Purzelchen hat her gefunden …

Ansicht von 30 Beiträgen - 1 bis 30 (von insgesamt 134)
  • Autor
    Beiträge
  • Purzelchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 99

    Liebe headbooker,
    im Moment bin ich viel zu unkonzentriert, um meine Schmerzgeschichte aufzuschreiben.Deshalb nur kurz:
    ich habe vorhin einer Freundin geschrieben: “ ‚Kopp‘ hab ich inzwischen immer. Ich muss halt lernen damit zu leben.“
    Und da machte es klick in eben diesem meinem Kopp und ich dachte: neeee, du musst nicht damit leben lernen, du musst dich vor allem mal offensiver damit auseinander setzen und nicht nur immer leiden und immer mehr versinken.
    So traf ich auf headbook und habe schon viele gute Dinge gelesen.
    Ich habe eine Autoimmunkrankheit und habe immer vieles darin verursacht gesehen, aber dem ist wahrscheinlich nicht (ausschließlich) so, Wenn ich hier lese, was zur Krankheit Migräne alles dazu gehört (gehören kann), wird mir einiges klarer. Ich werde weiter hier herum stöbern und bestimmt auch noch ein paar dumme Fragen stellen.
    Herzliche Grüße, Purzelchen

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28414

    Dumme Fragen gibt es nicht, sagt Prof. Göbel immer und nun ein herzliches Willkommen im Headbook, liebes Purzelchen. 🙂

    Lernen, damit zu leben, hat nichts mit Resignation zu tun. Vorausgesetzt, man bleibt am Thema dran und sorgt für adäquate Behandlung.

    Also nur raus mit den Fragen, wir widmen uns jeder. 🙂

    Liebe Grüße
    Bettina

    Purzelchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 99

    Liebe Bettina, dankeschön für deine lieben Worte. Ich bin jetzt viel auf diesen Seiten rumgegurkt. Ich hab jetzt schon 100mal mir Worte zurechtgelegt, die ich schreiben wollte für meinen Krankheitsverlauf, aber ich find’s einfach zu viel und zu – äm, zu verwoben. Und dann fällt mir immer noch was ein -puh. Schwierig.

    Jedenfalls bin ich ziemlich erschrocken, weil ich denke, dass ich auch MÜK habe. Gestern hab ich meine „Azur“-Tabletten erstmal ganz nach hinten in die Schublade verbannt. Die waren immer mein Rettungsanker, wenn ich hundemüde, unkonzentriert war und es im Kopf brummelte. Aber – da sind ja auch 2 Wirkstoffe vereint, was ja nicht gut ist (früher war mir das auch durchaus bewusst – inzwischen hab ich’s geschickt verdrängt). Daraufhin konnte ich heute Nacht nicht gut schlafen, weil ich Angst hatte, wie ich den Alltag ohne meine Drogen meistern kann.

    Ich hab das Sjögren-Syndrom (Rheuma/Autoimmun/Kollagenose) , deshalb nehme ich Cortison. Hab keine Schilddrüse mehr, deshalb nehm ich versch. Schilddrüsen-Hormone. Und seit einer Depression vor über 10 Jahren nehm ich Setralin.

    Durch das Sjögren hab ich öfter mal Schmerzen, v.a. in den Speicheldrüsen am Kopf, die auch anschwellen, aber auch Gelenke können schmerzen, z.B. die Hüfte. Meine sämtlichen Schleimhäute trocknen aus, v.a. in Nase und Augen. Weil durch die Minderversorgung der Speichel nicht mehr so richtig fließt und das Zahnfleisch sich zurückzieht, ist mein Mund ein großer Steinbruch – naja, besser gesagt ein Zahnbruch. 😉

    Meine Augen sind trocken, dagegen gibt’s nachts Bepanthensalbe und tags Tropfen. Die Sehfähigkeit im Nahbereich verschlechtert sich stetig, und seit ein paar Wochen hab ich immer das Gefühl, dass in Stresssituationen das rechte Auge anfängt zu schielen und außer Kontrolle ist. Aber was ist dafür verantwortlich? Sjögren oder Migräne oder beides, oder ganz was anderes ? (Augenarzt besuch ich regelmäßig, aber ob der sich tatsächlich Gedanken darüber macht ?)

    Dazu kommt seit ca 12 Jahren Migräne. Erst selten, dann häufiger. Dazu irgendwann diffusere Kopfschmerzen.
    Das Problem ist: mit dem Sjögren einher geht eine riesige andauernde Müdigkeit. Deshalb war Azur auch immer eine gute Lösung für mich: Kopfgrummeln unterdrücken und wach sein. Aber dass die Müdigkeit auch durch die Migräne mitverursacht sein kann, hab ich erst hier gelesen.
    Gegen die Gelenkschmerzen nehm ich Ibu, aber ich vermeide, dass ich verschiedene Wirkstoffe an einem Tag nehme.

    Ein Problem teil ich mit bestimmt vielen hier: das Ärzte-hopping. Man muss erstmal nen Arzt finden, der einen Blick auf alles hat. Mein Rheumatologe ist ein begeisterter Blutabnehmer, aber Kopfschmerzen und Zahnbruch kann er nicht einordnen, also, ob das zum Sjögren dazu gehört. Leider sind Rheumatologen rar gesät und er ist noch der beste hier in der Gegend.

    Die Fragen, die ich eben noch hatte , sind aus meinem Hirn grad wieder entschwunden. (Deshalb bin ich ja ungemein beruhigt, dass ich hier iwo gelesen habe: Migräne frisst keine Hirnzellen auf, das hatte ich schon schwer vermutet … :D)

    Und ich hab hier gelernt, dass Migräne auch ohne große Schmerzen stattfinden kann – nur andere Symptome zeigt.

    Ach genau, eine Frage fällt mir wieder ein: dieses Alice-im Wunderland-Syndrom, gehört dazu auch so ein Gefühl, man stecke in einer Blase und alles außen herum ist völlig unwirklich?

    Ah, und noch eine Frage kommt mir wieder: können meine schmerzenden, entzündeten, angeschwollenen Speicheldrüsen Kopfschmerz oder Migräne mit beeinflussen??
    Ich war vor 2 Jahren bei einer Neurologin/ Schmerztherapeutin, die mir erzählte, dass Migräne eine Eigenschaft und keine Krankheit sei. Seitdem grübele ich darüber nach. (die Behandlung bei der Frau hab ich nach der zweiten Sitzung abgebrochen, weil sie mir völlig unsympathisch war)
    Tja, so weit erstmal – ist jetzt ganz schön viel geworden, sorry. Ich wünsch euch einen schönen zweiten Pfingsttag und grüß euch herzlich.

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28414

    Liebe Purzelchen,

    erstmals Gratulation, dass Du zu dieser Ärztin nicht mehr gehst. Wenn Dir eine Fachärztin erzählt, dass Migräne eine Eigenschaft und keine Erkrankung ist, hat sie zumindest von Migräne keine Ahnung und so jemanden kann man nicht gebrauchen.

    Migräne ist eine eigenständige neurologische Erkrankung und nicht das Symptom einer anderen Erkrankung!

    Entzündete und geschwollene Speicheldrüsen können Migräneattacken triggern.

    Das Alice-im-Wunderland-Syndrom könnte sich mit so einem Symptom äußern, es kämen aber auch andere Phänome in Frage, z. B. eine Depersonalisation. Hier im Forum kann man nur mutmachen, das muss fachärztlich abgeklärt werden.

    Da Deine Schleimhäute aufgrund des Sjögren sehr austrocknen, solltest Du nie spezielle Arten von Antidepressiva einnehmen, die nämlich auch die Schleimhäute austrocknen. Aber das weißt Du ja sicher schon. Sertralin trocknet die Mundschleimhaut übrigens auch aus, daher würde ich dazu nochmals rückfragen beim Arzt. Hast Du denn durch einen Auslassversuch mal getestet, ob die Depression überhaupt noch besteht?

    Azur (Paracetamol und Coffein) kann schnell in einen MÜK führen, daher lasse es bitte weg. Mach Dir auch bewusst, dass Du es nicht brauchst, aber Du Dich psychisch abhängig gemacht hast von dem Medikament. Paracetamol hat nur eine kurze Wirkzeit und die Wirkung ist bei einer richtigen Migräneattacke zu schwach. Coffein kannst Du Dir auch in Form von Kaffee gönnen, schmeckt zudem besser. 😉

    Zur Beruhigung sollte Azur erst recht nicht eingenommen werden, es ist ein Schmerzmittel! Wirklich, Du brauchst das überhaupt nicht, denn für die Schmerzen nimmst Du ja Ibuprofen. Darfst Du eigentlich keine Triptane einnehmen?

    Was für das zeitweise Schielen verantwortlich ist, darüber kann man auch nur spekulieren. Die einfachste Erkärung wäre einfach nur Übermüdung und Überforderung. Vielleicht kannst Du solche Situationen mal selbst filmen oder filmen lassen, damit der Augenarzt sich eine Vorstellung machen kann?

    Liebe Grüße
    Bettina

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4647

    Liebes Purzelchen,

    nun hast Du es doch geschafft, eine Menge aus Deinem Schmerzverlauf aufzuschreiben. Es ist nicht ganz einfach. Beim Schreiben kommen auch immer wieder Dinge hoch, die man eigentlich im Moment gar nicht auf dem Schirm hat.

    Ob man die Symptome der div. Erkrankungen so klar von einander trennen kann, wage ich zu bezweifeln. Es gibt typische Symptome der Migräne, aber es gibt auch Symptome, die ganz individuell sind.

    Ich habe mit der Zeit ein Gefühl dafür bekommen, was nun Migräne ist, oder was ich einer anderen Sache zuordnen muss. Und doch, gibt es auch heute noch Momente, in denen ich feststelle, dass ein bestimmtes, schon lange bekanntes Beschwerdemerkmal der Migräne zuzuordnen ist.

    Außerdem ist die Migräne bei mir immer im Wandel. Ich kann NIE sagen wie die Migräne morgen sein wird. Für mich ist NICHTS unberechenbarer als die Migräne.

    Genau so wandeln sich auch bei mir die Trigger, die eine Migräne auslösen. Früher hatte ich typische Wochenendmigräne, oder ich durfte keinen Schluck Alkohol trinken. Das ist heute ganz anders.

    Grundsätzlich kann man nach meiner Erfahrung sagen, dass der Körper auf Unregelmäßigeit und besondere Belastung reagiert. Enger mag ich es nicht einkreisen.

    Ich möchte mich mit meiner Migräne auch nur so weit auseinandersetzten, wie es der Prophylaxe und der Medikation dient. Zuviel nachdenken, und hineininterprtieren ist für mich kontraproduktiv. Diese Gedankenkreisel sind sehr schwer abzustellen, und stellen bei mir einen Trigger da.

    Ich wünsche Dir alles Gute, und hoffe, dass Du viele Erkenntnisse sammeln kannst, um mit der Migräne gut leben zu können.

    Alles Liebe
    Sternchen

    Purzelchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 99

    Liebe Bettina und sternchen, danke schön für eure schnellen Antworten!
    Muss noch was nachtragen…:
    Sorry, ich vergass ganz zu sagen, dass ich auch Triptane (Sumatriptan) nehme, natürlich nur, wenn ich mir sicher bin, dass es Migräne wird. Dazu habe ich mir gestern die Seite „Die Triptanschwelle“ ausgedruckt. Das kann sehr hilfreich sein, vielen Dank dafür! sternchen, du hast es gut gesagt, die Migräne kommt immer etwas anders daher. Daran muss ich mich noch gewöhnen.
    Dass ich mich mit Azur in eine psychische Abhängigkeit begeben habe, dämmert mir auch so langsam. Mistmistmist. Kaffee vertrag ich leider überhaupt nicht, deshalb ist der keine Coffein-Alternative. Inzwischen schlürf ich aber auch Cola – was ich ernährungsmäßig voll ablehne, aber ich hab festgestellt dass es mir bei einem Migränenafall, auch mit Übelkeit, gut tut.
    Mein HA hat mir auch schon Novaminsulfon für die Migräne verordnet. Das trau ich mich aber selten zu nehmen, weil er sagte, dass es so stark sei.

    sternchen, ich denke wie du: ich möchte mich auch nur so weit mit meiner Migräne auseinandersetzten, wie es der Prophylaxe und der Medikation dient. Zuviel nachdenken und hineininterpretieren ist für mich auch total belastend (bestimmt für jeden?). Deshalb bin ich ja irgendwann dazu übergegangen, einfach was einzuwerfen ohne nachzudenken. Und das ist iwie eskaliert. Dumm, ich weiß.

    Das mit dem Auslassversuch geht mir auch ab und zu mal durch den Kopf. Ich hab Angst davor … ich werd das nächste Mal meinen HA auf alles ansprechen.
    Und das mit dem Filmen find ich mal ne gute Idee! Dann kann ichs mir selbst auch erst mal angucken. Aber Überforderung und Übermüdung sind bei mir auf jeden Fall für vieles verantwortlich. Und Stress… der aber meist nicht meiner ist, sondern der von meinem Göttergatten, der sein Büro zu Hause hat und wo ich meist alles am Rande mitkriege bzw. er selbst in permanenter Hektik rumläuft. *seufz* Und das ist so schwer zu beeinflussen!!!

    Danke schön für eure offenen Ohren und eure einfühlsamen Worte. Ihr seid prima!
    Ich bin ziemlich optimistisch, dass ich alles wieder auf die Reihe kriege. Dank eurer Hilfe ;-)))

    ah, noch eine Frage:
    Habt ihr Erfahrungen mit Homöopathie?

    Danke! 🙂

    Evken
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 484

    Hallo purzelchen,
    Ja….ich habe viel Erfahrung mit Homöopathie….mein Geldbeutel wurde immer leerer und die migräne blieb völlig unbeeindruckt!
    Ich war früher Verfechter von alternativer Medizin und ich habe wirklich ALLES gemacht….auch bezüglich meiner angststörung.ich kann nur sagen:mir hat dieser Weg nicht gut getan.immer wieder wurden Hoffnungen geschürt und die Ursachen in meiner Psyche gesucht.ich bin dadurch immer mehr ins gedankenkarusell gerutscht!
    Ich möchte die alternative Medizin nicht verteufeln.sie hat bei vielen kleineren Leiden bestimmt ihre Berechtigung aber bei migräne:NEIN!das ist meine Meinung!
    Durch dieses tolle Forum, durch das Buch von Prof.göbel und durch einen guten Neurologen vor Ort hab ich endlich meinen (schulmedizinischen ) weg gefunden!
    ……