Michael stellt sich vor / MÜK?

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  • Michael
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    Hallo zusammen,

    seit nun ungefähr 10 Jahren leide ich unter Migräne. Leider habe ich erst viel zu spät von diesem Internet-Forum, von der Schmerzklinik Kiel und von dem hervorragenden Buch „Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne“ erfahren, sonst hätte ich mir vielleicht einiges sparen können.

    Wie ich jetzt vermute leide ich an einem Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz (MÜK), nachfolgend spreche ich der Einfachheit halber aber einfach von Migräne (weil ich mir mit der Diagnose auch nicht sicher bin).

    Ich habe schon vor über 10 Jahren gelegentlich mal Kopfschmerzen (vielleicht 2-5mal im Monat) gehabt und mit ASS und/oder Paracetamol/Ibuprofen therapiert. Irgendwann halfen die Mittel jedoch nicht mehr und mein Apotheker meinte, es könnte sich ja auch um Migräne handeln. Ich habe dann Naratriptan eingenommen, was dann tatsächlich geholfen hat (und was ich auch gut vertragen habe). Wenn ich mir den Kopfschmerz-Schnelltest von Prof. Göbel anschaue muss ich jedoch feststellen, dass ich keine typischen Migräne-Symptome habe: körperliche Aktivitäten verbessern die Schmerzen (und verschlimmern sie nicht), ich verspüre eigentlich niemals Übelkeit und ich kann – wenn auch unter Einschränkungen – arbeiten. Auf einer Schmerzskala von 1 – 10 treten die Schmerzen bis maximal 5 auf, nur gelegentlich – wenn ich gar keine Medikamente einnehme – wird es nach 3- 5 Stunden auch schlimmer.

    Im Lauf der Zeit sind die Attacken jedoch wesentlich häufiger aufgetreten. Da ich im Internet gelesen habe, dass man nicht zu viel Triptane nehmen soll habe ich meistens versucht, die Attacken mit NSAR zu bekämpfen, was dann allerdings nicht geholfen hat und ich im Ergebnis dann doch Naratriptan eingenommen habe. Bis Juni 2018 hat sich das Ganze dann so hochgespielt, dass ich ca. an 20 Tagen im Monat Schmerzmittel einnehmen musste (davon an 10 – 15 Tagen zusätzlich zu den NSAR noch Triptane).

    Im Juni 2018 hat dann mein Urologe Alarm geschlagen, da meine Nierenwerte negativ aufgefallen sind. Da ich – obwohl Privatpatient – bei einem Neurologen erst einen Termin im August erhalten konnte, habe ich in Abstimmung mit meinem Hausarzt angefangen, Betablocker einzunehmen; seit Anfang Juni habe ich langsam Metoprolol eingeschlichen, zunächst bis auf 100 mg am Tag. Meine Attacken sind deutlich weniger geworden, im Juli habe ich es sogar geschafft, 21 Tage völlig ohne Triptane auszukommen (ich hatte in diesen Tagen auch keine Attacken). Weiterhin habe ich mir die Migräne-App von der Schmerzklinik Kiel runtergeladen, um meinen Medikamentengebrauch besser verfolgen zu können und bin von Naratriptan auf Rizatriptan umgestiegen. Im August und September habe ich im Schnitt 4 Attacken im Monat gehabt und jeweils mit Rizatriptan bekämpft. Ende September / Anfang Oktober habe ich dann leider – wie früher – mehrere Attacken gehabt (immer einen Tag Migräne / einen Tag beschwerdefrei). Ich habe dann die Dosis von Metoprolol auf 150 mg am Tag erhöht und bin dann wieder eine Woche beschwerdefrei gewesen, dann kam wieder eine Attacke, jetzt bin ich wieder 5 Tage beschwerdefrei. Überraschender Weise vertrage ich den Betablocker nahezu ohne Nebenwirkungen. Nur am Anfang habe ich ganz kleine Müdigkeit feststellen können und mein Ruhepuls ist runtergegangen.

    Ich bin mir durchaus bewusst, dass es mir im Vergleich zu den meisten von Euch noch gut geht; aber auch 4 Attacken im Monat nerven extrem. Da ich selbstständig bin und im Krankheitsfall auch kein anderer meine Arbeit erledigt, arbeite ich auch mit einer Migräne (da die Intensität eines Anfalls aber auch nicht so hoch ist).

    Ich habe einiges zusätzlich versucht: Akupunktur (hat eigentlich nicht geholfen), ich rauche nicht und trinke keinen Alkohol und gehe regelmäßig joggen. Ich habe versucht, Trigger für die Migräne ausfindig zu machen, konnte allerdings keinen Auslöser ausfindig machen.

    Mit großem Interesse habe ich die Berichte im Internet zu Erenumab / Aimovig gelesen;wenn das Mittel im November auf den Markt kommt, würde ich es gerne versuchen.

    Vielleicht habt Ihr ja noch andere Tipps für mich.

    Viele Grüße an alle

    Micha

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4564

    Hallo Micha,
    herzlich willkommen hier im headbook. Schön, dass du uns endlich gefunden hast. 🙂 Wenn du das Buch von Prof. Göbel „Erfolgreich gegen Kopfschmerz“ bereits gelesen hast, bist du bereits gut informiert.

    Deine Migränegeschichte ähnelt sehr vielen Beiträgen hier. Da Triptane bei deinen KS wirken, ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich um Migräne handelt. Natürlich kann sich ein zusätzlicher Spannungskopfschmerz dazu gesellt haben. Auch ich kenne diese beiden Formen. Oft ist es sehr schwer sie genau von einander zu trennen.

    Triptane sind keine Schmerzmittel im eigentlichen Sinn. Sie unterbrechen den Ablauf der Migräne. Deshalb würden sie bei Spannungskopfschmerzen oder anderen Schmerzen nicht helfen.

    Wie du ja sicher gelesen hast, ist Migräne eine neurologische Grunderkrankung. Sie wird nicht durch Akupunktur oder anderen Naturheilverfahren geheilt. Meist scheitern diese Versuche und die Enttäuschung ist groß und das Geld weg.

    Dagegen sind Ausdauersport, eine gesunde Lebensweise und ein regelmäßiger Tagesablauf ganz wichtige Voraussetzungen, um der Migräne vorzubeugen.

    Das neue Medikament ist zwar zugelassen jedoch sind die Erfahrungen damit noch sehr jung. Es wird grundsätzlich eingesetzt, wenn alle anderen Prophylaxemöglichkeiten erfolglos geblieben sind. Das macht aus meiner Sicht sinn, da es immer noch NW geben kann, die auf so kurze Zeit noch nicht wirklich erforscht sind. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die weitaus länger geprüft wurden, wie z.B. die Betablocker, die du ja schon zur Vorbeugung einnimmst.

    Mit 4 Migräneattacken im Monat bist du wirklich gut dran. Ein MÜK liegt also nicht vor. Ich freu mich für dich. 🙂 Vielleicht kannst du mit Hilfe deines Neurologen die Medikamente, die du einnimmst noch etwas optimieren um die Attackenfrequenz noch ein wenig zu senken. Besprich das doch einmal mit deinem Arzt.

    Alles Gute für dich
    Sternchen

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5604

    Lieber Michael,

    herzlich willkommen in Headbook!

    Ja, hier gibt es viel Wissen, und da du auch das Buch von Prof. Göbel hast, bist du da bereits bestens versorgt.

    Da die Triptane gegen deine Kopfschmerzen geholfen haben, kannst du sicher davon ausgehen, dass es sich um Migräne handelt. Sie wirken nämlich nicht gegen Spannungskopfschmerzen. Und nicht immer verlaufen die Symptome einer Migräne ganz typisch, da gibt es auch viele Abweichungen. Dass Bewegung die Schmerzsituation verbessert, würde eindeutig nicht für Migräne sprechen, doch man muss den gesamten Blick drauf haben. Und du berichtest ja auch von einzelnen Attacken.

    Es stimmt, man sollte nicht zu viele Schmerzmittel nehmen, doch die Triptane und NSAR zählen gleich! Man sollte nur maximal an 10 Tagen pro Monat Schmerzmittel oder Triptane nehmen, es zählt dabei nur der einzelne Einnahmetag, nicht die Tablettenanzahl an dem einzelnen Tag. Nimmst du zwei Mal pro Tag etwas, zählt es als ein Einnahmetag.

    Prima, dass du vom Betablocker so gut profitierst. Da hast du für dich eine sehr wirksame medikamentöse Prophylaxe gefunden, die bei dir zudem noch sehr nebenwirkungsarm ist.

    Wie kommst du auf den Gedanken, dass du im MÜK sein könntest? Du hast in den letzten Monaten immer wieder einige Tage/Wochen ohne Schmerzmittel gehabt, auch im Oktober. Einen MÜK kann sich durch einen über mehrere Monate bestehenden Medikamentenübergebrauch entwickeln, bei „nur“ 4 Attacken pro Monat bist du eigentlich auf der sicheren Seite.

    Viele von uns können keine spezifischen Trigger ausmachen. Das hat den Vorteil, dass man nicht zu übervorsichtig wird und alles Mögliche (evtl. sogar unnötigerweise) meidet.

    Lieber Gruß
    Heika

    Michael
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7

    Liebe Heika,
    liebe Sternchen

    vielen Dank für Eure Beiträge. Ja, ich finde es komisch, dass Triptane (und auch nur Triptane) bei mir helfen. Das spricht ja in der Tat für Migräne und nicht für Spannungskopfschmerz. Auch die gute Wirkung des Beta-Blockers spricht – wenn ich dies richtig verstanden habe – eher für Migräne. Mein erster Neurologe diagnostizierte im Jahr 2011 daher auch „atypische Migräne“.

    Auf den Gedanken MÜK bin ich gekommen, weil ich in der Zeit bis Juni (also bevor ich mit dem Betablocker angefangen habe) deutlich mehr als an 10 Tagen NSAR / Triptane genommen habe.

    Ich hoffe jetzt sehr stark auf den Betablocker als Prophylaxe; nach den ersten Berichten im Internet wirkt Aimovig aber sehr gut bei den Probanden (teilweise mehr als 50 % Reduktion der Anfälle). Ich werde jetzt für November einen Termin mit meinem Neurologen vereinbaren und dies mit ihm erörtern, ob ich noch zusätzlich Aimovig einnehmen kann.

    Ärgerlich war, dass ich viel Zeit mit dem Heilpraktiker vergeudet habe. zum Glück hat die Kosten meine Krankenversicherung übernommen; der Heilpraktiker hat nur immer wieder gesagt, „nehmen Sie so wenig wie möglich Medikamente, sonst komme ich mit meiner Therapie nicht durch“. Das führt aber leider dazu, dass man sich unnötig quält.

    Liebe Grüße und einen guten Start morgen in die Woche!
    Michael

    Anna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 469

    Hallo Michael,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ich finde es toll, dass du mit dem Betablocker so eine tolle Wirkung erzielen konntest, deshalb bin ich erstaunt, dass du so unbedingt das Aimovig haben willst.
    Du weißt doch gar nicht, ob es bei dir wirkt und wenn dann nicht wie gut.

    Nur ganz ganz wenige erreichen mit Aimovig eine völlige Schmerzfreiheit.
    Für die meisten ist wohl eine Reduktion um nicht mal die Hälfte der Tage drin, da hast du doch mit deinem Betablocker schon mehr erreicht.

    LG Anna

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5604

    Lieber Michael,

    es ist sehr unterschiedlich, ab wann jemand wirklich in einen MÜK rutscht. Es gibt Patienten, die können auch mit mehr als 10 Triptantagen klar kommen ohne MÜK-gefährdet zu sein, andere kommen schon bei 6 Triptantagen rein. Diese 10 Tage pro Monat sind eine allgemeine Faustregel, die auf vielen Erfahrungswerten beruht.

    Solange du eine gute Wirkung der Triptane verspürst und keinen Dauerkopfschmerz entwickelt hast, würde ich einen MÜK nicht in Betracht ziehen. Doch natürlich die 10er-Regel in Zukunft berücksichtigen.

    Aimovig hat statistisch gesehen bislang keine besseren Erfolge als die anderen medikamentösen Prophylaxen, ist aber im Vergleich dazu sehr teuer. Anna hat dazu schon sehr gut und treffend geschrieben. Wundere dich also nicht, wenn dein Neurologe deinen Vorschlag ablehnen sollte.

    Oh ja, die Heilpraktiker! Bände könnte man füllen, nicht nur bei Migräne, wie viele oft sinnlose Therapien für viel Geld ausprobiert wurden und werden. Und Gründe, warum etwas dann doch nicht so wirkt wie erhofft, sind immer schnell herbeigezaubert, und dann wird die nächste Methode für viel Geld empfohlen. Und manche oft sehr verzweifelten Patienten, die sich an jeden Strohhalm klammern, lassen sich hoffnungsvoll drauf ein. Und werden (immer wieder) enttäuscht. Wir haben hier schon viele Geschichten gelesen, deshalb ist eine seriöse Aufklärung über Migräne als ernsthafte, neurologische Erkrankung auch so wichtig.

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 8 Monate von  heika.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 8 Monate von  heika.
    Michael
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7

    Liebe Heika,
    liebe Anna,

    ich habe das Gefühl, dass ich jetzt mit meinem Beitritt in diese Gruppe und mit dem Buch von Prof. Goebel einen großen Schritz zur Verbesserung meiner Situation gamcht habe. Daher auch noch einmal vielen Dnak für Eure Beiträge. Folgende Punkte sind für mich jetzt neu / wichtig:

    – ich dachte immer, die 10/20 Regel bezieht sich nur auf Einnahme von Triptanen. Deswegen habe ich bis Juni eigentlich völlig hemmungslos (und ohne die Anzahl nachzuhalten) auch Iboprofen, Naproxen und Voltaren genommen. In dem Buch von Prof. Göbel habe ich jetzt allerdings gelesen, dass sich die 10/20 Regel auch auf andere Schmermittel bezieht.

    – durch das Buch von Prof. Göbel habe ich jetzt (zumindest ansatzweise) den Grund für den sogenannten „Wiederkehrkopfschmerz“ verstanden (bei mir ist der übernächste Tag nach Einnahme von Triptanen meistens der ausschlaggebende Tag, wie die nächsten Tage werden; häufig habe ich an diesem Tag den Wiederkehrkopfschmerz.

    – ich habe endlich verstanden, dass ich dem Grunde nach nichts für meine Migräne kann. Wahrscheinlich kennt jeder von Euch das Gefühl, dass man sich irgendwie weniger leistungsfähig fühlt gegenüber völlig Gesunden und die Schuld dabei bei sich selbst / seinem Verhalten / seinen Angewohnheiten sucht.

    – Ärgerlich ist, dass mein Neurologe mir im Jahr 2011 noch nicht Betablocker verschrieben hat. Er hat mich nahezu Null hierüber aufgeklärt. Wie gesagt, vertrage ich Betablocker zum Glück (und im Moment) ohne spürbare Nebenwirkung.

    Ich freue mich, in dieser Commnunity noch viele weitere nützliche Punkte zu erfahren.

    Liebe Grüße an Euch und einen schönen Tag.
    Michael

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4564

    Hallo Micha,

    wenn ich eins noch zu der 10/20 Regel deutlich machen darf? Es ist nicht die Anzahl der Akkutmedikamente, die in ihrer erlaubten Höchstdosis, eingenommen werden dürfen. Es zählen die Tage/24 Stunden in denen diese Mittel in ihrer Höchstdosis eingenommen werden.

    Das wird oft nicht so verstanden. Ist aber ein entscheidender Unterschied. Bedeutet nämlich, dass man an den Tagen an denen man behandelt auch konsequent behandeln soll.

    Alles Gute
    Sternchen

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27813

    Willkommen im Headbook, lieber Michael. 🙂

    Du hast in kurzer Zeit sehr gezielt viel Wissen zu Deiner Erkrankung erworben. Das ist gut und wichtig, denn nur so kann man sich selbst schützen und die Krankheit besser managen.

    Toll auch, dass Du die Migräne App geladen hast. Um auch gleich noch Aimovig mit einzubeziehen: Eine kürzlich durchgeführte Studie zur Migräne App ergab, dass die Nutzer 3,3, Kopfschmerztage pro Monate weniger hatten. Genau so viel, wie man mit Aimovig einsparen kann. 😉 Medical Tribune

    Dass Du den Betablocker so gut verträgst und auch noch Wirkung hast, ist toll und das solltest Du auch mal so weiterlaufen lassen. Es gibt genug Nonresponder auch bei Aimovig und den anderen monoklonalen Antikörpern, so dass Du ein Risiko eingehen würdest, wolltest Du jetzt zu Aimovig wechseln. Außerdem muss man erst eine Reihe an Prophylaxen bereits erfolglos durch haben, bevor die Kassen dann eventuell die Behandlung übernehmen würden. Never change an winnig team. 🙂

    Liebe Grüße
    Bettina

    Michael
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7

    Liebe Bettina,

    vielen Dank für Deine Erläuterungen. Ich hatte eigentlich gedacht, ich könnte den Betablocker weiternehmen und zusätzlich Aimovig und mit etwas Glück würden sich beide Mittel ergänzen. Meine „Milchmädchenrechnung“ (Hoffnung) sieht dann so aus, dass ich durch den Betablocker die Anfallstage im Monat von 8 auf 4 reduzieren kann und dann durch Aimovig von 4 auf 2. Das ist wahrscheinlich etwas laienhaft, oder?

    Liebe Grüße

    Michael

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5604

    Lieber Michael,

    menschlich nachzuvollziehen sind deine Gedanken durchaus 🙂 . Jeder Tag weniger Migräne ist ein großer Gewinn für uns Patienten. Doch bei deinen Überlegungen solltest du den wichtigen Aspekt einbauen, dass die Kosten in Relation zur (evtl. auftretenden) Wirkung stehen sollten. Für dich wären zwei Tage weniger Migräne viel wert, die Krankenkassen werden das wegen „nur zwei mickrigen Tagen“ in Relation zu den sehr teuren Spritzen wahrscheinlich anders sehen. ?

    Zudem ist eine gute Wirkung bei dir überhaupt nicht garantiert, wie Bettina das ja bereits ausgeführt hat. Es gibt Patienten, die sprechen überhaupt nicht darauf an oder haben nur eine geringe Wirkung, wie sie eine medikamentöse Prophylaxe auch ermöglichen kann. Wobei diese in so einem Fall wahrscheinlich noch deutlich mehr erreichen kann. Und bei dir funktioniert das ja super mit dem Betablocker.

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 8 Monate von  heika.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 8 Monate von  heika.
    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4564

    Lieber Michael,

    wir haben dir zu der großartigen Wirkung der Betablocker schon gratuliert. Es ist besonders nennenswert, dass du eine Reduzierung von 50% der Anfälle hast. Ein tolles Ergebnis. Man spricht bereits bei 30% von einem guten Erfolg.

    Unsere Gesundheit, und besonders auch die Migräne ist keine Mathematik. 🙂 🙂 :). Im Gegenteil, die Migräne ist eine ganz besondere Spezie. Nie ist etwas gleich, und immer kommt es anders als erwartet. Trotzdem kann ich deine Rechnung/Gedanken gut nachvollziehen. Aber, wie du ja selbst schon vermutet hast, geht die Milchmädchenrechnung nicht auf. Alle Medi´s wirken bei den Betroffenen unterschiedlich. Nicht nur bei den verschiedenen Personen. Ein Medikament wirkt oft bei ein und der selben Person zu unterschiedlichen Zeitpunkten anders. Die Prophylaxemittel müssen immer ausprobiert werden.

    Selbst wenn deine Rechnung aufginge, müßten Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Belastungen der Einnahme von diesen weiteren Medikamenten gegengerechnet werden.

    Prof. Göbel hat in der Klinik ein Bild mit dem Spruch von Ludwig Göbel hängen. Dieser besagt „Eine Stunde ohne Schmerzen ist mehr Glück, als der Stolz eines ganzen Lebens“ Also, alle wissen wovon die Rede ist.

    Bei ca. 4 Migräneanfällen im Monat könnte man aus meiner Sicht vielleicht noch versuchen die Akkutmedikation ein wenig zu optimieren.Ich weiß nicht, ob da schon alles gut läuft bei dir.

    Viel wichtiger als an der medikamentösen Prophylaxe zu arbeiten, wäre aus meiner Sicht, die verhaltenstechnische Seite zu beleuchten. Bist du da gut aufgestellt? Ausdauersport, regelmäßiger Tagesablauf, ausgewogene und gesunde Ernährung und tägl. Entspannung. Das wären Maßnahmen die auf längere Sicht Erfolg haben, und auch noch wirken, wenn der Betablocker in seiner Wirkung mal nachlassen sollte.

    Alles Liebe
    Sternchen

    Michael
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7

    Liebes Sternchen,

    vielen Dank für Deine Hinweise. Ich versuche schon seit Jahren, durch mein Verhalten / meinen Lebensstil der Migräne keine Angriffspunkte zu bieten. Ich trinke nie Alkohol und rauche nicht, ich versuche, 3-4mal in der Woche zu joggen, ich gehe nahezu jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett und stehe nahezu jeden Tag zur gleichen Zeit auf. Ich gehe jeden Tag mit dem Hund ca. 1 Stunde oder mehr an der frischen Luft spazieren. Ich trinke jeden Tag 3 Liter Wasser und versuche, auf meine Ernährung zu achten (das könnte natürlich etwas besser sein, ich habe aber bei Lebensmitteln keinen Trigger für mich ausgemacht).

    Ich habe auch (aus meiner Sicht) bei der Akutmedizin alles durch; ASS, Paracetamol, Naproxen, Voltaren, Novalgin, aus meiner Sicht alles keine Hilfe. Auch Hausmittel wie Pfefferminze, Kaffee mit Zitrone etc. haben nichts gebracht. Das einzige, was (bisher) wirklich hilft, sind Triptane.

    Hast Du vielleicht noch andere Tipps?

    Liebe Grüße
    Michael

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4564

    Hallo Michael,

    es sind alles nur Ideen 🙂 Jeder muss für sich schauen, wo er noch ansetzten kann, und wo eventuell verbessert werden kann. Das darf alles auch nicht zu Stress führen. Also verkrampftes Suchen macht keinen Sinn. Du machst schon so viel super gut. Das Einzige, was mir so auf die Schnelle einfällt wäre eine Entspannungsmethode, die täglich angewendet werden sollte. Bist du da schon für dich fündig geworden?

    Mit der Optimierung der Akutmedikation ist gemeint, dass die Mittel richtig eingesetzt werden. Der ZEITPUNKT und ggf. die KOMBINATION der Mittel muss stimmen. Ich pers. habe z.B. sehr lang anhaltende Attacken. Manchmal mit Übelkeit. Da hilft mir „nur“ ein Triptan zu wenig. Ich nehme ein lang wirkendes Triptan (Allegro), und kombiniere mit Naproxen zur Halbwertzeitverlängerung. Außerdem nehme ich kurz vor den Akkutmitteln MCP Tropfen,zur Stimmulierung des Magen-Darmtrakts. Ansonsten würden die Medi´s im Magen obenauf schwimmen und eine Wirkung würde gar nicht bis deutlich verzögert eintreten. Mit der Kombi Triptan/Naproxen versuche ich einen Wiederkehrkopfschmerz zu vermeiden. Ansonsten müßte ich den nächsten Tag nämlich wieder ein Triptan nehmen. Das kostet dann einen neuen Migräne- und Medikamententag.

    Nun weiß ich nicht genau, wie deine Attacken aussehen. Wenn du eine gute Wirkung des Triptans hast, dann meine ich, bist du super gut mit 4 Migränetagen im Monat, die sich gut behandeln lassen, aufgestellt.

    Alles Liebe
    Sternchen

    Anna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 469

    Hallo Michael,

    wenn die Triptane gut helfen, dann bist du wirklich einer der Glücklichen.
    Mit Betablockern auf 4 Migränetage gedrückt und die dann mit Triptane behandeln.
    Migränemensch was willst du mehr. 😉

    Im Ernst, dir ist schon klar, was diese Spritzen kosten?
    Und dann ist noch nicht einmal gesagt, dass sie auch helfen.
    Vielleicht kannst du es dir aber auch leisten, sie selbst zu bezahlen, dann kannst du es ja mal probieren.

    LG Anna

    Anna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 469

    Hallo Michael,

    ich möchte zu dem was Sternchen geschrieben hat noch ergänzen:
    Naproxen alleine hilft mir auch überhaupt nicht, aber zusammen mit und zur Verlängerung eines Triptans hilft es mir super.
    Magst du das mal probieren?!

    LG Anna

    Michael
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7

    Liebe Anna,liebes Sternchen,

    vielen Dank für Euren Tipp mit Naproxen als Zusatz zu Triptanen. Ich werde dies beim nächsten Anfall probieren (hoffe allerdings, dass ich noch lange ohne Anfall bleibe). Wieviel mg Naproxen nehmt Ihr? Ich habe eine Packung mit 220 mg; reicht da eine Tablette?

    Liebe Grüße

    Michael

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27813

    Lieber Michael,

    mit einer 50 % Reduktion durch eine Prophylaxe hast Du sozusagen das Maximum herausgeholt. 🙂 Freu Dich und denke gar nicht nach über eine andere Prophylaxe. Die passt super für Dich und nur das ist ja das Ziel.

    Zur Wirkverlängerung und Verstärkung eignet sich Naproxen 500 mg sehr gut. Wenn Du eine Packung mit 220 mg hast, kannst Du ja zwei nehmen. Sprich es mit dem Arzt ab, wenn Du neu damit anfängst.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Michael
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7

    Hallo Ihr Lieben,

    zunächst einmal noch vielen Dank für den Tipp, Naproxen zusammen mit einem Triptan einzunehmen. Das wirkt bei mir wirklich sehr gut, so dass ich ca. 1 Stunde nach einem Anfall nahezu beschwerdefrei bin; auch habe ich bei Einnahme von Rizatriptan nicht mehr das Problem, dass nach ca. 8 – 10 Stunden die Schmerzen wiederkommen.

    Leider hatte ich seit meinem letzten Post einige Anfälle, so dass ich jetzt im Oktober auf 10 Tage gekommen bin, an denen ich Triptane eingenommen habe. Ich spiele mit dem Gedanken, Metoprolol noch einmal zu erhöhen (von 150 mg auf 200 mg am Tag), da ich ja von dem Metoprolol nahezu keine Nebenwirkungen spüre. Was meint Ihr (bei meinem Neurologen habe leider erst einen Termin in 7 Wochen bekommen).

    Ich habe ja im Juni mit Metoprolol angefangen, in den Monaten Juli, August und September hatte ich ja im Schnitt nur 4 Anfalltage. Verliert das Metoprolol seine Wirkung und/oder kann es bei mir andere Gründe für die zunehmende Anzahl der Migränetage geben?

    Noch eine Sache zum Abschluss (hierüber gibt es glaube ich auch schon Beiträge): ich habe gelesen, dass Omega-3-Fettsäuren im Gehirn entzündungshemmend wirken sollen. Soweit ich im Internet recherchiert habe, gibt es aber noch keine Studien zu Omega-3-Kapseln als Migräne Prophylaxe. Habt Ihr hiermit Erfahrungen?

    Liebe Grüße

    Michael

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7430

    Lieber Michael,

    wie klasse, dass dir das Metoprolol bisher so gut geholfen hat. Ob das jetzt ein Ausrutscher war im Oktober oder tatsächlich ein Nachlassen der Wirkung, wird man so schnell nicht sagen können. Man kann prinzipiell das Metoprolol bis auf 200mg erhöhen, ich würde an deiner Stelle aber den Arzt per Mail kurz um sein Urteil bitten. Einfach alleine erhöhen solltest du besser nicht.
    Und ja, zum Omega3 …, da gibt es m.E. keine Studien und auch keine Beweise, aber einen Versuch kannst du ja mal machen. Schaden wird es ja nicht.
    Vielleicht fragst du Bettina noch mal wenn sie wieder zuhause ist.

    Liebe Grüße zurück,
    Julia

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