Vorstellung und Meinung zum Wiederspruchsschreiben

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  • Vevechen@31
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    Beitragsanzahl: 5

    Hallo liebes Forum,
    schon lange lese ich in eurem Forum mit und ich konnte schon viele wertvolle Dinge allein durchs lesen mitnehmen. Nun habe ich doch das Bedürfnis mich etawas intensiver auszutauschen und hoffe auf weitere wertvolle Tips von euch. Ich leide schon seit der Jugend an Migräne aber richtig schlimm ist es erst seit 2 Jahren. Nach einem Fahrradsturz auf der Arbeit hatte ich einen Bandscheibenvorfall im Nacken. Seit dem nimmt die Attacken-Frequenz immer weiter zu und ich liege im Moment bei 15 Migränetagen im Monat. Zusätzlich habe ich einen täglichen Dauerkopfschmerz vom Spannungstyp seit einem Jahr. Ich bin also nie schmerzfrei. Die 10 Regel ist mein hartes Kreuz. Ich halte mich dran aber leide ohne Medikamente einfach nur vor mich hin.
    Ich habe 2 Kinder 4 und 7 Jahre alt und gehe(mehr schlecht als recht) Vollzeit arbeiten. Die Belastung ist so hoch, dass ich oft das Gefühl habe ich versteck mich irgend wo und dann macht mir die Sinnflut. Ich hab an Therapien schon einiges durch und bin so glücklich, dass Mitte September mein Termin in der Schmerzklinik in Kiel ist. Dies Pause ist mehr als nötig.
    Ich weiß, dass ich irgendwo kürzer treten MUSS! Aber das ist gar nicht so leicht auch finaziell gesehen.
    Wir versuchen gerade verschiedene Modelle auf der Arbeit durchzusprechen, nur umsetzen lässt sich das natürlich nicht sofort. Ich habe bereits ein GdB von 40 mit Gleichstellung hab aber aufgrund der neuen Befunde vom Kopfschmerzentrum in Essen und der Schmerzambulanz der Uni-Klinik Münster ein Antrag auf Verschlechterung gestellt. Er wurde abgeleht, weil keine wesentliche Ändrung eingetreten ist……..
    Ich habe versucht einen Widerspruch zu formulieren und nun traue ich mich nicht ihn abzuschicken.
    Sagt mir doch bitte mal eure Meinung. Ihr versteht bestimmt, was ich vermitteln möchte. Ich versucht sachlich zu bleiben und nicht zu emotional zu schreiben. Das war gar nicht leicht.
    Über Antworten würde ich mich sehr freuen.

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    nach Sichtung, der mir zugegangenen Unterlagen, möchte ich meinen Widerspruch nun wie folgt begründen:
    In Ihrem Bescheid vom 13.06.2019 lehnen Sie mein Anliegen eines höheren Grads der Behinderung ab, da Sie im Wesentlichen keine Änderung feststellen konnten. In den Kopfschmerztagebüchern habe ich deutlich alle Kopfschmerzzeiten festgehalten. (eine aktuelle Fassung lege ich diesem Schreiben bei) Ich dokumentiere bereits seit 2 Jahren meine Kopfschmerzen. Vergleiche ich nun die Tagebücher der letzten 12 Monate ist seit Oktober eine deutliche Steigerung der Attacken-Frequenz von 10 auf im Durchschnitt ca. 15 Migräne Tage pro Monat zu sehen. Das macht prozentual eine Steigerung von ca. 50% an Schmerztagen und ich sehe dieses als eine sehr deutliche Änderung meiner Behinderung zum Vorjahr an.
    Bei Migräne existiert eine Regel, dass man an maximal 10 Tagen im Monat Schmerzmittel/Triptane einnehmen darf um einen Medikamentenkopfschmerz und einen Wirkungsverlust der Medikamente entgegen zu wirken. Was für mich bedeutet, dass ich nur an 10 Tagen Schmerzmittel nehmen darf und alles darüber hinaus ertragen MUSS! Ich muss also die 50% mehr Attacken ohne Medikamente durchalten und bin an diesen Tagen quasi bettlägerig, muss mich ständig übergeben und ertrage kein Licht oder Geräusche.
    Dies natürlich überwiegend am Wochenende, wo Freunde und Familie schöne Unternehmungen machen und das häufig ohne mich. Ich vermeide Plätze/Feiern die mich stark triggern und Attacken auslösen z.B. Schwimmbad, Kirmes oder Schulfeste. Alles Dinge, die ich gerne mit meinen Kindern erleben möchte, aber für mich nicht gut gehen. Die Beziehung zu meinen Freunden wird immer schlechter und ich bin viel alleine und ziehe mich zurück. Von Erholung und Kraft tanken an freien Tagen brauche ich nicht zu reden. Bei der Attacken-Frequenz ist dies kaum möglich, da fast direkt die nächste Attacke kommt. Die Medikamente setzte ich meistens für Attacken in der Arbeitswoche ein, um irgendwie meinen Arbeitstag zu schaffen. Trotzdem habe ich häufig Fehlzeiten und muss die Arbeit abbrechen, weil ich auch mit Medikamente sehr Licht und Geräuschempfindlich bin und mich durch die Attacken immer müde und erschöpft fühle. Zeitweise habe ich Durchfall unter den Attacken, was die Erschöpfungs-Symptomatik/ Kreislaufprobleme zusätzlich verstärkt und für mich sehr unangenehm ist, besonders wenn ich mich auf der Arbeit befinde. Außerdem haben die Migränemittel auch Nebenwirkungen, die mich zusätzlich belasten und dafür sorgen, dass ich mich nur schlecht konzentrieren kann. Häufig wirken diese auch nicht komplett über die Attacke hinweg, so dass ich trotz Einnahme der Tageshöchstdosis häufigen Wiederkehrkopfschmerz habe und mir bleibt dann nichts anderes übrig als mich hinzulegen und es auszuhalten. Für Haushalt, Kinder und andere Aktivitäten fehlt mir meistens die Kraft und ich bin auf die Unterstützung von meiner Familie angewiesen, damit die Kinder vernünftig versorgt werden können. Termine muss ich regelmäßig absagen oder verschieben.
    Ich leide zusätzlich an einem chronischen Dauerkopfschmerz vom Spannungstyp, der durchgängig von mittlerer bis starker Intensität besteht und sich auch mit meiner Migräne vermischt. Nehme ich nun ein Migränemittel bleibt der Kopfschmerz vom Spannungstyp weiter bestehen. Ich arbeite im Büro am Computer, was mit Dauerkopfschmerzen eine tägliche Herausforderung bedeutet. Medikamente kann ich nicht nehmen, da meine 10 Schmerzmitteltage für die Migräne aufgebraucht werden.
    Ich ertrage diese Belastung immer schlechter und glaube nicht, dass ich meine Teilnahme am Arbeitsleben unter der Schmerzbelastung noch lange so erhalten kann. Dies löst starke Ängste in Bezug auf die finanzielle Situation aus, da wir vor 4 Jahren ein Haus gekauft haben.
    Meine Migräne/Spannungskopfschmerzen sind als chronische Migräne eingestuft und diagnostiziert worden, was aus dem Bericht der Uni-Klinik Essen Blatt 134 vom Termin am 18.12.2018 hervorgeht. Dieser Zustand hat sich seitdem noch verschlechtert (Dokumentation anhand der Tagebücher) und auch die Prophylaxe mit Botox, die ich seit Januar erhalte, hat zu keiner Besserung geführt. Aus eigener Recherche (Leitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft) ist chronische Migräne als Komplikation schwerwiegender einzustufen als meine bisher episodische Migräne mit und ohne Aura. Diese Tatsache wird in Ihren Bescheid nicht ausreichend gewürdigt und ist meiner Meinung nach eine sehr wesentliche Veränderung zum Vorjahr.
    Als Prophylaxen habe ich bisher Amitriptylin (nehme ich aktuell zum zweiten Mal in der Dosis 0-0-25mg), Topiramat, Metroprolol, Gabapentin, Magnesium hochdosiert und aktuell Botox erhalten. Alles ohne Erfolg. Ich stehe also im Moment ohne eine wirkungsvolle medikamentöse Prophylaxe da.
    Aufgrund der ständigen Schmerzen (täglich) habe ich seit längeren einer leichten Depression (Blatt 150 und 153) mit Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen, die in Ihrem Bescheid nicht berücksichtigt wurde. Die Schlafstörungen/Belastung (wurden bereits letztes Jahr schon dokumentiert Blatt 104) und sind auch ein starker Trigger meiner Migräne. Zusätzlich besteht eine generalisierte und somatoforme Schmerzstörung mit eigenständigem Krankheitswert und sollte auch als eigenständige Erkrankung bewertet werden. Aktuell nehme ich Amitriptylin 25mg zur Schmerzdistanzierung leider ohne nennenswerte Veränderung meiner Beschwerden.
    Ich bin der Meinung, dass eine sehr wohl deutliche und im Gesamten begründete Verschlechterung meines Gesundheitszustandes eingetreten ist und bitte darum Ihre Entscheidung nochmal zu überprüfen und mir einen höheren GdB gewähren.
    Selbstverständlich bin ich bereit, mich zu einer Untersuchung durch Ihre versorgungsärztliche Stelle oder anderen Gutachter einzufinden.

    Nun ist es doch ein sehr langer Beitrag geworden.Danke fürs lesen!

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28336

    Willkommen im Headbook, liebe Vevechen. 🙂

    Der Widerspruch kann ruhig emotional sein, da musst Du Dich nicht selbst beschneiden. Es geht um Dich und Dein Leben mit der Einschränkung, da darf und soll man ruhig emotional sein. Ich würde nur den Satz mit Deinen finanziellen Ängsten und dem Hausbau rausnehmen. Bist Du eigentlich Mitglied im VdK? Wenn nicht, könntest Du eine Mitgliedschaft überlegen, da sie gut unterstützen können.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 605

    Liebe Vevechen,

    bis wann musst du den Widerspruch spätestens eingelegt haben?

    Ich habe dein Schreiben an die Damen und Herren gerade grob überflogen und bin mir nicht ganz sicher, ob sich das jemand in der Länge wirklich genau durchlesen wird.

    Wenn du magst und noch ein paar Tage Zeit hast, würde dir gerne helfen, den Text zu kürzen und die „harten Fakten“ etwas deutlicher herauszuarbeiten.

    Nutzt du die MigräneApp der Schmerzklinik Kiel/TK?

    Liebe Grüße
    Katrin

    Viva la Vida! 🍀

    Vevechen@31
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Liebe Katrin,
    vielen Dank für dein Angebot. Ich nehme das gerne an. Der Bescheid war vom 13.06. Widerspruch erstmal Frist wahrend und Akten angefordert. Hab jetzt noch 3 Wochen Zeit zur Begründung.
    Ja ich nutze seit Februar die App und muss sagen, dass man wirklich einen sehr guten Überblick über die Schmerztage hat. Sogar meine HA kann jetzt mit der Auswertung was anfangen.

    SteffiN
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 48

    Hallo, das mit dem Haus würde ich auch rauslassen, das klingt so, als ob du damit begründen möchtest, dass du finanziell unterstützt werden möchtest, weil du diesen Druck im Nacken hast. Aber das ist ja letztlich Privatsache, keiner wird einem die Rente gewähren, weil man sich finanziell privat übernommen hat. Es geht ausschließlich nach der körperlichen Belastung bzw. Arbeitsfähigkeit, die du meiner Ansicht nach ansonsten gut beschreibst.

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3997

    Ich würde auch empfehlen, das Wort „leicht“ bei Depression zu streichen. Es klingt so verharmlosend und das ist es ja nicht.
    Depression ist immer schlimm.
    LG
    alchemilla

    Jasmin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 380

    Hallo Vevechen,
    ich würde mich Bettina anschließen wollen und empfehlen, dem VDK beizutreten. Bei mir wurde ein Widerspruch kommentarlos abgebügelt trotz schwerster Betroffenheit, sobald ein Stempel von einem Anwalt drauf ist, ist die Reaktion meist schon eine andere. Ich habe damals dank VDK geklagt und wurde von GdB 20 auf 60 h0chgestuft, hat fast zwei Jahre gedauert, aber der entscheidende Sachverständige Neurologe war total nett und hat es dann sehr hilfreich formuliert.
    Bei deinem doch recht langen Text würde ich auch vermuten, dass es auf Gegenwehr treffen könnte und besser das Hilfsangebot oben annehmen, noch besser wie gesagt VDK. Ich hatte rel.schnell einen Termin dort.
    Ich drücke die Daumen!!
    Liebe Grüße
    Jasmin

    super-angie
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 83

    Hallo Vevechen,
    ich habe das Verfahren gerade hinter mir und alles selbst gemacht, einschließlich Klage und Untätigkeitsklage beim Sozialgericht und 2-stündige Untersuchung beim Gutachter, der den Grad von 50 befürwortet hat. Das Amt hatte die Anerkennung trotzdem abgelehnt.
    Nun habe ich die Anerkennung mit einem Grad von 50 unbefristet. Bin aber auch vom Fach.

    Ausschlaggebend für die Beurteilung des Grades der Behinderung sind nicht die eigenen Schilderungen, sondern die Stellungnahmen der behandelnden Ärzte. Hieraus muss sich die Frequenz und der Ausprägungsgrad der Migräne über einen Zeitraum von mind. 6 Monaten ergeben.

    Die Anerkennung der Behinderung richtet sich nach den versorgungsmedizinischen Grundsätzen. Für die Migräne und Schwerbehinderung bede