Migräne und Depression

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    Beiträge
  • Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2851

    Liebe Alle,

    ich habe die meisten Probleme, wenn ich gerade nicht in einer „Akzeptanzphase“ bin. Wenn ich frühzeitig und effektiv behandle, mich dann „rausnehme“ und mir sage o.k. es ist eben wieder so, dann geht es. Schlimm ist, wenn nichts wirkt, ich hatte im Juli so eine 6-Tages Phase, danach aber fast 10 Tage mehr oder weniger Ruhe. Mein Arzt hat mir gesagt, erstens hinkommen und Infusion geben lassen und zweitens es ist oft so, wenn man eine schwere Attacke durch hat ist häufig eine Weile „Pause“. Damit will ich mich das nächste Mal trösten.

    Also eigentlich will ich sagen, wenn ich nicht dagegen kämpfe, sondern damit lebe, geht es besser.

    Zur Zeit habe ich gerade das Problem, dass ich sehr lange zur Erholung brauche nach Attacken, aber auch nach „außergewöhnlichen Ereignissen“, wie mal später ins Bett gehen oder Alkohol oder Dinge die außerhalb meines Rhythmus sind. Ich schlafe dann sehr viel und das macht den Tag recht kurz…

    LG Johanna

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4646

    Liebe Johanna,
    auch mir geht es wie Dir. In schlechten Phasen reagiere ich sofort auf Unregelmäßigkeiten, sei es bzgl. des Essens, Trinkens, Schlafens oder auch Bewegens. Jegliche, manchmal auch kleinste Veränderung der „Normalität“ löst eine Attacke aus. Z.Zt., da die Prophylaxe gut wirkt, bin ich gegen solche Veränderungen gut gewappnet, und es macht richtig Spaß seinen Alltag abwechslungsreich zu gestallten. In anderen Zeiten ist es recht langweilig, da man so vieles absagt, aus Angst vor einem neuen Anfall. Vielleicht ist es ein kleiner Trost, wenn ich Dir aus meiner Erfahrung sage, dass nach so „blöden“ Zeiten auch wieder bessere Zeiten kommen.
    Ich wünsche Dir alles Gute, und jetzt eine recht lange gute Zeit.
    Lieber Gruß
    Sternchen

    Doro
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1605

    hallo johanna,
    hast du mal das buch von oliver sacks – migräne gelesen? er schreibt so treffend, wie *entladend* eine attacke sein kann, also aufgebaute anspannung sich entlädt und alles was sich daraus ergibt……..
    falls du dieses buch noch nicht hast, kann ich dir dieses nur wärmstens empfehlen. es ist ein weiterer baustein für das verständnis der funktionsweise unserer erkrankung.
    lg
    doro

    Conny
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 80

    Hallo,
    was macht Ihr denn gegen Eure Erschöpfung?
    Ich habe heute so einen besch… Tag, alles, was mir sonst Spaß macht und mir Energie gibt und meinen Akku auflädt ( lesen, stricken, „gammeln“, fernsehen, Musik, spazierengehen) ,selbst diese Dinge sind mir zu anstrengend. Ich bin froh, dass gerade alle aus dem Haus sind, selbst Gespräche finde ich gerade mega-anstrengend. Aber einfach nur dazusitzen und dieses Gefühl der Erschöpfung zu spüren, nicht zu wissen, wie der Akku wieder aufgeladen werden kann (vielleicht isser ja kaputt? 😉 das ist echt furchtbar. Ich hab mir eine Kerze mit Lavendelduft angemacht, klassische Musik dazu..und dachte, ich schau mal bei Euch rein, vielleicht hat jemand noch eine Anregung?

    LG, Conny

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28362

    Liebe Conny,

    könnte diese Erschöpfung aus einer Depression kommen? Wahrscheinlich schon, denn sonst würdest Du nicht in diesem Forum posten. Depression zeigt sich oft einfach nur in Antriebslosigkeit und Erschöpfung, die Traurigkeit kann dabei völlig fehlen.

    Wenn Du heute so fix und fertig bist, mach gar nichts. Musik hören und die Ruhe spüren.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Conny
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 80

    Hallo Bettina,
    klar spielt Depression eine Rolle, nehme 150mg Venlafaxin, lässt nur ganz selten mal so eine dumpfe Trübsinnigkeit aufkommen, aber mit so einer ekelhaften Erschöpfung hab ich von Zeit zu Zeit doch zu kämpfen, obwohl ich meine Pausen einhalte, Bewegung und Entspannung im „Programm“ hab….
    Seit letzter Woche habe ich mit den Achtsamkeitsübungen angefangen, vielleicht kann man darüber lernen, diese Empfindungen nicht „persönlich“ zu nehmen, sie stehen zu lassen wie sie sind ohne dagegen anzukämpfen. Bin aber erst in der ersten Woche von 8.
    LG, Conny

    Ulrike
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3392

    Liebe Conny,
    „vielleicht kann man darüber lernen, diese Empfindungen nicht “persönlich” zu nehmen, sie stehen zu lassen wie sie sind ohne dagegen anzukämpfen.“
    Das hört sich sehr gut für mich an!
    Wenn Du das hinbekommst, vielleicht auch nur im Ansatz am Anfang, wirst Du viel gewinnen, zumindest die Befriedigung, daß Du versuchst, mit der Gefühlslage umzugehen und Dich nicht einfach Dich dem Trübsinn hinzugeben.

    Alles Gute! und liebe Grüße 🙂
    Ulrike

    Conny
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 80

    Liebe Ulrike,
    vielen Dank für Deine aufmunternden Worte!
    Es bringt ja nichts, trüben Gedanken nachzuhängen. Mein Aufhänger waren sogar weniger trübe Gedanken, als vielmehr das Gedanken-Hamsterrad, in dem ich mich oft den ganzen Tag befinde, wo ich ständig schon darüber nachdenke, was als nächstes zu tun ist, statt mich auf das zu konzentrieren, was ich gerade tue. Aber allein das Wissen genügt oft nicht, um da raus zu kommen. Daher wollte ich mal was „Neues“ ausprobieren.
    Und wieder mal tut es gut, im Forum zu plaudern, wie gut, dass es das gibt und Euch alle auch!

    LG, Conny

    Rashdolinchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 6

    Guten Morgen,

    auch ich habe immer wieder meine Gedankenkreise ob ich Migräne habe weil ich eine Depression habe oder umgekehrt.
    Leider konnte ich das auch mit Hilfe von Psychotherapie, Reha und psychosomatischer Klinik nicht abstellen.
    Es gab zwar Zeiten in denen ich Antidepressiva nahm und meinen Alltag damit besser meistern konnte jedoch nach 5 Jahren und 25 kg mehr Gewicht auf meinen Rippen und der Hüfte war ich nicht mehr bereit diese zu nehmen.
    Ich finde es sollte durchaus möglich sein seinen normalen Alltag auch ohne hin zu bekommen. Leider stelle ich nun mal wieder fest, dass das ein harter Kampf ist und ich bin ziemlich traurig darüber.
    Montag bis Freitag schleppe ich mich zur Arbeit um zu funktionieren und oft beginnen schon Donnerstags die Vorboten der Migräne sich bemerkbar zu machen.
    In der Arbeit wird ständig mehr gefordert und gerade von solchen Perfektionisten wie wir Migräniker sind noch mehr. Ich fühle mich ständig unter Druck mich beweisen zu müssen und wenn ich dann denke „das hast Du gar nicht nötig“ kommt noch eine Vertretungsaufgabe oder Mehrarbeit dazu.
    Der ewige Kreislauf im Hamsterrad hört wohl nie auf.

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3997

    Liebes Rashdolinchen,

    Migräne und Depressionen sind ein Teufelskreis. Sie puschen sich gegenseitig. Sie haben beide mit dem Serotonin zu tun, haben also nicht nur eine psychische sondern auch eine ganz klar körperliche Komponente.
    Wenn man einen Teufelskreis an einer Stelle durchbricht, egal an welcher, dann bricht das System zusammen.
    Ich habe in einem anderen Beitrag an dich den Vorschlag gemacht, dir von deinem Arzt ein Antidepressivum verschreiben zu lassen, das NICHT müde und dick macht und doch als Migräneprophylaxe bewährt ist. Das gibt es auch.

    Zu dem Hamsterrad im Beruf war es für mich enorm aufschlussreich, in die Bücher über „Burnout“ hinein zu sehen. Selbst wenn man noch nicht wirklich ein dem drinsteckt, was man als Burnout bezeichnet (Mediziner reden wohl eher von einer hochgradigen Erschöpfungsdepression – was aber nicht so gut klingt wie „Burnout“), ist das, was diese Bücher an Tipps zur Selsbtfürsorge bietem, sehr wertvoll. Da geht es um die Kunst, „NEIN“ zu sagen und mit dem anschließend schlechten Gewissen und Selbstvorwürfen fertig zu werden, um die Gestaltung notwendiger Pausen und um das Einfordern von solchen Pausen, es geht um Perfektionismus und um das Gefühl, für alle Mitmenschen „DA“ sein zu müssen usw.
    Eine Psychotherapie hilft vieleicht nicht unmittelbar, die Migräne zu lindern. Aber sie kann sehr dabei unterstützen, dieses „Ausgeliefertsein“ zu mindern. Das tut schon richtig gut.

    Ich hoffe, dass dir diese Hinweise ein wenig helfen.
    Liebe Grüße
    alchemilla

    Gänseblümchen
    Teilnehmer