Migräne und Depression

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  • Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2850

    Liebe Alle,

    ich habe die meisten Probleme, wenn ich gerade nicht in einer „Akzeptanzphase“ bin. Wenn ich frühzeitig und effektiv behandle, mich dann „rausnehme“ und mir sage o.k. es ist eben wieder so, dann geht es. Schlimm ist, wenn nichts wirkt, ich hatte im Juli so eine 6-Tages Phase, danach aber fast 10 Tage mehr oder weniger Ruhe. Mein Arzt hat mir gesagt, erstens hinkommen und Infusion geben lassen und zweitens es ist oft so, wenn man eine schwere Attacke durch hat ist häufig eine Weile „Pause“. Damit will ich mich das nächste Mal trösten.

    Also eigentlich will ich sagen, wenn ich nicht dagegen kämpfe, sondern damit lebe, geht es besser.

    Zur Zeit habe ich gerade das Problem, dass ich sehr lange zur Erholung brauche nach Attacken, aber auch nach „außergewöhnlichen Ereignissen“, wie mal später ins Bett gehen oder Alkohol oder Dinge die außerhalb meines Rhythmus sind. Ich schlafe dann sehr viel und das macht den Tag recht kurz…

    LG Johanna

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4577

    Liebe Johanna,
    auch mir geht es wie Dir. In schlechten Phasen reagiere ich sofort auf Unregelmäßigkeiten, sei es bzgl. des Essens, Trinkens, Schlafens oder auch Bewegens. Jegliche, manchmal auch kleinste Veränderung der „Normalität“ löst eine Attacke aus. Z.Zt., da die Prophylaxe gut wirkt, bin ich gegen solche Veränderungen gut gewappnet, und es macht richtig Spaß seinen Alltag abwechslungsreich zu gestallten. In anderen Zeiten ist es recht langweilig, da man so vieles absagt, aus Angst vor einem neuen Anfall. Vielleicht ist es ein kleiner Trost, wenn ich Dir aus meiner Erfahrung sage, dass nach so „blöden“ Zeiten auch wieder bessere Zeiten kommen.
    Ich wünsche Dir alles Gute, und jetzt eine recht lange gute Zeit.
    Lieber Gruß
    Sternchen

    Doro
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 1605

    hallo johanna,
    hast du mal das buch von oliver sacks – migräne gelesen? er schreibt so treffend, wie *entladend* eine attacke sein kann, also aufgebaute anspannung sich entlädt und alles was sich daraus ergibt……..
    falls du dieses buch noch nicht hast, kann ich dir dieses nur wärmstens empfehlen. es ist ein weiterer baustein für das verständnis der funktionsweise unserer erkrankung.
    lg
    doro

    Conny
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 80

    Hallo,
    was macht Ihr denn gegen Eure Erschöpfung?
    Ich habe heute so einen besch… Tag, alles, was mir sonst Spaß macht und mir Energie gibt und meinen Akku auflädt ( lesen, stricken, „gammeln“, fernsehen, Musik, spazierengehen) ,selbst diese Dinge sind mir zu anstrengend. Ich bin froh, dass gerade alle aus dem Haus sind, selbst Gespräche finde ich gerade mega-anstrengend. Aber einfach nur dazusitzen und dieses Gefühl der Erschöpfung zu spüren, nicht zu wissen, wie der Akku wieder aufgeladen werden kann (vielleicht isser ja kaputt? 😉 das ist echt furchtbar. Ich hab mir eine Kerze mit Lavendelduft angemacht, klassische Musik dazu..und dachte, ich schau mal bei Euch rein, vielleicht hat jemand noch eine Anregung?

    LG, Conny

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27907

    Liebe Conny,

    könnte diese Erschöpfung aus einer Depression kommen? Wahrscheinlich schon, denn sonst würdest Du nicht in diesem Forum posten. Depression zeigt sich oft einfach nur in Antriebslosigkeit und Erschöpfung, die Traurigkeit kann dabei völlig fehlen.

    Wenn Du heute so fix und fertig bist, mach gar nichts. Musik hören und die Ruhe spüren.

    Liebe Grüße
    Bettina

    Conny
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 80

    Hallo Bettina,
    klar spielt Depression eine Rolle, nehme 150mg Venlafaxin, lässt nur ganz selten mal so eine dumpfe Trübsinnigkeit aufkommen, aber mit so einer ekelhaften Erschöpfung hab ich von Zeit zu Zeit doch zu kämpfen, obwohl ich meine Pausen einhalte, Bewegung und Entspannung im „Programm“ hab….
    Seit letzter Woche habe ich mit den Achtsamkeitsübungen angefangen, vielleicht kann man darüber lernen, diese Empfindungen nicht „persönlich“ zu nehmen, sie stehen zu lassen wie sie sind ohne dagegen anzukämpfen. Bin aber erst in der ersten Woche von 8.
    LG, Conny

    Ulrike
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3392

    Liebe Conny,
    „vielleicht kann man darüber lernen, diese Empfindungen nicht “persönlich” zu nehmen, sie stehen zu lassen wie sie sind ohne dagegen anzukämpfen.“
    Das hört sich sehr gut für mich an!
    Wenn Du das hinbekommst, vielleicht auch nur im Ansatz am Anfang, wirst Du viel gewinnen, zumindest die Befriedigung, daß Du versuchst, mit der Gefühlslage umzugehen und Dich nicht einfach Dich dem Trübsinn hinzugeben.

    Alles Gute! und liebe Grüße 🙂
    Ulrike

    Conny
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 80

    Liebe Ulrike,
    vielen Dank für Deine aufmunternden Worte!
    Es bringt ja nichts, trüben Gedanken nachzuhängen. Mein Aufhänger waren sogar weniger trübe Gedanken, als vielmehr das Gedanken-Hamsterrad, in dem ich mich oft den ganzen Tag befinde, wo ich ständig schon darüber nachdenke, was als nächstes zu tun ist, statt mich auf das zu konzentrieren, was ich gerade tue. Aber allein das Wissen genügt oft nicht, um da raus zu kommen. Daher wollte ich mal was „Neues“ ausprobieren.
    Und wieder mal tut es gut, im Forum zu plaudern, wie gut, dass es das gibt und Euch alle auch!

    LG, Conny

    Rashdolinchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 6

    Guten Morgen,

    auch ich habe immer wieder meine Gedankenkreise ob ich Migräne habe weil ich eine Depression habe oder umgekehrt.
    Leider konnte ich das auch mit Hilfe von Psychotherapie, Reha und psychosomatischer Klinik nicht abstellen.
    Es gab zwar Zeiten in denen ich Antidepressiva nahm und meinen Alltag damit besser meistern konnte jedoch nach 5 Jahren und 25 kg mehr Gewicht auf meinen Rippen und der Hüfte war ich nicht mehr bereit diese zu nehmen.
    Ich finde es sollte durchaus möglich sein seinen normalen Alltag auch ohne hin zu bekommen. Leider stelle ich nun mal wieder fest, dass das ein harter Kampf ist und ich bin ziemlich traurig darüber.
    Montag bis Freitag schleppe ich mich zur Arbeit um zu funktionieren und oft beginnen schon Donnerstags die Vorboten der Migräne sich bemerkbar zu machen.
    In der Arbeit wird ständig mehr gefordert und gerade von solchen Perfektionisten wie wir Migräniker sind noch mehr. Ich fühle mich ständig unter Druck mich beweisen zu müssen und wenn ich dann denke „das hast Du gar nicht nötig“ kommt noch eine Vertretungsaufgabe oder Mehrarbeit dazu.
    Der ewige Kreislauf im Hamsterrad hört wohl nie auf.

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3975

    Liebes Rashdolinchen,

    Migräne und Depressionen sind ein Teufelskreis. Sie puschen sich gegenseitig. Sie haben beide mit dem Serotonin zu tun, haben also nicht nur eine psychische sondern auch eine ganz klar körperliche Komponente.
    Wenn man einen Teufelskreis an einer Stelle durchbricht, egal an welcher, dann bricht das System zusammen.
    Ich habe in einem anderen Beitrag an dich den Vorschlag gemacht, dir von deinem Arzt ein Antidepressivum verschreiben zu lassen, das NICHT müde und dick macht und doch als Migräneprophylaxe bewährt ist. Das gibt es auch.

    Zu dem Hamsterrad im Beruf war es für mich enorm aufschlussreich, in die Bücher über „Burnout“ hinein zu sehen. Selbst wenn man noch nicht wirklich ein dem drinsteckt, was man als Burnout bezeichnet (Mediziner reden wohl eher von einer hochgradigen Erschöpfungsdepression – was aber nicht so gut klingt wie „Burnout“), ist das, was diese Bücher an Tipps zur Selsbtfürsorge bietem, sehr wertvoll. Da geht es um die Kunst, „NEIN“ zu sagen und mit dem anschließend schlechten Gewissen und Selbstvorwürfen fertig zu werden, um die Gestaltung notwendiger Pausen und um das Einfordern von solchen Pausen, es geht um Perfektionismus und um das Gefühl, für alle Mitmenschen „DA“ sein zu müssen usw.
    Eine Psychotherapie hilft vieleicht nicht unmittelbar, die Migräne zu lindern. Aber sie kann sehr dabei unterstützen, dieses „Ausgeliefertsein“ zu mindern. Das tut schon richtig gut.

    Ich hoffe, dass dir diese Hinweise ein wenig helfen.
    Liebe Grüße
    alchemilla

    Gänseblümchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 8

    Hallo,

    seit ca 1 Jahr leide ich bei manchen Migräneanfällen 24-48h zuvor unter furchtbarer Depression (oft in Zusammenhang mit Hormonschwankungen vermute ich). Also wirklich grauenhaft, alles ist Schwarz und Dunkel, ein Alltag nicht mehr möglich, furchtbare total verrückte Gedanken. Dann folgt der Migräneanfall von der schlimmsten Sorte, der auch überhaupt nicht auf die sonstigen Medikamente anspricht und immer volle 72h dauert. Danach ist der Kopf natürlich total k.o. und wie leer gefegt aber die Wolken sind verzogen, der Himmel wieder blau.
    Woher kommt sowas (plötzlich)?? Ist die Depression eine Art Aura? Hat es was mit Seretonin zu tun? Ich versuche es zu verstehen und Lösungen zu finden was ich tun kann. Denn diese vordepressive Phase ist eine Zumutung für alle Beteiligten und 5 Tage Ausnahmezustand alle paar Wochen ist einfach nicht tragbar. Leider habe ich bis jetzt kein Arzt gefunden der mir helfen kann, aber ich kann das doch nicht so hinnehmen. Wo finde ich nur Hilfe?

    Ruth
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 63

    Hallo Lisa,
    meine Neurologin hatte mir vor einigen Jahren, als meine Migräne chronisch- würde, geraten, ein Antidepressivum zu nehmen, weil ich auch Depressionen hatte.
    Das hat mir sehr gut gegen die starken Stimmungsschwankungen geholfen und z.T. auch gegen die Migräne.
    Ich würde dir auch raten, bei einem Neurologen oder/und Psychiater Hilfe zu suchen.
    Alles Gute
    Ruth

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27907

    Hallo Lisa,

    ich würde mich auf dem Vorschlag von Ruth anschließen. Nicht akzeptieren, dass es Dir so schlecht geht, sondern schnell Hilfe holen.

    Leider habe ich bis jetzt kein Arzt gefunden der mir helfen kann, aber ich kann das doch nicht so hinnehmen. Wo finde ich nur Hilfe?

    Wie kann das sein, wen hast Du denn kontaktiert?

    Liebe Grüße
    Bettina

    Gänseblümchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 8

    Hallo zusammen,
    vielen Dank für eure Nachrichten.
    Antworten habe ich gesucht beim Neurologen, Hausarzt, Endokrinologe und in der Frauenheilkunde. Wirklich etwas gebracht hat es nicht, weil man nichts „messbares“ feststellen konnte. Ich denke da hat zum Teil auch einfach ein tieferes Wissen zum Thema Migräne gefehlt. Psychologe ist ja leider fast unmöglich ein Termin zu bekommen. Ich streube mich auch etwas gegen eine dauerhafte Einnahme von Antidepressivum, weil ich es sonst ja nicht benötige. Ich würde so gern den Zusammenhang mit der Migräne verstehen? Migräne habe ich schon „immer“ aber das ist neu und auch nicht bei jedem Migräneanfall so. Wieso entwickelt sich so etwas bzw. wie entwickelt es sich?
    Ich nehme schon etwa 2-3 Jahre Vitamin D täglich, bis jetzt hatte ich es immer als gut empfunden – hat jemand auch schon mal negative Erfahrungen damit gemacht? Das beeinflusst ja auch den Seretoninspiegel.
    Vielleicht muss ich einfach noch weitere Neurologen aufsuchen.

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3975

    Liebe Lisa,
    sicherlich kannst du einen weiteren Neurologen aufsuchen. Sie sind in ihrem Wissensstand bzgl Migräne ja sehr unterschiedlich „ausgestattet“.
    Kann aber auch sein, dass auch der dir nicht genau DAS geben oder raten kann, was du suchst.
    Wenn man ein Antidepressivum nimmt, bedeutet das nicht, dass das eine Entscheidung für die Ewigkeit ist.
    Oft setzt es einen aber erst einmal instand, der Depression nicht so ausgeliefert zu sein sondern wieder klarer zu sehen und Pläne schmieden und in die Tat umsetzen zu können.
    Während der Zeit der Einnahme kann man andere Wege einschlagen. So wäre es möglich, sich in die Warteschlange bei einem Psychotherapeuten einzureihen, um wenigstens irgendwann einmal dran zu kommen.
    In solch einer Therapie könntest du lernen, mit dem, was geschieht, anders zum zu gehen. Das kann sehr sehr hilfreich sein.
    Für mich war es z.B. eine Rettung, zu erkennen, dass ich nicht für immer depressiv bin, sondern mir sagen kann: Das ist eine Phase, das geht auch wieder vorbei.
    Vielleicht sind die depressiven Phasen aber auch ein Ausdruck zunehmender Erschöpfung und ein Antidepressivum würde dich sowohl bei der Migräne als auch bei deren Begleiterscheinungen unterstützen und stärken.

    Migräne verändert sich in Laufe der Zeit immer wieder.
    Und so können auch depressive Phasen kommen und gehen.
    Du brauchst also nicht zu befürchten, dass du mit so einem Medikament für alle Zeit in eine Abhängigkeit rutschen würdest.
    Zumindest DAS könntest du mit deinem Neurologen besprechen.

    Liebe Grüße
    alchemilla

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7456

    Liebe Lisa,

    wenn ich es richtig gelesen habe, hast du in einem anderen Thread berichtet, dass du schwanger bist. Das wäre auch hier wichtig, denn sonst bekommst du jetzt sicher jede Menge Empfehlungen für medikamentöse Therapiemöglichkeiten, die dir momentan ja nichts bringen würden.

    Wie ich Collien gerade geraten habe, wäre wohl auch für dich ein eigener Schmerzverlauf sehr wichtig, damit nicht so viel durcheinander geht.

    Alles Gute,
    Julia

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 1 Woche von  Julia.
    Gänseblümchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 8

    Liebe alchemilla,
    vielen Dank für deine Antwort, die mir wirklich hilft und mich dazu bringt das Ganze aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Ja mit der Warteliste bin ich schon dabei. Mittlerweile hat man einfach schon Vorurteile aufgebaut bzw. Ängste vor solchen Medikamenten glaub ich.

    Liebe Julia,
    danke für deine Nachricht. Das geschilderte Problem bestand bereits vor der Ss und ist davon unabhängig. Ich Suche auch unabhängig davon, mittel- bis längerfristig eine Lösung. Kurzfristig ist bei solchen Themen meiner Erfahrung nach sowieso nicht viel zu erreichen.

    Lg Gänseblümchen Lisa

    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27907

    Liebe Lisa,

    nach Schwangerschaft und Stillzeit könntest Du es wirklich mal mit einem Antidepressivum versuchen. Wie bereits geschrieben wurde, ist es ja nicht für immer, zudem stellt ein Antidepressivum wieder den Zustand vor Depression her. Man verändert sich daher nicht durch ein Antidepressivum, sondern man ist ja vorher schon verändert – da Depressionen eine Krankheit sind. Also keine falsche Angst vor wirksamen Medikamenten, sonst besteht die Gefahr, dass man sich nicht traut, wirksame Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das wäre schade, denn dadurch geht enorm viel Lebenszeit verloren. Die Dir keiner wiedergeben kann …

    Liebe Grüße
    Bettina

    Gänseblümchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 8

    Danke Bettina, ja das stimmt, Zeit kann einem keiner wiedergeben im Nachhinein. Werde mir nochmal die Neurologen in der Umgebung anschauen und einen Termin machen, um das Ganze zu besprechen. Wenn ich eine Lösung finde, werde ich berichten. Lg Gänseblümchen

    • Diese Antwort wurde geändert vor 2 Monate, 1 Woche von  Gänseblümchen.
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