Erste Aura im Alter von 74

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  • haldirchen
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    Hallo liebe Aura geplagte und ExpertInnen

    Heute schreibe ich weil ich mir Sorgen um meine Mutter mache….
    Meine Mutter hatte erstmalig in den Wechseljahren Migräne, nur ein paar Mal. Kopfschmerzen ohne Aura. Nach dem Wechsel war sie dann viele Jahre Migräne frei. Vor ca. 2 Jahren wurde bei ihr eine Polymialgia Rheumatica diagnostiziert, woraufhin eine Cortisonbehandlung begonnen wurde. Nach ca. einem Monat mit Cortison traten bei ihr eines Abends extreme Sehstörungen auf, so dass wir den Rettungsdienst riefen. Sie wurde daraufhin im KH mehrere Tage lang komplett durchgecheckt. Diagnose: Migräneaura.
    Seit 2 Jahren hat sie nun immer wieder Phasen mit häufiger Aura, manchmal mit, manchmal ohne nachfolgenden Kopfschmerz. Seit ca 5 Wochen hat sie nun fast täglich Aura, manchmal sogar 2 mal am Tag. Vor 2 Wochen wurde deshalb ein MRT gemacht mit dem Ergebnis: altersentsprechend ohne besonderen Befund.
    Trotzdem bin ich besorgt. Kennt jemand von euch diese langen Aura-Phasen, so spät im Leben erstmals auftretend?
    Ich habe in einem älteren Beitrag etwas von offenem Foramen Ovale gelesen. Kann es sein dass sich dieses mit über 70 erstmals bemerkbar macht? Sollte sie einen Herzspezialisten aufsuchen?

    Bin dankbar für Tipps und Erfahrungsberichte!
    Liebe Grüße
    Judith

    heika
    Teilnehmer
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    Liebe Judith,

    das tut mir aber leid für deine Mutter, dass sie nun bei fortgeschrittenem Alter derart geplagt ist. Auren können tatsächlich isoliert auftreten, das heißt, ohne nachfolgenden Kopfschmerz.

    Da eine Polymyalgia rheumatica mit Gefäßentzündungen einhergeht, oft auch im Kopfbereich, könnte vielleicht da ein Zusammenhang zwischen der Grunderkrankung und den jetzt neu aufgetretenen Auren bestehen, dass durch die entzündlichen Prozesse gewisse Bereiche im Gehirn irritiert werden. Doch ich bin natürlich nur ein Laie und vermute nur.

    Was auf jeden Fall sehr ratsam bei Auren ist, ist die Einnahme von Magnesium. Magnesium senkt ein wenig die „Reizempfindlichkeit“ der Nervenzellen. Empfohlen werden bis zu 600mg täglich als Dauereinnahme, doch man sollte es langsam eindosieren, damit der Darm sich daran gewöhnen kann. Sonst kann es zu Grummeln und Durchfall kommen. Und manche vertragen auch keine 600mg als Enddosis, dann einfach bei der Einnahmemenge bleiben, die man persönlich gut verträgt.

    Was einigen hier hilft, ist bei einer auftretenden Aura die sofortige Einnahme von Magnesium aus den Magnesium direkt-Tütchen. Das ist Magnesiumcitrat, das vom Körper schnell aufgenommen wird, und man kann das Pulver direkt aus den Tütchen in den Mund einnehmen.

    Den Gedanken mit dem Foramen ovale würde ich in den Hintergrund stellen. Es wurde eine umfassende Studie zu einem PFO-Verschluss und dem Einfluss auf die Migräne erstellt, ohne ein überzeugendes Ergebnis, das für einen PFO-Verschluss bei Migräne mit oder ohne Aura sprechen würde.

    Ich hatte Kontakt zu einem Mitglied in Headbook, die nach einem PFO-Verschluss einen bedeutenden Rückgang ihrer extrem häufig und heftig verlaufenden Auren erlebte und überaus glücklich war. Als sie ein halbes Jahr nach dem Eingriff die Blutverdünner absetzte, die man üblicherweise so lange danach nehmen muss, kamen die Auren wieder. Der Effekt bei ihr kam von den Blutverdünnern, nicht vom PFO-Verschluss.
    Bei ihr verlief das so, das ist eine Einzelfall-Geschichte, was eben auf gar keinen Fall (!) heißen soll, dass man nun zur Einnahme von Blutverdünnern raten soll, wenn man Auren hat! Blutverdünner sind nicht ohne Risiko, das muss ärztlich immer sehr sorgfältig abgewogen werden und erst recht, wenn noch andere Grunderkrankungen vorliegen.

    Ca. 25% der Bevölkerung laufen übrigens mit einem offenen Foramen ovale durch die Gegend und kaum jemand weiß selber davon. Das kann einen in dieser Hinsicht doch wirklich auch noch beruhigen.

    Lieber Gruß
    Heika

    • Diese Antwort wurde geändert vor 10 Monate, 2 Wochen von  heika.
    haldirchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 49

    Danke, liebe Heika
    für Deine prompte und ausführliche Antwort! Dass durch die PMR die Gefäße im Gehirn geärgert werden, klingt sehr einleuchtend…
    Als vor 2 Jahren die PMR und die Aura begannen, wurden ihre Augen und Halsgefäße untersucht, auch damals ein MRT gemacht. Es war alles iO.
    Habe meiner Mom Deine Antwort weitergeleitet, sie sagt auch DANKE.
    Sie will jetzt schrittweise ihr Magnesium erhöhen, und wir werden das“Direkt“ besorgen.
    Leider kennt sich der Rheumatologe meiner Mutter nicht mit Migräne aus. Man ist so oft gegen alleine gelassen mit komplizierten Erkrankungen, besonders wenn mehrere vorliegen. Einen Termin im MVZ Neurologie hat sie erst in 5 Monaten.
    Liebe adventliche Grüße
    Judith

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4626

    Hallo Judith,

    Bei gehäuften und lang anhaltenden Auren hat sich das Antiepileptikum „Lamotigrin“ bewährt. Wie bei all diesen Mitteln kommt es auf einen Versuch an. Besprich das doch mal mit deiner Mama und ihrem Neurologen.

    Bei mir hat das Medi. super gute Wirkung gezeigt. Allein eine Halbierung der Auren wäre ja schon ein Traum. Wünsche ganz viel Erfolg.
    Ich weiß genau, wie fieß diese blöden Auren sind.

    Alles Liebe
    Sternchen

    glückdererde
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 514

    Liebe Judith,

    Deine Frage geht in Bereiche in denen meines Wissens die Forschung zwar tätig ist, es aber nur wenige Studien mit zum Teil widersprüchlichen oder nicht ganz eindeutigen Ergebnissen gibt.

    Als erstes würde ich den Rheumatologen Deiner Mutter genau befragen, ob die Diagnose der Polymialgia Rheumatica vollkommen eindeutig ist und es ausgeschlossen ist, dass sie eine Riesenzellenarteriitis (Arteriitis temporalis) hat. Die Symptome können ähnlich sein.

    Dann hast Du zweitens richtig gelesen: Das offene Foramen ovale wird teilweise (!) mit Migräne mit Aura assoziiert. Es gibt aber offenbar auch Fälle, bei denen eine Verstärkung oder ein Neuauftreten einer Migräne mit Aura oder einer isolierten Aura nach dem PFO Verschluss (!) aufgetreten ist.

    Meines Wissens deutet sich an, dass es Hinweise gibt, dass Auren durch alle Veränderungen der Druckverhältnisse im Herzen beeinflusst werden können. (Können, Hinweise, manchmal… das ist Forschung ohne klare und eindeutige Ergebnisse).

    Es könnte aus meiner Sicht eventuell hilfreich sein, wenn Deine Mutter, wie schon von Sternchen beschrieben, einen Versuch mit Lamotrigin macht. Auch von Clopidogrel gibt es wissenschaftliche Einzelberichte (!) die eine deutliche Verringerung der Häufigkeit der Auren nahe legen.

    Mit 74 Jahren kann man sowieso schon mal einen Kardiologen aufsuchen! Ob man dann tatsächlich ein transösophagiales Echo des Herzens machen sollte, soll der Kardiologe sagen. Selbst wenn sie ein PFO haben sollte, sollte man mit 70 auch immer sehen, ob es sinnvoll ist, es zu verschliessen.

    Wenn sie ansonsten keine Blutverdünner nimmt und der Arzt zustimmt (!) kann ein Versuch mit Clopidogrel sinnvoll sein (wobei die Wahrscheinlichkeit von Blutungen natürlich steigt). Lamotrigin ist im allgemeinen gut verträglich und aus meiner Sicht einen Versuch wert.

    Also: Zum Kardiologen kann sie ja sowieso mal gehen. Das andere würde ich mit einem (sehr) erfahrenen Neurologen besprechen.

    Auren können extrem belastend sein. Sie können jederzeit im Leben neu auftreten. Auch mit 74.

    Liebe Grüße

    • Diese Antwort wurde geändert vor 10 Monate, 2 Wochen von  glückdererde.
    Bettina Frank – Admin
    Keymaster
    Beitragsanzahl: 28225

    Liebe Judith,

    bei meiner Mutter verlief die Migräneerkrankung ähnlich wie bei Deiner. Einige Attacken zwischen 40 und 50, danach fast 20 Jahre Ruhe. Mit 70 die erste starke Aura, danach noch zwei migränöse Infarkte. Seitdem immer wieder mal Aura, manchmal mit, das andere Mal ohne nachfolgendem Kopfschmerz. Das ist wirklich eine tückische Krankheit und nicht mal auf das Alter kann man sich wirklich verlassen. Sie geht jetzt auf die 80 zu und hat noch keine Ruhe davor.

    Medikation mit zunehmendem Alter gestaltet sich oft etwas schwieriger, daher braucht sie einen sehr erfahrenen Neurologen. Er sollte sich mit Migräne und Auren gut auskennen. Antiepileptika im Alter können auch eventuell Probleme mit sich bringen, die den Einsatz nicht immer rechtfertigen. Daher gut beraten lassen und vielleicht reicht ja auch bereits Magnesium in etwas höherer Dosierung aus. Ist auch herzprotektiv, schadet daher nicht. Ausnahmen sind natürlich Gegenanzeigen wie Niereninsuffizienz usw., daher jede Medikation gut mit dem Arzt durchsprechen. Auch auf die Wechselwirkungen achten, die nicht jeder behandelnde Arzt immer im Blick hat.

    Alles Gute für Deine Mutter und liebe Grüße
    Bettina

    haldirchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 49

    Liebe Sternchen, Glückdererde und Bettina

    Vielen Dank für eure Beiträge. Alles ist hilfreich und auch beruhigend.
    Wir werden versuchen, einen früheren Termin bei einem Neurologen für meine Mutter zu bekommen, und auch die Idee mit dem Cardiologen finde ich sinnvoll. Hier bei uns in der gegend herrscht gefühlt ein extremer Fachärztemangel, und es dauert Monate, als neuer Patient einen Termin zu bekommen.
    Eine RZA wurde bei meiner Mutter anhand verschiedener Untersuchungen/ Kriterien ausgeschlossen, der Verdacht stand jedoch damals im Raum. Ihre Entzündungswerte sind seit einem Jahr konstant niedrig, ich denke dank des Cortisons.

    Über Lomotrigin habe ich mich ein bisschen informiert. Ich weiß nicht, ob eine Autoimmunerkrankung nicht ein Ausschlusskriterium ist, da es ja eine seltene, aber gefährliche NEbenwirkung das Immunsystem betreffend auslösen kann. Clopidogrel werde ich auch noch nachschauen.

    Bettina, der Migränöse Infarkt klingt beängstigend.Deine arme Mom ist auch so geplagt im Alter, das tut mir sehr leid. Da hat man als älterer Mensch schon einiges an „Altersproblemen“, und dann bekommt man noch so einen Mist dazu….Alles Gute auch für Deine Mutter!

    Auf jeden Fall wird jetzt ein Versuch mit 600mg/Tag MAgnesium gestartet!

    Liebe Grüße und allen eine schmerzarme Zeit
    Judith

    sternchen
    Teilnehmer
    Beitragsanzahl: 4626

    Liebe Judith,

    gern möchte ich es hier nocheinmal (auch ganz allgemein) deutlich machen. Es ist enorm wichtig einen wirklich guten Spezialisten, der sich ganz speziell mit dem entsprechenden Fachgebiet auskennt, der einen berät und mit dem man auf einer gemeinsamen Ebene steht, findet.

    Dieses mag u.U. einige Zeit brauchen. Um diese Zeit zu überbrücken kann man ja bei „Altem“ bleiben. Wenn man aber noch nicht wirklich fündig war, sollte man die Suche nicht aufgeben.

    Alles Liebe
    Sternchen

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