Verspätete Vorstellung (Jasmin)

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  • Jasmin
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    Hallo zusammen,
    da ich mich noch nie selbst hier vorgestellt habe, nur mal gelegentlich hier gelesen und geschrieben, möchte ich dies aus aktuellem Anlass gerne nachholen – ich weiß auch gerade nicht, worunter ich meine Frage stellen sollte…
    Also: ich bin 55 Jahre alt und habe seit über 30 Jahren Migräne, von Anfang an eher schwere, mehrtägige Attacken. Ich weiß zwar, dass Migräne nicht als psychische Krankheit zu sehen ist, es würde aber bei mir passen, dass die Schwere durch viele, frühe emotionale Belastungen mitbedingt ist. Es gab immer bessere und schlechtere Phasen und ich habe leider eine sehr lange Leidenszeit von ca. 20 J. gehabt, bis ich fachkundige hilfreiche Unterstützung in Kiel, Königstein etc. und meiner jetzigen Migränespezialistin gefunden habe.

    Besonders schwerwiegend war eine Verschlimmerung, nachdem ich vor sechs Jahren meinen lieben Ehemann durch eine furchtbare lange Krebserkrankung verlor. Danach hatte ich mehrere chronische Phasen und konnte meine Berufstätigkeit als Lehrerin nicht mehr aufnehmen, was ich aber mittlerweile akzeptiert habe.
    Seit gut 3 jahren bin ich auf eine Prophylaxe mit Doxepin (anfangs 75mg, seit ca.2 J. 50mg) eingestellt und habe Sumatriptan als hilfreichstes Triptan, sonstige Schmerzmittel allein helfen auch bei zunäcsht leichten Attacken überhaupt nicht.
    Meine psychosoziale Situation hat sich seit einiger Zeit wieder gebessert, zumal ich seit über 2 Jahren mit neuem lieben Partner zusammenlebe und meine drei Kinder (mehr oder weniger) aus dem Haus sind. Sehr hilfreich ist eine Psychotherapie (VT), tägliche Entspannungsmethode, schöne Unternehmungen mit meinem Partner oder Freundinnen etc. Eigentlich könnte also nun alles wieder schön sein – wenn mich nicht immer mal wieder Rückschritte in der Migräneerkrankung heimsuchen würden.

    Ich kenne und beachte die 10/20-Regeln, muss aber sagen, dass bei mir auch schon weniger als regelmäßig 10 Triptantage eine Verschlimmerung bewirken. Nun hatte ich schon eine richtig gute Phase im Herbst letzten Jahres, d.h. ich hatte mal vier (!!) Wochen ohne Schmerzmitteleinnahme, ein Traum, leichte Migränetage habe ich locker ausliegen können und war selbst verwundert, dass es am nächsten Tag weg war. Sehr lange habe ich von Neurofeedbacktherapie profitiert, die Attacken veränderten sich nach ein paar Monaten, wurden kürzer und harmloser. (PLacebo über viele Monate?) An den Tagen ohne Schmerzen ging es mir auch psychisch richtig gut.

    Aktuell ist es nun so, dass ich im Januar nur 4 Triptantage, Februar ca.16 Schmerztage hatte, nur 7 davon mit Triptan, im März nun dachte ich, es beruhigt sich alles wieder und meine Neurologin empfahl mir nach meinem Schmerztagebuch, das Doxepin auf 25mg zureduzieren, was ich peu a peu seit 9 Tage gemacht habe, z.Zt.35mg abends. Nun habe ich gerade alle zwei Tage Migränebeginn, habe mehrere Triptane daher genommen und meine Erfahrung ist, dass es sich dann schnell chronifiziert, also ständige Migränebereitschaft auftritt, wenn ich 4-5mal alle zwei Tage ein Triptan genommen habe.
    Meine Neurologin empfahl, mir nicht soviel Stress mit den Triptanen zu machen, es seien ja noch nicht so viele, doch ich fühle mich dann bei dem häufigen Gebrauch körperlich und psychisch schlecht, schlapp, muss mich wieder mehr und mehr zurückziehen, Termine teils absagen, alles was ich mir schwer erarbeitet hatte. Eigentlich müsste ich also eher eine konsequente Schmerzmittel-/Triptanpause von mind. zwei Wochen einlegen um wieder Ruhe hineinzubekommen, doch es stehen gerade ein paar (eigentlich schöne) Termine an. Nun fühle ich mich gleich wieder als Looser, mein Partner hatte gerade Ferien und ich konnte kaum etwas mit unternehmen (er macht mir keine Vorwürfe).

    Meine Frage nun: Können dies auch Absetzerscheinungen von Doxepin sein? Sollte ich es trotzdem durchziehen?
    Wie würdet ihr an meiner Stelle vorgehen?
    Heute habe ich nun erstmal statt erneutem Triptan 100mg Prednisolon genommen (nach Absprache mit Neurol.), das bewirkt oft einen Stopp des Geschehens, aber nur vorübergehend.
    Sorry, das war nun viel Text, aber ich bin so frustiert und ratlos.
    Ein schönes Frühlingswochenende wünsche ich allen!
    Jasmin

    Bettina Frank – Admin
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    Liebe Jasmin,

    begrüßen möchte ich Dich jetzt nicht erneut, da wir uns schon so viele Jahre kennen 🙂

    Ziemlich sicher hat die jetzige Verschlechterung etwas mit dem Absetzen des Doxepin zu tun. Auch psychische Auswirkungen machen sich bemerkbar, wenn man nicht ganz langsam über mehrere Wochen absetzt. Die Frage ist halt, ob Du wirklich absetzen solltest. Die Vergangenheit zeigte, dass Dich schwierige Phasen sehr niederdrücken, Du da schlecht wieder herauskommst.

    Hast Du denn selbst das Gefühl, dass Du ohne Antidepressivum gut über die Runden kommen könntest?

    Mach doch weiter das Neurofeedback, wenn es Dir so gut getan hat.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Jasmin
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    Beitragsanzahl: 380

    Liebe Bettina,
    vielen Dank für deine Antwort. Ich war schon irritiert, dass die Auskunft meiner Ärztin war, man könne gleich von 50 auf 25 mg reduzieren, was ich mich ja nicht getraut hatte, da ich eh sensibel reagiere. Kannst du mir etwas empfehlen, wie ich vorgehen könnte, also welcher Zeitraum in welchen Schritten realistisch wäre?
    Mir ging es psychisch in den letzten Monaten deutlich besser, daher sollte es ein Versuch sein, zumal ich auch auf die 50 mg immer mit etwas erhöhten Leberwerten, sowohl GGt als auch zwei weitere, reagiere.
    Als reine migräneprophylaxe würden viele auch mit deutlich weniger auskommen, war meine Information. Gerade letzte Woche hatte ich auch nach einer besseren Woche wieder dienstags, Donnerstag und Freitag Migräne, daher war ich auch nicht ganz überzeugt, wollte es aber eben versuchen.
    Psychisch hat sich zum Glück einiges bei mir getan, auch wenn es phasenweise schwieriger wird, was jedoch immer im Zusammenhang mit realen Belastungen steht.

    Ich bin also für jeden Hinweis dankbar.
    Liebe Grüße
    Jasmin

    Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 28221

    Liebe Jasmin,

    lass Dich doch nochmals beraten von Deiner Ärztin und teile ihr deutlich mit, dass Du sanft ausschleichen willst. Es gibt auch Tropfen, mit denen man sehr fein dosieren und ganz langsam ausschleichen kann. Dazu würde ich Dir raten und für das Ausschleichen solltest Du Dir viele Wochen Zeit lassen.

    Es freut mich, dass Du psychisch wieder stabiler bist. Nun gilt es halt herauszufinden, wie Du ohne die Unterstützung durch das Doxepin zurechtkommst. Ich drücke die Daumen, dass alles gut verläuft.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Jasmin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 380

    Hallo,
    ich habe nun schon einige Zeit meine Prophylaxe wieder auf Doxepin 50mg hochdosiert, hatte nun – warum auch immer – von Februar bis April jeweils über 15 Migränetage und obwohl ich nur ca.7-8 Triptantage/Monat hatte, wurde es zunehmend chronisch. Nun war ich ganz erleichtert, als ich im letzten Live-Chat o.ä. irgendwo las, das es auch Patienten gibt, die auch bei unter 10 Einnahmetagen/mon. schon in einen MÜK kommen können. Dazu gehöre ich dann leider definitiv auch und ich fühlte mich endlich ernst genommen, obwohl mir vorher ärztlicherseits schon gesagt wurde, ich solle mir doch ruhig mehr Triptantage gönnen und nicht freiwillig soviel leiden. Doch ich beobachte das seit Jahren, dass bei mir ganz offensichtlich die Schwelle niedriger liegt.
    Nun habe ich ambulant eine Schmerzmittelpause begonnen, habe nun 12 Tage um und teils mit Prednisolon unterstützt, das ging ganz gut und ich fühle mich jetzt schon wieder besser.

    Frage: 1. Kann ein MÜK mein vorheriges zunehmendes Erschöpfungsgefühl mit teils heftigen Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen mit bedingt haben?

    2.Ich überlege auch seit einiger Zeit, ob ich nochmal ne Reha in Migräneklinik machen sollte, Berolina oder Königstein (in letzterer Klinik war ich mehrmals sehr gerne, an Berolina würde mich das obligatorische Einzelzimmer reizen, wo ich nix zuzahlen müsste). Ich habe einfach immer mal wieder Probleme, diese heftigen Phasen anzunehmen, wo die Migräne wieder die Oberhand hat und ich mich mehr und mehr aus allem zurückziehe, wo ich doch eigentlich nach den unterschiedlichsten Schicksalsschlägen wieder dauerhaft in die Lebensfreude kommen will, doch nun musste ich wieder alles mögliche absagen, bloß die Sonne meiden (heftiger Trigger).
    Hat da jemand eine Idee zu? ich würde mich sehr über Entscheidungshilfen freuen.

    LG Jasmin

    Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2851

    Liebe Jasmin,

    Deine erste Frage würde ich auf jeden Fall mit „Ja“ beantworten. Bei mir äußert sich MÜK neben vermehrten Kopfschmerzen auch so. Bei mir liegt die Grenze bei acht Einnahmetagen. Bleibe ich da stabil drunter, ist alles gut. Ein Monat drüber macht auch nichts, wird es mehr, wird es auch schnell schlechter.

    Bestimmt kann dir eine Reha etwas bringen. Ich denke, dass es wichtig ist, für sich genau zu definieren, was man erreichen will. Ist man mit seinem Latein am Ende und kommt ambulant nicht weiter, würde ich persönlich nur nach Kiel in die Schmerzklinik gehen. Geht es um Auszeit und Anstöße im psychischen und nichtmedikamentösen Bereich, dann gerne Reha.

    Ich habe eine Zusage für 4 Wochen Berolina, meist wird verlängert, sagte man mir am Telefon. Die Behandlung der Migräne dort ist für mich kein Thema (siehe oben, ich schwöre auf Kiel), das werde ich auch so kommunizieren. Alles was ich im Bereich Psychosomatik sonst bekommen kann, nehme ich mit und hoffe darauf, dass es mir etwas bringt für die anderen Probleme, die eine chronische Erkrankung und das Leben so mit sich bringt.

    Liebe Grüße
    Johanna

    Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 28221

    Liebe Jasmin,

    Frage 1 wurde ja von Johanna schon beantwortet.

    Wenn Du eine Reha anstrebst und es Dir vorrangig um den Umgang mit der Erkrankung geht, würde sich die Berolina Klinik anbieten. Dort kennt man sich zudem auch mit der Migräne aus.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Jasmin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 380

    Hallo ihr Lieben,
    vielen Dank an Johanna und Bettina für eure Antworten!!
    Ich tue mich mit Berolina noch etwas schwer, weil es dafür unter anderem auch einige relativ schlechte Bewertungen gibt bei klinkbewertungen.de.
    Ich weiß ja, dass es immer Menschen gibt, die was auszusetzen haben, aber gibt es hier wirklich bei einigen von euch positive Erfahrungen dafür? Ich dachte auch, der Oberarzt gehöre zu den migräneexperten, daher wundert mich nun die Aussage von Johanna…
    Ein schönes Wochenende wünsche ich allen Lesern!! Und falls noch jemand Erfahrung mitteilen kann, würde ich mich sehr freuen!
    LG Jasmin

    Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2851

    Liebe Jasmin,

    ich habe mich mit den letzten Negativbewertern privat ausgetauscht. Es ist dort so, dass du auch mit Migräne in die Psychosomatik einsortiert wirst. Auch gibt es nur den einzigen Arzt den du erwähnst der sich gut mit Migräne auskennt ansonsten spielt die Psychosomatik die Hauptrolle.Aus diesem Grund wäre Migränebehandlung in der Berolina für mich kein Thema. Alles andere soll gut sein.

    Liebe Grüße Johanna

    Bettina Frank – Admin
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    Beitragsanzahl: 28221

    Liebe Jasmin,

    es ist, wie Johanna es beschreibt: Schwerpunkt ist die Psychosomatik und das ist ja Dein Hauptanliegen für die geplante Reha. Und dafür denke ich, wäre diese Rehaeinrichtung vielleicht die Passende für Dich.

    Der Oberarzt, den ich persönlich kenne und schätze, kennt sich gut aus mit Migräne, ist sehr engagiert zum Thema und könnte auch hierzu weiterhelfen, wenn gewünscht.

    Wenn Du aber bisher in Königstein gute Erfahrungen gemacht hattest und Dich dort so wohl fühlst, dann spricht doch auch nichts dagegen. Inwieweit hier allerdings auf die Psychomatik (Dein Thema) eingegangen werden kann, ist mir nicht bekannt.

    Liebe Grüße
    Bettina