Vorstellung Mieldegarrigue, Gewichtszunahme durch Trimipramin

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  • Mieldegarrigue
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    Hallo zusammen!
    Ich unternehme jetzt den x-ten Anlauf, mich hier vorzustellen. Bisher habe ich am Ende immer alles Geschriebene gelöscht, weil ich mir zu blöd vorkam. Entweder hatte ich an guten Tagen den Eindruck, dass ich gar nichts zu jammern habe, oder ich war an schlechten Tagen, nachdem ich mir alles noch einmal durchgelesen hatte, zu deprimiert. Deswegen versuch ich es jetzt mir der absoluten Kurzversion.

    Ich bin 49 Jahre alt und habe seit meinem 6. Lebensjahr Migräne. In all der Zeit habe ich die unterschiedlichsten Ausprägungen gehabt: einmal pro Woche am Wochenende, monatelang gar nichts, mehrfach im Monat, quasi täglich. Wie vermutlich die Meisten habe ich an Therapien und Prophylaxe so ziemlich alles probiert: Brustoperation (Reduktion), Physiotherapie, Akupunktur, Manuelle Therapie, Osteopathie, Kiefergelenksbehandlung inclusive fester Zahnspange im zarten Alter von 45, diverse Diäten (histaminfrei, glutenfrei, lactosefrei), Topiramat, Betablocker, Amitryptilin, Vimpat, Botox, Almoviq. Gebracht hat alles nichts, manchmal eine kurzzeitige Verbesserung (z.B. durch die Akupunktur), meist aber einen Haufen Nebenwirkungen ohne positive Auswirkungen auf die Migräne.

    2012 war ich bereits in der Schmerzklink Mainz, nachdem ich mich völlig am Ende in meinem Job (Lehrerin) hatte beurlauben lassen. Der Aufenthalt tat mir gut (als Mutter von zwei kleinen Kindern genießt man quasi jede Auszeit), aber kurze Zeit später war die Qual wie vorher. Immerhin hatte ich in Mainz meinen ersten Schmerzmittelentzug erfolgreich durchgezogen.

    2015 habe ich mit wenigen Stunden wieder in meinem Job angefangen. Bei wenigen Unterrichtsstunden kann man nämlich die Anfälle mehr oder weniger gut auf die unterrichtsfreien Tage legen. Mit der Zeit habe ich dann doch wieder morgens (oder schon nachts) ein Triptan genommen, um zur Schule zu gehen, nachmittags nachgelegt, wenn die Kinder nach Hause kamen, und insgesamt mit Hilfe der Triptane einfach so weitergemacht. Aber zunehmend kam natürlich der MÜK. Die Phasen ohne Schmerzen wurden kürzer, die Anfälle heftiger.

    Im vergangenen Jahr war ich dann mehrfach mit Status migraenosus im Krankenhaus, weil ich auch nach 12 Stunden Erbrechen immer noch höllische Schmerzen hatte und nichts bei mir behalten konnte. Jedes Mal Kortison, Aspirin und Diazepam. Diazepam und Kortison sollte ich auf Anraten meines Neurologen dann immer nehmen, wenn ich den Wiederkehrkopfschmerz nicht in den Griff bekam. Also irgendwann fast täglich. Nach dem Abitur konnte ich dann nicht mehr. Die mündlichen Prüfungen hatte ich nur mit Triptanen tagsüber, Diazepam zur Nacht und zum Frühstück einem Energydrink geschafft. Damit hatte mich mein superlieber Neurologe gecoacht, nachdem ich ihm versprechen musste, mich danach aber dann wirklich krankschreiben zu lassen. Das habe ich auch getan und seit August läuft ein Dienstunfähigkeitsverfahren.

    So werde ich also aussortiert. Nicht gerade ein tolles Gefühl. Zum Glück konnte ich endlich Ende Februar nach Kiel. Welch eine Wohltat auf Ärzte zu treffen, die offensichtlich wirklich wissen, was sie tun. Und so nettes Personal, so dass man nie das Gefühl hatte, als Simulant zu erscheinen. Mir haben die Informationen der Schmerzklinik sehr weitergeholfen. Ich habe das Wesen der Erkrankung jetzt verstanden (Warum hat mir vorher kein Arzt die Anzeichen eines Anfalls erklärt? Warum wusste ich nichts von der 10/20 Regel?), aber dennoch fällt gerade die mentale Umsetzung des Gelernten schwer. An guten Tagen, vor allem wenn es mal mehrere am Stück sind, denke ich, dass ich gar nicht so krank bin. An schlechten frage ich mich immer wieder, was ich falsch mache. Die Prophylaxe, die ich im Moment nehme, hilft mir auf jeden Fall. Nach jahrelangen Schlafstörungen (mein zweites Kind war ein Schreikind und hat erst ab dem 3. Lebensjahr durchgeschlafen) schlafe ich mit 45 mg Trimipramin 25 mg als Tablette, 20 Tropfen zur Nacht) fast immer gut. Die Anzahl der Attacken ist von 20 vor Kiel auf ca. 10 gesunken. Der MÜK ist weg!

    Eigentlich könnte ich doch jetzt froh sein, oder? Aber ich hadere zum einen mit der Gewichtszunahme (inzwischen gut 3 kg, nichts passt mehr, meine Figur verändert sich total, nachdem ich durch das ganze Kortison im vergangenen Jahr bereits 4 kg zugenommen hatte) und weiterhin mit dieser Unsicherheit, wann es mich trifft. Ich lebe schon seit mehreren Jahren als Spaßbremse: keine abendlichen Verabredungen mehr später als 22 Uhr, kein Alkohol, früh aufstehen). Und trotzdem ist die Migräne immer da. Freunde verstehen das, aber Bekannte eher nicht. Und der Job ist auch weg. Und eine berufliche Neuorientierung? Was soll ich tun, wenn ich doch nie richtig verlässlich arbeiten kann? Wer stellt jemanden ein, der 2-3 Attacken pro Woche hat und diese auch nicht jedes Mal mit Triptanen zumindest schmerzfrei machen kann?

    So, jetzt habe ich genug gejammert. Vielen geht es wesentlich schlechter mit ihrer Migräne. Ich werde daran auch nicht sterben, sondern mit Blick auf meine Familie vermutlich steinalt werden. Trotzdem wäre es schön, von Euch unterstützt zu werden. Ich fühle mich so oft wie eine Außerirdische! Und vielleicht kann mir ja auch jemand zum Trimipramin etwas sagen: geht die Gewichtszunahme so weiter?
    Juchhu! Ich habe zumindest die Vorstellung geschafft. Jetzt schnell absenden, bevor ich wieder alles lösche.
    Allen einen schönen, schmerzfreien Tag!

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5702

    Liebe Mieldegarrigue (puh, ein wenig einfacher mit deinem Nicknamen ging nicht? ? ),

    herzlich willkommen in Headbook!

    Das kennen viele von uns, dass unsere Beiträge sehr davon abhängen, ob man gerade Migräne hat oder nicht.

    Ich habe aufgrund meiner hoch frequenten Migräne meinen Beruf gewechselt und arbeite nun mit flexiblen Arbeitszeiten Teilzeit und auch nicht mehr im Kundenkontakt. Ja, es ist wirklich schwer, wenn der „Lieblingsberuf“ nicht mehr geht. Neulich hatte ich 7 Tage Migräne am Stück, darunter bis zu Schmerzstärke 10 (was ich selten habe), und habe hinterher scherzhaft zu meinem Mann gesagt, er soll mich bitte an diesen ganz schlimmen Tag erinnern, wenn ich jemals wieder Überlegungen starte, ob ich nicht doch wenigstens stundenweise in meinen alten Beruf wieder einsteigen könnte…?

    Bei wenigen Unterrichtsstunden kann man nämlich die Anfälle mehr oder weniger gut auf die unterrichtsfreien Tage legen.

    Damit meinst du wahrscheinlich die Tage, an denen du die Migräne ohne Triptane oder Schmerzmittel aushältst, oder? ?

    Und natürlich machst du gar nichts falsch, weil du so viel Migräne hast. Du weißt ja seit Kiel um die ganzen Strategien und auch, dass Migräne eine genetisch bedingte, neurologische Erkrankung ist. Selbst mit der besten Lebensführung beim Umsetzen all der vielen Verhaltenstipps, mit einem gut wirksamen Prophylaxemedikament und einer guten Akutbehandlung kann die Migräne ein wirklich großes und das Leben stark einschränkendes Problem bleiben.
    Diese Maßnahmen verhindern oft eine Verschlechterung, die eingetreten wäre, würde man das alles nicht berücksichtigen. Das lässt sich allerdings weder messen noch nachweisen.

    Wir dürfen übrigens noch auf das Alter hoffen ? . Im Alter lässt die Aktivität des Gehirns nach, deshalb wird bei vielen die Migräne dann auch besser.

    Sprich doch mit deinem Arzt, ob es für dich als Alternative ein prophylaktisches Medikament gibt, das keine Gewichtszunahme mit sich bringt. Für mich war das auch ein wichtiger Punkt, den ich in Kiel angesprochen hatte, und deshalb bekam ich Escitalopram, ein moderneres Antidepressivum, das sich kaum auf das Gewicht auswirkt.

    Lieber Gruß
    Heika

    P.S. Bei längeren Beiträgen tut es unseren Kopfschmerz-Köpfen gut, wenn ab und zu eine Leerzeile eingebaut wird. Nur mal so als Tipp. 😉

    • Diese Antwort wurde geändert vor 5 Monate, 2 Wochen von  heika.
    Chroninchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 85

    Hallo Mieldegarrigue,

    erstmal herzlich Willkommen im Forum! Wie schön, dass du dich endlich überwunden hast ?.

    Vorab eine Bitte: Wenn du deinen nächsten Beitrag verfasst, baue bitte Absätze ein – je mehr, desto besser. Fließtext ist gerade bei Migräne sehr schwierig zu lesen ☹.

    Ich bin 49 Jahre alt und habe seit meinem 6. Lebensjahr Migräne.

    In all der Zeit habe ich die unterschiedlichsten Ausprägungen gehabt: einmal pro Woche am Wochenende, monatelang gar nichts, mehrfach im Monat, quasi täglich.

    Da können wir uns die Hand reichen, ich bin ebenfalls 49, habe eine Tochter im Teeniealter und bin Beamtin (einer Kommune). Ich kann mich ebenfalls an erste Anfälle in meiner Kindheit erinnern, aber erst 2009 bekam meine „Infektanfälligkeit“ die Bezeichnung Migräne. Von anfallsfreien Jahren bis zum Status migränosus habe ich alles durch …

    Zum Glück konnte ich endlich Ende Februar nach Kiel. Welch eine Wohltat auf Ärzte zu treffen, die offensichtlich wirklich wissen, was sie tun. Und so nettes Personal, so dass man nie das Gefühl hatte, als Simulant zu erscheinen.

    Mir haben die Informationen der Schmerzklinik sehr weitergeholfen. Ich habe das Wesen der Erkrankung jetzt verstanden (Warum hat mir vorher kein Arzt die Anzeichen eines Anfalls erklärt? Warum wusste ich nichts von der 10/20 Regel?), aber dennoch fällt gerade die mentale Umsetzung des Gelernten schwer.

    Da kann ich dir in Allem nur zustimmen, ich war im Dez.2018/Jan.2019 in Kiel, habe mich dort sehr wohl gefühlt und eine Menge Wissen mitgenommen, dass es immernoch umzusetzen gilt – was im Alltag oft zu wenig Beachtung findet.

    Aber ich hadere zum einen mit der Gewichtszunahme (inzwischen gut 3 kg, nichts passt mehr, meine Figur verändert sich total, nachdem ich durch das ganze Kortison im vergangenen Jahr bereits 4 kg zugenommen hatte) und weiterhin mit dieser Unsicherheit, wann es mich trifft.

    Manchmal im Leben muss frau sich zwischen zwei Übeln entscheiden – mir ging es genauso.

    2015 habe ich von meiner Neurologin Amytriptylin bekommen, da es drei Wirkungen hatte, die meinem damaligen schlechten Gesundheitszustand sehr zuträglich waren: antidepressiv, migräneproohylaktisch und schmerzlindernd – die vierte Wirkung, nämlich eine Gewichtszunahme von inzwischen 25 kg, habe ich dafür in Kauf genommen und mir gedacht: Alles zu seiner Zeit.

    Jetzt habe ich das Amitriptylin ausgeschlichen und bereits in diesen zwei Wochen 2 kg abgenommen – so kann es weitergehen ?

    Ich lebe schon seit mehreren Jahren als Spaßbremse: keine abendlichen Verabredungen mehr später als 22 Uhr, kein Alkohol, früh aufstehen). Und trotzdem ist die Migräne immer da. Freunde verstehen das, aber Bekannte eher nicht.

    Und der Job ist auch weg.

    Auch ich habe lange Zeit auf vieles verzichtet und hatte trotzdem Migräne – oder auch nicht.

    Jetzt unternehme ich etwas, wenn es mir gut geht und ich Lust dazu habe, denn die Migräne kommt sowieso – oder auch nicht ?, aber ich lebe wieder und existiere nicht nur.

    Was den Job angeht, ist vielleicht eine teilweise Dienstunfähigkeit noch eine Option, z.B. 10 Unterrichtsstunden pro Woche ohne Abiturklassen …

    Auch ich werde wohl in den nächsten ein bis zwei Jahren über eine Stundenreduzierung wegen teilweiser Dienstunfähigkeit nicht drumherum kommen, abwarten, wie lange mein Arbeitgeber die Fehlzeiten hinnimmt. Immerhin dürfte es bei einem GdB von 70 keine Probleme hinsichtlich einer eingeschränkten Dienstunfähigkeit geben.

    Entweder hatte ich an guten Tagen den Eindruck, dass ich gar nichts zu jammern habe …

    Auch das kenne ich. ‚Chroninchen‘ habe ich mit Bedacht gewählt, da ich als chronische Schmerzpatientin neben Migräne noch vier weitere chronische Erkrankungen habe, Tendenz steigend ☹.

    Ich arbeite gerne und bleibe nur dann zu Hause, wenn es nicht anders geht.

    An den ‚guten‘ Tagen habe ich oft das Gefühl, dass ich eigentlich gar nicht so krank bin – diese Tage genieße ich (s.o.) und zehre an den schlechteren Tagen davon.

    Nun habe ich mal wieder einen ‚Roman‘ geschrieben, aber dich hoffentlich nicht verschreckt ?.

    Ich wollte dir eigentlich nur mitteilen, dass ich dich voll und ganz verstehe ? – manchmal hilft es, zu wissen, dass frau nicht alleine ist!

    LG Chroninchen

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28242

    Ein herzliches Willkommen im Headbook, liebe Mieldegarrigue.:)

    Ich habe ein paar Absätze eingebaut, damit der Beitrag besser zu lesen ist.

    Du hast die Entwicklung zum MÜK recht präzise geschildert und in diesen Schilderungen finden sich sicher viele von uns wieder. Wichtig ist, dass der MÜK erkannt und gebannt wurde und Du inzwischen in Kiel warst. Jetzt nach vorne sehen und schauen, was noch geht.

    Eventuell kannst Du ja mit reduzierten Stunden später noch mal zurück in Deinen Beruf? Als Lehrerin kann man ja manchmal recht flexibel wieder einsteigen.

    Ich nehme auch immer wieder mal Trimipramin (allerdings in geringerer Dosierung) und habe keine Gewichtszunahme feststellen können. Kannst Du versuchen, mit Aufpassen beim Essen etwas mehr auf die Kalorienzufuhr zu achten? 😉 Manches hat man ja schon auch in der Hand, natürlich nicht alles.

    Du jammerst übrigens nicht, sondern kommst mir vielmehr sehr tapfer vor und als eine Frau, die trotz allem immer ihren Weg gegangen ist. Du hast die Kinder großgezogen, warst berufstätig und nebenbei immer dieser häufigen Schmerzen. Das schafft auch nicht jede(r).

    Liebe Grüße
    Bettina

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