Piratin und ihre Migräne

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  • Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28214

    Liebe Piratin,

    hast Du schon mal versucht, abends niedrig dosiert ein trizyklisches Antidepressivum einzunehmen? Es kann sich positiv auf Schmerzen auswirken, fährt insgesamt etwas runter, macht bei niedriger Dosierung nicht müde tagsüber, Nebenwirkungen halten sich stark in Grenzen und man könnte die Migränefrequenz auch etwas senken. Vielleicht besprichst Du mit Deinem Arzt auch mal so einen Weg?

    Liebe Jasute,

    Ich weiß ja, dass mein Neurologe wirklich nicht so zu den Guten gehört, hoffte aber, dass es wenigstens bei der Standardtherapie klappt.

    das würde ich jetzt so nicht stehenlassen wollen, denn Dein Arzt hat sicher einen anderen Schwerpunkt. Und da ist er dann ein „Guter“. 😉 Es ist daher wichtig, sich wegen der Kopfschmerzen jemanden auszusuchen, der den Kopfschmerz als (einen seiner) Schwerpunkt(e) hat.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Jasute
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 37

    Ja, das mag sein Bettina. Bestimmt sogar.

    Dann wäre es aber auch nur mir gegenüber fair gewesen, wenn er mir gesagt hätte, dass eine Migränebehandlung nicht sein Schwerpunkt ist. Dann hätte ich gewusst, auf was ich mich einlasse und hätte vielleicht auch bestimmte Entscheidungen anders bewertet. So habe ich gedacht, dass er der Facharzt ist und sich doch auskennen muss und merke nun um so mehr ich mich in das Thema einlese, dass dem nicht so ist. Und das ist echt traurig.
    Behandlung auf Augenhöhe, für mich oft ein Wunschtraum. Aber so hast du mir auf jeden Fall schon geholfen und ich mache mich mal auf der Suche nach einem neuen Spezialisten. Danke dafür!
    Gruß Jasmin

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28214

    Ja, das wäre natürlich besser gewesen, Jasute. Aber vielleicht meinte er ja, dass er Dir trotzdem helfen kann. 😉 Viele Erfolg bei der Suche nach einem neuen Spezialisten. Schau doch auch mal in die Liste der Netzpartner der Schmerzklinik. https://schmerzklinik.de/service-fuer-patienten/vor-und-nachsorge/

    Liebe Grüße
    Bettina

    Piratin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 17

    Liebe Jasmin,

    vielen Dank für Deine guten Wünsche. Ich hoffe auch, dass es beim zweiten Mal mit dem Botox klappt. Mein Weg ist schon so lang, ich brauche dringend einen Erfolg und habe ihn mir auch verdient! ☺️ Wegen dem Topiramat solltest Du Dich nicht verunsichern lassen: es gibt Andere hier im Forum, denen es gut hilft. Für mich war es nicht das Richtige. Dass Du solange auf Hilfe für Deine Migräne warten musstest, tut mir sehr leid. Vielen hier im Forum ging es genauso. Auch bei mir war es so, dass ich jahrelang dachte, ich habe Zahn- bzw. Kieferprobleme (meine Migräne sitzt oft im Gesicht zwischen Nase und Oberlippe). Erst ein Arzt in der Schmerzambulanz einer Klinik hat mich – nachdem ich ewig auf einen Termin dort gewartet hatte – aufgeklärt, dass ich Migräne habe und dass Triptane helfen können. Viel Erfolg bei der Suche nach dem richtigen Arzt oder der richtigen Ärztin für Dich.

    Liebe Bettina,

    vielen Dank für Deine Idee. Antidepressiva habe ich noch nicht versucht. Ich werde meine Ärztin danach fragen. Runterfahren hört sich gut an, ich weiß gerade oft nicht mehr, wohin mit mir. Ich gebe mir soviel Mühe, zuversichtlich zu sein, auch weil ich hier aus dem Forum weiß, dass es noch viele andere mögliche Prophylaxen gibt. Aber im Moment ist es schwer und manchmal gewinnt die Verzweiflung die Oberhand.

    Ich werde berichten, wie es nach dem nächsten Arzttermin weitergeht.

    Danke fürs Zuhören und liebe Grüße
    Eure Piratin

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 583

    Liebe Piratin,

    deine Verzweiflung und dass du es als schwer empfindest, diese „Täler“zu durchschreiten, ist sehr verständlich und nachvollziehbar.

    Ständig war ich am Rechnen, Aushalten oder Verhandeln mit mir selbst, ob ich ein Medikament nehmen soll oder nicht. Das war kräftezehrend und ich bin unglücklich.

    Dieses „Jonglieren“, das zusätzlich Kraft kostet, kennen sicher alle, die an mehr als 10 Tagen im Monat Migräne haben und die 10/20-Regel im Blick haben (müssen). Vielleicht wird man eine Entscheidung „für oder gegen“ auch nie ganz locker und flockig treffen können. Aber wir haben die Chance, eine gewisse „Routine“ zu entwickeln, die uns dabei hilft, dass die Entscheidung „für oder gegen“ nicht mehr ganz so schwer fällt. Damit reduziert sich auch der „Druck“, der mit dem (ständigen) Schwanken zwischen den Entscheidungsmöglichkeiten verbunden ist. Denn auch dieser bedeutet Stress und kann Migräneattacken triggern – ein Kreislauf, den es zu durchbrechen gilt – ohne Garantie, nicht immer wieder in diesen „Kreisverkehr“ zu geraten. Aber die Ausfahrten, für die wir uns entscheiden können, sind da!

    Meine Migräne hat mich mit 15 Schmerztagen und 9 Triptaneinnahmen im Juli sehr auf Trapp gehalten.

    Auch wenn du dich an 6 Tagen für eine „Ausfahrt“ ohne Triptan/Schmerzmittel entschieden hast, sehe ich DEINEN Erfolg darin, dass du es geschafft hast, die 10/20-Regel einzuhalten 👍! Und du hättest so gar noch einen Medikamententag gehabt oder hast einen gespart – wie man es auch sehen mag und kann.

    Gleichzeitig mache ich mir Sorgen, weil ich nun meistens zwei Medikamente kombiniere und nicht mehr nur das Triptan einnehme. Andererseits: Die Sicherheit, dass die Medikamente wirken, sobald ich sie nehme, und die Wirkung dann auch anhält, ist tröstlich und hilft mir, auch dann die 10/20-Regel einzuhalten, wenn ich mit furchtbaren Schmerzen und Frust im Bett liege.

    Mit dieser Art der Behandlung bist du nicht allein! Du nimmst sicher einen Magenschutz zum Naproxen und tust so alles DAFÜR, dass es deinem Kopf wieder besser geht und dein Magen geschützt wird.
    Könnte die Sicherheit einer anhaltenden Wirkung vielleicht die Sorge minimieren? Denn auch diese kann wieder Stress bedeuten, der (zumindest in gewissem Maße) vermeidbar wäre.
    Auch der Frust ist nachvollziehbar und ich wage zu behaupten, dass ihn jeder hier kennt! Es gibt einen Weg in Richtung mehr Akzeptanz und Annahme der eigenen Situation. Wenn es uns gelingt, mehr und mehr in diese Richtung zu gehen, werden wir auch weniger frustriert sein. Wieder ein Stressor, den wir beeinflussen können.

    Vielleicht klingt das alles ziemlich nach einem „Ideal“, das – wenn überhaupt – sehr, sehr schwer zu erreichen ist. Aber vielleicht geht es auch gar nicht darum, sondern dass wir die vorhandenen Möglichkeiten nutzen, dort Einfluss zu nehmen, wo wir Einfluss nehmen können. Und die sind eben nicht so begrenzt und beschränkt, wie es sich vielleicht manchmal anfühlt, wenn wir immer wieder in den „Schmerz-Tümpel“ fallen. Wann und ob das der Fall ist, haben wir nicht zu 100% in der Hand. Wir sind aber auch nicht machtlos! Mit den oben erwähnten Ausfahrten können wir häufig den Schmerz lindern oder durchbrechen und den Körper aus dem „Schmerz-Tümpel“ herausbekommen. Es ist aber genauso wichtig, dafür zu sorgen, dass auch die Gedanken nicht im „Schmerz-Tümpel“ steckenbleiben, was wieder Stress bedeuten kann.

    Aber wenn Vomex zuverlässig eine schmerzlindernde Wirkung hat, dann ist das ja auch schon mal was. Ich hätte dann noch etwas in der Hinterhand, um zur Ruhe zu kommen, wenn ich alle Schmerzmittel für einen Monat aufgebraucht habe.

    Genau 👍! Vomex bzw. Dimenhydrinat kannst du auch an bis zu 10 Tagen im Monat einsetzen, mehr begünstigt eine mögliche Gewöhnung (NICHT Abhängigkeit!). Vielleicht kannst du auch „zwischendurch“ leichtere Attacken damit behandeln und dir so einen „Puffer“ schaffen, falls es am Ende des Monats mit den Medikamententagen knapp wird!

    Oft frage ich mich auch, was passiert, wenn die Schmerzen jetzt immer weiter zunehmen und ich nichts finde, was mir nachhaltig eine Verbesserung bringt.

    Auf diese zukunftsbezogene Frage wirst du in der Gegenwart keine Antwort finden. Es lässt sich nur im Jetzt überlegen, handeln, darauf einstellen…! Wir können nicht in die Zukunft schauen, wohl aber kann der Blick in die (ungewisse) Zukunft stressen. Wir können vielleicht einige Weichen stellen, ob der Zug später diese Gleise auch befahren wird, wissen wir nicht!

    Bei deinem Namen Piratin und dem herrlich orangefarbenen Schiffchen auf deinem Profilbild sehe ich innerlich einen Film ablaufen:
    du durchquerst als mutige und selbstbewusste Heldin mit deinen „Helferlein“ an deiner Seite und im Gepäck deine zu erforschenden Gewässer, fertigst Karten an, machst Erfahrungen und Entdeckungen. Du wirst Stürme durchsegeln, auf Sandbänke und Riffe unter oder über Wasser stoßen, dein Schiff reparieren. Je länger du auf Reisen bist, desto besser wirst du dich in deinen Gewässern auskennen und Hindernisse umfahren können. Vielleicht verschwinden einige und du stößt auf neue. Du wirst in ruhigen Zeiten an Deck liegen und dich von der Sonne wärmen lassen, dich entspannen und dich mit den „Früchten“ des Meeres stärken.
    Und eines wird dir Sicherheit, Ruhe und Gelassenheit verschaffen: du wirst erkennen, dass du nicht untergehst. Und wenn dein Schiff mal sinken sollte, wird es auch wieder auftauchen – kannst ja ein U-Boot daraus machen 😉!

    In diesem Sinne „Ahoi“, alles Gute und gedrückte Daumen für eine gute Botox-Wirkung!
    Katrin

    Viva la Vida! 🍀

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate von  Katrin.
    Piratin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 17

    Hallo zusammen,

    heute habe ich meine zweite Runde Botox bekommen, diesmal die höhere Dosierung. Also Daumen drücken, dass es hilft! 😊

    Ich habe der Ärztin außerdem meine Situation beschrieben, wie ich mich fühle, dass ich oft verzweifelt bin. Da hat sie von sich aus Escitalopram vorgeschlagen, um zu vermeiden dass ich in einen Kreislauf aus Angst, Stress, Migräne, noch mehr Angst, noch mehr Stress, noch mehr Migräne reinrutsche. Das ist nun allerdings – wenn ich ihre Erklärungen richtig verstanden habe – kein trizyklisches Antidepressivum, wie es auch zur Migräne-Prophylaxe eingesetzt wird und wie es Bettina vorgeschlagen hat, oder? Ich bin nicht ganz sicher, wie ich das neue Medikament einschätzen soll.

    Ganz herzlichen Dank Dir, liebe Katrin, für Deine ausführliche Antwort. Ich wollte eher reagieren, war aber in der letzten Woche im Urlaub ohne Internet und komme daher erst heute dazu. Es ist sehr ermutigend, was Du schreibst. Danke dafür! 🧡

    Aber wir haben die Chance, eine gewisse „Routine“ zu entwickeln, die uns dabei hilft, dass die Entscheidung „für oder gegen“ nicht mehr ganz so schwer fällt.

    Eine Routine zu entwickeln will ich gerne versuchen. Eigentlich hatte ich die Einnahmesituation bislang auch ganz gut im Griff. Aber gerade bin ich so weit über den 10 Behandlungstagen, dass ich im Schnitt jeden dritten Schmerztag ohne Triptan aushalten muss. Da zu unterscheiden, welcher Schmerz behandelt werden muss bzw. kann und welcher nicht, wo ich mir doch eigentlich jedes Mal Hilfe durch ein Schmerzmittel wünsche, ist schwer für mich. Meine Strategie sieht es auch vor, nach Möglichkeit immer ein Triptan zurückzuhalten, falls mich eine ganz schlimme Attacke trifft. Aber auch das schaffe ich nicht immer.

    Du nimmst sicher einen Magenschutz zum Naproxen und tust so alles DAFÜR, dass es deinem Kopf wieder besser geht und dein Magen geschützt wird.

    Ich nehme bislang keinen Magenschutz zum Naproxen, das war auch bei der Ärztin und in der Apotheke kein Thema. Welches Mittel bietet sich an?

    Vomex hat mich bei den letzten Einnahmeversuchen leider nur müde gemacht und keinen Einfluss mehr auf die Schmerzen gehabt. Vielleicht muss ich es aber auch früher bzw. rechtzeitig einnehmen? Ich probiere weiter.

    Es lässt sich nur im Jetzt überlegen, handeln, darauf einstellen…! Wir können nicht in die Zukunft schauen, wohl aber kann der Blick in die (ungewisse) Zukunft stressen.

    Du hast absolut Recht! Ich sollte mich auf das konzentrieren, was ich jetzt tun kann und mich über die positiven, die schmerzfreien Momente freuen. Das nehme ich mir ganz fest vor! Danke für Deine Erinnerung daran.

    Ich freue mich über Eure Rückmeldungen und schicke Euch viele liebe Grüße
    Eure Piratin

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4623

    Liebe Piratin,

    letztendlich kann niemand genau sagen, wie ein Medi wirkt. Es ist und bleibt ein Ausprobieren. Escitalopram tut mir seeehr gut. Ich nehme es nur wirklich sehr niedrig dosiert. Versuch es einfach.

    Alles Liebe
    Sternchen

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 583

    Liebe Piratin,

    oh wie schön! Urlaub ohne Internet – das klingt nach Abtauchen und Abschalten 😊!

    Deine Ärztin – so verstehe ich sie – hat dir Escitalopram sicher verordnet, weil es helfen kann, diesen

    Kreislauf aus Angst, Stress, Migräne, noch mehr Angst, noch mehr Stress, noch mehr Migräne

    zu durchbrechen. So hat Escitalopram möglicherweise einen indirekten Einfluss auf die Migräne, die durch Angst und Stress (zum Teil) getriggert werden kann.

    Ich halte es für sehr wichtig, auch einen Weg aus den möglicherweise „festgefahrenen“ Gedankenmustern und Automatismen zu finden. Dabei können auch Schmerzpsychotherapeuten helfen. Sie haben neben der Ausbildung zum Psychologen eine spezielle Zusatzausbildung und somit Kenntnisse über Schmerzentstehung, physiologische und psychologische Abläufe im Schmerzgeschehen usw.

    Ich fühle mich bereits seit zwei Jahren sehr gut durch meine Schmerzpsychotherapeutin begleitet. Da ich bei Psychologen ohne diese Zusatzausbildung nicht weitergekommen bin, habe ich den Vergleich. Ohne sie wäre ich heute sehr wahrscheinlich nicht da, wo ich bin. Es ist teilweise auch „harte Arbeit“ mit Höhen und Tiefen.

    Da zu unterscheiden, welcher Schmerz behandelt werden muss bzw. kann und welcher nicht, wo ich mir doch eigentlich jedes Mal Hilfe durch ein Schmerzmittel wünsche, ist schwer für mich.

    Vielleicht ist es oft auch gar nicht so eindeutig zu unterscheiden. Möglicherweise klingt es widersprüchlich: ein individuell erarbeiteter Plan (immer wieder großen Dank an dich, liebe Sternchen 😘) kann bei einer Entscheidung sehr helfen. Er ist Leitfaden mit möglichen „Spielräumen“, der