Vorstellung Juvani

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  • Juvani
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    Beitragsanzahl: 13

    Hallo zusammen,

    Ich benutze schon über 1 Jahr die Migräne-App, das verlinkte „Kopfschmerzwissen“ war für mich eine Offenbarung. Manchmal schaue ich auch hier ins Forum, meistens wenn ich eine Attacke hab und mal wieder verzweifelt bin weil nix hilft (so wie heute). Jetzt habe ich mich dazu durchgerungen, hier auch mal selbst reinzuschreiben und hoffe, ich bekomme vielleicht ein paar hilfreiche Tipps von euch.

    Ich bin 25 und habe Migräne seit ich denken kann, die offizielle Diagnose habe ich allerdings erstmals mit 21 von einem Neurologen bekommen. Mein Kinderarzt und später mein Hausarzt meinten immer, man könne das nicht so genau wissen, ob das Migräne sei. (Ich selbst war mir allerdings ziemlich sicher, da mein Vater, seine Geschwister und seine Eltern allesamt auch an Migräne leiden).
    Also habe ich eben mit nicht verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln wie IBU, Paracetamol und ASs selbst rumprobiert, was selten geholfen hat aber mir Magenprobleme beschert hat. Dabei immer mit furchtbar schlechtem Gewissen wegen den gut gemeinten Ratschlägen, Kind, nimm bloß nicht zu viele Tabletten.
    Triptane habe ich dann erstmals von o.g. Neurologen mit 21 verschrieben bekommen nachdem ich eine Medikamentenpause von mehreren Wochen einlegen musste. Er hat mir dann auch als Prophylaxe Betablocker verschrieben, was mir leider gar nichts geholfen hat aber die Nebenwirkungen waren schrecklich. Also habe ich nach einem halben Jahr wieder aufgehört die zu nehmen und da mich als Alternative Botox, Antiepileptika oder Antidepressiva abschreckten, bin ich nicht mehr hingegangen.
    Irgendwann später, als ich mit der Migräneapp brav über ein halbes Jahr ausführlich Tagebuch geführt hatte, habe ich mich mal wieder zu einem Neurologen getraut, diesmal einen, der auch auf Migräne spezialisiert ist. Leider konnte er mir nichts Neues erzählen und die o.g. Prophylaxe finde ich immer noch abschreckend. Ich hätte gehofft er schaut sich mein Tagebuch an und gibt mir praktische Tipps bzgl Verhalten oä, leider Fehlanzeige.
    Kürzlich war ich aus Verzweiflung bei der Akupunktur bei einem echten Chinesen der auch westliche Medizin studiert hat, hatte mir erhofft dass er vertrauenswürdiger ist als so mancher Heilpraktiker. Ist er sicherlich auch, nur leider hat mir die Therapie nicht geholfen.

    Und jetzt steh ich mal wieder vor der Frage: was soll ich denn noch machen, damit das endlich besser wird, wenn ich auf die starke medikamentöse Prophylaxe verzichten will?! ?

    So, das wars erst mal von mir. Ist viel geworden! Vielleicht habt ihr ja ein paar Ideen…

    Verzweifelte Grüße von Juvani

    PS: Achso, habe 10-15 Schmerztage pro Monat, achte aber immer auf die 10/20 Regel

    • Dieses Thema wurde geändert vor 4 Monate von  Juvani.
    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5600

    Liebe (r?) Juvani,

    herzlich willkommen in Headbook!

    Ich kann deine Verzweiflung gut verstehen. Bis zu 15 Migränetage pro Monat sind heftig, so etwas kostet viel Kraft und Nerven. Kaum zu glauben, aber leider immer wieder zu lesen, dass es oft viele Jahre dauert, bis eine Migränediagnose gestellt wird und eine zielgerichtete Behandlung erfolgt.

    Schade, dass du von Zuhause aus so negativ in Bezug auf Medikamente geprägt wurdest. Natürlich stimmt es, dass zu (!) viele Tabletten nicht gesund sind, doch das sind starke unbehandelte Schmerzen für den Körper auch nicht, dieser Aspekt wird leider meist übersehen.

    Immerhin bist du irgendwann beim Triptan gelandet, das den gesamten Körper deutlich weniger belastet als die üblichen Schmerzmittel. Wirkt dein Triptan gut, was nimmst du denn? Super, dass du die 10-Tage-Regel einhalten kannst. Wie behilfst du dir an den übrigen Tagen?

    Schade, dass du so schlechte Erfahrungen mit dem einen Betablocker gemacht hast, doch es gibt noch viele andere Medikamente, auch aus anderen Gruppen, die einen Versuch wert wären. Absetzen kann man ja jederzeit, sollten Nebenwirkungen nicht zu tolerieren sein.

    Ich selber hatte nach Versuchen mit Flunarizin und Topiramat eine ähnlich negative Haltung wie du aufgebaut. Um eine medikamentöse Prophylaxe zu vermeiden, stand ich lieber hin und wieder Migräneattacken ohne Triptane/Schmerzmittel durch. Das funktionierte auch viele Jahre lang ganz gut so, bis zusätzlich zur hochfrequenten Migräne ein starker Dauerspannungskopfschmerz auftrat, der mich in jeder Hinsicht an meine Grenzen brachte.

    Ich musste mich innerlich sehr überwinden, das von einem äußerst kompetenten Schmerzarzt vorgeschlagene Escitalopram (ein neueres Antidepressivum) auszuprobieren. Gleichzeitig wurde auch noch Botox eingesetzt. Was auch immer davon wirkt, es wirkt! Ich bin derart glücklich, dass es mir so viel besser geht, habe wieder deutlich an Lebensqualität gewonnen, so dass ich jeden Morgen mit Freude (! ? ) zu meiner Tablette greife.

    Kennst du das Buch von Prof. Göbel „Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne“? Das würde ich mir zulegen, es ist das umfassendste und beste Werk zu diesem Thema. Denn im Bereich Verhalten lässt sich bei dir vielleicht auch noch einiges optimieren?

    Dieser Bereich ist sehr umfassend und kann bei ambulanten Arzt-Terminen in der beschränkten Zeit eigentlich nicht ausführlich genug besprochen werden.

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Monate von  heika.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Monate von  heika.
    Juvani
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Liebe Heika,

    danke für deine Antwort und dein Verständnis.

    Ich nehme Rizatriptan, das hilft mir meistens sehr gut. Manchmal hilft es aber auch gar nicht, dann bin ich immer sehr unsicher, ob ich nochmal eine Tablette nehmen soll, oder lieber was andres (Ibu, ASS, Naproxen?) oder lieber gar nichts, weil Mischen auch nicht gut ist. Wenn Rizatriptan am Anfang nicht hilft, halte ich oft die restlichen 2-3 Migränetage ohne Schmerzmittel aus, was mich psychisch allerdings ziemlich fertig macht. Das gleiche mache ich auch, wenn ich über die 10/20 Regel drüber komme. Dann nehme ich extra viel Magnesium, trinke Kopf-Entspannngstees, tu mir Olbas-Öl auf die Schläfen, mach mir ne Wärmflasche für den Nacken… all sowas eben, aber helfen tut es ja nicht richtig.

    Die Medikamente die du nennst sagen mir nicht viel, dazu muss ich mal nachlesen. Wurdest du im Voraus gut von deinem Arzt aufgeklärt was mögliche Nebenwirkungen angeht oder hast du das sozusagen im Selbsttest erfahren müssen?

    Zum Thema Verhalten. Ich versuche einen sehr regelmäßigen Tagesablauf einzuhalten. Immer ähnliche Aufsteh-/Schlafenszeiten, regelmäßig Essen (bei mir sehr wichtig), nach dem Mittagessen kurze Pause (am besten kurzes Schläfchen), immer gleich viel Kaffee, Alkohol nur abends wenn ich das Gefühl habe, dass ich einen guten Tag habe.
    Ich gehe einmal die Woche zum Fußball und einmal die Woche zum Pilates. Zum Joggen ist es mir momentan zu kalt, ich krieg das nur im Sommer einigermaßen hin. Bei mir scheitert es da leider an meiner Selbstdisziplin obwohl ich mir alle Mühe gebe. Genauso mit Entspannungstechnik. PMR mache ich meist nur, wenn ich mich unter Strom fühle, nicht jeden Tag. Wie schafft ihr es, euren Schweinehund zu überwinden? V.a. wenn ich oft Migräne habe macht es mir das noch schwieriger, regelmäßig Sport zu machen, weil an solchen Tagen ist der Sport dann ja gestrichen…

    Das Buch habe ich noch nicht, sollte ich mir vielleicht zulegen.

    LG
    (die) Juvani

    neele
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 100

    Hallo Juvani,
    ich kann das nur bestätigen, was Heika zuvor geschrieben hat.
    Die Verzweiflung ist sehr groß, wenn nichts so richtig Besserung bringt und man in so jungen Jahren schon so viel Schmerzen hat.
    Ich will nur ein bisschen Mut machen. Bei mir haben zwar die Triptane immer gut gewirkt, aber die Anfälle haben sich immer weiter gehäuft und keine Prophylaxe hat geholfen, manchmal eher das Gegenteil bewirkt. Lange habe ich dann gar keine Prophylaxe mehr nehmen wollen, bis auf Botox (war aber auch nicht so richtig wirkungsvoll). Als ich dann nur noch 1-2 Tage Pause zwischen den Anfällen hatte, bin ich von meiner Schmerzärztin nach Kiel geschickt worden. Dort habe ich Candesartan verschrieben bekommen, und siehe da, es geht mir seit dem gut. Ich brauche nur noch 1-2 Triptane im Monat.

    Welche Prophylaxe bei jedem wirkt, scheint so unterschiedlich zu sein, wie der Mensch selber.
    Auch wenn ich es vorher nicht glauben wollte, probieren und nicht aufgeben lohnt sich.

    PS: Du machst doch schon richtig viel Sport und auch sonst viel. Mach dir da nicht noch mehr Druck, sondern eher machen, was einem Spaß bringt. Ich entspanne auch besser bei einer Tasse Tee, Musik oder einem Waldspaziergang, als bei der PMR
    LG Neele

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5600

    Liebe Juvani,

    wenn dein Maxalt bei einer Attacke nicht wirkt, macht es auch keinen Sinn, eine zweite Tablette zu nehmen. Dies empfiehlt sich nur dann, wenn eine Wirkung zwar vorhanden ist, diese aber nicht ausreichen sollte.

    Nur Triptane sollte man untereinander nicht mischen. Schmerzmittel mit Triptanen zu mischen, geht durchaus. Wir empfehlen hier sogar, mit 500mg Naproxen (ist ein NSAR wie z.B. Ibuprofen) die Wirkung des Triptans zu verstärken und zu verlängern.
    Selbstverständlich kannst du auch nur die ganz normalen Schmerzmittel bei einer Migräneattacke einsetzen – wenn sie denn überhaupt wirken bei dir.

    Wenn ich Schmerzen aushalten muss, helfen mir auch noch Coolpacks auf dem Kopf und zum Schlafen Vomex, das nimmt auch ein wenig die Übelkeit, die bei mir bei starken Schmerzen auch vorhanden ist.

    Was die med. Prophylaxe angeht, wurde ich gut von meinem Arzt aufgeklärt. Ich erzählte offen von meinen negativen Erfahrungen und meinen Bedenken. Außerdem wollte ich nichts, was eine Gewichtszunahme mit sich bringt (unter Flunarizin hatte ich einen kaum stillbaren Heißhunger). Der Arzt erklärte mir, dass dieses jetzige Medikament sich nicht aufs Gewicht auswirken würde und im Allgemeinen recht gut verträglich sei. Wie es bei einem selber wirkt, erfährt man definitiv nur im Selbsttest. Mir war in der ersten Woche ziemlich übel auf dem Magen, danach war das weg.

    Was dein Verhalten betrifft, machst du ja schon recht viel und auch sehr gut. Ich schließe mich da absolut Neele´s P.S. an, denn sich mehr Druck machen, bringt gar nichts. Und bei Migräne geht´s nun mal nicht mit dem Sport.

    Meinen persönlichen Schweinehund muss ich weniger überwinden, bin von Natur aus recht konsequent veranlagt ? , ich muss eher meine Arbeitsfreude in vernünftige Bahnen lenken. Wenn es mir gut geht, gerate ich leicht in einen kaum zu bremsenden Arbeitsschwung. Da mach ich dann noch dies und jenes, und ach, wenn ich schon mal dran bin, packe ich auch noch eine Portion extra Arbeit dazu, es läuft ja grad so gut… Und vergesse dabei leicht die Pausen, die für meinen Kopf sehr wichtig sind. Ich muss richtig lernen, in vernünftigen Portionen zu arbeiten, gerade auch körperlich schwerere Arbeit, Dinge auch mal liegen zu lassen, ingesamt gelassener zu werden, weniger perfektionistisch und den Staubflocken zuhause auch mal eine Chance zum Überleben zu geben. ? ?

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Monate von  heika.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 4 Monate von  heika.
    Juvani
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Also so wie ihr schreibt sollte ich meinem Neurologen wohl doch noch mal eine Chance geben mit der medikamentösen Prävention… ich habe einfach ein Problem damit, deutlich zu sagen, was ich will und mich zu nichts überreden zu lassen. Vielleicht sollte ich meinen Mann mit zum Arzttermin nehmen, damit ich mir mehr zutraue…
    Ich möchte einfach meinen Körper nicht noch mehr belasten mit irgendwelchen Medikamenten. Ich wurde noch nie so richtig durchgecheckt, es heißt immer ich bin noch zu jung, da braucht man das nicht. Sollte ein Arzt nicht zB erst mal Blutdruck messen, bevor er Betablocker verschreibt? Oder mal ein Blutbild oder sowas erstellen, wenn ich den Verdacht äußere, dass mir die Medikamente auf die Leber gehen bzw ich oft Magenbeschwerden habe? Oder mal ein MRT machen? Das einzige, was bisher bei mir gemacht wurde, war EEG. Ich fühle mich selbst zu schlecht informiert, um beim Arzt Forderungen zu stellen, aber werde auch (für mein Gefühl) nicht ausreichend beraten.

    Ich bin froh dass ihr sagt, ich mache eh schon viel. Ich setze mich oft unter Druck und gebe mir selbst die Schuld, wenn ich wieder eine Attacke habe. Ich bin leider Perfektionist und denke ich muss alles so hinkriegen wie jemand, der gesund ist (weil ich mich ja auch gesund fühle, wenn ich keine Attacke habe). Und wenn ich dann mein mir selbst auferlegtes Programm doch nicht so konsequent durchziehen kann, bin ich wieder total unzufrieden mit mir selbst. Wie schafft ihr es, da ausgeglichener zu sein?

    LG

    neele
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 100

    Triptane nicht mischen innerhalb von 24h, steht im Beipackzettel.
    Ich habe immer 2 unterschiedliche Triptane zu Hause.

    Wenn das Eine nicht wirkt (passiert bei mir ganz selten), dann nehme ich, wenn die 24h vorbei sind, das Andere. Bei stärkeren Attacken nehme ich gleich eine Naproxen dazu.

    Je nach Prophylaxe Medikament sollte der Arzt schon Blutdruck, Leberwerte und Nierenwerte überprüfen. Es kommt eben auf das Medikament an.

    LG Neele

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 500

    Liebe Juvani,

    ja, gib den Medikamenten und deinem Neurologen eine Chance! Ein „gesundes“ Maß an Skepsis erleichtert dir möglicherweise die Entscheidung für eine medikamentöse Prophylaxe. Vielleicht kannst du deine Sichtweise, dass du

    mit irgendwelchen Medikamenten

    deinen Körper belastetest, aus der „Wichtigkeits-Ecke“ holen und versuchen, sie realistisch als „Helfer“ zu sehen, die dir Chancen auf eine Verbesserung bieten und dir so wieder mehr Lebensqualität verschaffen können. Nebenwirkungen können auftreten, müssen es aber nicht. Die Entscheidung, inwieweit sie im Fall des Auftretens für dich tolerierbar sind, liegt bei dir! Du entscheidest, der Arzt empfiehlt!

    Dass du die 10/20-Regel in der Regel einhälst, zeigt doch, dass du verantwortungsvoll mit den Medikamenten umgehst und deinen Körper nicht mehr als nötig belastest!

    ich habe einfach ein Problem damit, deutlich zu sagen, was ich will und mich zu nichts überreden zu lassen. Vielleicht sollte ich meinen Mann mit zum Arzttermin nehmen, damit ich mir mehr zutraue…

    Vielleicht ist es nur Übungssache, wenn du weißt, was du willst. Was kann denn passieren? Wenn jemand dich schief anschaut, lass ihn schief schauen! Es ist dann sein „schiefer“ Blick, nicht deiner!

    Klar kannst du deinen Mann zur Unterstützung mitnehmen. Er kann dir sicher ein wenig den Rücken stärken, dein Selbstvertrauen zu stärken ist aber nicht seine, sondern deine Aufgabe! Trau dich, wenn du dir nicht sicher bist oder Fragen hast, dem Arzt das zu sagen oder ihn zu fragen. Du hast jederzeit die Möglichkeit, dir „Bedenkzeit“ einzuräumen. Nichts muss bei deiner Entscheidung „über‘s Knie gebrochen“ werden.

    Ich wurde noch nie so richtig durchgecheckt, es heißt immer ich bin noch zu jung, da braucht man das nicht.

    Wenn dein Arzt es (noch) nicht für nötig hält, kann das doch auch ein gutes Zeichen sein! Du hast vielleicht schon zuhauf im headbook lesen können, dass die meisten MRT-Untersuchen zeigen, dass alles in Ordnung ist. Dann leuchtet es ein, dass eben nicht immer alle möglichen Untersuchungen auch nötig oder sinnvoll sind. Vielleicht kannst du deinem Arzt vertrauen?! Solltest du dich aber in seinen Händen nicht gut aufgehoben oder dich nicht ernst genommen fühlen, dann ist er vielleicht nicht „dein“ Arzt und es wäre hilfreicher, du fändest einen Arzt, mit dem du „gut kannst“.

    Ich setze mich oft unter Druck und gebe mir selbst die Schuld, wenn ich wieder eine Attacke habe. Und wenn ich dann mein mir selbst auferlegtes Programm doch nicht so konsequent durchziehen kann, bin ich wieder total unzufrieden mit mir selbst. Wie schafft ihr es, da ausgeglichener zu sein?

    Schmerz ist keine Frage von Schuld!!! Wenn du deine Trigger erforscht, wirst du vielleicht feststellen, dass du einige vermeiden kannst, andere nicht. Aber du kannst nichts dafür, es ist eben so!

    Ich bin leider Perfektionist…

    Was heißt leider? Vielleicht ist es in einigen Bereichen sogar gut, perfektionistisch zu sein. Wenn du dich aber mit deinem Perfektionismus unter Druck setzt, er dir schadet, dich schwächt, dich Pläne ohne Ausgleich schmieden lässt, dann gibt es vielleicht Möglichkeiten, ihn „in die Schranken zu weisen“ und ihm einen kleineren, angemesseneren Raum zu geben.

    …und denke ich muss alles so hinkriegen wie jemand, der gesund ist (weil ich mich ja auch gesund fühle, wenn ich keine Attacke habe).

    Sich gesund fühlen und gesund sein, sind zweierlei. Wir haben eine neurologische Erkrankung, die man nicht sehen kann. Versuche, dir so viel Wissen wie möglich über deine Krankheit anzueignen, damit du weißt, wie das Gehirn eines an Migräne erkrankten Menschen „tickt“. Auch das führt neben einem geregelten Tagesablauf, Entspannung, Verhaltensanpassung und der nötigen Einnahme von Medikamenten dazu, ausgeglichener und gelassener zu werden und für sich selbst entscheiden zu können.

    Alles Gute
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    Juvani
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Hallo Katrin,

    Danke für deine deutlichen Worte! 🙂 und auch euch anderen für die guten Ratschläge! Ich fühle mich tatsächlich gleich viel besser.

    Ihr habt mir ein paar neue Denkansätze geliefert, um die ich sehr froh bin. Und ihr habt mich beruhigt, dass ich vielleicht doch nicht so viel verkehrt mache, wie ich dachte.

    Mein Neurologe muss sich wohl in den nächsten Tagen auf meinen Anruf gefasst machen! mal sehen ob ich noch im nächsten halben Jahr nen Termin krieg… 😉

    Liebe Grüße
    Juvani

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27785

    Willkommen im Headbook, liebe Juvani. 🙂

    Ich kann mich den anderen nur anschließen. Geh mit einer Fragenliste zum Neurologen und lass Dich nicht abwimmeln. Betablocker sind in aller Regel gut verträglich, vielleicht magst Du einen anderen testen?

    Viele Schmerztage im Monat zu haben ist für den Körper wahrscheinlich belastender, als durch eine Prophylaxe die Frequenz deutlich zu senken. Von der Lebensqualität mal ganz abgesehen.

    Sollte es noch keiner vorgeschlagen haben: Hochdosiertes Magnesium und Vitamin B2 können auch gut unterstützen.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Juvani
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Hallo Bettina,

    Danke auch für deine Antwort.

    Magnesium und Vitamin B2 kenne ich, allerdings bin ich mir mit der Dosierung unsicher. Was ist da üblich/empfehlenswert?

    Grüße

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27785

    Die Studien wurden mit 600 mg Magnesium und 400 mg Vitamin B2 gemacht. Aber nicht jeder muss es so hoch dosiert nehmen. Das Magnesium sollte langsam eingeschlichen werden, damit der Darm auch gut mitmacht. 😉

    Migravent Classic enthält beide Stoffe in der Kombi, man kann sie aber auch einzeln kaufen.

    Juvani
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Hallo zusammen,

    ich möchte mich nochmal ganz herzlich für eure Aufmunterung und die guten Tipps bedanken!

    Hier ein kleines Update zu mir:

    Ich habe mir wie von euch geraten das Buch von Prof. Göbel zugelegt.
    Außerdem nehme ich seit 3 Wochen Migravent und bin gespannt, ob mir das allein schon weiterhilft.
    Diese Woche war ich auch beim Neurologen! Dank der tollen Infos im Buch habe ich mich diesmal viel besser vorbereitet gefühlt und das Gespräch verlief gut.
    Ich habe mich dazu durchgerungen, es mit Propranolol zu versuchen und so den Betablockern noch eine Chance zu geben, wenn Migravent allein nicht genug Wirkung zeigt. Immerhin mal ein Plan!! Das stimmt mich schon wieder viel zuversichtlicher. 🙂

    Ich werde euch auf dem Laufenden halten, wenn es zu meinem Versuch mit Propranolol kommt.

    Vielen Dank euch, ich wünsche einen wunderschönen Tag 🙂

    Grüße,
    Juvani

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27785

    Hallo Juvani,

    freut mich, es geht voran bei Dir. Halte uns gerne auf dem Laufenden, alles Gute mit den neuen Plänen. 🙂

    Liebe Grüße
    Bettina

    Juvani
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Hallo zusammen!

    Ich wollte nächste Woche meine Prophylaxe mit Propranolol starten, weil Migravent (rein Zahlenmäßig) auch nach über 6 Wochen leider keine Wirkung gezeigt hat.
    Allerdings bin ich schon wieder verunsichert… ich hatte in letzter Zeit öfter mal Atembeschwerden, hab den Verdacht dass sich mein Heuschnupfen im Laufe der Jahre auf die Bronchien geschlagen hat, aber mein letzter Allergietest ist über 10 Jahre her. Als mir der Neurologe Propranolol verschrieben hat habe ich diese Beschwerden erwähnt, weil Asthma ja ne Gegenanzeige für Betablocker wäre. Er regierte nicht besonders besorgt weil die Dosis ja niedrig sei, aber ich sollte es trotzdem mal abklären lassen.
    Also war ich letzte Woche beim Hausarzt, der sagte mir dass er das nicht testen kann, ich muss zum Lungenfacharzt. Da habe ich aber erst Mitte Oktober (!) einen Termin bekommen. Mein Hausarzt hat mir für den Notfall ein Asthmaspray gegeben und ich nehme jetzt jeden Tag Allergietabletten. Ich habe das Gefühl, jetzt weniger Atembeschwerden zu haben, aber ob ich wirklich Athma habe weiß ich nicht…. deshalb hab ich Angst, mit den Betablockern anzufangen. Der Hausarzt meinte ich soll es ausprobieren, wird schon schief gehen…
    Hat dazu jemand von euch Erfahrung??

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7421

    Hallo Juvani,

    ja mit Allergien und allergischem Asthma habe ich jahrzehntelange Erfahrung.
    Es kam auch bei mir im Verlauf zum Etagenwechsel, das merkt man oft anfangs nicht so richtig, kommt aber sehr oft vor und sollte dann auch gleich richtig behandelt werden.

    Ein Vorschlag, um zumindest in etwa erkennen zu können, ob es Asthma sein kann und wie ausgeprägt, wäre dir in der Apotheke oder Sanitätshandel ein Peakflowmeter zu kaufen. Ein einfaches Gerät, in das du reinblasen( immer mindestens 2x, mehrmals täglich) musst, das dann dein Ausatemvolumen misst. Es ersetzt keine Untersuchung beim Pulmologen, gibt aber gute Werte mit viel Aussagekraft. Du bekommst für unter 20€. Gleich gut erklären lassen, einschließlich Richtwerten für dein Alter. Ich habe es jeden Tag in Gebrauch.

    Betablocker und leichtes Asthma wird nicht mehr so streng gesehen. Man muss aber wissen, dass durch den Betablocker die Rezeptoren für die Asthma-Akutmedikamente blockiert sein können. Ich habe die Betablocker lange ohne Probleme genommen, habe aber auch nur sehr selten akute Anfälle und wusste immer von der eventuellen Problematik.
    Ein Termin beim Pulmologen im Oktober ist m.E. sehr lang, hast du vielleicht einen Internisten? Die haben heutzutage fast alle ein Gerät zur Lungenfunktionsprüfung, die große Bodyplethysmographie kann dann oft später gemacht werden, oder der Arzt muss dir einen schnelleren Termin besorgen. Ist schließlich Heuschnupfenzeit. Auch ein Allergietest wäre nötig! Die Allergietabletten sind erstmal gut. Ich kann dir aber gerne, wenn du möchtest, auch noch andere Mittel nennen. Bin da leider ziemlich fit ?!

    Also, ich würde es sofort untersuchen lassen, weil du dann besser Bescheid weißt, egal ob mit oder ohne Betablocker. Akut gefährlich ist es wohl nicht, aber Asthma muss behandelt werden!

    Wenn du weitere Fragen hast, beantworte ich sie dir gerne, bin aber bald zum Einkaufen weg.

    Lieber Gruß,
    Julia

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate von  Julia.
    Juvani
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Liebe Julia,

    Vielen Dank für deine schnelle Antwort!
    Ich habe keinen Internisten, aber mein Hausarzt meinte in der anderen Praxis hätten sie so ein Ding zum reinpusten. Das wäre dann wahrscheinlich sowas wie ich in der Apotheke bekommen könnte? Meinst du es wäre hilfreich, das noch machen zu lassen? Was kommt dann dabei raus – Asthma ja/nein/leicht/stark?
    Er meinte halt für den umfangreichen Test beim Lungenfacharzt müsste ich die Betablocker wieder absetzen weil das sonst die Ergebnisse beeinflusst…

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7421

    Huch, jetzt wird’s kompliziert.
    Erstmal zu den Geräten: dein HA meint sicher den Pulmologen mit dem anderen Arzt? Ja, der hat ganz andere Geräte als so ein Peakflowmeter, das ist für den Hausgebrauch aber unersetzlich. Die meisten Internisten machen aber auch Lungenfunktionsprüfungen mit einem, ich sage mal, mittleren Gerät. Das reicht vorerst vollkommen aus, um Asthma zu diagnostizieren und eine Behandlung einzuleiten, besonders wenn man schon lange Allergien hat.
    Wenn du schon keinen schnellen Termin beim Pulmologen bekommen kannst, da würde ich mal nachhaken oder eine andere Praxis fragen, dann soll dein HA dich zum Internisten, der so ein Gerät hat,schicken. Oder du gehst einfach hin!

    Jetzt zu den Betablockern. Es gibt verschiedene, die unterschiedlich stark auf die Bronchien einwirken. Leider hat dir dein Arzt jetzt gerade einen aus der ungünstigeren, nicht selektiven Gruppe aufgeschrieben. Metoprolol oder Bisoprolol wären da jetzt die Mittel erster Wahl.

    Aber mal ein andere Frage. Hast du denn schon alle anderen infragekommenden Prophylaxen durch? Warum mit einem potentiel ungünstigen Mittel anfangen, wenn es auch anders und vielleicht risikoärmer geht?

    Ich brauchte gerade ein Herzmedikament, mein Kardiologe hat sich wegen des Asthmas gegen einen Betablocker entschieden.

    Bei noch völlig unabgeklärten asthmatischen Beschwerden würde ich persönlich mitten in der Heuschnupfenzeit wohl eher in den nächsten Tagen auf den Betablocker verzichten und mir einen kompetenten Arzt suchen, der falls es Asthma ist, gleich eine adäquate Therapie anleiert. Dazu gehört dann wahrscheinlich auch ein Entzündungshemmer, wie Kortison in ganz niedriger Dosierung in Kombination mit einem brochienerweiternden Mittel.
    Aber das muss natürlich mit deinem Arzt besprochen werden. Und, wie ich schon sagte, es wird nicht mehr so streng gesehen, birgt aber trotzdem ein Risiko.

    Zum Magnesium: unser Kopf hat einen stark erhöhten Bedarf, da macht es unbedingt Sinn, auch wenn man keine Wirkung spürt, konsequent so ca. 600 mg Magnesium zu nehmen. Das von Migravent Classic ist da schon gut. Sollte aber das Classic sein. In dem anderen ist nur MgOxid und viele unsinnige, teils auf Dauer eher schädliche Sachen drin.

    Ich hoffe, ich hab dich nicht total verwirrt, frag gern nach.
    Julia

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate von  Julia.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate von  Julia.
    Juvani
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Guten Morgen,

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Mit dem anderen Arzt meinte er nicht den Pulmologen. Mein Hausarzt ist in einer Gemeinschaftspraxis mit zwei Standorten, ich war beim letzten Mal in der älteren, anscheinend nicht so gut ausgestatteten Praxis. Ich werde da einfach nochmal nachhaken ob die das nicht doch selbst untersuchen können…

    Zum Thema Betablocker: ich hatte vor ein paar Jahren schon mal einen Versuch mit Metoprolol, da waren die Nebenwirkungen aber schlimm und deswegen wollte ich nicht nochmal das gleiche versuchen. Allerdings glaube ich mittlerweile, dass es evtl. auch an der Aufdosierung lag, mein damaliger Neurologe hat mich da nicht gut beraten und ich selbst war auch total uninformiert… und mein jetziger Neurologe wollte halt die gängigen Prophylaxen alle der Reihe nach durchprobieren. Ich denke ehrlich gesagt kennt er sich mit Migräne nicht sooo gut aus, der hat mehr MS uns Epilepsie Patienten, aber immerhin hört er mir zu und schlägt mal was nach wenn er eine Frage nicht beantworten kann, das ist schon besser als alles was ich sonst hatte…
    Seine Meinung ist: wenn ich einen Betablocker nicht vertrage, vertrage ich auch keinen anderen. Kann man das wirklich so pauschal sagen? Ich wollte es trotzdem ausprobieren um sicher zu gehen.

    Guter Tipp. Ich werde trotzdem weiter Magnesium nehmen. Aber Migravent ist so teuer… auf was muss man achten? Es muss Magnesiumcitrat sein oder? Kenn mich da nicht so aus.

    Danke schon mal für deine geduldige Antwort und einen schönen Tag! 🙂

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 500

    Guten Morgen liebe/r (?) Juvani,

    schau mal hier, ob dort hilfreiche Informationen für dich enthalten sind: https://headbook.me/groups/migraeneaura/forum/topic/magnesiumprophylaxe/

    Sonst am besten in der Suchfunktion (Lupe oben rechts) Magnesium und/oder Vitamin B2 eingeben, da kannst du viele Informationen finden. Oder auch im Migränewissen hier auf der rechten Seite weiter unten.

    Dass dein Neurologe sich mit der Suche nach Antworten auf Fragen, die er selbst nicht beanworten kann, beschäftigt, interpretiere ich als Engagement. Dieses spricht meiner Meinung nach für ihn. Wenn ihr euch beide „schlau/er“ macht, steigen auch die Chanchen, in einen Austausch auf Augenhöhe zu kommen, der für beide Seiten bereichernd sein kann. Entscheidend ist, dass du dich bei ihm gut aufgehoben und betreut fühlst und ein Vertrauensverhältnis geschaffen werden kann.

    Zu den vorbeugenden Medikamenten wie den Betablockern bekommst du sicher noch Informationen von den Lieben hier im headbook, die sich damit auskennen. Ansonsten findest du sicher auch zu diesem Thema unter „Migränewissen“ oder im Buch von Prof. Göbel hilfreiche Informationen.

    Alles Gute
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7421

    Guten Morgen, liebe Juvani.

    Gern geschehen. Wenn schon beraten, dann auch möglichst effektiv.

    Und nein, ein Betablocker= alle Betablocker stimmt nicht, die haben schon unterschiedliche Wirkungen. Auch ist ja nicht gesagt, dass du das Metoprolol jetzt nicht doch vertragen würdest. Anderer Zeitpunkt, andere Dosierung, alles kann das beeinflussen.
    Du solltest dir aber zu deiner grundsätzlichen Haltung zu Prophylaxen Gedanken machen. Solange man gut und ohne in den MÜK zu geraten klarkommt, sollte man es ohne Prophylaxe versuchen, wenn nicht, muss man sich neu orientieren. Aber es gibt ja noch so einige mögliche Medikamente, da muss es ja nicht unbedingt ein Betablocker sein, Sartane z. B., oder oder. Das soll dein Arzt entscheiden. Aber jetzt dann nicht sofort Topiramat, das könnte kommen ?!

    Die Lungenfunktionsprüfung, genannt Lufu, dauert maximal 5 Minuten, das sollte doch in der Praxis beim Kollegen schnell möglich sein. Dring drauf!

    Zum Magnesium lies mal ein bisschen in der Gruppe, die Katrin dir empfohlen hat. Günstig kann man es im INet bei PUR bestellen, oder bei DM kaufen. Das mach ich immer. Es enthält tatsächlich 400mg reines Mg-Ion. Habe den Hersteller gefragt. Oxid geht auch, solange du keine Magenschutzmittel nimmst. Da bei den günstigen Mitteln aber nicht der Reingehalt angegeben ist, sollte man umrechnen.

    Ich wünsch dir auch einen schönen Tag, und außerdem eine gute Behandlung.
    Julia

    Juvani
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Hallo ihr Lieben,

    Ich melde mich mal wieder – wie immer wenn ich nicht weiter weiß…ich bin wirklich sehr froh um dieses Forum!!

    Kurzes Update: meine Migräne wird irgendwie immer schlimmer, hatte in den letzten Monaten 12 oder 13 Schmerztage, die letzte Attacke dauerte eine ganze Woche.

    Betablocker scheiden jetzt nach längerem Hin und Her mit den Lungenfachärzten doch aus. Morgen habe ich wieder einen Termin beim Neurologen, ich lese grad in Dr Göbels Buch über die verschiedenen Prophylaxen. Amitriptylin erscheint mir für mich gar nicht so schlecht, allerdings hab ich hier im Forum nur negative Erfahrungen gefunden… das deprimiert mich schon wieder. Kann jemand auch was positives berichten? Oder eine andere Alternative empfehlen, wenn Betablocker wegen Asthma (und evtl. auch Probleme mit den Lungenbläschen) wegfallen?

    Hoffe es meldet sich noch jemand, bin leider schon spät dran mit fragen…

    LG
    Juvani

    Indie
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 150

    Hallo Juvani,

    wie bei allen Medikamenten ist die Verträglichkeit super individuell. Ob du das Amitriptylin verträgst, wirst du erst wissen, wenn du es nimmst. Es gibt aber auch andere Antidepressiva, die bei Migräne helfen.

    Also nur Mut 😉

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7421

    Liebe Juvani,

    wie immer wird auch hier in Headbook eher was geschrieben, wenn man unzufrieden ist oder nicht zurechtkommt. Die positven Berichte sind dadurch leider immer in der Unterzahl.

    Das Amitriptylin ist ein bewährtes Prophylaxemittel, das du probieren solltest, wenn dein Arzt es dir vorschlägt. Und um der möglichen Gewichtzunahme vorzubeugen, wäre es gut, gleich von Anfang an auf den Gehalt und die Menge der Nahrung zu achten.

    Wichtig ist, sehr niedrig dosiert, am besten mit einzelnen Tropfen, zu beginnen. Und dann auch nur ganz langsam steigern, denn jeder Mensch hat einen anderen Bedarf. Wenn du eine Wirkung merkst, ruhig erstmal abwarten und bei der Menge bleiben.
    Vertrau deinem Arzt und bitte ihn um die Tropfen.

    Alles Gute,
    Julia

    nureinpseudonym
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 11

    Liebe Juvani,

    ich kann mich meinen beiden Vorrednern nur anschließen!

    Die Wirkung auf meine Spannungskopfschmerzen und Migräne war bei Amitriptylin relativ schnell (nach einigen Wochen) da.
    Leider hatte ich eine extreme Gewichtszunahme, sodass das Mittel bei mir gegen Opipramol getauscht wurde.
    Aber dies hängt wohl davon ab, wie der einzelne darauf reagiert.
    Mit Opipramol läuft bei mir einiges besser, allerdings ist Amitriptylin scheinbar das Mittel der ersten Wahl.

    Eine Erfahrung die ich in diesem Zusammenhang noch gemacht habe war, dass ich jegliche Art von Tropfen, die häufig in Alkohol gelöst sind, nicht vertrage. Meine Migräne reagiert nicht ziemlich stark auf die geringste Menge Alkohol. Das Thema war dann nach der Einnahme in Form von Tabletten sofort erledigt.

    Ich wünsche Dir alles Gute und vor allem ein gesundes Durchhaltevermögen!

    Gruß

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 500

    Liebe Juvani,

    von einer Gewichtszunahme unter verschiedenen Antidepressiva könnte ich auch ein Liedchen singen…! Das würde sich bestimmt auch nicht so schlecht anhören ?, aber es hilft niemandem! Aber Spaß beiseite!

    Mein Arzt hat mir mal gesagt, dass es hilfreich sein kann, darauf zu achten, was und wieviel man zu sich nimmt – wie du, liebe Julia, schon schreibst.

    Entscheidender sei aber, dass man für ausreichend Bewegung sorgt, damit der „Verbrennungsmotor“ genauso weiterläuft wie vorher. Sich dazu zu motivieren, fällt möglicherweise aufgrund der häufigen Nebenwirkung „Müdigkeit“ schwerer – das könnte aber ein Schlüssel sein!

    Alles Gute
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Woche, 4 Tagen von  Katrin.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Woche, 4 Tagen von  Katrin.
    Juvani
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 13

    Vielen Dank für eure ermutigenden Antworten!

    Bin soeben mit einem Rezept für Amitriptylin Tropfen nach Hause gekommen. Ein neuer Versuch!! Der Arzt sagt ich soll mit 3 Tropfen anfangen, ist das schon viel?? Wir fahren in 2 Wochen in Urlaub und ich hab Angst meinem Mann den Spaß zu verderben, wenn ich nur müde rumhänge…

    Das mit der Gewichtszunahme gefällt mir nicht sonderlich 🙁 aber wem gefällt das schon…;-) finde es echt schwierig, gerade wegen der Migräne, beim Essen alles richtig zu machen. Zu spätes Essen oder zu wenig Kohlenhydrate sind bei mir ein großer Trigger. Habt ihr da einen Lektüretipp für mich, wie man trotzdem aufs Gewicht achten kann?

    Und darf ich noch kurz meinen Frust über meinen Arzt rauslassen? er hat mich absolut respektlos behandelt und mich 0,0 beraten. Bin heulend (es war mir so peinlich!!) aus der Praxis, obwohl ich wirklich nicht nah am Wasser gebaut bin… Amitriptylin hat er mir nur verschrieben weil ich das wollte, er wollte mir Topiramat oder Flunarizin verschreiben, obwohl ich gesagt habe, dass ich lieber erst noch was andres ausprobieren will wegen der Nebenwirkungen. Muss man sich sowas gefallen lassen? Ich will da nicht mehr hin…
    ich glaub man darf hier keinen speziellen Arzt im Forum empfehlen – aber gibt es vll jemanden aus dem Stuttgarter Raum, der einen Arzt gefunden hat mit dem er zufrieden ist und mir das in einer privaten Nachrichte schreiben will wenn das erlaubt ist??

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4562

    Hallo Juvani,

    egal, wie das mit deinem Neurologen ist. Du kommst mit ihm nicht zu Recht. Das ist entscheidend. Du brauchst einen Arzt, mit dem du ein Vertrauensverhältnis aufbaust. Einen, der dich unterstützt und begleitet. Natürlich muss man sich auch mal selbst hinterfragen. Ich pers. bin überhaupt kein Freund vom Ärztehopping. Aber es muss einfach passen ansonsten bleibt der Erfolg schnell auf der Strecke.

    Hier rechts in der Sidebar gibt hinter der Therapeutensuche einen Link. Schau mal, ob da etwas für dich dabei ist. Die Suche nach einem guten Fachmann kann u.U. länger dauern. Der Aufwand lohnt sich aber auf jeden Fall.

    Wie du weißt, reagiert jeder individuell auf Medikamente. Versuche es einfach mit 3 Tropfen und wenn du merkst, dass es dir zu schnell geht, dann reduziere und steigere langsamer. Dein Freund sollte mit der Situation schon klar kommen. Die Angst, ihm etwas zu vermasseln sollte in dir gar nicht erst hochkommen.

    Alles Liebe
    Sternchen

    Daniela
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 670

    Hi Juvani,

    ich nehme seit 2012 Amitriptylin und ich bin sehr zufrieden damit. Damals hatte ich ähnlich viel Migräne wie du.
    Deshalb (und weil auf einmal auch die Aura mitspielen wollte) hab ich dann zusätzlich zum Betablocker Ami bekommen – und das hat relativ schnell sehr gut geholfen – ich weiß noch dass ich 2013 den besten Januar meines Lebens hatte mit mehr als 20 Tagen am Stück ohne Migräne.

    Ein paar Jahre später habe ich dann einen Auslassversuch gemacht, weil ich immer sehr müde war – im Nachhinein hat sich aber herausgestellt, dass da was anderes schuld war.

    Mittlerweile nehme ich nur noch Amitriptylin (25mg abends, als Tablette) als Vorbeugung und habe immer so zw. 5 und 8 Migränetage im Monate – und die Migräne lässt sich meistens sehr gut behandeln, so dass mir wenn überhaupt kein ganzer Tag, sondern nur 1-2h verloren gehen.

    Als ich dieses Forum gefunden habe, brannte mir auch das Thema „Gewichtszunahme“ unter den Nägeln – denn durch meinen Vollzeitjob bin ich gut ausgelastet und finde einfach keine Energie um davor oder danach noch Sport zu machen. Damals hat mir Gudrun hier geschrieben, was genau die vorbeugenden Medikamente in meinem Körper tun:

    Das Amitriptylin kann dafür sorgen, dass man kein oder ein sehr verspätet einsetzendes Sättigungsgefühl hat. D.h. man isst ganz schnell mehr als man eigentlich braucht.

    Bei mir ist das wirklich sehr ausgeprägt – deshalb habe ich mir angewöhnt bei den Mahlzeiten immer erst kleine Portionen zu essen und dann mind. 30 Minuten zu warten, bevor ich noch etwas esse. Eher 1h.
    Damit komme ich jetzt ganz gut klar und nehme zumindest nicht noch mehr zu 🙂

    Damals als ich mit Ami angefangen habe, hat mir das keiner gesagt – und ich hatte regelmäßige Heißhungerattacken auf Süßes…habe ganze Honiggläser leergelöffelt – dass das dick macht ist ja logisch – aber es war wie magisch damals, ich konnte einfach nicht aufhören – und da es mir auch noch so gut ging vom Kopf her, hat es sehr lange gedauert, bis ich mein Verhalten angepasst habe.

    Heute ist mir Honig viel zu süß (es gibt so 2-3 Ausnahmetage im Jahr); und ich versuche mich gesund, ballaststoffreich, kohlenhydratreich und fettarm zu ernähren – ohne mir zu viele Vorschriften zu machen – denn Probleme hat man als Migräniker schon genug – da darf man die guten Zeiten auch mal genießen.

    Was die Einstiegsdosis angeht: ich habe mit 10mg als Tablette angefangen. Guck mal in die Packungsbeilage, wie vielen mg 1 Tropfen entspricht; ich vermute pro Tropfen 2mg, dann sind 3 Tropfen ein guter Einstieg. Am besten nimmst du sie am frühen Abend, dann schläfst du den müde machenden Effekt aus bis zum Morgen. Wenn du unsicher bist, fange am ersten Tag mit 1 Tropfen an, am 2. 2 Tropfen, bis du bei 10mg bist (5 Tropfen) dann bleibst du da 1-2 Wochen und dann schaust du mal weiter.

    Ich hatte am Anfang den Effekt, dass ich 2h nach der Einnahme eingeschlafen bin – ziemlich pünktlich *g*. D.h. wenn ich an dem Abend was vorhatte, dann habe ich sie eben später genommen. Das hatte dann halt den Effekt, dass ich am nächsten Morgen nur schwer ausm Bett kam.

    Mittlerweile nehme ich sie immer zum Abendessen und merke keine Müdigkeit mehr. Also lass dich drauf ein – es kann wirklich Erleichterung bringen!

    Ich hoffe das hilft dir ein bisschen weiter!
    Schöne Pfingsten!

    Grüßle Daniela

    SteffiN
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 44

    Hallo Daniela, ich habe das Amitryptilin auch 5 Jahre genommen und ich kann sagen, wenn es nur der Aspekt wäre, dass man mehr Hunger hat, wäre das ja ok. Aber das Medikament bremst nachweislich massiv den Stoffwechsel – logisch, denn es dämpft ja auch das gesamte Nervensystem und wirkt eben in gleicher Weise auf den Stoffwechsel. Das heißt, gerade im ersten Jahr würde man sogar dann stark zunehmen (mit Ausnahmen natürlich), wenn man so isst wie vorher – und das obwohl man wie du ja auch schreibst aber extremen Hunger hat.

    Nach ein paar Jahren stoppt meiner Erfahrung nach die Zunahme, so wie ja auch die Müdigkeit nachlässt. Ich glaube daher, dass die Maßnahmen, die du jetzt praktizierst um nicht mehr zuzunehmen, am Anfang der Behandlung gar nicht fruchten. Ich habe damals wirklich alles probiert und das Gewicht ging über 2 Jahre um 18 KG hoch. Und das obwohl ich vorher noch nie übergewichtig war. Meine Dosis lag bei 25 Milligramm anfangs, dann irgendwann 50 MG. Wenn man zu der Gruppe gehört, die so auf das Ami reagiert, sollte man sich dessen bewusst sein, dass vermutlich eine Gewichtszunahme folgt. Ich jedenfalls kenne niemanden, der das nicht hatte, und aber zahlreiche, die deshalb abgesetzt haben.

    Mir hat es jetzt auch gereicht, ich reduziere das Ami seit einem halben Jahr und habe nun 10 Kilogramm runter. Das ging während der Einnahme mit keiner Diät, seit dem Absetzen fluppt es. Wer also schwer Migräne hat, kann sicher vom Ami profitieren, ich möchte nur vermeiden, dass der Effekt der Gewichtszunahme verharmlost wird. Meine Neurologin hat nämlich genau das getan und wäre sie ehrlich zu mir gewesen, hätte ich mein Gewicht zu Beginn mehr beobachtet und es wäre nicht so eskaliert. Und die Zunahme hat mir letztlich viele zusätzliche Probleme gebracht, Bluthochdruck nur eines davon.

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