräne ja oft eine Folge einer „Reizüberflutung“ im Gehirn darstellt, wäre es ja vllt. möglich, solche Geschäftsgespräche etwas besser zu „takten“= zu kürzen? 😉
    oder anderweitig zu „entspannen“?

    Ich schreibe das deshalb, weil ich (als Lehrerin) gerade sehr mit genau dieser Problematik zu kämpfen habe. Nach langen Schultagen, evtl. noch mit anschließender Konferenz, ist die Migräne sozusagen „vorprogrammiert“. Kann man die äußeren Bedingungen jedoch nicht ändern, kann man nur noch versuchen, an der inneren „Stressresistenz“ zu arbeiten, was ungleich schwieriger ist und nie abgeschlossen.
    Natürlich ist dies nur ein Denkanstoß…

    Eine medikamentöse Prophylaxe wäre auch eine Option, denn die Einschränkungen von denen du schreibst, als Folge der ANGST VOR DER MIGRÄNE (z.B. kaum noch Verabredungen treffen) die kenne ich auch, und die gilt es ja schließlich wieder aufzulösen. Denn die Angst triggert wiederum die Migräne… und die soziale Isolation fühlt sich auch nicht gut an… da ist es schon mal super, dass du einen guten Freund hast, der dir da heraus hilft!!!

    Ich wünsche dir auf deinem jetzt eingeschlagenen Weg alles Gute !!!

    Gigi

    Karsten
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Hallo liebe Freunde und Freundinnen,

    ich möchte gerne meinen aktuellen Status mitteilen. Zuletzt habe ich im Februar 2017 meine persönliche Geschichte geschrieben. Seitdem hatten sich meine Schmerzen vielfältig weiterentwickelt. Die Anzahl der Tabletten haben zugenommen, ich habe mich zunehmend von meinem sozialen Umfeld entfernt, immer weniger Sport gemacht und mich zu Hause zurückgezogen. Das hat sich kräftig und negativ auf meine „Mentalkraft“ und „Vitalität“ (sprich Psyche) ausgewirkt. Ich war ganz schön am Boden.

    Soweit am Boden, dass ich mich im November 2017 entschlossen habe einen Hypnotiseur aufzusuchen. Er hat mir sehr gut durch meine Krise geholfen, aber ein unmittelbare und spürbare Besserung der Schmerzen sind nicht eingetreten.

    Im Juli 2018 sitze ich mit Schmerzen aber relativ entspannt auf meinem Balkon und stöbere so durch Amazon und stolpere dabei über ein Buch welches Linderung der Migräne verspricht. Zur Motivation hilft es mir häufig wenn ich ein Buch lese in dem geschrieben steht das Hilfe möglich ist. Also habe ich mir das Buch digital bestellt und sofort begonnen zu lesen. Nach wenigen Stunden Lesen war mir klar, genau dieses Prinzip probiere ich jetzt aus. Schließlich habe ich von Akkupunktur bis Hypnotiseur doch alles mögliche schon probiert.

    Gesagt, getan. Ich habe meine Ernährung umgestellt und kann berichten dass dies die erste wirkliche „Maßnahme“ ist die mir einen spürbaren Effekt beschert hat. Die ersten vier Wochen waren in verschiedener Hinsicht eine Qual. Ab August habe ich zum ersten Mal seit Jahren nur an zwei Tagen in vier Wochen Tabletten nehmen müssen. Besser noch: es reicht aus wenn ich bei anfliegenden Kopfschmerzen eine Aspirin nehme. Ich stehe auch häufig noch mit Kopfschmerzen auf. Im Gegensatz zu „früher“ verfliegen die häufig von alleine. Früher endete ein Tag der mit Kopfschmerzen begann, definitiv mit einer Migräne und das dann auch für 3-4 Tage. Das ist seit meiner anderen Ernährung nun alles Geschichte.

    Dies hat auch unmittelbare positive Auswirkungen auf meine gesamte Vitalität. Ich bin wieder in meinem Sportverein tätig und spiele wöchentlich Tischtennis. Ich nehme sogar mit Freude wieder an den Punktspielen teil. Ich treffe mich wieder mit Familie und Freunden. Alles ist wieder klarer. Dachte ich früher täglich und minütlich an die Kopfschmerzen gibt es heute Tage an denen ich das total vergesse.

    Bei aller Besserung: viele Regeln, Erfahrungen und Hinweise die ja allen bekannt sind und die ich als Schmerzpatient ohne Erfolg versucht habe helfen mir jetzt mich vorzüglich mit den immer noch vorhandenen Spannungskopfschmerzen zu arrangieren.

    Mal schauen wie es die nächsten Monate und hoffentlich Jahre weitergeht. Die Ernährung die ich praktiziere ist „ketogen“. Darüber findet man genug im Netz und überall. Nicht ganz einfach in der Umsetzung, aber der Effekt ist es mir wert. Zur Sicherheit habe ich mich von einer Bio-Medizinerin untersuchen lassen um die Gefahr der einseitigen Ernährung auszuschließen. Ich bin weit davon entfernt dies als Allzweck-Heilmittel zu betrachten.

    Zu Weihnachten und Ostern bin ich von der Ernährung abgewichen und habe im Kreis der Familie Süsses und Kohlenhydrate gegessen. Es hat cirka 4 Tage gedauert dann kamen die dreckigen Kopfschmerzen mit anschließender Migräne sofort zurück. Nachdem ich dann eine Woche wieder konsequent auf die Ernährung geachtet habe war nach 4 Tagen wieder Frieden.

    Meine Botschaft: Mir persönlich hat es geholfen. Wir sind alles individuelle Menschen und die Schmerzen sind die Summe von vielen Faktoren. Ich suche nicht mehr „den einen“ Auslöser. Ich wünsche allen das Beste.

    Liebe Grüße – Karsten

    Anna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 488

    Hallo Karsten,

    ich bin jetzt etwas verwirrt.

    Wolltest du nicht nach Kiel?
    Und hat man dich dann dort nicht über die richtige Ernährung für Migräniker informiert.

    Ich möchte dazu mal Bettina zitieren, die sich im Augenblick ja nicht selbst dazu äußern kann:

    der Verzicht auf Kohlenhydrate ist für Migräniker (und auch andere Menschen) ein Schritt in die falsche Richtung. Nicht nur, dass das Gehirn die dringend benötigte Energie am besten und schnellsten aus den Kohlenhydraten holen kann, so gleitet man auch in die Mangelernährung und belastet die Organe gezielt durch die großen Mengen an Fett und Eiweiß. Weitere Erkrankungen können die Folge sein.

    Danach berichten einige von einer kurzfristigen (!) Besserung, die man einzig und alleine dem (inzwoschen sehr gut untersuchten) Placeboeffekt zuschreiben kann. Je invasiver eine Methode ist, je mehr sie kostet und ja mehr man sich quälen muss, desto besser kommt der Placeboeffekt zum Tragen.

    Fazit: Die ketogene Diät hat bis jetzt noch nie nachweislich einem Migräniker geholfen. Du kannst gerne nach Studien suchen, aber Du wirst keine eindeutig positive finden. Jede Diät und einseitige Ernährungsform macht auf Dauer sogar krank, vom teilweisen Verlust der Lebensqualität gar nicht zu sprechen.

    Ich denke, damit ist alles gesagt.
    Ich jedenfalls werde diesem ungesunden Hype nicht hinterherlaufen.

    LG Anna

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5651

    Hallo Karsten,

    auch mich würde interessieren, ob du den ambulanten Termin in Kiel wahrgenommen hast.

    Deine Schlussfolgerung, dass dir deine „Ernährungsausrutscher“ an Weihnachten und Ostern kopfmäßig nicht gut bekommen sind und das an den Kohlenhydraten generell liegen soll, muss differenziert betrachtet werden. Es gibt Kohlenhydrate und Kohlenhydrate.

    An solchen Feiertagen gibt es oft überaus üppiges, ungesundes Essen, das den Blutzuckerspiegel extrem schnell nach oben bringt, dann eine übermäßige Insulinausschüttung folgen lässt, die wieder Heißhunger macht und zum nächsten Essen greifen lässt. Extreme, die ein Migränepatient grundsätzlich vermeiden sollte, denn alles Extreme kann triggern. Je gleichmäßiger eine Lebensführung verläuft, desto weniger anstrengend für unser Gehirn.

    Die Ernährungsempfehlung für Migränepatienten ist eine gesunde, ausgewogene Mischkost mit möglichst vielen Vollkornanteilen bei den Kohlenhydraten, weil diese den Blutzuckerspiegel sanfter ansteigen und abfallen lassen. Von Softdrinks und stark industriezuckerhaltigen Lebensmitteln wird deshalb abgeraten.

    Was du bei der ketogenen Ernährungsform so positiv erlebst, sind die Folgen eines ausgewogeneren Blutzuckerspiegels. Das geht auch ohne ketogene Ernährung, wenn man die Schwerpunkte in der Ernährung richtig setzt.

    In der Regel legen die Menschen auch mehr Aufmerksamkeit auf ihre Ernährung und gesamte Lebensführung, wenn sie eine extreme Ernährungsform praktizieren, sie leben insgesamt „vernünftiger“.

    Mir kommt da eine Studie in den Sinn, die besagt, dass Vegetarier deutlich seltener an Lungenkrebs erkranken als Fleischesser. Macht der Konsum von Fleisch nun Lungenkrebs? Natürlich nicht! Doch Vegetarier leben in der Regel gesundheitsbewusster und rauchen viel seltener.

    Dies waren einfach mal ein paar Gedanken dazu.

    Es spricht ja nichts dagegen, dass du für dich persönlich die ketogene Ernährung weiter praktizierst, wenn du dich dabei gut fühlst und weniger Schmerzen hast. Als allgemeine Empfehlung für uns Schmerzpatienten sollte sie nicht gelten.

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 3 Wochen von  heika.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 3 Wochen von  heika.
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    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28002

    Hallo Karsten,

    nun hast Du schon einiges an Feedback erhalten, ich blase nun auch noch ins selbe Horn. 😉

    Aber erst mal: Es ist schön zu hören, dass es Dir nun so viel besser geht. Ich wünsche Dir, dass der Effekt noch eine Zeitlang erhalten bleibt. Atkins hat sich nicht bewährt, sonst wäre es eine offizielle Therapieform.

    Mit einer neuen Ernährungsform geht meist ein umfassender Wandel des Verhaltens einher. Man ändern nie nur eine einzige Sache, wenn man sich aufrafft, die Gesundheit zu verbessern. Es ist die Summe mehrerer Änderungen und Optimierungen, die dann zu Buche schlagen.

    Den Körper in die Ketose, den Hungerstoffwechsel zu bringen, ist auf lange Sicht ungesund. Alle Organe leiden, aber halt nicht sofort. Es ist ein schleichender Prozess, denn diese Ernährungsform ist ungesund, einseitig, entspricht nicht den Anforderungen des Organismus auf Nahrungsmittel und ist zudem auch eine Einschränkung.

    Aber nun erhole Dich erst mal von den langen Schmerzzeiten und sollte es wieder schlechter werden, dann weißt Du, dass jederzeit seriöse und evidenzbasierte Hilfe auf Dich wartet. 🙂

    Liebe Grüße
    Bettin

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