Seit mehreren Monaten Spannungskopschmerzen ohne wirkliche Besserung (Mauri)

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  • Mauri
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    Hallo und schönen guten Tag an alle,

    ich bin 27 Jahre alt und leide seit 10 Monaten an chronischen Spannungskopfschmerzen, die mich den ganzen Tag über begleiten.

    Wann es genau angefangen hat, weiß ich leider nicht mehr, allerdings ist dies bei mir schleichend aufgetreten, d.h. ich habe öfter an mehreren Tagen je nach Stress und Belastung Kopfschmerzen gehabt, die dann meistens bis abends angehalten haben. Dies wurde dann immer schlimmer und war so schlimm, dass ich mich sogar erst mal stationär im Krankenhaus aufnehmen haben lassen. Dort wurden dann verschiedene Untersuchungen vorgenommen, die allerdings nur eine chronische ZNS Erkrankung zufolge hatte, die aber nichts mit den eigentlichen Kopfschmerzen zu tun haben und diese auch nach und nach sich zurückbilden würde.

    Mir wurde dann geraten, Entspannungsübungen zu machen und mir psychologische Hilfe zu suchen. Ich habe nach Entlassung mit 10 mg Amytriptilin angefangen, die ich nach und nach auf 50mg erhöht habe. Außerdem bin ich in einem Schmerzzentrum vorstellig geworden, wo ich parallel dazu noch Tizanidin 2mg verschrieben bekommen habe. Dies habe ich dann die nächsten Monate auch genommen und es war etwas besser geworden. Nach einer geraumen Zeit habe ich dann allerdings gemerkt, dass es nichts mehr bringt und die Schmerzen wieder schlimmer werden. Ich habe dies dann erst abrupt, später dann schleichend abgesetzt, auch weil ich das Gefühl hatte, nicht mehr so präsent zu sein oder neben sich zu stehen.

    Ich habe darauf mehr und mehr versucht, es ohne Tabletten hinzubekommen, was allerdings auch nicht so von Erfolg gekrönt war. Der ganze Prozess vom Anfang bis jetzt hat auch mich ganz schön psychisch mitgenommen, ich schlafe seitdem auch sehr schlecht, fühle mich dadurch oft ausgelaugt und antriebslos. Ich kann mich so gut wie auf nichts mehr so richtig freuen, diese Mischung aus den Spannungskopfschmerzen und der Psyche (was ja zusammenhängt)verstärkt dies.

    Ich glaube mittlerweile dass das beste wäre, mich mal stationär in einer Schmerzklinik aufnehmen zu lassen, da ich momentan echt nicht mehr weiter weiß und ziemlich verzweifelt bin.
    Habt ihr noch Ideen oder Ratschläge, was ich noch machen könnte und wie ich damit besser umgehen könnte?

    Vielen Dank schon mal im Vorraus.

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28319

    Hallo Mauri, herzlich willkommen im Headbook. 🙂

    Ich habe dies dann erst abrupt, später dann schleichend abgesetzt, auch weil ich das Gefühl hatte, nicht mehr so präsent zu sein oder neben sich zu stehen.

    Amitriptylin muss man sehr langsam ausschleichen, da man sonst gravierende Absetzprobleme bekommen kann. Wann hast Du es abgesetzt und hast Du immer noch die Absetzproblematik?

    Ich habe darauf mehr und mehr versucht, es ohne Tabletten hinzubekommen, was allerdings auch nicht so von Erfolg gekrönt war.

    Was hast Du unternommen, um die Situation zu verbessern? Es gibt viele Möglichkeiten der Verhaltensanpassung, angefangen vom besser strukturierten Tagesablauf, mehr Pausen, Entspannungsverfahren lernen und insgesamt die Reize etwas zu minimieren.

    Ein stationärer Aufenthalt wird dann von den Kassen übernommen, wenn ambulant nichts mehr geht. Meinst Du, dass das bei Dir der Fall ist?

    Liebe Grüße
    Bettina

    PS: Bist Du männlich oder weiblich? 😉

    Mauri
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Hallo Bettina,

    ich bin männlich 🙂

    Zu der ersten Frage: Ich habe es vor ca. 2 1/2 Monaten abgesetzt, erst abrupt und dann mit Absprache vom Arzt bei 10mg nach 2 Wochen schleichend. Seitdem habe ich das Amitriptylin nicht mehr genommen. Habe dann mal mit Venlafaxan angefangen, was ich aufgrund der starken Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel u.s.w. auch wieder recht schnell abgesetzt hatte.

    Zur zweiten Frage: Also, ich habe so ein bisschen von vielem unternommen, aber nie wirklch lang. War beim Physiotherapeuten, hab verschiedene Übungen gemacht, um die Spannungen etwas zu lösen, ein bisschen Meditation, ein bisschen Joggen.
    Das mit dem besser strukturierten Tagesablauf ist bei mir auch ein Problem, dass ich bis auf das Arbeiten gehen keinen wirklichen Ablauf habe. Ich führe das immer dann auf den Kopfschmerz zurück, dass ich mir darüber keine Gedanken machen kann. So leidet dann auch öfters u.a. der Haushalt.
    Ich warte auch leider noch auf einen festen Therapieplatz beim Psychotherapeuten. Ich hatte mal ein paar Akutstunden bekommen, die auch kurzfristig geholfen hatten, aber natürlich bräuchte ich da dauerhaft Hilfe.
    Momentan ist leider jeder Tag gleich schlimm für mich.
    Ist das unabhängig welcher Kasse ich angehörig ich bin?
    Ja, ich würde auf auf jeden Fall sagen, dass das der richtige Weg für mich ist und ich das machen möchte.

    Viele Grüße
    Mauri

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2061

    Hallo und herzlich willkommen in headbook lieber Mauri,

    Die von dir beschriebenen Maßnahmen wie Joggen, Meditation bzw. Entspannungsverfahren und Physiotherapeutische Übungen können beim chronischen Spannungskopfschmerz sehr viel bewirken, aber oftmals dauert es eine ganze Weile bis sich etwas tut. Es wäre daher wichtig, dass du es regelmäßig praktizierst und auch dann dran bleibst, wenn du zu Beginn keine Verbesserung merkst.

    Hast du mal den Einsatz von Minzöl (Euminz) oder ein TENS-Gerät ausprobiert? Beides kann beim chronischen Spannungskopfschmerz gut helfen und auch regelmäßig eingesetzt werden.

    Vielleicht wäre es auch einen Versuch wert, nochmal ein anderes Antidepressivum zu versuchen, zum Beispiel Doxepin oder Trimipramin – diese können deine Schlafqualität und deine psychische Verfassung verbessern und zugleich den Kopfschmerz positiv beeinflussen.

    Liebe Grüße, Tanni

    SteffiN
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 48

    Liebe Bettina,

    ich habe hierzu eine Frage, da du oben vom Absetzen des Amitryptilins schreibst: Ich habe nun 5 Jahre lang Amitryptilin 50 mg genommen und versuche seit geraumer Zeit es abzusetzen – leider mit starken Problemen. Schlafstörungen und vermehrte Kopfschmerzen quälen mich seitdem ständig. Absetzen muss ich es aber, da ich zum einen irgendwann schwanger werden möchte, zum anderen damit sehr stark zunehme, was wiederum weitere gesundheitliche Probleme bei mir verursacht hat. In welchen Schritten würdest vor diesem Hintergrund ein Absetzen empfehlen? Ich bin leider sehr unglücklich mit meiner Neurologin und alle anderen Neurologen teilen mir derzeit mit, dass Aufnahmestopp herrsche. Sie berät mich kaum und sagt mir nur immer, ich solle halt wieder hochdosieren und müsse das dann halt mein Leben lang nehmen, was aber aufgrund der Nebenwirkungen keine Option ist.

    Viele Grüße,
    Steffi

    Tanni
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2061

    Liebe Steffi,

    als Faustregel gilt, dass man ein Antidepressivum mindestens so langsam absetzen soll, wie man es eindosiert hat – eher noch langsamer, insbesondere dann, wenn man es über einen langen Zeitraum eingenommen hat.

    Hast du Amitriptylin in Tropfenform da? Das würde ich dir sehr empfehlen, dann kannst du die Dosis in 2-mg-Schritten reduzieren. Letztlich würde ich immer so vorgehen: Um 2 mg reduzieren und schauen, wie dein Körper reagiert – bis zum nächsten Schritt mindestens 3 Tage warten, wenn du Absetzerscheinungen hast so lange bei der Dosis bleiben bis dein Körper sich an die geringere Dosis gewöhnt hat. Wenn du mit 2 mg weniger keinen Unterschied merkst, kannst du auch in 4-mg-Schritten vorgehen.
    Auch beim Absetzen muss jeder ein wenig experimentieren, wie schnell oder langsam er ein Medikament abdosieren kann – aber wenn du starke Absetzerscheinungen hast, würde ich dir empfehlen, dir lieber deutlich mehr Zeit zu lassen.

    Liebe Grüße, Tanni

    Mauri
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Hallo Tanni,

    ja da hast du Recht, das wirklich dranbleiben bei solchen Maßnahmen hatte ich bisher nicht und da müsste ich auch mal disziplnierter sein. Hattest du selbst diese Maßnahmen durchgeführt und wenn ja, wann hat sich ungefähr bei dir positiv was erkennbar gemacht?
    Das mit dem Minzöl hatte ich am Anfang mal genommen, als die Kopfschmerzen sich verfestigt haben, danach nicht mehr. Ich habe halt ab und zu mal probiert mit z.B. Thai Massagen, Faszienbällen das ganze zu lindern. Auch setze ich mich auf der Arbeit häufig auf einen Gymnastikball, um meine Haltung zu verbessern, was mir auch noch schwerfällt. Aber da heißt es wohl wie bei anderen Maßnahmen: Dranbleiben.
    Das mit dem TENS Gerät ist auch eine gute Idee.
    Ich habe jetzt noch von meinem Arzt im Schmerzzentrum ein Antidepressivum bekommen, was mir beim Schlafen helfen soll. Das werde ich jetzt erst mal die nächsten Tage nehmen und dann mal schauen.

    Viele Grüße
    Mauri

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28319

    Liebe Steffi,

    Tanni hat bereits das geschrieben, was ich auch empfohlen hätte. Noch eins: Natürlich kommst Du da wieder raus und musst es keinesfalls dauerhaft nehmen. 😉 Lass Dich nicht verunsichern, das Absetzen klappt. Eventuell kannst Du vielleicht auch noch ergänzende Medikation während der Absetzphase erhalten (Neuroleptika z. B.), aber dies muss natürlich vom Arzt eingesetzt werden.

    Wenn Du so unzufrieden mit Deiner Neurologin bist, dann versuche trotz allem einen Wechsel. Lass Dich auf Wartelisten setzen, manchmal rutscht man dann doch noch wo rein.

    Alles Gute und liebe Grüße
    Bettina

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28319

    Hallo Mauri,

    Ist das unabhängig welcher Kasse ich angehörig ich bin?

    ja, es hängt schon auch von der Kasse ab. Aber grundsätzlich gilt die Regel, dass man ambulant austherapiert sein muss, bevor ein stationärer Aufenthalt genehmigt wird. Checke das doch einfach mal mit Deiner Kasse, dann hast Du Deine ganz individuelle Antwort und musst nicht rätseln.

    Liebe Grüße
    Bettina