Merle traut sich

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  • Merle
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    Beitragsanzahl: 14

    Hallo zusammen,

    schon länger bin ich hier angemeldet, hatte aber bisher nicht den Mut und die Kraft meinen persönlichen Schmerzverlauf nieder zu schreiben.

    Doch heute ist es soweit, heute schaff ich das!

    Im Alter von 5 Jahren hatte ich die erste Migräneattacke (heute bin ich 51J.). Da von je her die Attacken mit starken Erbrechen einher gehen, glaubten meine Eltern ich hätte mir den Magen verdorben und außerdem haben Kinder keine Kopfschmerzen. Bis zu meinem 11. Geburtstag traten die vermeintlichen Magenverstimmungen immer auf, wenn spannende Dinge wie Weihnachten, Ostern, Geburtstage oder Ausflüge gab, doch dann änderte sich alles. Die Attacken wurden häufiger und nach der Geburt meines zweiten Kindes 1984 kamen die Attacken fast täglich.

    Zwischen 1998 bis 2012 war ich ein bis zwei mal jährlich in der Schmerzklinik Kiel zur stationären Behandlung. Nach dem auch meine zweite Ehe an der Krankheit zerbrochen war bin ich, des Klimas wegen nach Fuerteventura gezogen. Die schlechte, ärztliche Versorgung und das Heimweh nach meinen Kindern hat mich jedoch nach einigen Monaten wieder nach Deutschland gebracht.

    Es versteht sich von selber, das alles Versucht wurde um meinem Leiden ein Ende zu setzten oder es wenigstens etwas erträglicher zu machen. Aber nach meinem letzten Klinikaufenthalt war allen klar, das es keine weiteren Behandlungsmöglichkeiten mehr gibt und wir haben uns darauf geeinigt, das für mich die 10 Tage im Monat Regelung nicht gilt.

    Ein- bis zwei Mal im Jahr habe ich eine Triptanpause eingelegt um die Wirksamkeit zu erhalten. Leider war es mir nicht möglich in dieser Zeit das Bett, geschweige denn das Haus zu verlassen.

    Das einzige Triptan, das bei mir anschlägt ist Relpax 40 mg. Bei diesem Medikament habe ich einen hohen Eigenanteil, was dazu führte, das ich fast meine gesamte Altersvorsorge verbraucht habe, denn berufstätig bin ich schon seit ca. 8 Jahren nicht mehr.

    Die vergangenen Jahre waren alles andere als leicht, doch meine phantastischen Kinder und mein Lebensgefährte haben mir immer wieder den Rücken gestärkt. Es gab auch immer wieder Zeiten, wo ich versucht habe meinen Lieben zu verheimlichen, wie schlecht es mir wirklich geht und sie haben so getan als würde es mir gelingen…dafür liebe ich sie ganz besonders!

    Ja, die Schmerzen sind das eine, die seelische Belastung das andere. Starke Depressionen waren immer wieder mit von der Partie. Mit dem Verlust von Lebensqualität habe ich auch immer mehr Lebenslust verloren.

    Im Frühjahr 2014 hat mich Dr. Heinze in die Ambulanz bestellt und mir den Vorschlag gemacht es mit ONS zu versuchen. Ganz ehrlich, ich war nicht begeistert, habe aber (weil Dr. Heinze so nett ist und mir doch immer helfen wollte) zugestimmt mich in Lübeck an der Uniklinik vorzustellen.

    Im März 2014 war ich dann in Lübeck und wir haben einen OP-Termin für Anfang Dezember vereinbart. Ich war sehr verunsichert ob das der richtige Weg ist und auch meine Lieben waren alles andere als begeistert von dem Vorhaben.

    Mein Bruder hat mir dann eine folgenschwere Frage gestellt: „Was hast du zu verlieren?“

    Meine Antwort: „Nichts, denn schlechter werden kann`s nicht.“

    So bin ich also am 01.12. nach Lübeck gereist und habe die ONS OP machen lassen. Alles ist super gelaufen und ich bin sehr optimistisch, das es so weiter geht und ich bin voller Dankbarkeit für jeden schmerzfeien Tag!

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4680

    Liebe Merle,

    eigentlich möchte ich die „Leidenswege“ die ich hier lese, nicht werten, und ich bin mir sicher, es gibt sie immer noch schlimmer. Aber ehrlich, es ist schon wirklich krass, das von dir zu lesen. Es kommt mir die Gänsehaut.

    Meine Hochachtung, dass du immer noch so viel Mut hast. Man hört den Schmerz und die Depression aus deinem Beitrag heraus.

    Nun hat Dir Dein Bruder wirklich eine goldene Frage gestellt, und Du hast Dich zur OP entschlossen. Wie schön ist es, dass Du zumindest für´s Erste Zuversicht gewinnen konntest und für diesen tapferen Schritt belohnt wurdest. Natürlich wird es auch bei der ONS noch Probleme geben. Ich bin mir sicher, Du wirst alles schaffen, und zum guten Schluss als Sieger hervorgehen.

    Ich freue mich ganz besonders, dass Du dich dazu durch gerungen hast, hier zu schreiben. Es war gut, denn es macht vielen anderen Mut. Mut und Kraft, die wir hier alle soooo gut gebrauchen können.

    Für Dich alles Liebe und ganz viel Erfolg in der Therapie.

    Liebe Grüße
    Sternchen

    Merle
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 14

    Liebe Sternchen,

    vielen, Dank für Deine lieben Worte und Wünsche. Du hast natürlich recht und genau das war auch der Grund warum ich so lange gezögert habe hier meine Geschichte zu erzählen: es gibt Menschen, denen es wesentlich schlechter geht!

    Das zu wissen, hilft mir aber nicht wirklich und hier geht es ja gar nicht darum allen mitzuteilen, wie sehr man „leidet“ sondern Gleichgesinnten zu vermitteln wie jeder für sich damit umgeht und auch das sollte völlig wertfrei sein.

    Natürlich ist es für mich belastend zu sehen, wenn ich so meine Geschichte erzähle, das mein Leben von der Migräne dominiert wird. Andererseits werde ich von einem liebevollem, sozialem Netzwerk aufgefangen und gestützt und das ist mehr als manch anderer, der keine Migräne hat, je haben wird.

    Auch bin ich mir im klaren, das es mit der ONS Probleme geben kann aber darüber mache ich mir Gedanken wenn es soweit ist.

    Ich wünsche mir sehr, das meine Geschichte den ein oder anderen dazu bewegt eingefahrene Wege zu verlassen und auch mal Querfeldein zu laufen!

    Herzliche Grüße
    Merle

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4680

    Liebe Merle,

    das hast Du schön geschrieben.

    Querfeldein zu laufen, ist immer eine Option, und sich erst Gedanken machen wenn es soweit ist, bzw mal sein sollte, findet auch meine vollste Unterstützung.

    Schreibe uns, und erzähl wie es Dir weiter ergeht. Ich drücke für Dich ganz feste die Daumen.

    Ganz lieber Gruß
    Sternchen

    Ulrike
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3392

    Liebe Merle,

    deine Geschichte bewegt mich sehr und ich bin dankbar, daß du uns daran teilnehmen lässt!

    Durch welche Täler du schon gegangen bist, kann man nur erahnen.

    Was für ein großes Glück, daß du deine Familie hast, die dich so bravourös unterstützt.

    Den großen Schritt mit der ONS zu wagen, ist ganz bestimmt der richtige Weg gewesen und ich wünsche dir von ganzem Herzen , daß es weiterhin so positiv verläuft für dich!

    Viele liebe Grüße
    Ulrike

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28648

    Liebe Merle,

    wie schön, dass wir nun noch mehr von Dir erfahren haben. Was Du schilderst, kennen hier viele, daher erstaunt so ein Bericht eigentlich gar nicht mehr. Und trotzdem ist jeder einzelne das Ergebnis von sehr viel Leid, Kummer, Sorgen und Enttäuschung. Wie gut, dass Deine Familie Dich immer wieder auffängt und Du so stark bist und immer wieder neue Wege gehst.

    Ich wünsche Dir von Herzen, dass die Elektro-Merle jetzt unter gutem Strom steht und nun stetig mehr Lebensqualität haben wird. 🙂

    Liebe Grüße
    Bettina

    Merle
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 14

    Liebe Bettina,

    ja ich weiß, wenn ich so die Geschichten von anderen lese bin ich manchmal so betroffen, das meine Augen anfangen zu schwitzen. Aber ich denke darum sind wir hier, um uns gegenseitig etwas Halt zu geben.

    Liebe Grüße
    Merle

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28648

    Genau das ist Sinn und Zweck unseres Headbook. 🙂 Gemeinsam stehen wir viel durch und lernen voneinander.

    Liebe Grüße
    Bettina

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