sumsimitpo – Optimismus rückwärts

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  • sumsimitpo
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    Guten Morgen zusammen,

    schon seit einiger Zeit lese ich hier im Forum und auf der Seite der Schmerzklinik mit. Gestern Abend habe ich mich dann auch hier angemeldet, denn ich habe gestern meine erste Prophylaxe mit Amitriptilyn begonnen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, meinen „Werdegang“ zu berichten, auch wenn er bei weitem nicht so aufregend und frustrierend ist, wie bei vielen hier. Ich habe das allerdings noch nie so aufgeschrieben und hoffe, dass es verständlich ist.

    Die Migräne begleitet mich seit der Grudnschuldzeit. Die erste, an die ich mich erinnern kann, war in der zweiten Klasse im Blockflötenunterricht (schrecklich, ich musste dann glücklicherweise nicht mehr hin).
    Am Anfang konnte ich gar nicht so genau sagen, was eigentich los ist, weil mir gleichzeitig schlecht und alles zu viel war. Häufig war mir „nicht gut“ nach den sonntäglichen Besuchen bei meinen Großeltern (Lange Autofahrt, viel Essen, viele Leute, Zigrettenrauch und erst sehr spät zurück)

    Mit 13 habe ich angefangen aus dem Medikamentenschrank Ibu zu nehmen und herausgefunden, dass mir die Apotheke das auch verkauft. Nach einigen Selbstversuchen war meine Lösung für jede Attacke: 800 mg ibu. Ohne die Tabletten konnte (und kann) ich im Ernstfall nichts. Aus der Schule musste ich in so einem Fall nach Hause gehen.

    Im Laufe der Zeit war meine Erfahrung mit Ärzten, wenn es nicht grade um Erkältungen ging, meist „Wir wissen auch nicht was du hast“ oder „Wir wissen, was du hast, aber da kann man nichts machen, das musst du wohl aushalten“ Deswegen habe ich mich all die Jahre nie wegen der Kopfschmerzen untersuchen lassen.

    Von 8 Jahren bis 28 Jahre hat mich das ibu mehr oder weniger treu begleitet, auf Reisen, bei Familienfeiern und durch ein Staatsexamen. Zunehmend weniger treu.

    Als ich Anfang 20 war hatte ich eine Phase voller schillernder, gruseliger Zickzacklinien, aber…keine Schmerzen. Google veriet mir: es muss wohl Migräne sein, alle Symtome passen. Eine Erklärung, auch für die Schmerzen. Vielleicht doch keine Nackenverspannung. Eine offizielle Diagnose habe ich seit Anfang diesen Jahres. Ich bekam zum ersten Mal Naratriptan verschrieben, was ganz gut hilft und ich gut vertrage (auch wenn es sich anfühlt als würden mich jemand zwichen zwei Platten schrauben).

    Im März 2018 habe ich begonnen alle Medikamente aufzuschreiben, weil ich gelesen hatte, dass man von zu viel dann eben auch Kopfschmerzen bekommt – noch mehr Kopfschmerzen war eine Horrovorstellung! Ich erfuhr von der 10/20 Regel und versuchte mich daran zu halten.
    Im Mai und jetzt im August hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben zwei Anfälle, die nicht aufhören wollten, das war sehr beägstigend für mich, denn ich kam einfach nicht mehr auf die Beine.

    Im Mai fiel mir bei einer Klausur plötzlich das Sehen im linken Augen aus, eine halbe Stunde später kam eine nie vorhergesehene Attacke. Ich wusste: „Jetzt musst du doch etwas tun, denn im März 2020, musst du ein zweites Staatsexamen schaffen.“ Dazu kam, dass ich die 10/20 Regel nur mit großer Mühe einhalten kann. Zwischen 8 (in sehr guten Monaten) und 20 (im August) sind es in der Regel um die 15 Schmerztage im Monat.

    Durch die Seite der Schmerzklinik habe ich die Kontaktdaten von Spezialisten in meiner Näher herausgefunden und begonnen mich rumzutelefonieren. Und jetzt seit gestern: Amitriptilyn. Eine Reduzierung der Attackenanzahl wäre eine Traum.

    Ich freue mich, euch kennenzulernen und mich hier mit Euch auszutauschen!

    Eure Sumsi

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28225

    Herzlich willkommen, liebe Sumsi. 🙂

    Das war ja ein langer und harter Weg bis zur leitliniengerechten und adäquaten Therapie. Aber toll, dass Du jetzt eine vernünftige Diagnose und eine Prophylaxe hast. So wäre das auch nicht mehr lange gut gegangen.

    Amitriptylin kann sehr gut helfen, verbessert auch den Schlaf und könnte jetzt erst mal eine Lösung darstellen. Sinnvoll ist das langsame und niedrig dosierte Einschleichen. Am besten geht das mit Tropfen, da man sehr fein dosieren kann. Die oft empfohlenen 25 mg sind als Einstiegsdosis für die meisten zu hoch.

    Liebe Grüße
    Bettina

    sumsimitpo
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Danke für deine aufmunternden Worte, liebe Bettina!

    Die Ärztin hat mir jetzt 10 mg in Tablettenform verschrieben und will mich in 14 Tagen wiedersehen (es sei denn ich habe schreckliche Nebenwirkungen, dann absetzen und anrufen) Ich schaue jetzt mal, wie ich zurecht komme und werde sie dann auf die Tropfen ansprechen! Danke für den Tipp!
    Es hilft wirklich, wenn man beim Arzt ist und ungefähr nachvollziehen kann, was da mit einem passiert und ob das wirklich Sinn macht. Ich hab das Gefühl, dass das häufig ein gemeinsames Stochern im Dunklen ist.

    Vor den Nebenwirkungen habe ich etwas Sorge, da hab ich doch schon einige Geschichten gehört und wurde auch gewarnt ja am Wochenende mit der Einnahme zu beginnen. Aber es muss ja auch nicht immer schief gehen…

    sumsimitpo
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Ich wollte noch liebe Grüße drunter schreiben und dann hab ich es doch vergessen, sorry :-/

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28225

    Liebe Sumsi,

    lass Dich jetzt nicht verrückt machen von anderen, die oft keine Ahnung von den Medikamenten haben, die anderen verschrieben werden. 10 mg werden meist recht gut vertragen, könnte also gut klappen. 🙂 Müdigkeit und Überhand in den Tag ist eine der am häufigsten genannten Nebenwirkungen zu Beginn. Sinn macht es dann, die Einnahme nicht zu spät in den Abend zu legen.

    Guten Erfolg damit!

    Liebe Grüße
    Bettina

    Jasute
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 41

    Hallo Sumsi,

    Willkommen im Headbook. Wieder jemand, der nie ohne Tabletten das Haus verlässt 😉

    Ich habe auch eine lange Zeit Amitriptylin genommen. Jeder reagiert anders, lass dich nicht vorher schon verrückt machen. Ich habe es gut vertragen und nur leichte Nebenwirkungen gehabt.
    Viel Erfolg 🙂

    Lieben Gruß Jasmin

    sumsimitpo
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Liebe Bettina,

    ich versuche es jetzt mal mit sieben Uhr und schaue wie es sich entwickelt. Viel mehr kann man wohl nicht machen. Ich werde dann berichten 🙂

    Liebe Jasmin,

    toll mal etwas Positives dazu zu hören. Bei irgendjemand muss es ja gut wirken, sonst würde es ja nicht so häufig verschrieben. Vielleicht ist bei positiven Erfahrungen einfach das Mitteilungsbedürfnis nicht so groß.

    Darf ich fragen wie lange du es genommen hast und warum du aufgehört hast? Hat es nicht mehr gut gewirkt?

    Ich bin so bekannt dafür, immer Tabletten dabei zu haben, dass ich inzwischen auch Medikamente in meinem Täschchen habe, die ich selber gar nicht brauche (z.B. Kreislauftropfen), weil ich so häufig danach gefragt werde. Außerdem Oropax, Spucktüten, Kaugummis, Pflaster, Traubenzucker…Hast du auch so einen „mobilen Notfallkasten“?

    Liebe Grüße
    Eure Sumsi

    Jasute
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 41

    Liebe Sumsi,

    ich habe bewusst geschrieben, dass jeder anders reagiert. Ob es bei dir wirkt, kannst du nur herausfinden, wenn du es ausprobierst. Manchen NW kann man vielleicht auch ein wenig austricksen. Ich bekam immer ein sehr trockenen Mund, habe dann öfter ein Bonbon gelutscht weil trinken alleine nicht half. Von dem oder anderen Medis (ich weiß das nicht mehr so genau, habe schon so einige durch) habe ich sehr jukende umd empfindliche Haut bekommen. Da half mir rückfettende Babyseife. Für solche Tipps ist ein Forum sehr hilfreich 🙂

    Ich bin chronischer Schmerzpatinet, ich habe das Amitriptylin gegen meine dauerhafte Schmerzproblematik ISG und WS genommen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass meine KS Migräne sind. Meine damalige Schmerztherapeutin wusste die nicht zu behandeln. Ich nahm Amitriptylin im ganzen so über 3 Jahre mit Pausen zwischendurch in unterschiedlichen Dosen, von 10mg bis rauf auf 50 mg, aber niemals wegen der KS. Sie halfen aber nicht wirklich aber die Ärzte wollten mir das nie wirklich glauben. Irgendwann habe ich dann mir selbst mehr vertraut als den Ärzten und habe es mir nicht mehr verordnen lassen. Auf die KS hat es auch bei den 50mg, die ich auch über längere Zeit genomme habe, nie gewirkt, leider.
    Toll war, dass ich die ersten eins, zwei Monate wirkich gut habe schlafen können. Durch meine Schmerzen ist mein Schlaf leider miserabel.

    Aber wie gesagt, nur weil es bei mir so war, heißt es nicht, dass es bei dir auch so ist.

    Hast du auch so einen „mobilen Notfallkasten“?

    Ja, ich habe auch immer alles dabei. Ohne Tabletten gehe ich niemals aus dem Haus! Egal wie klein die Tasche auch ist. Und meine Freunde und Kollege wissen, wen sie fragen müssen, wenn sie mal was brauchen 😉 Tatsächlich habe ich auch seit kurzer Zeit Oropax dabei. Ich merke, dass ich mit der Zeit immer geräuschempfindlicher werde. Sonst war ich dies bisher nur in einer aktuten Attacke, neulich ist mir aber in einem Restaurant fast der Schädel geplatzt!
    Spucktüten benötige ich zum Glück nicht, von Übelkeit bin ich bisher verschont geblieben *malganzschnellaufHolzklopft* aber einen Müsliriegel und Traubenzucker habe ich seit neustem nun auch immer mit dabei 🙂

    Lieben Gruß Jasmin

    sumsimitpo
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Liebe Jasmin,

    es tut mir leid, dass es nicht geholfen hat und du so eine Odyssee hinter dir hast. Ein Grund warum ich mit den Kopfschmerzen solange nicht zum Arzt gegangen bin, war auch dieses „einem nicht glauben“, weil man nicht der Schulbuchfall ist und es ja helfen „muss“. Ich hab das regelmäßig bei Nierenbeckenentzündungen. Anscheinend muss man da stärkere Schmerzen haben als ich (Vielleicht sind sie einfach nur im Vergleich zur Migräne halt besser auszuhalten) Ich kenne aber inzwischen die Anzeichen und da in meiner Hausarztpraxis mehrere Ärzte behandeln, muss man manchmal ordentlich kämpfen, auch wenn es einem schon ohnehin schlecht geht.

    Liebe Grüße
    Sumsi

    Mit meiner Notfalltasche komme ich mir manchmal vor, als zöge ich in den Krieg, nicht in den Montag. Das mit der Gräuschempfindlichkeit kann ich gut verstehen. Besonders Dauergeräusche machen mir zu schaffen, außer Haus hab ich, wenn ich unterwegs bin, eigentlich immer Stöpsel im Ohr (meistens allerdings mit Musik 😉 ) weil mich der Straßenlärm fertig macht. Vor ein paar Jahren hab ich auf einem Ohr das Gehör in den hohen Frequenzen verloren und ich weiß, dass das offensichtlich nichts gutes ist, aber…Halleluja, keine fiepsenen Fernseher, Lampen, Ladekabel hören können!!!

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