Lärmempfindlichkeit

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  • Claudia
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    Beitragsanzahl: 5

    „Hallo zusammen, die Diagnose Migräne habe ich erst seit 3 Wochen und bin noch sehr unsicher in Bezug auf einige Symptome. Dass man während eines Anfalls sehr lärmempfindlich ist, weiß ich. Tritt dies aber auch zwischen den Anfällen auf? Ich ertrage zum Beispiel seit einiger Zeit zunehmend Lärm jeglicher Art nicht mehr. Im Restaurant, der Kantine oder auch am Familienesstisch ist es mir zu laut. Es tritt Schwindel auf, starke Unruhe und ein unangenehmer Druck auf den Kopf. Nicht immer gleich stark, aber auch wenn ich gerade keine Schmerzen habe. Kennt das jemand? Vielen Dank für eure Antworten.“

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27907

    Willkommen im Headbook, liebe Claudia. 🙂

    Ja, diese Überempfindlichkeit kann auch zwischen den akuten Attacken auftreten. Im Laufe der Zeit kann sich das auch noch steigern. Hier sollte man selbst ein wenig darauf achten, sich nicht selbst unter eine Käseglocke zu stellen. Die Empfindlichkeit steigt sonst immer mehr an.

    Lies Dich mal ein wenig bei uns ein, besorge Dir auch das Buch von Prof. Göbel „Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne“ und schau auch in die Sidebar, da findest Du das Migräne Wissen. Je mehr Du selbst weißt über Deine Erkrankung, desto sicherer wirst Du im Umgang mit ihr.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 528

    Hallo Claudia,

    auch von mir ein herzliches Willkommen!

    Die Käseglocke halte ich ebenso wie Bettina für keine gute Idee. Wir leben nicht in einer lautlosen Welt – auch wenn ich mir es mir in unserer lauter gewordenen Welt oft ein bisschen leiser wünschte…!

    Dennoch halte ich es für sinnvoll, Strategien zu entwickeln, wie man sich (mehr oder weniger) schützen kann.

    Es tritt Schwindel auf, starke Unruhe und ein unangenehmer Druck auf den Kopf. Nicht immer gleich stark, aber auch wenn ich gerade keine Schmerzen habe.

    Wenn ich einer geräuschreichen Situation ausgesetzt bin, die ich nicht in der Hand habe (Restaurant…), reagiere ich auch mit Unruhe und verstärktem Kopfdruck. Vielleicht ist es dir möglich, eine Zeit abzupassen, in der dort weniger los ist oder deine Aufenthaltszeit dort zu verkürzen. Das Kantinenessen könntest du eventuell auch holen und in ruhigerer Atmosphäre zu dir nehmen.

    Innerhalb der Familie würde ich es thematisieren und schauen, ob ihr gemeinsame oder auch Einzellösungen finden könnt. Wir haben z.b. vor einigen Tagen eine ganz einfache Lösung für das Tee kochen gefunden: mich hat immer dieses ständige Kannen-und-Tassen-Hin-und-Hergestelle sehr genervt, jetzt legen wir ein Platzdeckchen drunter – puh ? – sehr entlastend für mich!

    Beim Spaziergang nehme ich möglichst nicht den Weg an der Straße, sondern Parallelwege „hinten lang“, da höre ich den Straßenverkehr auch, aber so ist es für mich erträglich.

    Vielleicht findest du gute Lösungen für dich, ich wünsche es dir!

    Alles Gute
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    Daniela
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 672

    Hallo Claudia,

    am Anfang ist das natürlich alles sehr irritierend. Ich bin eigentlich immer sehr lärmempfindlich und höre auch überdurchschnittlich gut. Für meine Ausbildung als Orgelbaurin war das einerseits gut, weil man beim Stimmen feine Unterschiede hört, aber auch schlecht – weil der Sound IN einer Orgel nochmal lauter ist, als im Kirchenschiff. Damals habe ich mir Musikergehörschutz zugelegt. Das ist ein Gehörschutz, der dem Ohr angepasst wird (beim Hörgeräteakustiker). Er macht das Ohr aber nicht ganz dicht, sondern man kann das mit verschiedenen Filtern steuern. Ich hatte 7db, 14db und 21db. 7db waren ideal zum Stimmen, denn die sehr nervigen hohen Frequenzen wurden dadurch gedämmt, ich konnte aber noch alle Frequenz-Unterschiede hören.

    14 und 21db waren sehr angenehm, wenn ich z.b. an Holzbearbeitungsmaschinen gearbeitet habe. Gerade der 7db Filter eignet sich auch super für den Alltag. An Tagen, an denen ich das Gefühl habe, dass mir alles zu viel wird, können die mir helfen, den Alltagslärm etwas gedämfter wahrzunehmen; ich kann mich aber noch normal unterhalten und dem Gegenüber fällt nicht auf, dass ich Gehörschutz trage. Das habe ich sehr lange als sehr praktisch empfunden.

    Ich hab auch noch das Pech, mit einem schwerhörigen Mann verheiratet zu sein 🙂 Wenn der mal wieder zu faul ist seine Hörgeräte zu tragen dann ist der Fernseher unerträglich laut für mich. Aber mittlerweile hat er sich an die Geräte gewöhnt und so ist das Leben für uns beide einfacher geworden.

    So ein Gehörschutz ist nicht ganz billig; aber für mich war er (gerade am Anfang meiner Migränezeit) Gold wert. Mittlerweile nutze ich ihn kaum noch. Allerdings schlafe ich mit Gehörschutz 🙂 Und wenn schon die ganze Nacht ein Stöpsel im Ohr ist, braucht es tagsüber ein Bissle Luft 🙂

    Grüßle Daniela

    Collien2019
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 29

    Hallo Claudia,
    ich denke, die Lärmempfindlichkeit auch zwischen den Anfällen hängt mit der gestörten Reizverarbeitung im Migränegehirn zusammen. Davon kann ich auch ein Liedchen singen . . .
    Das fühlt sich so an, als gäbe es da ein Migränefässchen, das mit sämtlichen Reizen gefüllt wird und wenn es voll ist, gibt“s den Anfall. Danach ist das Fässchen wieder leer und man erträgt seine Umwelt auch wieder besser. Jedenfalls oft.

    Erst gestern hätte ich mich noch ohrfeigen können – ich war mit einer Freundin in der Halle Münsterland bei einer Reitveranstaltung. Wir hatten prima Plätze. Aber leider direkt unter einem Lautsprecher. Und ich hatte keine Oropax dabei!

    Aber es sind natürlich die „kleinen“ und alltäglichen Dinge, die nerven: Laute Kollegen im Büro, Geklappere mit Geschirr, der Laubpuster draußen, wenn man seine Ruhe haben will etc.

    Und was mich anbelangt, kommt es auch oft auf die Gesamtsituation drauf an. Z.B. Einkaufen. Auch
    wenn es eigentlich nicht zu laut ist, empfinde ich es 9 von 10 Mal extrem anstrengend, weil so
    viele Reize auf einmal auf einen einprassen: viele Menschen, grelles Licht, diverse Gerüche, im Weg
    stehende Einkaufswagen und Leute.

    Also ein sensibleres Reizempfinden ist auch zwischen den Anfällen leider völlig normal und wie schon
    geschrieben, kann es sich im Laufe der Zeit verändern.

    Mein Tipp ist: Höre auf deinen Körper. Was ist gut für ihn, was nicht. Käseglocke ist nicht richtig,
    aber überall trotzdem dabei sein auch nicht. Der persönliche Mittelweg ist entscheidend. Den muss jeder
    für sich selbst finden.

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5624

    Liebe Claudia,

    dass viele von uns so stark geräuschempfindlich sind, liegt daran, dass wir Reize nicht so gut filtern können. Das ist ein Dauerzustand, der sich in den Attacken noch verstärkt.

    Mich macht das schier wahnsinnig, wenn irgendwo ein Radio oder Fernseher läuft und mich eine Person daneben in ein längeres Gespräch verwickeln möchte. Ein reiz-normales Gehirn kann sich auf das Gespräch konzentrieren und schiebt das Gedudel in den Hintergrund. Unser Gehirn hört beides gleichzeitig und das stresst.

    Gerade gestern hatte ich zwei längere Busfahrten und danach beschlossen, mir in Zukunft zwei Ohrstöpsel zum üblichen Triptan in den Geldbeutel zu legen, um alles immer für Notfälle dabei zu haben. Im Bus dudelte scheußliche Musik (Synthesizer!), es war für mich kaum zu ertragen. Für den Rückweg habe ich mir Ohropax besorgt, eine wundervolle Erfindung!

    Dafür habe ich mit Sonnenlicht kaum Probleme, wogegen andere Migräneköpfe schon bei bewölktem Himmel im Sommer am liebsten mit Sonnenbrille draußen herumlaufen.

    Lieber Gruß
    Heika

    Don Jan
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 64

    Hallo Claudia,

    bei mir ist das Thema Lärmempfindlichkeit eine Hauptnebenerscheinung. Es ist tageweise sehr unterschiedlich, aber eine grundsätzliche Geräuschempfindlichkeit ist immer gegeben. Es gibt bestimmte Geräusche, die mich stärker tangieren als andere (der Drucker im Büro, Geschirrklappern). Ich musste feststellen, dass es sehr subjektiv ist, was ich als Lärm empfinde. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Musik, vorallem Heavy Metal. Ich gehe auf Konzerte und höre selbst bei Migräne diese Musik, um mich abzulenken. Kein Problem, außer bei Radio und Pop.
    Ich habe meine „Ohrstöpsel“ samt Wechselfilter immer dabei und kann so auf die Umgebung reagieren. Für mich gilt aber immer: möglichst viel und lange ohne Gehörschutz.
    Übrigens: meine Otoplastik im Wert von 200€ hat die GKV übernommen.

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