Migräne und körperliche Schwäche

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  • soulsurfer
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    Liebes Forum,

    kann es sein, dass wenn man viele Anfälle hat, dies mit einer ausgeprägten körperlichen Schwäche -auch in migränefreien Zeiten (!)- einhergehen kann?

    Im Moment ist mir einfach alles zu viel und schon der Weg zum Supermarkt strengt mich körperlich sehr an. Danach muss ich mich immer mehrere Stunden ausruhen und bin plötzlich sehr müde.

    Ich bin auch psychisch krank und dieses Symptom wird immer wieder in die Psychoecke („Depressionen“) gesteckt. Dabei bin ich seit 1 Jahr nicht mehr depressiv (hatte schon viele depressive Phasen und weiß wie sich das anfühlt.) Ich bin überhaupt nicht antriebslos, sondern würde gerne viele Sachen machen, zb einfach mal spazieren gehen, aber körperlich schaffe ich das einfach nicht..
    Ich fühle mich oft so, als hätte ich nen grippalen Infekt, aber halt ohne Schnupfen und Husten..

    Kann das mit der Migräne zusammenhängen? Oder steckt da eher etwas anderes dahinter?
    Habe ich vielleicht CFS? (chronisches Müdigkeitssyndrom)

    Ich habe echt Angst zum Hausarzt zu gehen (da bin ich in den letzten Wochen schon sehr oft wegen Migräne-Krankmeldungen gewesen), weil ich nicht mit diesem unterschwellig mitleidigen Blick angeschaut werden möchte („Sie sind nunmal psychisch krank und nehmen auch Medikamente.“)

    Vielleicht weiß ja jemand Rat.

    Liebe Grüße:)

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7425

    Ich hol diese Frage von Soulsurfer nochmal wieder hoch, da es noch keine Reaktionen darauf gab.
    Julia

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7425

    Hallo Soulsurfer,

    ich habe mir nochmal Gedanken zu deiner Frage gemacht, die ich aber nicht beantworten kann.
    Vielleicht wäre es gut, deine Frage in deinen Schmerzverlauf zu kopieren, denn um sinnvoll antworten zu können, muss man mehr über dich wissen. Du bist noch sehr jung, da muss man andere Kriterien beachten, als bei einem Menschen, der sehr viel älter ist. Auch die eventuellen Gründe für deine Erschöpfung gehen hier aus deiner Frage nicht wirklich hervor.
    Magst du sie deshalb in den Schmerzverlauf kopieren?

    Lieber Gruß,
    Julia

    heika
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5597

    Hallo Soulsurfer,

    starke und häufige Schmerzen bringen in der Regel auch eine starke Erschöpfung mit sich. Das ist nicht ungewöhnlich.

    Ich kann gerade nicht alles von dir nachlesen, doch hast du mal deine Eisenwerte im Blut testen lassen? Frauen im Menstruationsalter leiden häufiger an einem Eisenmangel als man allgemein denkt. Und auch ein ausgeprägter Eisenmangel kann zu einer starken Erschöpfung samt Konzentrationsschwierigkeiten, etc. führen. Wir Schmerzpatienten oder depressive Patienten denken oft an so etwas nicht, ordnen fast alles unserer Grunderkrankung zu, doch man kann auch Läuse und Flöhe gleichzeitig haben. ?

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr von  heika.
    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr von  heika.
    Ruth
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 63

    Hallo Soulsurfer,

    ich hatte auch schon in meiner Jugend Depressionen, und obwohl ich damals keine Medikamente genommen habe und noch keine Migräne hatte, war ich schneller erschöpft als andere und brauchte mehr Pausen.
    Ich denke, das lag auch mit an den Depressionen.
    Vielleicht hilft es dir, wenn du das einfach erstmal akzeptierst und machst, was geht,- sicher schlaucht auch häufige Migräne.

    Ich bin jetzt fast sechzig Jahre alt, nehme seit einigen Jahren ein Antidepressivum und auch regelmäßig Triptane wegen meiner chronischen Migräne.
    Das AD hilft mir gut, macht mich aber auch körperlich weniger belastbar.

    Ich wünsch dir alles Gute !
    Ruth

    soulsurfer
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 143

    Hallo,

    @julia, wie verschiebe ich das denn alles in den Schmerzverlauf? ?

    Naja ich wollte mal fragen,ob es Migräniker gibt,die auch zwischen ihren Anfällen immer stark erschöpft sind und ob das mit einer verlängerten Erholungszeit des Körpers zu tun haben könnte.

    Es gäbe aber bei mir noch andere Gründe. Ich reagiere zb sehr stark auf Medikamente,von denen einige meiner jetzigen Medis auch Schwäche und Müdigkeit in den Nebenwirkugnen haben. Das sind halt Antidepressiva und ein Betablocker, die allerdings schon so niedrig dosiert sind,dass sie eigentlich gar nicht WIRKEN dürften (laut Arzt). höhere Dosen vertrage ich gar nicht. und an Psychopharmaka habe ich mittlerweile über 15 ausprobiert…ich vertrage sie einfach nicht..

    @heika, ja meine eisenwerte sind in Ordnung. ich gehe Blut spenden und da werden die jedes mal vorher gemessen. bisher alles top .
    Einige Blutwerte sind bisschen aus dem Rahmen aber werden als nicht besorgniserregend angesehen, da sie durch meine Medikamente verursacht werden (laut Ärzten), zb die Leukozyten.

    @ruth, ja nur die Sache ist,dass ich überhaupt nicht mehr depressiv bin. Ich bin nicht antriebslos und das ist genau der springende Punkt. ich kann mich super motivieren hundert Dinge zu machen, aber mir fehlt körperlich einfach die Kraft.
    und es geht schon fast nichts mehr, aber das eher wegen der Schmerzen, also Migräne und Gesichtsschmerzen…

    ich überlege mit meinem Psychiater zu besprechen meine Medikamente abzusetzen. bisher haben die mir mehr leid als nutzen gebracht und durch eine fehldiagnose und dementsprechend falscher Behandlung bin ich eh schon medikamententraumatisiert.
    Ich bin mir sicher dass die viel zu meiner Schwäche betragen.
    Ich bin 24 und schaffe es seit einiger Zeit nicht mehr,nur 1 km mit dem Hund spazieren zu gehen.

    ich bin erstmal froh bald in Kiel zu sein um wenigstens eine Baustelle in den Griff zu kriegen.

    Danke fürs „zuhören“ und antworten! 🙂

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7425

    Lass es jetzt mal hier so stehen, ich hatte gehofft, es könnte bei deinen verschiedenen Problemen übersichtlicher bleiben.
    Schreib, so lange du auf den Aufenthalt in der Kinik wartest, schon mal all deine Fragen und Gedanken auf, dann kannst du mehr von den Gesprächen dort profitieren.

    Alles Gute

    MiRa
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Hallo @soulsurfer und Hallo @julia!

    Ich bin neu im Forum und habe mich noch nicht vorgestellt, habe aber genau diese Fragestellung und Symptombeschreibung die mir seit Jahren auf der Brust liegt.

    Es geht mir ganz genau so!

    Neben der Migräne habe ich vor allem mit einer chronischen Erschöpfung zu kämpfen und bin einfach kaum belastbar! Und auch ich habe ab und an depressive Phasen, jedoch ebenfalls in der Komponente, dass ich viele Dinge gerne unternehmen würde, diese jedoch einfach oft nicht umsetzen kann, weil ich mich zu erschöpft fühle. Ich kann unfassbar viel Schlafen und bekomme die meisten MigräneAnfälle auch durch Schlaf wieder weg (solange ich keinen Hormon-Abfall durch die Periode habe).

    Ich habe es aufgegeben bei Ärzten deswegen um Rat zu fragen und bin traurig darüber, dass ich gefühlt viel weniger leisten und Unternehmen kann als andere in meinem Alter, akzeptiere aber, dass mein Hirn anscheinend so tickt. Ich werte es als ein Symptom eines dauerhaft angespannten Gehirns, welches viel mehr Reize wahrnimmt als andere Nicht-Migräne-Köpfe und welches entsprechend viel mehr Erholungsphasen braucht. Wenn dann noch anderer Stress dazu kommt, wie Sorgen oder im Umfeld, weiss ich, ich bin ganz schnell „durch“. Und da das Hirn ja den gesamten Körper steuert, ist eben auch der ganze Körper schnell müde und erschöpft. Ich kenne das Symptom von ADHS Patienten ebenfalls. Und auch da ist Überreizung ja ein Thema.

    Ist meine eigene Erklärung die weder ärztlich belegt ist (da bekomme ich auch nur die Depressions oder psychosomatik Antwort), also vlt ist es auch falsch analysiert. Aber du bist auf jeden Fall nicht alleine (bzw ihr) damit!

    LG Miri

    soulsurfer
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 143

    Hallo liebe Miri,

    Du sprichst mir da echt aus der Seele. Und ich habe mir auch tatsächlich schon die gleichen Gedanken diesbezüglich gemacht, was das ständig überreizte Gehirn anbelangt.
    Ich bin hochsensibel und habe oft das Gefühl dass mein Körper mit den kleinsten Reizen schon überfordert ist und mich das so müde macht. Beim einkaufen beispielsweise das grelle Licht und die vielen Farben und die große Auswahl, die Menschen dort, die sich alle in unterschiedliche Richtungen bewegen…

    Vielleicht ist die Erschöpfung tatsächlich eine Folge einer Reizverarbeitungsstörung, wie sie, wie du ja auch schon schriebst, Menschen mit ADHS haben, aber auch bei Migränikern anzunehmen ist?

    Nur so wie ich das hier aufgrund der Antworten deute, scheint diese Erschöpfung bei den meisten Migränikern nicht der Fall zu sein, obwohl für mich die Erklärung der Reizverarbeitung mit der Folge der Erschöpfung wirklich Sinn macht.

    Vllt kann es sein, dass wir beide einfach sehr sensible Menschen sind, die eh schon sehr oft reizüberflutet sind und die Migräne das ganze dann noch verstärkt?

    Ich finde es schrecklich,dass alles immer wieder in die Psychosomatik abgeschoben wird,nur weil man psychisch krank ist oder war. Klar gibt es dort den typischen Zusammenhang mit Erschöpfung und Schwäche, aber dass man überhaupt nicht antriebslos ist und das irgendwie dann nicht passt zu Depressionen, wird dann überhört.

    Aber es tut schon mal sehr gut zu wissen, dass ich damit nicht alleine bin.

    LG:)

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7425

    Hallo Ihr Beiden und Miri herzlich willkommen.

    Der Eindruck, dass es nicht so viele Migräniker mit starker Erschöpfung gibt, täuscht gewaltig.

    Ich selber kann da nur nicht so mitreden, weil ich diese wirklich totale Erschöpfung erst im Zusammenhang mit einer weiteren extrem schmerzhaften Erkrankung bemerkt habe. Bis dahin, und das waren auch schon an die 60 Jahre mit hochfrequenter Migräne, hatte ich das so nicht. Und ich kenne auch keine depressiven Phasen. Darum meine Zurückhaltung was Ratschläge angeht. Hochsensibel bin ich ganz und gar nicht, eher dickfällig ? , Supermärkte und ähnliches machen mich aber auch immer kirre. Da verlier ich manchmal total den Durchblick und irre nur herum!

    Sehr sehr viele Migräniker kennen starke Erschöpfungszustände, sicher auch mit unterschiedlichen Grundvoraussetzungen. Für dich, Soulsurfer, besteht ja sicher bald die Möglichkeit, das Problem in Kiel anzusprechen.
    Leider landen wir damit bei anderen Ärzten sehr oft auf der leidigen Psychoschiene, oder noch schlimmer in der Ecke „selbst Schuld“.

    Ihr bekommt sicher noch viele Diskussionsbeiträge.

    Alles Liebe,
    Julia

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr von  Julia.
    Carmen
    Teilnehmer
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    Mein Name ist Carmen und ich bin zum ersten Mal auf headbook. Ich suche zum x-ten male Hilfe in Sachen Migräne. Ich bin jetzt 53 Jahre und in den Wechseljahren. Seit über 30 Jahren habe ich mit allen Formen und Stärken der Migräne zu tun. Hauptsächlich hormonell bedingt. Diese totale Erschöpfung während und nach Auftreten der Migräneattacken kenne ich nur zu gut. Momentan nehme ich Zolmitriptan 5mg und habe so starke Nebenwirkungen, dass ich unbedingt auf ein anderes Triptan umsteigen möchte. Ich bin den ganzen Tag nicht mehr richtig handlungsfähig (gehe in der Regel weiter auf Arbeit) komme kaum noch die Treppen hoch und eine Besserung ist erst nach vielen Stunden in Sicht. Hat vlt. jemand ähnliche Erfahrungen und was könnte besser helfen?
    Übrigens kann ich das mit der Reizüberflutung sehr gut nachvollziehen, mir geht es genauso, hauptsächlich auf Arbeit, wo die Außengeräusche absolut belastend für mich sind (für andere gar nicht) und ich versuche schon Stress durch laute und vielbesuchte Veranstaltungen möglichst zu meiden.
    LG

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr von  Carmen.
    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 27786

    Liebe Carmen, bitte öffne einen eignen Schmerzverlauf für Dich. 🙂 https://headbook.me/groups/mein-persoenlicher-migraeneverlauf/forum/
    Aber erst mal herzlich willkommen und die Frage nach der Erschöpfung kann natürlich auch hier geklärt werden.

    Fehlende Reizfilter haben zur Folge, dass alles Reize, wie das Wort schon sagt, ungefiltert aufs Nervensystem hereinprasseln. Lange kann das Nervensystem diesen Ansturm nicht ertragen, daher reagiert der Körper mit Migräne. Oder mit besonderer Unruhe, wenn man von AD(H)S betroffen ist oder vom Asperger Syndrom. Auch Epileptiker reagieren auf bestimmte Reize (grelles Licht, Lichtblitze usw.), was die Krampfanfälle auslösen kann.

    All das erschöpft mehr oder weniger, Müdigkeit stellt sich ein. Idealerweise sorgt man für Reizabschirmung, zieht sich zurück und ruht. Nur geht das leider nicht immer, was die Symptome verstärken kann. Oder man deckelt sie mit Medikamenten. Geht eine Zeitlang gut, die Erschöpfung kann man aber nicht deckeln. Also richtig überlegt, dass die ständigen Reize, die nicht ausgeblendet werden können, auch erschöpfen.

    Bedenken sollte man aber weitere Dinge: Erschöpfung kann auch durch Depressionen entstehen, die man oft vielleicht selbst gar nicht als Depression wahrnimmt. Die Depression hat viele Gesichter und kaum ein Schmerzpatient wurde von zumindest zeitweilig auftretenden reaktiven Depressionen verschont.

    Weiters sollte man bedenken, dass man ja auch nicht jünger wird. 😉 Wie oft lesen wir hier, „ich kann dies nicht mehr machen und das nicht, ich kann nicht mehr auf den Berg, mir geht die Kraft so schnell aus, usw.“. Das sind auch normale Alterserscheinungen, die wir wohl irgendwie ausblenden und viel zu viel der Schmerzerkrankung aufladen. 😉 Mal nur so als Überlegung reingeworfen.

    Liebe Grüße
    Bettina

    MiRa
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Hallo @soulsurfer!

    Ich finde es schön jemanden zu lesen der ähnlich empfindet wie ich es so tue. Das ist wirklich wohltuend! Auch wenn es natürlich ansich nicht schön ist, dass wir ein bisserl im Schneckentempo Leben können. So empfinde ich es zB oft. Aber andererseits merke ich auch, dass mein Gehirn meinem restlichen Körper und Leben quasi immer 10km vorauseilt. Ich bin in Gedanken immer schon 10 Schritte weiter und durchdenken Variante A oder B oder C. Und parallel nehme ich dann noch wahr „Ah da ist ein Hund und der guckt so und so und das macht er wahrscheinlich weil er Hunger hat und hier fährt ein Auto vorbei das stinkt bestialisch und sollte mal seine Abgase checken lassen und dort das Haus hat aber hübsche Fenster, die sind aber schön dekoriert, ob dort wohl eine Familie wohnt, oder nur eine Person….“ Und oft merke ich, dass wenn ich dann etwas kommentiere, dann sagen andere „Ne, haben wir nicht gesehen. Wo war denn da ein Hund? Und das Auto stinkt? Habe ich nicht gemerkt.“ Und: „Miri du machst dir echt zu viele Gedanken. Denk doch mal nicht so viel…“

    Ja. Da scheint vielleicht wirklich viel los zu sein, in unseren Köpfen. Vielleicht ist das tatsächlich eher die Variante Hochsensibilität oder ADHS die da noch dazu kommt?

    Aber wie @bettina Wundervoll erklärt hat, ist die depressive Erschöpfung vlt auch ein nicht unwichtiger Teil. Ich bin zB mit diesen ständigen Anfällen auf jeden Fall oft depressiv verstimmt und auch mal antriebslos, weil ich Angst habe, wenn ich jetzt diesen Ausflug mitmache und es geht dann wieder los mit Aura oder Schmerzen und ich will dann einfach nur schnell heim und das kann ich aber nicht, weil ich noch länger Auto zurück fahren müsste oder mit anderen unterwegs bin die das nicht verstehen, dass ich mich dann schäme, dass ich denen zur Last Falle oder am nä Tag krank bin wieder und dadurch negativ auffalle. Diese psychische Komponente ist nicht zu unterschätzen und erschöpft mich auch sehr! Soziale Kontakte sind damit oft schwer zu gestalten und das triggert Verlustängste und wieder Stress und Erschöpfung bei mir.

    Und dann Frage ich mich selbst, warum ich es von Ärzten oder anderen als sehr beleidigend empfinde, wenn dann vieles auf
    diese Psychologische Schiene geschoben wird. Wieso fühle ich mich da degradiert und nicht ernstgenommen? Vielleicht weil psychische Probleme noch stärker tabuisiert werden als neurologische? Oder weil ich mich damit nicht richtig gesehen fühle in meiner Einschränkung durch die neurologische Erkrankung? Ich komm da noch nicht so hinter…. Aber anderen scheint es ja auch ähnlich zu gehen…. Migräne ist richtig doof, aber psychische Probleme dabei finde ich auch richtig belastend. Vielleicht weil beides eben auch einen oft mal zum Aussenseiter macht oder eben dem Umfeld auch ständig auffällt und so entgegen dem Prinzip des leistungsfähig sein und auf Funktionieren und Bewerten gepoltem gesellschaftlichem Denken steht?

    Alles sehr komplex 🙂

    Wie auch immer: Schön Mitstreiter zu haben und mal nicht der schlappi Aussenseiter zu sein, sondern eine unter Vielen 🙂

    Einen angenehmen und schmerzfreien Tag heute ♡

    Julia
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 7425

    Prof. Göbel sagt oft, Menschen mit Migräne hätten immer schon fünf Antworten parat auf Fragen, die noch gar nicht gestellt wurden.
    Ich glaube, das beschreibt sehr genau unser Verhalten. Wir überholen uns tatsächlich immer selbst und Ausbremsen ist schwierig bis unmöglich.
    Versuchen wir es trotzdem mal. ?

    alchemilla
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    Liebe Miri,
    die psychologische Schiene ist deswegen so unerfreulich, weil es meistens bedeutet, dass sie uns dahin abschieben.
    Sie könnten ja dann, wenn sie schon meinen, es sei psychologisch bedingt, auch entsprechende therapeutische Hilfestellungen anbieten.
    Statt dessen bedeutet es meistens: Kümmern Sie sich selbst darum. (Wenn wir DAS könnten, wären wir nicht bei diesem Arzt, oder ???)
    Es ist nicht so, dass wir uns nur nicht ernst genommen fühlen, wir werden damit oft nicht ernst genommen.
    Sinnvoller Weise würde man eine medizinische mit einer verhaltensmedizinischen Therapie verbinden.
    Aber das erleben nur die wenigsten von uns so.
    Es liegt nicht an DIR, wenn du dich diskriminiert fühlst.

    Wenn du das mit der Hochsensibilität gut verstehen willst, empfehle ich dir das Buch: „Wenn die Haut zu dünn ist“ von Rolf Sellin.
    Als ich das zum ersten Mal las, war mir, als hätte er ein Buch über mich geschrieben.
    Es hat mir sehr geholfen, alles das, was ich erlebe und erlebt habe, einschließlich das unterschwellige Gefühl, dass ich “ nicht richtig “ sei, zu verstehen und zu versachlichen.
    Im Unterschied zu vielen anderen Büchern zu dem Thema entwirft er aber auch einen Ansatz, wie man sich helfen kann und mit der Sensibilität besser umgehen kann.
    Inzwischen habe ich es als Hörbuch und lasse es mir abends als Gute-Nacht-Geschichte vorlesen.

    Von dem „Prinzip des leistungsfähig sein und auf Funktionieren und Bewerten gepoltem gesellschaftlichem Denken“ wollen inzwischen viele Menschen abkommen.
    Es tut nicht nur den Migränikern nicht gut. Das wird immer deutlicher.
    Vielleicht hilft uns unsere Sensibilität dabei, allmählich rechtzeitig die Grenzen zu erkennen und sich dann selbstbewusst und selbstbestimmt davon auszugrenzen.
    Ich habe im Kollegium oftmals schon Lösungen für Probleme entworfen und vorgeschlagen, wo die anderen noch nicht einmal eine Ahnung hatten, dass sich da zu ein Problem entwickeln würde. Nachdem ich den Spruch von Prof. Göbel kennen gelernt hatte, den Julia zitiert, ist mir das bewusst geworden und ich wurde geduldiger, habe meine Lösungen für mich behalten und dann geholfen, als sie merkten, dass „es brennt“.
    Später habe ich auch meine Empfindlichkeiten einfach ausgesprochen und oft wurde ihnen dann auch bewusst, dass auch sie davon belastet wurden. Z.B. „hier ist es mir viel zu laut“ oder „hier ist ganz schlechte Luft“ usw. Da habe ich oft erleichterte Zustimmung erfahren.
    Solange ich mich still zurückgezogen habe, habe ich mich auch oft als Außenseiter erlebt.
    Ich meine, wenn wir schon dauernd mit Migräneanfälligkeit gebeutelt sind und mit Empfindlichkeit und mit Erschöpfung, dann wollen wir das wenigstens selbst als Stärke und als eine Art Fähigkeit nutzen, rechtzeitge Pausen und Entschleunigung einzuklagen und auf Stress hinzuweisen und es nicht nur als Defizit ansehen.

    Fühlt sich auf jeden Fall besser an . . .

    Liebe Grüße
    alchemilla

    MiRa
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Liebe Alchemilla,

    das sind aber ganz besonders wertvolle Gedanken für mich, die du da gerade teilst.

    Ich kenne es sehr gut diejenige zu sein die quasi die Probleme kommen sieht und dann auch anspricht und wenn der Zeitpunkt dafür zu früh ist, dann habe ich oft erfahren, dass ich als Bote der Nachricht ausgegrenzt oder abgelehnt wurde und dann erst sehr viel später Rückmeldungen kamen, dass ich ja doch im Nachhinein nicht so Unrecht hatte. Aber zu erst habe ich dann oft Anlehnung erfahren.

    Sich an dieser Stelle etwas länger bedeckt zu halten und den anderen Zeit zu lassen selbst wahrzunehmen ist ein sehr wertvoller Hinweis!

    Und ja stimmt: Es ist nicht nur ein nicht ernstgenommen fühlen, sondern ein nicht ernstgenommen werden. Das erlebe ich sehr sehr oft. „Die stellt sich aber echt an…“ Standard-Satz. Sehr schmerzhaft. Und immer wieder hinterfrage ich mich dann doch, ob ich nicht lernen könnte weniger empfindlich zu sein. Aber der Effekt des „Abstumpfens durch häufiges Training“ hat sich bei mir nie einstellen wollen. Seit dem Buch von Prof Göbel weiss ich zum Glück, dass das auch nicht geht. Und inzwischen möchte ich mich aber auch nicht immer nur weiter abhärten, sondern ich möchte das Recht haben es mir so angenehm wie möglich zu gestalten. Ich verliere schon so zu viele Stunden an diese Krankheit. Aber das wiederum wird dann als egoistisch oder eben schwach ausgelegt. Zumindest von Menschen die eben uninformiert und uninteressiert sind.

    Ich muss dazu sagen, dass ich im wirtschaftlichen Bereich mich bewege und im Bekannten und Kollegenkreis oft Wirtschaftler habe, deren Mentalität oft vlt auch besonders auf Effizient und Funktionalität und Wirtschaftlichkeitsdenken geprägt ist. Hier mahlen die Mühlen des Umdenkens in humanfreundlichere Bahnen oft sehr viel langsamer, ist mein Eindruck. Aber natürlich auch nicht immer, sondern eher im Schnitt.

    Und ja, wieso wird dann keine adäquate Therapieform zB angeboten um sich denn besser im Leben zurechtzufinden zu können, wenn es ein psychischer Defekt als Hauptauslöser sein sollte.

    Allerdings: Ärzte haben mir schon eine psychosomatische Therapie angeraten, welche ich auch gewissenhaft wahrnahm. Dort bin ich jedoch eher noch zusätzlich verunsichert heim gegangen, weil dort der Fokus ganz besonders darauf gelegt war, dass hinter der Erschöpfung und dem Schmerz meine unterbewussten Kindheitserfahrungen angeblich versuchen gewisse Bedürfnisse durch den Schmerz durchzusetzen die ich mich nicht traue zu kommunizieren. Stimmt, ich traue mich manchmal auch nicht zum x-ten Mal auf etwas hinzuweisen, dass mir gerade Kopfschmerzen triggert, weil ich eben die Reaktionen der anderen manchmal fürchte. Aber so herum wächst eben der Kuchen. Und nicht, dass ich Kopfschmerzen bekomme, WEIL ich unterbewusste Bedürfnisse habe. Da habe ich dann zusätzlich noch lange die Katze hinter der Katze gesucht. Nicht hilfreich für mich. Eher wünschte ich ein bisschen einen dickeren Mantel zu bekommen, die manchmal negativen Reaktionen der anderen auf meine Krankheit (die ja nunmal da sind und auch manchmal verständlich wenn jmd zum x-ten Mal ausfällt) besser verarbeiten zu können und dem eigenen Perfeltionismus zu bändigen.

    Danach hatte ich dann eine richtig depressive Phase, weil ich dann noch das Gefühl hatte mich gar nicht mehr in mir selbst orientieren zu können.

    Inzwischen sehe ich es so, dass mir meine Migräne sagen möchte, dass ich gerade unter Stress stehe durch zu viele Reize (und dass das MEIN individuelles Level ist) und /oder, dass ich emotional angespannt bin und mich zu sehr selbst unter Druck setze, UND vor allem, dass ich eine genetisch bedingte neurologische Erkrankung habe, welche mit meiner Kindheit und meinen Eltern glücklicherweise mal nichts zu tun hat 🙂

    Insofern KANN selbst der Therapeutische Ansatz dann ganz schwierig werden, wenn auch dort Ärzte sitzen die diese Erkrankung und diese sensible Neigung überinterpretieren und sich zu Tode analysieren, statt es als das zu sehen was es ist: Eine Migräne Erkranung, die oft einschränkt und auch isolieren kann, die aber, wie du es schon schreibst, auch besondere Eigenschaften mit sich bringt, welche auch positiv genutzt werden können.

    Jetzt ist es etwas abgeschweift,sorry. Aber das brannte jetzt innerlich so raus, quasi 🙂

    Also Danke für den positiven Ansatz und genauso sehe ich es auch und möchte ich es auch sehen.

    Und letztenendes ist es ja eh immer eine Frage der Perspektive die man einnehmen möchte 🙂

    Johanna
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 2850

    Liebe Miri,

    beim lesen sind mir ein paar Gedanken gekommen, die schreib ich einfach mal. Ich hab mich auch über Jahre immer wieder abgeschoben gefühlt in die Psychoecke, kein Arzt hat mir irgendwie richtig helfen können oder wollen. 2011 wurde in der Schmerzklinik die Diagnose chronische Migräne und Spannungskopfschmerzen gestellt und rezidivierende Depression. Mit einigen Auf’s und Ab’s habe ich immer noch zu tun, aber das haben andere auch, die keine chronischen Krankheit haben.

    2014 habe ich dann doch eine Psychotherapie begonnen, eigentlich um meinem Arzt einen Gefallen zu tun. Ich bin immer noch dabei. Bei vielen von uns chronifiziert ja der Schmerz, weil wir uns nicht krankheitsadäquat verhalten. Wer will das schon immer und es geht ja auch irgendwie. Aber oft hinterfragen wir gar nicht, warum wir so perfektionistisch und leistungsorientiert sind. Diese Eigenschaften, die viel dazu beitragen zu unserer permanenten Überforderung und daraus resultierenden Erschöpfung.

    Bei mir hat das schon etwas mit meiner Kindheit und meinen Erfahrungen im Elternhaus zu tun. Nur geliebt werden, wenn man immer sehr gut ist, z.B.. Wir handeln in der Regel viel unbewusster als wir glauben.

    Erst das erkennen dieser Zusammenhänge und das freundliche Beobachten meines Perfektionismus, der ja auch was mit Kontrollzwang zu tun haben kann…, haben mich in die Lage versetzt Dinge auch mal sein zu lassen.

    Noch mal zur Erschöpfung, die ich auch sehr gut kenne, zum Glück nicht mehr so häufig. Am meisten entlastet mich wirklich, nicht mehr so viel zu wollen, was nicht geht. Also z.B. nach einer Reise sofort den Koffer auspacken, oder eine Party mit vielen Menschen in einem Raum zu feiern oder stundenlanges shoppen im Kaufhaus
    …, jeder hat da seine Beispiele.

    Ich focussiere mich auf das was geht, laufen im Wald, mal shoppen in kleinen Geschäften, Zeit großzügig planen…,

    Was andere sagen ist mir total egal mitterweile, ich bin aber jetzt Mitte 50 und „Psycho“, ich darf das! Ich erklär mich auch nicht mehr, ich sorge dafür, dass es mir gut geht. Ist das nicht möglich, dann verlasse ich die Situation.

    So hab ich die Erschöpfung halbwegs im Griff.

    Bin ich allerdings im MÜK, der sich bei mir u.a. mit starker Erschöpfung, Sensibilität und depressiven Phasen bemerkbar macht, dann hilft nur eine Medikamentenpause, sonst nichts.

    Liebe Grüße
    Johanna

    MiRa
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Liebe Johanna,

    auch dir ein Danke für deine Gedanken zu diesem Thema!

    Ich finde es schön zu lesen wie du beschreibst, dass du „gnädiger“ mit dir und deinen Anforderungen geworden bist. Ebenso, dass du einen Abstand dazu gefunden hast dich unter zu großen sozialen Druck zu setzen.

    Die Erkenntnis, dass einige Punkte die uns stressen unterbewusst gesteuert werden (fast alles sogar, das ist wirklich krass wieviel da los ist) ist sicher auch ein wertvoller und wichtiger Prozess in der Selbstreflektion und im Inneren Wachstum. Gerade die du schreibst, ein liebevolles Beobachten, das fand ich berührend.

    Meine Erfahrung bezieht sich in der Therapie auf das Unterstellen, dass diese unterbewussten Sehnsüchte die wir Menschen ja alle in uns tragen, in irgendeiner Form, wie Geliebt werden, Nähe, Führsorge, Geborgenheit, jedoch die Kopfschmerzen auslösen sollen, damit wir von anderen Menschen Zuwendung bekommen, die wir uns nicht trauen als Wünsche auszusprechen, sondern, dass die Kopfschmerzen die Ausdrucksform dafür sind Nähe oder Distanz oder anderes von anderen Menschen zu bekommen. Quasi weil die Fähigkeit der direkten Kommunikation in der adäquaten Äusserung unserer Wünsche fehlt. Und DAS finde ich verletzend und unverschämt. Dass der Migränekopfschmerz nicht als neurologische, eigenständige Erkrankung gesehen wird, sondern als ein „Schrei nach Liebe“. So sieht die Psychosomatik ja auf Schmerzzustände.

    Damit wird mir ja jegliche Kompetenz abgesprochen bewusst wahrzunehmen was ich brauche und die Fähigkeit zu besitzen dies auch zu erbitten von anderen. Und der Migräne wird eine immense Verantwortung zugeschrieben. Solange ich weiter Schmerzzustände habe, war ich nicht in der Lage meine Bedürfnisse zu erkennen und von anderen Menschen zu erbitten. Also stresst mich jeder Anfall wieder erneut, weil ich die Perspektive aufgedrängt bekomme, wo ich denn jetzt schon wieder etwas möchte was ich mich angeblich nicht traue zu sagen. Und diese Interpretation von MigräneAnfälle halte ich für falsch und sogar gefährlich.

    Andersherum aber, dass man sich überlegt was brauche ich denn trotzdem, dass ich Migräne habe ganz besonders? Was wünsche ich mir von mir und meinem Leben? Was tut mir gut? Und was hält mich davon ab es mir zu geben? Und auch eigenen Biografische Aspekte anzusehen, wohlwollend und anerkennend und ressourcenorientiert, das finde ich wichtig und dabei Hilfe zu haben stelle ich mir sehr wertvoll vor.

    alchemilla
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 3971

    Liebe Miri,
    das ist ja krass, was du da in den Psychotherapien erlebt hast.
    Solche Zuschreibungen sind geradezu diskriminierend.
    Wie soll man da vertrauensvoll mitarbeiten und ein gesundes Selbstwertgefühl haben?
    Für mich sind die Ansätze viel hilfreicher, bei denen an die vorhandenen Ressourcen angeknüpft wird
    und man als Individuum wahrgenommen wird.
    Solche Psychotherapien gibt es zum Glück auch.

    Was ihr beide, du und Johanna, über diese Art Selbstfürsorge schreibt, das berührt mich sehr.
    Auf diese Weise können wir unser restliches Leben -neben der vielen Migräne- wenigstens so gestalten, dass es uns gut tut.

    LG
    alchemilla

    Katrin
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 500

    Hallo ihr Lieben,

    vielen Dank an dich, liebe Soulsurfer, dass du die Erschöpfung thematisiert hast und an euch, ihr Lieben, die ihr mit euren Erfahrungen und Sichtweisen zu diesem intensiven Austausch beigetragen habt!

    Auch ich gehöre zu den massiv Erschöpften und habe ich hier sehr viel für mich an Hilfreichem herauslesen können. Es ist alles gesagt und auf den Punkt gebracht. Das, meinen Dank und meine Anerkennung wollte ich einfach mal loswerden, zu mehr reicht es heute nicht!

    Alles Liebe für euch!
    Katrin

    Viva la Vida! ?

    MiRa
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 5

    Liebe @katrin,

    Danke für dein wertschätendes Feedback!

    Auch ich hab diesen Austausch als sehr bereichernd empfunden und hänge vielen Gedanken dazu von euch noch nach…

    Gute Besserung dir und einen schönen Tag, trotz manchem Gewittersturm im Kopf!

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